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Full text of "Österreichische Kunsttopographie"

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HANDBOUNO 
AT  THE 


UNIVERSITY  OF 
TORONTO  FRESS 


V&f 


ÖSTERREICHISCHE  KUNST- 
TOPOGRAPHIE 


HERAUSGEGEBEN  VOM  KUNSTHISTORISCHEN  INSTITUTE 
DER  K.  K.  ZENTRAL-KOMMISSION  FÜR  DENKMALPFLEGE 

REDIGIERT  VON  PROF.  Dr.  MAX  DVORAK 


BAND  XI 

(SALZBURG-LAND  II.  BAND) 

DIE  DENKMALE  DES  POLITISCHEN  BEZIRKES  SALZBURG 

III.  TEIL :  GERICHTSBEZIRK  SALZBURG 


WIEN  1916 
KUNSTVERLAG  ANTON  SCHROLL  &  Co. 

GESELLSCHAFT  M.  B.  H. 


DIE  DENKMALE  DES  GERICHTS- 


stgji 


BEZIRKES  SALZBURG 


VON 


Dr.  PAUL  BUBERL 


ARCHIVALISCHER  TEIL  VON  DR.  FRANZ  MARTIN 


6    TAFELN,  454  ABBILDUNGEN  IM  TEXTE 


WIEN  1916 
KÜNSTVERLAG  ANTON  SCHROLL  &  Co. 


ÜKSELLSCHAI-T  M.  B.  H. 


N 

Ol 


113193Ö 


DKUCK    VON    UUD01.F    M.  ROHRER    IN    BRUNN. 


INHALTSVERZEICHNIS 


Seite 

Vorwort .....;. VII 

Literaturverzeichnis     .  * IX 

Denl<mälerverzeictinis     ] 

Naelitriige ' 476 

Ver/.eiclinis  der  Abbildungen    .•..,.,.',. 477 

Namensregister 483 

Ortsregister 493 

Sacliregister ": -•.•■  f'v'-,-- 495 


VORWORT 


011  den  fünf  Gerichtsbezirken  des  politischen  Bezirkes  Salzburg  sind  vier  (St.  Gilgen,  Neumarkt,  Talgau, 
Mattsee,  Oberndorf)  im  X.  Bande  der  Kunsttopographie  behandelt,  dem  fünften,  nämlich  dem  Gerichts- 
bezirke Salzburg,  der  die  nähere  Umgebung  der  Landeshauptstadt  Salzburg  umfaßt,  mußte  wegen  der 
Reichhaltigkeit  und  der  Bedeutung  seiner  Kunstdenkmäler  ein  eigener  Band,  der  vorliegende  Band  XI 
der  Kunsttopographie  zugewiesen  werden.  In  die  Bearbeitung  des  Bandes  teilten  sich  wieder  der  Sekretär 
der  Z.  K.  Dr.  Paul  Buberi,  (für  die  kunsthistorisch-beschreibendeii  Teile)  und  der  Staatsarchivskonzipist 
am  k.  k.  Landesregierungsarchive  in  Salzburg  Dr.  Franz  Martin  (für  die  historisch-archivalischen  Partien). 
Die  architektonischen  Zeichnungen  wurden  von  den  Architekten  der  Z.  K-  Emmerich  Siegris  und  Dr.  Dago- 
bert Frey  ausgeführt,  die  photographischen  Aufnahmen  zum  größten  Teile  von  Dr.  Paul  Buberl,  zum  Teil 
von  den  Photographen  Hans  Makart  und  Franz  Grillparzer. 

Die  Inventarisierung  des  Bezirkes  wurde  im  Jahre  1911  durchgeführt  und  in  den  folgenden  Jahren  er- 
gänzt und  überprüft.  Infolge  des  Kriegsausbruches  und  der  Einberufung  des  Sekretärs  Dr.  Buberl  ver- 
zögerte sich  die  Drucklegung  des  bereits  1913  in  Satz  gegebenen  Bandes. 

Die  privaten  Kunstsammlungen  des  Bezirkes  werden  in  einem  später  erscheinenden  Anhang  (Beiheft) 
behandelt  werden.  Die  kunsthistorische  Übersicht  wird  aus  inneren  und  äußeren  Gründen  erst  in  dem 
den  angrenzenden  Bezirk  Hallein  behandelnden  Bande  gegeben  werden. 

Eine  Reihe  von  Subventionen  ermöglichte  eine  reichere  Ausstattung  des  Bandes.  So  spendete  Sr.  Majestät 
Oberstkämmereramt  1200  K,  Graf  Moy  de  Sons  200  K,  Fürst  Schwarzenberg  200  K,  die  Frli.  Mayr  von 
Melnhofsche  Gutsverwaltung  100  K,  wofür  wir  unseren  verbindlichsten  Dank  auszusprechen  uns  erlauben. 

Wien.  März   1916. 

Max  Dvofäk 


Österreichische  Kunsttopographie 

Herausgegeben  von  dem 

Kunsthistorischen  Institute  der  k.  k.  Zentralkommission  für  Denkmalpflege 

Redigiert  von  Prof.  Dr.  Max  Dvoi^dk. 


Bisher  erschienen:  „      ,  , 

Band  1: 

Die  Denkmale  des  politischen  Bezirkes  Krems. 

Bearbeitet  von  Dr.  Hans  Tietze,  mit  Beiträgen  von  Prof.  Dr.  Moritz  Hoernes  und  Dr.  Max  Nistler. 
1  Karte,  29  Tafeln,  480  Abbildungen  im  Text.    Preis  35  Kronen. 

Beiheft  zum  Band  1 :  Die  Sammlungen  des  Schlosses  Grafenegg. 

Bearbeitet  von  Dr.  Hans  Tietze. 
Tafeln,  114  Abbildungen  im  Text.   Preis  10  Kronen  (für  Besitzer  des  Bandes  1  5  Kronen). 
Band  1  und  das  Beiheft  „Grafenegg"  zusammen  40  Kronen. 

Band  II: 

Die  Denkmale  der  Stadt  Wien  (XI.     XXI.  Bezirk). 

Bearbeitet  von  Dr.  Hans  Tietze,  mit  archäologischen  Beiträgen  von  Dr.  Heinrich  Sitte. 
1  Karte,  37  Tafeln,  625  Abbildungen  im  Text.   Preis  40  Kronen. 

Band  III: 

Die  Denkmale  des  politischen  Bezirkes  Melk. 

Bearbeitet  von  Dr.  Hans  Tietze,  mit  Beiträgen  von  P.  Dr.  Eduard  Katschthaler,  Dr.  Hugo  Oberniaicr 

und  Dr.  Heinrich  Sitte. 
1  Karte,  28  Tafeln,  481  Abbildungen  im  Text.    Preis  40  Kronen. 

Band  IV: 
Die  Denkmale  des  politischen  Bezirkes  Pöggstall. 

Bearbeitet  von  Pfarrer  Alois  Plesser  und  Dr.  Hans  Tietze,  mit  Beiträgen  von  Dr.  Josef  Bayer 

und  Dr.  Heinrich  Sitte. 
1  Karte,  10  Tafeln,  301  Abbildungen  im  Text.    Preis  25  Kronen. 

Band  V:' 
Die  Denkmale  des  politischen  Bezirkes  Hörn. 

Bearbeitet  von  Dr.  Hans  Tietze,  mit  Beiträgen  von  Prof.  Dr.  Moritz  Hoernes  und  Johann  Krahuletz. 

1  Karte,  21  Tafeln,  679  Abbildungen  im  Text.    Preis  40  Kronen. 
(Auch  in  zwei  Teilen:  1.  Gerichtsbezirke  Eggenburg  und  Geras,  2.  Gerichtsbezirk  Hörn  erschienen, 

deren  jeder  um  25  Kronen  einzeln  beziehbar  ist.) 

Band  VI: 
Die  Denkmale  des  politischen  Bezirkes  Waidhofen  a.  d.  Thaya. 

Bearbeitet  von  Dr.  Hans  Tietze,  mit  Beiträgen  von  Dr.  Josef  Bayer. 
1  K-arte,  8  Tafeln,  185  Abbildungen  im  Text.     Preis  15  Kronen. 


Band  VII: 

Die  Denkmale  des  Benediktiner-Frauen-Stiftes  Nonnberg  in  Salzburg. 

Bearbeitet  von  Dr.  HansTietze,  mit  archivalischen  Beiträgen  von  Fr.  Regintrudis  von  Reichlin-Meldegg  O.S.  II 

33  Tafeln,  281  Abbildungen  im  Text.  Preis  35  Kronen. 

Band  VIII: 

Die  Denkmale  des  politischen  Bezirkes  Zwettl. 

Bearbeitet  von  Dr.  Paul  Buberl. 
1  Karte,  19  Tafeln,  443  Abbildungen  im  Text.    Preis  35  Kronen. 

(Auch  in  zwei  Teilen:  l.  Gerichtsbezirke  Allentsteig  und  Groß-Gerungs,  2.  Gericiitsbezirli  Zwettl 

erschienen,  dessen  erster  um  20  Kronen,  der  zweite  um  25  Kronen  einzeln  beziehbar  ist.) 

Band  IX: 

Die  kirchlichen  Denkmale  der  Stadt  Salzburg  (mit  Ausnahme  von  Nonnberg  und  St.  Peter). 

Bearbeitet  von  Dr.  Hans  Tietze,  mit  archivalischen  Beiträgen  von  Dr.  Franz  Martin. 

37  Tafeln,  330  Abbildungen  im  Text.    Preis  35  Kronen. 

Band  X: 

Die  Denkmale  des  politischen  Bezirkes  Salzburg  (I.  und  11.  Teil). 
Bearbeitet  von  Dr.  Paul  Buberl,  archivalischer  Teil  von  Dr.  Franz  Martin. 

1  Karte,  18  Tafeln,  588  Abbildungen  im  Text.     Preis  40  Kronen. 
(Jeder  der  beiden  Teile  ist  um  20  Kronen  einzeln  beziehbar.) 

Band  XII: 

Die  Denkmale  des  Benediktinerstiftes  St.  Peter  in  Salzburg. 

Bearbeitet  von  Dr.  Hans  Tietze. 
25  Tafeln,  296  Abbildungen  im  Text.     Preis  35  Kronen. 

Band  XIII: 

Die  profanen  Denkmale  der  Stadt  Salzburg. 

Bearbeitet  von  Dr.  Hans  Tietze,  mit  archivalischen  Beiträgen  von  Dr.  Franz  Martin. 

2  Pläne,  16  Tafeln,  426  Abbildungen  im  Text.    Preis  35  Kronen. 

Band  XIV: 

Baugeschichte  der  k.  k.  Hofburg  in  Wien  bis  zum  XIX.  Jahrhundert. 

Bearbeitet  von  Dr.  Moriz  Dreger. 
355  Abbildungen  in  Lichtdruck  und  anderen  Verfahren.     Preis  40  Kronen. 

Band  XV : 

Kunsthistorischer  Atlas  der  k.  k.  Reichshaupt-  und  Residenzstadt  Wien  und  Verzeichnis 

der  erhaltenswerten  historischen,  Kunst-  und  Naturdenkmale  des  Wiener  Stadtbildes. 

Bearbeitet  von  Dr.  Hugo  Hassinger. 
19  farbige  Pläne,  77  Abbildungen  im  Text.     Preis  35  Kronen. 
In  Vorbereitung: 

Die  Kunstsammlungen   der  Stadt  Salzburg.  Die  Denkmale   des   politischen   Bezirkes 

Gmünd.         Die  Denkmale  des  politischen  Bezirkes  Hallein.         Der  Dom  zu  St.  Stephan  in 
Wien.       Die  Denkmale  des  Stiftes  Zwettl.       Die  Denkmale  des  politischen  Bezirkes  Brixen. 


VERZEICHNIS  DER  DURCHGEHENDS  ZITIERTEN  LITERATUR 

UND  DER  ABKÜRZUNGEN 


Consecratio  et  Reconciliatio  ecclesiarum,  altarium  ac  coemeterioruin  peracta  per  Bertliolduni  Puerstinger  episcopum  Chiemeiisem, 
annis  1511—1524;  abgedruckt  in  Personalstand  der  Säkular-  und  Regular-Geistlichkeit  des  Erzbistums  Salzburg,  1854 
S.  I-XXIV  (1511-1518)  und  1855  S.  XXIV-XLIV  (1518—1524). 

Danreiter Die  Saltzburgische  Kirchen-Prospect  gezeichnet  und  überreichet  dem  hochwürdigsten  .  .  .  Leo- 

poldo  Ertz-Bischoffen  zu  Salzburg  .  .  von  dero  Garten-Inspectore  und  Cammerdiener  Franc.  Anton 
Danreiter  verlegt  und  an  Tag  gegeben  durch  Johann  Andreas  Pfeffel,  der  Kays.  May.  Hoff- 
Kupferstechern  in  Augsburg,  o.  J.  (ca.  1740). 

Doppler,  Konsistorialurkunden  .  Adam  Doppler,  Die  ältesten  Original-Urkunden  des  f.-e.  Konsistorialarchives  zu  Salzburg  1200 

bis  1500  in  Landeskunde  X  127,  XI  71,  XII  179,  XIII  1,  XIV  1,  XV  1  und  XVI  207. 

Doppler -Widmann,  Nonnberger 

Urkunden Urkunden  und  Regesten  des  Benediktinnen-Stiftes  Nonnberg  in  Salzburg.    Nach  den  Abschriften 

Adam  Dopplers  herausgegeben  von  Dr.  H.  WiDMANN  in  Landeskunde  Bd.  XXXV— XLVIII. 

DürLINQER,  Handbuch     ....  Historisch-statistisches  Handbuch    der  Erzdiözese  Salzburg    in   ihren    heutigen  Grenzen.    Erster 

Band:  Ruraldekanate  des  Flachlandes.    Salzburg  1862. 

Hauthaler,  U.-B.  I Abt    Willibald    Hauthaler,    Salzburger    Urkundenbuch,    I.   Band:    Traditionscodices.     Salz- 
burg 1910. 

Hauthaler-Martin,  U.-B.  2  .   .  Abt  Willibald  Hauthaler  und  Franz  Martin,  Salzburger  Urkundenbuch,  IL  Bd.  1.  Heft:  Die 

Urkunden  von  790—1072.    Salzburg  1910. 

Hübner,  Flachland L.  Hübner,   Beschreibung  des  Erzstiftes  und  Reichsfürstentums  Salzburg  in  Hinsicht  auf  Topo- 
graphie und  Statistik.    I.  Band:  Das  salzburgische  flache  Land.    Salzburg   1796. 

HObner,  Stadt L.  Hübner,  Beschreibung  der  hochfürstlich-erzbischöflichen  Haupt-  und  Residenzstadt  Salzburg 

und  ihrer  Gegenden,  verbunden  mit  ihrer  ältesten  Geschichte.  Erster  Band.  Topographie.  Salz- 
burg 1792. 

Landeskunde Mitteilungen  der  Gesellschaft  für  Salzburger  Landeskunde,  Bd.  I— LIV  (1861  —  1914). 

Meiller  RAS Andreas  v.  Meiller,  Regesta  archiepiscoporum  Salisburgensium  inde  ab  anno  MCVI  usque  ad 

annum  MCCXLVI.  Regesten  zur  Geschichte  der  Salzburger  Erzbischöfe  Conrad  I.,  Eberhard  I., 
Conrad  IL,  Adalbert,  Conrad  III.  und  Eberhard  II.    Wien  1866. 

Mitteil.  d.  Z.  K Mitteilungen  der  k.  k.  Zentral-Kommission  für  Denkmalpflege. 

Pillwein,  Salzachkreis     ....  Benedikt  Pillwein,   Das    Herzogtum  Salzburg   oder   der  Salzburger  Kreis.     Ein  Originalwerk. 

Historisch-geographisch-statistisch  beschrieben  und  als  ein  selbständiges  Lese-,  Studier-  und 
Nachschlagebuch  bearbeitet.  [Geschichte,  Geographie  und  Statistik  des  Erzherzogtums  Österreich 
ob  der  Enns  und  des  Herzogtums  Salzburg.   Fünfter  Teil:  Der  Salzburger  Kreis.)    Linz  1839. 

11 


X  Uteraturvcrzcichnis 

Hadinoer Dr.  Karl  v.  Radinoer,  Verztichnis  der  Zinngegenstäiide  des  städtischen  Museums  in  Salzburg. 

Salzburg  1910.   Sonderabdruck  aus  dem  Jahresberichte  1909  des  städt.  Museums  (mit  7  Marken- 
tafeln). 

Richter,  Untersuchungen    .   .    .  Eduard  Richter,  Untersuchungen  zur  histor.  Geographie  des  ehemaligen  Hoclistiftes  Salzburg 

und   seiner  Nachbargebiete  in  Mitteilungen  des  Instituts  für  österreichische  üeschichtsforschung. 
1.  Ergänzungsband  (1885)  S.  590  ff. 

RosENBERO' Marc  RoSENBERO,  Der  Goldschmiede  Merkzeichen,  2.  vermehrte  Auflage,  Frankfurt  am  Main  1911. 

SRA Regierungsarchiv,  Salzburg. 

Widmann,  Gesch.  Salzburgs  .    .  Hans  Widmann,  Geschichte  Salzburgs,  3  Bände.   [Allgemeine  Staatengeschkhte,  herausgegeben 

von  K.  Lamprecht.    III.  Abt.   Deutsche  Landesgeschichten  9.  Werk.)    Gotha  1907  — 1914. 


VI. 
QERICHTSBEZIRK  SALZBURG 


XI 


Fig.  1     Aigen,  Pfarrkirche  und  Scliloß,  Ansicht  von  Südwesten  (S.  4) 


Aigen,  Ortsgemeinde 

Literatur:  Hübner,  Stadt  1,  565.  —  Dr.  A.  Weissenbach,  Aigen,  Besclireibung  und  Diclitiing.  Salztiurg  1817.  —  Pillwein, 
Salzactittrcis  374.  —  DOrlinger,  Handbucti  68.  —  Pirckmayer,  Aigen  bei  Salzburg,  1898.  —  J.  Prötzner,  Zur  SOOjälirigen 
Jubelfeier  der  Pfarrkirche  Aigen,   1911. 

Alte  Ansichten  (in  der  Sammlung  des  Salzburger  Museums):  1.  Aquarell  von  Franz  Sales  Dremel,  1792.  —  2.  Kolorierte  Radierung 
von  Louis  Wallee  (Vallet),  um  1800  (Fig.  2).  —  3.  Stich  von  Schneeweis,  um  1800.  —  4.  Radierungen  von  Günther  nach 
Zeichnungen  von  Runk,  Anfang  des  XIX.  Jhs.  —  5.  Kleine  Lithographien  im  Verlag  Oberer,  Salzburg,  um  1840.  — 
6.  Lithographie  von  L.  Rottmann  nach  Q.  Pezolt,  um  1850.  —  7.  Stich  von  C.  Huber  nach  J.  Fischbach,  um  1850. 

Ältestes  Vorkommen  s.  unten. 


Pfarrkirche  zum  hl.  Johannes  dem  Täufer. 

Die  erste  Nachricht  über  die  Kirche  stammt  aus  dem  Jahre  1411:  am  4.  Juli  weihte  Bischof  Engelmar 
von  Chiemsee  den  Chor  samt  dem  Hochaltar  zu  Ehren  der  hl.  Dreifaltigkeit,  des  Kreuzes  Christi,  U.  L.  Frau, 
insbesonders  aber  St.  Johannes  des  Täufers  und  des  Evangelisten.  Am  3.  Juli  1435  wurde  die  Kirche 
neuerdings  samt  zwei  Seitenaltären  von  Bischof  Johann  von  Chiemsee  geweiht.  1447  ist  auch  schon 
ein  Friedhof  bezeugt.  Bis  1699  wurde  Aigen  von  der  Stadtpfarre  aus  pastoriert.  In  diesem  Jahre  wurde 
Aigen  und  Gnigl  als  Kuratie  ausgeschieden  und  ersteres  wurde  die  Hauptkirche,  letzteres  dagegen  der 
Wohnsitz  des  Kuraten.    1852  wurden  beide  zu  selbständigen  Pfarren  erhoben. 

1689  wurde  die  Kirche,  die  sich  als  viel  zu  klein  und  eng  erwies,  länger  gebaut,  wozu  Graf  Johann  Josef 
Kuenburg  den  erforderlichen  Grund  schenkte.  Der  von  Lorenz  Stumpfegge r,  bürgerlichem  JV\aurer- 
meister,  entworfene  Voranschlag  bezifferte  sich  auf  1556  fl.    Am  9.  August  1717  wurde  die  Fassung  des 


4  Oerichtsbezirk  Salzburg 

Hochaltars  dem  GoUinger  Maler  Jacob  Simon  Lamperti  übertragen,  indem  man  das  Ansuchen  des 
Baltasar  Böckl  abwies.  In  den  Überschlägen  werden  Weintrauben,  Laubwerck  und  2  Seitenbilder  St.  Peter 
und  Paul  genannt.  1781  und  1782  wurden  von  Johann  Oberascher  Glocken  gegossen.  1804 
machte  Josef  Fagerer,  Zimmermeister  im  Stein,  Betstühle. 

1848  wurden  mit  dem  Raimund  Hellauerschen  Legate  von  1500  fl.  drei  neue  Altäre  aufgestellt,  die  aber, 
im  gotischen  Stil  ausgeführt,  nie  der  Bevölkerung  gefielen.  Das  Seitenaltarbild,  Christus  am  Kreuze 
mit  Maria,  Johannes  und  Magdalena,  wurde  von  Jaud  um  54  fl.  renoviert.  1854  machte  Steinmetz  Has- 
lauer einen  Taufstein  für  150  fl.    1869  wurde  die  Kirche  renoviert;  bei  dieser  Gelegenheit  wurden  auch 


wVyiädl 


Fig.  2    Aigen,  kolorierte  Radierung  von  Louis  Wallee,  um  1800  (S.  4) 


Charakte- 
ristik. 
Flg.  1-5. 


statt  der  Altäre,  „welche  in  ihrem  gotischen  Stile  mit  dem  Baustile  der  Kirche  nicht  harmonieren",  nach 
Entwürfen  des  Architekten  Wessiken  neue  hergestellt  und  die  gesamte  Inneneinrichtung  erneuert.  Die 
Altarbilder  malte  Sebastian  Stief. 

1909 — 1911  wurde  die  Kirche  nach  den  Plänen  des  Architekten  Karl  Pirich  erweitert,  indem  der  alte  Chor 
zur  östlichen  Seitenkapelle  umgestaltet,  ein  Langhaus  nach  N.  und  ein  neuer  Chor  nach  S.  angebaut  wurde. 

Charakteristik:  Ursprünglich  einschiffige  tonnengewölbte  Barockkirche  mit  halbrundem  Chor  und 
Westturm  (um  1689),  1909  erweitert  (Fig.  1—5). 

Die  im  Innern  gänzlich  stimmungslose  neue  Kirche  ist  in  brüsker  Weise  mitten  quer  durch  die  alte  gelegt. 
Die  bei  jeder  Kirchenerweiterung  anzustrebende  Erhaltung  des  alten  Bestandes  ist  also  hier  nur.  eine 
scheinbare.  Die  Hauptteile  der  alten  Kirche  —  Ostchor  und  Langhaus  mit  Westturm  —  sind  nun  ihrer 
ursprünglichen  Funktion  vollkommen  beraubt,  zu  untergeordneten  Räumen  degradiert,  künstlerisch  tot. 
Auch  die  alte  malerische  Außenansicht  ist  durch  diese  unorganische  Zersetzung  des  Alten  durch  das  Neue 
vernichtet.  Nur  bei  einer  Ansicht  ganz  von  S.  her  kann  man  sich  den  ursprünglichen  Bestand  halbwegs 
noch  vortäuschen  (Fig.  5).  —  Ein  Muster  einer  künstlerisch  total  verunglückten  Kirchenerweiterung! 


Aigen 


Lage:  Am  Westfuße  des  bewaldeten  Gaisberges,  nördlich  neben  dem  Schwarzenbergschen  Schlosse,  vom 
Friedhof  umgeben.  Eine  schöne  alte  Kastanienallee  führt  von  NW.  her  zur  Kirche. 

Äußeres  (Fig.  1,  4): 

Bruchstein  und  Ziegel,  verputzt  und  weiß  gefärbelt. 

Turm:  Um  1689  erbaut.  Dem  ursprünglichen  Langhause  (jetzt  Querschiff)  im  W.  vorgelagert.  Hoher 
Sockel  aus  Nagelflue.  Drei  Geschosse,  geschieden  durch  steinerne  Kaffgesimse.  —  W.  Unten  über  fünf 
Marmorstufen  rundbogiges  Tor  in  profilierter  Steinrahmung,  darüber  zwei  Luken,  ebensolche  im  N.  und  S. 
Oben  vier  rundbogige  Schallfenster  in  Steinrahmung,  darunter  hölzerne  Zifferblätter.  Ausladendes  pro- 
filiertes Kranzgesims.     Schindelzwiebeldach,  im  oberen  Teil  aus  Blech.    Vergoldete  Kugel  und  Kreuz. 

Ursprüngliches  Langhaus  (jetzt  Querschiff).  Sockel  aus  Nagelflue,  profiliertes  Hohlkehlgesims.  W. 
Giebelwand,  Mitte  durch  vorgebauten  Turm  verdeckt.  S.  und  N.  In  der  Mitte  der  ehemaligen  Langseiten 
Anbau  des  modernen  Langhauses,  des  Chors  und  der  Sakristei.    Im  N.  rechts  und  links  vom  Anbau  je 


Lage. 


Äußeres. 
Fig.  1,  4. 

Turm. 


Langhaus. 


I'ig.  3    Aigen,  Pfarrl<irche  vor  dem  Umbau  und  Schloß  (S.  4) 


>' 


ein  rundbogiges  Fenster.  Im  O.  halbrunder  Abschluß;  zwei  hohe  rundbogige  Fenster,  in  der  Mitte  rund- 
bogige  Blendnische,  unter  dem  nordöstlichen  Fenster  neu  ausgebrochene  rechteckige  Tür.  Nach  O.  ab- 
gewalmtes  Ziegelsatteldach. 

Friedhofmauer:  Verputzt,  mit  Zement  abgedeckt.  Im  W.  alter  Haupteingang  zwischen  zwei  kugel- 
bekrönten Konglomeratpfeilern. 

Wk  Inneres  (Fig.  5): 

Das  alte  Langhaus  hat  ein  von  rundbogigen  Stichkappen  eingeschnittenes  Tonnengewölbe.  Im  W.  die 
alte  Holzempore.  Die  Lösung  des  Erweiterungsproblems,  durch  die  das  alte  Langhaus  zum  Querschiffe 
degradiert  wurde,  ist  keine  günstige.  Der  Raumeindruck  ist  kein  einheitlicher  mehr.  Das  Innere  kahl 
und  unfreundlich. 

Im  ehemaligen  Chor  ein  ornamentales  Glasfenster  von  1863  (Daree,  München)  und  zwei  figurale  (St.  Georg 
und  Karl)  von  K-  Biller,  München,  1864. 

Einrichtung: 

Zwei  moderne  Altäre  mit  schönen  Marmormensen,  aber  recht  mittelmäßigem  Aufbau,  von  1909.  In  der 
südlichen  Seitenkapelle  moderner  Altar  mit  Marmormensa  und  vergoldetem  Holztabernakel,  von    1869. 

Kanzel:  Holz,  polychromiert,  einfach.  An  der  Brüstung  die  Figuren  der  vier  Evangelisten.  Mitte  des 
XIX.  Jhs. 

Orgel:  Gehäuse  mit  schön  geschnitzten,  neu  vergoldeten  Ranken.    Anfang  des  XVIII.  Jhs. 

Weihbrunn  stein:  Rötlicher  Marmor,  gebuckelt,  eingemeißelt:  L.  ST.  1691  (=  Lorenz  Stumpfegger). 


Friedhof- 
mauer. 

Inneres. 
Fig.  5. 


Einrichtung. 


Kanzel. 

OrgeL 
Weihbrunn- 
stein. 


6  Gerichtsbezirk  Salzburg 

Gemälde.        Gemälde:  Altes  Hochaltarbild.    Öl  auf  Leinwand.  Taufe  Christi,  von  Sebastian  Stief,  1868. 

Skulpturen.       Skulpturen:  Holz,  polychromiert.    1.  Großes  Kruzifix  im  Chor.  Gut,  XVlll.  Jh. 

2.  Prozessionskruzifix.    Gut,  XVlIl.  Jh. 

3.  Statue  des  auferstandenen  Heilandes.    Gut,  XVlll.  Jh.  (Sakristei). 

4.  Am  modernen  Marmortaufstein  (von  1854)  alter  Holzdeckel  mit  der  guten  Holzstatuette  des  hl.  Johannes 
des  Täufers.    XVlll.  Jh. 

5.  Außen  im  N.  Missionskreuz  mit  gutem  Kruzifixus.    XVlll.  Jh. 

Gitter.  Gitter:  Am  Nordeingang  altes  Gittertor,  Schmiedeeisen.    XVIII.  Jh. 

Sakristeitür.       In  der  Sakristei  die  kleine  alte  Sakristeitür,  aus  starken  Eichenbohlen,  mit  altem  Schloß.    Um  1690. 
Kasel.  K  a  s  e  1 :  Goldbrokat.    Mittelteil  auf  weißer,  Seitenteile  auf  roter  Seide.    Erste  Hälfte  des  XIX.  Jhs. 


Fig.  4    Aigen,  Pfarrkirche  und  Schloß,  Ansicht  von  Süden  (S.  5) 


Monstranzen.  Monstranzen:  1.  Silber,  vergoldet.  Oblonger  vierpaßförmiger  Fuß,  getrieben  (vier  Gehänge  von 
Granatäpfeln  und  Trauben,  vier  aufgeschraubte  rundplastische  Cherubsköpfchen).  Am  Knauf  zwischen 
Blattwerk  drei  ovale  Knöpfe  mit  den  gravierten  Monogrammen  Jesu  und  Mariae  und  dem  Allianzwappen 
Kuenburg-Harrach.  Als  Lunulaträger  ein  Cherubskopf.  Schein:  Herzförmiger  Woikenrahmen  mit  unechten 
Steinen,  durchbrochene  silberne  Akanthusranken  mit  den  aufgelegten  vergoldeten  Relieffiguren  Gott- Vaters 
(darüber  die  Taube),  der  knienden  Madonna  und  zweier  kniender  Engel  mit  Weihrauchfässern.  Trauben. 
Geflammter  vergoldeter  Strahlenkranz.  —  Marken:  Augsburger  Beschau  (R^  151).  Meisterzeichen:  LS 
in  Breitoval  (R"''  483).  Sehr  gute  Augsburger  Arbeit,  um  1690,  wohl  von  Ludwig  Schneider  (gest. 
1729). 

2.  Messing,  vergoldet  und  versilbert,  mit  getriebenen  Rocaiilen.    Mitte  des  XVlll.  Jhs. 

3.  Messing,  vergoldet  und  versilbert,  gegossen.    Mitte  des  XIX.  Jhs. 

Ziborium.        Ziborium:   1.  (Fig.  6).   Silber,  vergoldet.    Am  Fuße,  Cuppakorb  und  Deckel  verziert  mit  je  drei  ge- 
Fig.6.  triebenen  Rocaillenkartuschen  mit  Rosen.  —  Marken:  Augsburger  Beschau  mit  Y  (1777—1779;  R-  216). 

Meisterzeichen:  CXS  (R*  568).    Gute  Augsburger  Arbeit,  um  1778,  von  Caspar  Xaver  Stipeldey 
(Meister  1766—1809).    Am  Deckel  jüngere  Krone,  Messing,  vergoldet,  mit  unechten  Steinen.    Ende  des 
XVlll.  Jhs. 
2.  Modernes  Ziborium. 


IB 


Aigen 


Kelche:  Alle  Silber,  vergoldet. 

1.  (Fig.  Sc).  Runder  Fuß  mit  gewelltem  Rande,  verziert  mit  getriebenem  Blattwerk.  Am  Knauf  drei 
Engelshalbfiguren.  Durchbrochener  silberner  Cuppakorb  mit  drei  Cherubsköpfen.  —  Marken:  Salzburger 
Beschau.  Meisterzeichen:  P  M  in  Schild.  Gute  Salzburger  Arbeit  aus  der  Mitte  des  XVII.  Jhs.,  von 
Paul  Mayr  (Bürger  seit  1636). 

2.  (Fig.  8  a).  Sechspaßförmiger  Fuß,  verziert  mit  getriebenem  Bandwerk,  Rosen,  Granatäpfeln  und  Trauben. 
Am  Knauf  drei  glatte  ovale  Knöpfe  zwischen  Blattwerk.  Durchbrochener  silberner  Cuppakorb  mit  Band- 
werk. —  Marken:  Beschauzeichen  ausgefallen.  Meisterzeichen:  Minuskel-M  (ähnlich  R-  4855).  Schöne 
Arbeit,  um  1720. 

3.  (Fig.  8/»).    Fuß  und  Cuppakorb   getrieben,    mit  Bandwerk  und  je   drei   ovalen  Kupferemail 
medaillons   in  Bandwerkkartuschen:   Dornenkrönung,   Sturz  unter  dem  Kreuze,   Kreuzigung   — 
Ölberg,  Abendmahl,  Geißelung.    Am  Knauf  drei  glatte  Knöpfe  zwischen  Laubwerk.  —  Marken: 
Salzburger   Beschau.    Meisterzeichen:    I M    in   Schild.    Gute   Salzburger  Arbeit,   um    1730,   von 
Josef  Mayr  (Bürger  seit  1728). 


(D 


Kelche. 
Fig.  8c. 


Fig.  8  a. 


Fig.  86. 


Fig.  5    Aigen,  Pfarrkirche,  Grundriß  1 :  300  (S.  5) 


Meßkännchen  und  Tasse:    1 


Silber,  mit  getriebenem  Bandwerk.  —  Marken:  Augsburger  Beschau 
(1737—1739;   R-  182).    Meisterzeichen  „"^^  in    Dreipaß.     Augsburger  Arbeit, 


mit  Jahresbuchstaben 

um  1737. 

2.  Silber,  mit  getriebenen  Ornamenten  und  Cherubsköpfchen. 

Meisterzeichen:  GSt. 


D  -S 

Marken:  Münchner  Beschau  von  1843. 


Kreuzpartikelmonstranz  (Fig.  7^):  Silber,  teilweise  vergoldet.  Oblonger  Fuß  mit  getriebenem 
Bandwerk.  Die  Balkenenden  des  Kreuzes  verziert  mit  graviertem  Bandwerk.  Auf  der  Rückseite  in  der 
Mitte  in  vergoldetem  Relief  ein  Greif  in  Rundmedaillon.  Vergoldete  Strahlen.  —  Marken:  Münchner  Beschau 

(R2  2256).    Meisterzeichen:  j^^^,  in  Schild  (R'^  2290).    Gute  Münchner  Arbeit,  um   1730,  von  Johann 

Michael  Ernst  (Meister  1680,  gest.  1735). 

Reliquiar  (Fig.  7a):  Messing,  vergoldet  und  versilbert.  In  Form  einer  kleinen  Monstranz.  Mitte  des 
XVIII.  Jhs. 


Meßitännchen 
und  Tasse. 


Kreuzpartikel- 
monstranz. 
Fig.  7  a. 


Reliquiar. 
Fig.  7b. 


8 


Oericlitsbezirk  Salzburg 


Bittgangs- 
kreuz. 
Kruzifix. 

Leuchter. 


Steinrahtnen. 


Bittgangskreuz:  Messing,  versilbert.    Mitte  des  XIX.  Jhs. 

Kruzifix:  Kleines  Standi<ruzifix,  Silber,  getrieben;  am  Fuß  und  an  den  Balkenenden  Rocaillen.    Salz- 
burger Beschauzeichen.    Mitte  des  XVIII.  Jhs. 

Leuchter:  1.  Sechs  große  Leuchter  von  Gürtlerarbeit,  Messingblech,  versilbert,  mit  getriebenen  Ro- 
caillen, dreifüßig.    Mitte  des  XVIII.  Jhs. 
2.  Vier  kleine  dreifüßige  Leuchter,  Messingblech,  versilbert,  um  1800. 

Steinrahmen:  Außen  an  der  Ostseite  des  Langhauses 

eingemauert. 

1.  Rechteckiger   profilierter  Rahmen    aus  rotem  Marmor 

(122  X  93  cm).     Oben    Aufsatz    mit    seitlichen    Voluten 

und  Wappen,   unten  Inschriftenplatte  (beide  aus  hellem 


Fig.  6    Aigen,  Ziborium  von  C.  X.  Stipeldey 
in  Augsburg,  um  1778  (S.  6) 


Grabsteine. 


Fig.  9. 


Fig.  7    Aigen,  Pfarrltirche.    a  Reliquiar,  um  1750, 

b  Kreuzpartilcelmonstranz  von  J.  M.  Ernst  in  Münclien, 

um  1730  (S.  7) 

Marmor):  Franciscus  Josephus  Waldherr  de  Badamberg 
huiiis  loci  dominus  et  Serenissimi  diicis  Bavariae  con- 
siliarius  fieri  fecit  MDCCXLV/ {\746).  Im  Rahmen  stark 
verrostetes  „byzantinisches"  Madonnenbild,  Öl  auf  Eisen- 
blech. 

2.  Ähnlicher  gleichgroßer  Rahmen  mit  dem  verwitterten  Bilde  der  Mutter  Gottes  von  Alt-Ötting,  Öl  auf 
Blech.  Unten  Inschrift:  Johannes  Hrnestus  S.  R.  I.  £'(ques)  et  «o^(ilis)  de  Antrettern,  provincialis 
co«s(iliarius)  bell{{)  et  inclytiüm)  s/a^(uum)  provincialium  cancellarius,  MDCCLXVI  (1766). 

Grabsteine  an  den  Außenseiten:  1.  An  der  Ostseite  des  Langhauses  außen  eingemauert.  Roter 
Marmor  (265  X  129  cm).  Im  vertieften  Mittelfelde  großes  schön  gemeißeltes  Wappen.  Umschrift  in 
gotischer  Minuskel:  Hye  leyt  Seybold  Noppingar  der  .  gestorben  .  ist  .  an  .  sand .  antonigen  .  tag . 
da  .  man  .  czalt  .  von  .  Christi  .  gepurd  .  tausend  .  iar  .  und  (vier)  hundert  .  jar  .  und  .  dar  .  nach  .  im  . 
siben  .  und  .  dreizzigisten  .  jare  .  dem  .  got .  genad  (1437).  —  Oben  kleinere,  später  zugefügteMinuskel- 
inschrift:  Hie  ist  begraben  Cristoff  Noppinger  der  gestorben  ist  an  aller  Seintag  anno  dhi  m°  cccc 
und  in  dem  Iviiii  iar  (1459)  (Fig.  9). 

2.  Daneben:  Roter  Marmor  (263  X  128  cw;).  Gleiches  Wappen  wie  beim  vorigen.  Umschrift  in  gotischer 
Minuskel:  Hie  leit  Conrad  Noppinger  (der)  gestorben  ist  an  vnser  frawn  abent  der  gepurd  anno  dni 


Aigen 


mccccxlvu  (1447)  avch  leit  hie  Hanns  Noppinger  der  gestorben  ist  an  Sand  Margareten  abent  anno  dnl 
mcccclxi  iar  dem  got  gnad  (1461). 

3.  Große  rote  Marmorplatte  an  der  Westseite  (211  X  105  c/n).  In  der  unteren  Hälfte  Wappen,  in  der 
oberen  Inschrift  in  gotischer  Minuskel:  Disen  stain  vnd  begrebnus  hat  lassen  machen  die  Edel  vnd 
Erndugendhafft  Frau  S u  s a n a  Cristalniggin  geborne  Khässerin  witib  irem  lieb{en)  hauswiert seligen 
als  dem  Edlen  und  Vesten  Esaias  Cristtalnigg  zu  aig{en)  Welich{er)  gestorb{en)  ist  den  4.  tag  sepemb(er) 
des  90.  Jars  deme  got  der  almechtig  ein  freliche  vrst{t)nd  verleichen  welle  amen.    1591. 

4.  An  der  Westseite  des  alten  Langhauses:  Rote  Marmorplatte.  Unten  in  rundbogiger  Arl<ade  Doppel- 
wappen in  hohem  Relief.  Oben  zehnzeilige  Inschrift;  Anndre  Aman  von  Hundtsdo rff,  welcher 
gestorben  ist  den  5.  tag  Julii  im  1599  Jar . . .  disen  Stain  haben  baidte  Frauen  weilundt  die  Edl  und 
Tugentsam  Frau  Regina  Amanin  ain  geborne  Wilpenhoferin  als  sein  nachgelassne  wittib  und  Frau 
Catharina  Schelerin  als  sein  befraindte  zu  Christlicher  gedechtnus  machen  lassen  (Fig.  10). 


Fig.  10. 


a  Um  1720. 


Fig.  8    Aigen,  Pfarri<irche,  Kelche. 
b  Von  Josef  Mayr  in  Salzburg,  um  1730.    c  Von  Paul  Mayr  in  Salzburg,  um  1650  (S.  7) 


5.  An  der  Ostseite:  Rote  Marmorpiatte  (148  x  76  cm).  Unten  Doppelwappen,  Cherubskopf.  Oben  In- 
schrift: Elisabetha  Schillerin  zu  harden  aes  Edlen  Hochgelerten  kern  Melchardt  Mülhauser 

zum  flöderpach  /(ü)/-(stl.)  Saltzb.  Hof  Medici  Hausfrau;  1605  (Fig.  11).  Fig.  11. 

6.  Rote  Marmorp'atte  an  der  Westseite,  neben  Nr.  3,  gleichgroß.  In  der  unteren  Hälfte  Wappen,  etwas 
abgetreten,  oben  Inschrift  in  gotischer  Minuskel:  Frau  Barbara  Nidermaierin  von  Hameraw 
gebornne  Mummerrin  deß  Edlen...  Corbinian  Nidermaier  beider  Rechten  Licentiaten  und  wirklichen 
Saltzb.  Hofgerichts  Advocaten  gewesste  Eheliche  Hausfrau;  1626. 

7.  An  der  Westseite,  neben  Nr.  4,  große  rote  Marmorplatte.  In  der  Mitte  Kelch  mit  Dreipaß.  Johann 
Find t er,  Chorherr  von  Mühldorf,  Stadtpfarrer  von  Hallein,  Pfarrer  in  Gastein  und  Perndorf,  1656. 

Glocken:  1.  Große  Glocke  von  1904  (Oberascher,  Salzburg).  Glocken. 

2.  Madonna,  Enthauptung  des  Täufers,  Kruzifix,  St.  Georg.  Sub  primo  parocho  in  Aigen  r.  d.  Georgio 
Freundlinger  fusa  a  Fr.  Oberascher  Salisburgi  MDCCCLI/I. 

3.  St.  Johann  der  Täufer,  Josef,  Leonhard,  Madonna,  Johann  und  Paul.  Inschrift:  Gegossen  von  Johann 
Oberascher  in  Salzburg  1822. 

J.  Glatt,  ohne  Inschrift,  alt. 

XI  2 


10 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Friedhof.  Friedhof:  In  der  Kapelle  des  neuen  Friedhofs  Aigen-Glas  ein  hübscher  Rokokoaltar:  Holz,  alt 
gefaßt;  bunt  marmoriert,  die  geschnitzten  Rocaillenzierate  vergoldet.  Leuchterbank  mit  eingebauten 
Kanontafeln  und  Rocaillenleuchtern.  Kleines  Tabernakel.  Kleiner  Wandaufbau  mit  zwei  seitlichen  Säulen 
vor  Doppelpilastern.  —  Altarbild:  Die  hl.  Familie.  —  Statuetten:  St.  Anton  und  St.  Helena,  zwei  Putti. 
—  Gut,  um  1760. 


SSjÖtt 


ri)ifmS(ain  ßfvWirtaiöfe  jraöm  \m^ 

Fi«(l"Am(ittw*(fi4i  offaornflüilpcnfio^iD  ] 
'iUöfrin  nor^qfl«f|nf Icifnb.uiiöJVpii  '. 
jCfltÖOTiimScIfffrüiftlsffin  6rjrotijö{t^| 


Fig.  10    Aigen,  Pfarrkirche, 

Grabstein  des  Andreas  Aman 

von  Hundsdorf,  1599  (S.  9) 


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plhsrinttg^ioJiiiiai'iiit^o»«)to>biiB'  ct..  g^' 


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Fig.  9    Aigen,  Pfarrkirche,  Grabstein 
des  Seiboid  Noppinger,  1437  (S.  8) 


-3)iiitn.tOrr(V^cu  t)u  J'üis;!-!,! 
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(llmtbuiri»  oi»ifrftlH;\)f^ü{v 
*  %fttn(i.(l]ur«t. 


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Fig.  11     Aigen,  Pfarrkirche, 

Grabstein  der  Elisabeth  Schiller, 

1605  (S.  9) 


Schloß  Aigen  1 

Archivalien:  Gräflich  Kuenburgsches  Archiv  im  Langenhof  zu  Salzburg  (Originalurkunden). 
Literatur:  Siehe  oben. 

Der  Herrensitz  Aigen  erscheint  1402  zum  ersten  Male,  und  zwar  im  Besitze  des  Domkapitels,  das  ihn 
1516  samt  Mühle  und  Stampf  an  den  Salzburger  Bürger  Jakob  Kaserer  vertauschte.  1524  erschien  zu 
Augsburg  eine  Druckschrift  über  die  Heilkraft  des  Aigner  Wassers  von  Dr.  Johann  Paul  Zangmeister, 
Leibmedikus  des  Erzherzogs  Ferdinand.  Durch  Susanna  Kaserer,  die  mit  Esaias  Christalnickh  verheiratet 
war,  kam  Aigen  nach  1564  an  diesen  und  dann  an  ihren  zweiten  Mann  Hans  Jakob  Gatt.  Dieses  Ehe- 
paar verkaufte  die  Hälfte  1589  an  Augustin  Prandt,  fürstlichen  Mautner  in  St.  Gilgen.  Am  26.  Oktober 
1594  wird  dem  hochfürstlichen  Konsistorium  als  Zensurbehörde  ein  neuer  Traktat  über  die  Heilkraft  des 
Bades  Aigen  vorgelegt,  aber  die  Drucklegung  nicht  erlaubt').  1601  verkaufen  Hans  Jakob  Gatt  und 
seine  Frau  Susanna  Kaserin  ihren  Teil  am  Gute  A.  an  den  Apotheker  Heinrich  Merodi,   der  1602  die 


')  Ad  petitlonem  Joannis  Jacobi  Gatt,  quae  erat  iit  scriptum  oblatum  de  qiialitntibus  et  virftitibus  aqiiae  in  Aygen  imprime- 
reiur,  decretum  fuit  iudiciorum  dominorum  medicinae  doctorum  esse  desuper  exquirendum.  Quo  facto  quod  hac  in  parte 
expedire  videhitur  statuetur.  Und  am  4.  November  .  .  .  habito  desuper  iudicio  duorum  medicinae  doctorum  in  scriptis  iu- 
dicarunt  domini  Uli  inherentes  non  expedire  ut  typis  detur  (Konsistorialarchiv,  Protokoll  f.  101  f.). 


i 


Aigen  1 1 

ndere  Hälfte  von  Augustin  Prant  zu  Vöcklamarkt  erwarb.    Merodi  verkaufte  am  12.  Mai  1614  den  Siz 

nd  Hof  Aigen,  die  Müll,  das  Wildbad  usw.  an  Levin  von  Mortaigne,  hf.  Kriegs-  und  Hofrat. 

Nach  dem  Tode  Johann  Dietrichs  von  Mortaigne  fiel  A.  1647  an  die  Freiherren  von  Prank.  Am  28.  Juni 

1673  verkaufte  Friedrich  Gottlieb  Freiherr  von  Prank  Aigen  um  8500  fl.  an  Johann  Josef  Grafen  Kuen- 

burg.    Erzbischof  Max  Gandolf  erlaubte  in  Ansechen  des  daselbst  befindlichen  hailsamen  Padtwassers 

1680  für  die  ankommenden  Padtgöst   ein  Gasthaus  mit  den  Vorrechten  einer  Taferne  sowie  eine  Lederei 

zu  errichten.  Aber  Erzbischof  Johann  Ernst  hob  1696  diese  an  eine  Hofmark  heranreichenden  Freiheiten 

wieder  auf,  angeblich   weil   der  Konsens   des  Domkapitels   zur  Verleihung   nicht   eingeholt   worden  war. 

1719  wurde  der  „adlige  Sitz"  Aigen  zusammen  mit  dem  Langenhof  und  Grafenau  zu  einem  Fideikommiß 

erhoben.  Aber  schon  1727  verkaufte  Max  Josef  Graf  Kuenburg  mit  Zustimmung  der  Mitinteressenten  das 

Gut   und   Wildbad  Aigen   an   seinen   Sekretär  Franz  Josef  Waldherr  zu   Erbrecht;   er  wurde    1729   mit 

dem  Prädikate  von  Badamberg  in  den  salzburgischen  Adelsstand  erhoben.  Für  Aigen  hatte  Waltherr  die 

Bedeutung,  daß  er  der  Schöpfer  der  ersten  Parkanlagen  ist.  Weiter  ausgestaltet  wurden  sie  vom  folgenden 

Besitzer   Basil   von   Aman.     In    diesen   Jahren    entstanden   die    ehemals   zahlreichen    Denkmäler,   Altäre, 

Grotten   usw.,   erhielt   der   „Freundschaftshügel"    seinen  Namen.    Ein  Reisender  (Schulz)   gibt  von  dem  ' 

damaligen  Zustand  eine  Probe: 

^         mäßiger  Hügel  .  .  auf  dessen  Gipfel  man  einen  Altar,  der  Freundschaft  gewidmet,  angebracht  hat.  Bey  einer  Meyerei, 

■        die  in  der  Nähe  liegt,  trat  ich  in  eine  Doppelallee  von  Fruchtbäumen,  die  den  Berg  hinanfahrte.    Ich  sah  auch  bald 

B        einen  artigen,  mit  Blättern  durchwirkten  Gittererker,  in  dessen  Mitte  das  Brustbild  Anakreons,  von  klarem  Quellwasser 

H        in  einen  Becken  umflossen,  aufgestellt  war.     Von  da  stieg  ich  den  Berg  weiter  hinan  zu  einer  großen  Felsenhöhle,  die 

H       zwischen  aufgetürmten  Steinblöcken  von  der  Natur  gebildet  und  durch  die  Kunst  zu  einer  Einsiedeley  eingerichtet  ist.  — 

B       Bald  stößt  man  auf  eine  Einsiedlerklause,  bald  auf  ein  Lustwäldchen,  bald  auf  eine  Erhöhung,  mit  Weinstöcken  besetzt, 

H        bald  auf  einen  Wasserfall,  bald  auf  ein  Bauernhäuschen,  das  mit  Geschmack  ausgeziert  ist.  bald  wiederum  auf  ein 

B       Blumenbeet,  auf  künstliche  Trümmer,  Lauben.  Treibhäuser,  auf  einen  Thurm  und  einen  Grabhügel  —  mit  einem  Worte 

B       die  Kunst  der  Gartenverzierung  hat  das  mit  möglichster  Erfindungskraft  verarbeitet,  was  ihr  die  Natur  darbot. 

!R)amals  sah  der  Park  von  Aigen  auch  die  Konvente  der  Illuminatenloge  „Apollo"  Salzburg  („Ecclesia 
«  Nicosia").  Nach  Koch  (Br.  Mozart,  Freimaurer  und  llluminaten.  Als  Manuskript  gedruckt  Bad  Reichenhall 
Bl911,  S.  31)  war  nicht  die  obere  Gilowskyhöhle,  sondern  die  untere  Berggrotte  die  offizielle  lUuminaten- 
höhle.  Auch  Amans  Besitznachfolger,  Hieronymus  Graf  Lodron  (1788—1804)  und  Ernst  Fürst  zu  Schwarzen- 
berg,  Domherr  von  Salzburg  und  seit  1819  Bischof  von  Raab,  waren  für  die  Verschönerung  des  Gartens 
unermüdlich  tätig,  wobei  der  letztgenannte  von  dem  Landschaftsmaler  Runk  und  dem  Gärtner  Sebastian 
Rosenegger  unterstützt  wurde.  Der  Aigener  Park  sah  eine  neue  Generation,  die  ebenso  für  ihn  schwärmte 
ie  die  alte.  Weißenbach  widmete  der  Schönheit  seiner  verschiedenen  Punkte  eine  eingehende  Beschrei- 
bung und  20  lange,  gefühlvolle  Gedichte.  —  König  Ludwig  besang  in  mehreren  Gedichten  das  „holde 
Aigen,  —  Nirgends  hast  Du  Deines  gleichen  —  In  der  unermeßnen  Welt".  —  Nach  des  Fürsten  Ernst 
Tode  (1821)  verblieb  Aigen  beim  Hause  Schwarzenberg. 

eschreibung:  Rechteckiger,  dreistöckiger  Bau  (Ziegel,  gelb  gefärbelt)  mit  Biedermeier-Außengliederung  Beschreibung, 
und  Schindeldach.  In  der  Mitte  der  Westfront  vorgebauter  vierstöckiger  Turm.  Im  W.  vor  dem  Schloß- 
gebäude, mit  diesem  einen  rechteckigen  Hof  umschließend,  drei  niedrige  Wirtschaftsgebäude  mit  Schindel- 
dächern. Über  dem  rundbogigen  Tor  im  N.  Marmorwappen  der  Schwarzenberg  (Fig.  1 — 4). 
An  der  Nordseite  des  nördlichen  Wirtschaftsgebäudes  eingemauert  vier  Marmorplatten  mit  Totenköpfen 
mit  je  vier  Fledermausflügeln  in  Hochrelief.  XVll.  Jh.  Jedenfalls  Platten,  die  von  einem  der  Erzbischof- 
gräber des  älteren  Typus  im  Salzburger  Dom  übrig  geblieben  waren'). 

Am  Eingang  zum  Schloßplatze   (östlich  von  der  Kirche)   zwei  gemauerte  Pfeiler,  darauf  zwei  Steinurnen 
vom  Ende  des  XVllI.  Jhs. 
Das  Innere  ist  einfach  und  bietet  nichts  Bemerkenswertes.  Die  Zimmer  sind  alle  flachgedeckt. 

Park:    Hinter   dem  Schlosse   dehnt   sich   an    den  Abhängen  des  Gaisberges   ein  an  malerischen  Reizen  Park, 

reicher  Naturpark  aus,   durchflössen  von  einem  in  engem  Felsbett  schäumenden  Gießbach.  —  Mehrere 
Wasserfälle  und   Aussichtskanzeln,  eine   Höhlenkluft,  ein   Blockhaus   und   Bad   bildeten   die   besonderen 


llr 


IIb 


')  Daneben  waren  bis  1908  zwei  Marmorstatuen  eingemauert,  die  zu  dem  von  Kaiser  Maximilian  1514  bei  Hans  Valckenauer  in 
Salzburg  bestellten  Grabmal  für  Speyer  gehörten.    Jetzt  im  Salzburger  Museum. 

2* 


12  Gerichtsbezirk  Salzburg 

Anziehungspunkte  dieses  auch  heute  noch  entzüclienden  Parkes  in  der  schwärmerischen  Zeit  der  Romantik. 
RuNK  hat  sie  in  einer  Folge  von  Radierungen  verewigt.  Ziemlich  hoch  am  Hang  liegt  neben  dem  ersten 
Wasserfall  eine  Felsenhöhle  (ehemaliger  unterirdischer  Wasserlauf),  an  deren  Eingang  eine  kleine  Marnior- 
tafel  mit  folgender  Inschrift  angebracht  ist:  Diese  Felsen  Kluft  hat  die  Natur  dem  Wald-Strom;  dem 
Menschen  hat  selbe  wandelbahr  gemacht  im  Jahr  1787  Jos.  Ernst  Gilowsky  von  Urazowa,  nicht  Eigen- 
thümer,  sondern  Liebhaber  und  fleißiger  Pfleger  und  Besucher  dieser  schönen  Einöde.  Er  starb  im  Jahr  1789. 

Haus  Nr.  30.      Haus  Nr.  30  (an  der  Straße).  Steinportal,  oben  mit  Kartuschenaufsatz,  XVlll.  Jh.    An  der  Ostseite  des 
Hauses  großes  Kruzifix,  Holz,  alt  polychromiert;  XVIll.  Jh. 

Bildstöcke.  Bildstöcke:  1.  Am  Wege,  1  km  nördlich  vom  Schlosse.  Kapellenartig,  rechteckig,  Bruchstein  und  Ziegel 
weiß  gefärbelt.  Vorne  vergittertes,  rundbogiges  Fenster  mit  tiefer  tonnengewölbter  Nische.  Hohlkehlen- 
gesims. Weit  vorspringendes,  von  zwei  Holzsäulen  gestütztes  Schindeldach.  —  Innen  geringes  Gemälde, 
Öl  auf  Leinwand,  die  hl.  Familie.  Zwei  Agnus-dei-tafeln,  geringe  Wachsbüste  des  hl.  Johann  von  Ne- 
pomuk  in  Rocaillegehäuse.  XVIII.  Jh.  —  2.  An  der  Landstraße,  nordwestlich  vom  Bahnhofe.  Ähnlich  wie 
der  obige.  Innen  Gemälde  Öl  auf  Leinwand,  Madonna  mit  dem  Kinde  (Maria-Hilf)  von  Lederwasch 
und  zwei  schwache  Leuchterengel,  Holz,  neu  polychromiert;  XVIII.  Jh. 

Sammlung  Walter  Graf  Kuenburg.  Siehe  Anhang. 

Sammlung  Baron  Henikstein.  Siehe  Anhang. 

Anif,  Dorf  und  Schloß 

Archivalien:  Konsistorialarchiv.  —  Stiftsarchiv  St.  Peter  (Rechnungen  seit  1688  und  Akten). 

Literatur:  Hübner,  Stadt  543.  —  Pillwein,  Salzachkreis  349.  —  Dürlinoer,  Handbuch  75.  —  K.  Beroer,  Die  Pfarrkirche  zu  A. 
in  Mitt.  d.  Z.  K.  N.  F.  XVIII  (1892)  S.  3. 

Ältestes  Vorkommen  s.  unten;  siehe  auch  Schloß. 

Pfarrkirche.     Pfarrkirche  zum  hl.  Oswald. 

Im  Kirchenverzeichnis  der  Notitia  Arnonis  wird  schon  genannt:  „Ad  Anua  ecclesia  cum  territorio."  Als 
das  Stift  St.  Peter  987  vom  Bistum  getrennt  wurde,  blieb  die  „ecclesia  ad  Anaue  cum  decima"  bei  dem 
ersteren  (Hauthaler,  U.-B.  1,  11  u.  254).  1191  wird  die  Pfarre  „Anava"  dem  Stifte  bestätigt  (Meiller,  RAS 
155  Nr.  68).  Pfarrlich  gehörten  in  der  Folge  Anif,  Niederalm  und  Grödig,  die  alle  St.  Peter  inkorporiert 
waren,  zusammen  und  jede  Kirche  hatte  zeitweise  eigene  Matriken.  Dieses  eigentümliche  Verhältnis  ist 
nicht  geklärt.  Erst  1883  wurde  der  alte  Verband  gelöst  und  Anif  und  Grödig  zu  Pfarren  erhoben,  während 
Niederalm  als  Filialkirche  Grödig  zugewiesen  wurde,  jedoch  einen  eigenen  Friedhof  behielt. 
1614  waren  die  Altäre  den  Hl.  Oswald,  rechts  Stephan  und  links  Sebastian  geweiht,  das  Sakrament  in 
fenestra  muri  dexteri.  Auch  1618  war  in  allen  drei  Kirchen  noch  kein  Tabernakel  (SRA  Konsistorial- 
akten  141). 

1670    wird  ein  Mesnerhaus  gebaut  (228  fl). 

1682: /ör  einen  neuen  Choraltar  168  fl.  (82  fl.  wurden  von  Wohltätern  beigesteuert). 

1684:  Christian  Lederwasch,  Kammerdiener  und  Hofmaler,  wegen  des  verfaßten  Altarplats  310  fl., 

dto.  für  2  gemalte  Altarblätier  sambt  darzue  gehöriger  Fassung  355  fl. 
1694   liefert  Jeremias  Sauter  eine  neue  Uhr  statt  der  alten. 
1696:  Matthias  Koller sperger.   Maurermeister  von  Anif  wegen  Ausbrechung  und  Einmauerung 

eines  Fensters  10  fl. 
1702:  Georg  Josef  Sigmund t,  bgL  Maler  in  Salzburg,  wegen  verrichter  Mahlerey  30  fL 
i 704 :  Andrä  Garttner  für  Umgießung  der  kleineren  Glocke  30  fL 
1713   wird  den  Zechpröpsten  auf  ihre  Bitte  eines  der  Eisengitter,  die  bei  dem  Residenzgebeu  zu  Mirabell 

verändert  worden  und  daselbsthin  sich  nit  mehr  applicieren  lassen,  ausgefolgt  (SRA  Hofk   Glan- 

egg  1713). 


I 


Anif 


13 


1734 


r47: 

1756: 
1757: 


1762: 


wird  eine  Monstranz  gel^auft  und   die  Sakristei,  die  sich  bisher  unter  dem  Turm  befand,  auf  die 

Sonnseite  transferiert,  da  dort  wegen  die  Dembe  die  Ornate  nicht  verwahrt  werden  konnten.    Der 

neue  Bau  wurde  eingädig,  18'  lang  und  15'  breit.  (SRA  Glanegg  Hfk.  1734  F.). 

Ludwig  Hafner,  Tischlermeister  in  Schellenberg,  für  die  in  die  obere  Sakristei  neu  gemachten 

4  Kästen  35  fl. 

Egidi  Hablitschek,  Goldarbeiter  in  Tittnioning,  vor  die  anher  verfertigte  Monstranz  200  fl. 

Johann    Georg  Löschinge r,    Hofglockengießer  in  Salzburg,  für  eine  neugegoßene  Glocke 

64  fL  36  kr.   —   Johann  Georg  Schmidt,  Gürtler  in  Hallein,  für  eine  zierver gölte  Cron  auf 

das  Ciborium  10  fl. 

Pantaleon  Würberger,  Hufschmied  zu  Grödig,  für  das  neue  Friedhofgitter  28  fl.  12  kr. 


Fig.  12    Schloß  und  Dorf  Anif  von  der  Watzmannaussicht 

1769  wird  eine  Kuppel  mit  St.  Johann  dem  Täufer  auf  den  Taufstein  gesetzt. 

1839  wurde  die  Kirche  wegen  allzu  großer  Baugebrechen  für  den  Gottesdienst  gesperrt  und  eine  neue 
erbaut,  die  Erzbischof  Friedrich  am  15.  November  1840  einweihte.  Das  Schiff  wurde  um  13  Schuh  ver- 
längert, Schalgewölbe,  Dachstuhl,  Emporen  wurden  neu  gebaut  (Kosten  4000  fl.).  Die  drei  Altäre  wurden 
neu  gebaut.     1845  werden  die  alten  Glocken  von  Oberascher  umgegossen  (1587  fl.  15  kr.). 

Charakteristik:  Das  Langhaus  wurde  1840  fast  ganz  neu  erbaut.  Dagegen  stammt  der  sehr  gut 
erhaltene,  aus  Konglomeratquadern  gebaute  und  ganz  unveränderte  spätromanische  Glockenturm 
im  N.  noch  aus  dem  XIII.,  vielleicht  aber  auch  XIV.  Jh.     Der  Chor  ist  im  Kern  gotisch  (Fig.  13,  14). 

Lage:  An  der  Südwestseite  des  Ortes,  auf  einer  nach  O.  zu  abfallenden  Erhebung.  Ringsum  vom  Fried- 
hofe umgeben. 

Äußeres  (Fig.  13): 

Langhaus:  W.  Breite  Dreiecksgiebelfront,  modern  verputzt,  mit  modernem  Rundbogenfries.  Unten 
moderne  gotisierende  Kielbogentür  mit  Schutzdach,  darüber  Marmorplatte  mit  der  eingemeißelten  Jahres- 


Charakte- 
ristik. 

Fig.  13,  14. 

Lage. 

Äußeres. 
Fig.  13 


14 


Qerichisbezirk  Salzburg 


zahl  1840.  Im  Giebel  zwei  querovale  Fenster  und  ein  modernes  Wandgemälde  (Christus  als  guter  Hirt) 
in  rundem  Rahmen.  Neben  der  Tür  sind  beiderseits  Grabsteine  eingemauert  (s.  unten).  —  S.  und  N. 
Modern  verputzt,  mit  modernem  Rundbogenfries.  Je  fünf  rundbogige  Fenster. 

Chor.  Chor:   Im  S.  Sakristei.  Ostabschluß  in  fünf  Seiten  des  Achteckes;  moderne  Verputzgliederung  wie  am 

Langhause.     Drei  große  rundbogige  Fenster.     Im  N.  ist  der  Turm  angebaut. 

Über  Langhaus  und  Chor  gemeinsames,  nach  O.  abgewalmtes  Satteldach,  im  S.  aus  Eternitschiefer,  im 
N.  aus  Schindeln.  Dieses  halbe  Eternitdach  wirkt  gräßlich,  im  Gegensatz  zu  dem  schön  patinierten 
Schindeldach,  das  vorzüglich  mit  dem  altersgrauen  Turm  harmoniert. 

Turm.  Turm:  Spätromanischer  Glockenturm  an  der  Nordseite  des  Chores.    Ganz  aus  mächtigen  Konglomerat- 

quadern erbaut.  Quadratisch;  durch  ein  einfaches  Gesims  horizontal  geteilt;  niedriger  Sockel.  O.  Unten 
ein,   oben  zwei  kleine  rechteckige  Fenster.   —   N.  Unten  Luke.    Obergeschoß:    Unten   im  O.  und  N.  je 


Fig.  13    Anif,  Pfarrkirche,  Ansicht  von  Nordwesten  (S.  13) 


Sakristei. 

Friedhof- 
mauer. 


eine  rechteckige,  im  W.  eine  rundbogige  Fensteröffnung.  Darüber  auf  allen  vier  Seiten  in  vertieftem 
oblong-rechteckigem  Felde  je  ein  großes  dreiteiliges  Schallfenster  mit  je  zwei  Paaren  von  gekuppelten 
Konglomeratsäulen;  diese  haben  rechteckige  Plinthen  und  einfache  Kelchkapitäle,  darüber  trapezförmige 
Bogen-Widerlagsteine.  Im  O.  und  W.  je  ein  horizontales  Konglomerat-Hohlkehlgesinis,  im  N.  und  S. 
Dreiecksgiebel  mit  angenagelten  quadratischen  Zifferblättern  aus  Eisenblech.  Darüber  im  N.  ein  recht- 
eckiges, durch  eine  ungefüge  Konglomeratsäule  geteiltes  Fenster,  im  S.  eine  Luke.    Ziegelsatteldach. 

Der  wuchtig-ernste,  aus  dem  XIII.— XIV.  Jh.')  stammende  Turm  ist  sehr  bemerkenswert  als  der  am  besten 
erhaltene,  von  späteren  Umbauten  ganz  verschonte  spätromanische  Glockenturm  des  politischen  Bezirkes 
Salzburg.  Vergleiche  dazu  die  romanischen  Türme  in  Lamprechtshausen  und  Michaelbeuern  (Kunsttopo- 
graphie X,  Fig.  454,  466)  sowie  Grödig  (S.  113). 

Sakristei:  Im  S.,  einstöckig.  Verputz  wie  am  Langhause.  Im  W.,  S.  und  N.  übereinander  je  zwei 
oblonge  Fenster,  im  S.  rechts  Tür.  Schindelsatteldach,  nach  S.  abgewalmt. 

Friedhofmauer:  Bruchstein.  Im  W.  Eingang,  von  zwei  Konglomeratkugeln  flankiert. 

')  Im  Lande  finden  sich  Glockentürme  von  .romanischer'  Form  bis  ins  XV.  Jli.  hinein. 


Anif 


15 


hl 

Die  rechteckigen  Fenster  wurden  1885—1887  in  rundbogige  verwandelt. 

Langhaus:  Rechteckiger  Saal  mit  rundbogigem  Schalgewölbe.  An  den  Langwänden  zwischen  den 
Fenstern  auf  hohem  Sockel  schmale  Flachpilaster,  darüber  vorspringendes  Gesims.  Im  W.  moderne  Musik- 
empore mit  flachem  Boden,  von  zwei  großen  toskanischen  Marmorsäulen  getragen  (1887  gebaut).  Am 
Gewölbe  und  im  Bogenfelde  über  dem  flachbogigen  Triumphbogen  im  W.  Gemälde  von  Josef  Gold  1896. 

Chor:  Wenig  einspringend,  bedeutend  niedriger  als  das  Langhaus.  Boden  um  eine  Stufe  erhöht.  Recht- 
eckig, in  fünf  Seiten  des  Achteckes  geschlossen.  Gewölbe  mit  sieben  rundbogigen  Stichkappen,  mit 
modernen  Malereien  von  J.  Gold.  Im  S.  und  N.  je  eine  Tür  in  pseudoromanischer  Umrahmung,  im  Bogen- 
felde je  zwei  Heilige,  von  J.  Gold  gemalt;  über  der  Südtür  oblonges  Oratoriumfenster.  Im  Abschlüsse 
drei  rundbogige  Fenster  mit  ornamentalen  modernen  Glasmalereien.  In  den  beiden  Feldern  der  Nordwand 
zwei  große  Gemälde  mit  Szenen  aus  dem  Leben  des  hl.  Oswald,  von  J.  Gold  1900. 


Inneres. 
Fig.  14.  15. 

Langhaus. 


Chor. 


Turm:   Im  Untergeschoß   rundbogiges   massiges  Tonnengewölbe, 
rechteckige  Türöffnung  zum  Dachboden  des  Chores. 

Sakristei:  In  beiden  Geschossen  flach  gedeckt. 


Vom    ersten  Geschoß  führt  eine  alte 


Turm. 


Sakristei. 


Größtenteils  modern. 


Fig.  14    Anif,  Pfarrkirche,  Grundriß  1  :  250  (S.  15) 


Einrichtung: 


!  Altäre:  1.  Hochaltar.  Roter  und  gelblicher  Marmor.  Auf  zwei  Stufen  Sarkophagtumba.  Aufbau: 
;  Predella  mit  seitlichen  Postamenten  und  Statuenkonsolen.  Rundbogiges  Altarbild  (der  hl.  Oswald)  von 
;  Leopold  Krieger  in  Salzburg,  1840,  flankiert  von  zwei  vorgestellten  Säulen  mit  ionischen  Kapitalen. 

Darauf  verkröpftes  Gebälk.   Niedriger  Dreiecksgiebel  mit  Kreuz. 

Statuen:   Holz,   mit   Steinfarbenanstrich.   St.   Christophorus   mit  dem    Christkinde,   St.   Florian.   Tüchtige 

Arbeiten. 
'  Tabernakel   aus   Holz,   ganz   vergoldet.    Oben  Lamm    auf   dem  Buche,   zwei    Urnen;   vor   dem  Türchen 

Kruzifix,  versilbert,  an  den  Seiten  zwei  kleine  anbetende  Engel. 
I  Der  ganze  Altar  stammt  aus  dem  Jahre  1840. 

I  Zwei  Seitenaltäre.  Im  Aufbau  einander  gleich.  Hölzerne,  marmorierte  Tumba.  Einfach  gehaltener 
'  Wandaufbau  aus  rotem  und  gelbem  Marmor,  mit  Leuchterbank,  Predella,  rundbogigem  Altarbilde,  geradem 
j  Gesimse,  Flachgiebel,  Holzkreuz.  1840. 

j  Altarbilder  (Öl  auf  Leinwand):  1.  Links:  Die  hl.  Notburga  reicht  einer  armen  Mutter  ein  Brot.  —  2.  Rechts: 
'  St.  Isidor.    Beide  von  Rattensperger,  1840. 


Kanzel:  Holz,  modern. 


Einrichtung. 

Altäre. 
Hochaltar. 


Seitenaltäre. 


Kanzel. 


16 


Oerichlsbezirk  Salzburg 


Fig.  15    Anif,  Pfarrkirche,  Querschnitt  1 :  250  (S.  14) 


Anif 


17 


Standkruzifix:  Holz,  sctiwarz  lackiert,  mit  versilberten  geschnitzten  Ranken  am  Postament.  Ende  des 
XVII.  Jhs.  —  Vier  versilberte  Holz  Statuetten,  St.  Petrus  und  Paulus,  zwei  hl.  Fürsten;  um  1700. 

Gemälde:  Am  Dachboden.  Öl  aui  Leinwand.  1.  St.  Oswald.  —  2.  Mariae  Verkündigung.  Schwach, 
IMitte  des  XIX.  Jhs. 

Über  der  Sakristeitür  ein  goldbronzierter  Metallschild  mit  der  von  buschigen  Akanthusranken  um- 
rahmten Inschrift  Sanctus  Oswaldiis  patroniis.  Unten  das  Wappen  des  Stiftes  St.  Peter.  Ende  des 
jXVII.  Jhs. 

'Kirchenstühle:  Eichenholz,  Wangen  mit  Flechtband  und  Mäander.     Um  1840. 

IWeihwassermuschel:  Gelber  Marmor.    Ende  des  XVII.  Jhs. 

Monstranz:  Silber,  vergoldet.  Fuß  mit  getriebenen  unsymmetrischen  Rocaillen.  Um  das  Gehäuse 
'doppelte,  durchbrochene  Rocaillenumrahmung.  Oben  Gott- Vater  mit  Weltkugel,  an  den  Seiten  St.  Oswald 
iund  Virgil,  in  Relief.  Dahinter  Strahlenkranz  mit  Kreuz.  —  Marken:  Beschauzeichen  von  Tittmoning. 
1  Meisterzeichen:  EH  in  Breitschild.  Sehr  gute  Arbeit  von  Egidius  Hablitschek  in  Tittmoning,  1756 

um  200  fl.  gekauft. 


Standkruzifix. 

Gemälde. 
Metallschild. 

Kirchenstühle. 

Weihwasser- 
muschel. 

Monstranz. 


ÖD 


Fig.  16    Anif,  Pfarrkirche,  Kelche. 

a  Von  H.  K.  Ainhorn  in  Salzburg,  um  1650.    b  Salzburgisch, 

um  1750  (S.  17) 

Ziborium:  Silber,  vergoldet.  Am  Fuß,  Knauf  und  Deckel  eingravierte  Ranken.  Glatte  Cuppa.         aa—  Ziborium. 

—  Marken:   Salzburger   Beschau   (S  in  Oval).    Meisterzeichen:   GR  in  Breitoval.    Salzburger 
Arbeit  aus  der  Mitte  des  XVII.  Jhs.,  von  Gebhard  Raininger  (Bürger  seit  1640). 
Jüngere  Krone  aus  vergoldetem  Kupfer,    1757  von  Johann  Georg  Schmidt,   Gürtler  in 
Hallein,  um  10  fl.  angefertigt. 

Kelche:   Silber,   vergoldet.    1.   Runder   Fuß,    mit    getriebenen,    buschigen   Akanthuszweigen    und    drei  Kelche. 

Cherubsköpfen.  Am  Knauf  getriebene  Rosen.  Durchbrochener  silberner  Cuppakorb  mit  drei  getriebenen 
Cherubsköpfen  und  Akanthusranken.  —  Marken:  Salzburger  Beschauzeichen  (S  in  Oval).---  Meisterzeichen 

H  C 

^    in  Schild.  Sehr  gute  Salzburger  Arbeit  aus  der  Mitte  des  XVII.  Jhs.,  von  Hans  Caspar  Ainhorn 

(Bürger  seit  1635)  (Fig.  16  a).  Fig.  16a. 

2.  Fuß  mit  drei  getriebenen  symmetrischen  Rocaillen,  silberner  Cuppakorb,  durchbrochen,  mit  getriebenen 
Rocaillen.  —  Marken:  Salzburger  Beschauzeichen  (S  in  Oval).  Undeutliches  Meisterzeichen.  Am  Boden 
unten  eingraviert  die  Buchstaben  B.  G.  —  Gute  Salzburger  Arbeit  aus  der  Mitte  des  XVIII.  Jhs. 
(Fig.  16  b).  Fig.  16ft. 

XI  3 


18 


Gericlitsbezirk  Salzburg 


Weihrauchfaö 
u.  Schiffchen. 

Opfertasse. 

Ampel. 

Leuchter. 


Pluviale, 
Kasein. 


Lehnstulil. 
Grabsteine. 


Glocken. 
Wegkapelle. 

Bildstock. 


Weihrauchfaß  und  Schiffchen:  Messingblech,  versilbert,  getrieben,  Ende  des  XVIIl.  Jhs. 

Opfertasse:  Zinn.  Salzburger  Marlie  von  1774. 

Ampel:  Messingblech  versilbert,  mit  getriebenen  Blumen.  Mitte  des  XIX.  Jhs. 

Leuchter:  Sechs  große  und  acht  kleine,  Messingblech,  versilbert,  mit  getriebenen  Verzierungen.  Mitte 
des  XIX.  Jhs. 

Pluviale:  Weiße  Seide  mit  bunten  gewebten  Blumen.  XVIII.  Jh. 

Kasein:  1.  Weißer  Damast  mit  gestickten  Blumen  in  bunter  Seide.  Erste  Hälfte  des  XIX.  Jhs. 

2.  Roter  Samt  mit  hochgewebten  goldenen   Ranken.  Mitte  des  XIX.  Jhs. 

3.  Weiße  Seide  mit  gestickten  Blumen  und  Früchten  in  Gold  und  bunter  Seide.  Erste  Hälfte  des 
XIX.  Jhs. 

4.  Mittelstück  Goldbrokat  auf  roter  Seide,  Seitenstücke  Silberbrokat  auf  gelber  Seide.  XVIII.  Jh. 

Lehn  stuhl:  Holz,  geschnitzt,  mit  Lederbezug.  XVII.  Jh. 

Grabsteine:  1.  Im  Inneren  an  den  Wänden  eingemauert: 

1.  Im  Chore.  Gelbe  Marmorplatte.  Unten  in  Hochrelief  Totenkopf  und  -knochen,  von  einer  Schlange 
umwunden.  Nikolaus  Mudet  aus  Lyon  (Eremit  in  Hellbrunn),  gest.  1656. 

2.  Unter  der  MusiKempore.  Einfache  kleine  Marmorplatte,  unten  eingemeißelter  Totenkopf.  Anna  Maria 
Baumgartnerin,  geb.  Furthueberin,  geweste  Getichtsschreiberin  in  Helbrun;  gest.  1717. 

3.  Ebenda.  Rote  Marmorplatte.  Unten  eingemeißelt  Totenkopf  und  zwei  Wappen.  Bartholomae  Baum- 
garthner,  resignierter  Gerichtschreiber  und  Umbgelter  zu  Glanegg;  gest.  1746  im  78.  Lebensjahre.  — 
Maria  Catharina  Baumgarthnerin,  gebohrne  Schwerdtfürbin,  gest.  1751  im  67.  Lebensjahre. 

4.  Ebenda.  Gelbe  Marmorplatte.  Johann  Anton  Rieger,  Gerichtschreiber  und  Umgelter  zu  Glanegg,  dann 
Inspector  zu  Hellbrunn,  gest.  1764  im  37  Jahr. 

II.  Seit  1885  außen  am  Langhaus  eingemauert,  vorher  im  Fußboden  des  Schiffes  und  Chores. 

5.  Große  rote  Marmorplatte.  Im  unteren  Teile  in  Relief  das  reichskulpierte  Wappen  der  Uiberacker.  Oben 
fünfzeilige  Inschrift  in  gotischer  Minuskel:  Hie  leit  begraben  der  Edl  und  vesst  hanns  Überäcker  der 
dan  gestorbn  ist  am  tag  Sand  felixen  der  zeit  amman  auf  dem  obern  weyer  a°  1505  Jar. 

6.  Große  rote  Marmorplatte.  Unten  in  Relief  Kelch  und  Buch  in  Dreipaßrahmen.  Oben  achtzeilige  Inschrift 
in  gotischer  Minuskel:  Hye  ligt  her  Jörg_schader  pfarer  zu  anlj .  .  der  gestorben  ist  am  pfincztag  nach 
sand  Erhardtstag  Alls  man  zeit  nach  xpi  gepurdt  MCCCCC  und  XV  Jar  (1515). 

7.  Kleine  weiße  Marmorplatte.  Susanna  Helena  Grüffin  von  Kueffstain  gebohrne  Freyin  von  Stainau,  in 
Schloß  Anif  im  Kindbett  gestorben  1686. 

8.  Große  rote  Marmorplatte  am  Chore.  Unten  eingeritztes  Wappen.  Johann  Paul  Waßner  von  Waßenau... 
Rath  und  Pfleger  zu  Glanegg,  Anif,  Guettrath  und  Fager,  Inspector  zu  Hellbrunn,  gest.  1688. 

9.  Kleine  weiße  Marmorplatte.  Johann  Melchior  Hem,  Gerichtschreiber  im  Hellenbrunn,  gest.  1708  im 
58.  Jahr. 

10.  Kleine  weiße  Marmorplatte.  Oben  in  Relief  zwei  kleine  Wappen  in  Alliance.  Maria  Carolina  Augusta 
Gräffin  von  Überäkher  gebohrne  Reichs  Freyin  von  und  zu  Leonrodt;  gest.  1750  im  43.  Jahre. 

11.  Kleine  weiße  Marmorplatte,  mit  Weihwasserschale.  Johann  Baptist  Frais,  Accessist  beim  Pfleg-  und 
Landgericht  Glaneck,  gest.  1784  im  42.  Jahre. 

12.  Am  Boden  vor  dem  Westeingang  zwei  stark  abgetretene  rote  Marmorplatten.  Bei  der  einen  unten 
gotische  Majuskelinschrift  (drei  Zeilen),  von  der  nur  wenig  mehr  erkennbar  ist  (. .  anno  dhi  MCCCXX . .). 
Bei  der  zweiten  (in  der  Mitte  der  Länge  nach  entzwei  geschnittenen)  Platte  in  der  Mitte  leerer  Wappen- 
schild, oben  vierzeilige  gotische  Minuskelinschrift.  Davon  lesbar:  Hie  ..  der  g .  .  marquard  ..  dem  got 
gen  .  .    XV.  Jh. 

13.  Am  Boden  vor  dem  Speisgitter  Bruchstücke  zweier  rotmarmorner  Grabsteine,  a)  Hie  leyt  Rupprecht 
hoeninger  der  gestorben  ist  do  man  z(ählt)  von  christi  gepurd  mcccc  Darnach  in  dem  XXIII  Jare.  — 
b)  Hie  leyt  Caspar  Pirger  der  gestorben  ist  an  sand  margretn  tag  mcccclxx. 

Glocken:  Drei  Glocken  von  1845,  von  Franz  Oberascher  in  Salzburg  gegossen. 

Wegkapelle;  Im  Orte.  Kleiner  rechteckiger  Bau  mit  Schindeldach,  flachbogige  Tür,  Eisengitter.  Innen 
Immakulatastatue  und  zwei  Putti  (Holz,  polychromiert),  um  1800. 

Bildstock:  Neben  der  elektrischen  Bahn,  im  Orte.  Achtseitiger  Konglomeratpfeiler  mit  gegiebeltem 
Tabernakel.    XV.  Jh. 


Schloß  Anif 


19 


I» 


Fig.  17    Schloß  Anif,  Gesamtansicht,  im  Hintergrunde  der  Hohe  QöU 


Schloß  Anif 


.iteratur:   Hübner,  Stadt  1,  543.  —  Wänzler,  Intelligenzblatt  1808,  575.  —  Pillwein,  Salzachkreis  350.  —  Süss,  Jahresbericht 
des  Mus.  1853,  66.  —  Wiener  Bautenalbum  XVI,  1899,  Nr.  4. 

Alte  Ansichten  (im  Salzburger  Museum):    1.  Elf  Aquarelle  um   1810  (Fig.  18,  19),    Ansichten  des  alten  Schlosses  und  der  ver- 
schiedenen stimmungsvollen  „Plätzchen".  —  2.  Lithographie  von  L.  Rottmann  nach  G.  Pezolt,  um  1850. 

Seit  dem  XIV.  Jh.  war  A.  ein  erzbischöfliches  Urbaramt,  das  bald  ,.zu  Anif",  bald  „am  obern  Weyr"  genannt  und  schon 
frühzeitig  mit  dem  Amte  Gutrat  vereinigt  wurde.  1505  starb  der  letzte  Amtmann  (s  S.  18).  Darauf  wurde  es  dauernd  mit 
der  Pflege  Glanegg  vereinigt. 

Die  Nachrichten  über  das  Schloß  Anif  reichen  nicht  über  das  XVI.  Jh.  hinauf.  Der  erste  nachweisbare 
Besitzer  ist  der  salzburgische  Kanzler  Dr.  Niclas  Ribeisen,  der  1530  das  Haus  am  obern  Weyer  zu 
Leibgeding  erhielt.  Nach  1543  hatte  Anna  Lienpacher  das  Gut  zu  Anif  lehensweise  iniie,  1535  kommt 
Achatz  Kölirer  zu  Wispach  durch  Erbschaft  in  den  Besitz  des  Gutes.  Von  diesem  erhielt  es  um  1560 
(Christoph  Ferner  von  Rettenwörth,  ein  Kapitalist  und  Spekulant,  der  sich  durch  seinen  Plan  im  Jahre 
1561,  die  Salzach  beim  Passe  Lueg  durch  Sprengungen  schiffbar  zu  machen,  der  Nachwelt  bekannt 
gemacht  hatte.  Wie  es  von  dessen  Erben  an  Ferdinand  Freiherrn  von  Kuen-Belasy  gekommen  ist,  der 
am  8.  Juni  1592  mit  dem  Schloss  Anif  samt  dem  Weyer,  den  2  Fachen  in  der  Au,  dem  Fischer  in  der 
.Salzach  aufwärts,  dem  Mairhaiis  zu  Anif  und  den  Gründen  im  Ober-,  Mitter  und  Thiergartenfeld  vom 
Erzbischof  Wolf  Dietrich  belehnt  wurde  (vgl.  Ldkde.  51,  307),  wissen  wir  nicht.  1606  verkaufte  er  Anif 
an  die  Brüder  Ernfried  und  Hans  Kaspar  von  Kuenburg.  Diese  Familie  verkaufte  es  1643  an  Sophie 
von  Pauernfeind,  vermählt  mit  Johann  Ägyd  Ferner  von  Rettenwörd  und  Lampoting,  dem  letzten  seines 
iStammes.  Er  starb  1663  und  1673  verkaufte  es  die  Witwe  an  Freisgott  Grafen  Kuefstain  und  dieser 
iwiederum  1689  an  Erzbischof  Johann  Ernst,  der  es  erneuern  ließ,  worauf  er  es  1693  den  Bischöfen  von 
IChiemsee  zu  Lehen  gab.  Der  letzte  von  diesen  (Sigmund  Christof  Graf  Zeil)  bereicherte  den  Garten 
I  3* 


20 


Oerichtsbezirk  Salzburg 


Fig.  18    Das  alte  Schloß  Anif,  Ansicht  von  Südosten.    Aquarell  um  1810  (S.  21) 


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Fig.  19    Das  alte  Schloß  Anif,  Ansicht  von  Südwesten.    Aquarell  um  1810  (S.  21) 


Schloß  Anif 


21 


mit  einigen  Denlimälern,  auf  denen  empfindsame  Verse  zu  lesen  waren  (vgl.  Wänzler  a.  a.  O.).  1807  fiel 
das  Schloß  der  Säkularisation  anheim,  es  wurde  aber  dem  Bischof  um  100  fl.  jährlich  verpachtet  und 
1811  „aus  ganz  besonderer  Rücksicht"  um  1000  fl.  zu  freiem  Eigentum  verkauft.  1815  erkaufte  es  aus 
der  Nachlaßversteigerung  des  Bischofs  der  pens.  Bräuverwalter  von  Kaltenhausen  Ulrich  Payr,  1837  Alois 
Graf  Arco-Stepperg,  der  es  in  den  Jahren  1838  bis  1848  nach  eigenen  Entwürfen  und  den  auf  seinen 
Reisen  in  England  und  Frankreich  gesammelten  Vorbildern  in  gotischem  Stile  zum  größten  Teil  neu 
aufbaute.  Bauführer  war  der  bayrische  Architekt  Heinrich  Schön auer.  Nach  dem  Tode  des  Grafen 
(1891)  kam  das  Schloß  an  seine  einzige  Tochter  Sophie,  vermählt  mit  Ernst  Grafen  von  Moy  de  Sons, 
Reichsrat  der  Krone  Bayern. 


Fig.  20    Schloß  Anif,  Ansicht  von  Nordwesten  (S.  21) 


Charakteristik:  Das  heutige  Schloß  stellt  einen  in  den  Jahren  1838—1848  durch  den  damaligen 
Besitzer  Grafen  Alois  Arco-Stepperg  durchgeführten,  in  gotischem  Stile  gehaltenen,  vollständigen  Umbau 
einer  älteren  Anlage  (Fig.  18,  19)  dar,  die  Erzbischof  Johann  Ernst  Graf  von  Thun  1689  hatte  erneuern  lassen. 
Alt  ist  das  dreistöckige  Hauptgebäude  (im  O.)  in  voller  Höhe,  dann  der  kleinere  Südtrakt  bis  zur  Höhe 
des  ersten  Stockwerkes  und  das  Erdgeschoß  der  daran  anstoßenden  Kapelle.  Alles  übrige  wurde  erst 
um  1840  dazugebaut;  auch  das  Hauptgebäude  erhielt  damals  eine  gotische  Außengliederung. 
Der  in  seiner  herrlichen  Umgebung  außerordentlich  malerisch  wirkende,  architektonisch  ganz  vorzügliche 
Schloßbau  ist  ein  vortrefflicher  Beweis  für  die  starken  künstlerischen  Fähigkeiten  der  romantischen  Bau- 
kunst, ein  schlagender  Gegenbeweis  gegen  die  Verallgemeinerung  der  vor  kurzem  modern  gewordenen 
Verachtung  der  „Neogotik". 

Lage:  Das  Schloß,  das  von  allen  Seiten  einen  überaus  malerischen  Anblick  bietet,  ist  mit  einem  mäßig 
hohen  Quaderfundament  mitten  in  einem  4  ha  großen,  von  hohen  Bäumen  umstandenen  Weiher  auf 
eichenen  Piloten  erbaut.  Zugänglich  ist  es  von  O.  durch  eine  breite,  auf  zwei  Steinpfeilern  und  Eisen- 
traversen aufruhende  Holzbrücke  (Fig.  20  ff.). 


Charakte- 
ristik. 

Fig.  18,  19. 


Lage. 


Fig.  20  ff. 


22 


Qericlilsbczirk  Salzburg 


Fig.  21     Schloß  Anif,  Ansicht  von  Südosten  (S.  22) 


Beschreibung. 


Haupt- 
gebäude. 


Flg.  21. 


Beschreibung:  Am  Ende  der  Brücke  stehen  auf  Marmorpostamenten  die  Sandsteinstatuen  des 
Königs  Rudolf  von  Habsburg  und  des  Herzogs  Heinrich  des  Löwen,  vom  Bildhauer  Entrez,  um  1848. 
Ein  schmaler  Umgang,  nach  außen  mit  einer  direkt  in  den  Weiher  abfallenden,  mit  Zinnen  versehenen 
Quadermauer  abgeschlossen,   umgibt  das  Hauptgebäude  im  S.  und  O. 

Das  rechteckige  Hauptgebäude  besteht  aus  einem  Erdgeschoß  und  drei  Stockwerken,  in  der  östlichen 
Breitseite  hat  es  ein  spitzbogiges  gotisches  Portal  aus  rötlichem  Marmor  (von  Entrez,  um  1848);  die 
geschnitzte  Holztür  trägt  die  Wappen  Arco-Pallavicini. 

Über  dem  Tore  ist  ein  Doppeladler  in  weißem  Marmor  eingemauert,  der  auf  seiner  Brust  den  Wappen- 
schild der  Grafen  Arco  (drei  Bogen)  trägt;  darüber  Dreiecksgiebel,  von  zwei  Fialen  flankiert,  aus  rötli- 
chem Marmor.  Neben  dem  Tore  im  Erdgeschosse  links  vier,  rechts  ein  Fenster,  alle  flachbogig;  im 
1.  Stock  links  vier  rechteckige,  rechts  ein  spitzbogiges  Fenster.  Im  2.  Stockwerk  links  vier  in  der  Mitte 
oben  rechteckig  ausgenommene  Fenster,  rechts  zwei  spitzbogige  Fenster.  Im  3.  Stock  links  vier  ge- 
kuppelte spitzbogige  Doppelfenster,  rechts  zwei  einfache  spitzbogige  Fenster  beiderseits  einer  Uhr  mit 
rundem  Zifferblatte  in  rechteckiger  Steinrahmung  und  Verdachungsgesimse.  Ähnliche  auf  Spitzkonsolen 
ruhende  Verdachungsgesimse  über  den  vier  linken  Fenstern  des  2.  Stockes.  Alle  Fenster  haben  gotisch 
profilierte  Umrahmungen  aus  Konglomerat.  Abschlußgesims  und  durchbrochene  Zinnenbalustrade  aus 
Konglomerat. 

S.  (Fig.  21):  Drei  rechteckige,  einmal  gestufte  Strebepfeiler,  die  eine  von  zwei  hohen  Spitzbogen  durch- 
brochene Obermauer  tragen,  sind  der  alten  Südwand  als  Gliederung  vorgebaut.  In  jedem  der  vier 
Geschosse  zwei  Fenster  von  entsprechender  Form  wie  im  O.    Hoher  gotischer  Dreiecksgiebel. 

W.:  Die  Hofseite  ist  fast  ganz  verbaut.  Links  schließt  ein  rechteckiger  Anbau  an,  der  in  seinem  oberen 
Stockwerk  einen  Salon  mit  Terrasse  enthält,  rechts  ist  ein  dreistöckiges  Stiegenhaus  vorgebaut  und  daran 
stößt  der  südliche  Flügeltrakt  an.  —  Über  dem  rundbogigen  Portal  ein  rechteckiges  und  darüber  ein 
hohes  spitzbogiges  Fenster.  Zuoberst  links  eine  Uhr,  ähnlich  wie  im  O.,  flankiert  von  zwei  Rundfenstern. 
Rechts  sind  in  der  Höhe  des  ersten  Stockwerkes  als  einziges  Erinnerungszeichen  daran,  daß  das  Schloß 
aus  einem  älteren  Bau  hervorgegangen  ist,  eine  Wappen-  und  eine  Inschrifttafel  eingemauert,  beide  aus 
rötlichem  Marmor.  Oben  das  schön  skulpierte  Wappen  des  Erzbischofs  Johann  Ernst  Grafen  von  Thun, 
mit  einem  Cherabskopf  an  der  Unterseite.  Unter  dem  Wappen  eine  große  rechteckige  Marmortafel,  um- 
rahmt von  Früchten  und  Akanthusblättern,  mit  der  Inschrift: 


Schloß  Anif 


23 


Fig.  22    Schloß  Anif,  Ansicht  von  Westen  (S.  22) 


Salve  Hospes 

et 

Si  aediutn  titulum  igiioras 

ab  aqiiila  Thiiniana  scriptum  scito. 

Maniim  petis? 

Dictante  dementia  exaravit  Liberalitas 

Characterem  Principis. 

Dum 

Nobiles  hos  parietes  cum  adiedis  adiacentibus  suo 

aere  conscripsit  &■  adscripsit  Chiemensi  Mytrae 

in  feudum  suique  memoriam 

lOANNES  ERNESTUS 

ex  comit:  de  Thiin,  Archi-Epüs  et  Princeps 

Salisburgensis. 

Gesims  und  Zinne  wie  im  O. 

N.  (Fig.  23):  Der  nördliciien,  dem  Teich  zugel<ehrten  Schimalseite  ist  in  der  Höhe  der  unteren  zwei 
Geschosse  ein  halbachtec]<:iger  Anbau  vorgebaut,  der  oben  eine  von  einer  Zinnenmauer  umgebene 
Altane  trägt.  Auf  diese  Altane  führt  ein  doppelteiiiges  Spitzbogenportal  in  reich  gegliederter  Umrahmung 
aus  rötlichem  Marmor.  Darüber  eingemauert  die  aus  Sandstein  gemeißelten  Wappen  Arco-Pallavicini  mit 
der  achtzackigen  Krone.  Gotischer  Ziergiebel  wie  im  S.,  mit  drei  schmalen  Kleeblattbogenfenstern.  — 
Schindelsatteldach   mit   kleinen  gegiebelten  Dachfenstern  und  steinernen,  zinnengekrönten  Rauchfängen. 

Der  zweistöckige  Südtrakt,  der  das  Hauptgebäude  mit  dem  Kapellenturm  verbindet,  hat  an  seiner 
südlichen  Außenseite  (Fig.  21)  je  sechs  Fenster;  im  Erdgeschoß  flachbogige,  im  I.Stock  rechteckige,  im 
2.  Stock  an  den  Seiten  zwei  rechteckige,  in  der  Mitte  vier  mit  rechteckigen  Ausnehmungen.  Über  den 
Fenstern  des  1.  Stockwerkes  steinerne  Verdachungsgesimse.  Steinerner  Spitzbogenfries.  —  An  der  Hof- 
seite (im  N.)  im  Erdgeschosse  zwei  Türen  und  drei  Fensler,  alle  fiachbogig;  in  den  zwei  Geschossen 
darüber  je  fünf  rechteckige  Fenster;  alle  in  profilierter  Konglomeratrahmung;  Spitzbogenfries.  Steiles 
Schindelsatteldach  mit  steinernen  Rauchfängen  und  hölzernen  Dachfenstern. 

Das  in  den  Südostwinkel  des  Hofes  eingebaute  Stiegen  haus  ist  im  Grundriß  rechteckig  und  hat  drei 
Stockwerke.    Auf   der  Westseite  im  Erdgeschoß  zwei  flachbogige,   in  den  zwei  mittleren  Geschossen  je 


Fig.  23. 


Südtrakt. 


Stiegenhaus. 


24 


Geilchtsbezlrk  Salzburg 


Turm. 
Fig.  21,  24. 


Fig.  24. 


zwei    rechteckige   Fenster,   oben   zwei   gekuppelte    spitzbogige   Fenster.     Im   N.   eine   flachbogige  Tür 
und  darüber  je  ein  Fenster  entsprechend  denen  im  W.  Alle  Fenster  in  profilierter  Konglomeratrahmung. 
An  der  Ecke,   der  Mitte  und  dem  Südende  der  Westseite  Lisenen  mit  vertieften  Feldern,   zwischen  den 
Fenstern  breite  Friesbänder  mit  gotischen  Maßwerkfüllungen,  alle  aus  Konglomerat  gemeißelt. 
Oben  Spitzbogenfries,  Zinnenabschluß. 

Der  hohe  rechteckige  Turm  an  der  Südwestecke  enthält  in  seinem  Erdgeschoß  die  Kapelle  und  in  dem 
darüber  liegenden  Stockwerk  den  Speisesaal.  An  der  südlichen  Außenseite  (Fig.  21,  24)  ist  ihm  ein 
einspringender,  von  fünf  Seiten  des  .Achteckes  gebildeter,  zweigeschossiger  Chorschluß  vorgelagert,  mit 
dreimal  abgestuften  Strebepfeilern  an  den  Ecken  und  je  drei  schmalen  Fenstern  mit  Kielbogenabschluß; 
Abgewalmtes  Dach  aus  buntglasierten  Tonziegeln;  darüber  zwei  schmale  zugespitzte  Fenster.  —  Auf 
der  Westseite  (Fig.  24)  unten  ein  großes  dreiteiliges,  darüber  zwei  einfache  Spitzbogenfenster,  alle 
drei  in  profilierter  Marmorumrahmung;  im  dritten  Geschosse  ein  Holzbalkon  mit  rechteckiger  Tür,  flan- 
kiert von   zwei   kleinen    spitzbogigen  Fenstern   mit  Verdachungsgesimsen,    im  vierten  drei  kleine  spitz- 


Fig.  23    Scliloß  Anif,  Ansicht  von  Norden  (S.  22) 


Fig.  23. 


Anbau. 
Fig.  23. 


gieblige  Fenster.  —  Auf  der  dem  Hofe  zugekehrten  Nordseite  (Fig.  23)  unten  ein  gotisches  Portal  mit 
Kleeblattbogen,  in  verstäbter  Umrahmung  aus  rötlichem  Marmor;  darüber  auf  Konsolen  die  Sandstein- 
statue des  hl.  Rupert  mit  der  Statuette  der  hl.  Mutter  Gottes  von  Altötting  (um  1840)  in  den  Händen. 
Darüber  nebeneinander  zwei  große  spitzbogige  Fenster  in  profilierter  Marmorumrahmung.  Als  Abschluß 
dieses  unteren  Turmteiles  Treppenfries  aus  Konglomeratplatten.  Im  dritten  Geschosse  ein  oblonges  flach- 
bogiges  Fenster  mit  vier  Halbkreisbogen  im  Abschluß;  im  vierten  zwei  zugespitzte  schmale  Fensler.  Im 
O.  oben  zwei  ebensolche  Fenster.  Die  Ecken  des  Turmes  sind  von  Lisenen  eingefaßt,  die  durch  einen 
Kleeblattbogenfries  verbunden  sind.  Die  vier  achteckigen  schindelgedeckten  Ecktürmchen  sind  durch  eine 
von  Kleeblattbogen  durchbrochene  Balustrade  aus  Konglomerat  verbunden.  Das  aufgesetzte  kleinere 
Stockwerk  hat  im  W.,  N.  und  O.  je  zwei,  im  S.  eine  Spitzbogentür;  darüber  Spitzbogenfries,  Pyramiden- 
schindeldach mit  Blechknauf  und  Blitzableiter. 

Die  Nordseile  des  Hofes  (Fig.  23)  nehmen  zwei  kleinere  rechteckige  Bauten  ein,  ein  dreigeschossiger 
Anbau  an  das  Hauptgebäude  und  der  Bildersaal,  beide  verbunden  durch  eine  gotische  Säulenhalle  mit 
vier  schlanken  achteckigen  Marmorsäulen  und  drei  Kreuzrippengewölbejochen. 

Der  Anbau  (Fig.  23)  enthält  in  den  unteren  zwei  Geschossen  zwei  Dienerzimmer  (im  S.  und  N.  unten 
zwei  Paare  von   rechteckigen,  oben   von  spitzbogigen   schmalen  Fenstern),  das  dritte  Geschoß  wurde 


I 


Schloß  Anif 


25 


erst  1905  aufgesetzt.  Auch  die  steinerne  Vierpaßbaiustrade  über  der  Säulenhalle  wurde  erst  1905  an- 
gebracht. Der  Bildersaa!  hat  im  S.  und  N.  je  ein  breites  fünfteiliges  Fenster  in  Marmorumrahmung  mit 
gotischen  Maßwerken;  oben  Altane  mit  Zinnenbrüstung  und  zwei  achteckigen,  schindelgedeckten  Ecktürmchen. 
In  der  Säulenhalle  im  W.  spitzbogige  Tür  zum  Bildersaa!  in  reich  verstäbter  Marmorumrahmung,  im  O. 
marmorner  Wandbrunnen  mit  einer  weinlaubumrahmten  Maske  aus  weißem  Marmor.  Die  im  Rechteck 
nach  W.  vorspringende,  von  einer  Zinnenbrüstung  umgebene  Terrasse  (gegen  den  Hof  um  zwei 
Stufen  erhöht)  hat  im  W.  (Fig.  22,  24)  zwei  rechteckige  Ecktürme  und  einen  halbrunden  Mittelturm,  alle 
nach  innen  offen  und  mit  Zinnen  abgeschlossen,  aus  Konglomeratquadern  erbaut.     Im  Mittelturm  führt 


Fig.  22,  24. 


Fig.  24    Schloß  Anif,  Ansicht  von  Südwesten  (S.  24) 

eine  Wendeltreppe  zu  der  geräumigen,  unter  der  Terrasse  geschickt  angebrachten  Bootshalle  hinab,  die 
ein  Grottengewölbe  aus  unbehauenen  Tuffsteinen  und  zwei  spitzbogige  Eingänge  an  den  Schmalseiten  hat. 
Auf  einem  Vorsprung  der  Terrasse  gegen  den  Hof  zu  steht  ein  Brunnen  (Fig.  25)  mit  einer  acht-  Fig.  25. 
seifigen  Einfassung  aus  hellem  Untersberger  Marmor  und  einem  achtseitigem  Mittelpfeiler  aus  gleichem 
Material,  der  an  den  Seiten  zwei  Löwenköpfe  (Karraramarmor)  als  Wasserspeier  hat  und  als  Postament 
der  niedlichen  Brunnenfigur  aus  weißem  Karraramarmor  dient,  eines  sitzenden  Putto,  der  einen  wasser- 
speienden Delphin  in  den  Armen  hält  (um  1840). 

Unter  dem  Bildersaal  befindet  sich  eine  niedrige  Halle,  zu  der  man  vom  Hof  auf  eine  Treppe  hinab- 
steigt; sie  hat  einen  starken  Mittelpfeiler  und  ein  aus  vier  sich  schneidenden  Tonnen  gebildetes  Gewölbe. 

Das  Innere  des  Schlosses  (Fig.  26)  ist  in  vornehmem  Geschmack  reich  ausgestattet.  Die  in  gotischem         Inneres, 
Stile  gehaltene  Dekoration    gibt  einen  guten  Rahmen  für   die   zahlreichen  wertvollen  Kunstschätze  aller         Fig.  26. 
mit  denen  der  Erbauer  die  Räume  füllte. 

XI  4 


26 


Qerichtsbezirk  Salzburg 


In  der  Einfahrt  hölzerne  Kassettendecke,  gestützt  durch  fünf  Bogen  mit  geschnitzten  Füllungen,  auf  figu- 
ralen  Konsolen. 

An  der  Wand   der   mit   einem   kassettierten  Holzplafond   gedeckten  Einfahrt   ist   eine  Marmorplatte   mit 
skalpierter  gotischer  Rankenumrahmung  und  der  eingemeißelten  Erbauerinschrift  eingemauert: 

Dieses  Haus  hab  ich  erbaut 

Hab  dabei  viel  Stein  verhaut 

Manches  gut  und  manches  schlecht  erdacht 

Hab  zehn  Jahre  damit  zugebracht 

Geholfen  haben  mir  der  Handwerk  viel 

Gottes  Gnad  führt  es  zum  Ziel. 

1838—1848 
Aloys  Graf  von  Arko— Stepperg. 


Fig.  25    Schloß  Anif.    Schloßhof  mit  dem  Untersberg  (S.  25) 

Eine  Marmortür  mit  gotischem  Gewände  (flachem  Kielbogenschluß)  führt  in  ein  Vorzimmer,  von  dem  aus 
man  rechts  zur  hölzernen  Aufgangstiege  kommt. 

Bildersaal.        Der  Bildersaal  hat  eine  flache  hölzerne  Balkendecke  mit  aufgemalten  Wappen.    Die  Wände  sind  zur 
Hälfte  mit  Holz  (mit  gotischen  Füllungen)  verkleidet. 

Die  Räume  im  Erdgeschosse  haben  flache  Decken.  Im  ersten  Stock  des  Hauptgebäudes  ebenfalls  flache 
Decken,  zum  Teil  einfache,  hölzerne  Kassettenplafonds. 

Der  nördliche  Ecksaal  im  zweiten  Stockwerk  hat  noch  den  alten  Holzplafond  vom  Ende  des  XVII.  Jhs.: 
Vertiefte  Kassetten,  umrahmt  von  vergoldeten  Perlstäben  und  Perlschnüren,  Holz,  braun  gebeizt.  Im 
Mittelfeld  rechteckiges  Deckenbild,  Öl  auf  Leinwand,  Galathea,  auf  einem  von  zwei  Delphinen  gezogenen 
Muschelkahn  stehend,  umgeben  von  drei  Najaden,  zwei  Tritonen  und  einem  Putto;  gutes  Bild,  signiert: 
F.  Clessmann  1844. 

An  den  Wänden  rote  Spaliere,  unten  Holzverkleidung,  ein  Kamin  mit  einem  von  zwei  Marmorsäulen 
gestütztem  Vorbau  mit  den  Wappen  Arko-Pallavicini  und  den  großen  Gemälden  des  Grafen  Arko  und 
seiner  Gemahlin  sowie  des  jetzigen  Besitzers  Grafen  Moy  de  Sons  und  seiner  Gemahlin.  In  den  drei 
Zimmern  daneben  hölzerne  Piafonds,  in  dem  zweiten  gelbe,  in  dem  dritten  grüne  Seidenspaliere.  Zwei 
Türen  mit  skalpierten  Marmorgewänden  (gotische  Ranken).  Im  Schlafzimmer  im  Südtrakt  Holzplafond, 
großer  Gobelin  und  Stofftapeten.  Im  Speisesaal  (Turm,  ober  der  Kapelle)  bemalter  Kassettenplafond.   An 


I 


Schloß  Anif 


27 


den  Wänden  bis  zur  halben  Höhe  Holzverkleidung;  oben  gemalte  Wappen;  die  Spitzbogenfenster  haben 

hölzernes  Maßwerk.  Am  Gang  im  zweiten  Stock  des  Südtraktes  dekorative  Malereien  mit  drei  ritterlichen 

Paaren,  datiert:  Anno  domini  1846,  vom  Maler  Grün  wedel. 

Im  dritten  Stock  durchaus  flache  Decken. 

Vom  dritten  Stock  des  Hauptgebäudes  führt  ein  mit  einer  spitzbogigen  Tonne  gewölbter  Gang  zu  einem 

großen  flachgedeckten  Zimmer  im  Turm  (ober  dem  Speisesaal).  Auf  einer  hölzernen  Wendeltreppe  kommt 

man  von  diesem  in  die  darüber  gelegene  Rüstkammer  und  auf  die  Aussichtsterrasse. 

Kapelle:  Dreijochiges  Rippengewölbe.  An  den  Wänden  dreistäbige  Halbsäulchen  aus  rotem  Marmor 
mit  gotischen  Blattkapitälen  aus  weißem  Marmor.  An  der  Eingangswand  als  Konsolen  die  Halbfiguren 
zweier  gewappneter  Ritter  mit  Schilden  in  den  Händen,  darauf  die  Initialen  A — /  (weißer  Marmor). 
Gegenüber  an  der  Südwand  als  Konsolen  die  Halbfiguren  von  zwei  Engeln  mit  den  Wappenschilden 
Arko-Pallavicini.  An  der  Westwand  eingemauerter  gotischer  Vierpaß  (aus  grauem  Marmor)  mit  dem  Datum 
der  Kapelleneinweihung:  C.  S.  est  5.  April  1851.  In  der  Ostwand  Oratoriumfenster  in  Holzrahmung  mit 
zwei  hölzernen  Engeln. 


Kapelle. 


Fig.  26    Schloß^Anif,;iGrundriß  1 :  400^(S.  25) 


Altar:  Gotische  Mensa  aus  gelblichem  Marmor.  Hölzerner  gotischer  Aufbau.  In  der  Mitte  in  Hochrelief 
Krönung   der   hl.  Maria    durch  Jesus   und  Gott-Vater,   oben  die  Taube;   an   den  Seiten  die  Statuen  der 
hl.  Irene  und  des  hl.  Aloisius;  Holz,  steinfarben  bemalt.  Gute  Arbeiten  um  1850. 
Marmorner  Taufstein,  um  1850. 

Im  südlichen  Teile  des  großen,  von  weiten  sonnigen  Rasenflächen  unterbrochenen  Naturparkes  (an- 
gelegt von  Hofgärtner  Win  ter  le,  um  1840)  steht  ein  für  die  Naturschwärmerei  dieser  Zeit  bezeichnendes 
Denkmal:  ein  Mar  m  or  ob  el  isk  auf  prismatischen  Postamente.  An  vier  vorspringenden  Platten  des 
Postamentes  die  Inschrift:  Willkommen,  Ihr  Freunde  —  Der  schönen  Natur,  —  Der  stillen  Einsamkeit, 
—  Des  ländlichen  Lebens.  —  An  der  Pyramide  vier  ovale  Platten  mit  den  Buchstaben  STZT,  am  Sockel 
die  Jahreszahl  MDCCCIV.   (Man  vergleiche  das  Aquarell  um  1810  im  Salzburger  Museum.) 

Grotte:  Südwestlich  vom  Schlosse,  am  Weiherufer.  Tonnengewölbte  Grotte,  an  deren  Eingang  sich 
Stalaktiten  bilden.  Darüber  niedrige  Frontmauer  mit  eingelassener  Marmorplatte:  oben  im  Relief  ein  Bär 
mit  zwei  Wappenschilden.  Darunter  die  Inschrift:  Horreum  hoc,  iniuria  temporum  collapsum,  a  funda- 
mento  erexit  Joannes  Aegidius  Berner  de  Rettenwert  et  Lampoting  Erbausferg  in  Lauffen  et  uxor  eius 
Sophia  Paurnfeindin  Anno  a  partu  virgineo  Cl  MDCXLVI  (1646). 

Die  Privatsammlung  des  Grafen  und  der  Gräfin  Moy  de  Sons  in  Schloß  Anif 

wird  im  Anhang  beschrieben. 

4* 


Altar. 


Naturpark. 

Marmor- 
obelisk. 


Grotte. 


28 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Fig.  27    Bergheim  mit  dem  Untersberg,  Ansicht  von  Norden  (S.  30) 


Bergheim,  Dorf 

Archivalien:  Pfarrarchiv  (Kirchenrechnungen  seit  1607  [1651  —  1666  fehlen]).  —  Konsistorialarchiv. 

Literatur:  Pillwein,  Salzachkreis  365.    —   Dürlinoer,  Handbuch  6.   —  Zillner,  Salzb.  Geschlechterstudien,  IL,  Izling-Fischach- 

Bergheim-Radeck   in   Ldke.    19   (1879),    1  ff.   —   E.    Richter,   Untersuchungen   zur   hist.  Geogr.  in  Mitt.  d.  Inst.  f.  ö.  Q., 

1.  E.-B.,  707. 

Erzbischof  Adalbert  übergibt  927  dem  Diakon  Reginold  Hof,  Kirche,  Zehente  und  Hörige  ad  Percheim  (HAUTHALER, 
Salz.  U.-B.  1,  78  Nr.  11).  Auch  in  den  nächsten  Jahrzehnten  wird  Percheim  oder  Percheimun  noch  öfter  genannt 
(ebenda  149  und  169  f.).  Häufiger  aber  begegnet  der  Käme  seit  der  Mitte  des  XU.  Jhs.,  da  sich  ein  Zweig  des  bedeutenden 
Ministerialengeschlechtes  der  Itzlinger  oder  Fischacher  nach  B.  benannte  (ZILLSER,  a.  a.  O.  38  und  Stammtafel).  Am 
13.  Juni  1295  verkauft  Heinrich  von  Bergheim  ^min  gesaezze  ze  Perchaim  mit  allem  daz  darzue  gehört,  wan  es  min  vater 
und  ich  herbracht  haben  ze  rechtem  lehen  .  .  .  und  darzue  min  gericht  ze  Percheim,  daz  ich  und  min  vater  von  dem 
gotshaus  ze  rechtem  lehen  gehabt  haben"  um  200  Pfund  an  Erzbischof  Konrad  IV.  (RICHTER,  a.  a.  O.J.  Das  Geschlecht 
verschwindet  in  den  letzten  Jahrzehnten  des  XIV.  Jhs.  Von  der  einstigen  Burg,  die  sicher  nicht  an  der  Stelle  der  Kirche 
(s.  unten)  gestanden  hat,  fehlt  heute  Jede  Spur.    Das  Gericht  wurde  nachmals  mit  dem  Pfleggerichte  h'euhaus   vereinigt. 

Pfarrkirche.     D 6 k 3 n 3 Ip f 3 f r k i r c h 6  z u m  hl.  Gcorg. 

Eine  Kirche  in  Bergheim  ist  schon  927  (s.  oben)  nachgewiesen.  Udalrkus  plebanus  de  Perchaim  ist 
Zeuge  einer  Urkunde  im  Jahre  1211  (Meiller,  RAS  201,  Nr.  136).  Möglicherweise  wurden  die  Steine  der 
verlassenen  Burg  —  wenn  es  sich  1295  (s.  oben)  überhaupt  um  mehr  als  ein  befestigtes  Haus  gehandelt 
hat?  —  zur  Vergrößerung  der  Kirche  verwendet;  jedenfalls  aber  wurde  diese  nicht  erst  davon  gebaut, 
wie  Zillner  a.  a.  O.  meint.  1430  besitzt  sie  schon  die  Kirchen  zu  Anthering  und  Haliwang  als  Filialen. 
Am  1.  Juli  1520  wurde  die  Kirche  samt  dem  Friedhofe  von  Bischof  Berthold  von  Chiemsee  rekonziliiert. 
Am  30.  Juni  des  folgenden  Jahres  wurde  der  Hochaltar  neu  geweiht.  Die  Visitationsakten  von  1619 
beschreiben  das  Innere  wie  folgt: 

Sacramentum  asservatur  in  iabernaculo  marmoreo  pulchro,  sed  parieti  a  cornu  altaris  dextro  affixo,  quod  facile  esset 
ad  altare  summum  iransportari.  Altaria  habent  tria:  1.  in  hon.  s.  Georgii.  retro  quod  imago  Salvatoris  ne  discindatur 
in  lamina  cuprea  depingatur,  2.  in  cornu  dextero  in  hon.  b.  Marie  virg..  3.  a  cornu  sinistro  in  hon.  s.  Joannis  Bapt. 
Bapiisterium  in  media  ecclesiae  situm  libertatem  eiusdem  impedit  quod  alicui  columnae  admoveri  opportunius  esset. 

Den  Kirchenrechnungen  entnehmen  wir:  1642:  für  ainen  neuen  weiß  märblstainen  Taufst ain  dem  Maister 
bezahlt  28 ]l.  —  1647:  dem  Franz  Peret,  Maler,  für  das  Fahnblatt  St.  Anna  18 fl.;  dem  Maler  umb 
ain  Tafel,  darauf  die  Oaißlung  Christi  zum  Beichtstuhl  45  kr.  —  1682:  für  eine  Kirchenfahn  dem 
Friedrich  Peret.  Maler,  12  fl. 


li 


Bergheitn  29 

m  4.  April  1689  berichtete  der  Pfarrer  an  das  Konsistorium:  „Es  erzaigen  sich  bey  meiner  Pfarrkirchen 
allberait  so  große  Baufälligkeiten  als  erstlich  an  dem  Thurm,  welcher  alltäglich  zu  fahlen  beginnet  und 
ohnedem  muess  abgetragen  werden,  2''°  an  dem  vordem  Gewelb  bey  dem  Hochaltar,  so  ganz  zerbrochen 
und  3''°  an  dem  Tach.  Daß  die  notwendige  Reparatur  [:wie  es  der  Augenschein  klar  erweiset  und  der 
hf.  Paumaister  Z  u  c  a  1 1  i  selbsten  gesechen:]  ehisten  hechstermaßen  vonnethen  wäre.  Wan  nun  aber 
auch  die  Kirchen  so  klain,  dass  sie  den  3.  Teil  meiner  anvertrauten  Schaf  lein,  zu  geschweigen  die  ganze 
Pfarrmenig  in  concursu,  beschwerlich  fasst,  die  Reparatur  große  Unkosten  erfordert,"  so  rate  er  einen 
vollständigen  Neubau  an.  Auch  der  Gerichtsschreiber  von  Neuhaus  hielt  das  für  das  Beste  (27.  August 
1689).  Ein  Überschlag  nach  einem  Riß  stellte  sich  auf  2854  fl.  35  kr.  Am  17.  Februar  1690  nahm  tat- 
sächlich die  hochfürstliche  Hofbaumeisterei  den  Augenschein  vor;  zu  einem  Bau  aber  kam  es  noch  nicht, 
da  das  nötige  Geld  nicht  aufgetrieben  werden  konnte.  Zwei  Jahre  später,  am  1.  März  1692,  wurde  der 
Pfarrer  Johann  B.  Caspar  Pock  neuerdings  vorstellig:  „Obzwar  die  Heiligen  Gottes  ihrer  Essentialglory 
nach  hegst  glückselig  seyn  und  ihnen  nichts  ermanglet,  so  hat  es  doch  bey  villen  das  Ansehen,  dass  sie 
an  ihrer  äußerlichen  Herrlichkeit  große  Noth  leiden  und  das  auf  Erden  geliebte  Votum  paupertatis  an- 
noch  stricte  zu  halten,  ja  die  Nothwendigkeit  zu  beten  gemüesset  werden,  unter  welcher  sich  insonderheit 
der  in  dem  Gottshaus  Pergheim  rastende  hl.  Ritter  Georgias  auch  befindet,  dessen  Armueth  also  groß, 
dass  er  ohne  Ross  und  ohne  Zeug  in  einer  darzue  noch  schlechten,  baufälligen  und  engen  Ehrenwohnung 
vor  guet  mues  nehmen."  Aber  auch  diese  bewegliche  Klage  nützte  nichts.  Am  17.  April  1693  konnte 
wegen  Lebensgefahr  nur  mehr  auf  den  Seitenaltären  zelebriert  werden  und  bald  darauf  stürzte  der  Hoch- 
altar überhaupt  ein.  Nachdem  man  wegen  Geldaushilfen  bei  allen  vermögenderen  Kirchen  angefragt 
hatte,  wurde  endlich  1695  der  Bau  durch  den  Maurermeister  Matthias  Köllersperger  begonnen 
und  im  gleichen  Jahre  der  Hauptsache  nach  fertiggestellt. 

Am  23.  Dezember  suchte  bereits  Maler  Johann  Martin  Schaumberge r,  dieweilen  nun  das  neu- 
gebaute St.  Georgen-Gottshaus  alberaith  verfertigt,  um  die  Arbeiten  für  den  neuen  Hochaltar  an;  da 
aber  die  Mittel  erschöpft  seien  und  vielleicht  der  Erzbischof  selbst  den  Hochaltar  zahlen  werde,  erfolgte 
kein  Bescheid.  Nach  und  nach  kam  die  Einrichtung  zustande.  1697:  Dem  Meister  Georg  Michler, 
Tischler  in  Salzburg,  wegen  Verfertigung  der  neuen  Kirchenstühle  55  fl,  wegen  der  neuen  Canzl  50  fl, 
dem  Maler  30  fl.  —  1704/06:  Zum  neuen  Hochaltar:  Simon  Frieß,  Bildhauer  in  Salzburg,  100  fl, 
Lorenz  Windtpic hier,  Tischlermeister  daselbst  130  fl,  Johann  Friedrich  Berette  (=  Pereth), 
Malern,  43  fl  30  kr,  Adam  Pirckmann,  bgl.  Maler  in  Salzburg,  wegen  der  Faßarbeit  176  fl  30  kr. 
706  wurde  der  Hochaltar  aufgestellt.     1707  folgten   auch  die  Seitenaltäre  von  denselben  Meistern 

it  144  fl.  Eine  Uhr  wurde  1698  um  70  fl.  von  der  St.  Valentinskirche  zu  Marzoll  (bei  Reichenhall) 
erhandelt.  1700  gießt  Andrä  Gärtner,  bürgerlicher  Glockengießer  in  Salzburg,  die  große  Glocke. 
Sonst  enthalten  die  Kirchenrechnungen  noch:  1707:  neues  Kirchengitter  24  fl.  Baltasar  Böckl  für 
Mahlung  des  Opferstöcklsblattl  bei  dem  neuen  Gatter  und  das  Spalier  beim  Hochaltar  4  fl,  Ferdinand 
Sigmund  Am  ende,  Goldarbeiter  in  Salzburg  gegen  Aufgabe  der  alten  weißen,  silbernen  Monstranze 
von  71  Lot  eine  neue  vergoldete  von  121  Lot  Augsburger  Prob  190  fl;  1708:  eine  große  versilberte 
Ampel;  1712  wird  durch  Georg  Eisenperger  die  mittlere  Glocke  übergössen  um  157  fl.;  1716: 
neuer  Kirchenornat  140  fl;  1724:  Bonifacius  Obstmann,  Tischler  zu  Seekirchen,  für  ein  neue 
Truchen  oder  Ligcasten  von  Aichenholz  in  die  Sacristey  30  fl,  dem  Rupp  Pürckmann,  Malern  in 
Salzburg,  für  Bemalung  desselben  2  fl  30  kr.  1726:  dem  Simon  Schmid,  Gürtler  in  Salzburg,  für 
ein  neues  Fahnenkreuz  25  Jl;  dem  Glockengießer  Andrä  Zac henhube r  für  eine  neue  Glocke  über 
Abzug  der  alten  253  fl;  1750:  Josef  Müller,  Maler  für  ein  Fahnenblatt  13  fl;  1761:  Josef  Müller 
abermals  für  ein  Fahnenblatt  16  fl. 

1797  wurde  der  Turm  nach  dem  Riß  des  hochfürstlichen  Bauverwalters  Wolf  gang  Hagen  au  er  wieder- 
hergestellt, nachdem  am  S.August  V2  7Uhr  früh  ein  Blitz  den  Turm  so  zerquetscht  hatte,  dass  die  erste 
oder  höchste  Kuppel  gänzlich  ruiniert,  die  Laterne  durch  Zerschlagung  der  Säulen  hart  mitgenommen, 
eine  Säul  bis  in  den  Boden  zersprengt  und  eine  andere  stark  beschädigt  und  die  große  Kuppel  von  ein- 


30 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


ander  gesprengt  wurde.    1801  wurde   um    18  fl.   ein  Rauchfaß   und    1805,  da   die   hl.  Gefäße  von   den 

Franzosen  entwendet  worden  waren,  von  der  Domkustorei  ein  Ziborium  und  zwei  Kelche  um   176  fl. 

erkauft. 

1839  restaurierte  Maler  Martin  Pitzer  um  30  fl.  das  Hochaltarbild  und  die  Kreuzwegstationen,  1843 

wird  auch  der  St.  Johanns -Altar  repariert.    1844  wird  der  Hochaltar,  an  welchem  das  Gold  ganz  wc^ 

ist  und  nur  das  rote  Boloment  durchschaut  und  der  wegen  Veraltung  vom  Wurm  sehr  beschädigt  ist, 

von  Sigfrid  Jaud,  Maler  und  Vergolder,  mit  einem  Kostenaufwande  von  849  fl.  neu  vergoldet. 


Charakte- 
ristik. 


I'lg.  27-30. 
Lage. 


1 

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1 

Fig.  28    Bergheim,  Pfarrkirche  von  Südwesten  (S.  31) 

DüRLiNOER  erwähnt  einen  Ecce  homo  von  Hofmaler  Gastmayr  in  Wien,  die  Himmelfahrt  Christi  al  fresco 
von  Rattensperger  und  ein  geschnitztes  Kruzifi.x  von  Josef  Haid. 
Seit  1812  ist  Bergheim  Sitz  des  Dekanats. 

Charakteristik:  Das  einschiffige,  tonnengewölbte  Langhaus,  der  einspringende,  gleichhohe,  halbrund 
geschlossene  Chor  und  die  Sakristei  wurden  an  Stelle  der  alten  Kirche  1695  durch  Matthias  Köllers- 
perger  neu  gebaut.  Der  in  seinem  Hauptteile  noch  gotische  Turm  erhielt  1797/98  nach  Plänen  Wolf- 
gang  Hagenauers  ein  neues  Glockengeschoß  samt  Zwiebelhelm  (Fig.  27—30). 

Lage:  Vom  Friedhof  umgeben,  auf  einem  Hügel  über  dem  Dorfe.  Neben  der  Kirche  steht  die  gotische 
St.  Laurenzikapelle. 


I 

I^B  Bergheim  31 

H  Äußeres  (Fig.  27,  28): 

Stein  und  Ziegel,  Langhaus,  Chor,  Oberteil  des  Turmes  gelb  und  weiß  gefärbelt. 

Langhaus:  Umlaufender  Konglomeratsockel,  profiliertes  Kranzgesims.  W.  Dreiecksgiebelfront  mit  vor- 
gebautem Turm.  —  S.  Drei  hohe  rechteckige,  oben  vier  kleine  breitovale  Fenster.  Rechts  unten  Tür  mit 
hölzernem  Vorbau;  daneben  zwei  marmorne  Weihwassermuscheln  (1695).  —  N.  Ebenso,  ohne  Tür. 

Chor:  Einspringend,  halbrund  abgeschlossen,  wenig  höher.  Niedriger  Konglomeratsockel,  profiliertes 
Kranzgesims.  Vier  hohe  Fenster,  darüber  je  ein  kleines  breitovales  Fenster.  —  Über  Langhaus  und  Chor 
gemeinsames,  nach  O.  abgewalmtes  Schindelsatteldach;  Blechknauf,  Kreuz. 

Turm:  Der  Westfront  des  Langhauses  vorgebaut,  das  er  beträchtlich  überragt.  Quadratisch;  drei  Ge- 
schosse aus  unverputzten  Nagelfluequadern,  zwei  abteilende  einfache  Bandgesimse.  Hoher  Sockel,  ver- 
putztes profiliertes  Abschlufjgesims.  -  W.  Im  Mittelgeschosse  Luke.  —  N.  und  S.  Neue  spitzbogige  Tür 
auf  drei  Stufen,  darüber  drei  Luken.  —  Achtseitiger  Oberteil,  Ziegel,  weiß  gefärbelt;  vier  rundbogige 
Schallfenster,  darunter  hölzerne  Zifferblätter,  profiliertes  Kranzgesims.  Rotgestrichenes  Schindelzwiebcl- 
dach  mit  Laterne,  Blechkugel,  Doppelkreuz;  auf  der  Zwiebel  aufgemalt  die  Jahreszahlen  1798  und  1894. 


Äußeres. 
Fig.  27,  28. 

Langhaus. 


Chor. 


Turm. 


Fig.  29    Bergheim,  Pfarrl<irche,  Grundriß  1 :  200  (S.  31) 

Sakristei:    Im    N.  des    Chores,  einstöckig.  —   O.  Links   moderner  Türvorbau;   drei  Fensler   überein- 
ander. —  N.  Übereinander  je  zwei  Fenster.    Schindelpultdach. 

Umfriedungsmauer:    Bruchstein,   hellgelb   verputzt,   Steinplattenbelag.    Im  O.,  SO.  und  S.  je  ein 
Eingang,  flankiert  von  zwei  kugelbekrönten  Postamenten  aus  Konglomerat. 


Sakristei. 


Umfriedungs- 
mauer. 


Inneres  (Fig.  29,  30): 

Modern  ausgemalt,  hell  und  geräumig. 

Langhaus:  Einschiffiger  hoher  Saal.  Rundbogiges  Tonnengewölbe  mit  drei  Gurtbogen  auf  Pflastern 
(reiche  profilierte  Kämpfergesimse,  hohe  Sockel)  und  Eckpilastern  mit  schmäleren  Gurtbogen.  Jederseits 
vier  rundbogige  Stichkappen. 

Westempore:  Übereinander  zwei  graugelb  gestrichene  Holztribünen  mit  geschweiften  Brüstungen,  unten  ge- 
tragen von  zwei  toskanischen  Holzsäulen  und  vier  dünnen  Holzstützen,  oben  von  zwei  kleineren  tos- 
kanischen  Holzsäulen.  Eingebaute  doppelte  Holzstiege.  Im  W.  unter  der  Empore  rundbogige  Tür  in 
tlachbogiger  Nische.  An  den  beiden  Türen  Eisenbeschläge  und  große  Schlösser  (von  1695).  —  Im  O. 
rundbogiger  Triumphbogen  in  fast  voller  Höhe  und  Breite  auf  zwei  hohen  vorspringenden  Pilastern. 


Inneres. 
Fig.  29,  30. 

Langhaus. 


32 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Chor.  Chor:  Einspringend,  gleiciihoch,  Boden  um  drei  Stufen  aus  rotem  Marmor  erhöht.  Sechs  Wandpilaster, 

zwei  rundbogige  Quergurten,  im  Abschlüsse  zwei  Radiaigurten.  Rundbogige  Tonne  und  Halbi<uppel, 
fünf  rundbogige  Stichi<appen.  \m  N.  Sai<risteitür  in  profilierter  Umrahmung,  darüber  oblonges,  vergittertes 
Oratoriumfenster  und  Wan  dgemälde  (Christi  Himmelfahrt)  von  Ra  tten  sp  erger,  um  1840.  Vier 
große  Fenster,  darüber  kleine  querovale  Fenster. 

Turm.  Turm:   Das  Untergeschoß  bildet  eine  kreuzgewölbte  Vorhalle  zur  Kirche.   Neben  der  Kirchentüre  zwei 

marmorne  Weihwassermuscheln  (1695). 

Sakristei.        Sakristei:  Flachgedeckt.  Im  W.  hölzerner  Stiegenaufgang  zu  dem  gleichfalls  flachgedeckten  Oratorium. 


Fig.  30    Berglieim,  Pfarrkirche,  Inneres  (S.  31) 


Einrichtung. 

Altäre. 

Hochaltar. 

Fig.  31. 


Barock  und  modern. 


Einrichtung: 


Altäre:  1.  Hochaltar  (Fig.  31).  Prunkvoller  hölzerner  Barockaufbau,  bis  zum  Gewölbe  reichend,  neu 
gefaßt.  Auf  zwei  Holzstufen  rechteckige  Mensa.  Großes,  gelb  gestrichenes  Holztabernakel  mit  Kuppel- 
dach, vier  gewundenen  vergoldeten  Säulchen,  größerer  Muschelnische  mit  Standkruzifix,  zwei  kleineren 
auf  der  Seite.  Oben  Lamm  Gottes  (Holz,  vergoldet)  und  Kreuz,  seitlich  zwei  geringe  Engel  (Holz,  poly- 
chromiert).    Seitlich  der  Mensa  zwei  adorierende  Engel  (Holz,  polychromiert). 

Aufbau:  Holz,  graugelb  gestrichen,  zum  Teil  vergoldet.  An  den  Seiten  zwei  Durchgänge  mit  geschwun- 
genen Verdachungen  und  Statuenpostamenten.  Dreigeschossiger  Unterbau;  vor  den  Feldern  vergoldetes 
Bandwerk  und  Ranken;  zwei  Cherubsköpfchen,  Holz,  polychromiert.  —  Hauptteil:  Beiderseits  des  Altar- 
bildes je  zwei  große  vergoldete  gewundene  Säulen  mit  Kompositkapitälen,  dazwischen  schön  geschnitzte 
vergoldete  Akanthusranken;  verkröpftes  Gebälk  mit  geschnitzten  vergoldeten  Zieraten  (Blattranken),  über 
dem  Bilde  Baldachin  mit  vergoldetem  Quastengehänge,  oben  mit  Rocailleschnitzereien  (um  1750).  Über 
den  äußeren  Säulen  Volutengiebelansätze. 

Aufsatz  mit  Bild  in  Vierpaß,  zwei  vergoldeten  gewundenen  Säulen,  Seitenranken,  Giebelansätzen,  sieben 
Skulpturen. 
Den  Aufbau  machte  1704/06  der  Tischler  Lorenz  Windpichler  in  Salzburg  um  130  fL 


Bergheim 


33 


Gemälde:  Öl  auf  Leinwand.  Altarbild:  Der  hl.  Georg  auf  hoch  sich  aufbäumendem  Schimmel  erschlägt 
mit  dem  Schwerte  den  bereits  vom  Speer  durchbohrten  Drachen.  Rechts  oben  die  kniende  Königstochter 
Margarete,  zwei  Putti.  —  Aufsatzbild:  Krönung  der  Madonna  durch  die  hl.  Dreifaltigkeit.  —  Beide  von 
Johann  Friedrich  Pereth,  1706. 

Skulpturen:  Holz,  neu  polychromiert,  Gewänder  vergoldet  und  versilbert.  Vier  lebensgroße  Statuen:  Judas 
Thaddäus   (Keule),   Petrus   (Papst   mit   Kirchenschlüssel),   Rupert,  Johann   von   Nepomuk.    Am  Aufsatze 


Fig.  31     Bergheim,  Pfarrkirche,  Hochaltar  .von  1706. 
Skulpturen  von  Simon  Frieß,  Gemälde  von  J.  F.  Pereth  (S.  32) 


kleinere  Figuren:  Barbara   und  Katharina,  Josef-Nährvater,  Apostel  Johannes.    Zuoberst   auf  Postament 
mit  Cherubskopf  St.  Michael  und  zwei  Putti.  —  Gute  Arbeiten  von  Simon  Frieß  in  Salzburg,  1706. 

Zwei  Seitenaltäre  im  Langhaus,  im  Aufbau  einander  gleich,  ähnlich  dem  Hochaltar,  von  denselben 
Meistern  wie  dieser  1707  angefertigt,  neu  gefaßt. 

Gemauerte  Mensa  mit  modern  bemaltem  Holzantependium.  —  Wandaufbau:  Holz,  graugelb  gestrichen, 
zum  Teil  vergoldet.  Doppelgeschossige  Predella.  Auf  übereckgestellten  Postamenten  zwei  vergoldete 
gewundene  Säulen  und  zwei  Statuen  auf  Volutenkonsolen  beiderseits  des  Altarbildes.  Applizierte  ver- 
XI  5 


Seitenaltäre. 


34 


Qerichlsbczirk  Salzburg 


goldete  Ranken.  Vergoldete  Seitenranken.  Aufsatz  mit  Rundbild,  zwei  vergoldeten  Säulen,  Giebelansätzen, 
fünf  Figuren.  Aufbau  von  Lorenz  Windpichle r,  1707. 

Linker  2.  Li n k er  S e i t e n al tar  (Fig.  32) :    Gemälde:    Öl   auf   Leinwand.    Altarbild:    Kreuzigung,   mit  Maria, 

Seitenaltar.       Magdalena,  Johannes.  Gut,  um  1740;  bezeichnet:   ST  ST  P  FF  (=  Stefan  Sternhuber  parochus  fieri  fccit; 

Fig.  32.         er  war  Pfarrer  1733—1744).  —  Aufsatzbild:  Die  hl.  Sippe.  Gering,  1707,  aus  der  Werkstatt  Pereths.  — 

Über  dem  einfachen  Tabernakel  Maria-Hilf-Bild  in  reich  geschnitztem,  vergoldetem  Rocaillenrahmen  (um 

1750). 

Statuen:  Holz,  neu  polychromiert  und  vergoldet.  Stephan  und  Laurentius,  am  Aufsatze  die  Hl.  Apollonia 
(Nagel  und  Zange)  und  Agatha  (mit  ihren  abgeschnittenen  Brüsten  auf  einer  Schüssel),  oben  die  hl. 
Margareta  mit  zwei  hl.  Äbtissinnen  (Scholastika  und  Ottilie).    Gut,  von  Simon  Frieß,  1707. 


Fig.  32    Berglieim,  Pfarrkirche.    Linker  Seitenaltar  von  1707 
Skulpturen  von  Simon  Frieß,  Kanzel  von  1697  (S.  34) 


Rechter         3.  Rechter  Seitenaltar:  Kleines  vergoldetes  Rokokotabernakel  für  die  Kreuzpartikelmonstranz,  um 
Sdtenaltar.        1750. 

Gemälde:  öl  auf  Leinwand.  Altarbild:  Taufe  Christi,  oben  Gott -Vater,  zwei  Putten,  zwei  Engel;  um  1740. 
—  Aufsatzbild:  St.  Sebastian  und  Florian,  stark  gedunkelt.    1707. 

Statuen:  Holz,  neu  polychromiert  und  vergoldet.  Zacharias  und  Elisabeth,  am  Aufsatze  St.  Anton  von 
Padua,  Franz  von  Assisi,  Johann  von  Nepomuk  und  zwei  andere  heilige  Priester.  Gute  Arbeiten  von 
Simon  Frieß,  1707. 

Kanzel.         Kanzel  (Fig.  32):  Am  Pfeiler  zwischen  Langhaus  und  Chor.    Von  der  Sakristei  aus  zugänglich.    Holz, 

Fig.  32.         grüngelb  gestrichen  und  vergoldet  Fünfseitige  Brüstung.  An  den  Ecken  gewundene  vergoldete  Säulchen 

auf  Konsolen;  dazwischen   in  Muschelnischen   die  guten  Statuetten  Christi   und  der  vier  Evangelisten 

(Holz,  polychromiert  und  vergoldet);  unter  Christus  ein  Cherubskopf.    Ablauf  mit  vergoldetem  Granat- 


I 


ßergheim 


35 


äpfel.  An  der  Brüstung  Arm  mit  Kruzifix.  Fünfseitiger  Schalldeckel  mit  vergoldetem  Behänge.  Unten 
die  Taube,  oben  Namen  Jesu  im  Strahlenkranze.  —  Gute  Arbeit  von  1697.  Die  Tischlerarbeit  von 
Georg  Mich  1er.  Die  Skulpturen  wohl  von  Simon  Frieß. 

Orgel:  Am  Gehäuse  geschnitzte  vergoldete  Ranken,  um  1850. 

Tauf  st  ein:  Untersberger  Marmor.  Kurzer  profilierter  Fuß,  aciitseitiges  Becken  mit  der  eingemeißelten 
Jahreszahl  1642.  Er  kostete  28  fl.  (s.  S.  28).  Holzdeckel  mit  der  Holzstatuette  Johannes  des  Täufers 
(XVIll.  Jh.). 

Skulpturen:  Holz,  neu  polychromiert.  1.  Im  Langhause  lebensgroße  Statue  der  gekrönten  Mutter 
Gottes  mit  dem  Kinde;  gut,  XVlIl.  Jh.  Postament  um  1790. 

2.  Vom  Triumphbogen  herabhängend.  Lebensgroßer  Kruzifixus,  an  den  Balkenenden  Cherubsköpfe. 
Tüchtige  Arbeit,  Mitte  des  XVIII.  Jhs. 

3.  Kruzifix;  gut,  XVlll.  Jh.  (Sakristei). 

4.  Tragkreuz,  XVIll.  Jh. 


Orgel. 
Taufstein. 


Skulpturen. 


a  b 

Fig.  33    Bergheim,  Pfarrkirche,  Kelche. 
a  Salzburgisch,  um  1630.    b  Salzburgisch,  1502  (S.  35) 

\    Gemälde:    Öl   auf   Leinwand.    Christus    als   Schmerzensmann    (Ecce   homo),    von    Gastmayr;   gut,        Gemälde. 
I   XVIII.  Jh.  (Sakristei).  —  Moderner  Kreuzweg. 

Monstranzen:  1.  Silber,  vergoldet.  Fuß  reich  getrieben,  Kartuschen  mit  Blumen,  Ornamente.  Schein:     Monstranzen. 

Reich  ornamentiert,  durchbrochen,  mit  Perlen  und  unechten  Steinen  besetzt.  Strahlenkranz.  Gut,  1707.  — 
I   Marken:  Zwei  Salzburger  Repunzen  von  1806  (12  C). 

2.  Kupfer,  vergoldet  und  versilbert.  Fuß  getrieben.  Schein  mit  durchbrochenem  Rankenrahmen,  Strahlen- 
j   kränz,  unechten  Steinen.    Um  die  Mitte  des  XIX.  Jhs. 

I    Kelche:  Silber,  vergoldet.    1.  Sechspaßförmiger  Fuß  mit  Wappen  des  Erzbischofs  Leonhard  von  Keut-         Kelche. 

Schach  (Rübe)  und  der  Jahreszahl  1.5.0.2.  renovatu{m)  anno  1627.    Gedrückter  Knauf  mit  Rosetten. 

Darüber  kurzer  sechseckiger  Stiel  mit  den  Initialen  IHESVS;  glatte  Cuppa.  —  Marken:  Salzburger  Beschau 
'    (S  in  Oval).  —  Salzburger  Repunze  von  1806  (CC)  (Fig.  33  ö).  Fig.  336. 

2.  Fuß  getrieben,  mit  Volutenornamenten  und  aufgelegten  silbernen  Cherubsköpfchen.  Am  Knauf  drei 
j    aufgelegte   silberne   Cherubsköpfchen.    Durchbrochener   silberner  Cuppakorb   mit   Ornamenten,  Leidens- 

5* 


36 


Cjerichtsbezirk  Salzburg 


Werkzeugen,  vier  Cherubsköpfchen.  —  Marken:  Salzburger  Beschau  (S  in  Oval).  —  Zwei  Salzburger  Re- 
punzen von  1806  (CC).  Meisterniarke:  B  in  Oval.  Gute  Salzburger  Arbeit,  um  1630,  wohl  von  Erasmus 
Bolle  (Bürger  seit  1614)  (Fig.  33  a). 
Beide  Kelche  stammen  aus  der  Domkustorei  in  Salzburg. 

Rdlquiar.        Reliquiar:  Messing,  vergoldet,  in  Form  einer  kleinen  Monstranz,  mit  doppeltem  Rocaillenrahmen  und 
Strahlenkranz.   Am  Fuße  getriebene  Rocaillen.    Um  1750. 

Kreuzpartikel-     Kreuzpartikelmonstranz:   Messing,   vergoldet,   getrieben.    Am    Fuße    Ranken,    am    Knaufe    drei 
monstranz.       Widderköpfe,  durchbrochener  Schein  mit  Gitterwerk  und  Ranken,  unechten  Steinen,  Strahlenkranz,  Kreuz. 
Anfang  des  XIX.  Jhs. 

Meßkannclien      Zwei   Meßkännchen    samt  Tasse:    Silber,    vergoldet,   getrieben    mit   Rocaillen    und    Blumen.  — 
mit  Tasse.        Marken.   Augsburger  Beschauzeichen  mit  V   (1771  —  1773;    R-  212).    Meistermarke:    CXS   in    Breitoval 
(R^  568).    Arbeit  des  Caspar  Xaver  Stipeldey  in  Augsburg,  1771. 

Rauchfaß        Rauchfaß  und  Weihrauchschiffchen:  Messing,  versilbert,  mit  getriebenen  Verzierungen.   1801 
u.  Schiffchen,      (s.  S.  30). 

Meßbuch-        Meßbucheinbände:   1.  Druck  von   1857.    Am  roten   Ledereinband  mit  eingepreßten  goldenen  Ro- 
einbände.        caillen  graviertes  Silberbeschläge,  vorne  St.  Georg  im  Kampfe  mit  dem  Drachen,  rückwärts  Wappen  mit 
Inschrift:  M.  PETRVS  AINKAS  P.  P.  1722. 

2.  Druck  von  1767.  Schönes  erhabenes  Silberbeschläge,  Rocaillen  in  durchbrochener  Arbeit,  in  der  Mitte 
zwei  Kartuschenschilder  mit  gravierten  Figuren,  vorne  der  hl.  Georg,  rückwärts  der  hl.  Michael;  um  1767. 

Ampeln.        Ampeln:  Zwei  große  Ampeln.   Metall,  versilbert,  in  durchbrochener  Arbeit,  Akanthusranken.   XVIII.  Jh. 

Ornat  Ornat:  Goldbrokat  mit  buntseidenen  Blumen.    Sehr  schöne,  gut  erhaltene  Stücke,  XVIII.  Jh.;  wohl  der 

von  1716  (s.  S.  29). 

Pluviaic.        Pluviale:  Silberbrokat,  große  buntseidene  Blumen;  erste  Hälfte  des  XIX.  Jhs. 

Kasein.         Kasein:  1.  Roter  Samt,  eingepreßtes  Rankenmuster,  XVIII.  Jh. 

2.  Roter  Goldbrokat  (modern  gefärbt)  mit  Kreuzblütenmuster,  XVIII.  Jh. 

3.  Silberbrokat,  bunte  Seidenblumen.    Schönes  Stück,  XVlll.  Jh. 

4.  Goldbrokat,  bunte  Seidenblumen.  Schönes  Stück,  XVlll.  Jh. 

5.  Silberbrokat,  große  Blumenranken,  im  Mittelstück  auf  violettem,  auf  den  Seiten  auf  blauem  Grunde. 
XVlll.  Jh. 

6.  Gewebt,  bunte  Blumen.    Erste  Hälfte  des  XIX.  Jhs. 

Varia.  Varia:  Zwei  Traglaternen.  XVIII.  Jh. 

1706. 


Zwei  Reliquiare  mit  vergoldeten  hölzernen  Rankenrahmen,  um 


Grabsteine.  Grabsteine:  Meist  rote  Marmorplatten.  1.  Im  Fußboden  des  Langhauses,  stark  abgetreten.  Mit  Doppel- 
wappen und  Inschrift  in  gotischer  Minuskel:  Hie  leit  Pauls und  Sibilla  sein  hausfraw  die  ge- 
storben sind  zue  sand  Niklas  tag  m°cccc°lxin  (1463). 

2.  Ebenda.  Sehr  stark  abgetreten,  mit  drei  Wappen.  Sehr  beschädigte  Umschrift  in  gotischer  Minuskel: 
Hie  leit ninger des  heyligen  Zwelfpotten  dem  got  genad  (XV.  Jh.). 

3.  Hinter  dem  Hochaltar,  im  Fußboden.  Oben  Relief.  Wolf  gang  Hofer  de  Rastat  (Pfarrer,  gest.  1565). 

4.  Im  Chor.  Oben  skulpiertes  Wappen,  Kelch,  Buch.  Darunter  Inschrift:  Peter  Ainkhäß  von  Petershaußen 
und  Ainkhäßhofen,  Pfarrer;  gest.  1733. 

5.  An  der  Chorwand.  Untersberger  Marmor.  Oben  skulpiertes  Wappen  zwischen  zwei  Paaren  gekreuzter 
Totengebeine.    Johann  Baptist  Noder,  Pfarrer;  gest.  1749. 

6.  Im  Chor,  an  der  Wand.  Untersberger  Marmor,  oben  Volutengiebel.  Josephus  Antonius  Gassmayr, 
Parochus  in  Bergheim  qui  postquam  Ecclesiani  hanc  munifice  ornaverat  et  domum  parochialem  altius 
engende  in  meliorem  formam  redegerat . . .  abiit  MDCCLXXVII  (1777). 

7.  Im  Chor,  an  der  Wand.  Oben  Volutengiebel.  Jacobus  Mayrler,  Konsistorialrat,  zuletzt  Pfarrer  in 
Bergheim;  gest.  1798. 

8.  An  der  Laibung  des  Triumphbogens.  Oben  in  Relief  Wappen,  Kelch,  Bibel.  Darunter  lange  Inschrift. 
Stephanus  Sternhueber,  11  Jahr  gewester  Pfarrer  alda  zu  Berghamb;  gest.  1744. 

'■).  Gegenüber  ähnliche  Grabplatte.  Oben  in  Relief  Wappen,  Buch,  Kelch.  Darunter  Inschrift.  Joseph 
Anton  Dettinger,  Pfarrer  zu  Pergheim;  gest.  1763. 

lO.  Im  Langhaus,  an  der  Wand.  Kleine  Inschriftenplatte  aus  Untersberger  Marmor,  profilierter  Rahmen 
aus  Adnetcr  Marmor,  unten  Totenkopf:  Johann  Joseph  Freyherr  von  Rehlingen  auf  üoldenstein.  Ursprung 
und  Etsenhcim,  churbaierisch  und  hochfürstlich  Salzburgerlicher  Kämmerer,  Landmann  und  Hauptpfleger 
zu  Alt-  und  Lichtentann  etc.;  gest.  1773. 


Bergheim 


37 


n.  Gegenüber.  Einfache  kleine  Platte  aus  Untersberger  Marmor.  Fräiile  Maria  Anna  Freyin  von  Reh- 
lingen  in  Goldenstein  und  Ursprung;  gest.  1753. 

12.,  13.  Außen  vor  dem  Südportale  der  Kirche  am  Boden  zwei  sehr  stark  abgetretene  Grabsteine  aus 
rotem  Marmor  mit  den  tief  eingegrabenen  Konturen  zweier  Geistlicher.  Über  dem  Kopfe  des  einen  noch 

leserlich:  Anno  dni  1468  kathedra  Petri  obiit Auf  einem  zweiten  Bruchstücke  (Fußteil):  .  .  Oder 

hui{us)  ecc(\es)ie  plebanus  .  .  .  (Leonhard  Oder,  Pfarrer,  1461  —  1468).  —  Von  dem  zweiten  Grabstein  ist 
noch  der  Name  üerstetter  zu  lesen  (Pfarrer  Jakob  Gerstetter,  1480—1481). 

14.  Außen  an  der  Südseite  des  Langhauses  eingemauert.  Adneter  Marmor.  Kruzifixus,  umgeben  von 
Wolken  mit  Cherubsköpfchen.  Unten  links  kniender  Mann  in  Mäntelchen  und  Radkragen,  rechts  Wappen. 
Unten  Inschrift  in  Kartusche  mit  Cherubskopf:  Paulus  Ursprunger  zu  Ursprung,  gest.  1620  —  dessen 
Hausfrau  Anna  Teuffenpacherin,  gest.  1604  --  Florian  Ursprunger  Bürger  und  Gastgeb  in  Salzburg  hat 
den  Stain  .  .  .  machen  lassen  1623.    Mittelmäßige  Arbeit. 

15.  An  der  Südostseite  der  Friedhofsmauer.  Fünf  Kinder  des  Michael  Pflöghart,  1659 — 1668. 

16.  Daneben  kleiner  roter  Marmorrahmen,  ohne  Inschrifttafel.  Mitte  des  XVI.  Jhs. 

Grabkreuz:  Im  Friedhofe  (S.)  ein  großes  schmiedeisernes  Kreuz  mit  Bandwerk  und  vergoldeten 
Ranken,  sowie  zwei  auf  Blech  gemalten  Engeln.  Vorzügliche  Arbeit  um  1730.  Die  gegossene  Christus- 
figur ist  modern.    (Grabstätte  Laichtinger.) 

Glocken:  Das  ganze  Geläute  von  1910. 


Grabkreuz. 


Glocken. 


Fig.  34    Bergheim,  St.  Laurenzikapellc,  Grundriß  1 :  125  (S.  37) 

St.  Laurenzikapelle  im  Friedhofe. 

Am  1.  Juli  1520  weihte  Bischof  Berchtold  Pürstinger  von  Chiemsee  die  Capella  s.  Laurentii  in  Perkhaim 
una  cum  uno  altari  in  hon.  ss.  Laurentii  et  Floriani  martyrum  necnon  Albani  episcopi  et  Elizabeth  vidue. 
1643  wurden  drei  Eisenfensterrahmen  gemacht  (10  fl.)  und  1647  erhält  Hans  Bogenreitter,  Schlosser 
in  Salzburg,  um  ain  von  Sprengwerch  gemachtes  Güter  fürs  Todtenköterl  in  St.  Lorenz  19  fl. 
Charakteristik:  Einschiffige  spätgotische  Kapelle  mit  dreiseitigem  Abschluß  und  schönem  Netz- 
gewölbe, 1520  geweiht  (Fig.  34,  35). 
Lage:  Südlich  neben  der  Kirche  im  Friedhofe  (Fig.  28). 

It  Äußeres  (Fig.  28): 

Bruchstein  und  Ziegel,  weiß  verputzt. 

W.  Giebelfront.  Tür  in  Steinrahmen  (mit  schönem  Eisengitter  von  1647);  kleine  marmorne  Weihwasser- 
muschel. Holzvorbau  von  1911  lan  Stelle  eines  durch  einen  Sturm  niedergerissenen  größeren).  Im  Ab- 
schlüsse zwei  rechteckige  (ursprünglich  spitzbogige)  Fenster.  —  Nach  O.  abgewalmtes  Schindelsatteldach, 
über  dem  Westgiebel  hölzernes  Glockentürmchen  mit  Schindelverkleidung,  Blechknauf,  Doppelkreuz. 

Inneres  (Fig.  34,  35) : 

Einschiffiger  Raum.  Gotisches  Netzgewölbe  mit  birnförmig  profilierten  Rippen,  die  in  der  Mitte  der 
Fensterhöhe  auf  Spitzkonsolen  aufsitzen.    Altes  Marmor-  und  Ziegelpflaster. 


St. -Lau- 
renzi- 
kapelle. 


Charakte- 
ristik. 
Fig.  34,  35 
Lage. 

Äußere?. 
'  Fig.  28. 


Inneres. 
Fig.  34,  35. 


38 


Cerichtsbezirk  Salzburg 


Einrichtung.  Einrichtung: 

Altar.  Altar:   Einfache    Holzmensa.    Schöner  Wandaufbau.    Holz,   dunkelbraun    gestrichen,    mit    vergoldeten 

Zieraten.  Zwei  gewundene  Säulen,  umrankt  von  vergoldeten  Blättergirlanden;  daneben  vergoldete  Frucht- 
gehänge. Gerades  Gebälk  mit  vergoldeten  Ranken.  Flachbogiger  Giebel,  gesprengt  durch  Rundbild 
in  reich  geschnitztem  vergoldetem  Rankenrahmen. 

Gemälde:  Altarbild,  Öl  auf  Holz:  St.  Laurenz.  Aufsatzbild,  Öl  auf  Leinwand:  Madonna  mit  dem  Kinde. 
Der  Altar  stammt  aus  dem  Ende  des  XVII.  Jhs. 


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Fig.  35    Bergheim,  St.  Laurenzikapelle,  Inneres.   Altar  vom  Ende  des  XVU.  Jhs.  (S.  37) 

Skulpturen:  Holz,  neu  polychrom iert.    1.  Lebensgroße  Figur  der  hl.  Anna. 
2.  Lebensgroße  Statue  Christi  an  der  Geißelsäule.    Beide  gut,  XVIII.  Jh. 

Grabsteine:    Bloße  Inschriftplatten.     1.  Phtlippus  Wierl.  Pfarrer  (gest.  1650). 

2.  Vlrgillus  Wierl.  Pfarrer,  1648. 

3.  Johannes  Millaucr,  Pfarrer,  Chronogramm  auf  1688. 

4.  Johann  Franz  Hofmann  gewester  Inhaber  der  Papiermüll  in  Lenefelden.  1709. 

5.  Mpollonia  Elisabdha  Hof  mannin  1704. 

6.  Johann  Sigmund  Hof  mann  gewester  Inhaber  der  Papier  Mühl  in  Lengfelden  1736. 
f.  Drcy  Hoff  manische  Kinder,  frest.  1726,  1728,  1729. 

8.  Johann  Franz  Sigmund  Hoff  mann  1726. 


Bergheim.  —  Diebering 


39 


Pfarrhof:   Östlich    neben    der   Kirche.    Rechteckiges   zweistöckiges  Gebäude.    Bruchstein    und  Ziegel, 
gelb  gefärbelt,  weiße  Einfassungen.    In  der  Mitte  der  Südseite  rundbogige  Tür  in  Steinrahmung.    Zier- 
:  giebel.  Schindeldach.  —  Den  Oberstock  ließ  Pfarrer  Gassmayr  (1768—1787)  aufsetzen. 

■  Wegkapellen:  1.  Am  Bache  östlich  von  der  Kirche.  Bruchstein  und  Ziegel,  weiß  gefärbelt.  Recht- 
eckig mit  halbrundem  Abschlüsse.  Vorne  flachbogige  Tür  (Eisengitter),  geschützt  durch  das  weit  vor- 
springende, von  zwei  Steinsäulen  getragene  Dach.    Im  N.  flachbogiges  Fenster.    Schindelsatteldach  mit 

:  Giebel  im  O.     Innen:  flachbogiges  Tonnengewölbe. 
Einrichtung:  Barockaltärchen  mit  bekleideter  Mutter-Gottes-Statuette.  Vier  Statuetten  (Holz,  polychromiert), 

i  St.  Rupert,  St.  Vitalis,  Johannes  der  Täufer,  Maria;  mittelmäßig,  XVIII.  Jh. 

j  2.  Östlich  davon,  am  Bache.  Ähnlich,  kleiner.  Unter  dem  Dachvorsprunge  zwei  Holzsäulen.  1841  erbaut. 
{  Einrichtung:  Christus  im  Grabe  (Holz,  polychromiert).  —  Anna  Selbdritt  (Holz,  polychromiert);  die 
i  sitzende  hl.  Anna  trägt  auf  ihrem  linken  Arme  das  Christkind,  dem  die  links  stehende  hl.  Marie  eine 
]  Traube  reicht;  mittelmäßig,  Anfang  des  XIX.  Jhs.  Sechs  Statuetten:  Zwei  adorierende  Engel,  St.  Virgilius, 
St.  Rupert,  Tod,  Chronos;  Holz,  polychromiert,  mittelmäßig,  XVIII.  Jh. 

I  3.  An  der  Fischach.    Bruchstein  und  Ziegel,  rot  und  weiß  gefärbelt.    Kapellenartig.    Quadratisch,  an  den 

j  Seiten  je  ein  kleines  rundbogiges  Fenster,  vorne  vergitterte  Tür.  Beiderseits  die  Wetterheiligen  St.  Johann 

;  und  Paul.  Geringe  Fresken  des  XVIII.  Jhs.  Innen  an  der  Decke  geringe  Malerei,  Krönung  Mariae  durch 

I  die  hl.  Dreifaltigkeit,  XVIII.  Jh.    Schindelpyramidendach  mit  Knauf  und  Kreuz. 


Pfarrhof. 


Wegkapellen. 


Ehemalige  St.  Margaretenkirche  in  Fischach. 

Herzog  Theodebert  von  Bayern  übergab  zirka  700  der  Salzburger  Kirche  im  Salzburggati  JoceUum  qiii  vocatiir  Fischaha, 
mansos  V  .  .  et  farinariis  in  fluenta  Fischaha",  und  unter  den  Kirchen,  die  um  790  dem  Bischof  gehörten,  finden  wir  auch 
.ad  Fischaha  eccl.  cum  manso  uno"  (HAUTHALER,  U.-B,  1,  10  und  13).  Im  XII.  Jh.  nennt  sich  auch  ein  Zweig  der 
Ministerialenfamilie  der  Itzling-Bergheimer  „von  Fischach"  (MEILLER,  RAS  S.  385  und  HAUTHALER  1014).  Die 
Visitation  von  1614  beschreibt  das  Kirchlein:  .Ecclesia  est  valde  parva  et  sacelli  pottus  refert  speciem.  Altare  habet  unum 
Statuae,  quae  a  qitatuor  chori  partibus  stant  turpissimae  sunt  et  horum  quaedam  monslra  esse  videntur,  quocirca  non 
quierit  absque  necessitate,  ut  aliae  decentiores  substituerentur." 

Die  Bergheimer  Kirchenrechnung  vermerttt  1622:  „Ein  Altarstein  gehn  Vischach  zu  St.  Margarethen  machen  lassen  20  fl." 
und  1755:  „Johann  Rupert  Seelinger,  Malern  in  der  Riettenburg,  für  Renovierung  und  Vergoldung  des  Altars,  auch  der 
2  BlOdter  29  fl."" 

Im  Jahre  1800  wurde  die  Kirche  profaniert,  verliauft  und  in  ein  Wohnhaus  umgewandelt,  „das  noch  einen  Weihbrunnstein 
zur  Erinnerung  an  seine  vormalige  Bestimmung  im  Vorhause  eingemauert  hat"  (DÜRLINGER  15). 


Ehemalige 
St.  Marga- 
retenkirche 
in  Fischach. 


Diebering,  Weiler 


DÜRLINGER,  Handbuch  34. 


Literatur:  Winklhofer,  Intelligenzblatt  1908,  Nr.  21—23.  —  Pillwein,  Salzachkreis  383. 

!  Ms.:  Wie  Hallwang. 

1  Herzog  Theodebert  von  Bayern  gab  an  Salzburg  „villam  que  dicitur  Tittmannige"  (so  die  späte  Handschrift,  doch  ohne 
!  Zweifel  statt  „Dietramingen').  In  Urttunden  aus  der  ersten  Hälfte  des  XII.  Jhs.,  besonders  in  Traditionen  von  St.  Peter 
I  (HAUTHALER,  U.-B.  1,  25  und  985),  begegnen  uns  mehrere  Mitglieder  eines  Geschlechtes,  das  sich  von  „Dietramingin" 
•  („Dietramingen",  auch  „Dietamigin"  usw.)  schrieb.  In  der  zweiten  Hälfte  desselben  Jlis.  verschwinden  sie  jedoch  wieder. 
Nach  ZILLNER  (Ldkde.  19,  55  und  21,  30)  und  ihm  folgend  RICHTER  (Untersuchungen  709)  stammen  von  ihnen  die  alten 
'  Gutrafer  ab.  WINKLHOFER  sucht  das  Schloß  des  Geschlechtes  an  einer  „etliche  Büchsenschüsse  vom  Brunnerbauern 
I  gegen  Osten  liegenden  Stelle,  auf  der  Anhöhe,  die  die  Bauern  den  Löffelstiel  nennen". 

j  Ehemalige  Filialkirche  zum  hl.  Michael  (abgebrochen). 

j   „Sie  war  Itlein  und  glidi  den  Kirchen  aus  dem  XV.  Jh.    Ihre  Länge  mag  18  und  ihre  Breite  10  Sdiritte  betragen  haben. 

!  Diese  Kirdie  stand  an  der  westlichen  Seite  des  Dorfes.    Der  Tliurm  war  gegen  das  linlie  Edi  des  Fudisenhauses  gekehrt 

und  nur  etlidie  Sdiritte  davon  entfernt,  er  war  nahe  an  der  Straße,  die  vom  Dorfe  aus  in  die  Lodifelder  führt.  Der  Thurm 

erhob  sich  vom  Grund  aus,  den  ein  Dackwerk  von  einer  kleinen  Kuppel  deckte,  auf  deren  Spitze  ein  Hahn  stand.    In  der 

Kirdie  war  unter  der  nadi  Art  alter  Tafelwerke  gezierten  Emporkirche  ein  kleiner  Altar  zu  sehen.    Das  Altarblalt  liatte 

eine  Rahme  von  geschnitztem  Laubwerk  und  stellte  Mariam  vor,  ihr  Kind  auf  der  Schoß  haltend  und  herum  eine  Menge 

I   kleiner  Engel,  die  Blumen  streuten.    Ober  diesem  war  das  Bild  des  hl.  Michael  angebradit.    Zur  Seite  der  zwei  gedrehten 

I   Säulen  standen  die  Bischöfe  Rupert  und  Ulrich.    Ihrer  unförmlichen  Bildung  sah  man  es  deutlich  an,   dass   sie   sehr   alt 

\   waren."  1787  wurde  die  Kirdie  demoliert  und  das  Material  zum  Bau  des  Vikariatshauses  Hallwang  verwendet.  „Alles  dieses 


Ehemalige 
Filialkirche 

zum 
hl.  Michael. 


L 


40 


Oerichtsbeziik  Salzburg 


und  was  sonst  noch  hinwegzubringen  war,  haben  die  h'adibarn  sidi  zugeeignet  und  damit  ihre  Hausalläre  bereidiert.  Reim 
Abbredien  fand  der  Zimmermeister  am  Thurm,  wo  sidi  das  Gewölb  ansdiloss,  in  einem  Quaderstein  eine  Jahreszahl  ein- 
gehauen, die  über  300  Jahre  alt  war.'    (WINKLHOFER.) 

Über  die  älteste  Gesdiidite  und  den  Ursprung  finden  sidi  keine  Nadiriditen,  1592  sudien  die  Hallwanger  Zedipröpste  bei 
der  frstl.  Hofkammer  um  eine  Hilf-  und  Bausteuer  für  das  niedergefallene  Kirdilein  zu  Dietraming  an  (SRA  Hfk.  h'eu- 
haus  1592 F).  Kirchenrechnungen:  1595:  .ein  neues  Tuech  auf  den  Predigstuel  1  fl.  Iß  10  S,'.  —  1664:  .für  Abprechen, 
Erweitern  und  von  Grund  Auferpauung  der  Rundet  und  Langhaus,  item  eines  Gang-Pflasters,  Überzimmers,  des  Thurms, 
Tafelpoden  und  Parkirchcn  787  fl.  25  kr."  —  1780  wurde  die  Kirche  gesperrt,  1787  abgebrochen.  Die  zwei  Glodten,  im 
Gesamtgewichte  von  150  Pfund,  wurden  an  den  Glockengießer  Johann  Oberascher  um  75  fl.  verkauft,  die  beiden  Statuen 
vom  Altare  fand  DÜRLINGF.R  zirka  1850  noch  in  der  Neureutkapelle  vor. 


Fig.  36    Elixhauscn,  Pfarrkirclie  von  Südwesten  (S.  41) 


Elixhausen,  Dorf 

Archi Valien:  Pfarrarchiv  Bergheim.  —  Konsistorialarcliiv. 

Literatur:   Salzburger  Intelligenzblatt  1807,  Sp.  563.    —    Salzburger  Zeitung  1825,  Nr-  137.    —    Pillwein,  Salzachkreis  371.    - 
DüRLiNOER,  Handbuch  17. 

Unter  Erzbischof  Hartwic  (991—1023)  werden  Güter  ,in  loco  qui  dicitur  Ebidehsunhusa'  oder  .Epidesunhusun'  vertauscht 
(HAUTHALER  U.-B.  1,  206  und  208).  In  späteren  Urbaren  des  Stiftes  Nonnberg,  das  dort  begütert  war,  heißt  der  Ort 
im  XIV.  Jh.  ,Edexhausen' ,  im  XV.  „Ele.Khausen'  (Ldkde.  23,  44—66  und  100  f.). 

Pfarrkirche.    Pfarrkirche  zu  den  Hl.  Bartholomäus  und  Vitus. 

Laut  einer  Weihenotiz  (gedruckt  im  Intelligenzblatt)  wurde  die  Kirche  {hasUica  Elixhsenhaiiseti)  am 
1.  März  1173  von  dem  exilierten  Bischof  Ulrich  von  Halberstadt  (vgl.  Meiller,  RAS  478  Anni.  18)  ge- 
weiht. Neuerlich  wurde  die  capella  Elexhawsen  mit  einem  Altare  von  Bischof  Berthold  von  Chiemsee 
am  24.  August  1516  konsekriert.  Auch  die  Visitation  von  1613  fand  dortselbst  nur  einen  Altar  (imago 
Salvatoris  a  tergo  concisa  lamina  ferrea  depingatur  nee  non  imago  altaris  a  pulvere  purgetur  et  ubi 
fracta  est,  resarclatur),  jedoch  keinen  Kelch  oder  sonstiges  vor,  da  alle  Paramente  bei  Gottesdiensten 
erst  von  Bergheim,  dessen  Filiale  sie  war,  herbeigebracht  würden. 

1695  wurde  der  Eingang  in  der  Turmhalle  eröffnet  und  dort  ein  Gitter  angebracht.  1704  malt  Mar- 
garete Schwäblin,  Malerin  in  Salzburg,  eine  Sonnenuhr  (3  fl.).  1769  kam  der  St.-Benedikt- Altar 
aus  dem  Stifte  Nonnberg,  das  in  Elixhausen  viele  Grunduntertanen  hatte,  dahin  (vgl.  Kunsttopogr.  VII, 
S.  LVil). 


I 


Elixliauscn 


41 


In  einer  Nonnberger  Notiz  von  1769  heißt  es: 

IDen  26.  October  (1769)  ist  der  hl.  Vatter  Benedict- Altar  völlig  abgebrochen  worden  und  der  ganze  Altar  ausser  des 
mittleren  Blath  .  .  .  ist  in  die  Khirchen  auf  Ellexhausen,  weilen  allda  ville  Clusters  Underthanen  und  sonderbare  Ver- 
ehrer unser  hl.  Muetter  Erentraud,  .  .  .  verehrt  worden.  —  Weillen  ihr  Kierchen  Patron  der  hl.  Bartlme,  so  ist  innen 
die  große  Tafel,  so  in  der  Sacristey  gehangen,  welche  die  Bildtnus  des  hl.  Bartlme  gar  schön  vorstOllte,  vor  das  Altar- 
hlath  verehrt  worden;   es  haben  die  bauern  den  Altar  selbst  hinausgeführt. 

Der  Aufbau  von  1626  ist  noch  erhalten.  Die  zwischen  1505  und  1515  unter  der  Äbtissin  Regina  Pfäffinger 
hergestellte  Altartafel  (s.  Kunsttop.  VII,  S.  LVII)  ist  leider  verschwunden. 
1  1796  wurde  der  Turmhelm  nach  Kapuzinerturmart  umgestaltet.     1803  wurde  von  Henndorf  ein  Taber- 
nakel gekauft  und  renoviert. 

1798  wurde  ein  Vikariat  errichtet,  das  seit  1891  Pfarre  ist. 

Die  Kirche  wurde  1823  von  Grund  aus  von  der  Gemeinde  aus  eigenen  Mitteln  ohne  Inanspruchnahme 
eines  Fonds  neu  gebaut  —  nur  der  alte  Turm  blieb  —  und  am  28.  September  1824  eingeweiht.  Zu 
einem  1823  neu  errichteten 
zweiten  Seitenaltar  schenkte 
Pfarrer  Matthäus  Reiter  in 
Ainring  ein  Altarblatt:  Christus 
am  Kreuz.  Tischler  und  Maler 
waren  von  Neumarkt.  Ein  Altar- 
blatt, der  hl.  Veit,  in  den  Kessel 
springend,  fand  wenig  Beifall. 
1839  wurde  von  einem  Wohl- 
täter ein  neuer  Kelch  statt 
eines  geraubten  geschenkt; 
Dorlinger  erwähnt,  daß  das 
Ziborium  von  Nonnberg  her 
geschenkt  worden  sei. 

Charakteristik:  Einfache 
Landkirche,  einschiffig,  tonnen- 
gewölbt, mit  einspringendem,  dreiseitig  geschlossenem  Chor,  1823  neu  erbaut.  Von  der  ehemaligen 
gotischen  Kirche  von  1516  steht  nur  noch  der  einfache  Westturm,  mit  Zwiebelhelm.  Ungünstig  wirkt 
die  hellgraue  neue  Zinkblechdachung  (Fig.  36,  37). 

Lage:  Vom  Kirchhof  umgeben,  allseits  frei  an  der  Südseite  des  546m  hoch  gelegenen  Dorfes,  mit 
schöner  Aussicht  nach  S.  auf  die  Salzburger  Berge.  Daneben  im  SO.  das  einstöckige,  freundliche  Pfarr- 
haus, im  S.  eine  mächtige  alte  Linde,  im  N.  das  nette  kleine  Mesnerhaus. 

Äußeres  (Fig.  36): 

Bruchstein  und  Ziegel,  verputzt,  gelb  gefärbelt,  mit  weißen  Einfassungen.    Umlaufender  Sockel. 

Turm:  Spätgotisch.   Drei,  durch  zwei  Kaffgesimse  abgeteilte  Geschosse.   W.  Tür  (1695)  auf  zwei  Stufen, 
'  mit  Holzvorbau.  —  N.  Unten  Anbau  2.    Im  zweiten  Geschosse  eine  Luke.  —  Im  dritten  Geschosse  vier 
spitzbogige  gotische  Schallfenster  in  Steinrahmung  mit  breit  ausgekehlter  Laibung.    Profiliertes  Kranz- 
gesims, in  der  Mitte  halbrund  aufgebogen.     Rotgestrichener  Schindelzwiebelhelm    (von    1796,  ,1852   neu 
i  gedacht),  Knauf,  Doppelkreuz. 

Langhaus:  W.  Dreiecksgiebelfront  mit  vorgebautem  Turm,  ganz  mit  Schindeln  verkleidet.  N.  und  S.: 
In  der  Mitte  Tür,  oben  drei  große  Fenster  mit  marmornen  Sohlbänken.  Einfaches  Gesims.  Zinkblech- 
satteldach. 

r.hor:  Stark  einspringend.     Drei  große  Fenster  mit  marmornen  Sohlbänken,  im  S.  Sakristeianbau.    Ab- 
j  gewalmtes  Zinkblechsatteldach. 

[Anbauten:    1.  Sakristei    im  S.  des  Chors,  zweigeschossig.  —  W.  Kleines  Fenster.    —  S.  Rundbogige 
'  gotische  Tür  in  Steinrahmung,  oben  mit  abgeschrägten  Kanten  (Türstock  wohl  übertragen  vom  gotischen 

XI  6 


Fig.  37    Elixhausen,  Pfarrkirche,  Oriindriß  1 :  200  (S.  41) 


Charakte- 
ristik. 


Fig.  36,  37. 
Lage. 


Äußeres. 
Fig.  36. 

Turin. 


Langhaus. 


Clior. 


Anbauten, 


42 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Friedhof- 
mauer. 

Inneres. 
Fig.  37. 

Turmhalle. 
Langhaus. 


Chor. 


Anbauten. 


Einrichtung. 

Altäre. 
Hochaltar. 


Im  W.  Tür  in  flachbogiger  Nische,   im  O.  flachbogige  Tür.    Weihwasser- 


3ei;i;n.nltürc. 


Bau).  Darüber  kleines  flachbogiges  Fenster.  --  O.  Übereinander  zwei  flaciibogige  Fenster.  Alle  Fenster 
mit  marmornen  Sohlbänken.  Blechpultdach.  —  2.  Leichenkammer  im  N.  des  Turmes,  im  N.  rundbogige 
Tür,  im  W.  flachbogige  Fenster.    Blechdach. 

Fri  ed  hof  mauer :  Im  O.,  S.  und  W.  Bruchstein  verputzt,  Steinplattenbelag.  Im  SW.  steinerner  Stiegen- 
aufgang. 

Inneres  (Fig.  37): 

Hell,  geräumig,  1901   neu  ausgemalt.    In  Turmhalle  und  Langhaus  Fußboden  aus  roten  Marmorplatten. 

T  u  r  m  h  a  1 1  e :   Flachgedeckt, 
muschel  aus  gelbem  Marmor. 

Langhaus:  Rundbogiges  Schalgewölbe 
mit  drei  Paaren  von  Stichkappen  und  vier 
auf  Flachpilastern  (mit  profilierten  Gesim- 
sen) ruhenden  Gurtbogen.  —  Westempore 
(Holz  mit  Stucküberzug)  mit  flachem  Boden 
auf  zwei  Holzsäulen,  beiderseits  durch- 
brochen von  hölzernen  Stiegenaufgängen. 
Gerade  Brüstung.  Darüber  eine  zweite 
kleinere  mit  der  Orgel,  auf  Holzstützen, 
mit  Holzstiege.  Im  W.  auf  der  Empore 
breite  spitzbogige  Tür  zur  hölzernen  Turin- 
stiege.  Drei  marmorneWeihwassermuscheln. 

Chor:  Stark  einspringend,  Gewölbe  etwas 
niedriger  als  im  Langhause,  Boden  um 
zwei  Stufen  aus  rotem  Marmor  erhöht. 
Gegen  das  Langhaus  zu  rundbogige  Öff- 
nung in  voller  Chorbreite;  auf  drei  hinter- 
einander abgestuften  Pilastern  mit  profi- 
lierten Gesimsen  drei  Gurtbogen.  In  den 
vier  Abschlußecken  eingewinkelte  Pilaster 
mit  einem  Gurt-  und  zwei  Radialbogen. 
Oblonge  Tonne  und  halbkuppelförmiges 
Abschlußgewölbe.  —  Im  S.  rundbogige 
Sakristeitür  mit  breit  abgeschrägten  Kanten, 
darüber  flachbogiges  Oratoriumfenster  mit 
einfachem  Eisengitter. 

Anbauten:  1.  Sakristei:  Flachgedeckt, 
ebenso  das  Oratorium  darüber.  —  2.  Lei- 
chenkammer.  Spiegelgewölbe. 

Einrichtung: 

Drei  Altäre:  1.  Hochaltar:  Holz, 
neu  gefaßt,  grüngelb  gestrichen,  mit  ver- 
goldeten Zieraten.  Freistehende  Mensa  mit 
modernem  Tabernakelaufbau  (Rokokoform), 
mit  den  guten,  neu  polychromierten  Holz- 
statuetten der  hl.  Kirchenväter  Gregor  und 
Augustinus  und  gutem  Standkruzifix;  Mitte 
des  XVIIl.  Jhs.  —  An  der  Chorwand  dahinter  Wandaufbau  von  1626  (s.  oben).  Predella;  rundbogiges 
Altarbild,  flankiert  von  zwei  auf  prismatischen  Postamenten  stehenden  Säulen,  die  in  Spiralen  von  ge- 
schuppten Streifen  und  Perlreihen  umwunden  sind.  Daneben  Konsolen.  Vergoldete  Koinpositkapitäle, 
verkröpfles  Gebälk  mit  antikisierenden  Gesimsen.  Kleiner,  von  zwei  Säulchen  flankierter  Aufsatz  mit 
Kreuz.  —  Altarbild  (St.  Bartholomäus)  und  Aufsatzbild  (Gott-Vater)  von  Josef  Ratten  sperger,  1850. 
—  Neben  den  Säulen  die  Holzstatuen  der  Apostel  Andreas  und  Simon,  oben  zwei  Engel.  Um  1850. 
Fünf  Cherubsköpfchen,  um  1626. 

2  und  3.  Zwei  Seitenaltäre,  im  Aufbau  einander  gleich.  Holz,  grünlich  und  rötlich  marmoriert,  mit 
vergoldeten,  geschnitzten  Zieraten.  Ausgebauchte  Mensa.  —  Wandaufbau:  Über  der  Predella  rechteckiges 
Altarbild,   iiaiikiert   von   zwei  Flachpilastern    mit   vergoldeten    Blumengehängen    und    Kompositkapitälen. 


Fig.  38    Elixhausen,  Pfarrkirche,  Seitenaltar  von  1823  (S.  43) 


I 


Elixliaust'ii 


43 


l„„...._. „„^ 

Aufsatz  mit  Gemälde,  Seitenvoluteii,  halbrund  aufgebogenes  Gesims,  Kreuz. 

2  Linker  Seitenaltar.  Altarbild:  Die  Madonna  mit  dem  Kinde,  darüber  zwei  Putti.  Bezeichnet: 
Joseph  Rattensperger  luv.  et  pinx.  1851.  —  Aufsatzbild:  Die  hl.  Erentraud  auf  Wolken  über 
dem  Stifte  Nonnberg.  Ebenfalls  von  Rattensperger,  1851.  —  Zwei  Statuen  (Holz,  polychromiert), 
die  Hl.  Katharina  und  Barbara;  bezeichnet:  Webersperger.  Um  1851.  -~  Der  Altar  wurde  wohl  1851 
nach  dem  Vorbilde  des  rechten  Seitenaltars  errichtet. 

3  Rechter  Seitenaltar  (Fig.  38).  Altarbild.  Der  Gekreuzigte.  XVllI.  Jh.  1823  geschenkt  (s.  Gesch.). 
Aufsatzbild:  Der  hl.  Veit;  von  Jos.  Rattensperger,  1851.  —  Zwei  gute  Holzstatuen,  St.  Rupert  und 
Virgil.    Um  1700.  —  Der  Altar  wurde  1823  errichtet. 

4.  in  der  Totenkammer  hübscher  kleiner  Altar,  Holz,  noch 
in  der  alten  Originalfassung;  schwarz  lackiert,  mit  zwei  flan- 
kierenden gewundenen  Säulen,  vergoldeten  Schnitzereien. 
Übermaltes  Tafelbild,  Pietä.    Erste  Hälfte  des  XVII.  Jhs. 

Kanzel  (Fig.  38):  Holz,  marmoriert,  Sechseckform,  einfach. 
Schmucklose  Brüstung  (dahinter  rundbogige  Tür  zum  Ora- 
torium). Am  Schalldeckel  unten  die  Taube,  oben  die  Gesetzes- 
tafeln in  Strahlenkranz,  vergoldete  Ranken.    Um  1850. 

Orgel:  Am  Gehäuse  schön  geschnitzte  vergoldete  Ranken, 
in  der  Mitte  Cherubskopf,  darüber  Zifferblatt.    Um  1850. 

Skulpturen:  Holz,  polychromiert  und  vergoldet.  1.  Im 
Chor  auf  Konsole.  Gute  Statue  des  hl.  Michael;  Anfang  des 
XVllI.  Jhs.  (Fig.  39). 

2.  Auf  Tragstangen  zwei  Leuchterengel.  Gut,  XVIII.  Jh.  (Fig.  38). 

3.  Am  Triumphbogen  großes  Hängekruzifix  mit  drei  Cherubs- 
köpfen. XVIII.  Jh. 

4.  Prozessionskruzifix;  XVllI.  Jh.  (Sakristei). 

5.  Mutter  Gottes  mit  dem  Kinde,  lebensgroß.  XVIII.  Jh.  (Toten- 
kammer). 

Monstranzen:  Messing,  vergoldet.  1.  Am  Fuß  gravierte 
Ranken.  Schein  mit  durchbrochenem  Rankenrahmen,  zum  Teil 
versilbert;  Gott-Vater,  zwei  Putti.  Doppelter  Strahlenkranz. 
Bunte  Glasflüsse.  Erste  Hälfte  des  XVIII.  Jhs. 
2.  Reich  getrieben.  Am  Fuß  in  versilberten  Reliefs  die  Halb- 
figuren der  vier  Evangelisten.  Am  Schein  zwei  Engel,  oben 
Gott-Vater,  unten  Lamm  Gottes;  Glasflüsse.  Strahlenkranz. 
Mitte  des  XIX.  Jhs. 

Ziborium:  Silber,  vergoldet.  Einfach  verzierter  Fuß,  glatte 
Cuppa.  Am  Deckel  getrieben  die  Leidenswerkzeuge  und  Mono- 
gramm Jesu.  —  Marken:  Augsburger  Beschau  (Pinienapfel). 
Meisterzeichen:  MB,  darüber  Kreuz  (ähnlich  R-  357).  Augs- 
burger Arbeit,  um  1650;  vom  Kloster  Nonnberg  1798  ge- 
schenkt. 


I 


Fig.  39    Elixhausen,  Pfarrkirche,  Holzfigur 
:es  hl.  Michael,  Anfang  des  XVIII.  Jhs.  (S.  43) 


0 


Kelche:  1.  Silber,  vergoldet.  Am  Fuß  getriebene  Barockornamente  und  drei  aufgelegte  silberne 
Cherubsköpfe.  Knauf  mit  Rosen.  Durchbrochener  silberner  Cuppakorb  mit  Tulpen  und  den 
Leidenswerkzeugen.  —  Marken:  Augsburger  Beschau  (Pinienapfel).  —  Meisterzeichen:  L  in  G, 
in  Oval.    Gute  Augsburger  Arbeit  um  1650;  vielleicht  von  Georg  Lotter  (1638^1670). 

2.  Messing  (Cuppa  Silber),  vergoldet.  Verziert  mit  getriebenen  Rocaillenkartuschen  mit  Rosen.   Um  1839. 

3.  Fuß  und  Knauf  Kupfer,  Cuppa  Silber,  vergoldet.  Getriebene  Blätterverzierung.  Um  1850. 

4.  Fuß  Messing,  Cuppa  Silber,  vergoldet,  sechs  Emailbilder.  Wiener  Arbeit,  1862. 

Kreuzpartikel  monstranz:  Messing,  versilbert,  getrieben.    Um  1850. 

Opfer  fasse  mit  gemodelten  Rocaillen.    Zinn.    S.  W.  FEIN  ZIN  (Schlaggenwald).    Um  1850. 

Pitsche  für  das  Taufwasser,  sechsseitig.  Zinn.     XVIII.  Jh. 


Linker 

Seitenaltar. 


Rechter 

Seitenaltar. 

Fig.  38. 

Altar. 


Kanzel. 
Fig.  38. 


Orgel. 


Skulpturen. 

Fig.  39. 
Fig.  38. 


Monstranzen. 


Ziborium. 


Kelche. 


Kreuzpartikel- 
monstranz. 
Opfertasse. 

Pitsche. 


44 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Rauchfaß. 
Ampeln. 


Kirchcn- 
fahnen. 
Kasein. 


Grabstein. 


Rauchfaß:  Messing,  versilbert,  mit  Flechtband.    Um  1800. 

Ampeln:    Messing,    versilbert,   getrieben.     1.    Mit    durchbrochenen    Akanthusranken    und    Gitterwerk. 

XVIII.  Jh. 

2.  Mit  Biedermeierdekor.    Um  1850. 

Zwei  Kirchenfahnen  mit  Messingkreuzen.    Um  1823. 

Kasein:   1.  Roter  Silberbrokat  mit  Lämmern   und  Kreuzen.    Ende  des  XVIll.  Jhs. 

2.  Mittelstück   rot  (modern),   Seitenteile   weiße  Seide   mit  gewebten  bunten  Blumen.    Erste  Hälfte  des 

XIX.  Jhs. 

Grabstein:  Im  Langhaus  an  der  Nordwand.  Gelber  Marmor.  Obelisk  mit  Ovalschild  und  Weihwasser- 
schale.   Andreas  Hagenauer,  Vikar  zu  EUxhausen,  1742 — 1815. 


Fig.  40    Elixhauscn,  Gasthof  Gmachl,  Mesnerhaus  und  Pfarrkirche  von  Norden  (S.  44) 

Glocken.        Glocken:  Drei  Glocken  von  Franz  Oberascher:  zwei  kleine  von  1838,  die  große  von  1862.    —    (Eine 
aus  dem  XV.  Jh.  und  eine  zweite  von  1790  wurden  eingeschmolzen.) 


Mesnerhaus.      Mesnerhaus  (Fig.  40):    Nördlich   neben   der  Kirchhofmauer.    Kleiner  einstöckiger  Bau  von   1815  mit 
Fig.  40.         hübschen  Eisengittern  im  S.    Im  N.  Türstock  aus  rotem  Marmor.    Blechmansardendach. 


Gasthaus. 
Fig.  40. 

Haus  Nr.  12. 
Bildstock. 


Gasthaus  Gmachl  (Fig.  40):  Großes  einstöckiges  Giebelhaus  mit  Schindeldach,  1844  erbaut.  Großer 
Viehstall  mit  drei  Reihen  von  je  sechs  Platzlgewölben  auf  5  Paaren  von  niedrigen  Säulen.    XVIII.  Jh. 

Haus  Nr.  12:  Kleines  rechteckiges  Haus,  einstöckig,  mit  Schindelmansardendach.  Am  rotmarmornen 
Türstock  die  Jahreszahl  der  Erbauung  1800. 

Bildstock:  Am  Südausgang  des  Ortes,  an  der  Straße.  Roter  Marmor.  Quadratische  Fußplatte.  Kurze 
runde  Säule  mit  profilierter  Basis.  Oben  würfelförmiges  Tabernakel  mit  vier  rundbogigen  Nischen.  Darin 
drei  kleine  mittelmäßige,  übermalte  Bildchen,  öl  auf  Blech,  Plainer  Mutter  Gottes,  Kreuzigung,  bärtiger 
Heiliger  mit  Buch.  1659  errichtet. 


Fig.  41     Kuratfilialkirche  Elsbetlicn  und  Schloß  Goldciistciii  mit  VVatzmann  und  Untürsbcrg  (S.  55) 


Elsbethen,  Dorf,  mit  Schloß  Goldenstein 

Archivalicn:  Pfarrarchiv  St.  JaPcob  am  Tlmrn  (Rechnungen  seit  1070).  —  Konsistorialarchiv.  —  Stiftsarctiiv  St.  Peter. 

Literatur:  Hübner,  Flachland  1,  294.  —  Pu.lwein,  Salzachkreis  388.  —  Dörlinger,  Handbuch  489-49S. 

Alte  Ansichten:  Siehe  Goldenstein. 

930  gibt  der  Edle  Rachwin  unter  vielen  Gütern  und  Hörigen,  die  er  einst  vom  Bayernherzog  Arnolf  erhielt,  auch  „ad 
Campanavam  Puoso  et  uxor  eins  cum  Filio  /."  an  Hrzbischof  Adalbert  (HAUTHALER,  U.-B.  1,  149).  Der  Name  Campanif 
fComponif  etc.)  wurde  noch  im  XVII.  Jh.  und  später  neben  Elsbethen,  das  erst  durch  die  Kirche  sich  allmählich  einbürgerte, 
gebraucht. 

Kuratfilialkirche  zur  hl.  Elisabeth. 

Die  Kirche  zu  Campanif  wird  1373,  18.  September,  in  einem  Zehentvergleiche  zwischen  dem  Abte  von 
St.  Peter  und  dem  Pfarrer  von  Hailein  (Kop.  in  St.  Peter)  zum  ersten  Male  genannt.  Ablaßbriefe  für 
die  Kapelle  oder  Kirche  der  hl.  Elisabeth  in  Campanif  sind  aus  den  Jahren  1443  und  1452  vorlianden 
(Greinz,  Halleiner  Urkunden).  Um  1460  wurde  eine  Wochenmesse  gestiftet.  1479  erhält  sie  als  Halleiner 
Filiale  von  Erzbischof  Bernhard  einen  Ablaß.  1555  klagen  die  Zechpröpste  dem  Pfleger  von  Glanegg, 
daß  das  Oberdach  auf  der  Kirchen  alles  erfault,  auch  darneben  etliche  Ladwandt,  desgleichen  das  Qemäl 
an  dem  Hauptaltar  und  Tafel  vast  und  gar  abgangen.  Sie  haben  erst  eine  Glocke  um  32  fl.  erkauft 
und  aufhängen  lassen.  In  der  Kirche  sind  nur  zwei  Altäre,  aber  drei  Kelche,  einer  16,  der  andere  23  fl. 
wert,  der  dritt  ist  vil  noch  ain  merers  wert.  Dieweil  man  den  Kirchen  und  Gotshäusern  mit  Einprechen 
und  Einsteigen  ganz  gefährlich,  wie  yetzo  gar  augenscheindlich,  wäre  einer  ersamen  Gemain  Gutachten 
und  Bedenken,  dass  man  den  dritten  und  wol  gultisten  Kelch  verkaufen  und  darmit  der  Pau  verricht 
werde.  Die  fürstliche  Hofkammer  leiht  ihnen  am  8.  Juni  1560  auf  den  silbernen  vergullten  Altarkeldi 
mit  allerlei  geschmelzten  Pildtern,  eingesetzten  edlen  Gestein  und  Perlen  sambt  ainer  Paten  silbern  und 
vergult  32  fl.  und  am  24.  August  1578,  da  wider  sichtige  Mängl  und  Schaden  an  der  Freithof mauer  und 
Tachwerich  vor  Augen  sind,  die  zu  wendten  hoch  von  Nötten  neuerlich  15  fl.  (SRA  Hfk.  Glanegg  1578  C). 
1617  ließ  sich  Katharina  von  Rehlingen,  geb.  Altin,  Besitzerin  von  Goldenstein,  bei  der  Kirche  ein  Ora- 
torium mit  eigenem  Eingang  erbauen;  obzwar  sie  dazu  keinen  Konsens  eingeholt  hatte,  ließ  man  ihr 


I 


Kurat- 
filialkirche. 


46 


Qcrichtsbezirk  Salzburg 


dies  gegen  Revers  doch  gelten,  da  sie  ein  ewiges  Licht  und  bei  Lebzeiten  ein  Amt  und  Predigt  halten 

ließ.    Aus  den  Kirchenrechnungen  verzeichnen  wir: 

1672:  Ferdinand  Mayrhoffer  Maler  zu  Hallein,  wegen  Mahlung  eines  Fahnenblatts  20  fl.  4  kr. 

1677    werden  zwei  Sakristeifenster  ausgebrochen,  verändert  und  neu  gesetzt. 

1678:  M.  Jakob  Thängl,  Bürger  und  Tischler  zu  Hallein,  für  ein  neugemachte  Canzl  von  nusspamen 
Holz  sambt  der  Stiegen  und  Altarantritt  22  fl. 

1684:  Neuer  Turmhelm.  Johann  Wolf  Hoffler,  hf.  Camerdiener  und  Maler  in  Salzburg,  umb  Ver- 
gultung  des  Knopf  und  Creuz,  auch  von  Fassung  des  Haans  11  fl.  4  kr. 

1699  wird  bewilligt,  daß  die  alte  und  etwas  unförmblich  gebaute  Kirche  nach  dem  eingesandten  Abriss 
in  eine  bessere  Formt  gebracht,  die  Kirchthür  unten  an  dem  Gottshaus  eingericht,  die  Sacristey 
erweitert,  das  Ossuarium  umb  besserer  Gelegenheit  willen  abgebrochen  und  transferiert,  ein  Stiegen 
auf  den  Predigstuel  durch  die  Sacristey  gebaut,  die  Kirchen  gepflastert  und  mit  Stühlen  ver- 
sehen, auch  ein  neuer  Paramentencasten  angeschafft  werde.  Die  Kosten  beliefen  sich  auf  486  fl. 
1  kr.  4  4. 


Fig.  42    Schloß  Goldenstein  und  Kuratfilialkirche  Elsbethen,  Ansicht  von  Nordosten  (S.  47) 

1699    errichtete  Anton  Meinrad  Freiherr  von  Rehlingen  den  St.-Sebastians-  und  Rochus-Altar. 

1718:  Johann  Benedict  Eisenperger,  für  Übergießung  der  alten  Glocke  144  fl. 

1719:  Johann  Prandtstetter,  Alaler  für  ein  Fahnenblatt  9  fl. 

1726:  Für  eine  neue  Glocke  von  296  U  197  fl. 

1732:  Josef  Krapf,  Zimmermeister  zu  Puch,  für  Machung  eines  Speisgätters  8  fl.  16  kr.  —  Im 
gleichen  Jahre  zahlt  Abt  Plazidus  von  St.  Peter:  Hansen  Reise  hl  wegen  in  das  Gottshaus  Els- 
bethen gemachten  neuen  Gatter  u.  a.  1  fl.  36  kr.  Wolf  gang  Spies  für  Anstreichung  des  Gütters 
und  Altarstaffel  5  fl.  (Abteirechnungen). 

1735    wird  der  hl.  Kreuzpartikel  und  1736  der  Kreuzweg  eingesetzt. 

1736:  Franz  Christof  Mayrhofer,  Mahler  in  Hallein,  vor  Mahlung  der  Stationen  8  fl. 

1752:  Jakob  Schenperger,  Maler  in  Hallein,  umb  2  neue  Fahnenblattl  11  fl.  30  kr. 

1761:  Für  ein  neues  Tabernakel  45  fl.  28  kr. 

1766:  Josef  Fagerer,  Zimmermeister  in  Glas,  macht  neue  Kirchenstühle. 

1778:  Wolf  gang  Hagenauer,  hf.  Bauverwalter  in  Salzburg,  für  Verfertigung  eines  Risses  zum 
neuen  Kirchenthurm  7  fl.    Der  Bau  aber  kam  noch  nicht  zustande.   Es  ist  eine  bekannte  Sache, 


Elsbethen 


47 


[82 

fsS: 


1786: 
1793: 
1796 
1805 
1895 


dass  der  Kirchthurni  zu  St.  Eisbeten  des  Einsturz  keines  Tags  gesichert  ist  und  von  neuem  auf- 
gebaut werden  muss  —  Er  ist  zum  Einfallen  geneigt,  lauten  die  Berichte  von  1781,  in  welchem 
Jahre  dann  endlich  der  Bau  begonnen  wird  (SRA  Hofk.  Glanegg  1781  D). 

Matthias  Silier,  bgl.  Maler  in  Salzburg,  für  2  Engl  samt  Stangen  und  2  Laternen  zu  reno- 
vieren 6  fl.  28  kr.  —  In  diesem  Jahre  werden  auch  drei  neue  Glocken  gegossen. 
Franz    Michael  Riehr,   Tischler  für  eine  neue   Grabtumba   5  fl.  30  kr.  —  dto.  für  einen 
Orgelkasten  18  fl.  —  für  eine  neue  Orgel  40  fl.    Der  Hochaltar  wird  auf  Kosten  von  Wohltätern 
neu  gefaßt  und  die  Kirche  ausgeweißt. 

Johann  Georg  Gandolf,  Tischler  in  Salzburg,  für  2  Tumben  und  Schein  16  fl. 
Johann  Löxhaller,  Maler  in  Hallein,  für  ein  neues  Fahnenblatt  9  fl. 
verehrt  der  Abt  Dominicus  von  St.  Peter  hieher  ein  neues  Meßkleid  (86  fl.)  und 
einen  Prozessionshimmel  (27  fl.). 
wurde  die  Kirche  außen,  1906  innen  renoviert. 


Fig.  43    Elsbethen,  Kuratfilialkirche,  Ansicht  von  Norden  (S.  47) 

Charakteristik:  Einfache  einschiffige  Anlage  mit  gleichhohem  Chor,  tonnengewölbt.  Die  alte  gotische 
Anlage  (um  1443[?])  wurde  1699  umgebaut  und  mit  einem  stukkierten  Gewölbe  versehen,  der  Westturm 
1781   nach  Plänen   des  Wolfgang  Hagenauer  neu  gebaut  (Fig.  41  — 44). 

Lage:  An  der  Nordseite  des  Ortes,  östlich  vom  angrenzenden  Kloster  Goldenstein,  inmitten  des  Fried- 
hofes.  Daneben  der  Meierhof  des  Stiftes  St.  Peter. 


Äußeres  (Fig.  41—43): 

Bruchstein  und  Ziegel,   verputzt  und  gelb  gefärbeit.    Niedriger  Sockel,   Hohlkehlgesims  um  Langhaus, 
Chor  und  Sakristei. 

Langhaus:   W.  Dreiecksgiebelfront  mit  vorgebautem  Turme.     Neben  diesem  zwei  niedrige  Anbauten 
(1  und  2),  darüber  je  ein  flachbogiges  Fenster.  —  S.  und  N.  Je  zwei  rechteckige  Fenster. 

Chor:  Im  N.  und  S.  durch  gleichhohe  Anbauten  (3  und  4)  verbaut.  Im  O.  halbrunder  Abschluß  mit 
'  zwei  Fenstern  im  SO.  und  NO.  und  einem  Blendfenster  im  O.,  unten  umgeben  von  niedrigem,  recht- 
I  eckigem,  flachbogig  geschlossenem  Anbau  mit  Blechpultdach  und  kleinem  Fenster  im  O.  Über  Langhaus 
1     und  Chor  gemeinsames,  nach  O.  abgerundetes  Schindelsatteldach. 


Charakte- 
ristik. 

Fig.  41—44. 

Lage. 


Äußeres. 
Fig.  41-43. 


Langhaus. 


Clior. 


48 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Turm. 


Anbauten. 


Friedliof- 
mauer. 


Turm:  Rauh  verputzt,  mit  glatten  Einfassungen,  durch  zwei  einfache  Marmorgesimse  in  drei  Geschosse 
geteilt.  Im  W.  rundbogige  Tür  in  roter  Marmorumrahmung  mit  der  Inschrift  5.  G.  1781.  Darüber  gemalte 
Inschrift:  Renov.  1895  und  ein  kleines  rundbogiges  Fenster.  Im  zweiten  Geschosse  im  N.,  W.,  S.  über- 
einander je  zwei  kleine  rundbogige  Fenster  in  Marmorfassung.  Im  dritten  Geschosse  jederseits  ein  rund- 
bogiges  Fenster  in  roter  Marmorumrahmung  mit  Sohlbank,  darüber  rundes  Zifferblatt,  über  dem  sich  das 
profilierte  Abschlußgesims  im  Halbrund  aufbiegt.  Rot  gestrichener  Schindelzwiebelhelm  mit  Blechknauf 
und  durchbrochenes  Schmiedeeisenkreuz. 

Anbauten:  1  und  2.  Beiderseits  des  Turmes  je  ein  niedriger  Anbau  (im  N.  Stiegenaufgang,  im  S. 
Beinhaus).  Je  ein  flachbogiges  Fenster  mit  marmorner  Fensterbank  im  W.  Schindeldächer. 
3  und  4.  Zwei  symmetrische  Anbauten  im  N.  und  S.  des  Chores,  gleichhoch  wie  dieser.  Beim  südlichen 
im  W.  und  O.  je  ein  Fenster,  im  S.  zwei  Blendfenster,  beim  nördlichen  im  W.  Tür  und  darüber  Fenster, 
im  N.  und  O.  entsprechend  dem  südlichen  Anbau;  alle  Fenster  rechteckig,  mit  marmorner  Sohlbank. 
Schindelsatteldächer,  nach  S.  beziehungsweise  N.  abgewalmt. 

Friedhofmauer:  Bruchstein,  rauh  verputzt,  mit  Steinplatten  abgedeckt.   Drei  einfache  Eingänge. 


Fig.  44    Elsbethen,  Kuratfiiiali<irclic,  Grundriß  1  :  300  (S.  48) 


Inneres. 
Flg.  44. 

Langhaus 
und  Chor. 


Turm. 
Anbauten. 


Inneres  (Fig.  44). 

Modern  (1906)  ausgemalt.  Neues  Pflaster. 

Langhaus  und  Chor  bilden  einen  einheitlichen  Raum.  Die  Wände  sind  durch  Pflaster  mit  profilierten 
Kapitälgesimsen  gegliedert,  die  ein  umlaufendes,  profiliertes,  verkröpftes  Gesims  tragen.  Flachbogiges,  im 
O.  abgerundetes  Tonnengewölbe.  Auf  vier  breiten  Gurten  und  im  Abschluß  schöne  stukkierte  Kartuschen 
und  Blattranken  (um  1699)  mit  modernen  Gemälden. 

Im  W.  eingebaute  Empore  (Holz,  stucküberzogen)  mit  flachem  Boden  und  geschwungener  Brüstung,  die 
mit  guten  Stukkaturen  (um  1699)  verziert  ist:  An  den  Seiten  Akanthusranken,  in  der  Mitte  in  Kar- 
tusche die  hl.  Cäcilie  mit  musizierenden  Putten  (neu  polychroiniert).  Darüber  einfache  hölzerne  Orgel- 
empore mit  flachem  Boden.  Unter  der  Empore  im  W.  Türöffnung  mit  Eisengitter.  Zu  den  beiden  Anbauten 
3  und  4  führt  je  eine  Tür  im  N.  und  S.,  darüber  rechteckige  Nische  und  Fenster;  im  N.  ein  zweites 
Fenster  daneben  in  gleicher  Höhe,  im  S.  Kanzeltür.  Unter  den  beiden  Chorfenstern  je  eine  Tür;  alle 
vier  in  charakteristischer  (grüngelb  gestrichener)  Putzumrahmung  (um  1699). 

Turm:  In  der  Eingangshalle  gratiges  Kreuzgewölbe, 
marmorne  Weihwassermuscheln. 


Im  N.  Tür  zur  Stiege  auf  die  Empore.    Zwei  rot- 


Anbauten:  1 .  Beinkammer,  flachgedeckt. 

2.  Stiegenaufgang  zur  Empore. 

3  und  4.  Die  beiden  Sakristeien  im  S.  und  N.  des  Chores  haben  in  den  beiden,  durch  eine  Holzstiege 

verbundenen  Geschossen  flache  Decken. 

5.  Der  halbkreisförmige  niedrige  Umgang  um  den  Chorschluß  (mit  Beichtstuhl)  ist  flachgedeckt. 


liinrichtung.  Einrichtung: 

Altäre.  Altäre:  Holz,  neu  gefaßt,  braun  gestrichen,  mit  vergoldeten,  geschnitzten  Verzierungen. 

Huchaiiar.  1.  Hochaltar    (Fig.  45):    Über  zwei   Stufen   einfache  Mensa.    Reich   geschnitztes,  ganz   vergoldetes 

Fig.  4ö.  Tabernakel  von  1761,  mit  zwei  seitlichen  Volutenpilastern  und  Rocaillenverzierung.    An  der  Walzenfront 


I 


Elsbethen 


49 


gemalt  das  letzte  Abendmahl,  davor  hölzernes  Kruzifix.  Zwei  Leuchterputti,  ein  Cherubsköpfchen.  — 
Wandaufbau:  Doppelgeschossiger  Sockel  mit  vergoldeten  Zieraten.  Im  Hauptteile  rundbogige  Nische, 
flankiert  von  zwei  vor  Pilasterbündeln  stehenden  Säulen,  daneben  auf  Konsolen  vor  Pilastern  zwei 
Statuen.  Über  verkröpften  Gebälkstücken  rundbogiger,  in  der  Mitte  zurücktretender  Giebel  mit  ver- 
goldeter Kartusche.  Aufsatz  mit  Nische.  —  Der  Aufbau  stammt  aus  dem  Anfang  des  XVIII.  Jhs.  1912 
renoviert,  neue  Mensaplatte  aus  Marmor. 


Fig.  45 
Elsbethen,  Kiiratfilialkirche,  Hochaltar,  Anfang  des  XVIII.  Jhs.  (S.  49) 


Skulpturen:  Holz,  neu  gefaßt,  a)  In  der  Hauptnische  auf  Wolken  die  hl.  Maria  mit  dem  Kinde,  von 
Putten  und  Cherubsköpfchen  umgeben.  Unten  kniet  die  hl.  Elisabeth  mit  einem  Laib  Brot  in  der  Hand 
und  einer  Kanne,  neben  ihr  ein  flehender  Bettler.  —  b)  Neben  den  Säulen  der  hl.  Bischof  Ulrich  und 
der  hl.  Abt  Ägidius.  —  c)  In  der  Aufsatznische  die  Halbfigur  Gottes  des  Vaters,  darüber  die  Taube.  — 
d)  Auf  den  Giebelschenkeln  daneben  zwei  hl.  Mönche,  St.  Leonhard  (mit  Kette)  und  St.  Plazidus  (mit 
Keule).   —  e)  Oben  drei  Putti,  der  mittlere  mit  Kreuz.    Mittelgute  Arbeiten,  Anfang  des  XVIII.  Jhs. 

'  2.  Linker  Seitenaltar.  Über  einer  Stufe  einfache  Mensa.  Kleines  Tabernakel  vor  der  Predella.  Im 
I  Aufbau  rundbogiges  Altarbild,  darüber  ovales  Aufsatzbild,  an  den  Seiten  vergoldete  S-förmige  Akanthus- 
1    ranken.  Rundbogiges  Gesims  mit  Kreuz.  Um  1699. 


Linker 
Seitenaltar. 


50 


Qeiiclitsbezirk  Salzburg 


Rechter 

Seitenaltar. 

Fig.  46. 


Kanzel. 


Skulpturen. 


Gemälde. 


Kirchen- 

bänky. 

Monstranz. 

Fig.  47. 


Gemälde:  öl  auf  Leinwand.  —  Altarbild:  Stigmatisation  des  hl.  Franziskus.  —  Aufsatzbild:  Stiginatisation 
der  hl.  Katharina  von  Siena.    Beides  mittelgute  Arbeiten  von  Matthias  Siler  1771. 
Statuen:  An  den  Seiten  der  hl.  Achatius   (ein  römischer  Krieger   mit  Dornenkrone)   und  der  hl.  Florian. 
Gut,  um  1699. 


3.  Rechter   Seitenaltar  (Fig.  46). 

kleines  Gemälde,  der  hl.  Josef  mit  dem 

rahmen    mit    vergoldeten    geschnitzten 

1771). 

Gemälde:    Altarbild:    Dem  hl.  Antonius  erscheint  das 

Christkind.     Oben    vier    Putti.     Gutes   Bild,    signiert: 

J.M.Siler  f.  1771.  —  Aufsatzbild:  Der  hl.  Raimund 

(auf  dem  Meere  kniend  dahinfahrend).    Ebenfalls  von 

Siler,  1771. 

Statuen:   St.  Sebastian  und  Rochus;   gut,  1699  (siehe 

S.  46). 

Kanzel:  An  der  Südwand.  Holz,  mit  Stuck  über- 
zogen, neu  gefaßt.  Halbachteckige  Brüstung,  verziert 
mit  vergoldeten  Stuckranken.  Am  Ablauf  vergoldete 
Akanthusblätter.  Arm  mit  Kruzifix.  Am  Schalldeckel 
unten  die  Taube,  oben  auf  einer  Wolke  ein  Trompete 
blasender  Putto.    Um  1700. 

Skulpturen:  Holz,  neu  polychromiert.  1.  Im  N. 
des  Langhauses  auf  Konsole.  Gruppe  der  Kreuzigung. 
Unter  dem  Kreuze  Maria,  Johannes  und  Magdalena. 
Oben  auf  Wolke  ein  Putto.    Gut,  um  1700. 

2.  Im  Chor  auf  Konsolen,  die  mit  vergoldetein  Bandwerk 
verziert  sind,  die  sitzenden  Figuren  des  Schmerzens- 
mannes und  der  schmerzhaften  Mutter  Gottes.  Mittel- 
mäßig, XVIll.  Jh. 

3.  In  den  Nischen  ober  den  Seitentüren  des  Chores 
zwei  Gruppen  mit  kleinen  Holzfiguren.  Links  Pietä 
mit  dem  hl.  Johannes  und  drei  Frauen.  Rechts  die 
hl.  Sippe.    Mittelmäßig,  XVIII.  Jh. 

4.  Auf  Tragstangen  zwei  auf  Wolken  kniende  Leuchter- 
putti.     Gut,  um  1700. 

5.  Im  S.  des  Langhauses  auf  Konsole  in  Gehäuse  die 
Statuette  Christi  an  der  Geißelsäule.  XVIII.  Jh. 

6.  Statuette  des  auferstandenen  Christus.  Gut,  XVIII.  Jh. 

7.  Prozessionskruzifix.   XVIII.  Jh. 

8.  Außen  im  S.  des  Langhauses  Kruzifix.  Mittelmäßig, 
XVIII.  Jh. 

Gemälde:  Öl  auf  Leinwand.  1.  Fünfzehn  Kreuz- 
wegbilder. Mittelmäßige  Arbeiten  von  Franz  Chri- 
stoph Mayrhofer  in  Hallein,  1736. 
2.  Als  Pendant  zur  XV.  Station  die  hl.  Elisabeth,  mit 
der  Unterschrift:  H.  Elisabetha  Kirchen  Patteronin 
Bitt  vor  unß;  aufgerichtt  im  Jahre  1736. 


Aufbau  wie  bei  2.  Um  1699  (s.  S, 
Christkinde;  gute  Arbeit,  wohl  von 
Ranken    (um 


46).     Statt  des  Tabernakels 
M.  Siler,  um  1771.    Holz- 


Fig.  46    Elsbethen,  Kuratfilialkirche,  rechter  Seitenaltar, 
um  1699  (S.  50) 


Ziborium. 

Hir.  19. 


Kirchenbänke:    Einfach,   gelb  lackiert,    1766  von 
J.  F  a  g  e  r  e  r  in  Glas  gemacht. 

Monstranz  (Fig.  47):  Silber,  zum  Teil  vergoldet.  Oblonger  Vierpaßfuß  mit  getriebenen  Akanthuswellen- 
ranken,  die  in  vier  Fruchtbüschel  endigen.  Knauf  mit  drei  Laubwerkkartuschen.  Sehr  reich  gearbeiteter 
Schein.  Doppelter  in  Silber  getriebener  Akanthusrankenrahmen,  besetzt  mit  unechten  Steinen  und  den  zum 
Teil  vergoldeten  Relieffiguren  Gott-Vaters,  der  Taube  und  dreier  Engel  mit  den  Leidenswerkzeugen.  Der 
äußere  Rahmen  (mit  Bandwerk)  ist  modern,  er  verdeckt  den  geflammten  Strahlenkranz.  —  Marken:  Augs- 
burger Beschau.  Meisterzeichen:  LS  in  Oval  (R-  483). 
Sehr  schöne  Augsburger  Arbeit,  um  1700,  wohl  von  Ludwig  Schneider  (gest.  1729). 

Ziborium    (Fig.  48):    Silber,   vergoldet.    Runder   Fuß,   getrieben    mit    drei   Granatäpfel-,    Rosen-    und 
Traubenbuschen,  dazwischen  drei  Akanthusspiralranken.    Knauf  wie  bei  der  Monstranz.    Durchbrochener, 


Elsbethen 


51 


|;etriebener  Cuppakorb  mit  drei  Granatäpfelbuschen,  dazwischen  drei  Paaren  von  gegenständigen 
piraligen  Akanthusranken.  Am  Deckel  getriebene  Ranken  und  Kreuz.  —  Marken:  Salzburger 
ieschau  (S  in  Schild).  Meisterzeichen:  HIH  in  Oval.  Gute  Salzburger  Arbeit  um  1700,  wohl 
on  Hans  Jakob  Haidt  (Bürger  seit  1687). 
üngere  kugelförmige  Rokokokrone,  Silber,  zum  Teil  vergoldet,  mit  getriebenen  symmetrischen  Rocaillen, 
unechten  Steinen,  Kugel  und  Kreuz.  Beschauzeichen  Tittmoning.  Meisterzeichen  undeutlich:  Drei  Buch- 
staben in  Dreipaß.    Tittmoninger  Arbeit  um  1750,  wohl  von  Johann  Caspar  Lackner  (gest.  1752). 


O 


Fig.  47    Elsbethen,  Kuratfilialkirclie, 

Monstranz  von  Ludwig  Schneider  in  Augsburg, 

um  1700  (S.  50) 


Fig.  48    Elsbethen,  Kuratfilialkirche, 

Ziborium  von  H.  J.  Haidt  in  Salzburg, 

um  1700  (S.  50) 


reuzpartikelmonstranz:   Silber.   Kleines  Standkreuz,  am  Fuße  mit  getriebenen,  am  Kreuze  mit     Kreuzpartikel- 
gravierten  Bandwerkranken.  —  Beschauzeichen  Tittmoning  mit  13.  Meisterzeichen:  WL  in  Kreis.  Arbeit       monstranz. 
des  Wolf  gang  Luckner  in  Tittmoning,  1735. 

Kelche:  1.  Silber,  vergoldet,  am  Fuße  in  drei  größeren  und  drei  kleineren  Feldern  verziert  mit  getrie-         Kelche, 
benen  symmetrischen  Rocaillen.    Dreiseitiger  Knauf.    Durchbrochener  silberner  Cuppakorb  mit  Rocaillen- 

ranken.   —   Marken:   Augsburger   Beschauzeichen   mit  H  (1747—1749;   R-  191).    Meisterzeichen  .^_  in 

.  i  ■  o 

Dreipaß   (R-'   545).   Arbeit   des   Joh.  Jakob   Schoap    (oder    Josef    Ignaz    Saler)    in    Augsburg, 
um  1748. 


52 


üerichtsbozirk  Salzburg 


2.  Silber,  vergoldet.  Glatt  Am  Fuß  und  Knauf  gedrehte  Rippen.  Meistermarke  E  H.  Beschauzeichen 
fehlt.    Arbeit  des  Egydius  Hablitschek  in  Tittmoning,  um  1755. 

3.  Kupfer,  vergoldet,  mit  getriebenen  Verzierungen.    Mitte  des  XIX.  Jhs. 

Ampel.         Ampel:  Messing,  versilbert,  mit  getriebenen  Rocaillen.  Um  1750. 

Leuchter,  Leuchter:  Sechs  reichgeschnitzte  Leuchter,  Holz,  vergoldet.  Am  Fuße  drei  Cherubsköpfchen  und 
Leidenswerkzeuge.  Darüber  ein  Karyatidenengel  als  Träger  einer  mit  Cherubsköpfchen  besetzten  Wolken- 
säule, oben  ein  sitzender  Putto  als  Träger  der  Bekrönung.    Gut,  Mitte  des  XVlll.  Jhs. 

Kirchen-         K  i  r  c  h  e  n  f  a  h  n  e  n  :  Drei  mit  Kreuzen,  eine  mit  Monogramm  Maria  (Messing)  als  Aufsatz.   Fahnenblätter 
fahncii.         neu  oder  stark  übermalt.    XVIII.  Jh. 

Traglaterneii.  Zwei  Traglaternen:  Sechsseitig,  aus  Blech.  Oben  je  ein  Ovalschild,  doppelseitig  bemalt  (St.  Elisabeth 
und  St.  Ulrich).    Um  1770. 

Vasen.         Vasen:  Sechs  geschnitzte  Rocaillenvasen,  Holz,  versilbert.  Mitte  des  XVIII.  Jhs. 

Kasei.  Kasel:  Weiße  Seide,  mit  gewebten  bunten  Blumen.  XVIII.  Jh.  (1796[?])  —  Zwei  Dalm  atik  en.  Um  1850. 

Weihwasser-      Weih  Wasserbecken:  Außen  im  S.  des  Turmes.  Kleine  halbkugelförmige  Schale  aus  rotem  Marmor, 
hecken.         Vorne  Wappen  mit  springendem   Steinbock   und  Löwen.    Aus  der  Zeit  des  Erzbischofs  Markus  Sitticus, 
Anfang  des  XVII.  Jhs. 

Grabsteine.  Grabsteine:  Im  Innern  im  S.  eingemauert  zwei  große  Platten  aus  rotem  Marmor.  1.  In  Relief  zwei 
große  Wappen  mit  Helm,  Helmzier  und  geschwungenen  Helmdecken,  links  das  der  Haunsperg  (zwei 
Spießrahmen),  rechts  Bindenschild.  XV.  Jh. 

2.  Unten  in  Relief  unter  einer  rundbogigen  Säulenhalle  ein  Wappen,  mit  Helm  und  Helmzier  (wilder 
Mann,  mit  einem  Blatt  in  der  Hand).  Im  Bogeiizwickel  ein  Cherubskopf.  Oben  in  Rollwerkrahmen  sieben- 
zeiiige  Inschrift  in  gotischer  Minuskel:  Hie  ligt  begraben  der  Edl  und  Vest  Sebastian  pflüegl  zum  Golden- 
stain  und  Neuen  Kiembing  der  gestorben  ist  den  4.  tag.  Octobris  anno  dni  1562.  Schöne  Arbeit  vor  1562; 
Die  Sterbedaten  sind  nachgetragen. 

3.  In  der  Vorhalle.  Stark  beschädigte  Inschrift.  Ein  Herr  von  Goldenstein  und  Neuen  Kiem{bing),  gestor- 
ben 1562. 

Turmuhr.        Turmuhr:  Von  J.  Beutele,  1800. 

Glocken.         Glocken:  1.  Große  Glocke  von  1892  (Oberascher,  Salzburg). 

2.  Johann  und  Paul,  St.  Georg,  Kruzifix.  Caspar  Immerdorfer  in  Salzburg  anno  1782. 

3.  Gegossen  1852  von  Hollederer  in  Salzburg. 

Wegkapelle.  Wegkapelle:  Südlich  neben  der  Friedhofmauer.  Weiß  verputzter  rechteckiger  Bau  mit  Dreiecksgiebel 
und  rechteckiger  Türöffnung  im  S.  Schindeldach.  Innen  Tonnengewölbe.  Auf  der  Mensa  rundbogiges 
Gemälde,  Öl  auf  Leinwand,  Maria  Verkündigung.  Links  der  stehende  Engel,  rechts  die  kniende 
hl.  Maria,  oben  die  Taube,  Gott-Vater  und  zwei  Putti.  Gutes  Salzburger  Bild  aus  der  zweiten  Hälfte  des 
XVlll.  Jhs. 

Kruzifix.         Kruzifix:  Im  S.  des  Ortes  an  einer  alten  Linde  Wegkruzifix,  Holz,  polychromiert.   Gut.   XVlll.  Jh. 


Schloß  Goldenstein 

Archivalien:  Sliftsarchiv  St.  Peter  passim.  —  Konsistorialarchiv. 

Literatur:  Hübner,  Stadt  57L  —  Wänzler  in  Intelligenzblatt  1808,  211  und  419.  —  Pillwein,  Salzachkreis  388.  —  V.  M.  Süss, 
Jahresb.  d.  Mus.  1852,  72.  ^  Walz,  Grabdenkmäler  250  u.  207.  —  J.  Keldorfer  in  der  Salzb.  Ztg.  1881  (auch  Sonderabdruck). 

Fig.  -19-51,        Alte  Ansichten:  1.  Sepiazeichnung  (nach  1711)  in  St.  Peter  in  Salzburg  (Fig.  49).  —  2.  Gemälde  in  Goldenstein,  um  1700  (Fig.  50).  — 
3.  Zwei  Gemälde  aus  der  zweiten  Hälfte  des  XVlll.  .Ihs.  in  St.  Peter  in  Salzburg  (Fig.  51). 

Angeblich  steht  Goldenstein  an  Stelle  des  alten  Schlosses  Campanif;  aber  jener  Ulrich,  der  1267  und 
i271  genannt  wird,  war  sicherlich  nicht  ritterlicher  Abkunft.  Außerdem  gibt  es  bis  zur  Wende  des 
XIX.  Jhs.  bei  Goldenstein  ein  domkapitliches  Urbarsgut,  Kampanif.  Goldenstein  war  im  XV.  Jh.  wahr- 
scheinlich ira  Besitze  der  Haunsperger.  Von  diesen  kam  es  durch  Praxedis  von  Haunsperg  (Tochter 
Micliaeis,  gest.  14 il)  an  deren  Gatten  Ulrich  von  Fladnitz,  der  gemeiniglich  als  Erbauer  von  Goldenstein 
gilt.  Das  dabei  oft  angeführte  Datum  1449  bezeichnet  eine  Messenstiftung.  Ulrichs  in  Elsbcthcn.  Sichere 


I 


Schloß  Ooldenstein 


53 


Nachrichten  besitzen  wir  nicht.  1472  war  Praxedis  bereits  Witwe  und  Goldenstein  kam  an  Georg  von 
Haunsperg,  dem  gleichfalls  der  Bau  zugeschrieben  wird.  Einer  anderen  Nachricht  zufolge  soll  Goldenstein 
an  die  Tocliter  des  Fladnitzer  gefallen  sein,  die  mit  Bernhard  von  Scherffenberg  vermählt  war.  1491  kaufte 
es  Johann  Knoll,  Bürger  in  Salzburg,  von  dem  es  an  Georg  Knoll,  Pfleger  auf  Thurn,  kam  1534,  Niklas 
Ribeisen,  der  in  zweiter  Ehe  mit  Elisabeth  Pflügl  verheiratet  war  (1540  wurde  die  Wasserleitung  gebaut), 
von  diesem  kam  es  an  dessen  Stiefsohn  Christof  Pflügl  zum  Goldenstein  und  Neuenchieming,  Rat  des 
Erzherzogs  Karl  und  Hauptmann  zu  Gmünd.  Als  dieser  fallierte  und  seine  Güter  unter  die  Hauptgläubiger 


»«iif..'- iv.-.sV:'-^.  tu^w--  ■ 


Fig.  49    Scliloß  Goldciistein  und  Kirche  hlsbctlien,  Sepiazeichnung  im  Stifte  St.  Peter 
in  Salzburg,  nach  1711  (S.  52) 

verteilt  wurden,  fiel  Ludwig  Alt  dem  Jüngeren  1580  der  Sitz  Goldenstein  samt  den  Gründen  und  Holden 
im  Glanegger  und  Wartenfelser  Gerichte  zu.  Ludwig  Alt  starb  1586.  Goidenstein  ging  auf  dessen  Tochter 
Katharina  über,  die  mit  Friedrich  Rehlingen  (gest.  1609)  vermählt  war.  Kurz  vor  seinem  Tode  suchte 
dieser  beim  Konsistorium  um  die  Meßlizenz  für  seine  Hauskapelle  an:  Es  sein  etlich  Jar  her,  dass 
ich  ein  Altar  portatile  bekamen,  doch  mich  dessen,  wie  es  sich  außer  E.  hf.  Gn.  gdgsten  Consens  auch 
nit  gezimet  hatte,  nie  gebraucht.  Wann  aber  zu  Goldenstain  ich  ain  schlecht  und  enges  Oratorium  ge- 
bauet, dabei  ich  und  mein  Hausfrau,  die  wir  nun  zimblich  die  Jar  erraicht  und  mit  teglicher  Schwach- 
heit haimbgesuecht  werden,  auch  nit  alzeit  zur  Kürchen  Gelegenheit  haben,  gedacht  weren,  uns  ermelten 


&4 


Gcriclitsbezir'<  Salzburg 


Fig.  50    Schloß  Goldenstein  von  Süden.    Gemälde  in  Goldenstein  (S.  52) 


¥ig.  51    Ansicht  des  Schlosses  Goldenstein  von  Nordwesten  (in  St.  Peter  in  Salzburg  [S.  52)) 


Schloß  Goldenstein 


55 


itars  auf  gdgsten  Consens  ziie  gebrauchen,  so  bitten  sie  um  die  Erlaubnis,  die  am  9.  Dezember  1608 
auch  erfolgt  (Konsistorialarchiv).  Maria  Rehlingen  starb  1620,  worauf  Goldenstein  an  den  Sohn  Friedrich, 
der  wieder  mit  einer  Haunsperg  vermählt  war,  fiel.  1661  kaufte  es  der  Stadtrat  Johann  Kurz,  der  sich 
nach  Goldenstein  nannte.  1694  verkaufen  Anton  Placidus  und  Franz  Gebrüder  von  Kurz  den  Sitz,  nach- 
dem sie  ihn  vergeblich  dem  Erzbischof  zum  Kauf  angeboten  hatten  (Hfk.  Ca  dni  1694/5  C),  an  Raimund 
Anton  iV\einrad  Freiherrn  von  Rehlingen,  der  das  Schloß,  als  er  1710  in  den  Barfüßerorden  eintrat,  gegen 
einige  oneröse  Bedingungen  an  das  Stift  St.  Peter  übergab  (Nov.  Chron.  630).  Es  diente  fortab  als 
Sonimeraufenthalt  für  die  Konventualen.  1720  wurde  ein  Altar  errichtet,  der  im  gleichen  Jahre  durch 
den  Bischof  von  Chiemsee  geweiht  wurde,  1723  wurden  zwei  Glöckchen  zu  Ehren  der  hl.  Engel  und 
der  hl.  Familie  aufgehängt.  Das  Ausgabenbuch  des  Abtes  Godfrid  Kröll  vermerkt:  1743  Dezember: 
Peter  Paul  Pe rw anger,  Mahler,  das  neue  Uhrblat  im  Schloss  Goldenstain  zu  mahlen  sambt  den 
2  Zaiger  hiezue  zu  vergolden  9  fl  30  kr.     Dem  Rationarium  seines  Nachfolgers   Beda  entnehmen  wir: 


f.  41. 


1761. 


Vcrschidene  Bilder  seind  in  die  Zimmer  in  Goldenstein  zu  öfteren  erkaiifft  worden  mit 26  fl. 

Dem  Tisc/iler  filr  12  schwarz  gehalste  Ramen  in  das  SpeisziJher  zu  Goldenstein  ä  1  fl.  15  kr.    .    .  15  fl. 

Für  andere  dergl.  24  Stak  theils  in  Goldenstein,  theils  In  d.  S.  Bened.  und  Schot:  Zimer 24  fl. 

In  das  Abbtey  Zimmer  zu  Goldenstein  seind  für  neue  Fenster,  Fenster-Stök  Fürhäng  und  dergl. 

ausgelegt  und  v.  der  Oeconomie  bezahlt  worden,  so  per  extractu  betraget 63  fl.  10  kr. 

f.  41'.    den  2ten  Juiy  dem  Tischler  Krimpacher  für  2  Schenk-Kästen  in  Goldenstein     8  fl. 

dem  Tischler  Krimpacher  für  4  kleine  Tischt  und  einen  Schenk- Kasten  in  Goldenstein //  //. 

f.  42.  1762. 

den  26ten  Jenner  dem    Glaser  Mr.  Lorenz  Patier  wird  ein  Auszug  bezahlt  für  die   Fenster  der 

4  Gastzlmer,  dan  für  d.  Speiszimer  in  Goldenstein  mit 62  fl.  17  kr. 

f.  42'.    den  3ten  Febr.  wird  dem  Jos.  Heiß   Maurer  Mr.   ein    Conto   bezahlt  für   10   Fensterstein    in    den 

4  neuen  Gastzimmern,  dan  5  dergl.  in  dem  Speiszimmer  zu  Goldenstein 21  fl.  45  kr. 

den  12ten  Febr.  dem  Schlosser  Mr.  Rumpl  für  d.  Fensterbeschlächt  in  dem  Speiszimer  des  Schlosses 

zu  Goldenstein 8  fl.  40  kr. 

f.  43.     dem  Tischler  Krimpacher  für  Arbeit  i  d.  S.  JoaTi-Zimmer  und  etwas  in  Goldenstein 6  fl. 

1763. 
den  <?'<■''  Jenner  bezalle  ich  dem  Mahler  König  einen  Conto  für  die  Arbeit  in  den  4  Gastzirnern 

dan  auch  in  Goldenstein  Speis-Ziiner  pr  630  fl.  pr.  Abschlag 300  fl. 

den  IS'''"  Jener  dem  Hinterseher  Schlosser  Mr.  einen  Conto  für  die   Arbeit   in    Goldenstein   bei 

etwelchen  Fenstern  bonifiziert  mit 19  fl.  57  kr. 

f.  43'.  1764. 

Einem  Malilcr  wegen  4  Bilder  in  das  Abteizimmer  nach  Goldenstein 5  fl.  30  kr. 

1790    läßt  Abt  Dominikus  das  Schloß  neuerdings  möblieren,  wobei  hauptsächlich  der  Tischler  Rödl  be- 
teiligt ist. 
1791:  Dem  Steinmetz  von  Adnet  für  Aufsetzen  der  „Brunnschallen"  10  fl.  27  kr. 

Seit   1877   ist   das   Schloß    von   Augustiner-Chorfrauen    aus    Rastatt    in    Baden    bezogen,   die    hier    ein 
Erziehungsinstitut  „Notre  Dame"  errichtet  haben. 

j  Lage:  Im  N.  des  Ortes  Elsbethen,  in  unmittelbarer  Nähe  der  Filialkirche  gelegen,  mit  dem  Untersberg 
!  und  dem  Watzmann  im  Hintergrunde,  besonders  von  NO.  her  ein  malerisches  Bild  bietend  (Fig.  41,  52). 

(  Charakteristik:  Sehr  hoher  sechstöckiger  Bau  mit  Giebeln  im  N.  und  S.  und  einem  von  zwei  poly- 
j  gonalen  Ecktürmen  flankierten  niedrigeren  Anbau  im  N. 

Äußeres  (Fig.  41,  42,  52): 

'  Rechteckiges  Gebäude,  Bruchstein,  gelb  gefärbelt. 

I  Südfront:  In  der  Mitte,  durch  eine  kleine  Doppelstiege  vom  Hof  aus  zugänglich,  schmuckloses  rund- 
bogiges  Portal,  daneben  links  ein  rechteckiges,  rechts  zwei  flachbogige  Fenster.  Im  I.— III.  Stock  je  drei 


Lage. 
Fig.  41,  52. 

Charakte- 
ristik. 

Äußeres. 
Fig.41,42,52. 

Südfront. 


56 


Qericlitsbezirk  Salzburg 


Westfront. 


Nordfront. 
Fig.  52. 


I 


rechteckige  Fenster,  iin  IV.— VI.  Stock  in  der  Mitte  ein  größeres,  an  den  Seiten  zwei  kleine  Fenster,  im 

VII.  Stock  (Dachgeschoß)  ein  rundbogiges  Fenster  und  zwei  ovale  Luken. 

Den  Terrassenhof  im   S.  flankieren   zwei  einstöckige  Gebäude,  an  Stelle  der  kleineren  älteren  modern 

umgebaut. 

Im  Südwesteck  ein  Röhrkasten  mit  rechteckiger  Einfassung  aus  rotem  Marmor;  darin  Kartusche  mit 

dem  Reliefwappen  der  Stadt  Salzburg  und  die  Jahreszahl  1598. 

Tiefer  vor  dem  Hofe  liegen  Gemüse-,  Obst-  und  Ziergarten.    Der  ehemalige  Teich  ist  ausgetrocknet. 

Westfront:  Im  Erdgeschoß  oben  zwei  kleine  oblonge  Fenster,  im  I.  Stock  drei,  im  II. — V.  Stock  je 
vier  rechteckige  Fenster.  Im  Anbau  übereinander  ein  kleines  und  drei  größere  Fenster,  ebensoviele  im 
W.,  NW.  und  N.  des  Eckturmes. 

Nordfront  (Fig.  52):  Im  Anbau  unten  drei  kleine  und  in  den  drei  Stockwerken  darüber  je  drei  größere 
Fenster;  Schindeipultdach  mit  drei  Dachfenstern. 


Ostfront. 


Inneres. 
Fig.  ,S3. 


Fig.  52    Goldenslein,  Ansicht  von  Nordosten  (S.  55) 

In  der  überragenden  Giebelfront  des  Hauptgebäudes  im  V.  Stock  an  den  Seiten  je  ein  Fenster,  im  VI. 
drei,  im  VII.  Stock  eines  rechts;  angebauter  hoher  Rauchfang.  Der  kleinere  nordöstliche  Eckturm  hat  im 
N.,  NO.  und  O.  in  der  Höhe  des  II.  und  III.  Stockes  je  zwei  Fenster.  Beide  Türmchen  haben  pyramidale 
Schindelhelme. 

Ostfront   (Fig.  52):   Im  Anbau  übereinander  vier  Fenster.    Im  Hauptgebäude  unten  und  im  I.  Stock 
drei,  im  II.  und  111.  Stock  je  vier  größere,  im  IV.  und  V.  Stock  je  vier  kleinere  Fenster. 
Hohes  steiles  Schindelsatteldach,  über  den  beiden  abgekappten  Giebeln  im  N.  und  S.  abgewalmt.    Über 
dem  Südgiebel  ein  Holztürmchen. 

Inneres  (Fig.  53): 

Vom  ruiidbogigen  Südportale  kommt  man  in  eine  tonnengewölbte  Halle.  An  ihrem  Nordende  zwei  flach- 
bogige  Türöffnungen;  die  linke  führt  zur  Stiege,  die  rechte  zur  Sakristei.  Dazwischen  am  Pfeiler  rund- 
bogige  Nische  mit  polychromierter  mittelmäßiger  Holzstatue  der  Mutter  Gottes  mit  dem  Kinde  (Anfang 
des  XVIII.  Jhs.).  Darunter  und  darüber  stukkierte  Kartuschen,  um  1710.  Beiderseits  der  Nische  ein- 
gelassen zwei  kleine  ovale  Bilder,  Öl  auf  Leinwand,  die  Halbfiguren  des  hl.  Josef  und  des  hl.  Benedikt. 


I 


Qoldenstein 


67 


Gute  Arbeiten  vom  Anfange  des  XVIII.  Jhs.  Auf  der  zum  Sakristeigange  führenden  Holztür  ist  eine 
Stiege  und  ein  Putto  gemalt,  der  ein  Spruchband  hält.  Über  der  Kapellentür  im  O.  stark  übertünchte 
stukkierte  Kartuschen,  um  1700. 

Östlich  von  dieser  Vorhalle  liegt  die  kleine  tonnengewölbte  Kapelle.  Im  südlichsten  Teile,  der  schon 
um  1600  als  Kapelle  eingerichtet  wurde,  an  den  Langwänden  niedrige  Pilaster  mit  stukkiertem  Bandwerk 
(Anfang  des  XVIII.  Jhs.),  darauf  profiliertes  Gesims.  Nördlich  neben  der  Kapelle  die  mit  einem  gratigen 
Kreuzgewölbe  gedeckte  Sakristei  und  westlich  von  dieser  ein  zweiter  Sakristeiraum  mit  Tonnen- 
gewölbe (an  Stelle  des  ehemaligen  Pferdestalles). 

Holzstiegen,  mit  flachbogigen  Tonnen  überwölbt,  verbinden  die  Geschosse  miteinander.  Im  I. — III.  Stock 
in  der  Mitte  je  ein  mit  einer  rundbogigen  Tonne  gewölbter  geräumiger  Gang,  im  IV.  Stock  flachgedeckter 
Gang.  Im  Südwesteckzimmer  im  I.  Stock  schöner  Holzplafond  mit  tiefen,  von  Perlstäben  umrahmten 


Fig.  53    Goldenstein,  Grundriß  des  zweiten  Stockes  1  :  200  (S.  56) 

Kassetten;  Ende  des  XVI.  Jhs.  Im  O.  Tür  in  Holzrahmung,  mit  seitlichen  Pilastern,  Gesims  mit  Triglyphen; 
in  der  Tür  selbst  zwei  quadratische  Felder  mit  Intarsiaornamenten,  oben  gelb  auf  schwarzem  Grunde, 
unten  umgekehrt.  Ende  des  XVI.  Jhs.  —  Im  S.  Tür  in  ähnlicher  Holzrahmung;  die  beiden  einfachen 
Füllungen  sind  hier  von  Perlstäben  umrahmt.  Kleiner  Wandschrank  mit  geschnitzter  Holzumrahmung, 
XVII.  Jh. 

Statue  des  thronenden  hl.  Wolfgang,  95  cm  hoch,  Holz,  neu  polychromiert,  mit  Beil  und  Buch  in  den  Statue. 

Händen.    Sehr  gute  salzburgische  Arbeit  vom  Anfange  des  XVI.  Jhs.,  neu  gefaßt  (Kapelle)  (Fig.  54).  Fig.  54. 

Gemälde:  1.  106  X  90.  Tempera  auf  Holz.  Maria  Verkündigung.  Rechts  kniet  Maria,  in  blaugrünem  Gemälde. 
Gewände,  mit  einem  Gebetbuch  in  der  linken  Hand;  über  ihrem  nach  links  gewendeten  Haupte  schwebt 
die  Taube.  Links  kniet  der  Engel,  in  weißem  Gewände,  mit  einem  gemusterten  dunkelbraunen  Mantel. 
Ober  ihm  die  Halbfigur  Gott-Vaters.  In  der  linken  Hand,  mit  der  er  zugleich  den  Zipfel  des  roten 
Zeltvorhanges  wegzieht,  hält  der  Engel  ein  Zepter,  um  das  sich  ein  Schriftband  herumschlingt.  Rechts 
vorne  ein  Lilienstengel  in  einer  blau-weißen  Vase,  dahinter  ein  Betpult.  Ober  einer  braunen  Wand 
Goldgrund.  Gute  deutsche  Arbeit  aus  der  zweiten  Hälfte  des  XV.  Jhs.,  angeblich  von  Martin  Schongauer. 
Stammt  aus  der  Sammlung  Kilian  in  Zürich  (Kapelle)  (Fig.  55).  Fig.  55. 

XI  8  . 


58 


Oerichtsbezirk  Salzburg 


2.  73  X  38.  Tempera  auf  Holz.  Die  hl.  Barbara,  Halbfigur,  in  grauem  Kostüm,  rotem  Mantel,  mit  Krone, 
Buch,  Kelch.    Im  Hintergrunde  grüner  Teppich,  darüber  Gewölbe  mit  drei  rundbogigen  Fenstern.    Teil- 

Fig.  56.         weise  übermalt.   Deutsches  Bild,  um  1500.   Stammt  aus  der  Sammlung  Kilian,  Zürich  (Kapelle)  (Fig.  56). 

3.  48  X  27.  Tempera  auf  Holz.  Halbfigur.  Der  hl.  Apostel  Philippus,  mit  langem,  braunem  Haar  und 
Bart,  rotem  Gewände,  grünem  Mantel,  mit  einem  großen  Doppelkreuze  in  der  Hand.  Gelber  Nimbus, 
schwarzer  Hintergrund.  Links  oben  Signatur  M  in  W.  Stark  übermalt.  Auf  der  Rückseite  bemalt  mit 
gotischen  Ranken,  Grün  auf  Schwarz.    Deutsch,  um  1500  (Kapelle). 


Fig.  54    Goldenstein,  Holzfigur,  St.  Wolfgang,  um  1500  (S.  57) 


4.  Pendant  dazu.  Der  hl.  Apostel  Jakobus  Maior,  mit  langem,  braunem  Haar  und  Bart,  braunem  Piigerhut, 
rotem  Mantel,  mit  Buch  und  Stab.    Oben  dieselbe  Signatur  M  in  W.    Von  derselben  Hand,  im  Gewände 

Fig.  57.         stark  übermalt.    Rückseite  wie  oben  bemalt  (Kapelle)  (Fig.  57). 
Beide  Tafeln  stammen  aus  der  Sammlung  Kilian,  Zürich. 

5.  48  X  40.  Tempera  auf  Holz.  Der  hl.  Josef  und  die  hl.  Maria  im  Tempel.  Halbfiguren.  Josef  mit 
braunem  Untergewande,  rotem  Obergewande,  grünem  Mantel,  mit  einem  Stock  in  der  linken  Hand,  die 
rechte^  erhebend.  Rechts  Maria  mit  gefalteten  Händen;  weißes  Kopftuch,  rotbraunes  Gewand,  grüner 
Mantel.  Goldener  Nimbus.  Im  Hintergrunde  rundbogiges  Doppelfenster  mit  Ausblick  auf  grüne  Berge, 
darüber  Goldgrund  mit  eingeschnittenen  Ranken.    Gutes  deutsches  Bild. 

Aui    der    Rückseite    Fragment    aus    einer    größeren    Geißelung    Christi,    ein    bärtiger    Knecht,    der    die 
Flg.  58.         Geißel  erhebt.    Anfang  des  XVI.  Jhs.  (um  1510)  (Fig.  58).    Stammt  aus  der  Sammlung  Kilian  in  Zürich 
(Kapelle). 


I 


Schloß  Ooidenstein 


59 


6.  29  X  40.  Tempera  auf  Holz.  Der  hl.  Hieronymus,  in  Halbfigur,  hinter  einem  Tische  stehend,  auf  dem 
ein  Zettel,  ein  aufgeschlagenes  und  ein  geschlossenes  Buch  mit  Brille  liegt.  Links  auf  einem  Postamente 
Totenkopf,  Kruzifix,  Leuchter,  Kerze.  Auf  einem  Regal  oben  Apfel,  zwei  Gläser,  Schachtel.  Rechts  durch 
ein  Fenster  Ausblick  auf  eine  Landschaft.  Gutes  deutsches  Bild  aus  dem  Anfange  des  XVL  Jhs.  Stammt 
aus  der  Sammlung  Kilian,  Zürich,  angeblich  von  Quentin  Matsys  (Krankenzimmer). 

7.  56  X  54.  Tempera  auf  Holz.  Verspottung  und  Dornenkrönung  Christi.  Vor  Christus  knien  zwei  Männer, 
die  ihn  verhöhnen,  hinter  ihm  stehen  zwei  andere,  die  ihm  den  Dornenkranz  ins  Haupt  schlagen.  Rechts 


Fig.  55    Ooidenstein,  Gemälde,  Maria  Verkündigung,  Ende  des  XV.  Jhs.  (S.  57) 

ein  fünfter  Knecht  mit  einem  Gefäß  in  der  Hand,  links  zwei  Pharisäer.    Gute  süddeutsche  Arbeit,  vom 
Ende  des  XVI.  Jhs.    Stammt  aus  der  Sammlung  Kilian,  Zürich  (Kapelle). 

I  8.  59  X  45.  Tod  des  hl.  Franz  Xaver.  Zu  Häupten  des  sterbenden,  am  Boden  einer  Strohhütte  liegenden 
j  Heiligen  zwei  Engel.  Oben  vier  Cherubsköpfe.  Gutes  deutsches  Bild  vom  Ende  des  XVII.  Jhs.  Stammt 
I  aus  der  Sammlung  Kilian,  Zürich  (Kapelle). 

9.  72  X  106.  Halbfigur  einer  Äbtissin  in  weißem  Habit  mit  schwarzem  Kopftuche.  Links  unten  Doppel- 
L  Wappen  und  die  Inschrift:  Maria  Benedicta  aetatis  51,  1742.  Stammt  aus  dem  Kloster  Lichtental  in  Baden. 

10.  30  X  20.    Öl   auf  Holz.     Zwei  Bildchen,  die  Madonna  und  der  hl.  Josef,     Halbfiguren;    vergoldete 
1  Rocaillenrahmen.    Um  1760.    Stammen  aus  dem  Schlosse  von  Rastatt  in  Baden  (Kapelle). 

j  11.  70  X  88.  Christus  am  Ölberge,  vom  Engel  getröstet.  Rechts  die  schlafenden  drei  Apostel.  Dahinter 
'  der  Zug  der  Soldaten.    Skizzenhafte,  aber  gute  deutsche  Arbeit,  Mitte  des  XVIII.  Jhs.  (Kapelle). 


60 


Oerichtsbezirk  Salzburg 


Fig.  59. 


12.  77  X  114.  Kreuzaufrichlung.  Gute  Kopie  des  XVlll.  Jhs.  nach  Rubens.  Aus  der  Sammlung  Kilian, 
Zürich  (Kapelle). 

13.  173  X  87.  Eine  Europa  darstellende  Frau  (angeblich  die  Markgräfin  Sibilla  von  Baden),  im  Gebete 
kniend  vor  den  fünf  Wunden  Christi.  Zu  den  Füßen  der  Frau  liegen  vier  Kronen  und  die  Tiara.  Rechts 
von  ihr  die  Vertreterinnen  Afrikas,  Asiens  und  Amerikas,  eine  Negerin,  eine  Asiatin  und  eine  Indianerin, 
andächtig  emporblickend.  Oben  vor  Wolken  die  Hände,  Füße  Christi  mit  den  Wundmalen  und  da- 
dornenumrankte  durchbohrte  Herz.  Daneben  zwei  Paare  von  Cherubsköpfchen.  Darüber  die  Taube  de^ 
Hl.  Geistes  und  Gott-Vater.  Gutes  deutsches  Bild,  signiert:  J.  W.  Hauwiller  Pinxit  7770  (Kapelle)  (Fig.  59). 


Fig.  56 
Ooldenstein,  Tafelbild,  St.  Barbara,  um  1500  (S.  58) 


Fig.  57 
Ooldenstein,  Gemälde,  St.  Jakob  d.  Ä.,''umil500  (S.  58) 


14.  173  X  87.  Anbetung  der  hl.  drei  Könige.  Ebenfalls  von  Hauwiller,  1770,  nicht  signiert  (Kapelle). 

15.  106  X  74.  Apotheose  des  hl.  Johann  von  Nepomuk.  Vor  der  in  den  Wolken  thronenden  Madonna, 
auf  deren  Sclioß  das  Christkind  steht,  kniet  auf  einer  Wolke  der  hl.  Johann  von  Nepomuk,  mit  seiner 
von  fünf  Sternen  umgebenen  Zunge  in  der  Hand.  Eine  Schar  von  Cherubsköpfchen  und  Putten  mit 
Atiributen,  die  auf  sein  Martyrium  Bezug  haben,  umgibt  ihn.  Oben  in  hellem  Lichtglanze  Cherubsköpfe 
und  zwei  Putti  mit  einer  Rosengirlande.  Gutes  süddeutsches  Bild  aus  dem  Anfange  des  XVIII.  Jhs. 
(Sakristei).  Stammt  aus  Rastatt. 

"^^•■J^  T^^^'J^y^^-  ^^^'  Brustbilder,  der  hl.  Meinrad  und  der  hl.  Konrad  von  Konstanz.  Mittelmäßige 
Süddeutsche  Bilder  des  XVIII.  Jhs.    (Sakristei.) 

17.  2S  X  19.    öl  auf  Holz.    Der  hl.  Johann  von  Nepomuk  absolviert  in  der  Beichte  die  Königin; 
Hintergründe  der  Bruckensturz,  oben  Putten.    Gutes  badisches  Bild,  Anfang  des  XVIII.  Jhs.  (Sakristei) 


im 


I 


Schloß  Goldenstein 


61 


18.  93  X  83.  Porträt,  Halbfigur.  Ludwig  von  Alt,  Besitzer  von  Goldeiistein;  ein  alter  Herr  mit  langem, 
grauem  Bart,  in  schwarzem  Gewände  mit  braunem  Pelzbesatz.  In  den  Händen  hält  er  einen  Brief  und 
ein  Paar  Handschuhe.  Rechts  oben  sein  Wappen  und  die  Inschrift:  Aetatis  suae  60,  anno  1586.  Gutes  Bild, 
teilweise  übermalt  (Speisesaal). 

19.  144  X  88.  Porträt,  Halbfigur.  Raimund  von  Rehlingen,  Besitzer  von  Goldenstein.  Jüngerer  Mann  mit 
brauner  Perücke,  in  schwarzem  Talar.  Im  Hintergrunde  Ansicht  von  G.  Mittelmäßig,  um  1700  (Speisesaal). 

20.  57  X  44.  Brustbild  eines  laiigbärtigen  Greises  mit  einem  Krückstock  und  einem  Rosenkranz  in  der 
linken  Hand.    Gutes  süddeutsches  Bild,  um  1700.    Stammt  aus  der  Sammlung  Kilian,  Zürich. 


Fig.  58    Qoldenstein,  Tafelbild,  St.  Josef  und  Maria,  Anfang  des  XVI.  Jhs. 

(um  1510)  (S.  58) 

21.  80  X  64.    Porträt,  Halbfigur.    Markgraf  August  Georg   von  Baden,   Stifter   des   Klosters;    mit  Zopf- 
j  perücke,  Brustpanzer,  goldgesticktem  rotem  Frack,  hermelingefüttertem  blauem  Mantel.   Rechts  Helm  und 

Krone.   Mittelmäßige  badische  Arbeit,  um  1770.  (Aus  Rastatt.) 

22.  Pendant,  seine  Gemahlin  Maria  Viktoria,  geborene  Herzogin  von  Aremberg,  in  spitzenbesetztem  rotem 
Kleide,  mit  Häubchen.  Ihr  linker  Arm  ruht  auf  einem  Aufrisse  des  Klosters.  Von  derselben  Hand  (Aus 
Rastatt.) 

23.  64  X  91.  Auszug  des  Noah  aus  der  Arche.  Voran  ein  Hirt  mit  Ziegen,  dann  ein  Knabe,  auf  einem 
Schimmel  reitend,  gefolgt  von  einem  Mann  und  einer  Frau,  dahinter  Rinder,  Maultiere,  Schafe,  ein 
Kamel.  Ganz  rechts  Noah,  emporblickend  zur  Figur  Gottes.  Rechts  eine  Frau,  ein  Bündel  packend. 
Gutes  italienisches  Bild  in  der  Art  der  Bassani,  angeblich  von  Jacopo  Bassano.  Ende  des  XVI.  Jhs.  Aus 
der  Sammlung  Kilian,  Zürich. 


62 


Oerichtsbezirk  Salzburg 


24.  109  X  90.  Der  hl.  Petrus,  vor  dem  Kruzifix  kniend.  Mittelgutes  Bild,  Anfang  des  XVllI.  Jhs.  (Aus 
Rastatt.)   (I.  Stock,  kleines  Zimmer) 

25.  156  X  68.  öl  auf  Holz.  Immakulata,  auf  Erdkugel,  Schlange,  Mond  stehend.  Oben  zwei  Putti  mit 
einer  Rosenkrone,  unten  die  armen  Seelen  im  Fegefeuer.  Mittelmäßiges  salzburgisches  Bild  aus  dem 
Anfange  des  XVIII.  Jhs. 

26.  96  X  71.  Maria  Verkündigung.  Von  links  oben  schwebt  der  Engel  zu  der  vor  ihrem  Betpulte  knienden 
Madonna  herab,  welche  die  Hände  über  der  Brust  kreuzt.  Im  Hintergrunde  die  Apsis  einer  Säulenhalle. 
Gutes  badisches  Bild  aus  der  Mitte  des  XVIII.  Jhs.    Stammt  aus  Rastatt. 

27.  71  X  41.  Öl  auf  Kupfer.  Zu  den  Füßen  eines  von  Engeln 
getragenen  Kruzifixes  kniet  die  hl.  Maria  Magdalena.  Links 
steht  ein  hl.  Abt,  hinter  ihm  ein  Putto  mit  Pastorale  und 
Intel.  Am  Boden  vor  ihm  liegen  Krone  und  Schwert.  Oben 
Gott-Vater.  Am  Rahmen  Rocaillen.  Gutes  Salzburger  Bild 
aus  der  Mitte  des  XVIII.  Jhs.  (I.  Stock,  Gang). 

28.  36  X  77.  Illustration  zu  Matthäus,  Kapitel  7,  Vers  6. 
Links  ein  Jüngling,  von  Hunden  angefallen.  Andere  Hunde 
zerreißen  die  am  Boden  liegenden  hl.  Schriften.  Rechts 
Schwarzwaidlandschaft  mit  Fachwerkhäusern  und  einer  Stein- 
brücke. Am  Himmel  ein  Gewitter.  Gutes  badisches  Bild  aus 
der  Mitte  des  XVIII.  Jhs. 

29.  Pendant  dazu.  Illustration  zu  Matthäus,  Kapitel  7,  Vers  6. 
Links  ein  Schwarzwalddorf,  rechts  ein  Jüngling,  der  Ge- 
schmeide und  Perlen  vor  die  Säue  wirft.  Von  der  gleiciien 
Hand. 

30.  142  X  97.  Vier  Bilder  in  geschwungenem  schwarzem 
Rahmen,  aus  dem  Kloster  St.  Mergen  auf  dem  Schwarzwalde 
stammend  (III.  Stock,  Saal): 

a)  Der   hl.  Dominikus    übergibt   dem   König   Alphons   von 
'Kastilien  einen  Rosenkranz.  Links  der  siegreiche  Reiterkampf 

mit  den  Mauren.  Oben  auf  Wolken  die  Mutter  Gottes  mit 
dem  Kinde,  von  Cherubsköpfchen  und  Putten  mit  Rosen- 
girlanden umgeben. 

b)  Der  hl.  Augustinus  begibt  sich  mit  seinen  Mitbrüdern 
zum  Mahle.    Rechts  ein  die  Lektion  haltender  Chorherr. 

c)  Der  hl.  Petrus  Forerius  inmitten  von  Kindern. 

d)  Der  hl.  Kardinal  Quarinus  verteilt  Geld  unter  die  Armen. 
Sehr  gute,  flott  und  breit  gemalte  badische  Arbeiten,  um  1760. 

31.  96  X  60.  Christus  tot  am  Kreuze.  Gutes  Bild,  signiert: 
P.  F.  Nicodemo  pinxit  1764.    Aus  der  Sammlung  Kilian. 

32.  170  X  84.  Die  Immakulata,  auf  der  Erdkugel  stehend, 
mit  dem  Fu(3  auf  den  Kopf  der  Schlange  tretend,  mit  dem 
Lilienstengel  in  der  Hand.  Oben  die  Taube  und  vier  Cherubs- 
köpfe. Sehr  gute  Arbeit,  signiert:  J.  W.  Hauwiller  pinx. 
1771.  Geschenk  der  Markgräfin  Maria  Viktoria  von  Baden 
(III.  Stock). 

33.  Pendant  dazu.  Der  hl.  Bernhard,  Markgraf  zu  Baden, 
in  voller  Rüstung,  mit  Fahne  und  Schild.  Gutes  Bild,  von 
gleicher  Hand  wie  das  obige,  datiert  1772.  Beide  stammen 
aus  Baden  (Speisesaal). 

34.  183  X  121.  Der  hl.  Aloisius,  betend  (Speisesaal). 

35.  141  X  178.  Saulus  wird  durch  Ananias  von  der  Blindheit  befreit.  Gutes  Salzburger  Bild  aus  der 
Mitte  des  XVIII.  Jhs.  (von  König,  17631?]).    Stammt  aus  St.  Peter  (Speisesaal). 

36.  Pendant  dazu.  Der  hl.  Petrus  und  der  Zauberer  vor  Kaiser  Nero.  Von  der  gleichen  Hand  (Speisesaal). 

37.  78  X  62.    Mater  dolorosa.    XVIII.  Jh.    (Aus  Rastatt.)    (I.  Stock.) 

38.44x66.  Öl  auf  Leinwand.  Serie  von  elf  Bildern.  Szenen  aus  dem  Leben  des 
h  1.  B  e  n  e  d  i  k  t  (Klausurtrakt). 

a)  St.  Benedikt  verläßt,  von  Engeln  geleitet,  die  Welt,  um  sich  in  die  Einsamkeit  zurückzuziehen.  (Durch 
Anbrennen  beschädigt.) 


Fig.  59    Goldenstein,  Anbetung  der  fünf  Wunden 
Christi  durch  die  vier  Erdteile,  von  J.  W.  Hau- 
willer, 1770  (S.  60) 


Schloß  Qoldenstein 


63 


l ,^_-,^_.._. 

Korb  mit  Brot  herab,  den  ihm  der  Teufel  zu  entreißen  sucht. 

c)  Der  junge  Heilige  sitzt  mit  seinem  Gefährten,  der  ihm  am  Ostertage  Speise  gebracht  hat,  in  seiner 
Höhle  betend  vor  dem  gedeckten  Felsentische.    Oben  zwei  Cherubsköpfchen,  unten  der  Rabe  (Fig.  60). 

d)  Landleute  bringen  dem  jungen  Heiligen  Speise  und  Trank. 

e)  Der  hl.  Benedikt  empfängt  an  der  Klosterpforte  mit  drei  Mitbrüdern  zwei  vornehm  gekleidete  Knaben, 
Maurus  und  Plazidus,  die  von  ihrem  Vater  geleitet  werden. 

/)  Der  Heilige,  bärtig,  mit  dem  Pektorale,  nimmt  mit  offenen  Armen  einen  Jüngling  in  weltlicher  Tracht 

auf,  der  sich  an  der  Klosterpforte  mit  bittend  erhobenen  Armen  vor  ihm  niedergeworfen  hat. 

g)  Der  hl.  Maurus  zieht,  auf  dem  Wasser  schreitend,  den  versinkenden  Plazidus  empor.    Rechts  stehen, 

unter  einem  Portal  der  hl.  Benedikt  und  zwei  Mönche. 

h)  Der  König  Totila,  dessen  Mantelschleppe  von  zwei  Pagen  getragen  wird,  kniend  vor  dem  hl.  Benedikt. 

Rechts  ein  Diener  mit  dem  Zepter  auf  einem  Polster  und  zwei  Krieger. 


Fig.  60. 


Fig.  60     üoldeiistein,  St.  Benedikt  mit  seinem  Gefiilirten  in  der  Hölile.    Skizze  von  F.  X.  König,  1757  (S.  63) 


/!)  Der  hl.  Benedikt  und  die  hl.  Scholastika  in  einer  Säulenhalle,  neben  einem  runden  Tische  sitzend.  Der 
'  Heilige,  der  ein  Buch  im  Schöße  hält,  erhebt  verweisend  die  Hand,  seine  Schwester  kreuzt  die  Hände 
1  über  der  Brust.    Durch  die  Pfeiler  sieht  man  auf  die  Landschaft  mit  Gewitter  und  Hagelwetter  hinaus. 

k)  Links  der  Heilige  in   seiner  Zelle,  am  Betpulte  kniend,  zu  einer  weißen  Taube  emporblickend,  der 
1  entschwebenden  Seele  der  hl.  Scholastika,  die  man  rechts  durch  eine  offene  Tür  am  Sterbebette  liegen 
t  sieht.    Neben  ihr  drei  Nonnen. 
i  /)  Tod  des  hl.  Benedikt.  Links  der  greise  Heilige,  sterbend  in  die  Arme  seiner  Mitbrüder  zurücksinkend. 

Rechts  am  Altar  ein  segnender  Priester  mit  einem  Ministranten.    In  der  Mitte  oben  die  entschwebende 

Seele  des  Heiligen  in  Gestalt  einer  kleinen  nackten  Figur  auf  einer  hellen,  von  Öllämpchen  eingesäumten 

Lichtstraße. 

Sämtliche  Bilder  von  einer  Hand,  vorzüglich  gemalt,  von  F.  X.  König,  1757,  wie  die  folgenden. 

'39.  44  X  66.    Serie  von  fünf  Bildern.    Szenen    aus   dem    Leben   der   Salzburger   Heiligen 

Rupert,  Virgil   und  Vital  (1.  Stock,  Gang). 

\a)  Der  Bayernherzog  Theodo  übergibt  dem  hl.  Rupert  die  Schenkungsurkunde  über  Salzburg.  Links 
I  Gefolge  des  Herzogs,  rechts  vier  assistierende  Mönche.  Im  Hintergrunde  rechts  die  Taufe  des  Herzogs 
'durch  den  hl.  Rupert,  darüber  die  Zerstörung  eines  Götzenbildes. 

b)  Der  Schrein  mit  den  Gebeinen  des  hl.  Amand  wird  von  den  Mönchen  und  dem  hl.  Rupert  in  feier- 
llichem  Zuge  nach  St.  Peter  geleitet  (Fig.  61). 


Fig.  61. 


64 


öerichtsbezirk  Salzburg 


c)  Der  hl.  Rupert,  in  vollem  bischöflichen  Ornat,  übergibt  am  Altar  dem  vor  ihm  knienden  hl.  Vital  als 
seinem  Nachfolger  das  Pastorale.    Ein  Diakon  hält  eine  zweite  Infel  bereit.    Links  zwei  Mönche. 

d)  Der  Tod   des  hl.  Rupert.    Der  Heilige   sinkt   beim  Zelebrieren  der  hl.  Messe  sterbend  in  die  Arme 
Fig.  62.         zweier  Diakone.    Rechts  drei  assistierende  Mönche  mit  Leuchter,  Pedum  und  Infel  (Fig.  62). 

e)  Wunder  am  Grabe  des  hl.  Vitalis.  Zu  beiden  Seiten  des  Sarkophages  des  Heiligen  knien  links  ,eine 
Frau  mit  einem  kranken  Kinde  und  ein  geheilter  Lahmer,  rechts  ein  greiser  Lahmer  mit  einem  Kinde 
und  einer  Frau. 

Diese  vorzüglich  erhaltenen,  sehr  flott  und  mit  kräftigem  Strich  gemalten  16  Bilder  sind  die  Original- 
skizzen des  Salzburger  Malers  Franz  Xaver  König  zu  seinen  20  großen  Leinwandbildern,  welche 
die  Hochwände  des  Mittelschiffes  der  Abteikirche  St.  Peter  in  Salzburg  schmücken.  Vier  Skizzen  wurden 
vor  einigen  Jahren  nach  St.  Peter  übertragen.  Alle  sind  im  Jahre  1757  entstanden  (vgl.  Österr.  Kunsttop. 
Band  XII,  S.  CLII,  8,  133). 


Fig.  61     Goidenstein,  St.  Rupert  bringt  die  Gebeine  des  hl.  Amand.     Skizze  von  F.  X.  König,  1757  (S.  63) 

40.  103  X  86.  Der  hl.  Ludwig  von  Toulouse  vor  dem  Kruzifix  kniend.  Gutes  Bild,  Anfang  des  XIX.  Jhs. 
(Aus  Rastatt.)    (1.  Stock.) 

41.  57  X  64.  Öl  auf  Holz.  Katze  im  Gesträuch,  mit  einem  Vogel  in  den  Krallen.  Feinpinselig  gemalt, 
1815.    Aus  Rastatt.    (Speisesaalgang.) 

42.  Pendant  dazu.    Fuchs  im  Gesträuch  (ebenda). 

43.  44  X  55.  Öl  auf  Holz.  Zwei  Genrebilder,  Hirt  mit  Rindern  und  Ziege.  Gute  deutsche  Bilder  nach 
niederländischer  Art,  XVII.  Jh.    Aus  Rastatt.    (Speisesaal.) 

44.  34  X  42.  Genrebild.  Ein  Reiter,  zwei  Männer  mit  Hunden  und  ein  Mann  mit  einem  Schimmel  vor 
einer  Hütte  mit  zwei  Frauen.  Skizzenhaftes  mittelmäßiges  deutsches  Bild  nach  niederländischer  Art, 
Anfang  des  XVIII.  Jhs.    Aus  der  Sammlung  Kilian. 

45.  Pendant  dazu.    Ähnliches  Motiv.    Von  derselben  Hand  (I.  Stock). 

46.  23  X  31.  Marine  mit  Segelschiffen.  Vorn  in  einem  Kahn  ein  Trompeter.  Mittelgut,  holländisch, 
XVll.  Jh.    Aus  der  Sammlung  Kilian. 

47.  48  X  57.  Zwei  Hafenbilder  mit  zahlreichen  Schiffen;  eines  mit  Walfischjagd,  das  andere  signiert: 
V.Velden.  Deutsche  Kopien  des  XVII.  Jhs.  nach  holländischen  Bildern.  Aus  der  Sammlung  Kilian.  (1.  Stock  i 
Alle  im  Zimmer  mit  der  Kassetten  decke. 


Scliloß  Qoldenstcin 


65 


48.  71  X  172.  Ansicht  des  Schlosses  Goldeiistein  von  S.,  mit  Meierhof  und  Dorfkirche.  Im  Hintergrunde 
Salzburg.  Um  1700  (Speisesaal)  (Fig.  50). 

49.  44  X  76.  Zwei  Landschaften,  eine  mit  einem  Jäger,  die  andere  mit  Hirten  und  Herde.  Skizzenhafte 
Arbeiten,  Mitte  des  XVIII.  Jhs.    Aus  der  Sammlung  Kilian.    (I.  Stock.) 

50.  43  X  64.  Vier  Aquarelle;  Ansichten  des  Klosters  Goldenstein  von  W.,  S.,  O.,  N.  von  Louis  Wal lee, 
um  1830  (Speisesaal). 

45  X  33.   Relief  aus  vergoldetem  Stuck,  Kopf  Christi  in  Profil.    Gut,  Ende  des  XVIII.  Jhs. 

Holz,  alt  polychromiert.   Kopie  der  Mutter-Gottes-Statue  von  Altötting,  XVIII.  Jh. 

Möbel  (in  der  Sakristei):    1.   Sakristeischrank,    niedrig,    Holz,    braun    gebeizt.    Zweiflügelig,    mit    drei 
Pilastern  und  zwei  von  Perlstäben  umrahmten  Feldern.     Mitte  des  XVII.  Jhs. 
2.  Niedriger  Sakristeischrank,  ähnlich,  aber  ohne  Pilaster.    Mitte  des  XVII.  Jhs. 


Möbel. 


Fig.  62    Goldenstein,  Tod  des  hl.  Rupert.    Skizze  von  F.  X.  König,  1757  (S.  64) 


3.  Hoher  Paramentenschrank,  Holz,  braun  gebeizt,  schön  geschnitzt.  Drei  nach  unten  sich  verjüngende 
geschuppte  Pilaster  auf  Postamenten.  Zwei  rechteckige  Felder  in  Schuppenrahmen,  mit  Gebälk  und 
Volutengiebeln.  Darüber  Perlgesims,  Fries  mit  Triglyphen,  Zahnschnitt,  Abschlußgesims  mit  Perlstab.  Sehr 
schöne  Salzburger  Arbeit,  Mitte  des  XVII.  Jhs. 

Monstranz:  Kupfer,  vergoldet.  Knauf  in  Form  einer  Rocaillenvase.  Um  das  Gehäuse  Rahmen  in  Form 
eines  flammenden  Herzens  mit  runder,  von  Rosen  umwundener  Öffnung,  dahinter  doppelter  Strahlen- 
kranz.    Mitte  des  XVIII.  Jhs.     Stammt  aus  Rastatt. 

Kelch:  Silber,  vergoldet.  Reich  verziert  in  getriebener  Arbeit.  Am  runden  Fuße  drei  Cherubsköpfe  und 

'  vier  ovale  Medaillons  mit  den  eingravierten  Figuren  der  Hl.  Rupert  und  Vital  und  den  Leidenswerkzeugen. 

Knauf  mit  vier  Kartuschen.  Cuppakorb  mit  getriebenen  Blumen  und  vier  Medaillons  mit  den  Halbfiguren 

Christi  mit  dem  Kreuze,  mit  Geißel  und  Rutenbündel  mit  Schilfrohr.  —   Marken:  Salzburger  Beschau- 


zeichen. Meisterzeichen: 


HI 


g    in  Dreipaß.  Schöne  Arbeit  des  Hans  Jakob  Scheibsradt  in  Salzburg, 
um  1660.    Stammt  aus  St.  Peter. 

Kasel:  Silber-  und  Goldbrokat.  Mittelstück  rote  Rosen  mit  grünen  Blättern,  gehäkelt  in  Seide  auf  Silber- 
grund. Unten  das  Wappen  der  Markgräfin  Maria  Viktoria  von  Baden,  in  Seide,  Silber  und  Gold  gestickt. 
Anfang  des  XVIII.  Jhs. 

1 


Monstranz. 


Kelch. 


Kasel. 


66 


Oerichtsbezirk  Salzburg 


Fig.  63    Eugendorf,  Gesamtansicht  von  Süden  (S.  69) 


Eugendorf,  Dorf 

Archivalien:  Stiftsarchiv  Seel<irchen  (Kirchenrechnungen  1593—1619  und  Ai<ten  XLV  2).   —    Pfarrarchiv  (Kirchenrechnungen  seit 
1620,  Lücke  1725—1740).  —  Konsistorialarchiv. 

Literatur:  Pillwein,  Salzachkreis  372.  —  Dürlinoer,  Handbuch  36. 

Alte  Ansichten:  Zwei  Gemälde,  um  1820,  Im  Pfarrhof. 

Herzog  Hugbert  von  Bayern  (er  regierte  bis  735)  gab  an  die  Salzburger  Kirche  9  Hüben  Jn  villa  que  liicittir  Jiipindorf-, 
Auch  in  der  Folge  wird  Hiupandorf,  Jiopindorf  noch  öfters  genannt  (HAUTHALER,  U.-B.  1.  25, 149,  242,  471).  In  späterer 
Zeit  war  E.  auch  Sitz  eines  Gerichtes,  das  bis  1326  Konrad  von  Wartenfels  und  dann  bis  1333  Konrad  von  Kaiharn  inne- 
hatte.   In  der  Folge  gehörte  es  als  Schranne  zum  Pfleggerichte  Neuhaus  (vgl.  RICHTER,  Unters.  703  f.). 

Pfarrkirche.    Pfarrkirche  zum  hl.  Martin. 

Das  älteste  Kirchenverzeichnis  in  der  Notitia  Arnonis  (IX.  Jh.)  nennt  auch  Ad  Jubindorf  eccl.  cum  rtianso  I 
(Hauthaler,  U.-B.  1,  11).  Am  1.  Februar  1380  verlieh  Bischof  Konrad  von  Regensburg  der  Pfarrkirche  zu 
Seekirchen  und  ihrer  Filiale,  der  St.  Martinskirche  zu  Eugendorf,  Ablaß  (Original  in  Seekirchen).     1390 
stiftete  Pfarrer  Ulrich  von  Seekirchen  in  Eugendorf  eine  Wochenmesse. 
Wir  lassen  die  Auszüge  aus  den  Kirchenrechnungen  folgen: 

1593  wird  eine  Tafel  zu  den  3  Kreuzen  (Feldkapelle  [?])  gemacht.  —  1598:  Jörg  Hauch,  Uhrmacher  und  Schlosser,  für 
eine  Uhr  45  fl.  —  1599:  Dem  Maler  von  dem  jüngsten  Gericht  zu  malen  10  fl.,  von  den  neuen  Figuren  und  dem 
Thurm  6  fl.  Iß  18  i},.  —  1611:  Für  die  Kreuzsäul  auf  dem  Feld  zu  Eugendorf  für  Anstreichen  und  Malen,  auch  für 
den  darzuegebnen  Bischof  S.  Martini  und  für  2  Paar  Leuchter  8  fl.  —  Zu  dem  Kreuz  in  Praittenstigen  ein  Tafel 
malen  lassen  15  fl.  —  Visitation  von  1614:  Sacramentum  a  cornu  dextero  altaris  in  tabernaculo  ligneo  depicto  muro 
affixo  et  cancellis  clausa  asservatur.  2  Seitenaltäre,  rechts:  in  hon.  s.  Floriani:  links:  in  hon.  s.  Sebastiani.  —  1626: 
Dem  Maller  wegen  der  2  großen  Urbletter,  audi  für  das  ciain  in  der  Kirchen  und  für  die  Sohnenuhr  zu  mallen  und 
zu  vcrrcnovirn  16  fl.  —  1634:  Dem  Michael  Kriechauer,  Zimmermann  zu  Eugendorf,  von  den  neuen  Stielen  u.  a.  48  fL 
4 ß  8  ^.  —  1635:  dto.  von  dem  grienen  Gadter  bei  U.  L.  Fr.  Altar  30 ß.  —  1637  wurde  der  Hochaltar  renoviert.  Dem 
Maler  wegen  der  Ulirstendt  zu  renovieren,  Leuchter  auf  den  hilzern  Gatter  beym  Altar  5  fl.  Dem  Maler  umb  eilich 
Suchen  zum  Kripl  zu  malen  2  fl.  30.  Dem  Tischler  wegen  seiner  gethanen  Arbeit  beym  Altar  27  fl.  10  ß.  Von  wegen 
der  Altarbilder  Tragerlohn  30 ß.  Dem  Maurer,  dass  er  die  Löcher  zum  Fürhang  für  den  Hochaltar  ausgebrochen  15  kr. 
Als  man  den  Altar  (von  Salzburg!?])  herausgeführt  10  kr.  —  1639:  Umb  ein  neues  kupfernes  und  guet  vergoldts  Kreuz 
dem  Goidschmid  16  fL  —  1652  wird  der  neue  .Schacher  bei  der  Straß-  aufgerichtet.  —  1653:  Dem  Maler  für  2  Dafln 


■ 


Eügendoff  6f 


dorthin  6  fl.  20  kr.  —  1655:  Meister  Paul  D  egele.  Maller  zu  Hallein,  für  ein  Sonnenuhr  und  die  Uhrtafel  zu 
renovirn  7  //.  46.  —  1656:  Mathe  usen  Miller,  Barger  und  Maler  zu  Salzburg,  von  wegen  der  neuen  Parrkirchen 
und  15  Gehaimbnussen  U.  L.  Frau  darein  zu  malen  36  fl.  —  1661:  Demselben  für  St.  Martin-  und  St.  Sebastian  Pildter, 
2  Pischkrueg  zu  renovieren  und  die  12  Apostel  in  der  Kirchen  zu  malen  16  fl.  6  ß.  ~  1663:  Einen  alten  Kölch  sambt 
der  Paten  umb  einen  neuen  vertauscht,  darauf  bezahlt  16  fl.  49  kr.  —  1667 :  Für  Hl.  Dreifaltigkeit,  Maria-  und  Josef- 
Bildnussen  auf  dem  Postament  2  fl.  Für  einen  Kasten  in  der  Sacristey  12  fl.  —  1668:  Für  die  neue  Tafl  U.  L.  Frau 
zu  fassen  8  kr. 

1682/83  wird  der  Choraltar  gebaut: 

Adam   Hartmann,   Bildhauer,   erhält  für  2  Seitenbllder  St.  Georg  und  Florian(l)  80  fl.,  füi 
das  Corpus  St.  Maria  in  Gloria  55  fl.,  2  Tachung-Engl  4'  hoch  6"  breit  24  fl.,  hl.  Michael  4'  15  fl. 

i  und  7  Englsköpf  7  fl.,  am  S.Oktober  zusammen  181  fl.  ausgezahlt.    Adam  Pürckmann,  Maler, 

erhält  wegen  des  Choraltars  vom  14.  Oktober  1682  bis  23.  Jänner  1684  850  fl.  Denen  Malergesöllen 

^K       wegen  gehabter  Mühewaltung  ist  auf  ihr  inständiges  Anhalten  verehrt  worden  1  fl.  30  kr.    Dem 

IB       Meister  Wolf,  Tischler  in  Salzburg,  für  an  den  Choraltar  neugemachte  Arbeit  250  fl. 

IB       Fi^f  6  geschnitzte  Leuchter  und  1  Crucifix  auf  den  Hochaltar  dem  Bildhauer  24  fl. 

'    1685:  Dem  Meister  Wolf  Schmidt,  Tischler  zu  Salzburg,  für  die  2  Seitenaltäre  (meist  von  Wohltätern 

I      bestritten)  7  //.,  dem  Adam  Pürckmann  für  die  2  Seitenaltarl  mit  gutem  Gold  planiert,  ver- 
galt und  schwarz  ausgefasst  200  fl.,  auch  4  Platl  oben  und  unten  gemalt,  in  eins  oben  St.  Catharina, 
unten  Jesus,  Maria  und  .Tosef,  das  andere  oben  St.  Barbara,  unten  St.  Antoni  de  Padua  ä  15  fl. 
30  fl.  Mer  hab  ich  dazugemacht  2  Fastentücher,  die  Crenung  und  Geißlung  Christi  16  fl. 
Wolf  Hauset,  Tischler  zu  Seekirchen,  für  das  Altargatter  4  fl.,  für  Kirchenstühle  neben  dem 
Hochaltar  39  fl.,  für  Umsetzung  der  Kanzel,  für  die  Auszug  vor  St.  Josefsaltar  24  kr.    Dem 
Adam  Pürckmann  für  Fassung  der  Canzl,  des  Altargätters  und  Opferstockes  70  fl. 
Dem  Meister  Wolf  Schmidt  für  2  große  Wandleuchter  zum  Hochaltar  u/id  zum  Wetterkreuze 
5  fl.  15  kr. 
1689:  Dem  Bildhauer  zu  Laufen  für  2  Leuchter,  ein  Postament  sambt  Macherlohn  6  fl. 

Wahrscheinlich  1684  gießt  Johann  Nusspicker,  bürgerlicher  Stuck-  und  Glockengießer  eine  Glocke 
um  (15  fl.  6  kr.)  und  1691  wird  abermals  eine  Glocke  in  hon.  s.  Jacobi  gegossen. 

1692  wird  der  Turm  umgebaut,  was  1191  fl.  27  kr.  3  .-^^  erforderte.  Dem  Hans  Schwäbl,  Bürger 
und  Steinmetzen  (auf  den  Thurm  2  Postament  und  Kugl  gemacht)  20  fl.;  Ferdinand  Rein,  Kupfer- 
schmied in  Salzburg,  für  Kreuz,  Knopf,  Helm  und  die  Jahreszahl  80  fl.  85  kr.,  Adam  Pirckmann  für 
die  Vergoldung  des  Knopfes  und  Kreuzes  91  fl.  4  kr.,  Matthias  Wichlhamber,  Maler  in  Neumarkt, 
für  Malung  der  Uhrblätter  und  der  Sonnenuhr  11  fl. 

1693:  Adam  Pirckmann  in  die  Gruft  das  Altar l  zu  butzen,  auch  2  Todte  zu  malen  10  fl. 

1698:  Dem  Adam  Pirckmann  für  ein  Grab  Christi  zu  malen  55  fl.  Im  gleichen  Jahr  wird  eine  neue 
Emporkirche  mit  Stühlen  gemacht. 

1701:  Jeremias  Sauter  für  eine  Uhr  213  fl.  30  kr.  Ferdinand  Weilhamer,  Zinngießer  in  Salz- 
burg für  ein  Paar  Opferkandl  sammt  Blattl  3  fl. 

1702:  Ruep  Abtsmann,  Tischler  zu  Seekirchen,  für  2  Tragsiein  zu  U.  L.  Frau  und  St.  Johanns  neben 
dem  Crucifix  5  fl.  40  kr.,  Balthasar  Böckl,  Maler  in  Salzburg,  in  der  Kirchen  die  12  Apostel  in 
Lorbeerkränz  zu  malen  8  fl.,  Mathias  Fiesbauer,  Schlosser  in  Seekirchen  für  12  neue  Apostelleuchter 
4  fl.  55  kr.  —  1716:  Josef  Anton  Greissing,  bürgerlicher  Zinngießer,  für  2  Paar  neue  Leuchter 
und  eine  Ampel  22  fl. 

Am  8.  April  1718  wurde  wegen  Gießung  einer  größeren  Glocke  im  Gewichte  von  14  Zentner  mit  Bene- 
dikt Eisenberger  in  Salzburg  ein  Kontrakt  geschlossen  und  im  gleichen  Jahr  testierte  Christof 
Gschirr,  Oberkellner   in  St.  Peter,  zu    einer   kleineren  Glocke  300  fl.  — •  1723:  Anton    Greissing  für 

(Paar  neue  Leuchter  6  fl.  22  kr.  und  Aufgabe  der  alten. 
9* 


6Ö 


üericlitsbezirk  Satzburg 


1735  berichtete  der  Dechant  von  Seekirchen  an  das  Pfleggericht  Neuhaus,  dass  die  Kirche  zu  Eugendorf 
dergestalten  baufällig  sei,  dass  sie  fast  gänzlich  von  neuem  muess  repariert  und  erbaut  werden.  Zu 
diesem  Zwecke  machte  der  Hofmaurermeister  Tobias  Kendler  7  Risse  (drei  jetzt  im  städtischen 
Museum  in  Salzburg);  am  8.  April  1736  war  die  Kirche  bereits  abgebrochen;  während  des  Baues,  der 
sich  insgesamt  auf  10.372  fl.  37  kr.  3  ^  belief,  wurde  der  Gottesdienst  alternativ  in  Mühlberg  und 
Kirchberg  abgehalten.  1736  wurde  die  Kirche  durch  den  Dechant  von  Seekirchen  benediziert.  Im  April 
1737  war  das  vorgenommene  Kirchengebäu  bis  auf  das  Pflaster  zum  Ende  gelangt  (SRA  Hofk.  Neuhaus 
1737  H).  Wolf  Haas,  Schmidt  in  Eugenbach,  für  das  gemachte  neue  Kirchengätter  sambt  Schloss 
50  fl.  30  kr.,  Matthias  Gulter  und  Matthias  Wallinge r,  Steinhauer  in  Adnet,  für  die  zwei 
großen  Kirchenportale  160  fl.,  Johann  Enzinger,  Steinmetz  am  Ulrichshögel,  für  das  Pflaster,  Stiege 


h'ig.  64    Eugendorf,  Pfarrkirche  und  Pfarrliaus  von  Nordosten  (S.  69) 


und  Fensterpamb  419  fl.  28  kr.,  Ruep  Hauser,  Tischler  für  Abbrechung  der  3  Altar,  auch  die  2  Seiten- 
altär  mit  neuen  Postamenten  zu  erhöhen  49  fl.,  dto.  für  das  gemachte  Speisgätter  30  fl..  Christof 
Feninger,  Stokatorer  zu  Henndorf,  für  Verförtigung  der  Kanzl  42  fl. 

Am  10.  Dezember  1736  bekommt  der  Stiftsdechant  von  Seekirchen  die  Erlaubnis,  die  maiori  ex  parte 
reparierte  Kirche  zu  benedizieren.  1745  wird  von  Seekirchen  die  alte  aber  noch  durchgehends  saubere 
Monstranze  um  203  fl.  erkauft.  1760  wird  eine  Glocke  umgegossen.  Am  1.  Mai  1763  weiht  Erzbischof 
Sigmund  die  Kirche  persönlich  ein.  1771  erhält  Peter  Paul  Berger,  bürgerlicher  Gürtler  in  Salzburg. 
101  fl.  (wofür?).  1781  wird  die  baufällige  Kapelle  bei  den  drei  Kreuzen  von  Grund  aus  neu  gebaut. 
1784:  Stefan  Plazer,  Zinngießer,  für  zwei  Opferkandl  2  fl.  33  kr.,  1787:  Andrä  AI  tm  an  n,  Bildhauer 
zu  Neumarkt,  für  Übermachung  des  Kristum  im  Kerker  4  fl.  15  kr.  und  Georg  Mösle  aldort  für  Re- 
novierung obigen  Kristus  5  fl.  36  kr. 

1792  bewilligt  das  hochfürstliche  Konsistorium,  daß  der  alte  und  ungestaltete  Hochaltar  der  Erfordernis 
nach  ausgebessert  und  verschönert  und  hiefür  ein  Betrag  von  100  fl.  verwendet  werden  dürfe.  1802  wird 
eine  Monstranz  von   Gürtlerarbeit   auf  der  Osterdult  zu  Salzburg  um   138  fl.  gekauft.     1847  wurde  die 


Eugendorf 


69 


alte  Orgel  nach  Kirchberg  gegeben  nnd  durch  Orgelbauer  Moser  eine  neue  gebaut,  auch  die  Orgel- 
empore erneuert.  1852/56  wurde  die  Kirche  renoviert,  dabei  statt  des  Kreuzweges  von  1737  ein  neuer 
von  Rattensperger  aufgestellt.  Die  Altäre  wurden  neu  gefaßt  und  im  Schiffe  zehn  Freskogemälde 
von  Rattensperger  gemalt.  Am  Hochaltar  war  schon  damals  die  (gekleidete)  hl.  Maria.  Da  die 
Leute  deren  Entfernung  nicht  wollten,  wurde  sie  in  eine  Nische  zurückgesetzt,  ringsherum  mit  einem 
vergoldeten  Rahmen  versehen  und  auf  diese  Weise  ein  förmliches  Altarblatt  ersetzt.  1857:  Neuer  Taufstein 
durch  Steinmetz  Haslauer. 

Am  24.  Oktober  1787  wurde  in  Eugendorf  ein  Vikariat  errichtet  und  im  gleichen  Jahre  durch  Jakob 
Wagner,  Maurermeister  in  Eugendorf  —  wahrscheinlich  nach  dem  Risse  des  hochfürstlichen  Bauverwalters 
Wolfgang  Hagenauer  —  ein  Vikariatshaus  gebaut,  das  sich  auf  3636  fl.  36  kr.  3  ^|>  belief.  1857 
wurde  Eugendorf  zur  Pfarre  erhoben. 


Fig.  65    Eugcndorf,  Pfarrkirche,  Grundriß  1  :  250  (S.  70) 

Charakteristik:  Verbindung  eines  gotischen,  1692  umgebauten  Westturmes  mit  einem  1736—1737 
nach  Plänen  von  Tobias  Kendler  neu  erbauten  geräumigen,  tonnengewölblen  Langhaus  und  gleich- 
breiten  und  -hohen,  flachbogig  geschlossenen  Chor  (Fig.  63—66). 

Drei  Originalrisse  von  Tobias  Kendler  bewahrt  das  Salzburger  Museum,  zwei  Grundrisse  (einen 
mit  der  einpunktierten  gotischen  Kirche)  und  einen  Längsschnitt  {einwendtige  facciatä).  Die  alte 
gotische  Kirche  war  einschiffig  und  hatte  einen  gleichbreiten  und  gleichhohen,  in  drei  Seiten  ab- 
geschlossenen Chor,  dessen  Ostwand  bis  an  die  Stufen  des  jetzigen  Hochaltars  reichte.  Beim  Umbau 
von  1736  wurde  die  Süd-  und  Westmauer  benützt,  die  Nordmauer  niedergelegt  und  um  neun  Schuh 
weiter  hinausgesetzt. 

Lage:  Vom  Friedhof  umgeben,  mitten  im  Orte  (Fig.  63). 

Äußeres  (Fig.  64): 

Langhaus,  Chor  und  Anbauten:  Bruchstein  und  Ziegel,  verputzt  und  weiß  gefärbelt.  Turm:  Ganz  aus 
Konglomeratquadern,  mit  verputzten  Fugen.    Ungünstig  wirkt  die  moderne  hellgraue  Zinkblechdachung. 

Langhaus  und  Chor:  W.  Giebelschenkel  beiderseits  des  vorgebauten  Turmes.  Links  oben  Boden- 
fenster. —  S.  Unten  links  ein  niedriges  Fenster,  darüber  hohes,  rundbogiges  Fenster,  rechts  daneben 
rundbogiges  Portal  (von   1737)  in  rechteckiger  roter  Marmorumrahmung  mit  einem  Keilstein  und  vor- 


Charakte- 

ristik. 

f- ig.  63-66. 


Lage. 
Fig.  63. 

Äußeres. 
Fig.  64. 


Langiiaus 
und  Chor. 


;o 


öcriclitsbezirk  Salzburg 


springendem  geradem  Gesims;  darüber  hohes  rundbogiges  Fenster.  Reclits  vom  Sakristeianbau  zwei 
ebensolche  hohe  Fenster.  —  O.  Einspringender  flachbogiger  Abschluß  ohne  Fenster.  —  N.  Analoge  Fenster 
wie  im  S.  —  Hoher  Sockel  aus  Konglomeratquadern,  umlaufendes,  weit  vorspringendes  Hohlkehlgesims. 
Über  Langhaus  und  Chor  gemeinsames,  hohes,'  modernes  Zinkblechdach,  über  dem  Abschluß  abgerundet. 

Turm.  Turm:  Vor  der  Mitte  der  Westfront  des  Langhauses.    Hoher  quadratischer  Hauptteil  aus  Konglomerat- 

quadern mit  weißverputzten  Fugen,  mit  vorspringendem  Sockel;  durch  vier  einfache  steinerne  Kaffgesimse 
in  fünf  Geschosse  geteilt.  Im  W.  spitzbogige  gotische  Tür  in  Steinrahmung;  darüber  modernes  Vordach 
und  schmale  Luke.  Im  N.  Anbau  1  (Gerätekammer),  darüber  schmale  Luke.  Im  S.  Anbau  2,  darüber 
zwei  schmale  Luken.  Im  vierten  Geschosse  drei  rechteckige  hölzerne  Zifferblätter,  im  fünften  vier  spitz- 
bogige  gotische  Schallfenster.  Über  einfachem  Gesimse  ein  aufgesetztes,  gemauertes,  weiß  gefärbeltes 
Obergeschoß  von  1692  mit  acht  kleinen  Luken.  Doppelzwiebelhelm,  1907  neu  mit  Zinkblech  eingedeckt. 
Vergoldeter  Knauf  und  Kreuz. 


Fig.  66    Eugendorf,  Pfarrkirche,  Inneres  (1737)  (S.  70) 


Anbauten. 


Fried  hof- 

mauer. 

Inneres. 
Fig.  65.  65. 

Langhaus. 


Anbauten:  l.  Nördlich  vom  Turm.    Gerätekammer.    Eingeschossig.    Im  N.  Fenster,  im  W.  Tür.   Blech- 
pultdach, nach  W.  abgewalmt. 

2.  Südlich  vom  Turm,  symmetrisch  zu  1  gebaut,  im  S.  zwei  flachbogige  Fenster,  im  W.  Tür.    Dach  wie 
bei  1. 

3.  Sakristei,  im  S.  des  Chores.  Einstöckig.    Im  W.  oben  ein  Fenster,  im  S.  Tür  mit  Oberlichtfenster,  im 
O.  übereinander  zwei  Fenster.  Blechsatteldacli,  nach  S.  abgewalmt. 

Friedhofmauer:  Bruchstein,  verputzt,  mit  Falzziegeln  abgedeckt.     Im  W.  und  NO.  je  ein  Eingang 
zwischen  zwei  einfachen  Pfeilern,  im  SW.  zwischen  zwei  Pfeilern  mit  Steinkugeln. 


Modern  ausgemalt. 


Inneres  (Fig.  65,  66): 


Langhaus:  Hoher  und  breiter  einschiffiger  Saal  mit  einem  flachbogigen  Tonnengewölbe,  das  durch 
breite  Gurtbogen  in  drei,  von  je  zwei  flachbogigen  Stichkappen  eingeschnittene,  oblonge  Joche  geteilt 
wird.  Die  Gurten  ruhen  aui  den  weit  ausladenden  Abschlußgesimsen  von  flachen  Wandpfeilern,  die  mit 
proülierten  Sockeln  und  stukkierten  ionischen  Kapitalen  versehen  sind.   Unter  dem  Triumphbogen  je  zwei 


n 


I 


Eugendorf 


71 


einander  vorgelegte  ebensolche  Pilaster.  -  Im  W.  übereinander  zwei  Emporen  (Holz  mit  StLici<tibeizug) 
mit  flachen  Böden.  Die  untere  (von  1698,  mit  geschwungener  Brüstung)  ruht  auf  zwei  steinernen  toskani- 
schen  Säulen,  die  auf  prismatischen  Postamenten  stehen.  Die  obere  (von  1847,  mit  gerader  Brüstung)  wird 
von  zwei  hölzernen  toskanischen  Säulen  gestützt.  Unter  der  Empore  rundbogige  Tür  mit  einfachem 
schmiedeeisernem  Gitter  von  Wolf  Haas  in  Eugenbach,  1737;  daneben  zwei  steinerne  Aufgang- 
stiegen. Ober  der  ersten  Empore  rundbogige  Tür  zum  Turme.  —  Im  S.  und  N.  je  eine  rundbogige  Tür 
,  mit  altem  Schloß  (1736)  in  flachbogiger  Nische.  Im  S.  neben  der  Kanzel  auf  drei  Stufen  rechteckige 
Sakristeitür  in  stukkierter  Umrahmung  (um  1737).  Links  darüber  rechteckiger  Balkon  (Holz,  stuck- 
überzogen) mit  rundbogiger  Tür. 

Chor:  Gleichbreit  und  -hoch  wie  das  Lang- 
haus, Boden  um  zwei  Stufen  erhöht.  Hölzerne 
Balustrade  mit  aufgemaltem,  steinfarbenem 
Bandwerk  (vom  Tischler  Ruep  Hauser, 
1737).    Einspringender,  flachbogiger  Abschluß 


PI 


Eugendorf,  Pfarrkirche, 


Fig.  67 
Hochaltar  von  1683  (1792,  1856)  (S. 


h'ig.  68    Eugendorf,  Pfarrkirche, 
Ornamentfeld  vom  Hochaltar,  1683  (S.  72) 

mit  zwei  Pilastern.  In  den  beiden  Ecken 
Doppelpilaster.  Über  dem  Chorrechteck  flach- 
bogiges  Tonnengewölbe  mit  flachbogigen  Gur- 
72)  ten,  über  dem  Abschluß  Halbkuppel  mit  zwei 
Radialgurten. 

Turm:  Die  Eingangshalle  hat  ein  spätgotisches  Netzgewölbe  mit  beiderseits  gekehlten  Rippen, 
die  jede  struktive  Bedeutung  schon  verloren  haben.  Im  W.  spitzbogige  Tür  in  flachbogiger  Nische,  im 
0.  rundbogiger  Durchgang  zum  Langhaus.    Zwei  marmorne  Weihwassermuscheln. 

Anbauten:  1.  Beinhaus,  südlich  vom  Turme.  Gotisches  Kreuzrippengewölbe,  mit  beiderseits  gekehlten, 
in  der  Wand  verlaufenden  Rippen. 

2.  Sakristei.  Beide  Geschosse  haben  flache  Decken  mit  einfachen  stukkierten  Rahmen.  Hölzerne  Verbin- 
dungsstiege. 

Einrichtung: 

Altäre:  Drei  gleichzeitige  Altäre,  Holz,  gelb  und  rotbraun  marmoriert,  mit  geschnitzten,  neu  vergoldeten 
Verzierungen.  Alle  drei  um  1683,  1856  neu  gefaßt. 


Chor. 


Turm. 


Anbauten. 


Einrichtung. 
Altäre. 


72 


Gericlitäbezirk  Salzburg 


Hochaltar.        1.  H  0  c  h  a  1 1  a  r  (Fig.  67) :  Freistehend.  Auf  drei  Stufen  sarkophagförmige  Mensa.  Hoher  Aufbau,  beiderseits 
Fig.  67.  neben  der  Mensa  auf  einem  rechteciiigen  Sockelbau  ruhend;   hohes  Predellageschoß,  mit  je  zwei  stärker 

und  zwei  schwächer  vortretenden  Säulenpostamenten  und  vierzehn  rechteckigen  vertieften  Feldern,  auf 
denen  charakteristische  Blatt-  und  Ohrmuschelwerkornamente  (Holz,  geschnitzt  und  vergoldet)  appliziert 
sind  (Fig.  68);  Sockel-  und  Abschlußgesims  mit  geschnitztem  Blattwerk.  Im  Hauptteile  in  der  Mitte  rund- 
bogige  Nische  in  einer  Umrahmung  von  1856.  Daneben  beiderseits  vor  kannelierten  Pilastern  je  zwei  vor- 
gestellte Säulen,  die  beiden  äußeren  Paare  um  eine  Stufe  zurücktretend,  alle  mit  sehr  reich  geschnitzten 
vergoldeten  Kompositkapitälen.     Zwischen  den  Säulenpaaren   prismatische  Statuenpostamente  mit  appli- 


Fig.  70   Eugendorf,  Pfarrkirche, 

Statue  des  hl.  Sebastian 

am  linken  Seitenaltar.    Anfang 

des  XVI.  Jhs.  (S.  73) 


Fig.  69    Eugendorf,  Pfarrkirche, 
linker  Seitenaltar,  1685  (S.  73) 


Fig.  71  Eugendorf,  Pfarrkirche, 
Statue  des  hl.  Georg 

am  linken  Seitenaltar.  Anfang 
des  XVI.  Jhs.  (S.  73) 


zierten  geschnitzten,  vergoldeten  Ornamenten.  Verkröpftes  Gebälk;  am  Fries  applizierte  vergoldete  Orna- 
mente, darüber  Eierstabgesims  mit  Konsolen,  vorkragendes  Abschlußgesims  mit  peltenförmigem  Blattwerk. 
In  der  Mitte  rundbogiges  Gesims  von  gleicher  Art.  —  Breiter  rechteckiger  Aufsatz  mit  glattem  Sockel, 
einem  von  zwei  Säulen  flankierten,  vertieften,  quadratischen  Mittelfeld;  darin  Aufsatzbild  in  vergoldetem 
Vierpaßrahmen.    Über  dem  geraden  Gesims  geschnitzte  und  vergoldete  barocke  Ranken. 

Die  Tischlerarbeiten  machte  1683  Meister  Wolf  Schmidt  in  Salzburg.  1792  wurde  der  Hochaltar  aus- 
gebessert und  verschönert. 

Statuen:  Holz,  1856  neu  gefaßt,  a)  In  der  Mittelnische  die  thronende  hl.  Maria  mit  dem  auf  ihrem 
Schöße  stehenden,  mit  einem  langen  Hemdchen  bekleideten  Jesuskinde;  vergoldete  Kupferkrone.    Am 


Eugendorf 


73 


Rahmen  daneben  zwei  schwebende  Putti  mit  Leuchtern  in  den  Händchen,  b)  Auf  Postamenten  am  Gebälk 
über  den  äußeren  Säulen  die  Statuen  der  Wetterheiligen  Johann  und  Paul  (zweier  römischer  Krieger  mit 
Sonne  und  Wolkenballen  in  den  Händen),  c)  Über  dem  Aufsatze  der  hl.  Michael  mit  Schwert  und  Wage.  — 
Alle  diese  sechs  Figuren  sind  gute  Arbeiten  des  Bildhauers  Adam  Hartmann  vom  Jahre  1683. 
d)  Im  Hauptteil  zwischen  den  Säulen  die  Statuen  der  hl.  Bischöfe  Martin  und  Rupert,  gute  Arbeiten 
von  1856. 

Aufsatzbild:  Öl  auf  Leinwand.  Der  hl.  Martin  teilt  seinen  Mantel  mit  dem  Bettler.  Mittelmäßig,  1856. 
Auf  der  Rückseite  des  Altars  aufgemalt  das  Datum  1683  und  darunter:  Renov.  1856. 

Jünger  ist  das  Tabernakel  (um  1737).  Am  Sockel  ge- 
schnitztes vergoldetes  Bandwerk  und  Akanthusblätter.  Vor  der 
mit  Messing  verkleideten  Tür  hölzernes  Kruzifix;  daneben  je 
zwei  Pilaster  mit  vergoldeten  Kompositkapitälen.  Am  Gesims 
vergoldete  Akanthusblätter.  Oben  das  Lamm  Gottes  auf  dem 
Evangelienbuche,  daneben  zwei  kleine  anbetende  Putti.  Neben 
der  Tür  unten  auf  Wolken  zwei  kniende  Leuchterputti. 

2.  Linker  Seitenaltar  (Fig.  69):  Auf  einer  Stufe  ge- 
schwungene Mensa.  Wandaufbau:  Zwischengeschoß  von  1737 
mit  zwei  vorspringenden  und  zwei  seitlich  ausladenden  Kon- 
solenpostamenten. Darüber  die  alte  Predella  (mit  prismatischen 
Postamenten  an  den  Seiten)  und  rundbogiges  Altarbild  in 
geschnitztem  vergoldetem  Blattwerkrahmen,  flankiert  von  zwei 
vorgestellten  Säulen  mit  vergoldeten  Kompositkapitälen. 
Gerades,  über  den  Säulen  verkröpftes  Gebälk  mit  applizierten 
vergoldeten  Ornamenten.  Rundbogige  Giebelansätze,  in  der 
Mitte  rundes  Aufsatzbild,  von  vergoldeten  Ornamenten  um- 
geben. Zuoberst  gemaltes  Monogramm  Jesu  im  Strahlen- 
kranze. 


Der  Aufbau  wurde  1685  vom  Tischler  Wolf  Schmidt  in 
Salzburg  gemacht  (s.  S.  67). 

Gemälde:  Öl  auf  Leinwand,  a)  Altarbild.  Die  hl.  Familie,  oben 
die  Taube  und  Gott-Vater.  Um  1856,  wohl  von  Rattens- 
p erger.  —  b)  Aufsatzbild.  Die  hl.  Katharina  (Halbfigur); 
schwache  Arbeit  von  Adam  Pirckmann,  1685.  —  c)  Auf 
der  Mensa  der  hl.  Aloisius,  um  1850,  mittelmäßig  (Ratten  s- 
perger). 

Statuen:  Holz,  neu  polychromiert.  Auf  Konsolen  neben  den 
Säulen  St.  Sebastian  (Fig.  70),  nackt,  an  einen  Baumstamm 
gebunden,  und  St.  Georg  (Fig.  71),  in  voller  Rüstung,  mit  dem 
Speer  den  Drachen  durchbohrend.  Gute  Arbeiten  aus  dem 
Anfange  des  XVI.  Jhs. 

3.  Rechter  Seitenaltar,  zum  hl.  Anton  v.on  Padua;  im 
Aufbau  ganz  gleich  wie  der  linke,  1685  vom  Tischler  Wolf 
Schmidt  gemacht. 

Gemälde:  Öl  auf  Leinwand,  ä)  Altarbild.  Der  hl.  Anton  von 
Padua  im  Gebet;  links  oben  auf  Wolken  das  Christkind,  sich 
herabbeugend.  Mittelgut,  in  der  Mitte  des  XIX.  Jhs.  stark 
übermalt,  b)  Aufsatzbild.  Die  hl.  Barbara  (Halbfigur);  schwach. 
Beide  Bilder  von  Adam  Pirckmann  1685. 
Statuen:  Holz,  neu  polychromiert.  Auf  Konsolen  neben  den  Säulen,  auf  Wolken  kniend,  der  hl.  Johann 
von  Nepomuk  und  ein  Schweigen  deutender  Engel.  Gut,  Mitte  des  XVIIL  Jhs. 

Tabernakel:  Holz,  neu  marmoriert,  mit  vergoldeten  Zieraten.  Auf  Voluten  neben  dem  Oberteil  zwei 
kniende  Engel,  Holz,  polychromiert,  gute  Arbeiten.  Um  1737. 

Über  dem  Tabernakel  in  geschnitztem,  vergoldetem  Rahmen  kleine  Statuette  des  hl.  Johannes  von  Nepo- 
muk in  Flitterwerkrahmen,  um  1737. 

4.  Altar  in  der  Totenkammer  (Beinhaus).  Über  einfacher  Mensa  ein  auf  Holz  gemalter  Rokoko- 
wandaufbau mit  applizierten,  polychromierten  Holzfiguren:  In  der  Mitte  Kruzifix,  darunter  die  Madonna, 
oben  Gott-Vater  und  die  Taube,  an  den  Seiten  vier  schwebende  Putti  mit  Kelchen.  Links  unten  ein 
Engel,  rechts  ein  zweiter  mit  einem  nackten  Jüngling  (arme  Seele)  im  Arm.  Unten  die  armen  Seelen  im 

XI  10 


Fig.  72    Eugendorf,  Pfarrkirche,  Kanzel 
von  Christof  Feninger  in  Henndorf,  1737  (S.  74) 


Linker 

Seitenaltar. 

Fig.  69. 


Fig.  70. 
Fig.  71. 


Rechter 
Seitenaltar. 


Altar  in  der 
Totenkammer. 


74 


Qerichtsbc'zirk  Salzburg 


Kanzel. 

Fig.  72. 


Fegefeuer.  An  den  Seiten  auf  Postamenten  zwei  römisclie  Krieger  mit  Sprucliscliilden.  Mittelmäßig,  Mitte 
des  XVIII.  Jhs. 

Unter  dem  Kreuze  ein  gemalter  Kartuschenschild  mit  dem  Bilde  eines  die  Totenmesse  zelebrierenden 
Priesters,  dem  zwei  Engel  assistieren  (Ende  des  XVII.  Jhs.). 

Kanzel  (Fig.  72):  In  der  Mitte  der  südlichen  Langhauswand.  Holz,  mit  gelb  gefärbelten  Stukkaturen 
auf  rot  gefärbeltem  Grunde.  Halbrund.  Am  Ablauf  zwei  Cherubsköpfe,  darüber  Bandwerkgesims,  Voluten- 
konsolen, durch  Blumengirlanden  verbunden.    An  der  Brüstung  in  vier  Feldern  die  Halbfiguren  der  vier 


Fig.  73    Eugendorf,  Pfarrkirche,  Kreuzigungsgruppe 
von  Meinrad  Guggenbichler,  um  1700  (S.  75) 


Fig.  74    Eugendorf,  Pfarrkirche,  Christusstatue 
von  Meinrad  Guggenbichler,  um  1700  (S.  75) 


Evangelisten.  Am  Baldachin  unten  die  Taube,  am  Gesims  drei  Putti,  oben  die  Weltkugel  (mit  Wolken 
und  Cherubsköpfchen),  darauf  das  thronende  Christkind.  Alles  aus  Stuck.  —  Neben  der  rechteckigen  Tür 
ein  Baldachin  mit  zwei  Cherubsköpfchen  (Stuck).  An  der  Brüstung  Hand  mit  Kruzifix  (Holz,  polychro- 
miert).  —  Interessante  Arbeit  von  Christof  Feninger  in  Henndorf,  1737. 

Taufstein.        Tauf  stein:  Marmor,  1857. 

Orgel.  Orgel:  Dreiteiliges  Gehäuse,  in  der  Mitte  Uhr.    Vergoldete,  geschnitzte  Rankenverzierungen.  1847. 

Skulpturen.       Skulpturen:  Alle  aus  Holz,  polychromiert. 

1.  Kleine  Gruppe  der  hl.  Dreifaltigkeit.  Gott- Vater  thronend,  mit  dem  Kruzifixus  im  Schöße,  unten  die 
Taube.  Alt  polychromiert.  Um  1600  (Sakristei). 


I 

I 


Etigeiidorf 


75 


2.  Am  Mittelpilaster  der  nördlichen,  Innern  Langhauswand.  Große  Kreuzigungsgruppe  mit  lebensgroßen, 
neu  polychromierten  Figuren.  An  den  oberen  Balkenenden  drei  Cherubsköpfe.  Neben  dem  sehr  gut  durch- 
modell'erten  Gekreuzigten  schweben  zwei  Putten,  die  mit  Kelchen  das  Blut  aus  den  Wunden  auffangen; 
ein  dritter  unter  den  Füßen  Christi.  Neben  dem  Kreuze  auf  Konsolen  Maria  und  Johannes  mit  traurigen 
Gebärden.  Vorzügliche  Arbeit,  in  der  Art  des  Meinrad  Guggenbichler  um  1700  (die  Postamente 
wurden  1702  gemacht)  (Fig.  73). 

3.  Statuette  des  auferstandenen  Heilandes,  neu  polychromiert.  Anfang  des  XVIII.  Jhs.,  sehr  gute  Arbeit 
in  der  Art  des  Meinrad  Guggenbichler  (Sakristei)  (Fig.  74). 


Fig.  73. 
Fig.  74. 


Fig.  75   Eugendorf,  Ffarrivirclie,  L)reifaltigl<eitsgruppe.  Um  170;)  (S.  75) 


4.  Gruppe  der  hl.  Dreifaltigkeit,  Gott-Vater  und  Christus  auf  der  Weltkugel  thronend,  einander  bei  der 
Hand  fassend;  oben  schwebt  die  Taube.  Alte  Fassung.  Anfang  des  XVIII.  Jhs.,  gute  Arbeit  (Sakristei). 
Rückwärts  eingeschnitten  die  Initialen  M.  P.,  1829  und  1887  reiiov.  (Fig.  75). 

5.  In  einer  rundbogigen  Nische  der  Innern  nördlichen  Langhauswand.  Die  hl.  Maria,  auf  der  Mondsichel 
stehend,  mit  dem  nackten  Jesusknaben  im  Arm,  mit  Zepter  und  Krone  (Messing,  vergoldet).  Neu  gefaßt. 
Gut,  erste  Hälfte  des  XVIII.  Jhs. 

6.  In  rundbogiger,  vergitterter  Nische  gegenüber.  Christus  als  Schmerzensmann,  auf  einem  Felsblock 
kniend,  mit  Eisenfesseln  an  den  Füßen  und  einem  Strick  um  die  Hände.    Gut,  erste  Hälfte  des  XVIII.  Jhs. 

7.  Standkruzifix,  alt  polychromiert.    Gut,  XVIII.  Jh. 

8.  Elfenbeinkruzifix  an  hölzernem,  schwarzem  Kreuze.    Gut,  XVIII.  Jh. 

9.  Auf  Tragstangen  zwei  kleine  kniende  Leuchterengel.   Gute  Arbeiten  um  1600,  roh  neu  polychromiert. 

10.  Zwei  kleine  auf  Wolken  kniende  anbetende  Engel.  Um  1688. 

11.  Zwei  kleine,  stehende  Engel  mit  hornartigen  Leuchtern.    Gute  Arbeiten  um  1680  (Sakristei). 

12.  Tragkruzifix.  Mittelmäßig,  XVIII.  Jh. 

13.  Außen  an  der  Südwand  des  Langhauses.  Der  Gekreuzigte  an  hohem  Kreuze.  Gut,  XVII.  Jh. 

10* 


Fig.  75. 


76 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Gemälde.        Gemälde:  öl  auf  Leinwand.  Vierzehn  Kreuzwegbilder;  gut,  von  J.  Rattensperger,  1856. 

Monstranzen.  Monstranzen:  1.  Kleinere  Monstranz,  Messing,  vergoldet  und  versilbert.  Am  Fuß  vier  applizierte  durch- 
brochene Rocaillenkartuschen  mit  je  zwei  Cherubsköpfchen.  Getriebener  Schein  mit  Rocaillen  und  den 
geringen  Figuren  Gott-Vaters,  der  Hl.  Margareta  und  Katharina.  Strahlenkranz  mit  Baldachin  und  Kreuz. 
Mittelmäßig;  Mitte  des  XVIIl.  Jhs. 

2.  Große  i^onstranz,  Kupfer,  vergoldet  und  versilbert,  mit  getriebenen  klassizistischen  Ornamenten  am 
breitovalen  Fuße.  Um  das  Gehäuse  ovaler  Rahmen  mit  unechten  Steinen,  dahinter  durchbrochener,  ver- 
silberter Rankenrahmen;  vergoldeter  Strahlenkranz.  Mittelmäßig,  um  1800;  1802  gekauft  (s.  S.  68). 

Ziborium.        Ziborium:  Kupfer,  vergoldet,  mit  gegossenen  Ornamenten.  Mitte  des  XVIIl.  Jhs. 
Kelche.         Kelche:    Silber,   vergoldet   (Fig.  76).    1.  (Fig.  76  c)   Am  Sechspaßfuß   applizierte,    in  Silber   getriebene 

Fig.  76f.         Verzierungen  (sechs  kleine,  vier  größere  Cherubsköpfchen   und  vier  ganz  kleine),  am  Nodus  vier  appli- 
zierte Cherubsköpfchen  und  Kartuschen.  Durchbrochener  silberner  Cuppakorb  mit  charakteristischen  Orna- 
menten. —  Marken:  Salzburger  Beschauzeichen.    Meisterzeichen:  Monogramm  DH  (oder  BH  [?],    ^^^ 
Hans  Beck,  Bürger  seit  1645).   Schöne  Salzburger  Arbeit,  Mitte  des  XVII.  Jhs.  Wohl  identisch    «Ub 
mit  dem  1663  eingetauschten  Kelch  (s.  S.  67).  ^mmr 


BtüTTiitaa^ 


ksaiti^i 


a  b  c 

Fig.  76    Eugendorf,  Pfarrkirche,  Kelche. 

a  Von  Caspar  Riss  in  Augsburg,  um  1700.    b  Zweite  Hälfte  des  XVII.  Jhs.    c  Salzburger  Arbeit  um  1663  (S.  75) 


Fig.  76*. 


Fig.  76  fl. 


Opferkänn- 
chen  u.  Tasse. 


Wetterkreuz. 


2.  Reich  verziert  in  getriebener  Arbeit.  Am  Fuß  drei  Cherubsköpfe  und  drei  Akantliusrankeiikartusclien 
mit  den  Leidenswerkzeugen.  Am  Knauf  drei  ovale  Knäufe  in  Laubwerkrahmen.  Silberner  Cuppakorb, 
durchbrochen,  mit  drei  Cherubsköpfchen  und  drei  Kartuschen  mit  den  Leidenswerkzeugen.  —  Marken 
fehlen.  —  Sehr  schöne  (Augsburger[?])  Arbeit  aus  der  zweiten  Hälfte  des  XVII.  Jhs.  (Fig.  76  b). 

3.  Silber,  vergoldet.  Fuß  und  Cuppa  ganz  übersponnen  mit  silbernem  Filigranrankenwerk;  an  beiden  je 
drei  ovale  Emailminiaturen:  Abendmahl,  Ölberg,  Geißelung;  Kreuztragung,  Dornenkrönung,  Kreuzigung. — 
Augsburger  Beschauzeichen.  —  Meisterzeichen  undeutlich  (wohl  CR  in  Rechteck,  R-  412,  Caspar 
Riss).  Schöne  Augsburger  Arbeit  um  1700  (Fig.  76  a). 

4.  Fuß  Kupfer,  vergoldet  und  versilbert  mit  gegossenen  Empireornamenten;  Cuppa  Silber,  vergoldet. 
Ende  des  XVIIL  Jhs. 

Opferkännchen  und  Tasse:  Silber,  getrieben.  Am  Rande  der  ovalen  Platte  Bandwerkranken  mit 
Trauben,  Ähren  und  den  Leidenswerkzeugen  in  vier  Kartuschen.  Kännchen  mit  getriebenen  Bandwerk- 
ranken. —  Marken:  Augsburger  Beschauzeichen  (R-  171).  —  Meisteizeichen  poCR"  529).  Schöne  Augs- 
burger Arbeit  um  1730,  von  Johann  Friedrich  Bräuer  (gest.  1753). 

Wetterkreuz:  Kupfer,  vergoldet.  Fuß  mit  Ornamenten  und  den  Relieffiguren  der  Madonna,  der 
hl.  Katharina  und  des  hl.  Petrus;  gute  Arbeit  von  1639.  Oberteil  um  1856. 


fiugendorf 


7? 


Ampel:  Messing,  versilbert.  Reich  verziert  in  getriebener  Arbeit,  um  1800. 

Reliquiare:  Zwei  Reliquientafeln  in  Form  kleiner  Barockaltäre,  Holz,  mit  geschnitzten  Verzierungen, 
schwarz  lackiert.  In  jedem  von  beiden  ein  größeres  und  vier  kleinere  Wachsmedaillons.  —  Gut,  um  1670. 

Vier  Altaraufsatztafeln  in  ornamentalen  versilberten  Messingrahmen  aus  der  Mitte  des  XIX.  Jhs. 
Sie  enthalten  in  der  Predella  Reliquien  in  Flitterwerkumrahmung;  zwei  von  ihnen  haben  im  Hauptteil 
sehr  gute  Bildchen  (Öl  auf  Leinwand),  Tod  der  hl.  Anna,  Tod  des  hl.  Josef,  Mitte  des  XVlll.  Jhs.  Die 
beiden  anderen  haben  kleinere  Ölbildchen  (St.  Isidor  und  St.  Notburga),  in  Flitterwerkrahmung,  Mitte 
des  XVlll.  Jhs. 

Leuchter:  1.  Zwei  sehr  große  dreifüßige  Holzleuchter,  alt  versilbert,  schön  geschnitzt.  Ende  des 
XVII.  Jhs. 

2.  Sechs  sehr  schön  geschnitzte,  dreifüßige  Holzleuchter,  neu  vergoldet.  Von  Adam  Hartmann  in 
Salzburg,  1683. 

3.  Zwei  einfach  geschnitzte  Holzleuchter  mit  rundem  Fuß,  gelb  und  schwarz  lackiert.  XVII.  Jh. 

4.  Zwei  geschnitzte  Rocaiilenleuchter,  Holz,  alt  versilbert,  Mitte  des  XVlll.  Jhs. 

5.  Zwei  kleine  geschnitzte  Holzleuchter,  versilbert,  Mitte  des  XVIIl.  Jhs. 

6.  Vier  dreifüßige  Zinnleucliter.  Marke:  Links  Salzburger  Stadtwappen,  rechts  Löwe,  darüber  lAG,  darunter 
1700  (Radinoer,  Taf.  I,  21).  Arbeiten  des  Josef  Anton  Greissing  in  Salzburg  1716  (s.  S.  67). 

7.  Acht  Zinnleuchter  mit  runden  Füßen.  Anfang  des  XIX.  Jhs. 

8.  Sechs  große  und  zwölf  kleine  versilberte  Messingblechleuchter  mit  getriebenen  Verzierungen.  Um  1850. 

Vasen:    Holz.    1.  Vier  zweihenkelige,  rundbauchige  Vasen,  mit  geschnitzten  Akanthusblältern,  alt  ver- 
silbert. Um  1683. 
2.  Vier  schön  geschnitzte,  neu  vergoldete  Rocaillenvasen.  Um  1760. 

Lavabo:  Zinn.  Halbachteckiger  Wasserbehälter  und  ebensolches  Becken.  XVIII.  Jh.,  ohne  Marke. 

Opfertassen:  Zinn.  1.  Drei  glatte,  ovale  Untertassen  ohne  Marken. 

2.  Mit  geschwungenem  Rande.  —  Marke:  a)  PROB  ZIN  1795.   —  PHILIP  AlCHINGER  SALZBURG. 

b)  Salzburger  Stadtwappen;  oben  PROBZIN.  unten  17  SALZBURG  95. 

Ölflasche:  Zinn,  sechseckig,  mit  Einschraubdeckel.  Ohne  Marke,  XVIII.  Jh. 

Kanontafeln:  Eine  Garnitur,  mit  geschnitzten  und  vergoldeten  Rocaillenrahmen  (um  1763). 

Sakristeischrank:  Holz,  grün  lackiert.  Am  Aufsatzkasten  Felder  mit  geriefelten  Leisten  und  ge- 
schnitzte Ornamente.  Über  der  Mitte  die  Jahreszahl  MDCLXVIII.  Charakteristisches  Stück  von  1668.  Er 
kostete  12  fl.  (s.  S.  67). 

Beichtstühle:  Zwei  einfache,  gelb  lackierte  Beichtstühle,  oben  die  aufgemalten  Ölbilder  des  hl.  Petrus 
und  der  hl.  Magdalena  (Halbfiguren).  Gut,  Mitte  des  XIX.  Jhs. 

Fahnen:  Drei  Kirchenfahnen,  mit  aufgenähten  Ölbildern  auf  beiden  Seiten,  a)  Der  hl.  Johann  von  Ne- 
pomuk  und  die  Mitglieder  einer  Bruderschaft  in  roten  Gewändern.  —  St.  Josef  mit  dem  Kinde.  —  b)  Die 
hl.  Anna  mit  der  hl  Maria.  —  Die  hl.  Familie.  —  c)  Der  hl.  Martin  und  der  Bettler.  —  XVIII.  Jh.,  zum 
Teil  stark  übermalt.    Messingaufsätze  in  guter  Gürtlerarbeit. 

Grabsteine:  1.  In  der  Turmhalle  eingemauert.  Große  rote  Marmorplatte,  in  vier  Felder  geteilt.  Oben 
Spruchkartusche.  Darunter  rechteckiges  Tonrelief,  Auferweckung  des  Lazarus.  In  der  Mitte  Grabinschrift 
in  Rollwerkrahmen.  Unten  in  zwei  rundbogigen  Arkaden  zwei  Wappen  in  Relief  (Elefant  —  springender 
Greii);  darüber  Cherubskopf.  David  Widtmanstötter  zu  Pabenschwandt,  des  Hoc  ftf Urs  fliehen  Pfleg-Ge- 
richts  Wortenfels,  Urbaramt  Talgew  und  Alansee  gewester  Verwalter;  gestorben  1621.  —  Sein  ehiiche 
Hausfrau  .  .  Maria  Plintenhoferin;  gestorben  1637.  Gute  Arbeit  um  1621. 

2.  Im  Schiff,  kleine  Marmorplatten:  Ruepp  Oggl,  Würth  am  gasttag,  1721;  seine  Haußfrau  Catharina 
Winckkihoferin,  1735.  —  Vikar  Anton  Raggel,  1840. 

Turmuhr:  Von  Johannes  Beutele  in  Salzburg,  1779. 

Glocken:  1.  Kleinste  Glocke:  Franz  Xaver  Gugg  goss  mich  zu  Salzburg  anno  1801. 

2.  Eine  größere,  gegossen  von  Johann  Oberascher  in  Salzburg  1825. 

3.  Zwei  große  Glocken  von  Joseph  Oberascher  in  Salzburg,  1899  und  1901  gegossen. 


Ampel. 
Reliquiare. 

Altar- 
aufsatztafeln. 


Leuchter. 


Vasen. 

Lavabo. 
Opfertassen. 

ölflasche. 

Kanontafeln. 

Sakristei- 
schrank. 

Beichtstühle. 

Fahnen. 

Grabsteine. 


Pfarrhof:  Einfaches  Gebäude,  1787  erbaut  (s.  Gesch.).  —  Zwei  Aquarelle.  Alte  Ansichten  von  Eugen- 
dorf von  N.  und  S.,  in  der  Art  des  Louis  Wallee,  um  1820. 

Gmachls   Gasthaus:   In    der  Nische   über   der  Eingangstür   kleine  polychromierte  Holzgruppe,    der 
hl.  Martin  teilt  seinen  Mantel  mit  dem  Bettler. 'Gute  Arbeit,  Mitte  des  XVIII.  Jhs. 


Turmuhr. 
Glocken. 


Pfarrhof. 


Gasthaus. 


78 


öerichtsbezirk  Salzburg 


Fig.  77    Glanegg,  Schloß  und  Meierhof  (S.  80) 


Glanegg,  Schlof3  und  Dorf 


Archivalien:  SRA  (Hl'k.  Glanegg  1579  D  und  1806/07  A  und  Hofbauamt  1735  ü). 

Literatur:  Hübner,  Beschreibung  der  Stadt  1,  514.    —    Intelligenzblatt  1808,  Nr.  22.    —    Pillwein,  Salzachkreis  351. 
Jahresber.  d.  Mus.  1853,  71. 


Süss, 


Was  HüBNER  u.  a.  über  die  Befestigung  dieses  Schlosses  im  „Hunnenkrieg"  901  berichten,  ist  den  kritik- 
losen Fabeleien  Schlachtners  nachgeschrieben.  Auch  ist  es  fraglich,  ob  es  jemals  ein  Ministerialen- 
geschlecht gegeben,  das  sich  nach  dieser  Burg  geschrieben  hat.  Mir  scheint  vielmehr,  daß  jener  an- 
geblich 1279  als  letzter  gestorbene  Reinprecht  von  Glanegg  zur  kärntnerischen  Familie  gleichen  Namens 
gehörte,  in  der  der  Name  Reinprecht  und  Reimbert  gebräuchlich  war  (vgl.  v.  Jaksch,  Mon.  Carinth.  IV  .„ 
879),  wie  sie  denn  wohl  sonst  in  Salzburger  Urkunden  des  XIII.  Jhs.  begegnen  müßten.  Die  auch  von 
Kleimayrn  (Juvavia  S.  425)  zur  Erklärung  des  Erwerbes  von  Glanegg  angezogene  Urkunde  von  1279 
beweist  gar  nichts.  Wahrscheinlich  verdankt  das  Schloß  den  Erzbischöfen  sein  Entstehen,  die  entweder 
hier  gegen  die  Übergriffe  Berchtesgadens  in  der  Nähe  Grafengadens  (Gartenau)  einen  befestigten  Punkt 
schaffen  oder  aber  die  Straße  nach  Bayern  am  Fuße  des  Untersberges  genügend  bewacht  haben  wollten; 
diesem  letzteren  Zwecke  diente  ja  auch  die  vom  Mönchsberge  (Blockhaus,  Sinhubstraße)  bis  zum  Unters- 
berge führende  Mauer  und  der  „Paß"  Glanegg. 

Um  1350  übersiedelte  der  Richter  zu  (Ober-)Alm  nach  Glanegg,  wo  er  nun  öfter  auch  als  Burggraf  von 
Glanegg  betitelt  ist. 

Seit  1609  wohnte  der  Pfleger  in  der  Stadt.  Das  Urbar  von  1612  sagt:  Das  Schloss  Glanegg,  darinnen 
vor  Jaren  ein  Phleger  gehaust,  ist  der  Zeit  unbewohnt,  das  gemauerte  Richterhaus  herunder  dem  Schloss 
hat  dismal  ain  Hausphleger  oder  Mair  daselbs  innen.  Nach  Erbauung  des  Schlosses  Hellbrunn  schlug 
der  Gerichtsschreiber  —  die  Pfleger  waren  meist  Absentpfleger  —  hier  seinen  Sitz  auf. 
Erzbischof  Leonhard  soll  das  Schloß  in  die  gegenwärtige  Gestalt  gebracht  haben;  1578  wird  der  Ge- 
fängnisturm, den  ein  gefangener  Priester  fast  demoliert  hatte,  neu  verwahrt  und  die  erforderlichen  Steine 
dazu  vom  Riedenburgberge  genommen.  Ein  Verzeichnis  der  von  Erzbischof  Marx  Sittich  geführten  Bauten 
sagt:  Das  schloss  Glanegg  restaurirt  und  gleichsamb  von  newem  erpaut  (SRA  II).  Erzbischof  Paris  Lodron 


li 


Glanegg 


79 


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Fig.  78    Schloß  Glanegg,  Situation  (S.  80) 


* 


i      I 


Fig.  79    Schloß  Glanegg,  Grundriß  1 :  200  (S.  80) 


80 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


erbaute  die  Paßstation  und  Leopold  Anton  vor  1735  das  Hofmaierschaftshaus.  Das  weißmarmorsleinerne 
hochfürstliclie  Wappen  daran  machte  Bartlmä  Pf  all,  der  1729  die  Bildhauerswitwe  Anna  Clara  Weißen- 
l<irchner  geheiratet  hatte. 

Am  12.  März  1804  übernimmt  Kurfürst  Ferdinand  auf  Anerbieten  der  Landschaft  das  Schloß  Glanegg 
und  enthebt  diese  von  den  Erhaltungskosten.  Unter  bayrischer  Regierung  wurde  es  1812  an  den  Arzt 
Dr.  Franz  de  Paula  Storch  verkauft,  der  die  Kapelle  am  Fuße  des  Schloßhügels  erbaute  und  es  bis  1838 
besaß.  Dessen  Witwe  verkaufte  es  an  den  Grafen  Arco,  dieser  wieder  an  Perwein.  Nach  weiterem  Besitz- 
wechsel kam  Glanegg  1896  an  die  Freiherren  Mayr  von  Meinhof. 


l 


Fig.  80    Glanegg,  Meierhof  (S.  81) 

Beschreibung.     Beschreibung:   1  km  nördlich  vom  Nordfuße  des  Untersberges  am  südlichen  Gipfel  eines  isolierten, 
baumbewachsenen  Hügels  erbaut,  die  ganze  umliegende  Ebene,  das  „Moos",  weithin  beherrschend. 
Der  Bau  hat  die  charakteristische  Form  der  Salzburger  Schlösser  des  XVI.  und  XVH.  Jhs. 
Einfacher,  im  Grundrisse  rechteckiger,  kastenförmiger,  dreistöckiger  Bau  mit  rechteckigen  Fenstern.  Bruch- 
stein und  Ziegel,  rauh  verputzt  und  hellgelb  gefärbelt,  mit  glatten  Fensterumrahmungen.    Ausladendes 
Hohlkehlgesims,  steiles,  über  den  Schmalseiten  abgewalmtes  Schindelsatteldach. 

W.  (Hauptfront):  Im  Erdgeschosse  links  ein  kleines  Fenster.  Im  I.  Stock  beiderseits  je  ein  Fenster,  in 
der  Mitte  rechteckige  Tür  in  marmorner  Rustikaumrahmung,  in  der  Mitte  das  schön  skulpierte  Marmor- 
wappen des  Erzbischofs  Markus  Sitticus  Grafen  von  Hohenems  (1612 — 1619).  Vor  der  Tür  (zu  der  wohl 
ursprünglich  eine  Eingangsstiege  hinaufgeführt  hat)  eine  aus  Ziegeln  aufgemauerte,  auf  starken  Pfeilern 
ruhende  Altane  mit  modern  unterwölbtem  Boden  und  kunstloser  moderner  Ziegelbalustrade,  weiß  verputzt 
und  mit  wildem  Wein  bewachsen.  In  den  beiden  oberen  Stockwerken  je  drei  Fenster  (im  III.  Stock  in 
der  Mitte  Doppelfenster). 

Auf  der  Nordseite  und  einem  Teil  der  Ostseite  führt  eine  aus  Bruchsteinen  aufgemauerte,  mit  auf  Holz- 
stützen aufruhenden  modernen  Schindelpultdach  überdeckte  Rampe  zu  dem  in  der  Ostseite  angebrachten 
Eingange.  —  N.  Im  I.  Stock  drei  Blendfenster,  im  II.  und  III.  Stock  je  drei  rechteckige  Fenster,  oben 
drei  Bodenluken.  —  O.  In  der  Mitte  des  I,  Stockes  rechteckige  Tür  in  marmorner  Rustika-Umrahmung 


Glas 


81 


wie  im  W.;  moderner  hölzerner  Vorbau;  daneben  je  ein  Fenster  in  S!einrahmung.  In  den  beiden  oberen 

Stockwerken  über  der  Tür  je  ein  Doppelfenster,  daneben  je  zwei  Fenster. 

Das  Innere  bietet  nichts  bemerkenswertes.    Gegenwärtig  ist  das  Schloß  ganz  unbewohnt  (Fig.  77 — 79).      Fig.  77—79. 

Meierhof  (Fig.  80):  Südlich  unterhalb  des  Schlosses  liegt  ein  Meierhof  mit  einem  Gasthaus  und  einem  Meierhof. 
rechteckigen  Torturm  im  W.  An  der  Ostseite  des  Torturms,  dessen  Einfahrt  mit  einem  gratigen  Kreuz-  Fig.  80. 
gewölbe  gedeckt  ist,  hängt  unterhalb  zweier  Schlitzfenster  das  Marmorwappen  des  Erzbischofs  Leopold  Anton 
Freiherrn  von  Firmian  (1727 — 1744).  An  dem  südlich  an  den  Torturm  anstoßenden  einstöckigen  Gebäude 
ist  über  der  Tür  im  O.  ein  schönes  Marmorwappen  des  Erzbischofs  Ma,x  Gandolf,  Grafen  von  Kuenburg 
(1668 — 1687),  mit  einem  Cherubskopf  und  der  eingemeißelten  Jahreszahl  1669  angebracht.  Ein  zweites, 
größeres,  halb  zertrümmertes  Kuenburgwappen  aus  Marmor  hängt  über  der  Nordtür  des  südlich  davon 
stehenden  großen  Stallgebäudes,  das  innen  zum  Teil  mit  gratigen  Kreuzgewölben  auf  Pfeilern  eingewölbt  ist. 
Über  der  Gasthaustür  eingemauert  rechteckige  rote  Marmorplatte  mit  den  nebeneinander  gestellten  Wappen 
des  Erzbistums  Salzburg  und  des  Erzbischofs  Johann  Jakob  von  Kuen-Belasy  (1560  —  1586)  mit  der  In- 

^'^^"f*^  ION.  lAC.  D.  G.  ARCH 

/EPS.  SALZ.  APO.  SE.  LEGA.  MDLXXI 


Fig.  81    Glas,  Doiitorschlössel  (S.  82) 


Glas,  Dorf 

Zur  ersten  Bestiftung  der  Salzburger  Kirche  gab  Herzog  Theodbert  (nach  700)  auch  .villam  cum  tributalibus  viris  super 
Salzaha  qiie  dicitur  ülasä'^.  Auch  später  wird  der  Ort  .Clasa,  Glosa,  Glese,  Gleise"  oft  genannt  (HAUTHALER,  U.-B.  1, 
23  und  1027).  Die  dahinterliegende  Gegend,  die  Fager,  kommt  ebenfalls  schon  zirka  U36  als  Vagra  vor  (a.  a.  0.352); 
es  ist  nicht  zu  verwechseln  mit  dem  Schlosse  Vager,  das  auf  der  Straße  von  Reichenhall  nach  Hallturn  liegt  und  seit  dem 
XV.  Jh.  den  Namen  Oberhausen  führte. 

Doktorschlössel  (Schloß  Radau n). 

Archivalien:  Stiftsarchiv  Nonnberg. 

Dem  Stifte  Nonnberg  wird  1116  von  Erzbischof  Konrad  I.  der  Hof  zu  Glase  bestätigt.  Auch  die  späteren 

Besitzbestätigungen  nennen  diesen  Hof,  der,  in  der  Folge  mehrmals  geteilt,  der  Mittelpunkt  des  nonn- 

XI  11 


Doiitor- 
schlössel. 


82 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Beschreibung. 


Fig.  81. 


Stanzinghof. 


Äußeres. 


jii; ; 


Oier.. 


bergischen  Besitzes  in  dieser  Gegend  war.  Noch  1382  und  in  den  späteren  Urbaren  wird  er  der  Hof 
zu  Glas  genannt.  1412  besaß  ihn  Hans  Perbein  (Perwein);  seine  Besitzerreihe  steht  seit  1451,  wo  er 
nach  den  Inhabern  der  Fneseneggerhof  zu  Glas  heißt,  lückenlos  fest.  1509:  Hans  Friesenegger,  1520: 
Jörg  Friesenegger,  1544:  Niclas  Vockenberger  zu  Prähausen  und  seine  Frau  Christina  Friesenegger, 
1554:  Wolfgang  Zwischlberger  und  seine  Frau  Margareta  Friesenegger.  1559  wurde  der  Hof  durch  eine 
Überschwemmung  hart  mitgenommen.  1564:  Hans  Stainhauser,  1568:  Martin  Hofhaymer,  1574:  Wolfgang 
Magerle,  1580:  Georg  Schifer  und  seine  Frau  Anna  ([?] Magerle),  1601:  Christof  Lackner,  1605:  Thomas 
Paumgartner,  1627:  Jacob  Kaspis  und  seine  Frau  Katharina  Pemkerin,  1640:  Georg  Reuter,  1649:  Johann 
Pinder,  Pfarrer  zu  Sieghartsdorf,  Diözese  Passau,  1652:  Christof  Pinder,  1669:  Jacob  Mayr  und  seine 
Frau  Margareta  Schwarzin,  1670:  Franz  Mayr,  hochfürstlicher  Medikus  (seither  wohl  der  Name  „Doktor- 
schlössel"),  und  seine  Frau  Johanna  Solari,  eine  Tochter  des  Dombaumeisters,  1704  deren  drei  Kinder, 
1715:  Josef  Anton  Mayr,  1718:  Franz  Caspar  von  Maralt  und  seine  Frau  Marie  Martha  Mayrin,  1740 
schenken  sie  es  an  die  Kirche  Aigen,  die  es  1789  an  Hans  Sinnleichner  und  seine  Frau  Marie  Langeckerin 
verkauft,  1800  deren  vier  Kinder,  1802:  Rupert  Eisl,  1825  dessen  vier  Kinder,  1842:  Rupert  und  Anna 
Eis],  1852:  Dr.  Gstirner,  1853:  Josef  und  Maria  Beringer,  1860:  Bartlmä  und  Walburga  Angelberger, 
1860:  Therese  Walponer.  Seit  1879  ist  das  Schlössel  im  Besitze  des  Dr.  Viktor  Freiherrn  von  Fuchs 
und  seiner  Frau  Maria  geb.  von  Görres. 

Beschreibung:  Stattliches  rechteckiges  Haus,  weiß  gefärbelt,  zweistöckig,  mit  einfachen  Fenster- 
umrahmungen. Im  S.  Tür,  daneben  je  ein  Fenster,  in  den  beiden  Stockwerken  je  drei  Fenster.  Im  O. 
fünf  Fenster  Front,  abgekappte  Giebelwand  mit  zwei  Dachgeschossen.  Im  I.  Stock  rechts  eine  Loggia 
mit  drei  flachbogigen  Arkaden  und  zwei  kurzen  Steinsäulchen.  Im  N.  vier  Fenster  Front.  Im  W.  (ab- 
gekappte Giebelwand)  unten  Tür,  oben  vier  Fenster  Front.  Aus  dem  hohen  Schindelsatteldach  (mit' 
Krüppelwalm  im  O.  und  W.)  ragen  über  den  Ecken  des  Gebäudes  vier  moderne  gemauerte  Türmchen 
hervor,  sechseckig,  mit  schmalen  Luken  und  Blechpyramidenhelmen.  Im  S.  hoher  Rauchfang,  im  W. 
kleinerer.  —  Im  Parterre  und  I.  Stock  gewölbte  Räume,  im  II.  Stock  nur  flachgedeckte  Zimmer.  —  Der 
II.  Stock  ist  sichtlich  jünger,  die  Türmchen  ganz  neu  (Fig.  81). 

Stanzinghof. 

Archivalien:  Stiftsarchiv  Nonnberg.  Literatur:  HObner,  Stadt  570. 
Die  ältesten  Urbare  von  1334  und  1382  verzeichnen  das  dem  Stifte  Nonnberg  grundherrliche  Gut  ze 
Obernaigen  (Oberaigen),  als  dessen  Inhaber  von  1412 — 1520  die  Prähauser  erscheinen.  In  Aufzeichnungen 
der  Jahre  1520 — 1547  wird  diese  Besitzung  geradezu  Prähausen  genannt  (Doppler -Widmann,  Nonnberger 
Urk.  S.  277,  Nr.  575),  die  damals  Niclas  Vockenperger  zu  Prähauseti  innehat,  dem  1541 — 1564  wieder 
ein  Leonhart  Prähauser  folgt.  Die  folgenden  Besitzer  sind  1564  Gandolf  Welat,  1575  Ezechlel  Stanzlng, 
der  dem  Hofe  dauernd  seinen  Namen  gegeben  hat,  1583  Georg  Stanzin g,  1592  Simon  Werndl 
und  seine  Erben,  1653  Hans  Eggl  und  seine  Erben  und  seit  1768  Familie  Schwarz.  1641  erhielt 
der  Hof  das  Schankrecht  und  1727  ward  er  zu  Erbrecht  verliehen.  1790  wird  „wegen  Erweiterung  des 
Hauses"  eine  Novalstift  auf  das  Gut  gelegt. 

Äußeres:  Zweistöckiges  stattliches  Gebäude,  mit  abgekappten  eingeschossigen  Giebeln  an  den  Schmal- 
seiten. Im  SO.  hübsches  Rokokoportal  aus  gelblichem  Marmor  mit  geradem  Sturze  und  einem 
von  zwei  Voluten  flankierten  Aufsatze  mit  breitovalem  vergittertem  Oberlichtfenster.  Darunter  Marmor- 
täfelchen: /.  G.  SCH.  1791.  Im  I.  Stock  fünf  Fenster  mit  Eisengittern.  —  NO.  Fünf  Fenster  Front. 
Marmorportal  ähnlich  wie  im  SO.,  mit  der  eingemeißelten  Inschrift:  Georg  Schwarz  1790.  Die  fünf 
Fenster  des  I.  Stockes  haben  hübsche  Eisengitter.  —  SW.  Sechs  Fenster  Front.  Im  I.  Stock  Eisengitter, 
die  beiden  links  reicher,  die  anderen  kunstlos.  Ziegelsatteldach  mit  Krüppelwalm  über  den  Giebeln.  An 
der  Langseiten  breite  hölzerne  Hohlkehlgesimse. 

;";:cr£G;  Der  i^ltere  südöstliche  Teil  hat  im  Erdgeschosse  Tonnengewölbe  mit  Stichkappen,  ebenso  der 
Mittelgang  'xa  l.  Stock.  Der  später  (1790)  angebaute  kleinere  nordwestliche  Teil  hat  flache  Decken. 
im  I.  Stock  zwei  einfache  Holzkassettendecken. 

Zwei  gußeiserne  Ofen.  Im  Gastzimmer  ein  größerer  mit  Doppeladler,  zweimal  Schäfer  und  Schäferin 
iri_  Rocaillenrahmen;  interessantes  Stück,  datiert  1762.  Im  II.  Stock  ein  kleinerer  mit  Reliefköpfen,  datiert 
1/91  (tönerner  Oberteil  mit  Lorbeergewinden). 


Gneis 


83 


Fig.  82    Gneis,  Weiherhof  (S.  83) 


Gneis,  Ortschaft 
Weiherschlössel  (Weiherhof)  (Nr.  1). 

Literatur:  HObner,  Stadt  1,  442.  —  PiixWEiN,  Salzachl<reis  345  f. 

Dieses  Schlößchen  wurde  im  Gegensatze  zu  dem  Schloss  am  oberti  Weiher  (Anif)  das  am  untern  Weiher 
genannt.     Am  4.  März  1614  gibt  Bischof  Ernfiied  von   Chiemsee  dem  Domherrn  Paris  Grafen  Lodron 


i| 


Fig.  83    Weiherhof,  Grundriß  des  Erdgeschosses  1  :  200  (S.  84) 

das  Schlössl  auf  der  Gemain  vor  dem  Nonntal  am  Weyr  genannt  zu  Leibgeding  (Or.).    Am  24.  De- 
zember  1642  gibt  Erzbischof  Paris  Lodron   unter  der  Bedingung  den  Hof  Guggental  einem  jeweiligen 

11* 


84 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Bischof  von  Chiemsee,   daß  er  das  Schlößchen  auf  der  Gmain  einem  beliebigen  Domherrn  zu  lebens- 
länglichem Nutzgenuß  überlasse. 

Beschreibung.     Beschreibung:  Der  „Weiherbauernhof"   (Gneis,  Nr.  1)  ist  ein  einstöckiges  Gebäude,  sechs  Fenster 
Front,  mit  einem  fünffensterigen  Giebelgeschoß.    Ein  gemeinsames  Schindeldach  bedeckt  den  Wohntrakt 
und  den  stattlichen,  durchaus  gewölbten  Stall,  dessen  Gewölbe  auf  Marmorsäulen  ruhen.  Auch  die  Futter- 
Fig.  82,  83.       tröge  sind  aus  Marmor  (Fig.  82,  83). 

Daneben  steht  das  kleine  Ausgedinghäuschen  (Gneis,  Nr.  2),  rechteckig,  einstöckig,  gegiebelt,  mit  Schindel- 
Fig.  84.  Satteldach.  An  seiner  Westseite  sind  nebeneinander  zwei  skulpierte  Marmorplatten  eingemauert  (Fig.  84). 
Die  eine  zeigt  zwischen  zwei  Pilastern  mit  Blattkapitälen,  die  durch  ein  profiliertes  Gesims  verbunden 
sind,  die  zwei  von  Intel  und  Pastorale  bekrönten  Wappenschiide  des  Bischofs  von  Chiemsee  Ägid  Rem 
(1520 — 1536),  die  andere  enthält  in  ähnlicher  architektonischer  Umrahmung  die  in  erhabenen  klassischen 
Kapitalbuchstaben  gemeißelte  Inschrift: 

AEGIDIVS.DG. 

EPIS.  CHIEMEN. 

AEDEIS  HAS  EX 

FVNDAMENTIS 

INSTAVRAVIT. 


Fig.  84    Gneis,  Weiherhof.    Inschriftcnplatte  des  Bischofs  Agid  Rem  von  Chiemsee, 

um  1530  (S.  84) 


Gnigl,  Dorf 


Archivalien:  Konsistorialarchiv  (Bauakten,  Rechnungen  1738—1768).  —  Landesregierungsarchiv  (Hofl<.  Neuhaus  1733  A). 

Literatur:  HüBNER,  Stadt  559.  —  Pillwein,  Salzachl<reis  376.  —  Dürlinger,  59. 

Alte  Ansichten  (im  Salzburger  Museum):    Aquarell  von  Fr.  Gremel,  1792.    —    Kolorierte  Radierung  von   Louis  Wallee,  um  1800. 

Ob  der  in  den  Breves  Noütiae  genannte  „rivolus  Glanide'  auf  den  Glanfelder-  oder  auf  den  Gniglerbach  zu  beziehen  ist, 
ist  fraglich;  für  letzteres  spräche  der  in  gleichem  Zusammenhange  genannte  Ort  Kußdorf  (HAUTHALER,  U.-B.  1,  33) 
„Fluvius  Gnigl'  wird  1271  genannt  (A'oviss.  Chronicon  293). 


i 


farrkirche.    Pfarrkirche  zum  hl.  Michael. 

Eine  Kirche  in  Gnigl  erscheint  erst  1585,  und  zwar  als  Filialkirche  der  Stadtpfarre.  1699  wurden  Gnigl 
und  Aigen  zu  einer  Kuratie  vereinigt;  1852  wurden  beide  zu  selbständigen  Pfarren  erhoben. 
1701  wird  bewilligt,  bei  der  St.  Michaels-Capellen  ein  Vordach  zu  erbauen,  um  dadurch  mehr  Platz  für 
die  Kirchenbesucher  zu  gewinnen.  1711  wurde  der  Plan  zu  einer  Erweiterung  gefaßt  und  hierfür  von 
Sebastian  Stumpfegge r,  Hofsteinmetz-  und  Maurermeister,  ein  Riß  gemacht.  Der  Überschlag 
belief  sich  auf  4000  fl.  Aber  noch  1722  war  nichts  geschehen  und  von  Stumpfegger  ein  neuer  Riß 
vorgelegt  worden.  Erst  als  ein  Herr  de  Messa,  kaiserlicher  Konsul  bei  der  Republik  Venedig,  2000  fl. 
zum  Kirchenbaue  vermachte,  wurde  die  Sache  in  Angriff  genommen.  Der  Bau  stand  unter  der  Leitung 
des  Hofmaurermeisters  Tobias  Kendler.    Im  Salzburger  Museum  befinden  sich  drei  von  diesem  für 


t 


f 


Qnigl 


85 


Gnigler  Kirche  gezeichnete  Pläne,  Grundriß  und  Südfassade  (ein  unausgeführter  und  der  ausgeführte 
Entwurf).  —  Vom  Neuhauser  Steinbruch  wurden  zum  Ausmauern  der  Kirchen-  und  Sakristeigrundmauern 
120  Klafter  Mauerstein,  zu  dem  Turm-,  Kirchen-  und  Sakristeisockel  23  Klafter  Nagelstein,  260  Klafter 
Mauerstein  von  der  Riedenburg  zu  den  Mauern  ausser  dem  Grund,  dann  zum  Gewölbe  210.000  Mauer- 
ziegel und  11.000  Metzen  Kalk  von  der  Hofbaumeisterei  geliefert.  Den  Grundstein  legte  Leopold  Firmian, 
Domherr,  Konsistorialpräsident  und  Dompropst  zu  Trient,  im  Jahre  1732.  Große  Geldknappheit  war  die 
Ursache  des  langsamen  Fortschreitens  des  Baues  und  1733  wurde  nochmals  um  ein  Darlehen  von  3000  fl. 
beim  Erzbischof  angesucht:  Unser  Marianisches  Gnadenbild  quam  Cels""'^  et  Clem'""^  princeps  Joannes 
Ernestus  piiss.  mem.  Mariam  tutelam  nominari  voluit,  wird  ungezweifelt  Euer  hj.  Gnaden  besonders 
beglücklidiste  Regierung  in  annorum  myriades  beschützen.  Die  Zimmerarbeiten  machte  Georg  Hueber, 
Hofzimmermeister,  die  Stukkaturarbeiten  Johann  Kleber.  Die  Bauunkosten  beliefen  sich  auf 
11.884  fl.  287^  kr. 


l'ig.  85    Qnigl,  Gesamtansicht  von  Nordwesttn  (S.  86) 


Am  5.  Dezember  1732  konnte  der  erste  Stein  zum  Hochaltar  gelegt  werden.  1733  läßt  der  Kurat  Johann 
Scherer  auf  eigene  Kosten  die  Kanzel  machen.  Der  Hochaltarbau  erhielt  durch  ein  Legat  der  Frau  Anna 
Theresia  Glick,  geborene  Laimprucher  in  Salzburg,  per  1000  fl.  eine  Förderung.  Stumpfegger  hatte 
den  Hochaltar  von  verschiedenem  Marmor  ohne  Bildhauerarbeit  um  4000  fl.  in  Akkord  genommen  und 
1738  aufgestellt,  wegen  Geldmangel  aber  nur  1800  fl.  erhalten,  weswegen  bis  1742  ein  Prozeß  anhängig 
war.  Am  11.  Juni  dieses  Jahres  wurde  er  erst  damit  beendigt,  daß  der  Kurat  Scherer  aus  eigenem  379  fl. 
zahlt  und  Stumpfegger  650  fl.  nachläßt;  immerhin  verblieb  noch  eine  unbedeckte  Summe  von  1421  fl. 
An  Arbeitslöhnen  waren  in  der  Zeit  von  Oktober  1736  bis  März  1739  in  118  Wochen  für  Steinmetz, 
Steinschleiffer  und  Stainprecher  2360  fl,  vor  underschidliche  rode,  graue,  weiße  und  mellierte  Marmor- 
stein 732  fl,  für  Bildhauer,  Tischler  und  Vergolder  1092  fl  verausgabt  worden.  Am  22.  Dezember  1738 
werden  Herrn  Zanusi,  Mahlern  in  Salzburg,  für  die  2  Hochaltarblattl  über  die  von  einem  gewissen 
Guetthäter  erlegten  WO  fl  noch  bezahlt  200  fl.  Als  Urheber  der  Bildhauerarbeiten  dürfen  wir  wohl 
Josef  Anton  Pfaffinger  ansehen,  wenn  uns  auch  nur  eine  Abschlagszahlung  von  20  fl.  in  den 
Akten  belegt  ist. 
Am  24.  Juni  1738  nahm  Erzbischof  Leopold  Anton  die  Einweihung  der  Kirche  vor. 


se 


öerichtsbezirk  Salzburg 


Charakte- 
ristik. 
Fig.  85—89. 


Die  Rechnung  von  1756  vermerkt:  Mathias  Ab s mann,  Tischlermeister  in  der  Onigl  wegen  gemachten 
Tabernakel  zum  Kreuzpartikel  3  fl. 

Charakteristik:  Einschiffige,  kreuzförmige  Barockkirche  mit  Frontturm,  1732 — 1738  nach  Plänen 
des  Tobias  Kendler  erbaut  (Fig.  85 — 89).  Die  namentlich  in  ihrer  inneren  Raumwirkung  trefflich 
gelungene  Kirche  ist  wohl  die  beste  Leistung  dieses  Baumeisters. 


Äußeres.  Äußeres  (Fig.  85,  86) : 

Fig.  85,  86.       Die  Kirche  ist  nach  Norden  orientiert. 

Bruchstein  und  Ziegel,  verputzt  und  grüngelb  gefärbelt.  Umlaufender  hoher  Konglomeratsockel  und  reich 
profiliertes  Kranzgesims  mit  glattem  Fries.    Lisenengliederung. 


I 

i 


Fig.  86    Gnigl,  Pfarrkirche  von  Nordwesten  (S.  86) 

Langhaus.  Langhaus:  S.  Dreiecksgiebelfront  mit  vorgebautem  Turme.  —  W.  Links  vorspringender  Querarm  mit 
rundbogigem  Fenster.  Rechts  rundbogiges  Portal  in  Sandsteinrahmung,  oben  drei  rundbogige  Fenster.  — 
O.  Entsprechend  wie  im  W.  —  Schindelsatteldach. 

Chor.  Chor:  Rechteckig,  mit  flachbogigem  Abschluß.    Im  O.  und  W.  je  ein  rundbogiges  Fenster.    Schindel- 

satteldach, nach  N.  abgewalmt. 

Sakristei.  Sakristei:  Im  N.  des  Chors,  niedriger  als  dieser.  Im  N.  und  O.  übereinander  je  zwei  Fenster,  im  W. 
Tür  mit  Oberlicht,  darüber  Fenster.    Konglomeratsockel,  Hohlkehlgesims,  Schindeldach.  * 

T  nn.  Turm:  Im  S.  des  Langhauses,  dreigeschossig.  S.  Rundbogiges  Sandsteinportal  mit  flankierenden  Pilastern 

ui';i  rundbogigen  Giebelansätzen.  Darüber  Marmorwappen  des  Erzbischofs  Johann  Ernst  Grafen  Thun 
^t;-  'If:  'nschrift:  I.  E.  A.  S.  F.  F.  1696.  In  dem  rechteckigen  Felde  darüber  neu  übermaltes  Wandgemälde: 
3or.ne:/aiir,  darüber  die  auf  Wolken  thronende  Himmelskönigin  mit  dem  Jesukinde,  von  Putten  und 
Cherubskcphhen  umgeben;  Chronogramm  auf  1854.  Im  W.  und  O.  übereinander  je  vier  Luken.  Im 
dritten  Geschoccc  vier  rundbogige  Schallfenster  in  Putzumrahmung,  darüber  Zifferblätter,  kräftig  profi- 
liertes Kranzgesims.  Rot  gestrichener  Schindelzwiebelhelm,  daran  die  Jahreszahlen  7752,  1833,  1885. 
Vergoldeter  Knauf  und  Kreuz. 


üiiigl 


87 


Friedhofmauer:  Bruchstein,  mit  Steinplatten  abgedeckt.    Im  S.  Haupteingang  zwischen  zwei  kugel-         Friedhof- 
bekrönten  Konglomeratpfeilern,  im  W.  neuer  Eingang  mit  Stiege.  mauer. 


Inneres  (Fig.  87,  89): 

An  das  geräumige  helle  Langhaus  schließt  sich  ein  wenig  ausspringendes  Querhaus  und  der  schmälere 
Chor,  alle  in  gleicher  Höhe  überwölbt.  Die  kräftige  Wandgliederung,  die  delikate  Stukkierung  der 
Gewölbe  und  die  ganz  einheitliche  und  gleichzeitige,  in  gesättigten  warmen  Farben,  vorwiegend  Rot 
und  Gold,  gehaltene  Einrichtung  vereinigen  sich  zu  einem  Gesamteindruck  von  ausgezeichneter  harmo- 
nischer Wirkung. 

Die  Wände  und  Gewölbe  sind  grünlich  gefärbelt,  Kapitale  und  Gesimse  weil3,  Pilaster  gelb  (1900  reno- 
viert). Umlaufender  marmorierter  Sockel  Wandgliederung  durch  Pilaster  mit  profilierten  Basen  und 
großen  ionischen  Stuckkapitälen,  darauf  über  Friesstücken  umlaufendes,  kräftig  vorspringendes,  reich 
profiliertes  Kranzgesims.  Flachbogiges  Tonnengewölbe,  von  je  fünf  rundbogigen  Stichkappen  ein- 
geschnitten; die  sechs  Quergurten  und  im  Querschiff  auch  die  zwei  Längsgurten  sind  mit  stukkierten 
Bandwerkornamenten  (von  Johann  Kleber,  1733)  verziert.  Die  Fenster  haben  abgeschrägte  Laibungen 
und  helle  ornamentale  Glasfenster  (von  1909).    Fußboden  aus  roten  und  weißen  Marmorplatteii. 


Inneres. 
Fig.  87,  89. 


Fig.  87    Gnigi,  Pfarrltirche,  Grundriß  1  :  300  (S.  87) 


Langhaus:  Im  S.  Musikempore  mit  flachem,  von  vier  Konsolen  getragenem  Boden  und  geschwungener 
Brüstung,  reich  verziert  mit  stukkiertem  Bandwerk;  im  O.  hölzerne  Aufgangssliege.  Über  dem  Kranz- 
gesimse im  vorspringenden  Turmteile  Uhr  mit  rundem  Zifferblatlc.  —  Die  beiden  rundbogigen  Türen 
im  0.  und  W.  und  die  Turmtür  (in  flachbogigen  Nischen)  haben  schöne  Eisenbeschläge  und  Schlösser 
(um  1733);   neben  jeder  ein  marmornes  Weihwasserbecken. 

Im  Querarme  zwei  in  flachbogige  Nischen  eingebaute  Beichtstühle.  Am  Gewölbe  in  geschwungenem 
Stuckrahmen  staik  übermaltes  Deckengemälde:  Maria  Himmelfahrt. 

Chor:  Gleichhoch,  einspringend.  Boden  um  zwei  rote  Marmorstufen  erhöht.  Schöne  Bandwerkbalustrade 
aus  verschiedenfarbigem  Marmor  (um  1733).  Am  rechteckigen  Gewölbefelde  besonders  reiche  Stukkaturen 
(Band-  und  Gitterwerk)  von  Johann  Kleber,  1733. 

An  der  Westseite  des  Chors  kleine  rote  Marmorplatte  mit  der  Inschrift:  MDCCXXXVIII  die  XXIV.  Junii 
in  festo  S.  Joannis  Baptistae  Ego  Leopoldus  Eleutherius  Archiepiscopus  ac  Princeps  Salisburgensis 
Legatus  natus  Germaiüae  Primas  etc.  etc.  ex  Antiquissimis  ac  Illustrissimis  L.  L.  B.  B.  de  Firmian  etc. 
etc.  consecravi  Ecclesiam  et  Altana  haec  in  honorem  b.  virginis  Mariae  tutelaris  et  S.  Michaelis 
archangeli  et  reliquias  ...  in  eis  inclusi .  .  . 

Sakristei:  Beide  Geschosse  flach  gedeckt.  Im  Erdgeschoß  an  der  Südwand  schön  gearbeitetes 
Lavabo  aus  rot  und  gelb  gesprenkeltem  Marmor.  Muschelbecken,  unten  eine  Maske  als  Ablauf,  um 
1737  (Fig.  88). 

Turm:  In  der  Eingangshalle  gratiges  Kreuzgewölbe.  Im  N.  zum  Langhause  flachbogige  Öffnung  mit 
einfachem,  schmiedeeisernem  Gitter.  —  Im  S.  rundbogige  Tür.    Marmorne  Weihwassermuschel. 


Langhaus. 


Querarm. 
Chor. 


Sakristei. 
Lavabo. 
Fig.  88. 

Turm. 


88 


Gericlitsbezirk  Salzburg 


Einrichtung. 


Altäre. 

Hochaltar. 

Fig.  90. 


Seitenaltäre. 


Linker 

Seitenaltar. 

Fig.  91. 


Rec 


Kanze';. 


Einrichtung: 
Größtenteils  einheitlich,  frühes  Rokoko,  1733—1738. 

Altäre:  1.  Hochaltar  (Fig.  90).  Über  drei  roten  Marmorstufen  geschwungene  Mensa  aus  rotem 
und  gelbem  Marmor;  daran  in  der  Mitte  Kreuzkartusche,  an  den  Enden  zwei  Cherubsköpfe  (Holz,  poly- 
chromiert).  —  Aufbau  aus  rotem,  gelbem,  gesprenkeltem  und  grauem  Marmor.  Im  Mittelteile  über  der 
Predella  das  rundbogige  Altarbild,  flankiert  von  zwei  Säulen  vor  Pilastern,  darauf  Gebälkstücke  und 
flachbogige  Giebelansätze.  An  den  Seiten  zwei  rundbogige  Durchgänge,  darüber  je  zwei  Säulen  und 
Pilaster  mit  Gebälk,  alle  mit  Basen  und  Kompositkapitälen  aus  vergoldetem  Holze.  Breiter  Aufsatz  mit 
Seitenvoluten  und  gesprengtem  Giebel.  Den  Aufbau  stellte 
S.  Stumpfegger  in  Salzburg  1738  her  (s.  S.  85). 
Tabernakel:  Das  ursprüngliche  Holztabernakel  (jetzt  in  der 
Sakristei)  wurde  1913  durch  ein  marmornes  ersetzt.  Vor  der 
Drehtür  die  alte  kleine  Kreuzigungsgruppe.  Darüber  byzan- 
tinisierendes  Madonnenbild  in  vergoldetem  Rahmen  mit  Strahlen- 
kranz, zwei  Engeln,  sechs  Cherubsköpfen. 
Gemälde:  Öl  auf  Leinwand.  Altarbild:  Der  hl.  Michael  stürzt 
den  Luzifer.  Gutes  Bild  von  Jakob  Zanusi,  um  1738.  — 
Aufsatzbild:  Christus  mit  dem  Kreuz  und  Gott-Vater  mit  der 
Weltkugel;  ebenfalls  von  Zanusi,  1738. 

Statuen  und  Figuren:  Holz,  polychromiert.  Über  den  beiden 
Durchgängen  die  lebensgroljen  Statuen  der  Apostel  Petrus  und 
Paulus  (Kopien  nach  den  Marmorstatuen  vor  dem  Dom  in 
Salzburg).  Darüber  je  ein  Putto  mit  Girlande.  Am  Aufsatze 
zwei  Engel,  zwei  Putti  mit  Kelch  und  Anker,  zwei  kleinere  mit 
dem  Kreuze,  darunter  die  Taube  des  Hl.  Geistes.  Zwei  Blumen- 
vasen, drei  Inschriftkaituschen,  sechs  Rosetten,  zwei  Festons, 
zwei  Palm-  und  Lorbeerzweige;  alle  Holz,  vergoldet. 
Diese  Skulpturen  wohl  von  Josef  Anton  Pfaffinge r,  1738. 

Zwei  Seitenaltäre  von  1734 — 1735,  im  Aufbau  einander 
gleich.  Über  zwei  Holzstufen  hölzerne,  marmorierte  Mensa  mit 
vergoldetem  Kreuze.  Wandaufbau:  Holz,  mit  Marmorstuck  über- 
zogen. Predella  mit  eingebautem  Tabernakel.  Altarbild,  flankiert 
von  je  zwei  übereckgestellten  Pilastern,  die  unten  in  Voluten 
endigen.  Verkröpftes  Gesims  mit  vergoldeter  Inschriftkartusche. 
Aufsatzgiebel  mit  Seitenvoluten  und  aufgebogenem  Gesimse. 
Oben  Palmette  und  Kreuz.  Die  geschnitzten  Holzverzierungen, 
Kapitale  und  Rahmen  sind  vergoldet.  Je  zwei  vorzügliche  Ge- 
mälde (Öl  auf  Leinwand)  von  Jakob  Zanusi,  zwei  Statuen 
und  vier  Putti  (Holz,  polychromiert  und  vergoldet),  wohl  von 
J.  A.  P  f  a  f  f  i  n  g  e  r. 

2.  Linker  Seitenaltar  (Fig. 91).  Altarbild:  Der  Gekreuzigte, 
umgeben  von  der  Gottesmutter,  den  beiden  hl.  Johannes,  dem 
hl.  Rupert,  dem  hl.  Jakob  d.  A.  Unten  ein  Engel  und  zwei 
Seelen  im  Fegefeuer,  oben  Monstranz,  von  zwei  Engeln  ge- 
tragen, darüber  die  hl.  Dreifaltigkeit.  Signiert:  Jac.  Zanusi 
Pinx.  1735.  —  Aufsatzbild:  Der  hl.  Josef  (Halbfigur)  mit  dem 
Jesukind,  umgeben  von  Cherubsköpfchen  und  einem  anbetenden 
Putto.  Gut,  ebenfalls  von  Zanusi,  1735. 
Zwei  Statuen,  die  Hl.  Georg  und  Florian,  und  vier  Putti,  1735. 

3.  Rechter  Seitenaltar:  Altarbild:  Der  hl.  Johann  von  Nepomuk,  am  Betschemel  kniend.  Hinter 
;-l:m  ein  Engel,  der  auf  ein  aufgeschlagenes  Buch  weist,  rechts  zwei  Putti  mit  Lorbeerkranz  und  Palm- 
zweig, oben  zwei  Putti  mit  Zungenrehquiar  und  Cherubsköpfe.  Gute  Arbeit,  signiert:  Giacomo 
Zanusi  iiiv.  et  pinsse  Sal.  An.  1734.  —  Aufsatzbild:  Der  hl.  Anton  mit  dem  Jesukinde,  Cherubs- 
köpfchen.   Gut,  ebenfalls  von  Zanusi,  1734. 

Zwei  Statuen,  die  Hl.  Ignaz  von  Loyola  und  Karl  Borromäus,  vier  Putti,  um  1734. 

Kanzel:  An  der  Ostseite  des  Langhauses.  Holz,  mit  verschiedenfarbigem  Marmorstuck  überzogen. 
Aufgangstiege  mit  Geländer.  Brüstung  mit  vier  vergoldeten  Stuckreliefs,  Halbfiguren  der  Evangelisten 
und  vier  Namenskartuschen.    Ablauf  von  zwei  Putten  gestützt.    An  der  Brüstung  Arm  mit  Kruzifix.    An 


Fig.  88    Gnigl,  Pfarrkirche,  Marmorlavabo, 
um  1737  (S.  87) 


I 


Gnigl 


89 


der  hölzernen  Rückwand  Namen  Jesu.    Am  Schalldeckel    unten  die  Taube   im  Strahlenkranz,  oben  vier 
sitzende  Putti  mit  Kreuz,  Herz,  Anker,  Kelch,  als  Bekrönung  posauneblasender  Engel.  1733  (s.  S.  85). 

Tauf  stein:  Marmor,  1849.  Taufstein. 

Orgel:  Marmoriertes  einfaches  Holzgehäuse  mit  vergoldeten  Ranken,  Mitte  des  XIX.  Jhs.  Orgel. 

Beichtstühle:  Zwei  Beichtstühle,  mit  vergoldeten  Rankenaufsätzen.  Um  1735.  Beichtstühle. 

Zwei  Chorbänke  mit  ähnlichen  Ranken.  Um  1735.  —  Einfache  Kirchenbänke. 

Skulpturen:  Holz,  polychromiert  und  vergoldet.  1.  Großes  Kruzifix,  vom  Triumphbogen  herabhängend.       Si<ulpturen. 

Gut,  um  1735. 

2.  Sechs  große  Statuen   an  den  Wänden,  auf  Konsolen  mit  Namenkartuschen:  Maria,  Johannes  (Chor); 

Johann  von  Nepomuk,  Anton  von  Padua,  Franz  von  Assisi,  Leonhard  (Langhaus).  Mittelmäßig,  um  1735. 


Fig.  89    Gnigl,  Pfarrkirche,  Inneres  (S.  87) 

3.  Statue  der  Immakulata,  auf  der  Weltkugel  stehend,  mit  zwei  Putten.  Um  1735  (Langhaus)! 

4.  Tragkreuz.  XVlIl.  Jh.  (Sakristei). 

')■  Leichenkreuz,  auf  Tragstange  über  Totenkopf.    Mitte  des  XVIII.  Jhs.  (Sakristei). 

Leuchter:  1.  Acht  dreifüßige  Zinnleuchter.    Ende  des  XVlll.  Jhs. 

2.  Sechs  geschnitzte  dreifüßige  Hochaltarleuchter,  Holz,  silberbronziert.    Um  1735. 

3.  Vier  dreifüßige  Leuchter,  Holz,  alt  vergoldet,  mit  Ranken.    Um  1735. 
1.  Vier  altvergoldete  Holzleuchter  mit  runden  Füßen.    Um  1735. 

).  Zwei  Wandleuchler  (Holz,  goldbronzierl)  mit  breiten  Kartuschenschilden,  reich  mit  Muschelwerk  ge- 
schnitzt.   Um  1750. 

Ampeln:    Zwei  aus  Zinn  (Ende  des  XVII.  Jhs.  und  Mitte  des  XVIII.  Jhs.),  eine  aus  Messingblech,  ver- 
•silbert,  getrieben,  um  1800. 


Leuchter. 


\V  e  i  h  b  r  u  n  n  k  e  s  s  e  1 : 
XI 


Zinn.  XVIII.  Jh. 


Ampeln. 

Weihbrunn- 
kessel. 


12 


90 


Gcrichtsbezirk  Salzburg 


Monstranzen. 


Fig.  92. 


Monstranzen:  1.  Große  Piachtmonstranz.  Silber,  vergoldet,  reich  verziert  in  getriebener  Arbeit.  Am 
Fuße  vier  Rocaillenkartuschen  mit  Trauben  und  Rosen.  Um  das  Gehäuse  ein  schmaler  und  ein  breiter 
Rocaillenrankenrahmen  mit  Reben;  Strahlenkranz.  In  Relief  daran  unten  St.  Michael,  oben  Gott -Vater 
und  die  Taube,  zuoberst  Kreuz.  Am  Fuße  gravierte  Inschriftenplatte:  M.A.SH.  EX  VOTO  1779.  Zwei 
Repunzen.    Alte  Marken  fehlen.    Sehr  gute  Arbeit,  um  1760.  (Fig.  92.) 


Fig.  90    Gnigi,  Piarri<irche.    Hochaltar  von  Seb.  Stumpfegger,  Sliulpturen  von  Plaffinger, 

Gemälde  von  Zanusi,  1738  (S.  88) 


Ziborium. 


2,  Messing,  vergoldet  und  versilbert.  Verziert  mit  getriebenem  Band-  und  Muschelwerk.  Am  Knauf  vier 
Cherubsköpfe.  Großer  Schein  mit  fünf  Engeln  und  Gott-Vater  in  Relief.  Rankenrahmen  und  Strahlen- 
kranz.   Mittelmaßig,  um  1740. 

Ziborium:  Glatt,  Silber,  vergoldet.  —  Marken:  Augsburger  Beschau  (großer  Pinienapfel).  Meister- 
zeichen: LS  in  Breitoval  (R^  483;  wahrscheinlich  Ludwig  Schneider,  gest.  1729).  —  Große  Krone 
aus  Silber,  zum  Teil  vergoldet,  unechte  Steine.  —  Marken:  Salzburger  Beschau.  Meisterzeichen:  IM  ir 
Schild  (wohl  Josef  Mayr,  Bürger  seit  1728). 


Qnigl 


91 


Kelche:  Alle  aus  Silber.  1.  Prachtkelch.  Reich  mit  Rocaillen  getrieben.  Am  Fuße  und  an  der  Cuppa 
je  drei  Emailbildchen,  von  roten  Steinen  umrahmt:  Dornenkrönung,  Sturz  unter  dem  Kreuze,  Kreuzigung  — 
Geißelung,  Abendmahl,  Ölberg.  Am  Fuß  Inschriftenplatte:  B.  V.  M.  et  S.  Michaeli  Archangelo  d.  d.  d. 
Nicolaus  Grassmayr  (Pfarrer  von  Gnigl,  1752 — 1771).  —  Marken:  Augsburger  Beschau  mit  Jahresbuch- 
staben I  (1749—1751 ;  R^  192).  Meisterzeichen:  I  G I  in  Breitoval.  Sehr  schöne  Augsburger  Arbeit,  um  1750 
(Fig.  93). 


Kelche. 


Fig.  93. 


Fig.  91     Gnigl,  PfarrtcircliL'.     Linker  Soitenal 


Gemälde  von  Zaniisi  (S.  88) 


2.  Zum  Teil  vergoldet,  mit  getriebenen  Rocaillen  verziert.  Am  Knauf  drei  Kartuschen.  Durchbrochener 
silberner  Cuppakorb  (Rocaillen).  —  Marken:  Augsburger  Beschau  mit  Jahresbuchstaben  G  (1745 — 1747 
R^  190).    Meisterzeichen:  Kleines  S  in  Oval.    Augsburger  Arbeit,  um  1746. 

3.  Zum  Teil  vergoldet,  mit  getriebenem  Muschelwerk  verziert.    Durchbrochener  Cuppakorb.  —  Marken: 

Augsburger  Beschau  mit  Jahresbuchstaben  G  (1745-1747;  R^  190).  Meisterzeichen  j.^g  (R^  545).  Augs- 
burger Arbeit  des  Johann  Jakob  Schoap  oder  Josef  Ignaz  Safer,  um  1746. 

4.  Zum  Teil  vergoldet,  mit  getriebenen  Rocaillen.  Durchbrochener  Silberkorb  um  die  Cuppa.  —  Marken: 
Beschauzeichen  von  Tittmoning  (Bischof  über  Tor;  bei  R-  3650  schlecht).   Meisterzeichen:  EH.   Am  Fuß 

12* 


92 


Oericiitsbezirk  Salzburg 


Bittgangs- 
kreuz. 


''rcuzpartikcl- 


graviert:   M.  E.  /?.  nee  Aigneriii   1755.    Gute   Arbeit   des   Egydius   Hablitscliek   in   Tittmoning, 
um  1755. 

Bittgangskreuz:  Silber.    Am  Fuß  aufgelegt  die  vergoldeten  Halbfiguren  der  vier  Evangelisten.    Am 
Kreuz  vergoldeter  Kruzifixus,  hinten  vergoldete  Relieffigur  der  Madonna.  —  Marken:  Salzburger  Beschau. 

I  F 

Meisterzeichen:    ^    in  Schild.    Salzburger  Arbeit,  um 

1720,  wohl  von  Jakob  Friedrich  Gatto  (Bürger 
seit  1709). 


Fig.  92     Gnigl,  Pfarrkirche,  Monstranz, 
um  1770  (S.  90) 


Fig.  93    Gnig],  Pfarrkirclie,  Kelch  von  I.  Q.  I. 
in  Augsburg,  1750  (S.  91) 


Kreuzpartikelmonstranz:  Silber,  zum  Teil  vergoldet.    Am  ovalen  Fuße  schön  getriebenes  Band- 
werk, ebenso  am  Knauf.    Um  das  Kristallkreuz  Rahmen  aus  Ranken,  dahinter  vergoldeter  Strahlenkranz. 

Zvei  Repunzen.  Um  1740. 


u  i'  a  b  s  t  c  i  n  ; 


l!:i 


Friedhof.    Marmorobelisk  mit  Putto.    Katharina  Dreyer,  1840. 


Glocken:    ..   Größte    Glocke.    Kruzifix,    Maria-Piain,  Madonnenbild  von  Gnigl,  St.  Josef.    Umschrift: 
saeCVLI  hVIVs  F.CCr.slAH  CfLebranDI  CaVsa  rItV  soLennI  beneDICta  fVI  (Chronogramm  =  1838). 
Benefactorum  .  .  .  munificentia  comparata.  Gegossen  v.  F.  X.  Giigg  z.  Salzburg. 


Gnlgl 


93 


2.  HI.  Dreifaltigkeit,  St.  Michael,  Kruzifix.    Umschrift:  Sub  r.  D.  parocho  G.  Beaupre  denuo  fiisa  a  F. 
Oberascher  Salisburgi  MDCCCLIV. 

3.  Immakulata,  St.  Andreas,  Kreuzigung,  St.  Michael.    Gegossen  von  Josef  Hollederer  in  Salzburg  1849. 

4.  Kruzifix.  Johann  Oberascher  in  Salzburg  anno  1788. 

Turmuhr:  Von  Johann  Beutele,  1805. 


Fried hofkapelle:  An  der  Südwestecke  des  Friedhofes,  flachbogig  abgeschlossen.  Große  flachbogige 
Öffnung  und  Tür  mit  Eisengittern,  um  1740.  Zinkblechpyramidendach.  Innen  ein  übermalter  Kulissen- 
altar (Seelen  im  Fegefeuer),  vier  Holzleuchter,  zwei  Reliquienpyramiden,  um  1740. 


Grabsteine: 
Perzl,  1810. 


Turmuhr. 


Friedhof- 
kapelle. 


Gelbe  Marmorplatten.    1.  Pfarrer  Nikolaus  Graßmayr,  gest.  1771.    —    2.  Johann  Bapt.       Grabsteine. 


Kapelle  zu  Unserer  Lieben  Frau  am  Schnoderbach  (Luggaukapelle).  Kapelle. 

Archivalien:  SRA  (Hofk.  Neuhaus  1700  M,  Relat.  1700,  f.  51). 
Literatur:  Reitlechner,  Marianisches  Salzburg  74. 

Im  Jahre  1699  suchte  Adam  Reithmayr,  Mailner  in  der  obern  Kendl  und  Melbler  in  Salzburg:  .nachdem  die  St.  Sebastians- 
und Rochusbruderschaft  in  Salzburg  das  von  mir  (1690)  unweit  meiner  Mahle  in  der  obern  Gnigl  von  Holz  erbaute,  her- 
nach aber  von  hoher  geistl.  Obrigkeit  der  genannten  Bruderschaft  zugeeignete  kleine  Capellel  von  Mauer  auffahren  und 
in  etwas  erweitern,  auch  vor  dem  schlimmen  umbvagirendten  GesOndl  und  Ungewitter  besser  verwahren  zu  lassen  gedacht 
ist  und  mich  ersucht  hat,  den  erforderlichen  Grund  20'  lang  und  11'  breit  herzuschenken,  was  ich  auch  willens  bin',  um 
den  Konsens  hiezu  an,  da  der  Grund  hofurbar  sei.  Hiebet  wird  auch  angefahrt,  daß  die  Kapelle  von  der  Stadt  und  den 
Wallfahrern  nach  St.  Wolfgang  rege  besucht  wird.    Am  12.  November  1699  erfolgte  die  erbetene  Bewilligung. 

Äußeres:  Weiß  gefärbelter  Bruchsteinbau.  Rechteckig  mit  halbrundem  Abschlüsse.   Im  O.  Tür,  darüber         Äußeres. 
Ovalfenster,    Dreiecksgiebel,   modernes    hölzernes   Glockentürmchen.     An    den  beiden  Langseiten  je   ein 
Fenster.   Im  Abschlüsse  zwei  Schmalfenster.   Schindelsatteldach.   Neben  der  Tür  hübsche  kleine  marmorne 
Weihbrunnschale,  um  1690. 

Inneres:   Neu   ausgemalt  (1879).    Neben  der  Tür  Weihbrunnschale  aus  Marmor.    Alter  Fußboden  aus         Inneres, 
roten  Marmorplatten.   Vor  dem  Altarraume  schmiedeeisernes  Gitter  mit  F.  D.  (um  1700),  rechts  daneben 
Nische  mit  geringer  Holzstatue  Christi  an  der  Geißelsäule,  XVllI.  Jh.  —  An  der  Decke  des  Altarraumes  in 
stukkiertem  Rahmen  ein  Gemälde  (Öl  auf  Leinwand i:   Gott- Vater,   die  Taube   des   Hl.  Geistes  und   drei 
Putti;  Anfang  des  XVIII.  Jhs. 


Einrichtung:  Einrichtung. 

Altar:  Einfach;  Holz,  marmoriert.  An  der  Mensa  die  ge.malle  Figur  Christi  im  Grabe.  In  dem  von 
Voluten  flankierten  Aufbau  schön  geschnitzter,  mit  Bandwerk  verzierter  Holzrahmen  (um  1730);  darin  das 
geringe  alte  Altarbild,  die  Luggau-Madonna  mit  dem  Leichnam  Christi  auf  dem  Schöße,  daneben  zwei 
Engel,  oben  ein  Cherubskopf.  Darunter  die  Inschrift:  Gott  dem  Allmächtigen  u.  unser  lieben  Frauen  zu 
ehren  hat  Adam  Reitmair  sambt  seinem  Eheweib  Rosina  gebohrne  Gemahlin  dieses  anhero  machen 
Ao  1690.  Daneben  zwei  geringe  hölzerne  Leuchterpulten.  Vier  vergoldete  Holzleuchter,  Monogramm 
Maria,  Sonne  und  Mond. 

Holzskulpturen:  1.  Statuette  des  hl.  Wolfgang.    Anfang  des  XVI.  Jhs.,  gut.  .  Holz- 

2.  Statuette  des  hl.  Vital,  XVll.  Jh.  Skulpturen. 

3.  Christus  an  der  Geißelsäule,  um  1700. 

Gemälde:  Öl  auf  Leinwand.  1.  Alte  Kopie  eines  1669  zu  Rom  auf  wunderbare  Weise  gemalten  Mutter-        Gemälde. 
Qottes-Gnadenbildes.     Unten  Inschrift. 

2.  Großes  Bild.  Abbildung  des  Mutter-Gottes-Bildes  in  der  Luggau  (Kärnten)  und  der  Wunder,  die  es 
wirkte.  Zu  beiden  Seiten  knien  unten  Kaiser  Ferdinand  111.  und  die  Kaiserin.    Unten  Inschrift  von  1702. 

3.  Die  sieben  Gnaden  des  Mutter-Gottes-Bildes  in  der  Luggau.    Um  1700. 

4.  Die  schmerzhafte  Mutter  Gottes  neben  dem  Kreuze.  Um  1700.  Alle  vier  geringe  Arbeiten.  Fünf 
Votivbilder  (1745,  1766,  1811,  1814). 


94 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Schloß  Neuhaus. 

Archivalien:  SRA  (Hofk.  Neuhaus  1596/9  L,  1603/5  L,  1650  N,  Relat.  1695,  f.  267'.    Landschaft  Fasz.  29,  Nr.  50). 

Literatur:  Hübner,  Beschreibung  1,  167.   —  Pillwein,  Salzachkreis  377.  —  Richter,  Untersuchungen  703  ff.  —  Süss,  Jahresber. 
des  Mus.  1853,  81. 

Nach  den  alten  Chroniken  erbaute  Erzbischof  Eberhard  III.  von  Neuhaus  das  Schloß  im  Jahre  1424,  wohl 
zum  Sommeraufenihalte.  Eine  Neugründung  war  es  jedoch  nicht,  denn  nicht  nur  1400  ist  schon  ein 
Schloßpfleger  auf  Neuhaus  bezeugt,  sondern  sogar  schon  1219  erscheint  ein  Chunradus  de  nova  domo 
als  Zeuge  in  einer  Urkunde  (Or.  in  St.  Peter)  und  1254  schenkt  Erzbischof  Philipp  dem  Abte  Richker 
mansum  unum  sab  novo  castro  situm  (Stiftsarchiv  St.  Peter,  Cod.  P  Nr.  85).  Wahrscheinlich  nannte  sich 
auch  der  in  Urkunden  um  1270  häufig  begegnende  Gotscalcus  de  novo  castro  oder  datz  dem  newn 
hous  nach  diesem  Schlosse. 

Seit  1508  war  es  Sitz  eines  Pfleggerichtes.  Einem  Berichte  des  Pflegers  vom  30.  April  1599  entnehmen 
wir,  dass  das  Schloss  Neuhaus  an  etlichen  Orten  offen  und  jedermann  aus-  und  eingehen  kann,  dass 
das  Haubtthor.  die  Kirchenthür  von  der  Capellen.  die  Thür  am  Thurm  darin  die  Kheichen  steht,  auch 


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Fig.  94    Schloß  Neuhaus  bei  Gnigl,  Grundriß  1  :  600  (S.  95) 

alle  Schlösser,  Pänder  und  Eissenzeug  darvon  abweg  gebrochen,  der  Brunn  eingeworfen  worden.  Und  ist 
zu  besorgen,  es  möchten  sich  Icstlich  böse  Leutt  darin  aufhalten,  auch  die  am  Seittenmaur,  welche  ganz 
frei  steht,  auf  die  I.andstrassen  herabfallen  und  Schaden  thuen,  wie  dann  der  Wind  immerzue  die  Stain 
darvon  herabwirft.  Erzbischof  Wolf  Dietrich  aber  gedachte  nichts  in  dies  Schloss  zu  verpauen.  Damals 
also  amtierte  schon  der  Pfleger  respektive  der  Gerichtsschreiber,  die  wohl  überhaupt  in  der  Stadt  wohnten, 
im  Amtshaus  herunten  in  Gnigl;  in  diesem  waren  laut  Inventar  von  1605  auch  die  Folterwerkzeuge  und 
die  Gefängnisse  untergebracht. 

Die  Urbarsbeschreibung  von  1608  schildert  Neuhaus  wie  folgt:  Das  Schloss  Neuhaus  ist  dieser  Zeit  alles 
paufellig  und  nit  zu  bewohnen,  der  Schlossperg  daselbst  würdet  anjetzo  mit  dem  Hofvieh  abgeözt,  welcher 
ober  mit  Stauden  und  Thernern  merersthails  verwaxen,  also  dass  er  wenig  Nutz  ertregt. 
1550  sucht  der  Zimmermeister  Wolf  Braunwieser  an,  in  das  Zimmer  ober  der  Capelle  im  Schloss  ein- 
;.' -,i  zit  dürfen.  Dann  aber  scheint  das  Schloß  doch  für  das  Pfleggericht  bewohnbar  gemacht  worden 
:':.  1572  wurde  ein  Archivraum  zugerichtet. 
x_i'5  vvLiiJe  :';ii  Schloß  vom  Blitze  getroffen  und  teilweise  eingeäschert.  Die  Amtsverrichtungen  werden, 
^oicj-^  uciii  uiu'crs  Gelegenheit  erpauet  werde,  an  dem  erödeten  Ort  verrichtet,  die  Schreib-  und  Ver- 
nörstuben  werde,  wan  der  Gerichtsschreiber  von  dem  Ambt  zum  Mittagessen  und- zu  Nacht  nach  Hans 


Gnigl 


95 


gehe,  mit  2  Gespör  verwahrlich  zugespört,  das  Archiv  seye  mit  eysernen  Palcken  und  Gattern,  auch 
einer  eisern  und  hölzernen  Vorthilr  versechen.  unter  dem  Schlossthor  wohne  der  besoldte  Thorwarth. 
welcher  das  untere  Thor  verwahret  und  verspürter  halten  thuet,  das  Archiv  aber  stehe  doch  gleichwollen 
bey  so  entstehender  Feuersprunsten  in  keiner  Sicherheit,  müssen  die  Schreib-  und  Verhörstuben  ganz  an 
das  Archiv  gehet,  oben  und  unten  mit  hölzernen  Böden  versechen,  welche  zu  Winterszait  beschwerlich 
zu  heizen  und  dahero  vil  Holz  (so  sambt  dem  Wasser  mit  großer  Mühe  auf  den  Perg  muss  gebracht 
werden)  hiezu  vonnethen  ist.  Desgleichen  gebe  es  die  Erfahrenheit,  dass  es  in  diesem  Gepey  bey  30  Jahren 
hero  zum  drittenmal  habe  eingeschlagen,  der  erste  Straich  seie  ein  Wasser-  und  der  andere  ein  Feuer- 
straich  gewesen,  welcher  die  sogenannte  Einsidlerey  völlig  abgeprant  habe.  1697  wurde  nun  das  Pfleg- 
haus in  Gnigl  erbaut  und  das  Schloß  —  nach  Hübner  „viele  Behältnisse,  Keuchen  und  Keller,  9  ordent- 
liche Wohnzimmer  und  eben  soviele  Küchen  für  kleine  dürftige  Familien  enthaltend"  —  an  Private 
vermietet.  1793  nahm  es  Graf  Lehrbach  um  50  fl.  in  Pacht,  der  auch  vieles  veränderte.  1795  nahm  Neu- 
haus Graf  Franz  Lodron,  Gesandter  am  schwedischen  Hofe,  in  Bestand.  Churfürst  Ferdinand  ließ  es  am 
30.  Dezember  1803  als  freieigen  an  den  Meistbietenden  um  den  Ausrufspreis  von  3000  fl.  versteigern, 
und  als  sich  kein  Käufer  meldete,  wurde  es  neuerdings  Lodron  um  100  fl.  auf  3  Jahre  übertragen.  Am 
16.August  1811  endlich  wurde  mit  allerhöchstem  Reskript  die  Versteigerung  verfügt.  Die  Besitzer  wechselten 
rasch:  1811  Graf  Franz  Lodron  um  200011.,  1820  Gräfin  Wilhelmine  Lodron  geb.  Gräfin  Thürheim,  1820 
Rudolf  Graf  Westphalen,  1828  Josef  Plainer,  1830  Spiegelfabrikant  Andrä  Ziegler,  1836  Dr.  Mayrhofer, 
1851  Graf  Oswald  Thun,  der  es  zum  großen  Teil  neu  aufbauen  ließ  und  in  die  heutige  Gestalt  brachte. 

Beschreibung:  Durch  ein  flachbogiges  Tor  kommt  man  zwischen  zwei  einstöckigen  zinnenbekrönten 
Gebäuden  über  einen  kleinen  ansteigenden  Vorplatz  zum  eigentlichen  Schloß.  Dieses  besteht  aus  einem 
einstöckigen,  rechteckigen  Wohngebäude  mit  einem  halbrunden  Treppenturm  im  S.  und  dem  damit  durch 
einen  (von  einer  rundbogigen  Einfahrt  durchbrochenen)  einstöckigen  Gangtrakt  verbundenen  geräumigen 
Turm;  alle  mit  Zinnen  bekrönt.  Vor  dem  Wohngebäude  im  W.  eine  Terrasse  und  eine  Loggia,  im  N.  ein 
kleiner  Garten. 

Die  Räume  im  Erdgeschoß  haben  gratige  Kreuzgewölbe,  die  im  L  Stock  flache  Decke.  In  den  Turm  sind 
eine  Reihe  kleiner  Zimmer  eingebaut  (Fig.  94). 

Über  der  Eingangstür  ins  Stiegenhaus  eingemauert  kleine  Marmorplatte.  Oben  in  Relief  ein  Engel  mit 
dem  Thunschen  Wappen,  unten  Inschrift:  Joannes  Antonius  de  Thonno  Decanus  eccl{esi)ae  Metrop{o\is) 
Salisburgen{s\s)  /(ieri)  /(ecit)  anno  Dni  MDLXXXVIIII  (1589).  Sie  stammt  vom  ehemaligen  Einödhof 
bei  Morzg  (s.  dort). 

Vom  Schloßturm  aus  prächtiger  Blick  über  den  Flachgau  zum  Hohen  Göll,  Untersberg,  Kapuzinerberg, 
zur  bayrischen  Ebene. 

Die  Privatsammlung  der  Gräfin  Rosine  Dubsky-Thun  wird  im  Anhange  beschrieben. 
Minnesheim. 

Alte  Ansicht;  Tableau  vom  Schlößchen  und  den  Qartenansichten,  Stich  von  Fr.  Müller,  um  1795. 

Dieses  kleine  Landgut  wurde  von  Erzbischof  Paris  Lodron  für  seine  Familie  erbaut.  Am  14.  Jänner  1644 
verliehen  Ludwig  Pflanzmann,  hochfürstlicher  Obristwaldmeister,  und  Hans  Ruprecht  Rottmayr,  hochfürst- 
licher Pflegsverwalter  zu  Neuhaus,  auf  Befehl  des  Erzbischofs  der  Gräfin  Katharina  Lodron,  dessen 
Schwägerin,  das  Hofhölzl  zu  Gnigl  (v.  Jaksch,  Das  gfl.  Lodronsche  Archiv  in  Gmünd,  in  Archiv  f.  vat.  G. 
V.  Kärnten  XIX,  85). 

Um  1793  verschönerte  Franz  Graf  Lodron  diesen  Besitz.  Hübner  (Stadt  562)  erwähnt  den  neu  angelegten 
englischen  Garten  mit  einer  „Menge  angenehmer  Partien  von  Rasen-Parterren,  Ruheplätzen,  kleinen  Hügeln 
und  Bosketen,  einen  in  die  Rundung  gegrabenen  Weiher,  der  eine  Kanincheninsel  umfließt  und  mit  vielen 
Enten  besetzt  ist,  ein  kleines  holländisches  Meyerhaus,  das  inwendig  geschmackvoll  meublirt  ist  und  vor 
und  neben  sich  eingezäunte  Feld-  und  Gartenstücke,  ein  hohes  freystehendes  Taubenhaus  und  einen 
Hühnergarten  mit  etlichen  Einfängen  für  Lämmer  und  Ziegen,  ein  chinesisches  Sommerhaus  auf  einen 
künstlichen  Hügel,  das  unter  sich  ein  unterirdisches  sehr  artig  meublirtes  Cabinet  mit  einem  eigenen 


Beschreibung. 


Fig.  94. 


Minnesheim. 


96 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Eingang  hat,  und  endlich  ein  artiges  Thal  mit  einem  kleinen  Fischteiche,  worüber  eine  schmahle  Brücke 
zu  einem  Grabhügel  führt,  der  mit  einer  Pyramide  geziert  und  mit  Bäumen  und  Gesträuchen  ringsum 
besetzt  ist". 

Noch  Pillwein  (Salzachkreis  377)  findet  Minnesheim  wegen  „seiner  geschmackvollen  Meublirung  und 
seinen  höchst  einladenden  englischen  Gartenanlagen  sehr  interessant.  Im  Lustschlosse  findet  man  ver- 
schiedene Kupferstiche  (Rembrand,  den  berühmten  Maler  vorstellend,  Sterne,  den  Verfasser  von  Yorks 
empfindsamer  Reise)  und  Gemähide  (mehrere  Mahler  malten  sich  selbst  als:  Mengs,  Rubens,  Battoni  usw.); 
im  Garten  künstlich  angelegte  Weiher,  Hügel,  Bosquetten,  Alleen,  Häuschen  (hierunter  ein  chinesisches 
Sommerhaus  unter  einer  Brücke  mit  künstlichen  Ruinen)  verschiedene  Denkmähler:  dem  Ritter  Sylvester 


Fig.  95    Gnigl,  Minneslieim.    Erinnerungsmonument,  1793  (S.  97) 


Baron  von  Latran  mit  der  chronologisch  unrichtigen  Jahreszahl   1096,  für  K.  Leopold  L  von  schönstem 
Alabaster,  für  Virgllius  Maro,  eine  Ära  mit  Wünschen  für  den  denkenden  Leser,  für  geselliges  Vergnügen, 
für  einsame  Betrachtung,  einen  Todten-Aschenkrug  mit  mythologischen  Verzierungen  usw." 
Von  Franziska  Schön  von  Monte  Cerro  geb.  Gräfin  Lodron  (gest.  188S)  kam  Minnesheim  an  ihren  Sohn, 
den  jetzigen  Besitzer  Major  Schön  von  Monte  Cerro. 

Beschreibung.  Beschreibung:  Zweistöckiger  Bau  von  unregelmäßigem  Grundrisse,  mit  moderner  Fassadierung  und 
niedrigem  Zinkblechsatteldach.  Gegen  die  Straße  zu  zweimal  geknickte  Front  mit  acht  Fensterachsen. 
Die  Tür  in  profilierter  Marmorrahmung  des  XVll.  Jhs.  Darüber  die  Inschrift:  Dulcia  oblivia  vitae  und 
Schutzdach  (um  1793).  Im  S.  sieben,  im  N.  vier  Fenster  Front,  im  W.  gegen  den  Garten  fünf  Fenster 
Front  i'-üd  zwei  Türen. 

■/iTi  stSctischen  .Museum  in  Salzburg  (Mappenzimmer)  befindet  sich  eine  Reihe  von  Plänen  für  diesen 
Bau.  Zwei  ältere  Blätter  zeigen  den  ersten  Entwurf,  den  Wolfgang  Hagenauer  im  Jahre  1765 
machte,  in  zwei  Varianten,  zwei  jüngere  die  tatsächlich  zur  Ausführung  gekommenen  Pläne  des  Salz- 
bäiger  Architekten  Johann  Georg  Laschenzky.  Dieser  hat  die  Idee  seines  Vorgängers  im  wesent- 
lichen übernommen,  er  vermehrte  nur  die  Zahl  der  Fensterachsen  an  der  Straßen-  und  Gartenfront  und 
veränderte  teilweise  die  Inneneinteilung. 


Qnigl 


97 


Eine  von  Würthle  und  Spinnhirn  in  den  Siebzigerjahren  gemachte  photographische  Aufnahme  zeigt  das 
Landhaus  noch  ganz  unverändert,  mit  den  einfachen  Fensterumrahmungen  und  dem  anheimelnden,  über 
dem  II.  Stocke  der  beiden  Langseiten  mansardierten  hohen  Schindeldache.  Erst  1888  wurde  durch  einen 
Umbau  der  ursprüngliche  Charakter  des  Gebäudes  verdorben,  besonders  durch  den  Ausbau  der  bisher 
mansardierten  Räume  des  II.  Stockes,  die  neue  Fassadierung  und  durch  das  neue  Blechdach. 

Park:  In  dem  großen  Garten,  der  sich  südwestlich  vom  Hause  ausdehnt,  ist  im  Geschmack  des  aus- 
gehenden XVIII.  Jhs.  eine  Anzahl  von  kleinen  Monumenten  und  Denkmälern  aufgestellt  (um  1793).  Die 
Erklärung  der  perspektivischen  Partien  des  rcichsgräfl.  Lodronischen  Gartens  zu  Minnesheim,  die  Müllers 
Ansichtentafel  beiliegt,  wohl  von  Hobner  (Salzburg,  Museum),  gibt  uns  die  bei  einigen  Stücken  nötigen 


Park. 


Fig.  96    Qnigl,  Minnesiieim.    Denkmal  des  Kaisers  Leopold  1.  (S.  98) 


Aufklärungen.  Ähnlich  wie  der  (jüngere)  Aigner-Park  ist  der  zu  Minnesheim  von  besonderem  Interesse 
für  die  Kenntnis  der  klassizistischen  Geschmacksrichtung  und  der  beginnenden,  naturschwärmerischen 
und  gefühlsseligen  Romantik')- 

1.  Vor  dem  Hause  ein  dreiseitiges  Marmorpostament  mit  einer  flachen  Schale  an  der  Oberseite.  An  den 
drei  Seiten  auf  geschupptem  Grunde  drei  ovale  Schilde  mit  den  Inschriften:  Der  einsamen  Betrachtung  — 
Dem  denkenden  leser  —  Dem  geselligen  Vergnügen  (mit  Bezug  auf  jede  der  hier  einmündenden  drei 
Alleen).    Um  1793. 

2.  Am  Boden  ein  marmornes  Volutenkapitäl  eines  Pilasters  und  unweit  davon  ein  Bruchstück  eines  solchen. 
XVIll.  Jh. 

3.  Auf  einem  kleinen,  ganz  mit  Efeu  bewachsenem  Hügel  steht  ein  prismatisches  Postament,  darauf  eine 
von  einem  Pinienapfel  bekrönte  Urne,  um  die  sich  eine  Schlange  schlingt.  Marmor.  An  der  Vorderseite 
des  Postamentes  die  Inschrift:    Dem  Andenken  Nicklas  des  freygebigen  und  wohltaetigen  Mannes,  red- 


')  Verschwunden  sind:  Ein  chinesisches  Vogelhaus,  eine  Kapelle  in  gotischem  Geschmack  mit  einer  Sammlung  Lodronischer 
Rüstungen,  ein  Denkmal  Virgils,  eine  gotische  Nische  mit  der  Büste  des  Horaz  am  Ende  einer  langen  Obstallee,  eine  chinesische 
Brücke,  eine  Pyramide  zum  Andenken  der  nouvelle  Heloise,  ein  chinesisches  Lusthaus  auf  einem  Rosenhügel,  darunter  ein  unter- 
irdisches Kabinett,  ein  Weinberg,  ein  Teich  voll  ausländischer  Fische  und  Enten,  darin  eine  Insel,  auf  der  Kaninchen  in  einer 
Feste  residieren,  ein  Weideplatz  für  Lämmer  und  Ziegen  u.  a. 

XI  13 


98 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Fig.  95.         Liehen.  Freundes,  guten  Oheims,  Franz  und  Wilhelmine.   MDCCXCIII  (Fig.  95).    —    Errichtet  von  Franz 
Grafen  Lodron,  1793. 

4.  Prismatisches  Marmorpostament  mit  vier  ovalen  Feldern;  zwei  davon  sind  herausgebrochen,  zwei  zeigen 
noch  die  Löcherspuren  der  ursprünglich  hier  angebrachten  Inschriften  mit  Metallbuchstaben.  Auf  dem 
Postamente  steht  eine  abgebrochene  kannelierte  Säule  und  eine  Urne,  beide  aus  Marmor.    Neben  der 

Fig.  96.         Säulenbasis  im  Boden  eine  runde  Öffnung  in  den  Hohlraum  des  Postamentes.  Um  1793  (Fig.  96). 

Es  war  ein  Denkmal  des  Kaisers  Leopold  I.,  der  dem  Hause  Lodron  große  Beweise  seines  Wohlwollens 
gab.  Neben  dem  (jetzt  verschwundenen)  Brustbilde  des  Kaisers,  einem  Relief  aus  karrarischem  Marmor, 
las  man  die  Inschrift:  Div.  Leopoldo  I.  Caes.  S.  Aug.  hoc  Lateranenses  grati  animi  posuere  monumentum. 
Aus  der  zertrümmerten  Säule  stieg  ein  Lorbeer  auf  und  aus  dem  Postament  kam  eine  Trauerweide,  die 
sich  über  ihn  herabbeugte. 


Fig.  97    ünigl,  Minnesheim.    Familienmonunient  der  Grafen  Lodron,  1795  (S.  98) 


5.  Würfelförmiges  Postament  aus  Konglomerat,  mit  drei  eingelassenen  marmornen  Inschrifttafeln  und 
einem  marmornen  Relief,  das  einen  Kampf  von  Landsknechten  mit  Türken  darstellt  und  von  einem  Flecht- 
bande umrahmt  ist.  Obenauf  steht  ein  großes  Tongefäß.  Die  Inschriften  lauten:  Silvester  Lateranus 
baro  Lodroni  portam  Hierosolymorum  sub  Godifredo  Bullionio  occupans  primus  comes  Lodroni  ac  castri 
Romani  creatus  anno  ML.  —  Ad  perpetuam  rei  memoriam  ac  in  posterum  emulationem  felix  in  patriam 
dedux  f.  f.  anno  MLIL  —  Digniore  tanti  viri  erecto  monumento  cara  vestigia  injuriae  temporum  errepta 

Fig.  97.         hie  transferri  jussit  Franciscus  nepos  an:  MDCCXCV  (Fig.  97). 

Das  (natürlich  damals  neu  gemachte)  familiengeschichtliche  Monument  war  angeblich  unter  der  Erde 
gefunden. 

6.  Auf  einem  kleinen  Hügel  inmitten  von  alten  Bäumen  ein  Obelisk  aus  Marmor  auf  einem  prismatischen 
Postamente,  in  dessen  vier  Felder  Freimaurerzeichen  eingemeißelt  sind:  Ein  G  in  einem  sechszackigen 
Sterne,  B,  ADVC,  J. 

7.  Neben  einer  gewaltigen  alten  Fichte,  deren  Zweige  ringsherum  bis  zum  Boden  reichen  und  so  innen 
einen  runden  Raum  von  beträchtlichem  Umfange  einschließen,  steht  noch  das  von  Hübner  erwähnte 
ho!iündi.-:'ie  Meyerhaus,  ein  mit  Fichtenrinde  verkleidetes  kleines  Blockhaus,  das  innen  ein  Vor- 
zimmer, ein  Zimmer  mit  je  zwei  Fenstern  auf  drei  Seiten  und  eine  kleine  Kammer  enthält.  Die  beiden 
ersteren  haben  flache  Stuckdecken,  ihre  Wände  sind  mit  bemerkenswerten  gemalten  Tapeten  vom  Ende 
des  XVin.  Jhs.  verkleidet.  Die  des  Vorzimmers  haben  ein  einfacheres  Muster  (Brombeerzweige),  die  im 
Zimmer  zeigen  auf  schwarzem  Grunde  antikische  Motive:  Vasen  mit  Blumensträußen,  nistende  Tauben 
unter  einem  Blütenbogen,  einen  Putto,  auf  einer  Scheibe  stehend,  zwei  Pegasuspferde  zierlich  an  roten 
Bändern  haltend.  Die  Tapeten  sind  sehr  gut  erhalten, 


ünigl 


99 


Inschrift- 
platte. 


Rauchen- 
bichlcrhof. 


Marmorne  quadratische  Inschriftplatte,  flankiert  von  zwei  Pilastern,  darunter  Gesims  und  flacher 
Dreiecksgiebel;  im  Giebelfelde  in  Relief  ein  Lorbeerkranz  mit  zwei  Schleifen.     Inschrift: 

PARIS 

EX  COM.  LODRONI 

ARCHIEPS  ET  PRINCEPS 

SAUSBVRGENSIS 
S.  SEDIS  APLICAE  LEGAT. 

JWAVIAM  SAXEIS  H/S 

MOLIBVS  ET  PROPVGNA- 

CVLIS  ATQVE  AGGERE 

PERPETVO  COMVNIVIT 

Diese  Inschrift  stammt  vom  abgebrochenen  äußern  Linzertor,  das  Erzbischof  Paris  1628  neu  erbaut  hatte 
(vgl.  Hübner,  Stadt  361). 

Die  Gemäldesammlung  des  Herrn  Majors  Schön  von  Monte-Cerro  in  Minnesheim 

wird  im  Anhange  beschrieben. 

Rauchenbichierhof. 

Im  Besitze  des  Herrn  Franz  Mayr. 

1741  kaufte  Handelsmann  Franz  Anton  Rauchenbichler  von  den  Elixhauserschen  Erben  den  „Bergerbräuhof 

vor  dem  Linzertor"  und  ließ  das  dazugehörige  „alte  Häusl  an  der  Wegkreuzung"  in  wohnbaren  Zustand 

setzen.  Gleichzeitig  wird  ein  „Gartenspitz",  der  zum  ,.GütI  in  der  Sandgruben''   gehörte,  „Herrn  Rauhen- 

pichler  zu  einer  Einfahrt  zu  seinem  neu  erpauten  Hof''  überlassen.     (SRA,  Hofk.  Neuhaus   1741  G  und 

Urbar  148  Nr.  16). 

Er  hieß  auch  Waldbichlhof.  1831  erkaufte  denselben  von  den  Rauchenbichler  die  Baronin  Wolfsberg,  die 

unter   dem  Namen    der  „Hundsgräfin"    bekannt   ist,  von   der  das  Gut   1845  wieder  an  die  Familie  von 

Rauchenbichler  überging.    Seit  1881  besitzt  dasselbe  die  Gablerbräufamilie:  seit  1881  Franz  Mayr  und  seit 

«1911  dessen  gleichnamiger  Sohn. 
Beschreibung:  Rechteckiges,  einstöckiges  Gebäude,  modern  verputzt.  Hauptfront  an  der  Straßenseite  Beschreibung 
im  SO.  Im  Erdgeschosse  sechs  quadratische,  im  I.  Stock  sechs  rechteckige  Fenster  in  neuer  Verputz- 
umrahmung, über  dem  umlaufenden,  breiten  Hohlkehlgesimse  aufgesetztes  Giebelgeschoß,  von  zwei  Voluten 
flankiert,  mit  zwei  Fenstern  in  alter  Verputzumrahmung  und  Schindelpyramidendach.  Beiderseits  zwei 
[j  Tore  zwischen  hohen  gemauerten,  mit  Schindeln  abgedeckten  Pfeilern.  Der  Nordwestteil  des  Gebäudes 
'  ist  modern.  An  der  Nordostseite  Sandsteinportal  des  XVIII.  Jhs.,  mit  ovalem,  vergittertem  Oberlichtfenster 
in  Kartuschenrahmuug,  von  zwei  Voluten  flankieit.  Oben  vier  Fenster,  zwei  davon  vermauert.  Im  SW. 
zehn  Fenster  Front.  Über  der  Tür  eingemauertes  Wappen  der  Familie  Guilelmo  (Ende  des  XVIIL  Jhs.).  — 
Schindelsatteldach  mit  Dachfenstern. 

Im  Erdgeschosse  gewölbte  Räume.  Im  I.  Stock  großes  Südeckzimmer,  alter  Stuckplafond  mit  Band-  und 
Gitterwerk  (um  1730). 

Gemälde:  1.  Porträt  des  Erzbischofs  Johann  Ernst  Grafen  Thun  (Brustbild),  oval,  44  x  56,  mit  Ölfarbe        Gemälde, 
übermalter  Kupferstich.  Um  1690. 

2.  Vier  Aquarelle  von  Louis  Wallee.  a)  Siezenheim  und  Liefering  mit  dem  Hohen  Staufen.  b)  Salz- 
burg mit  dem  Hohen  Göll  und  Untersberg,  von  Maria-Piain  aus  gesehen;  signiert,  c)  Gnigl  und  Schloß 
Neuhaus,  d)  Leopoldskron  mit  Göll  und  Untersberg;  signiert.  —  Alle  vier  um  1800. 

3.  Öl  auf  Leinwand.  57  x  80.  Zwei  kleine  Hunde  auf  einer  Brüstung.  Im  Hintergrunde  ein  dreistöckiges 
Haus.  Der  Tradition  nach  die  Lieblingshündchen  der  sogenannten  Hundsgräfin. 

Eine  Sammlung  jüngerer  Waffen,  mehrere  Stücke  Zinn. 

Im  Garten   auf  der  Nordostseite:   zwischen   zwei  gemauerten  Pfeilern   schmiedeisernes  Rokokogitter,   um         Gartcn- 
1750.  Am  Ende  des  Gartens  kleiner  elliptischer  Garten  p  avill  on,  gemauert,  weiß  gefärbelt,  mit  einer         pavillon. 
Tür  und  vier  Fenstern  in  alter  Verputzumrahmung.     Über   profiliertem  Gesims  erneuertes,    einmal  abge- 
stuftes Schindeldach  mit  zwei  Blechknäufen.  Um  1760.  Inneres  erneuert. 

13* 


100 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Robinigliof.       Robinighof  (Gnigl,  Haus  Nr.  1,  Robinigstraße). 

Archivalien:  SRA  (Domkapitel,  Protokoll  1656/8  f.  107  111  47).  —  Urbare  248  f.  97. 

1648  kam  der  Hof  gleich  den  übrigen  Höfen  im  Moos  an  das  Domkapitel.  1657  hatte  ihn  Johann 
Baptist  Graf  Lodron  zu  Nutznießung.  In  diesem  Jahre  aber  verkaufte  ihn  das  Domkapitel  an  Bartlme 
Reiter  zu  Erbrecht.  Er  hieß  damals  der  Kochhof.  Die  bäuerlichen  oder  bürgerlichen  Besitzer  inter- 
essieren uns  hier  nicht.  1744  erwarb  ihn  von  Franz  Lebilsch  Georg  Josef  von  Robinig  zu  Rothenfeld 
(gest.  1760),  vermählt  mit  Maria  Viktoria  Aniser  (gest.  1783),  dann  überkamen  ihn  Siegmund  von  Robinig 
1784  und  1814  dessen  gleichnamiger  Sohn.  Nach  dem  Aussterben  der  Familie  Robing  kam  der  Hof  in 
den  Besitz  des  Herrn  Buxbaum  in  Salzburg,  von  dessen  Witwe  ihn  1885  Frau  Hermine  Fahrner  erwarb. 


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l-'ig.  98     Rübinighof,  Anficht  von  Südosten  (S.  lOÜ) 


Charakte- 
ristik. 


Fig.  98— 101. 

Beschreibung, 
lig.  100. 


Charakteristik:  Reizendes  einstöckiges  Rokokolandhaus,  um  1770  erbaut.  Wohnhaus  (im  O.),  Stall 
und  Wirtschaftsräume  sind  nach  Art  der  Salzburger  Bauernhäuser  unter  einem  Dache  vereinigt.  Außer- 
ordentlich malerisch  die  sehr  reich  behandelte  Ostfassade  mit  dem  beherrschenden,  lebhaft  geschwungenen 
Giebel  und  den  von  reichen  Stukkaturen  umrahmten  Fenstern.  Der  unbekannte  Architekt  hat  das  Problem, 
dem  alten,  heimischen,  praktischen  Typus  ein  modernes  Kleid  zu  geben,  das  Bauernhaus  in  einen  be- 
haglichen, anmutigen  Landsitz  zu  verwandeln,  in  vortrefflicher  Weise  gelöst  (Fig.  98 — 101). 

Beschreibung:  Einstöckiges,  rechteckiges  Gebäude,  weiß  gefärbelt. 

Hauptfront  im  O.  (Fig.  100):  Schwach  vorspringender  Mittelrisalit.  Konglomeratsockel.  Flachbogige  Haus- 
tür in  Marmorumrahmung.  Daneben  Marmorbänke  auf  Konglomeratsockeln  und  zwei  Fenster  mit 
stukkierten  Rocaillenaufsätzen.  Darüber  auf  vier  Maimorkonsolen  großer  Balkon  mit  schmiedeeisernem 
Rokokogitter.  Balkontür  in  schöner  rötlicher  Marmorrahmung.  Im  Giebel  ovales  Hochrelief:  Der  hl.  Josef  ■. 
mit  dem  Christkinde.  Darüber  in  Stuckkartusche  die  Marmorwappen  Robinig-Aniser  (Fig.  100).  Die 
"■tch'Z  Fenster  des  ersten  Stockes  haben  reich  stukkierte  Rokokoumrahmiingen;  in  den  Giebeln  zwei 
Kriegsrköpfe  und  vier  Brustbilder  (Frühling,  Sommer,  Herbst,  Winter).  Über  dem  breiten  Hohlkehl- 
22si!Ti3e,  das  über  dem  Mittelrisalit  sich  aufbiegt,  ein  großer  zweigeschossiger  Giebel  mit  Eckpfosten  aus 
Konglonicn.t,  einfachen  Rechteckfenslern  und  rundem  Zifferblatte.  Auf  der  Giebelspitze  offenes  Glocken- 
iürmchen  Auf  den  beiden  Langseiten  im  Wohngebäude  je  sechs  Fenster.  Die  Erdgeschoßfenster  sind 
s'.eiiigercilinit  und  vergittert,  die  im  I.  Stock  haben  rotmarmorne  Sohlbänke  sowie  Fensterläden,  die  noch 
die  alte  Bemalung  mit  Rokokoornamenten  und  mythologischen  Bildchen  aufweisen. 


Gnigl 


101 


Im  hinteren  Teile  des  Gebäudes  ist  ein  Pferdestall,  ein  Ochsen-  und  Kuhstall  und  eine  Waschküche 
untergebracht.  Oben  Scheunenraum.  An  der  Südseite  gemalte  Sonnenuhr.  Am  Westgiebel  marmornes 
Doppelwappen  Robinig-Aniser  mit  Lorbeergirlande,  um  1780.  Umlaufender  Konglomeratsockel  und  breites 
Hohlkehlgesims.  Schindelsatteldach. 

Inneres  (Fig.  101):    Im  Erdgeschoß  ein  Flur  in  der  Mitte  und  flachgedeckte  Zimmer. 

Im  I.  Stock  ist  die  große,  bemalte  Halle  interessant,  welche  die  ganze  Mitte  des  Wohntraktes  einnimmt. 
Die  Wände  sind  vollständig  mit  klassizistischen  Wandmalereien  bedeckt:  An  der  Rückwand  ein  Brunnen 
mit  der  Statue  der  Diana  und  zwei  Sphingen.  An  den  Langwänden  Wasserfall,  Tempelchen,  Obelisk,  Pan- 
statue,  Tempel  mit  Statue  der  Polyhymnia,  Obelisk  mit  dem  Monogramm  MVO,  Säulenstümpfe  usw.  Vor 


Inneres. 
Fig.  101. 


Fig  99    Gnigl,  Robinighof,  Ostfassade  (S.  100) 


den  zwei  Kaminen  bemalte  Verkleidungen,  Öl  auf  Leinwand:  Ein  auf  einem  Meerroß  reitender  Triton,  Ceres 
auf  einem  von  Elefanten  gezogenen  Wagen.  Die  ganze  Dekoration  stammt  nicht  aus  der  Erbauungszeit 
des  Hofes,  sondern  ist  im  charakteristischen  Geschmack  des  ausgehenden  XVIll.  Jhs.  gehalten  (um  1790). 
Im  O.  Balkontür  (mit  geschnitzten  Rocaillen)  und  zwei  Fenstern.  —  Im  Südosten  ein  Saal  mit  reicher 
Stuckdecke  (Bandwerk  und  geflammte  Rocaillen),  um  1750.  —  Im  Nordosteckzimmer  ebenfalls  ein  schöner 
Stuckplafond:  In  der  Mitte  eine  bärtige  Maske,  umgeben  von  militärischen  Emblemen  und  Rocaillen.  Am 
Rande  Rocaillen-  und  Bandwerkornamente;  um  1750. 

Im  Garten  ein  gotisierender  marmorner  Gedächtnisobelisk  für  Sigismund  Rubinich  Edlen  von  Rottenfeld, 
röm.  Reichsritter  .  .  .  errichtet  von  seiner  Gattin  Maria  1844. 

Vor  dem  Hofe  an  der  Straße  Marmorbrunnen  mit  dem  Wappen  der  Robinig,  einer  Urne  und  der  Inschrift: 
'   Errichtet  von  Maria  v.  Rubinich  im  Jahre  1848. 

;  Bildstock:  Am  Ende  der  Fichtenallee  im  W.  Konglomerat.  Rustizierter  Pfeiler  mit  Hohlkehlgesims, 
j  darauf  hochovales  Tabernakel,  darin  altes  Holzbild  (St.  Florian  und  Leonhard,  Dreifaltigkeit,  im  Hinter- 
I   gründe  der  Robinighof).    XVIII.  Jh. 

Die  Privatsammlung  Fahr n er  im  Robinighof  wird  im  Anhange  beschrieben. 


Bildstock. 


102 


Röckibrunn.      Röcklbrunn  (jetzt  Nr.  87). 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Archivalien:  SRA  (Hofk.  Neuhaus  1684  N).  —  Domkapitel  II  27/2  L. 
Literatur:  HÜBNER,  Stadt  1,  563. 
Fig.  102.  Alte  Ansicht:  Stich  von  M.  Diesel,  um  1730  (Fig.  102). 

Das  Gut  Rechenprun  wird  schon  im  ältesten  Urbar  von  zirka  1150 — 1200  von  St.  Peter  genannt  (Zillner, 
Stadtgesch.  1,  162).  Ein  Hans  der  Reckenprunner,  Bürger  von  Salzburg,  wird  1366  genannt  (Verhandl. 
d.  bist.  V.  f.  Niederbayern  X,  327  und  60). 


Fig.  100    Roblnighof,  Mittelpartie  der  Ostfassade  (S.  100) 


Nach  Hobner  und  Hoffmann  (Gesch.  d.  Domkapitels,  Ldkde.  9,  216)  soll  das  drei  Geschoß  hohe  Schloß 
Röggelbrunn  Paris  Lodron  als  Dompropst  (1615^1619)  erbaut  haben,  was  aber  zu  bezweifeln  ist.  Am 
9.  Jänner  1634  verleiht  Erzbischof  Paris  seinem  Bruder  Christof  das  Itzlingermoos  im  Landgerichte  Neu- 
haus etc.  mit  der  Fischgerechtigkeit  im  Bachl  Reckenbnmn  zu  freiem  Eigen.  Wir  erfahren  daraus,  woher 
der  Name  des  Gutes  kommt.  Dieses  selbst  eikaufte  am  20.  Februar  1636  der  Erzbischof  von  den 
.•;::;^.'chei!  Frben  und  schenkte  es  seinem  Bruder  Grafen  Christof  Lodron,  worauf  am  20.  März  des 
;-^.'iari!K':;n  Jahres  Abt  Albert  von  St.  Peter  die  Grundherrschaft  über  das  Gut  aufgibt.  1648  aber  verleiht 
i.-'aris  aa^  i.  ;.'l!ije)mui,  s  mit  vier  Höfen  dem  Domkapitel,  nachdem  er  die  Lodronische  Familie  anderweitig 
eriischädigt  iiattc  (SRA  Kapitelprotokoll  1648  f.  31).  In  der  Folge  wurde  Röcklbrunn  dem  jeweiligen  Dom- 
propst Zügewiesen.  1698  wurde  das  Maierhaus  und  1791  das  Gärtnerhaus  durch  den  Maurermeister  Heifl 


Gnigl 


103 


gebaut.  Die  hohen  Reparaturkosten  veranlaßten  den  Dompropst  und  das  Domkapitel,  das  Schlößchen  am 
18.  Oktober  1803  versteigern  zu  lassen,  und  zwar  die  Mairschaft  mit  dem  Mairhause  und  ISy^  Tagbau 
Grund  um  den  Ausrufpreis  von  4500  fl.  und  das  Schlößchen  selbst  mit  dem  Garten  von  2^/^  Tagbau  um 

I.Shck. 


Heu-u  Futter  • 
bodcn. 


Erdq'escifoss. 


i01ZZ*ä*/d9» 


Fig.  101     Robinighof,  Grundriß  des  Erdgeschosses  und  I.  Stocl<es  1  :  250  (S.  100) 


2500  fl.  Letzteres  bestand  dem  Versteigerungsedikte  zufolge  aus  „einem  zweygädigen  gemauerten,  in  ein 
gleiches  Viereck  gebauten  Hause.  Eine  marmorsteinerne,  gewölbte  Stiege  führt  in  den  ersten  Stock,  wo 
ein  Vorplatz  mit  zwei  Altanen,  ein  heitzbares  und  zwei  unheitzbare  Zimmer,  dann  eine  Retirad  sich 
befindet.  Ebenso  der  II.  Stock.  Nicht  ferne  von  diesem  Gebäude  steht  das  erst  vor  12  Jahren  neugebaute 


104 


Qerichtsbezirk  Salzburg 


Beschreibung. 


Gärtnerhaus;  mit  vier  Zimmern  im  I.  Stock.  Zwischen  diesen  Gebäuden  befindet  sich  ein  großes  Glashaus 
nebst  zwei  Treibhäusern.  Dazu  die  Gärten  und  der  Grasplatz,  worin  ein  Weiher  und  zwei  mit  Marmor- 
stein ausgesetzte  Springbrünne  angebracht  sind".  Erbrechtsbesitzer  wurden  bei  der  Lizitation  Kaufmann 
Paschinger  für  die  Maierei  mit  5501  fl.  und  Johann  B.  Rauchenbichler,  Handelsmann,  für  das  Schlößchen 
und  die  Gärtnerei  mit  3420  fl. 
Die  späteren  Besitzer  sind:   von  Hepperger;   Ritter  von  Schmerling,  1873;    Lang;    Baronin  Majneri. 

Beschreibung:  Modernisiertes,  kleines,  rechteckiges  Gebäude,  dreigeschossig,  mit  zwei  zweigeschossigen 
Flügeln.  Im  SO.  Doppeltreppe  zum  Hochparterre.  Im  Obergeschosse  drei  Fenster,  auf  den  Schmalseiten 
je  zwei  Fenster.  Pyramiden-Eternitdach. 
Am  südlich  daneben  liegenden  Maierhaus  über  der  Tür  Marmortafel  mit  der  Jahreszahl  1698. 


Fig.  102    Röcklbrunn,  Stich  von  M.  Diesel,  um  1730  (S.  102) 


Ehemaliges  Ehemaliges  Pfleghaus.  Jetzt  Grazer  Reichsstraße  Nr.  6  (St.  Anna-Bezirkskranken-  und  Versorgungs- 
Pfleghaus.  haus).  Im  Jahre  1697  vom  Erzbischof  Johann  Ernst  Grafen  Thun  erbaut.  Langgestrecktes  zweistöckiges 
Gebäude,  im  N.  und  S.  gegiebelt,  mit  je  fünf  Fenstern  Front,  im  W.  in  der  Mitte  moderner  Giebel  und 
neun  Fenster  Front,  ebensoviel  im  O.  Der  südliche  Teil  des  Gebäudes  ist  modern.  Zinkblechdach.  Über 
der  Eingangstür  im  N.  Marmorwappen  des  Erzbischofs  Johann  Ernst  mit  Cherubskopf.  Darunter  Inschrift- 
tafel: 10 ANN:  ERNEST:  A.  P.  S.  S.  A.  L.  N.  C.  D.  T.  F.  F.  Ao  MDCXCVII. 

Ehemaliger  Ehemaliger  hf.  Meierhof  (jetzt  Andrä  Blümlstraße  Nr.  30,  alt  Nr.  52)  Das  Gebäude  hatte  1592 
hf.  i^/it'erhof.  ZWO  Stuben  aufeinander  gehabt,  nemblich  die  obere  für  einen  Pfleger,  darinnen  er  mit  seinen  Dienern, 
wenn  ein  Durchzug  von  Landsknechten  beschiecht,  das  sich  gar  oft  zuetragt,  sein  Wonung  ninibt  und 
etliche  Nacht  alda  beleiben  mues,  und  dann  die  untere  Stuben  für  den  Mayr  und  sein  Gesindl.  Am 
Charfreitag  des  genannten  Jahres  brannte  das  Haus  aus  Ursache,  dass  des  Mayrs  Weib  gepachen  und 
garn  gesotten  hat  und  der  Rauchfang  und  die  Feuerstatt  zerkloben  war,  ab;  nur  der  Kasten  (Scheune) 
konnte  gerettet  werden.  Statt  dieser  alten  zerissenen  Scheyrn  von  lauter  alte  Ladwerch  wurde  nun  um 
cCG  !'..  ein  besseres,  größeres  Gebäude  errichtet  (SRA  Hfk.  Neuhaus  1515/51  A  und  1592/6  A).  Laut  den 
Inschriften  wurde  dieses  Maierhaus  1697  von  Erzbischof  Johann  Ernst  abermals  aus  der  Asche  erhoben, 
c^^e'-gleichen  1712  von  Erzbischof  Franz  Anton  die  gegenüberliegende  Scheune  und  Stallung  (Hübner, 
Stadt  560  f). 

Bescnre.cung.     Beschreibung:  Modernisiertes  einstöckiges  Haus,  Hauptfront  im  SW.  mit  fünf  Fenstern  im  I.  Stock.. 
Ziegelsalteldach  mit  Krüppelwalm  im  NO.  und  SW.    Über  der  Eingangstür  kleines  Marmorwappen  des 


f 


Gois 


105 


Erzbischofs  Johann  Ernst  Grafen  Thun  (1687 — 1709),  darunter  die  Inschrift:  loan.  Ernest.  archps  et  prps 
Salisburg.  e  cinere  erexit  1697. 

Haus  Andrä  Blümlstraße  Nr.  31,  alt  Nr.  51  (s.  oben).  Großes  Bauernhaus.  Hauptfront  (mit  abge-  Privathäuser, 
kapptem  Giebel)  im  SO.:  Tür  mit  je  zwei  Fenstern  beiderseits,  im  I.  Stock  fünf  Fenster,  darüber  drei 
Dachgeschoßfenster,  über  diesen  noch  ein  Fenster  und  zwei  ovale  Luken.  Schindelsatteldach,  über  den 
Giebeln  abgekappt.  Über  der  Tür  im  SO.  Marmorwappen  des  Erzbischofs  Franz  Anton  Grafen  Harrach 
(1709 — 1727)  mit  dem  Chronogramm:  Hoc  praedhim  e  cinere  surgebat  (=  1712)  Francisco  Antonio 
S.  R.  J.  principe  et  archiepö.  Salisburgensi  S.  sedis  apostolicae  legato  nato  S.  R.  J.  principe  ab  Harrach. 

I  Linzer  Reichsstraße  Nr.  39  (alt  Nr.  79):  Hübsches,  gegiebeltes,  einstöckiges  Bauernhaus  mit  alten 
stukkierten  Fensterumrahmungen  im  Erdgeschosse  und  schmiedeeisernen  Korbgittern  im  Obergeschosse. 

[  Schindelsatteldach.    Ende  des  XVlIl.  Jhs. 

'  Außerdem  eine  ganze  Reihe  hübscher  alter  Bauernhäuser,  meist  einstöckig,  mit  abgekappten  Dreiecks- 
giebeln und  Schindelsatteldächern. 

Grazer  Reichsstraße  Nr.  25  (J.  Sillners  Kunstmühle):  Im  Hofe  ein  roter  Marmorblock  mit  der  Inschrift: 

M 

.  .  LI  ALTARE  CVM 

.  .  NT/S  RESTAVRARI 

{?)ATER  MARTINVS 

{k)NNO  MDCVI. 

Kirchbergsteig   Nr.  2:     Einstöckiges    Haus   mit  gebrochenem   Giebel,    Biech-Mansardendach.    Am 
'.  Giebel  Wandgemälde:  Plainer  Mutter  Gottes.    XVIII.  Jh. 

Kirchbergsteig  Nr.  3:  1849  erbaut.  . 

JMühlstraße  Nr.  3:  Neben  der  Tür  eingemauerte  kleine  Marmorplatte  mit  zwei  plump  gemeißelten 
Wappenschilden  und  der  Inschrift:    A.  Leonhart  Tarnboner  f.  1538  M. 

Mühlstraße  Nr.  10:  Geringes  Wandbild  (Pietä,  1856  renoviert),  darunter  in  Nischen  zwei  Holz- 
statuetten (Madonna,  Andreas).    XVIII.  Jh. 

Mühlstraße  Nr.  14:  An  der  Nordseite  großes  Wandgemälde  (Kreuzabnahme),  gering,  XVII.  Jh.,  viel- 
fach übermalt. 

Wegkapellen:  1.  Im  Orte,  beim  Beginn  der  Guggentaler  Straße.  Üblicher  Typus,  mit  vorspringendem,  Wegkapellen, 
von  zwei  Holzsäulen  gestütztem  Blechpyramidendach.  In  der  mit  einem  fiachbogigen  Fenster  (Eisen- 
gitter um  1730)  geöffneten  Nische  zwei  größere  Statuetten,  die  Hl.  Barbara  und  Katharina,  mittelmäßig, 
um  1750;  drei  kleinere,  zwei  Leuchterengel  und  der  hl.  Johann  von  Nepomuk,  gering,  XVIII.  Jh. 
Alle  Holz,  alt  polychromiert.  —  Gemälde,  Kopie  der  Maria-Hilf-Madonna,  Öl  auf  Leinwand,  schwach, 
XVIII.  Jh. 

2.  An  der  Straße  nach  Guggental.  Üblicher  Typus,  kleiner  rechteckiger  Bruchsteinbau  mit  weit  vor- 
springendem Schindeldache.  Vorne  vergitterte  rundbogige  Tür.  Innen  einfache  Stukkaturen  und  ganz 
verblaßte  Wandmalereien,  erste  Hälfte  des  XIX.  Jhs. 


Gois,  Dorf 


Arcliivalien;  Konsistoriaiarchiv  (Kirchenrechnungen  1688—1694  und  1779—1811,  die  übrigen  verloren).  —  SRA  (Kapitelproto- 
j  koUe  passim). 

'  Literatur:  HüBNER,  Flachland  133.  —    Pii.i.WEiN,  Salzachkreis  360.   —    G.  A.  Pichler,  Gois  als  das  römische  Collis,  in  Ldkde.  1 
(1»61),  65—67.  —    DüRLiNOER,  Handbuch  120.   —    Reitlechner,  Die  St.  Jakobskirche  zu  Geis,  in  „Die  kirchliche  Kunst" 
J  Xll  (1905)  S.  124  (meist  nur  den  pseudogotischen  Altar  betreffend). 

Im  Jahre  1127  übergaben  die  Stiftsdienstleute  Altman  und  sein  Sohn  Waltcliun  de  Colle  aus  Not  den  Hfigel  (collem)  dort- 
,  selbst  gegen  den  Nutzgenuß  eines  Hofes  im  nahen  Viehhausen.  Auch  später  begegnen  noch  öfter  Personen,  die  sich  von 
\Collis,  Colse,   Golles,   Gois   nennen   (HAUTHALER,   U.-B.  1,  336  Nr.  155  und  S.  1028).    (Nicht  zu  verwechseln  mit  den 

Besitzern  des  Golserhofes  b.  Montfori!) 

XI  14 


106 


Qericlitsbezirk  Salzburg 


Filial- 
kirche. 


Filialkirche  zum  hl.  Jakob. 

Die  Kirche   wird   zum    erstenmal    unter  Abt  Richer   (nach    1242   Juni  15)   erwähnt,   als  die   drei  Brüder 

Heinrich,  Otto  und  Portius  de  Golse  quoddam  patviim  nemus,  qiiod  luxta  ecclesie  nemus  in  Golse  iure 


Fig.  103    üuis,  Filialkirchc  von  Nordosten  (S.  107) 


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Fig.  104,    Geis  Filialliirche  von  Osten  (S.  107) 


^:c.,:"etut:s  pcssederant,  an  St.  Peter  schenkten  (a.  a.  O.  506,  Nr.  468  c).  Am  1.  Mai  1465  verlieh  Erz- 
oischot  Buikard  der  St.  Jakobskirche,  Filiale  der  Pfarre  Siezenheim,  einen  Ablaß.  Die  Kirche  hatte  stets 
nur  einen  Altar;  1614  bemerkt  hierzu  die  Visitation:  Et  ne  alterius  imago  a  tergo  Salvatoris  excidi  in- 


I 


Gois 


107 


cepta  superstitionibus  et  irreveretitia  maiori  Uli  irrogetur  contra  tales  ex  cathedra  populus  admoneatur. 
Aus  den  Jahren  1688 — 1694  verzeichnen  wir: 

1688  Chris tof  Egedacher  für  die  neue  Orgel  207  fl.  Für  Crucifix  und  Leuchter  14  fl. 
1693  Martin  Schulz,  Bärger  und  Traxler  in  Salzburg,  für  4  Büschkrüg  und  4  Leuchter  von  Linden- 
holz 5  fl.  —  Adam  Plrckmann,  Maler,  für  Fassung  derselben  auf  Goldschmiedart  5  fl.  5  kr.  10  rdf. 
1697  wird  dem  Domkapitel  vorgetragen:  Dieweilen  dann  bis  dato  in  dem  Gotteshaus  zu  Gols  keine 
Stielt,  sondern  nur  Spangen  mit  darauf  genagleten  Läden  gewest,  das  Esterrlchpflaster  aber  voller 
Grueben  und  ganz  schadhaft,  so  wurden  für  die  Stühle  59  fl.  und  für  ein  Pflaster  von  gererlten  Marmel 
71  fl.  bewilligt  (Prot.  f.  92). 

1707  bewilligt  das  Domkapitel,  wasmassen  das  aldortige  alte  Altarl  ganz  schlecht  und  die  Gemain  umb 
ain  neues  unterthänig  bitten  lasse,  218  fi.  für  Maler,  Tischler  und  Bildhauer  für  einen  neuen  Altar  nach 
vorgelegtem  Riß  (Prot.  f.  70)  und  1740  ein  Gitter,  damit  die  öfters  vorbeygehenten  Leuth  umb  so 
mehrers  zur  Andacht  angefrischet  werden  möchten,   als   sie   bei  Errichtung  der  Gütter  in  die  Kirchen 


Pig.  105    Qois,  Filialkirche,  Orundri(5  1  :  150  (S.  108) 


hineinsehen   und  vielleicht  zu   einer  mehreren   Einlegung  in   den    darbeystehenden    Opferstock    bewegt 

werden  könnten.     Im  gleichen  Jahre  wird  mehrerer  Sicherheit  halber  das  Thärgwang  von  ganzem  Stein 

gemacht  (Prot.  f.  222  und  742). 

1742  ist  beim  Gebetläuten  die  größere  Glocke  zersprungen  und  hat  alle  Resonanz  verloren.  Andrä  Asm. 

Zöchengruber  gießt  sie  für  116  fl.  neu.    Gleichzeitig  werden  auch  Opferkandl  umgegossen  und  für 

das  Mutter-Gottes-Biid  am  Altar  ein  neues  Kleid  und  Schlayer  erworben  (Prot.  f.  864). 

1751    wird   für   den  St.-Jakobs-Partikel   ein  Tabernakel  für  28  fl.  angeschafft  und  1755  ein  Predigtstuhl 

errichtet. 

Aus  den  Rechnungen  von  1779  ff.:    7779  Für  einen  Paramentenkasten  (anläßlich    der   Erweiterung   der 

Sakristei)  7  fl.     1785  Niclas  Ort,  Hofgürtler  für  eine  Cron  zur  Muttergottes  und  Kindl  25  fl.    1789 

Dominicus  Plasiste mich  in  Piding  für  eine  Tumba  auf  den  Hochaltar  und  Neufassung  der 

Statue  U.  L.  Frau  20  fl.    1791  Josef  Schödl,  Zinngießer  für  eine  neue  Ampel  11  fl.  40  kr. 

1871  wird   die  größere  Glocke   umgegossen    und    1901    ein    neuer   pseudogotischer  Altar  von  Bildhauer 

Ripper  aufgestellt,  die  Kirche  selbst  ausgemalt. 

14* 


108 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Charal<te- 
ristilt. 

Fig.103— 106. 

Bau- 
entwicltlung. 


Lage. 


Charakteristik:  Einlieitlictie  kleine  spätgotische  Anlage  (um  1465)  mit  einschiffigem  Langhaus  und 
breitem,  dreiseitig  geschlossenem  Chor,  beide  mit  Netzgewölben;  im  W.  vorgebaut  ein  im  Verhältnis  zur 
Anlage  zu  großer  spätgotischer  Turm  (Fig.  103—106). 

Bauentwicklung:  Wie  man  aus  dem  verputzten  Trennungssprung  an  der  Nordseite  und  aus  der 
Verschiedenheit  des  Sockels  sieht,  ist  der  Chor  später  an  das  Langhaus  angebaut;  ebenso  der  Turm,  der 
gar  nicht  mit  ihm  in  Verband  steht.  Daraus  läßt  sich  eine  Erklärung  für  die  sonderbare  Gestaltung  des 
Baues  erschließen:  An  das  im  Kerne  ältere,  wohl  sicher  noch  romanische  (ursprünglich  flachgedeckte) 
kleine  Langhaus  wurde  im  XV.  Jh.  ein  Chor  angebaut;  beide  wurden  mit  Netzgewölben  eingewölbt. 
Gleichzeitig  erfolgte  der  Anbau  des  großen  Turmes.  Einen  zeitlichen  Anhaltspunkt  für  diesen  Umbau  gibt 
der  Ablaß  von  1465.  —  Die  Sakristei  wurde  1779  erweitert. 

Lage:  Auf  einem  niedrigen  Hügel  im  NW.  des  kleinen  Dorfes  malerisch  gelegen,  mit  schönem  Rund- 
blick auf  den  Untersberg,  Hohen  Stauten,  den  Flachgau,  Maria  Piain,  MüUn,  Hohensalzburg,  Gaisberg. 


Fig.  106    Gois,  Filialkirche,  Inneres  (S.  109) 


Äußeres.  Äußeres  (Fig.  103,  104): 

Fig.  103,  104.     Bruchstein,  weiß  verputzt. 

Langhaus.       Langhaus:   Giebelfront,   durch    den  Turm  fast  ganz  verbaut.    Im  S.  angebaut  Vorhalle  und  Sakristei, 
links  daneben  kleines  Fenster.   Im  N.  links  rundbogiges  Fenster,  rechts  breitovales  Fenster. 

Chor.  Chor:  Konglomeratsockel.  Drei  rundbogige  Fenster.  Hohlkehlgesims.  Gemeinsames,  nach  O.  abgewalmtes 

Schindelsatteldach. 

Turm.  Turm:  Dem  Langhaus  im  W.  vorgebaut.  Hoher  Sockel  aus  Konglomeratquadern,  mit  profiliertem  Gesims. 

Drei  einfache  Kaffgesimse  aus  Konglomerat  teilen  den  Turm  in  drei  Geschosse.  Im  W.  rundbogige  Tür 
in  profilierter  gotischer  Steinrahmung  (zwei  Rundstäbe  zwischen  drei  Hohlkehlen);  darüber  Schutzdach 
und  kleines  Fenster.  Im  S.  übereinander  zwei  kleine  Fenster  und  eine  Luke.  Oben  auf  jeder  Seite  ein 
rundbcj^iges  Schallfenster.  Über  jeder  Turmseite  ein  hoher  Dreiecksgiebel.  An  den  vier  Ecken  einfache 
VVässerspeier  aus  Stein.  Achtseitiger  Schindelpyramidenhelm,  vergoldeter  Knauf  und  Doppelkreuz  mit  Hahn. 

Anbauhr].       Anbauten:  i.  Sakristei,  im  S.  angebaut.  Im  S.  zwei  kleine  Fenster,  im  W.  rundbogige  Tür  in  iMarmor- 
umrahmung,  darüber  rundbogige  Statuennische. 


Oois 


109 


Fig.  107    Gois,  Filialkirche, 

Holzstatue  der  Madonna,  Ende  des 

XV.  Jhs.  (S.  109) 


2.  Durch  Aufführung  einer  zweiten  Mauer  wurde  westlich  neben  der 
Sakristei  eine  offene  Vorhalle  vor  der  flachbogigen  südlichen  Kirchentür 
geschaffen.  —  Über  beiden  Anbauten  gemeinsames  Schindelpultdach.  Über 
der  Sakristei  großes  Dachfenster  als  Lichtschacht  für  das  südliche  Lang- 
hausfenster. 

Inneres  (Fig.  105,  106): 
Neu  ausgemalt  (1900). 

Das  Langhaus  und  der  damit  durch  einen  Spitzbogen  in  voller  Breite 
und  Höhe  verbundene,  dreiseitig  geschlossene,  gleichhohe  und  nur  wenig 
einspringende  Chor  sind  mit  einem  spätgotischen,  von  spitzbogigen 
Stichkappen  eingeschnittenem  Netzgewölbe  eingewölbt.  Die  Rippen 
sind  birnförmig  profiliert;  im  Langhaus  verschneiden  sie  sich  in  Halb- 
säulen, im  Chor  ruhen  sie  auf  einfachen  Konsolen  auf.  Im  westlichsten 
Teil  ist  oberhalb  der  Orgel  ein  gratiges  Kreuzgewölbejoch  eingebrochen. 
Im  W.  moderne  hölzerne  Westempore  mit  flachem  Boden,  im  S.  durch 
eine  Holzstiege  vom  Langhaus  aus  zugänglich;  darunter  im-W.  flach- 
bogige  Türöffnung,  im  S.  flachbogige  Tür;  über  der  Empore  im  W.  rund- 
bogige  Tür  zum  Turm.  Im  Langhaus  im  S.  und  N.  je  ein  rundbogiges 
Fenster,  im  N.  noch  ein  breitovales  Fenster.  —  Im  Chor  im  S.  Sakristei- 
tür in  rechteckiger  Marmorumrahmung  mit  oben  austretenden  Ecken, 
rechts  darüber  flachbogige  Kanzeltür;  im  S.,  O.  und  N.  je  ein  rund- 
bogiges  Fenster. 

Turm:  Im  Untergeschoß  gratiges  Kreuzgewölbe;  dient  als  Vorhalle.  Im 
W.  rundbogige  Tür  auf  drei  Stufen,  im  O.  flachbogige  Öffnung. 

Sakristei:  Flach  gedeckt.  An  der  Decke  stukkierter  geschwungener 
Rahmen. 

Einrichtung: 

Altar:  Holz.  Moderner  pseudogotischer  Flügelaltar  mit  Tafelbildern  von 
J.  Gold,  1903  errichtet.  Alt  ist  nur  die  Mittelstatue  im  Schrein,  die 
stehende  hl.  Maria  mit  dem 
nackten  Jesusknäblein  auf  den 
Armen,  Holz,  neu  polychromiert; 
mittelmäßig,  Ende  des  XV.  Jhs. 
Die  beiden  Kronen,  die  Haar- 
und  Schuiterpartien  der  Madonna 
sind  neu  ergänzt,  auch  das  Ge- 
wand ist  überarbeitet  (Fig.  107). 

Kanzel:  Holz. Modern, pseudo- 
gotisch. 


Skulpturen:  Holz,  polychromiert.  1.  Im  Chore.  Kruzifix; 
schwach,  XVll.  Jh. 

2.  In  der  Sakristei.  Statuette  des  auferstandenen  Heilandes,  alt 
polychromiert.    Mittelmäßig,  XVllI.  Jh. 

3.  In  der  Vorhalle,  oben  in  Nische.  Statue  des  hl.  Jakob  mit 
Pilgermantel,  Kreuzstab,  Buch.    Gut,  Mitte  des  XVIII.  Jhs. 

Gemälde:  1.  Fünfzehn  Kreuzwegbilder,  Öl  auf  Holz,  XVIII.  Jh., 
modern,  vollständig  übermalt,  schwach. 

2.  Votivbiid,  Öl  auf  Holz,  vom  Jahre  1767.  Links  Ansicht  des 
alten  barocken  Altars  der  Kirche.    Gute  Arbeit. 

3.  Zwei  kleine  Ölbilder  (Leinwand),  der  reuige  Petrus  und  Maria 
Magdalena  (Halbfiguren).  Anfang  des  XVIII.  Jhs.  Sie  befanden 
sich  jedenfalls  ursprünglich  über  den  Beichtstühlen. 

Kelch  (Fig.  108):  Silber,  vergoldet.  Gotische  Form.  Sechspaß- 
förmiger  Fuß,  gedrückter  Knauf  mit  sechs  rhombenförmigen 
Knöpfen,  darauf  die  gotischen  Minuskelbuchstaben  c  riet  3. 
An  den  sechsseitigen  Griffstücken  und  darüber  sind  in  gotischer 
Minuskel  die  Namen  ihesvs  und  maria  eingraviert.  Glatte 
Cuppa,  nach  oben  stark  verbreitert.    Um  1500. 


Inneres. 
Fig.  105,  106. 

Langhaus. 


Turm. 

Sakristei. 

Einrichtung. 
Altar. 


Fig.  107. 
Kanzel. 

Skulpturen. 


Gemälde. 


Kelch. 
Fig.  108. 


Fig.  108 
Gois,  Filialkirche,  gotischer  Kelch  (S.  109) 


HO 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Reliquiar.        Reliquiar    In  Form  einer  kleinen  Monstranz.  Messing,  vergoldet  und  versilbert,  mit  getriebenen  Band- 
und  Gitterwerkornamenten.  Um  1740. 

Kreuzpartikel-     Kreuzpartikelmonstranz:   Kupfer,   vergoldet,   mit   getriebenen   Rocaillen    und   unechten  Steinen, 
monstranz.       Um  das  Reliquiengehäuse  dreifache  Umrahmung.  Mitte  des  XVIII.  Jhs. 

Lavabo.         Lavabo:  Zinn.  XVIII.  Jh. 

Opfertasse       Opfertasse    und    zwei   Kännchen:    Zinn,   glatt.    Marke:   links   Salzburger   Stadtwappen,   rechtg 
u.Kännchen.      springendes  Einhorn  mit  Henkelkrug,  oben  A-GS,  unten  1741  (Radinger  Taf.  I  26). 

Leuchter.        Leuchter:    1.   Ein  dreifüßiger  Holzleuchter,  vergoldet,  mit  schwarzen  Füllungen.   Mitte  des  XVII.  Jhs, 

2.  Sechs  dreifüßige  geschnitzte  Holzleuchter,  versilbert  und  vergoldet,  mit  Blatt-  und  Gitterwerk,  um  1730. 

3.  Vier  große  und  vier  kleine,  Holz,  geschnitzt  und  vergoldet,  dreifüßig,  mit  Rocaillen.  Um  1750. 

Laternen.        Laternen:  Zwei  Traglaternen,  Blech,  neu  bemalt,  mit  Gitterwerk.  Um  1730. 

Vasen.         Vasen:  1.  Zwei  Vasen  mit  Laubwerk  und  je  zwei  Cherubsköpfchen,  XVll.  Jh. 

2.  Vier  Vasen  mit  Gilterwerk,  Holz,  vergoldet.  Um  1730. 

3.  Vier  kleine  Rocaillenvasen,  Holz,  vergoldet.  Um  1750. 

Glocken.         Glocken:    1.   Kleinere   Glocke.    St.  Jakob.    Umschrift  in   gotischen  Minuskeln:    ihesvs  nasvrenvs   eit 
kinig  der  ivten   erparm  dich  vber  vns .  1544. 
2.  Größere  Glocke,  von  F.  Oberascher  1871. 


Grödig,  Dorf 

Arcliivalien:  Konsistorialarchiv.   —    Stiftsarchiv  St.  Peter  (Rechnungen  seit  1688  und  Akten).   —    SRA  (Konsistorialakten  141  und 
Regierung  IX  245). 

Literatur:  Hübmfr,  Stadt  515   —  Pillwein,  Salzachkreis  352.  —  Dürlinoer,  Handbuch  75  f. 

Ältestes    Vorkommen   siehe   unten.     Alte   Namensformen   sind:    Cretti,    Chrethica,    Grettic/i,    Greticli    u.  ä.    (HAUTHALER, 
U.-B.  1.  2032). 

Piarri<irciie.     Pfarrkirche  zu  Unserer  Lieben  Frau  Verkündigung. 

Im  Arnonischen  Güterverzeichnis  (Ende  des  VIII.  Jh.)  kommt  sie  als  ad  Crethica  ecclesia  cum  territorio 
vor,  die  {ecclesia  ad  Gretich  cum  decima)  987  bei  der  Trennung  des  Bistums  von  der  Abtei  St.  Peter 
bei  dieser  verblieb  (Hauthaler,  a.  a.  O.  11  und  254).  Über  das  Verhältnis  zu  Anif  und  Niederalm  ver- 
gleiche die  Ausführungen  bei  erstgenanntem  Orte.  1625  wurde  der  Pfarrsitz  von  Niederalm  (Rif)  nach 
Grödig  übertragen,  aber  erst  1883  wurde  dieses  zur  selbständigen  Pfarre  erhoben. 
1513  wurde  der  Chor  erweitert.  Abt  Wolfgang  von  St.  Peter  vermerkt  in  seinem  Ausgabenbuch:  Item 
in  Gretich  posuimus  primum  lapidem  pro  ampliando  choro  ecclesie  B.  M.  V.  ibidem  et  super  lapidem 
posuimus  Ren.  flor.  I,  actum  Gervasii  (18.  Juni  [Cista  CLXXIV  6,  f.  12']). 
Das  Konsekrationstagebuch  des  Bischofs  Berthold  Pürstinger  von  Chiemsee  verzeichnet  zum  14.  Juni 
1523:  Consecratus  est  novus  chorus  unacum  antiqua  ecclesia  beate  Marie  virginis  in  Gredich  et  duobus 
altaribus,  primum  in  choro  in  hon.  eiusdem  sanctissime  virginis  Marie  ac  ss.  Katharine  et  Barbare 
virginum  et  martyrum,  alterum  in  dextro  latere  in  hon.  s.  Anne  genitricis  Marie  et  s.  Affre  ac  suarum 
sodalium,  similiter  ibidem  cimiterium  est  reconciliatum.  1588  befanden  sich  in  der  Kirche  ein  Glas- 
fenster, darstellend  einen  Engel  mit  dem  Trauner-  und  Strasserschen  Wappen  sowie  Grabsteine  des 
Wilhelm  Trauner  von  Gartenau  (gest.  1427)  und  des  Achatz  Trauner  und  seiner  Frau  Wandula  (Trauner- 
sches  Familienbuch  F.  172  u.  215').  1614  war  das  Altarsakrament  noch  in  tabernaculo  marmoreo  muro 
dextero.  Der  rechtseitige  Altar  war  der  hl.  Anna  geweiht,  der  linke  dagegen,  a  cuius  dextero  latere 
fenesira  in  columna,  ubi  olim  sacramentum  asservabatur  et  obstinatur,  dem  hl.  Georg.  1617  wird  der 
Hochaltar  neu  gemacht.  Martin  Seiser,  Bürger  und  Tischler,  lieferte  ihn  von  Nußbaumholz  um  70  fl.; 
später  mußte  er  ihn  aber  wieder  verändern,  indem  er  in  der  mittern  Füllung  anstat  der  Bilder  ain  Plat 
machte  von  harte/n  Holz  zu  dem  Mallwerch  mit  sambt  ainer  nusspaumen  Ramb  herumb,  tuet  3  fl.  4  ß, 
mehr  Hab  ich  auf  der  Seiten  2  neue  Postament  gemacht,  darauf  die  Bilder  stehn  2  fl.    Die  Schnitz- 


Grödig  111 

arbeiten,  darunter  3  Pilder  sambt  dem  Salvatter  und  2  Ihrer  hj.  Gn.  Wappen,  die  Adam  G  u  c  t  m  a  n  n 
vergoldete,  hatte  Andreas  Pernegger  für  130  fl.  übernommen.  Am  16.  Jänner  1638  gibt  der  Abt 
von  St.  Peter  den  Kirchpröpsten  wegen  einer  neuen  Uhr  12  fl.  als  Beisteuer. 

1686  wird  dem  Konsistorium  berichtet:  Nun  thuet  schon  lenger  Zeit  dleselb  Nachbarschaft  uns  anlaufen 
und  bitten,  dass  bei  Gelegenhait  der  Reparation  des  Thurmdachs  die  Thurmniauer  umb  20'  mechte  er- 
hechert  und  das  Thurmdach  wie  zu  Morzg  spitzet  gemacht  werden.  Sie  sei  zu  hegst  noch  572'  dick. 
Er  sei  ohne  Zweifel  der  schlechteste  Turm  im  ganzen  Erzstifte.  Das  Langhausdach  ist  um  8'  höher  als 
das  Thurmdach.  Der  Thurm  hat  nur  auf  einer  Seite  Fenster  und  stecket  also  in  dem  Kirchengepey,  dass 
ordinari  nur  alleinig  in  die  negsten  Häuser  das  Leuthen  gehört  wird  und  also  an  denen  Werktagen 
kaum  dass  halbe  Dorf  wissen  kann,  ob  und  wann  eine  Mess  seye,  zu  geschweigen,  dass  das  höhere 
und  hellere  üeleuth  auch  an  Verdreibung  des  Hochweders  vil  effectuiere  und  Nutzen  thete.  Die  hierzu 
erforderlichen  Kosten  von  575  fl.  wurden  am  2.  Juli  bewilligt. 
1693:   Statt  des  ganz  alten  und  verfaulten  Taffelpoden  ein  sauberes  Rohrgewölb  von  Güpps  durch  den 

Maurermeister  Matthias  Kölle rsberger  in  Anif  um  350  fl.  gedingt. 
1694:   Neue  Uhr  durch  Jeremias  Saute r. 
1714:   Meister  Franz  Jakob  Ott,  Tischler  in  Salzburg,  für  einen  in  die  Sakristei  gemachten  Kasten 

18  fl.    Christof  Grien  twald,  Schlosser,  für  dessen  Beschlagung  11  fl. 
1734:    Wegen  der  Postamenter  zur  Aufmachung  der  vom  alten  Altar  vorhandenen  Bildnussen  u.  a.  dem 

Zimmermeister  und  Maurer  3  fl.  48  kr.    Dem  Tischlermeister  zu  Salzburg  wegen  Machung  des 

Oratorii  und  Ausbesserung  der  Stüel  u.  a.  20  fl. 
1735:   Dem  Bildhauer  zu  Neumarkt  für  Machung  des  Hochaltars  ISO  fl.    Wolf  gang  Spies,  Maler, 

wegen  Fassung  desselben  205  fl.    Johann   Zängerle,  Tischler  zu  Salzburg,  wegen  Machung 

der  Kanzel,  Oratorii  u.  a.  69  f.     1736  demselben  für  die  Empore  50  fl. 
1754:   Für  sechs  neue  Leuchter  und  vier  neue  Buschkrüge  von  Gürtlerarbeit  80  fl.  15  kr. 
1755:  Für  Abbrechung  der  alten  ausser  der  Freithofs  gestandenen  Kapelle,  Übersetzung  der  steinernen 

Gättersäulen  und  Ausbesserung  der  Freithofmauer  13  fl. 

Am  16.  Mai  1805  brannte  die  Kirche  vollständig  ab;  noch  am  Tage  selbst  erschien  Kurfürst  Ferdinand 
an  der  Brandstätte,  versprach  Hilfe  und  äußerte  den  Wunsch,  daß  die  Kirche,  von  der  nur  die  Chorbänke 
und  das  Turmgewölbe  stehen  geblieben  war,  noch  vor  dem  Winter  unter  Dach  komme.  Zudem  spendete 
er  100  Stämme  Bauholz.  Das  Stift  St.  Peter  zahlte  400  fl.  und  nahm  die  Inneneinrichtung  auf  sich.  Bau- 
meister war  Matthias  Karlsdorfer,  Domkap.-  und  Stadtmaurermeister  in  Salzburg.  Am  23.  Juni 
1807  schloß  das  Stift  St.  Peter  mit  Peter  Pf  lau  der,  bürgerlichem  Stukkateur,  einen  Kontrakt  ab,  wo- 
nach dieser  die  Verzierungen  im  Chor  sowohl  als  im  Langhaus  mit  Einschluss  der  Seitenwände  bis  zum 
Boden  nach  dem  Risse  gut  und  dauerhaft  herzustellen,  auch  zu  diesem  den  Gyps  und  Kalk  und  andere 
Materialien  um  1050  fl  beyzuschaffen  hat,  doch  sind  davon  die  Nebenkapellen  ausgeschlossen.  Anton 
Gramm  er,  bürgerlicher  Tischlermeister,  erhielt  für  das  Tabernakel  13  fl.,  für  die  Rahmen  zu  den  zwei 
Seitenaltären  5  fl.  26  kr.,  für  den  Rahmen  zum  Hochaltare  5  fl.  29  kr.  Franz  Hitzl,  Bildhauer,  legte 
Rechnung:  Großer  Schein  mit  Gwilk.  4  Geheng  mit  Frichten  und  Engelsköpf,  2  große  Capodell  mit  die 
Schaffgesimbs,  4  kleine,  2  Stadien  ausgebösert,  2  Engel  mit  neue  Fliegt,  3  Ramen  mit  Herzlauber  und 
Bierlein  versözt  98  fL  Franz  Tuche,  bürgerlicher  Vergolder,  für  Vergoldung  der  Capitelle  und  Schaf- 
gesimbser  28  fl.  36  kr.,  im  ganzen  300  fl. 

Die  Altarbilder  malten  Nesslthaler  und  Streicher: 

Quifung,  das  ich  Endesunterzeichneter  von  Sr.  Hw.  und  Gnaden  des  Herrn  Prelaten  zu  St.  Peter  für 
das  Hochaltarblad  in  der  Pfarrkirche  zu  Grödig,  vorstellend  den  Englischen  Gruß,  300  fl  bar  emp- 
fangen hab. 

Salzburg.  30.  Oktober  1808.  Andr.  Nesselthaler, 

k.  k.  prov.  Salzb.  Truchsess  und  Hofmahler. 


112  Qerichtsbezirk  Salzburg 

Conto  aus  Anbefellung  des  wohlgeb.  Herrn  Herrn  Andr.  Nöstldaller  würdigsten  k.  k.  Hofmaler: 
das  Seittenaltarblädtl,  den  hl.  Josephus  accordiertermaßen  gemahlen  per  60  fl. 

15.  Juni  1808.  Franz  Streicher,  Mahler. 

Recompens  10  fl. 
Anton  Högler,  Kameral-  und  bürgerlicher  Steinmetzmeister,  lieferte  den  Hochaltar  und  die  Seiten- 
altäre nach  Akkord  für  1100  fl.,  das  Tabernakel  sammt  den  2  Säulen  für  200  fl.,  das  Speisgländer  für 
160  fl.,  2  Chorsäulen  für  80  fl.  und  Opfer-  und  Weihbrunnschalen  für  45  fl.,  zusammen  1635  fl. 
FranzHitzlfür2  bedete  Engl  zu  dem  Hochaltar  24  fl,  für  6  große  Leuchter  2^j^  hoch  33  fl,  2  Leuchter 
2'  hoch  8  fl.,  für  2  Postamenter  für  den  Tabernakel  und  den  erhabenen  Namen,  2  Kreuze  mit  Strahlen 
16  fl,  für  6  Leuchter  2'  hoch  24  fl  und  im  Jahre  1810:  auf  den  Tabernakel  ein  Lamb  mit  dem  Buch 
mit  die  7  Sigill  und  2  Vasi  10  fl.  Jacob  Müller,  bürgerlicher  Maler,  vergoldet  und  faßt  2  Capitäle 
und  Schafgesimbse  2  fl  36  kr,  ein  Crucifix  nach  der  Natur  und  vergoldet  das  Scheint  1  fl,  dann  die 
2  Rahmen  für  die  Altarbilder  72  fl,  endlich  4  Lorbeergehänge  1  fl  12  kr.  Tuche  vergoldet  eine  Ver- 
zierung im  obern  Fries,  2  Wappen  und  einen  großen  Schein  mit  dem  Auge  Gottes  32  fl.  Johann  Georg 
Moesle  (aus  Neumarkt  bei  Salzburg),  Buchhändler  in  Wien,  kauft  bei  Herrn  Bing  auf  Rechnung  St.  Peters 
das  Gemälde  des  hl.  Florian  um  90  fl.  und  sandte  es  nach  Salzburg  (rechtes  Seitenaltarbild). 
Die  Creuzigung  Christi  unterzogen,  den  Saft  gegeben  und  ausgebessert  25  fl  45  kr,  die  Stäbe  bei  dem 
Ölberg,  Geißlung,  Krönung  und  Kreuztragung  mit  Feingold  15  fl  36  kr,  die  Krönung  neugemahlen  36  fl, 
Buzen  des  Ölbergs  und  Geißlung,  St.  Florian  unten  und  oben  hinausgemalt  6  fl. 

Xaver  HornOck,  bgl.  Mahler. 

Leonhard  Sauer,  Orgel-  und  Instrumentenmacher  in  Reichenhall,  liefert  1809  die  Orgel.    Bartlmä 
Lehn  er   (Lachner),    Schreinermeister   in    Schellenberg,   erhielt   für   die   Kirchenstühle   45  fl,   für   einen 
Sakristeikasten  mit  sechs  Schubladen  8  fl.  35  kr.  (5  Diehrl  sind  mit  Silberfarb  angestrichen). 
Die  Glocken  goß  Johann  Oberascher;  eine  im  Gewichte  von  2  q  wird   1809  vom  Schlosse  Piain 
hierher  gebracht. 

1813  wird  um  die  Aufstellung  eines  Kieuzweges  angesucht.  Die  5  großen  Bilder,  des  Leidens  Christi 
vorstellend,  womit  der  f  Prälat  der  Kirche  zu  Grödig  eine  Schankung  gemacht  hat  sind  nach  dem  Urteil 
der  Kenner  solche  Meisterstücke,  die  von  dem  Pinsel  eines  jeden  Malers  nicht  so  leicht  erreicht  werden 
können.  Da  zu  besorgen  ist,  dass  durch  die  Einführung  des  Kreuzwegs  mit  15  neuen  Kreuzwegtafeln 
die  schön  gezierte  Kirche  nur  verunstaltet  werden  dürfte,  so  ist  zu  überlegen,  ob  die  Andacht  nicht  auch 
bei  den  5  Bildern  verrichtet  werden  könnte  —  eine  Äußerung,  die  nicht  nur  den  josefinischen  Geist  des 
betreffenden  Konsistorialrates  verrät,  sondern  auch  den  Beifall  über  die  im  Geschmacke  der  Zeit  vor- 
genommene prächtige  Ausstattung  und  Einrichtung  dieser  Kirche,  die  auch  heute  noch  als  Musterbeispiel 
dieser  wenig  baufrohen  Zeit  dienen  kann.  Mit  Dekret  vom  25.  März  wird  die  Aufstellung  eines  Kreuz- 
weges aber  doch  bewilligt,  allerdings  mit  dem  Vorbehalt,  daß  die  Kirche  nicht  verunstaltet  wird.  1814 
waren  die  Seitenaltäre  noch  ohne  Reliquien. 
Am  18.  Oktober  1837  weihte  Erzbischof  Friedrich  die  Kirche  ein. 
Der  Turm  wurde  1872  in  seine  heutige  Gestalt  gebracht;  der  Umbau  kostete  8088  fl. 
Charakte-  Charakteristik:  An  das  im  Kern  noch  romanische  (ursprünglich  flachgedeckte)  Langhaus  wurde 
1513-^1523  ein  geräumiger  gotischer  Chor  angebaut.  Der  ursprünglich  niedrige  romanische  Südturm 
wurde  1686  beträchtlich  erhöht  und  erhielt  1872  noch  ein  Obergeschoß.  Nach  dem  Brande  von  1805 
7-urde  die  Kirche  neu  eingewölbt,  durch  ein  Seitenschiff  vergrößert  und  mit  hübschen  Stukkaturen  von 
Pe.c;  ?:;f.uder  geschmückt  (Fig.  109 — 111). 

Äußeres  (Fig.  109): 

Bruchstein  und  Ziegel,  glatte  Wände,  verputzt  und  gelb  gefärbelt. 

Langhaus:   W.   Breite   Dreiecksgiebelfront   mit   breiter   Stützmauer   in    der  Mitte.    In    der   nördlichen 
Hälfte  vorgelagert  Anbau  1.    Oben  kleines  flachbogiges  Bodenfenster.  —  S.  Links  flachbogige  Tür,  da- 


ristik. 


Grödig 


113 


neben  marmorne  Weihwasserschale,  rechts  zwei  große  rundbogige  Fenster.  —  N.  Drei  große  rundbogige 
Fenster,  beiderseits  Stützmauern.  An  den  beiden  Langseiten  hölzerne  Hohlkehigesimse.  —  Hohes  Schindel- 
satteldach. 


Chor:  S.  Durch  Turm  und  Sakristei  verbaut.  —  O.  und  N.  Hoher  Sockel  aus  Konglomeratstein.    Fünf 

dreifach  abgestufte  Strebepfeiler,  oben  und  unten  rechteckig,  in  der  Mitte  dreikantig  vorspringend;  oben 

abgepultet,  über  der  ersten  Stufe  Hohlkehigesims,  über  der  zweiten  Kaffgesims,  um  den 

ganzen   Chor  herumlaufend.    Drei  spitzbogige   Fenster,   eines   im  O.  ist  vermauert.    Ar 

der  Ostseite  über  dem  Sockel,  in  einen  Quader  eingemeißelt,  ein  merkwürdiges,  20  cm 

hohes  Zeichen  (s.  nebenstehend).   —   Als  Abschluß  umlaufendes  steinernes  und  darüber 

noch  hölzernes  Hohlkehlgesims.    Schindelsatteldach,  nach  O.  abgewalmt. 


Chor. 


i  a-8 


Fig.  109    Grödig,  Pfarrkirche  von  Südosten  (S.  112) 

Turm:  Im  S.  des  Chores.  Fünfgeschossiger  quadratischer  Hauptteil,  durch  modernen  Rundbogenfries 
abgeschlossen,  darüber  einspringendes  modernes  achtseitiges  Glockengeschoß.  W.  Unten  durch  das  Lang- 
haus verbaut.  —  S.  In  den  fünf  Geschossen  übereinander:  Kleine  Tür  mit  oblongem  Oberlichtfenster, 
schmale  Luke,  schmale  rundbogige  Luke,  renoviertes,  gekuppeltes,  romanisches  Doppelbogenfenster  mit 
Mittelstütze,  darüber  modernes  pseudoromanisches  Doppelbogenfenster.  —  O.  Unten  Sakristeianbau. 
Darüber  romanisches  Doppelbogenfenster  (renoviert)  und  Luke.  —  N.  Oben  Luke.  Im  modernen  Glocken- 
geschosse vier  spitzbogige  Fenster  mit  modernen  Maßwerken.  Achtseitiger  spitzer  Schieferhelm  mit 
vergoldetem  Knauf  und  Kreuz. 

Anbauten:  1.  Moderne  gotisierende  Vorhalle  im  W.  des  Langhauses. 

2.  Sakristei  im  S.  des  Chores,  einstöckig.  Im  S.  und  O.  je  zwei  oblonge  Fenster  übereinander.  Schindelpultdach. 

Fried hofmauer:  Bruchstein.  Im  S.  einfaches  Tor  mit  eisernem  Gitter.  1908  wurde  der  Friedhof  er- 
weitert und  an  der  Nordseite  das  Leichenhaus  gebaut. 

Inneres  (Fig.  HO,  111): 

Weiß  gefärbelt.    Schöne  Stukkaturen  von  Franz  Pf  1  ander  in  Salzburg,  1808. 

Langhaus:  Saalartiges  Hauptschiff,  schmäleres  und  niedrigeres  Seitenschiff  im  S.,  mit  ersterem  durch 
,drei  Rundbogenöffnungen  verbunden.  An  den  beiden  Langwänden  des  Hauptschiffes  je  zwei  flache 
;Pilaster  mit  schönen  ionischen  Stuckkapitälen,  darüber  Gebälk  mit  glattem  Fries  und  bemaltem  Gesims 

XI  15 


Turm. 


Anbauten. 

Friedhof- 
mauer. 

Inneres. 
Fig.  110,  111. 

Langhaus. 


114 


öerichtsbczirk  Salzburg 


(1808).  Schwach  gewölbte  Decke  mit  guter  Stuckgliederung  von  1808:  in  der  Mitte  die  Taube  im 
Strahlenkranz,  umgeben  von  einem  großen  ovalen  Lorbeerkranzrahmen.  In  den  sechs  Feldern  darum! 
herum  stukkierte  Zweige  und  Kränze  mit  Bändern.  Auch  die  drei  rundbogigen  Fenster  im  N.  sind  vonj 
Empirestuckrahmen  umgeben.  Im  W.  über  der  flachbogigen,  um  zwei  Stufen  erhöhten  Eingangstür  die 
Musikempore  (Holz  mit  Stucküberzug);  vorspringender  Mittelteil  und  flacher  Boden,  der  von  zwei 
auf  prismatischen  Postamenten  stehenden  modernen  toskanischen  Säulen  aus  Untersberger  Marmor 
gestützt  wird.  An  der  Brüstung  drei  stukkierte  Rosetten  und  zwei  Musikembleme.  Im  W.  breiter  rund- 
bogiger  Triumphbogen,  darüber  in  Stuck  das  Doppelwappen  des  Stiftes  St.  Peter  und  des  Abtes  Domi- 
nikus  Hagenauer  mit  der  Jahreszahl  1808.  —  Das  Seitenschiff  hat  ein  rundbogiges  Tonnengewölbe  mit 
drei  Paaren  von  rundbogigen  Stichkappen.  Im  W.  hölzerne  Aufgangsstiege  zur  Musikempore.  —  Drei 
Weihwassermuschelschalen  aus  gelbem  Marmor. 


Fig.  110    Grödig,  Pfarrkirclie,  Grundriß  1  :  200  (S.  113) 


Chor. 


Fig.  112. 


Turm. 


::iKn^t-.;;. 


itii.ir 


Chor:  Etwas  höher  und  schmäler  als  das  Hauptschiff,  Boden  um  zwei  Stufen  (aus  rotem  Marmor)  erhöht 
Das  ursprünglich  gotische,  1808  erneuerte  Gewölbe  (von  1523)  wird  von  sieben  ganzen  und  zwei  halben 
spitzbogigen  Stichkappen  eingeschnitten.  Es  hat  eine  hübsche  Stuckdekoration  von  Peter 
Pflauder  (1808)  (Fig.  112):  Namen  Jesu,  Rosette,  Auge  Gottes;  acht  ovale  Medaillons  mit  den  Halb- 
figuren der  Kirchenväter  und  der  Evangelisten  in  Relief,  darüber  Bandschleifen,  darunter  gekreuzte 
Zweige;  vier  von  Zweigen  umrahmte  Ovalmedaillons  mit  liturgischen  Emblemen.  Um  die  vier  rund- 
bogigen Fenster  (das  südliche  geht  in  die  Sakristei)  Stuckrahmen  von  1808;  moderne  ornamentale  Glas- 
malereien. Im  S.  kleine  steingerahmte  Rundbogentür  zur  Turmhalle,  darüber,  von  einfachen  Konsolen 
gestützt,  rechteckiger  balkonartiger  Kanzelgang  (Holz  mit  Stucküberzug)  mit  drei  Stuckrosetten  (1808), 
durch  eine  spitzbogige  gotische  Tür  vom  Obergeschosse  der  Sakristei  aus  zugänglich. 
Schöne  dreiteilige  Balustrade  (Kommunionbank)  aus  rotem  Marmor  niit  Balustern  aus  hellgelbem 
Marmor,  von  Anton  Högler  in  Salzburg,  1808. 

Turm:  Die  untere  Halle  hat  ein  gratiges  Kreuzgewölbe;  die  vier  Türen  stehen  in  flachbogigen  Nischen. 
Im  ersten  Geschosse  führt  im  W.  eine  kleine  rechteckige  Tür  auf  den  Dachboden  des  Seitenschiffes,  eine 
zweite  im  N.  auf  den  des  Chores  (alt).  Im  dritten  Geschoß  im  W.  eine  vermauerte  Luke;  ein  Beweis, 
daß  der  Turm  hier  ursprünglich  schon  frei  stand.  Im  vierten  Geschoß  im  W.  ein  vermauertes  romanisches 
Doppelbogenfenster,  dessen  Säule  durch  eine  Holzstütze  ersetzt  ist. 

oakrir-toi:  In  beiden  Geschossen  flach  gedeckt. 

Einrichtung: 
Altäre:  1.  Hochaltar.    Gelblichroter  und  dunkelroter  Untersberger  Marmor.    Auf  zwei  Stufen  lange 
Men&a.  angelchr.t  an  eire  übermannshohe  Wand,  die  seitlich  von  zwei  Türen  durchbrochen  ist.    Seitlich 


Qrödig 


115 


neben  der  Mensa  die  Wappen  des  Stiftes  St.  Peter  und  des  Abtes  Dominikus  Hagenauer,  Holz,  vergoldet. 
In  der  Mitte  eingebautes  Tabernakel  mit  zwei  Säulchen  und  Kruzifix.  In  dem  aus  grauem  Marmor  be- 
stehenden Wandteile  daneben  in  je  drei  Feldern  applizierte  Embleme,  Holz,  vergoldet  (Fruchtgehänge 
mit  Cherubsköpfchen,  Kreuz  und  Anker,  Kelch  auf  Meßbuch,  von  Reben  umrahmt). 

Über  dem  Tabernakel  moderne  Marienstatue,  über  den  Seitendurchgängen  die  Statuen  zweier  Engel 
mit  Weihrauchfässern  (Holz,  neu  gefaßt);  sehr  gute  Arbeiten,  wohl  vom  Hochaltar  von  1617  (Andreas 
Fern  egger). 

Auf  der  Rückseite,  ober  der  Tür  der  Epistelseite,  die  eingemeißelte  Inschrift:  Gemacht  worden  von  Anton 
Högler  bürgt.  Steinmetzmeister  in  Salzburg  aTio  1809.     Aufgesetzt  worden  von  Sebastian  Högler. 
An  der  Rückwand  des  Chorschlusses  auf  gemauertem  Unterbaue  das  Altarbild  in  einem  gelben  JHarmor- 
rahmen,  flankiert  von    zwei    Säulen    mit  vergoldeten    Kompositkapitälen,  oben    gerades   Gesims;    darauf 
Auge  Gottes  und  zwei  anbetende  Putten  (Holz,  polychromiert).    Altarbild:  Die  Verkündigung.  Von  links 


Fig.  111     Orödig,  Pfarrkirche,  Inneres  (S.  113) 


schreitet  der  Engel  heran,  in  der  gesenkten  Rechten  eine  Lilie  haltend,  mit  der  erhobenen  Linken  zur 

Taube  zeigend.    Rechts  kniet  Maria,  den  Kopf  zu  Gabriel  zurückwendend.    Oben,  um  die  Taube,  Putti 

und  Cherubsköpfe.    Signiert:  A.  Nesselt hale r  Pinx.  1808.    Gute  Arbeit. 

Neben  dem  Bilde  auf  Marmorpostamenten  die  überlebensgroßen  Statuen  der  hl.  Anna  und  des  hl.  Joachim; 

mittelmäßige  Arbeiten  des  XVlll.  Jhs.    Sie  kamen   1838  aus  dem  Kreuzgang  des  Stiftes  St.  Peter  hieher 

und  sind  zwei  umgearbeitete  Prophetenstatuen (!). 

Der  Marmoraufbau  stammt  von  Johann  Högler,  die  Schnitzarbeiten  von  Franz  Hitzl,  1808     1809. 

'Zwei  Seitenaltäre  aus  verschiedenfarbigem  Marmor,  vom  Jahre  1808.  Über  der  Mensa  hohe  Predella 
mit  kleinem  Tabernakel,  darauf  Altarbild,  ähnlich  umrahmt  wie  am  Hochaltar;  oben  vergoldetes  Holz- 
kreuz.   Auf  den  Tabernakeln  je  ein  kleines  Holzkruzifix. 

B.  Linker  Seitenaltar.  Altarbild:  Der  hl.  Josef,  auf  Wolken  kniend,  das  Christkind  anbetend;  Engel. 
"Von  Franz  Streicher,  1808;  schlecht  übermalt. 

I 

5.  Rechter  Seitenaltar.    Altarbild:  Der  hl.  Florian,  auf  Wolken  kniend.    Ein  Engel  gießt  auf  seine 
'ürbitte  hin  Wasser  auf  ein  brennendes  Haus.    Unten  flehende  Menschen.    Sehr  gutes  österreichisches 
3ild  in  der  Art  des  Kremser  Schmidt,  um  1770  (s.  S.  111). 
3ie  Marmorarbeiten  lieferte  Johann  Högler,  die  Schnitzereien  Franz  Hitzl,  1808/09. 

15* 


Seitenaltäre. 


Linker 
Seitenaltar. 

Rechter 
Seitenaltar. 


116 


Oerichtsbezirk  Salzburg 


Kanzel.  Kanzel:  An  der  Südseite  des  Triumphbogens,  Holz  mit  Stucküberzug.  Am  Ablaufe  Palmettenkelch, 
an  der  Brüstung  zwei  Rosetten  und  Buch  mit  Lorbeerzweigen,  in  Stuck.  Am  Schalldeckel  unten  die  Taube 
(Holz,  versilbert),  oben  die  Gesetzestafeln.    Um  1808. 

Taufstein.        Tauf stein:  Untersberger  Marmor,  einfach,  kelchförmig.  1883. 

Ampel.  Ampel:  Messingblech,  getrieben,  versilbert,  reich  verziert.    Empire,  um  1808. 

Orgel.  Orgel:  Dreiteiliges  Gehäuse  mit  geschnitzten  vergoldeten  Verzierungen  und  dem  Wappen  des  Stiftes 

St.  Peter.    Um  1840. 

Kirchenbänke.     Kirchenbänke:  Einfach  geschnitzte  Empirewangen;  von  Barthlmä  Lehner  in  Schellenberg,  1808. 

Gemälde.        Gemälde:  In  Stuckrahmen  in  die  Wände  eingelassen,  Öl  auf  Leinwand.  1.  Im  Chor.  Tod  des  hl.  Benedikt. 
Mittelmäßig,  Ende  des  XVII.  Jhs. 

2—6.  Seitenschiff.  2.  Großes  Bild  der  Kreuzigung.   Mittelmäßig,  XVIII.  Jh.  —  3.  Christus  und  der  Engel 
am  Ölberg  und  4.  Geißelung  Christi.  Beide  von  derselben  Hand.  Gut,  Mitte  des  XVIII.  Jhs.  —  5.  Dornen- 


Fig.  112    Qrödig,  Pfarrkirche.    Stukkaturen  am  Chorgewölbe  von  Peter  Pflauder,  1808  (S.  114) 


Holz- 
skuloturen. 


iMoiistraiiz. 


krönung  und  Verspottung  Christi.  Mittelmäßig,  XVIII.  Jh.  —  6.  Christus  bei  der  Kreuztragung  und  die 
Frauen.  Mittelgut,  Anfang  des  XVIII.  Jhs.  Diese  Bilder  (die  fünf  Geheimnisse  des  schmerzhaften  Rosen- 
kranzes darstellend)  stammen  aus  dem  Stifte  St.  Peter. 

7.  Beweinung  Christi,  schwach,  in  schönem  klassizistischem  Rahmen.    Um  1800. 

8.  Vierzehn  schwache  Kreuzwegbilder  von  Jaud,  1813. 

Holzskulpturen:  Polychromiert.  1.  In  der  Vorhalle.  Statue  der  sitzenden  Mutter  Gottes  mit  dem 
Jesusknaben  auf  dem  Schöße.    Gute  Arbeit,  Mitte  des  XVII.  Jhs.  . 

2.  Statuette  des  auferstandenen  Christus.    Schwach,  XVIII.  Jh. 

3.  Christus  an  der  Geißelsäule.    Schwach,  XVIIL  Jh. 

4.  Wandkruzifix  im  Seitenschiffe.    XVIII.  Jh. 

5.  S'Eitue  des  auferstandenen  Christus.    Anfang  des  XIX.  Jhs. 

?.  Statuetten  der  vier  Evangelisten,  versilbert.    Gering,  Anfang  des  XIX.  Jhs. 

7.  Kicine;.  Wr.ndkruzifix  im  Chor.    Anfang  des  XIX.  Jhs. 

Aus  Grödig  stammt  auch  die  Pietä,  die  jetzt  in  der  Hl.-Geist-Kapelle  in  St.  Peter  aufgestellt  ist,  eine 

sehr  gute  Arbeit  des  XVIII.  Jhs.,  neu  gefaßt. 

Monstranz:  Silber,  vergoldet,  mit  getriebenen  Verzierungen  und  unechten  Steinen.  Doppelter  Schein, 
mit  den  getriebenen  Relieffiguren  von  Gott -Vater,  Taube,  Verkündigung,  zwei  Cherubsköpfchen;  dahinter 


Grödig 


117 


vergoldeter  Strahlenkranz.  Unter  der  Lunula  ein  Cherubsköpfchen.  —  Marken:  Aiigsburger  Beschau  mit 
D  (1739—1741;  R^  183).  Meisterzeichen:  SD  (R^  542).  Gute  Arbeit  von  Salomon  Dreyer  in  Augs- 
burg, 1740. 

Ziborium:  Silber,  vergoldet.  Reich  verziert  mit  getriebenen  Rocaillen  und  Blumen  am  Fuß,  Knauf  und        Ziborium. 
Cuppakorb.    Über  dem  Deckel  vergoldete  Kupferkrone.  —  Marken:  Augsburger  Beschauzeichen  mit  Z 
(1779—1780;  R-  217).   Meisterzeichen:  CXS  (R'^  568).    Gute  Arbeit  von  Caspar  Xaver  Stipeldey 
in  Augsburg,  1780. 

Kelche:    Alle    Silber,    vergoldet.     1.    Sechspaßförmiger    Fuß    und    Knauf,    glatte    Cuppa.    —     ^^wk  Kelclic. 

Marken:  Salzburger  Beschau  (S  in  Oval).  Meisterzeichen:  P  M  in  Breitoval.  Arbeit  des  Paul  J^^| 
Mayr  in  Salzburg  (Bürger  seit  1636)  um  1650.  *••' 

2.  Mehrfach  geschwungener  Fuß  mit  gewelltem  Umrisse,  sechsseitiger  Knauf,  glatte  Cuppa.  —  Marken: 
Augsburger  Beschau  mit  K  (1751  — 1753;  R-  193).  Meisterzeichen:  j  ,  o  '"  Dreipaß  (R^  545).  Augsburger 

Arbeit,  um  1752,  von  Johann  Jakob  Schoap  oder  Josef  Ignaz  Saler. 

3.  Fuß,  dreiseitiger  Knauf  und  Cuppakorb  schön  verziert,  mit  getriebenen  Rokokoornamenten,  Ähren, 
Rosen  und  Trauben.  —  Marken:  Augsburger  Beschau  mit  W  (1773 — 1775;  R^  213).  Meisterzeichen:  lAS 
in  breitovalem  Felde.    Gute  Augsburger  Arbeit,  um  1774. 

Kreuzpartikelmonstranz:  Messing,  vergoldet  und  versilbert,  mit  getriebenen  Verzierungen  und     Kreuzpartikei- 
unechten  Steinen.    Einfach,  XVIII.  Jh.  monstranz. 

Wetterkreuz:  Messing,  vergoldet,  mit  appliziertem  silbernem  Kruzifixus  und  Rosetten.  Einfach,  XVIII. Jh.      Wetterkreuz. 

Lavabo:  Zinn;  ohne  Marke.  XVIII.  Jh.  Lavabo. 

Pitsche:  Zinn,  sechseckig,  mit  Einschraubdeckel.  XVIII.  Jh.  Pitsclie. 

Kasein:  1.  Weiße  Seide  mit  goldgevvebtem  Arabeskenmuster.  Kasein. 

2.  Rote  Seide  mit  buntem  Blumenmuster,  gewebt. 

3.  Weiße  Seide  mit  großblumigem  buntem  Muster,  gewebt. 

4.  Rosafarbige  Seide  mit  buntem  Blumenmuster,  gewebt.  —  Alle  Anfang  des  XIX.  Jhs. 

In  den  Besitz  der  Kirche  gehört  auch  ein  A  n  t  e  p  e  n  d  i  u  m  des  XVII.  Jhs.,  das  gegenwärtig  in  St.  Peter     Antependium. 
aufbewahrt  wird. 

Opfertassen:   Drei   breite   Untertassen  für  Opferkännchen,  Zinn.   —   Marken:   a)  S.  W.  FEINZINN,      Opfertassen, 
darüber  Krone;  FRANZ  SCHMIDT  (Radinoer  Taf.  III  22,  24);   b)  Links  dreitürmiges  Tor,  darunter  7775, 
rechts  Auge  Gottes,  darunter  SALZB.  (Radingf.r  Taf.  II  33).    Arbeit  des  Stefan  Platzer  (1773—1791). 

Eine  getriebene  silberne  Opfertasse  des  XVIII.  Jhs.  ist  derzeit  in  St.  Peter  in  Salzburg  zur  Aufbewahrung. 

Kruzifix:  Schwarzes  Holz,  Christus  aus  Zinn.    XVIII.  Jh.  Kruzifix. 

Opfersammeikasten:  Holz,  darauf  kleine  Madonnenstatuette.    XVII.  Jh.  Opferkasten. 

Leuchter:  1.  Vier  kleine  Leuchter  von  Gürtlerarbeit,  Messingblech,  versilbert,  dreifüßig,  mit  getriebenen        Leuchter, 
buschigen  Akanthusranken  und  je  drei  Cherubsköpfchen.    Ende  des  XVII.  Jhs. 

2.  Sechs  große  Leuchter,  Holz,  vergoldet.    Anfang  des  XVIII.  Jhs. 

3.  Acht  geschnitzte  Seitenaltarleuchter,  Holz,  goldbronziert.    Um  1730. 

4.  Sechs  große  Rokokoleuchter,  Messingblech,  versilbert,  mit  getriebenen  Verzierungen.  1754  (s.  Gesch.). 

5.  Sechs  große  Empireleuchter,  Holz,  goldbronziert.    Von  Franz  Hitzl,  1808. 

Großer  Osterkerzenleuchter,  Messingblech,  versilbert,  getrieben,  dreifüßig,  mit  buschigen  Akanthusranken 

und  drei  Cherubsköpfen.    Ende  des  XVII.  Jhs. 

Vier  Empire-Flammenurnen,  Holz,  versilbert.    Um  1808. 

Grabsteine:  Im  Seitenschiff.  Untersberger  Marmor.  1.  Pyramide.  Franz  Pichler,  Candidat  der  Rechte,       Grabsteine, 
abgestürzt  vom  Untersberge,  1779. 

2.  Ahnlich.  Vinzenz  Rudolf  Paar,  Diener  des  Staats  bei  dem  Justiz-Amte  in  Salzburg,  1783 — 1801. 

3.  Pyramide.  Franz  Paul  von  Storch,  Medizinalrat  und  Badearzt  in  Gastein,  1763 — 1838. 

Glocken:    Drei  größere  mit  der  Inschrift:    Joh.  Oberascher  goss  mich  in  Salzburg  1811;  eine  kleine         Glocken, 
von  Oberascher  in  Salzburg  1862. 

P  f  a  r  r  h  0  f.  PfarrhoL 

Den  4.  September  1626  (vgl.  oben)  Hansen  Mayr  von  Gredig  wegen  zu  dem  Pfarrhof  aldort  gebrachten 

Stain  ain  Auszug  bezalt. 

dto  M.  Fabian  Angerer,  Zimmermaister,  in  Abschlag  seines  Gedings  den  Pfarrhof  zu  Gredig  betr.  30  fl 

(Abteirechnungen  von  St.  Peter). 

1791  wird  der  Pfarrhof  Grödig  inwendig  fast  ganz  neu  gebaut,  es  werden  steinerne  Stiegen   usw.  um 

755  fl.  43  kr.  gemacht. 


118 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Fig.  113    Qroßgmain,  Gesamtansicht  von  der  Ruine  Piain  aus  (S.  124) 


Großgmain,  Dorf 

Archivalien:  Konsistorialarchiv.    -  Pfarrarchiv  (Kirchenrechnungen  seit  1671).   —  SRA  (Kreisaint,  H.  11). 

Literatur:  Feuchtnf.r  Gaudenz,  Glaubwürdiger  Bericht  von  dem  Ursprung  und  Alterthumc  der  allgem.  Qnadenmutter  Maria  auf 
der  Gmain  (S.ilzburg  1875).  —  Hübner,  Flachland  133.  —  Piixwein,  Salzachkreis  359.  —  Dürlinger,  Handbuch  104.  — 
Myrtenreiser,  Festgabe  zur  achten  Säculärfeier  1878.  —  Reitlechner,  Marianisches  Salzburg  78. 

Über  die  Tafelbilder:  Pillwein,  Salzachkrcis  359.  —  Sighart,  Mittelalterliche  Kunst  (1858)  171.  —  Sighart  in  Bavaria  I  (1860) 
270.  —  Derselbe,  Geschichte  der  bildenden  Künste  in  Bayern  1863,  581.  —  Gg.  Petzolt,  Temperamalereien  in  der  Kirche 
zu  Großgmain,  in  Deutsches  Kunstblatt  1852,  75.  —  G.  Dahlke,  Bartholomäus  Zeitblom  und  die  Flügelgemälde  zu  Groß- 
gmain, in  Repertorium  für  Kunstwissenschaft  IV  (1881)  344.  —  Stiassny,  Altsalzburger  Tafelbilder,  in  Jahrbuch  der  Kunst- 
sammlungen des  Allerhöchsten  Kaiserhauses  XXIV  (1903)  64.  —  Otto  Fischer,  Die  altdeutsche  Malerei  in  Salzburg 
(Leipzig  1908)  112  f.  —  Stiassny,  Studien  zur  Altsalzburger  Malerei,  Repertorium  für  Kunstwissenschaft  1911,  315. 

Alte  Ansicht:  Stich  von  Fischbach-Huber,  um  1850. 

Schon  unter  Herzog  Theodbert  (nach  700)  werden  Zinspflichtige  der  Salzburger  Kirche  in  Mona  genannt  (HAUTHALER, 
U.-B.  1,  14  und  23).  Auch  in  der  Folge  wird  der  Ort  als  Mnona,  Man,  Muono  noch  öfter  genannt.  Der  Name  Groß- 
gmain ist  Jungen  Datums. 


-'  ;■  P  r 


-1, 


•irche  zu  Unserer  Lieben  Frau. 

Z5zbis:':of  Konrad  I.  errichtete  bei  der  Pfarre  Reichenhall  1136  die  Augustinerchorherrenpropstei  St.  Zeno. 
Z;.  oieser  Plans  gehörte,  wie  wir  der  Bestätigung  des  Papstes  Lucius  II.  von  1144  April  5.  (Mon.  Boic.  3, 
530)  entnehiTien;  auch  die  capella  s.  Marie  Muona.  Bis  1807,  in  welchem  Jahre  Großgmain  zur  Pfarre 
crüoben  wurde,  war  es  von  St.  Zeno  aus  excurrendo  versehen  worden.  Laut  der  noch  vorhandenen  In- 
schriiten  (s.  u.)  baute  Erzbiscbof  Leonhard  v.  Keutschach  an  der  Kirche  und  die  am  14.  Juli  1520  von 


I 


Großgtnain  119 


Bischof  Berthold  Pürstinger  von  Chiemsee  vorgenommene  Weihe  zweier  Seitenaltäre')  kann  als  Abschluß 
der  Bautätigkeit  angesehen  werden.  Die  Beteiligung  des  Erzbischofs  an  dieser  dem  Stifte  St.  Zeno  in- 
korporierten Kirche  erklärt  sich  daraus,  daß  Großgmain  damals  der  marianische  Wallfahrtsort  des  Flach- 
landes und  der  Nachbargaue  war.  1572  z.  B.  kirchfahrtet  Erzbischof  Johann  Jakob  auf  die  Gmain,  wobei 
er  das  Mittagmahl  auf  aigne  Spesa  im  Clostr  St.  Zeno  nimmt  und  am  12.  Juli  1617  unternimmt  die 
Salzburger  Corporis-Christi-Bruderschaft  wegen  der  aldort  beschechnen  vilfältigen  und  sich  aus  der 
Genaden  Gottes  noch  täglich  furtragundten  Wunderzeichen  ebenfalls  eine  Wallfahrt  nach  Großmain. 
Johann  Stainhauser,  der  in  seinen  „Denkwürdigkeiten  der  Regierung  des  Erzbischofs  Marcus  Sitticus" 
(Bd.  4  f.  141')  dies  notiert,  schrieb,  wie  er  bei  dieser  Gelegenheit  bemerkt,  selbst  ein  sonderbares  Buech- 
lein  über  diese  Wunder.  Gegenstand  der  Verehrung  war  nicht  nur  die  Erzbischof  Thiemo  zugeschriebene 
Marienstatue,  „die  von  einem  marmornen  Brunnengestelle  in  das  Schloß  Piain  und  von  diesem  in  die 
Kirche  kam"  (Hübner),  sondern  auch  die  Gruppe  der  hl.  Dreifaltigkeit  (s.  u.).  1539  wurde  das  Gnaden- 
bild auf  einen  eigenen  Altar  übersetzt. 

Aus  den  Akten  und  Rechnungen  sind  wir  über  die  Beschaffung  der  Einrichtung  verhältnismäßig  gut 
unterrichtet,  nur  über  den  alten  gotischen  Hochaltar  und  die  Tafelbilder  waren  keine  archivalischen 
Nachrichten  zu  ermitteln. 

1623  erforderte  die  Aufstellung  eines  Tabernakels  und  die  Umstellung  der  Altäre  viel  Überlegung^). 
1626  haben  der  Erzbischof  und  die  Visitatoren  etliche  Ungelegenheiten  befunden  und  die  Translation  des 
Tabernacls,  die  Renovatlo  altaris  devotionis,  so  hinder  dem  Choraltar,  ferner  eiserne  Gatter  zur  besseren 
Sicherung,  Abbrechung  der  2  Altäre,  so  hinten  bei  der  Kirchtür  unter  der  Empore  und  Einverleibung 
derselben  in  den  Chor  anbefohlen.  Hans  Walpurger  macht  aus  Anfriemung  des  Herrn  Paumeisters 
(Solari)  zu  einem  Tabernagel  auf  die  Geniain  7 Pildtlein  und  2  Frichtkrieg  um  51  fl.  Auf  eine  Anfrage, 
was  mit  dem  alten  (gotischen)  Tabernakel,  so  noch  in  der  Seitenmauer  unverletzt  stehet,  auch  von  vielen 
noch  angebett  wirdt,  ergeht  der  Befehl,  das  alte  Tabernakel  zu  vermauern  und  zu  verstreichen. 
Für  das  Tabernakel,  das  unter  Oberleitung  des  hochfürstlichen  Bauschreibers  Jacob  Perger  ausgeführt 
wurde,  hatte  Johann  Faistenauer,  Mahler  und  Reiser  zu  Berchtesgaden,  1624  zwei  Visiere  für 
8  fl.  gemacht. 

1646     wurde   ein    Geding   mit  Meister   Martin   Pfenninger,  Steinmetz,  umb  einen   marmorsteinern 
Grandt,  ein  Stuck  zu  dem  Prunn  negst  bey  U.  L.  Frauen  Kirchen  auf  der  Gmain  bestehend  aus  4  Stuck 
so  in  den  Poden  gelegt  werden,  4  Seitenwendt,   4  Calaunen,  ein  stein.  Stocksaul  4'  hoch,  4  Stapf l, 
Prunnstuben  8'  in  der  Vierung  3'  3"  tief  um  250  fl.  gemacht. 
1668     Hans  Caspar  Ainhorn,  Goldschmied  in  Salzburg,  für  2  Altarleuchter  von  Silber  per  24  Mark 

398  fl. 
1672    Dem  Christof   Egedacher  für  eine  Orgel  252  fl.    Georg  Pamber,  Bilthauer  zu  Reichen- 
hall wegen  gemachten  Todtencreiz  mit  einem  Crucifix,  St.  Johannes-  und  Maria  Bildt  5  fl. 

1674  wird  eine  neue  Sakristei  gebaut.  —  Christian  Gernthaler,  Ratsbürger  und  Maler  zu  Reichen- 
hall wegen  Mahlung  des  hangenden  Mariabildt  1  fl.  15  kr. 

1675  Andre  Doppler,  Steinmetz  und  Maurer  zu  Viehhausen,  wegen  Macliung  eines  Steinwerchs  zu 
der  Sakristei  36  fl.  —  Hans  Georg  Stadler,  Bürger  und  Tischler  zu  Reichenhall,  um  den 
gemachten  Tabernakl  19  fl.  N.  Bildhauer  in  Salzburg  für  dessen  beim  Tabernakl  gehabte  Arbeit 
15  fl.  —  Christian  Gernthaler,  Maler,  für  beim  Tabernakl  und  in  anderweg  gemachte 
Arbeit  39  fl.  42  kr.    Für  ein  gemahlnes  Blatt  ausgeben  3  fl. 

')  Consecrata  sunt  duo  altaria  in  ecclesia  parrochiali  beate  Marie  virginis  auf  der  Gmain;  primum  in  dextro  totere  in 
honore  ss.  martyrum  Achatii,  Erasmi  et  Dionysii,  alterum  in  sinistro  latere  in  honore  ss.  confessorum  Leonhardi,  Rudberti 
ei  Virgilii. 

')  Propst  Georg  von  St.  Zeno  gab  am  16.  Juni  1623  das  Gutachten  ab:  Sonsten  wann  doch  das  Tabeniacl  übersetzt  wird, 
wollen  etliche  Pauverstendige  ftlr  ratsam,  nutz  und  zierlich  erachten,  wann  der  Hochaltar  sambt  der  darhinte r 
Stehenten  Seilen  abgetragen,  besser  (doch  ganz  frey)  zurück  und  der  ain  mitter  sambt  dem  hintern  U-  L.  Frauen 
Altar  nach  der  Seiten  zesetzen  gdgst  consentirt  würde. 


120  Gerichtsbezirk  Salzburg 

1676  (?)  Hans  Caspar  Ainhorn,  Goldschmied  in  Salzburg,  für  4  Bilder  von  Silber  304  fl.  41  kr.  und 

ein  Opferböckl  35  11. 
1679     Hans  Kaspar  Baldauf f,  Kunsttischler  in  Reichenhall,  für  ein  Fahnenkreuz  1  fl.  54  kr. 

1682  Franz  Conrad  JV\arschandt,  Goldarbeiter  in  Salzburg,  umb  aus  alten  dargebnen  Gold  und 
silbernen  Dingen  U.  L.  Frau  zugerichte  und  gemachte  neue  Cron  80  fl.  36  kr. 

1683  dto.  für  einen  neu  eingetauschten  Kelch  Daraufgabe  52  fl.  —  Johann  Schwaiger,  Bildhauer- 
gsöllen  zu  Reichenhall,  umb  geschnitzte  4  neue  Altarleuchter  16  fl. 

1686  Hans  Georg  Stadler,  Tischler,  umb  zu  dem  neuen  Tabernakl  gethane  Arbeit  19  fl.  —  Johann 
Schwaiger,  Bildhauer,  umb  zu  dem  Tabernakl  underschidlich  gemachte  Sachen  32  fl,  dem  Maler 
Pöck  zu  Reichenhall,  für  Mach-  und  Verfassung  des  ganz  neuen  Tabernakls  93  fl. 

1688  Christian  Gernthaler,  Maler  zu  Reichenhall,  umb  dass  er  10  uralte  Stuck  und  ain  Jedweders 
sambt  dessen  absonderlichen  Lobgeschicliten  und  Miraculn  von  neuem  gemalen  35  fl.  53  kr.  — 
Johann  Schwaiger  für  Leuchter  und  Maykrieg  10  fl.  30  kr. 

1689  dto.  für  2  paar  saubere  Leichter  mit  Zierrathen  und  Lauber  auf  die  silbere  Art  zu  schneiden 
10 fl.  —  Martin  Pöck,  Maler  in  Reichenhall,  für  die  mit  gutem  Feingold  und  Silber  vergolt  und 
gefasste  2  Wandlstangen  und  darauf  geschnittne  2  Engl  10  fl. 

1691  für  einen  neuen  silbernen  und  ganz  vergolten  Kelch  11  fl.  14  kr. 

1692  Für  den  neuen  Prunn  98  ß.  21  kr. 

1693  legt  Andreas  Doppler,  Steinmetz  in  Viehhausen,  einen  Überschlag  vor  für  das  Postament 
und  U.  L.  Frau  doppleten  oder  zwayen  Haubtseithen  stehente  Biltnus  sambt  der  Säullen  40'  hoch 
bei  Abtrag  des  alten  und  Verbesserung  der  Staffeln,  der  sich  auf  344  fl.  18  kr.  beziffert  und  der 
am  3.  April  1693  vom  Konsistorium  bewilligt  wird.  Laut  Reclmung  bezog  Doppler  409  fl.  26  kr. 
Jphann  Schwaiger,  Bildhauer  in  Reichenhall,  (für  die  Brunnenfigur  selbst)  162  fl.  —  Josef 
Norbert  Blumb,  Maler,  für  die  ausgemachte  (!)  Hütten  51  fl.  30  kr. 

1697     Franz  Sanz,  Goldschmied  in  Reichenhall,  wegen  Bcschlagnus  eines  Messbueclis  mit  Silber  17  fl. 

30  kr.  —  Martin  Pöck,  wegen  Renovierung  14  Blätter  miraculoser  Bilder  12  fl.  50  kr.  —  dto. 

wegen  Malung  einer  großen  Dafl  unter  dem  Gloggthurm  13  fL  30  kr. 
1702     Jeremias  Sauter  für  Machung  einer  neuer  Uhr  374  fl. 
1705    Zu  Erkauf ung  zweier  von  weichem  Kupfer  und  übersilberte  Engl  mit  2  Opfersdialln  sambt  2  Opfer- 

kändl  und  einen  Fürhang  von  Cardis  30  fl. 

1707  wird  die  „Feldkapelle  am  Kreuzweg"  errichtet. 

1708  Hans  Edtfelder,  Zimmermeister,  für  Machung  der  neuen  Kirchenstühl  154  fl. 
Christof  Khrüner,  Tischler,  für  Machung  der  Zieraten  daran  28  fl.  20  kr. 

1711  Adam  Unverdorben,  Goldschmied  in  Salzburg,/«/-  4  neue  gemachte  Geheng  zu  U.  L.  Frau 
23  fl.  —  Vermag  Befelch  von  20.  März  1711  ist  ein  neuer  Altar  (Choraltar)  aufzusetzen 
vei williget  und  derentwegen  Georgen  Doppler,  Steinmetzmeister  in  Himmelreich,  bezalt 
worden  900  fl.  —  Dem  Johann  Schwaiger,  bürgerlichem  Bildhauer  in  Reichenhall,  für  zwei 
Bilder  aus  weißem  Marmor  15'  hoch  ä  60  fl.  und  ein  drittes  Bild  im  Auszug  6'  hoch  30  fl.,  zu- 
sammen 150  fl.  —  Georg  Doppler  für  zwei  Postamente  zu  den  (obigen)  Statuen,  dann  zu 
der  andern  Kirchtür  einen  Weihbrunnstein  gleich  dem  andern  150  fl.,  für  eine  steinerne  Bank  zu 
der  Kirchtür  7  fl,  für  12  steinerne  Apostelleuchter  22  fl.  —  Christof  Krüner,  Tischler,  für 
die  neugemachte  Kirchtür  7  fl.  20  kr. 

1712  Johann  Schwaiger,  Bildhauer  zu  Reichenhall,  50  fl. 

1713  Andreas  Esterreich,  Bildhauer  zu  Neuburg  (wo?),  für  4  saubere  Maybisch  21  fl.  36  kr.  — 
Johttin  Schwaiger,  Bildhauer,  für  zwei  Statuen  u.  a.  zu  dem  neuen  Gnadenaltar  126  fl.  — 
Georg  Bernhard  Franzi,  Maler,  für  verschiedene  Malerarbeit  32  fl.  40  kr. 

1715  Johaiin  Schwaiger,  Bildhauer,  für  eine  neue  Marienfigur  4  fl. 

1716  Georg  Doppler  für  ein  steinernes  Gatter  zum  neuen  Altar  215  fl. 


b 


Großgmain  121 


1717     Ferdinand  Siegmund  Amende,  Goldarbeiter  in  Salzburg,  für  eine  silberne  Ampel  148  fl.  8  kr. 

1719  Da  die  an  dem  erst  vor  kurzer  Zeit  neu,  gemaditen  marmelsteinern  Altar  vasst  so  weiß  als  die 
gleich  hinter  bemelten  Altar  sidi  befindende  Mauer  und  daher  wöder  solche  noch  das  ünadenbild 
recht  siditbar  oder  sauber  herauskamt,  so  wurde  ein  Spalier  von  Brocatel  9572  Ellen  erworben 
für  230  fl. 

1722  Tobias  Khrüner,  bürgerlicher  Tischler,  wegen  Machung  des  Oratorii  55  fl.  45  kr. 

1723  Peter  Paul  Perwange r,  Maler,  für  Malung  von  6  Schildt  und  Zweig  zu  Processionen  6  fl. 

1725  Von  Francesco  Cappellano,  einem  Italiener,  ist  ein  schwarzes  Messgewand  mit  einem 
solchen  Antependio,  dann  ein  blaues  Messgewand  mit  untersdiiedlichen  Farben  und  ein  derlei 
Antependium  erkauft  worden  um  100  fl.  —  Die  alt  vorhanden  gewesten  silbernen  Opferkändl 
sind  gegen  derlei  neue  ausgetauscht  und  dafür  Ferdinand  Sigmund  Amende  gegeben 
worden  29  fl. 

1726  In  gleicher  Weise  wurden  die  alten  zinnernen  ausgetauscht  und  dafür  Joh.  Michael  Wildt, 
Zinngießer  in  Salzburg,  57  kr.  gegeben.  —  Friedrich(\)  Sigmund  Amende  hat  einen  Kölch 
mit  neuer  Manier  mit  weißen  Passionsplattln  getribner  Arbeit  Augsburger  Prob  um  58  fl.  12  kr. 
hergeben,  dafür  gegeben  die  alte  und  19  fl.  —  Desgleichen  wird  auch  die  alte,  208  Lot  schwere 
Monstranz  bei  Amende  gegen  Daraufgabe  von  140  fl.  ausgetauscht. 

1728  Friedrich  Garttner,  Maler  zu  Oh&ihausen,  für  Übersilberung  zweier  Leuchter,  aucli  Machung 
und  Versilberung  von  S  Maybisch  22  fl.  —  Johann  Schwaiger,  Bildhauer,  für  Abputzung  der 

2  steinernen  Bilder  St.  Rupert  und  Augustin  3  fl.  30  kr.  —  dto.  für  Schnitzung  2  Engl,  4'  hoch 
zum  Gnadenaltar  12  fl.  —  Johann  Präntl  für  deren  Fassung  21  fl.  —  Johann  Hackl  für 
Gießung  der  kleinsten  Glocke  53  fl. 

Die  Rechnungen  von  1729  bis  1730  fehlen. 

1731  Johann  Carl  Guetermann  von  Augsburg  umb  Ertauscfiung  neuer  silberner  Opferkändl 
10  fl.  15  kr.  —  Für  Abtragung  des  völligen  Gewölbs  und  Machung  eines  Schalgewölbs  811  fl. 
40  kr. 

1734  Anton  Elsesse r,  Maler  in  Teisendorf,  für  Fassung  eines  Kruzifixes  18  fl.  —  Leopold  Ehe- 
gassner,    Bildhauer   in    Reichenhall,   umb   aine   mit  4  Sdinerklen  gemachte  Kupl  und  anderes 

3  fl.  10  kr. 

1734  wird  bewilligt,  dass  die  2  schlechten  und  kleinen  hölzernen  Seitenaltäre,  weilten  ermelte 
Altäre  an  die  Mauer  zu  verendern  sein,  neugemadit  und  das  Oratorium  über  die  Sakristey 
gebaut  werde.  —  Die  Überschläge  des  Georg  Doppler  von  Himmelreich  wegen  der  Altäre 
belaufen  sich  auf  360  fl,  die  des  Hofmaurermeisters  Tobias  Kendler  wegen  des  Oratoriums 
auf  183  fl. 

Den  Originalquittungen  entnehmen  wir: 

1734  Wegen  von  Stockerthorarbeith  gemachte  obere  und  untere  Parkürdien,  zway  Oratoria,  Kürchen- 
porthall und  Laubwerdi  an  den  2  Seitenaltären  51  fl.  Michael  Vierthaler,  Stockhertorer. 

Den  13.  Decembris  1734  zu  Salzburg. 
Ich  Endsbenender  bekhene  hiemit,  dass  ich  von  Ihro  Hodiwürden  Herrn  Pfarrer  Oelasius  Drauner 
vor  zwey   Altarblöther  sanibt  zwey   Oberbläthl  zu   dem   hochlöbl.    Gottshaus   auf  die  Gemaine 
hundertundsiebzig  sage  fl.  170  vor  die  völlige  Bezallung  richtig  empfangen  habe,  bezeigt  mit  eigener 
Handschrift  Jacob  Zanusi,  Pittore  di  Cortee. 

1735  Johann  Enzinger,  Steinmetz  am  Ulrichhögl,  für  3  Thürgerichter,  20  Stiegenstaffl  und  6  Fenster- 
penk  etc.  73  fl. 

1736  Johann  Georg  Hölger,  Schlosser  zu  Reichenhall,  für  Gätterarbeit  225  fl.  —  Ignati  Vier- 
thaler, Stockherthorer,  vor  Ausmahlung  des  Kirchenportals  und  2  Oratorien  2  fl. 

1736    wurden  von  Tischler  Johann   Georg   Langmayr   in  Waging   und  Maler  Peter  Paul  Per- 
wanger   Überschläge   von  230  fl.  (samt  Bildhauerarbeit)  beziehungsweise  212  fl.  für  eine  neue 
XI  -16 


122  Gerichtsbezirk  Salzburg 

Kanzl  gleich  der  andern  bereits  zierlich  hergestellten  eingereicht.   —   Leopold   Ehegassner, 
Bildhauer  von   Reichenhall,  für  8  zu  den  Seitenaltären  gemachte  Engl  und  Leuchter  8  fl.,  dem 
E Isäss er  für  deren  Fassung  21  fl. 
1737    Ratione  Putzung  der  2  Seitenaltarplatl  Jacoben  Zanusi,  Malern  von  Salzburg  10  fl.  30  kr. 

1737  Johann  Georg  Langmayr,  Tischler  in  Waging,  für  4  Leuchter,  Püschkrieg  und  die  Kanzl  in 
Abschlag  135  fl.  —  Johann  Georg  Hitzl,  bürgerlichem  Bildhauer  zu  Salzburg,  zu  der  Canzl 
oben  auf  2  Khindl,  die  das  Creuz  halten,  auf  der  Khugel  2  Engelsköpf  sambt  dem  Gwilk,  auf 
denen  Schnirglen  auf  der  Cancelli  4  Kindel  sambt  drei  Instrumänten,  hinten  an  der  Tir  den  Baster 
Vonus  (Pastor  bonus)  fladi  geschnitten,  inwentig  an  dem  Cancel  dachet  den  hl.  Geist,  sambt  den 
Schein  und  Gwilk,  auf  der  Cancel  den  Armb  und  Crucifix,  an  der  Cancel  herumb  3  Basseriolef, 
unten  herum  4  Engelsköpf  90  fl.   —  Peter  Paul  Perwanger  für  Fassung  der  Kanzel  345  fl. 

1738  war  der  Kirchenbau  vollendet,  der  11.388  fL  kostete.  Die  Separatrechnungen  darüber  sind  leider 
nicht  erhalten. 

1738  Peter  Paul  Perwanger  wegen  Fassung  der  Rahmen  zu  den  Seitenaltären  und  zum  Bilde 
des  hl.  Forerius  18  fl. 

1739  Johann  Obwexer,  Handelsherrn  in  Augsburg,  für  Stoffe  zum  Himmel  und  Rauchmantel  60  fl. 

Im  gleichen  Jahre  sucht  die  Kirchenverwaltung  an,  es  möchte,  waßmaßen  der  alte  Hochaltar  bey 
Abtragung  in  solch  sdiadhaften  und  ermoderten  Standt  befunden  worden,  dass  selbiger  nit  mehr 
aufgericht  werden  kann,  ein  neuer  Hochaltar  mit  Beibehaltung  der  alten  von  der  Gemeinde  und 
Wallfahrern  sonderbarlich  hochgehaltenen  Dreifaltigkeitsbilder  durch  den  Tischler  Langmayr  in 
Waging  um  2070  fl.  aufgerichtet  werden.  Das  Konsistorium  aber  gab  dabei  zu  bedenken,  ob  nicht 
das  auf  dem  in  der  forderen  tiaubtmauer  anlehnenten  Altar  befindliche  Maria  Gnadenbild  auf 
den  neu  zu  errichtenden  und  weiters  hinfür  zu  setzenden  Hochaltar  füglich  transferiert  werden 
könnte,  folgend  der  fordere  Altar  gänzlich  abgebrochen  und  etwo  anderweitig  hin  appliziert  werden 
könne.  Hierzu  machte  die  Kirchenvorstehung  geltend,  daß  1.  die  Kirche  der  hl.  Dreifaltigkeit  geweiht 
sei,  2.  die  auf  dem  Hochaltar  stehende  Krönung  Maria  vom  gemeinen  Volk  als  wundertätig  ver- 
ehrt werde,  3.  die  in  Vorschlag  gebrachte  Erbauung  eines  neuen  Seitenaltars  (allermaßen  der  hinter 
dem  Hochaltar  stehende  Gnadenbildaltar  wegen  Vertiefung  der  Nütsdien  und  Kasten  nit  leiditlich 
aliter  appliciert  werden  kann)  neue  Kosten  von  1500  fl.  verursachen  würde.  Am  9.  Oktober  1739 
erfolgte  der  Konsens.  Demnach  verfertigte  Langmayr  die  Architectur  von  Grund  auf  36'  hodi, 
16'  breit  und  eine  schöne  Stellung  mit  einem  sehr  miesamen  Grund  sam.bt  dem  miesamen  Laub- 
werch,  Zierraten  mit  Einschluss  des  Altarsteins  und  Tabernacl  um  800  fl.,  und  Perwanger  hatte 
alle  miesambe  Schneidarbeit  guet  zu  vergolten,  item  alle  figuren  ganz  ohne  das  Nackende,  den 
Tabernakel  ganz  zu  vergolden,  die  Architectur  nach  der  Figuren  Verlangen  mit  guten  Farben  zu 
marmelieren  und  alles  mit  spanischen  Firnis  zu  überziehen  für  1270  fl. 

1740  Ferdinand  Sigmund  Amende  umb  einen  neuen  Kelch  gegen  den  alten  und  26  fl.  28  kr. 
Leopold  Ehegasse r,  bürgerlichem  Bildhauer  von  Reichenhall,  für  die  Engl  auf  die  Seitenaltär 
16  fl.    dto.  für  4  Leuchter  und  4  Maikrieg  auf  S.  Sebastiansaltar  36  fl.  —  Anton  E 1  s  ä  s  s  e  r, 
Maler,  für  unterschiedliche  Arbeit  auf  die  Seitenaltär  10  fl. 

1748  Das  ausgetretene  und  ruinierte,  weiß  und  rote  Pflaster  legt  neu  Josef  Doppler,  Steinmetz  am 
Himmelreich,  für  364  fl.     Ein  Drittel  der  Platten  steuerte  die  hochfürstliche  Hofbaumeisterei  bei. 

1730  Peter  Paul  Perwanger,  Maler  in  Salzburg,  hat  ein  Altarblad  von  gueten  Farben  mit  der 
Bildnus  des  hl.  Leonardi  in  der  Glory  mit  Engin,  einer  Landschaft  und  Vieh  gemahlen  und  hiefäi 
accordicrtermaßen  nebst  des  Tischlers  Verdienst  und  Vergoldung  des  Ramb  empfangen  45  fl.  21  kr 

1751,  am  29.  August  °IJ  abends,  schlug  der  Blitz  in  den  Turm  ein,  der  Strahl  fuhr  durch  die  Kirche 
und  beschädigte  die  Empore  und  die  Fassung  des  Hochaltars.  Beim  Wiederaufbau  des  Turmes 
wurde  das  Gemäuer  um  5'  erhöht  und  eine  andere  Kuppel  gebaut.  Die  Kosten  beliefen  sich  au 
1919  fl. 


öroßgmain  1-^"^ 

1756  3  alte  zinnerne  Leuchter  für  3  neue  hergegeben  16  11.  24  kr.  —  Für  einen  neuen  Schein  zum 
Tabernaiiel  3  fl.  45  kr.;  ein  neues  Rauchfaß  gekauft. 

1757  Für  eine  neue  silberne  Ampel  die  alte  und  180  fl. 

1759    Franz  Xaver   König,   Maler  in  Salzburg,  für  ein  Fahnenblatt  der  Skapulierbruderschaft  10  fl. 

1761  Karl  Wolfgang  Gugg  für  Umgießung  der  großen  Glocke  598  fl.  10  kr. 

1762  Josef  Anton  Diemb,  bürgerlicher  Zinngießer,  für  3  Paar  Opferkandl  4  fl.  10  kr. 

1765  einen  neuen  Keldi  gegen  einen  alten  eingetauscht  46  fl.;  ferner  haben  Gutthäter  einen  ziemlichen 
kostbaren  Kelch  mit  Platten  und  Diemannt  versetzt  beigeschafft,  worzue  aber  das  Gotteshaus 
contribuieren  hat  miessen  90  fl. 

1772  Lorenz  Benedict  Lipper t,  Zinngießer  zu  Reichenhall,  wegen  Umgießung  zinnerner  Leuchter 
11  fl.  10  kr. 

1766  wird  von  vorrätigem  Silber  ein  Kruzifix  zu  den  6  silbernen  Leuchtern  verfertigt  und  die  Orgel 
repariert. 

1778  macht  Johann  Posch,  Schmied  auf  der  Gmain,  die  Kirchentür  (69  fl.)  und  Egyd  Frey, 
Schlosser  in  Reichenhali,  die  Schlösser  daran  (20  fl.).  —  Josef  Pruner,  Maler,  für  Übermalung 
der  zwischen  den  Kirchtüren  befindlichen  Mirakln  8  fl.  30  kr.  —  Antonio  Cant riner,  Tischler, 
für  2  Beiditstühle  von  weichem  Holz  2  fl.  30  kr. 

1779  Andre  Mertz,  Gürtler  zu  Reichenhall,  um  8  neue  Leuchter  von  Messing  und  versilbert  und 
8  Büschkrüge  116  fl.  Demselben  für  ein  flügmdes  Blatt  von  Messing  und  versilbert,  so  ober 
dem  Gnadenbild  auf  den  Hochaltar  angehöft  und  der  neu  verliehne  Ablass  daraufgeschrieben  11  fl. 

1784  wird  die  Kirche,  aus  der  die  Votivtafeln  entfernt  worden  waren,  ausgeweißt. 

1785  Dominicus  Plassisgänik,  Tischlermeister  zu  Piding,  umbwillen  er  6 große  Leuchter  und  ein 
großes  Crucifix  gut  vergoldet  30  fl.  Demselben  für  das  neue  hl.  Grab  nach  dem  Kupfer  und 
der  Vorschrift  verfertigt  12  fl.  Für  eine  neue  Brunnsäul  beim  Mesnerhaus  von  Adneter  Alarmor 
51  fl.  —  Johann  Stefan  PI  atz  er,  für  ein  Opferdätzl  samt  Kanerl  auf  Silberart  3  fl.  12  kr. 

1786  Stefan  Platzer,  Hofzinngießer  für  einen  Weihbrunnkessel  gegen  den  alten  und  2  fl.  40  kr. 
1794    Josef  Doppler,  Steinmetz  im  Himmelreich,  für  2  Opferstöcke  von  Marmor  27  fl. 

1802     Andrä  Mertz,  für  eine  Ampi  von  Gürtlerarbeit,  2' 8'//'  hoch,  74  fl. 

Am  27.  April  1830  machte  das  Pfleggericht  Salzburg  das  Kreisamt  „auf  4  antike  Holzgemälde  von  aner- 
kanntem  Werte  von  1499"  aufmerksam.  „Die  Gemähide  waren  bis  dahin  in  die  Seitenwäiide  der  Kirche 
eingefalzt,  wo  sie  die  salpetrige  Feuchtigkeit  der  Mauer  beinahe  schon  gänzlich  verderbet  und  unkennt- 
lich gemacht  hatte." 
Am  23.  April  1831  berichtete  Pfleger  Petermandl  über  die  vorgenommenen  Arbeiten: 

Die  Entfernung  der  4  antiken  Kunstgemälde  von  der  feuchten  Mauerwand  zeigte  sich  als  unverschüblich,  um  sie  vor  dem 
gänzlichen  Verderben  noch  zu  retten.  Ebenso  unwiderleglich  ist  es,  daß  diese  nämlichen  Gemälde  aufgehört  hätten  ein 
Kunstschatz  zu  sein,  wenn  sie  nicht  zugleich  renovirt  d.  i.  geputzt,  verkittet,  ausgebessert  und  gefirnist  und  an  der  Rück- 
seite mit  Ölfarbe  angestrichen  worden  wären.  Nun  war  es  aber  der  f  Herr  Domkapitular  Marchner,  dem  die  geistl.  Vogtei 
die  Besorgung  dieser  Ausbesserung  übertrug.  Letztere  wurde  auch  von  dem  hierorts  bekannten  Maler  Franz  Zcb- 
h  aus  er  so  glücklich  ausgeführt,  dass  wohl  auch  noch  für  die  Verschönerung  mittels  der  Vergoldung  des  Hintergrundes 
1  die  einstmalige  höhere  Genehmigung  verhofft  werden  dürfte.  In  diesem  überraschend  verbesserten  Zustande  traf  der  Unter- 
zeichnete (Pfleger  Petermandl)  diese  Gemälde  in  der  Wohnung  des  Herrn  Domherrn  Marchner,  der  den  Unterzeichneten 
wenige  Tage  vor  seinem  Hinscheiden  in  der  Ostcrzeit  1830  zu  sich  erbitten  ließ,  ihn  mündlich  ersuchte,  sich  von  der  Würde 
des  Gegenstandes  augenscheinlich  zu  überzeugen  und  ihm  an  das  Herz  legte,  für  eine  solche  Aufstellung  der  Gemälde  zu 
sorgen,  die  ihrem  Werte  und  der  ferneren  schadenfreien  Erhaltung  entsprechend  wäre. 

■;^|Die  Kosten  beliefen  sich  auf  210  fl.    Petermandl  ließ  nach  Marchners  Tode,  da  die  Wohnung  geräumt 

•i  (werden  mußte,  beim  Tapezierer  Pfanzelter  nach  eingesehenen  Mustern  und  Preisen  auch  die  Goldrahmen 

-.und  nötigen  Tapeten  bestellen  und  nach  dem  Einlangen  die  Bilder  sogleich  in  der  Kirche  an  den  geeigneten 

'Plätzen   in    der   zur  Konservierung  nötigen   Entfernung  an   den  beiderseitigen  Mauerwänden   aufstellen. 

1839  berichtete  das  Pfleggericht  abermals  an  das  Kreisamt: 

16* 


124 


öerichtsbezirk  Salzburg 


Die  Pfarrkirche  Großgmain  hat  3  Bilder,  und  zwar  eines  hinter  dem  Hochaltar,  eines  an  dem  Evangelien-  und  eines  am 
Epistelseitenaltar.  Ebenso  besitzt  dieselbe  2  alte  8'  holie  und  10'  breite  Holzgemälde,  welche  wegen  ihres  beschädigten 
verwahrlosten  und  rahmenlosen  Zustandes  in  der  obern  Sakristei  bisher  aufbewahrt  wurden.  Diese  5  Bilder  sollen  nach 
mehrfältiger  Beurteilung  verschiedener  Kunstverständiger  von  berühmten  Meistern  gemalt  werden  und  als  Altertum  und 
Kunstgemälde  von  bedeutendem  Werte  sein. 

Ihre  Restaurierung  wurde  am  22.  August   1839  dem  Maler  Martin  Pitzer  für  150  fl.  übertragen.     1871 
wurde  die  Marienstatue  von  gebranntem  Thon(\)  itirer  Kleider  entledigt,  wobei  beide  Hände   und   ein 
Vorfuß  des  Kindes  abgingen.    Aus  dem  Silber  der  Kronen  wurde  ein  Kelch  gemacht. 
1840  wurde  das  Braunsbühelgut  gekauft  und  zu  einem  Pfarrhof  adaptiert. 


Charakte- 
ristik. 

Fig.113-117. 

Bau- 
entwicklung. 


Fig.  114    Großgmain,  Pfarrkirche  von  Nordwesten  (S.  124) 

Charakteristik:  Einschiffige,  geräumige  Rokokoanlage  mit  Sciialgewölbe,  1731  aus  einer  gotischen 
Kirche  umgebaut.  Gotischer  Westturm  mit  Rokokohelm  von  1751.  Gotisches  Portal.  Die  1674  neu  er- 
baute Sakristei  erhielt  1734  ein  von  Tobias  Kendler  gebautes  Oratorium  (Fig.  113 — 117). 
Bauentwicklung:  Wie  die  beiden  seitlichen  gotischen  Portale  beweisen,  sind  die  Langhausmauern 
noch  die  der  gotischen  Kirche  (um  1499).  Auch  der  Chor  scheint  (nach  den  alten  Ansichten)  schon  bei 
der  gotischen  Anlage  die  jetzige  Größe  und  Höhe  gehabt  zu  haben.  1731  und  in  den  folgenden  Jahren 
erfolgte  ein  Umbau  der  Kirche:  Es  wurden  in  regelmäßiger  Reihe  große  Rundbogenfenster  ausgebrochen, 
ein  einheitlicher  Sockel  wurde  um  die  Kirche  gelegt,  das  schwere  gotische  Rippengewölbe,  das  sich  zu 
spalten  drohte,  wurde  durch  ein  leichtes  Schalgewölbe  ersetzt,  die  Kirche  im  Innern  durch  Pilaster 
gegliedert  und  durch  Stuckrahmen  von  Michael  Vierthaler  geschmückt.  Dieser  Umbau  geht  — 
v;ie  v/ir  aus  den  architektonischen  Formen  schließen  —  auf  den  Salzburger  Hofmaurermeister  Tobia 
Kendler  zurück,  der  übrigens  1734  ausdrücklich  beim  Neubau  des  Oratoriums  genannt  wird. 


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Äußeres  (Fig.  114): 

Biuciistein  und  Ziegei,  rauh  (gelb)  verputzt,  mit  glatten,  weißen  Einfassungen. 

Langhaus  und  Choi:  Gleichbreit  und  -hoch.  Hoher  Sockel  mit  profiliertem  Steingesimse.  Stukkiertes 
Hohlkehlabschlußgesims.  —  W.  Zwei  Giebelwandstreifen  beiderseits  des  Turmes.  —  S.  Großer   Anbau 


Großgmain 


125 


(Vorhalle  und  Sakiistei).  Links  davon  unten  ein  niedriges  flachbogiges,  darüber  ein  hohes  rundbogiges 
Fenster.  Im  Chor  hohes  rundbogiges  Fenster.  —  O.  Chorabschluß  in  fünf  Seiten  des  Zwölfeckes;  vier 
hohe  rundbogige  Fenster.  Alle  haben  marmorne  Fensterbänke  und  einfache  Eisengitter.  N.  Vier  hohe 
rundbogige  Fenster,  rechts  unten  ein  kleineres,  wie  im  S.,  alle  mit  Eisengittern.  Unter  dem  zweiten 
Fenster  spitzbogiges,  gotisches  Seitenportal  mit  abgeschrägtem  Gewände  aus  rotem  Marmor, 
über  dem  mit  Hohlkehlgesims  abgeschlossenen  Sockel  profiliert  durch  zwei  Rundstäbe  und  einen 
Kantstab  zwischen  drei  Hohlkehlen.  Links  marmornes  Weihwasserbecken.  Hohes  steiles  Satteldach, 
nach  O.  abgewalmt,  im  N.  noch  mit  der  alten  schönen  Schindelbedachung,  im  S.  mit  ungünstig 
wirkendem,  grauem  Eternit  gedeckt. 

Turm:  Der  Westfront  vorgebaut,  ganz  aus  sorgsam  gefügten  Quadern  erbaut,  bis  auf  den  rot  ge- 
färbelten,  gotischen  Kleeblattbogenfries,  der  das  Glockengeschoß  abtrennt,  ungegliedert.  Doch  erkennt 
man  deutlich  an  drei  dunkleren,  horizontalen  Quaderbändern  die  Spuren  der  ursprünglichen  gotischen 
Kaffgesimse,  die  später  —  wohl  beim  barocken  Umbau  der  Kirche  —  abgemeißelt  wurden.  (Erhalten 
sind  die  beiden  oberen  noch  an  der  Ostseite  innerhalb  des  Langhausdachstuhles.) 


Ripfienprofi/     ^p 


Fig.  115    Großgmain,  Pfarri<irche,  Grundriß  1 :250  (S.  125) 

Vorspringender  Sockel.  Unten  ist  die  Nord-  und  Südseite  von  je  einer  gedrückten  Spitzbogenöffnung 
durchbrochen.  Im  S.  darüber  eine  schmale  Luke,  oben  ein  Fensterchen  mit  abgeschrägten  Kanten.  Im  W. 
übereinander  eine  Luke  und  zwei  kleine  Fenster,  im  N.  oben  zwei  kleine  Fenster.  Im  Glockengeschoß 
auf  jeder  Seite  ein  hohes  spitzbogiges,  gotisches  Schallfenster  in  profilierter  Steinrahmung  (Kantstab 
zwischen  zwei  Hohlkehlen).  Über  jedem  Schallfenster  ein  rundes  Zifferblatt,  über  dem  sich  das  profilierte, 
rot  gefärbelte  Hohikehlgesims  im  Halbkreise  aufbiegt.  Doppelzwiebelhelm  von  1751,  mit  grün  ge- 
strichenem Blech  eingedeckt.    Vergoldeter  Knauf  und  Kreuz. 

Anbau:  Im  S.  des  Langhauses  und  Chores,  Vorhalle  und  Sakristei  enthaltend.  Einstöckig,  von  ent- 
sprechender Außengliederung  wie  das  Langhaus.  Links  (Vorhalle)  ein  niedriger,  rechts  (Sakristei)  ein 
\  hoher  Sockel  wie  am  Langhause.  —  S.  Links  großes  spitzbogiges  gotisches  Portal,  mit  beiderseits  abge- 
j  schrägtem,  birnförmig  profiliertem  Gewände  aus  Stein.  Rechts  daneben  drei,  im  Obergeschoß  oben  vier 
,  Fenster  in  geschwungenen  Verputzumrahmungen,  mit  einfachen  Eisengittern.  Im  O.  unten  Tür  in  Stein- 
'  rahmen,  mit  Oberlichtfenster,  oben  größeres  Fenster.  Umlaufendes  Stuckhohlkehlgesims.  Pultdach,  nach 
i    O.  und  W.  abgewalmt,  aus  grauem  Eternitschiefer. 

!    Friedhof  mauer:  Bruchstein  und  Ziegel,  verputzt,  mit  Schindeln  abgedeckt,  mit  drei  Eingangsöffnungen 
im  S.  und  W.    Im  Südwesteck  ist  eine  Kapelle  eingebaut  (s.  unten). 

Inneres  (Fig.  115,  116): 

Langhaus  und  Chor  bilden  einen  einheitlichen  großen  Saal.  Alter  Fußboden  aus  gelben  und  roten  Mar- 
morplatten (von  Georg  Doppler,  1748). 


Turm. 


Anbau. 


Friedhof- 
mauer. 

Inneres. 
Fig.  115,  116. 


126 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Langhaus.  Langhaus:  Flachbogiges  Schalgewölbe,  das  durch  Quergurten  in  drei,  von  je  zwei  rundbogigen 
Stichkappen  eingeschnittene  Joche  geteilt  wird.  An  den  Wänden  über  hohem  umlaufendem  Sockel 
zwischen  den  Fenstern  je  zwei  Pilaster,  unter  der  Triumphbogengurte  je  zwei  Doppelpilaster,  alle  mit 
profilierten  Basen  und  stukkierten  ionischen,  von  Girlanden  umwundenen  Kapitalen.  Darauf  je  ein 
Gebälkstück  mit  schwerem,  weit  ausladendem  Abschlußgesimse,  auf  dem  die  Gewölbegurten  aufruhen. 
Das  ganze  Gewölbe  ist  reich  verziert  mit  schönem,  stukkiertem  Bandwerk  mit  vergoldeter  Gitterwerk- 
füllung von  Michael  Vierthaler,  um  1734.     In  der  Mitte  jedes  Feldes  in  geschwungenem  Rahmen 

DeAen-         ein  Deckengemälde: 

gemälde.  1.  (Ober  der  Musikempore)  eine  Schar  musizierender  Engel.  An  dem  durch  die  Orgel  verdeckten  Teile 
soll  sich  die  Signatur  des  Malers  befinden:    Igiiaz  Warmati  1735. 

2.  Die  hl.  Maria  als  Hilfe  der  Kranken.   Oben  auf  Wolken  die  thronende  Mutter  Gottes  mit  dem  Kinde 
zwischen  den  knienden  Heiligen  Anna  und  Sebastian.  Unten  eine  Schar  von  hilfeflehenden  Kranken. 


Fig.  116    Großgmain,  Pfarrkirche,  Inneres  (S.  125) 


3.  Oben  auf  Wolken  das  Wallfahrtsbild  der  Mutter  Gottes  mit  dem  Kinde  in  reich  mit  Devotionalien 
behängtem  Mantel,  von  Putten  umgeben.  Daneben  die  knienden  hl.  Bischöfe  Rupert  und  Augustinus. 
Darunter  vier  Putten  und  ein  Engel.  Unten  Ansicht  der  Kirche  zu  Großgmain  (noch  mit  dem  gotischen 
Helme),  des  Pfarrhofes  und  der  Stadt  Reichenhall. 

Westempore.  Westempore  mit  flachem,  von  zwei  Steinsäulen  gestütztem  Boden  und  geschwungener  Brüstung  (Holz 
mit  Stucküberzug).  Darüber  ähnliche,  schmälere  Musikempore  auf  zwei  Holzstützen.  Beide  Brüstungen  sind 
reich  verziert  mit  schönen  Stukkaturen  (Ranken,  Band-  und  Gitterwerk)  von  Michael  Viert  haier, 
1734  (s.  S.  121).     Zwei  gemauerte  Stiegen  führen  beiderseits  zur  Empore. 

Im  zweiten  Joche  im  N.  und  S.  je  eine  rundbogige  Tür  in  flachbogiger  Nische.  Oben  im  N.  drei  hohe 
rundbogige  Fenster  mit  abgeschrägter  Laibung. 

im  S.  im  zweiten  und  dritten  Wandfelde  oben  je  eine  zweifenstrige  Oratorienloge,  schön  verziert  mit 
stukkiertem  Band-  und  Gitterwerk,  oben  Gesims  mit  stukkiertem  Behänge,  darauf  zwei  Flammenurnen 
(von  Michael  Vierthaler,  1734).  Über  den  beiden  Oratorien  je  ein  rundbogiges  Fenster. 
In  der  Mitte  des  zweiten  Joches  wird  der  vordere  Teil  des  Langhauses  in  voller  Breite  durch  ein 
schmiedeeisernes  Gitter  mit  hübschem  Lanzenspitzenaufsatz  (von  J.  G.  Hölger  in  Reichenhall  1736) 
abgeschlossen. 


Oroßgmain 


127 


Chor:  Im  Raum  einheitlich  mit  dem  Langhause,  Boden  um  drei  Stufen  erhöht.  Schöne  Balustrade  aus 
gelbem  und  rotem  Marmor,  mit  zwei  seitlichen  Durchgängen.  Wandgliederung  entsprechend  dem  Lang- 
hause. Am  Beginn  des  Chorschlusses  jederseits  ein  Doppelpilaster  wie  am  Beginn  des  Chores.  In  den 
vier  Ecken  eingewinkelte  Pilaster.  Über  dem  Chorrechteck  Tonnengewölbefeld  wie  im  Langhaus.  Abschluß- 
gewölbe mit  fünf  radialen  rundbogigen  Stichkappen  und  vier  Radialgurten.  Das  Gewölbe  ist  in  gleicher 
Art  reich  stukkiert  wie  das  des  Langhauses.  In  der  Mitte  des  rechteckigen  Feldes  Deckengemälde  in 
geschwungenem  Rahmen:  Krönung  der  hl.  Maria  durch  die  hl.  Dreifaltigkeit.   Im  Bogenfeld  der  Ostseite 


Chor. 


hig.  117 

Oroßgmain,  Pfarrkirche,  gotisches  Hauptportal  (um  1500). 

Ciewölbestukkaturen  von  M.  Vierthaler,  1737  (S.  129) 


des  Abschlusses  über  dem  Altar  Wandgemälde,  der  bekrönte  Name  „Maria",  umgeben  von  Cherubs- 
i  köpfen  und  drei  Engeln   (s.  oben).    —    Im  S.  rechteckige  Sakristeitür  in   heller  Marmorumrahmung  mit 
I  Fries  und  profiliertem  Gesimse,  1675  von  Andreas  Doppler  gemacht. 
1  Schönes  „Speisgitter'',  Balustrade  aus  rotem  und  weißem  Marmor,  von  Georg  Doppler,  1716. 

(Anbauten:  1.  Sakristei  (1674).  Im  Erdgeschoß  rundbogiges  Tonnengewölbe  mit  drei  Paaren  von  durch- 
laufenden Stichkappen;  im  O.  Tür  und  daneben  Lavabo  aus  rotem  Marmor.  Im  N.  Tür  zum  Chor  und 
Eisentür  zu  einem  Wandschrank  in  profilierter,  roter  Marmorumrahmung.  Im  O.  ein,  im  S.  drei  Fenster. 

■  Eine  gemauerte  Stiege  führt  zum  flachgedeckten  Obergeschoß  (Oratorium,  1734  erbaut).  Von  der  Stiege 
aus  im  N.  rechteckige  Kanzeltür.  Im  Oberstock  vier  Fenster  im  S.,  je  eines  im  O.  und  W.;  im  N.  zwei 
Türen  zu  den  Logenoratorien,  darüber  rundbogige  Fenster. 


Wand- 
gemälde. 


Anbauten. 


128 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Fig.  118    Großgmain,  Pfarrkirche,  Hochaltar  von  1739  (S.  129) 


Großgmain 


129 


^ 


2.  Vorhalle  im  S.  des  Langhauses.  Im  S.  spitzbogiger  Eingang  mit  birnförmig  profilierter  Steinlaibung. 
Im  N.  das  schöne  gotische  Kirchen  portal  aus  rotem  Marmor  (Fig.  117):  Kielbogen- 
förmige Öffnung,  polygonal  in  drei  Seiten  abgeschrägtes  Gewände.  Glatter  Sockel,  durch  Hohl- 
kehlgesims  abgeschlossen.  Das  Gewände  ist  kräftig  profiliert  durch  drei  tiefe  Hohlkehlen,  zwei 
starke  Stäbe  von  kielbogenförmigem  Profil  mit  abgekappter  Spitze,  einen  starken  und  einen 
dünnen  Rundstab.  An  den  Spitzen  der  Kielbogen  verschneiden  sich  die  Stäbe.    Steinmetzzeichen: 

Im  N.  und  S.  zwei  große  Votivtafeln  aus  Holz  (s.  unten). 
—  Barockes,  von  vier  flachbogigen  Stichkappen  eingeschnit- 
tenes, gratiges  Gewölbe,  schön  verziert  mit  weißen  Stuck- 
ornamenten auf  gelbgrauem  Grunde:  Bandwerk  mit 
Akanthusblätterabzweigungen,  hineinverschlungen  natürliche 
Zweige.  In  der  Mitte  Kartusche  mit  rosenbekränztem 
Flammenherzen  und  dem  bekrönten  Monogramm  Mariae. 
Gute  Arbeit  von  Michael  Vierthaler,  1734.  Die  Ge- 
wölbezwickel ruhen  auf  einfachen  stukkierten  Konsolen- 
gesimsen. 

Neben  dem  Portal  zwei  gleichgroße  Weihwasserbecken 
aus  gelblichem  Marmor;  je  ein  rundes  Becken  auf  baluster- 
förmigem  Fuße.  Beide  von  Georg  Doppler,  1711 
(s.  S.  120). 

Turm:  Die  nach  N.  und  S.  mit  je  einem  gedrückten 
Spitzbogen  sich  öffnende  untere  Halle  ist  mit  einem  spät- 
gotischen Sterngewölbe  eingewölbt,  dessen  spitz  zugekantete, 
beiderseits  breit  gekehlte  Rippen  auf  halbkegelförmigen  Kon- 
solen aufsitzen  (XV.  Jh.). 

Einrichtung: 

Altäre:  1.  Hochaltar  (Fig.  118).  Freistehend.  Holz, 
grünlich,  gelb  und  rot  marmoriert,  mit  reichen  vergoldeten 
geschnitzten  Verzierungen.  Neu  gefaßt.  Über  zwei  mar- 
mornen und  einer  hölzernen  Stufe  geschwungene  Mensa 
mit  vergoldeten  Eckzieraten  und  Kreuz.  Auf  der  breiten 
Leuchterbank  steht  das  große  Tabernakel:  Reich  ver- 
ziert, in  Weiß  und  Gold  gehalten.  Vor  der  rundbogigen 
Türnische  kleine  Kreuzigungsgruppe  (Holz,  vergoldet).  — 
Aufbau:  Beiderseits  der  Mensa  je  zwei  stufenförmig  ein- 
ander vorgestellte  prismatische  Postamente.  Darauf  über 
einem  Gesimse  je  zwei  Säulenpostamente,  verbunden  durch 
die  geschwungene  Predella,  aus  der  seitlich  übereckgestellte 
Statuenpostamente  vortreten.  Die  vierzehn  Felder  dieser 
sechs  Postamente  sind  verziert  mit  je  einer  applizierten 
vergoldeten  Kartusche,  gebildet  aus  Band-,  Gitterwerk  und 
zwei  Akanthusblättern.  Im  Hauptteile  in  der  Mitte  große 
rundbogige  Nische  in  vergoldetem,  ornamentiertem  Rahmen, 
rot  bemalt;  an  der  Koncha  applizierte  vergoldete  Band- 
werkornamente. An  den  Seiten  eine  Ordnung  von  je  drei 
Pilastern  und  je  zwei  Säulen  mit  vergoldeten  ionischen 
Basen  und  korinthischen  Kapitalen.  Verkröpftes  Gebälk; 
das  Abschlußgesims  ist  in  der  Mitte  über  der  mit  einer 
Inschriftkartusche  bekrönten  Nische  aufgebogen. 
Aufsatz:  Rundbogige  Mittelnische,  eingerahmt  an  den  Seiten 
von  zwei  schrägen  Doppelvoluten,  oben  von  einem  an  den 
se  aufgebogenen  Gesims.  Unten  seitlich  zwei  große  Vasen, 
vergoldet).    Als  Bekrönung  ein  Kreuz  über  Postament  und 


Kircliunportal. 
Fia.  117. 


I'ig.  119    (jrotigmain,  Plarrkirclie,  ünadenbild, 
gotisclie  Steingußstatuc  von  1453  (S.  130) 


leiten  verkröpften,  in   der  Mitte  im  Halbkrei 

>ben  zwei  runde  Blumenschalen  (Holz,  ganz 

iCartusche,  vergoldet. 

Hn  Aufbau  verfertigte  1739  der  Tischler  Johann  Georg  Langmayr  in  Waging  um  800  iL 

;'tatuen:  Alle  (mit  Ausnahme  der  Madonna)  Holz,  polychromiert  und  vergoldet,  neu  gefaßt. 
'l.  Gotische  Figuren:  1.  Das  Gnadenbild,  die  Mutter  Gottes  mit  dem  einen  vergoldeten  Apfel  im  Händ- 
!hen  haltenden  Christkinde  auf  den  Armen.    Am  Sockel  in  gotisch-arabischen  Ziffern  die  Jahreszah  llfi73 
XI  17 


Weihwassei- 
becken. 


Turm. 


Einrichtung. 

Altäre. 
Hochaltar. 
Fig.  118. 


Tabernakel. 


Statuen. 


130 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


(1453  [nicht  etwa  1473])')  und  die  moderne  gefälschte  Inschrift:  opus  S.  Thiemonis  A.  E.  Sal.  HOL  Stein- 
guß, in  ungünstig  wirkender  Weise  neu  polychromiert,  die  Krone  von  1871.  Vorzügliche  Arbeit  aus  dem 
Fig.  119.  Jahre  1453  (Fig.  119).  Das  Gnadenbild,  das  seit  1539  seinen  eigenen  Altar  hatte,  stand  bis  1739  auf  dem 
marmornen  Choraltar  hinter  dem  Hochaltar.  —  Stilistisch  geht  die  Figur  zusammen  mit  dem  Gnadenbilde 
Maria  Säul  in  St.  Peter  in  Salzburg  (Kunsttop.  XII  17)  und  der  Madonna  in  Irrsdorf  (Kunsttop.  X  66),  die 
aus  dem  gleichen  Material  (kristallinischer  Gips)  sind;  vgl.  über  dieses  die  M.  d.  Z.  K-,  N.  F.  V,  Seite  CXIV. 


Fig.  120    Qroßgmain,  Pfarrliirclie.    Marmorner  Clioraltar  von  G.  Doppler, 
Statuen  von  J.  Schwaiger,  1711  (S.  131) 

2.  Die  Aufsatzgruppe,  Krönung  der  hl.  Maria  durch  die  hl.  Dreifaltigkeit.  In  der  Mitte  die  kniende! 
betende  Gottesmutter,  deren  reichgearbeitete  Krone  von  drei  kleinen  Engeln  gehalten  wird.  Daneben 
thronen  auf  Wolken  links  Christus  mit  dem  Kreuz  in  der  Hand,  rechts  Gott -Vater  mit  dem  Weltapfel. 
Oben  schwebt  die  Taube.  Sehr  gute  Arbeit,  um  1495.  Die  Gruppe  stammt  vom  alten  gotischen  Hoch- 
altar und  scheint  mir  mit  der  Schule  des  Michael  Fächer  (der  1495  —  1498  in  Salzburg  war)  in 
Zusammenhang  zu  stehen. 

')  Vgl.  über  diese  für  uns  ungewöhnliche,  aber  damals  gebräuchliche  Form  der  Fünf  Capelli,  Lexicon  abbreviaturarum,  Leipzig  1910,  p. 441 


Großgmain 


131 


B.  Die  übrigen  Figuren  stammen  wie  der  ganze  Altaraufbau  aus  dem  Jahre  1739:  1.  Neben  dem  Taber- 
nakel zwei  kniende  anbetende  Engel. 

2.  Neben  der  Hauptnische  die  Statuen  der  hl.  Bischöfe  Rupert  und  Augustinus. 

3.  Neben  Maria  zwei  schwebende  Engel,  der  rechte  mit  einem  Stern  in  der  Hand. 

4.  Am  Strahlenkranz  um  Maria  herum  zwei  Cherubsköpfchen  und  zwei  Putti,  die  einen  Strahlennimbus 
halten. 

5.  Am  Aufsatz  auf  versilberten  Wolken  neun  Cherubsköpfchen. 

Alle  sehr  gute  Arbeiten,  die  großen  Engel  von  Johann  Schwaiger  in  Reichenhall,  1728  (s.  S.  121), 
die  übrigen  von  1739. 


Fig.  121     Oroßgniain,  Pfarrkirche. 
Altarbild  von  P.  P.  Perwanger,  1750  (S.  132) 


Fig.  122    Qroßgmain,  Pfarrkirche.    Rechter  Seitenaltar 
von  Georg  Doppler,  Gemälde  von  Zaniisi,  1734  (S.  132) 


;2.  Marmoraltar  (Fig.  120),  am  Mittelfelde  des  Ciiorschlusses,  hinter  dem  Hochaltar:  Auf  einer  mar- 
!  mornen  und  zwei  hölzernen  Stufen  gemauerte  rechteckige  Mensa  mit  roter  Marmorplatte,  mit  geschwun- 
gener Verkleidung  aus  Holz,  olivgrau   gestrichen,  mit  geschnitzten  Rocaillen  an  den  Ecken;    Mitte  des 
^XVill.  Jhs.  —  Kleines  einfaches  Tabernakel,  Holz,  weiß  lackiert,  mit  vergoldeten  Verzierungen;  Mitte  des 
'XVIll.  Jhs.    Wandaufbau:    Verschiedenfarbiger  Marmor  (rot,  gelb,  grau,  weiß);    beiderseits  der  Mensa  je 
'ein  prismatisches,  schräg  vorgestelltes  Postament.     Darauf  über  proHliertem  Gesimse  ein  zweites,  neben 
diesem    innen    eine   Volutenkonsole    und    wieder    ein    Postament.     Auf    dem    zurücktretenden    mittleren 
i  Predellateile   ovales   Inschriftschild    aus   grauem   Marmor,   umrahmt    von    Ranken  aus   weißem   Marmor: 
Erectutn  est  hoc  altare  digiiis  honoribus  amabilissimae  virgiiüs  Mariae  MDCCXII. 

17* 


Marmoraltar. 
Fig.  120. 


132 


Oerichtsbezirk  Salzburg 


Hauptteil:  Altarbild  in  polygonal  geschlossenem,  profiliertem,  rotem  Marmorrahmen.  Daneben  zwei 
Säulenpaare  aus  rotem  Marmor  (die  inneren  Säulen  vor  Pilastern);  weißmarmorne  Kompositkapitäle  mit 
Cherubsköpfen.  Über  dem  Altarbilde  Kartusche  mit  Inschrift:  Maria  Refugium  nostnim  ora  pro  nobis. 
Vorspringende  Gebälkstücke  mit  Akanthusblätterfries,  verbunden  durch  das  zurücktretende  geradlinige 
Abschlußgesims.  —  Aufsatz:  Rechteckiges  Feld  in  der  Breite  des  Altarbildes,  mit  ovalem  Relief  (Taube) 
und  Cherubsköpfchen  in  rotem  Marmorrahmen.  Flankierend  zwei  Pilaster  mit  Froiitalvoluten  als  Kapitalen. 
Daneben  zwei  Giebelschrägen  mit  Voluten,  auf  denen  große  Flammenurnen  stehen.  Verkröpftes  Gebälk. 
Volutengiebelansätze.  In  der  Mitte  auf  niedrigem  Postamente  Monogramm  Jesu  in  vergoldetem  Strahlen- 
kranze. 

Den  Aufbau  machte  1711  Georg  Doppler,  Steinmetz  in  Himmelreich,  um  900  fl.  (s.  S.  120).  [3is 
1739  enthielt  dieser  Altar  das  Gnadenbild. 

Altarbild:  Öl  auf  Leinwand.    Der  kniende  hl.  Abt  Leonhard,  auf  einer  Wolke  emporgetragen  von  einem 
Engel,  der  sein  Pastorale  hält.   Rechts  oben  Gott-Vater  und  zwei  Putten.   Unten  betende  Bauern,  Pferde 
und  Rinder.  Im  Hintergrunde  die  Plainburg,  der  Pfarrhof  und  die  Kirche,  noch  mit  dem  gotischen  Turm- 
Fig.  121.         helme,  von  N.  gesehen.    Gute  Arbeit  von  Peter  Paul  Perwanger,  1750  (s.  S.  122)  (Fig.  121). 

Skulpturen:  Zwischen  den  Säulen  auf  niedrigen  Basen  die  Statuen  der  hl.  Bischöfe  Rupert  und  Augustinus 
aus  hellgrauem  Untersberger  Marmor.  Ovales  marmornes  Aufsatzrelief,  die  Taube  des  Hl.  Geistes  auf 
Wolken,  von  Cherubsköpfchen  umgeben.  Alle  drei  gute  Arbeiten  von  Johann  Schwaiger  in  Reichen- 
hall, 1711  (s.  S.  120). 

Auf  dem  Gebälk  über  den  Säulen  die  neu  polychromierten  Holzfiguren  des  hl.  Franz  von  Assisi  und 
des  hl.  Anton  von  Padua  mit  dem  Christkind.    Um  1750. 

Seitenaltäre.       Zwei  marmorne  Seite  naltäre  von  einander  gleichem  Aufbau.    Gesprenkelter  roter  und  grauer  Marmor. 

Linker  3.    Linker    Seite  naltar:    Über    zwei    Holzstufen    geschwungene    Mensa    aus    verschiedenfarbigem 

Seitenaltar.  Marmor.  —  Wandaufbau:  Breiter  als  die  Mensa.  Verschiedenfarbiger  Marmor.  Predella  mit  zwei  schräg 
vorspringenden,  doppelgeschossigen  seitlichen  Postamenten,  auf  denen  schlanke  Säulchen  mit  weißen 
Kompositkapitälen  stehen,  das  Altarbild  flankierend.  Über  Volutenkonsolen  schwach  profiliertes  Gesims. 
Aufsatz  mit  Ovalbüd,  eingerahmt  von  Schrägvoluten,  oben  Volutengiebel,  bekrönt  von  Baldachin  mh 
vergoldetem  Monogramm  Jesu  im  Strahlenkranze.    Schöne  Arbeit,  von  Georg  Doppler,  1734. 

Gemälde:  Öl  auf  Leinwand.  Altarbild.  Der  hl.  Sebastian,  nackt  an  einen  Baumstamm  gebunden,  von 
Pfeilen  durchbohrt,  todesmatt  zusammensinkend.  Zu  seinen  Füßen  ein  weinender  Putto  und  ein  zweiter, 
der  einen  herausgezogenen  Pfeil  in  der  Hand  hält.  Oben  schweben  ein  Cherubskopf  und  ein  Putto  mit 
Palmzweig  und  Kranz.  Sehr  gutes  Bild,  signiert:  Jac.  Zaniisi  In:  (e)  Pingit  (sie!)  Salisb:  1734  (siehe 
S.  121).  —  Aufsatzbild:  Der  Schutzengel  (Halbfigur)  mit  einem  Knaben.  Gut,  ebenfalls  von  Jacob 
Zan  usi,  1734. 

Skulpturen:  Am  Aufsatze  vier  Putti,  Holz,  neu  polychromieit,  zwei  größere  mit  Palmzweig,  Pfeil  und 
Bogen  und  zwei  kleinere.  Gut,  von  Leopold  Ehegassner  in  Reichenhall,  1736  (s.  S.  122).  Daneben 
zwei  Flammenurnen. 

Tabernakel:  Klein,  Holz,  weiß  lackiert,  mit  vergoldeten  Zieraten.  Auf  der  rundbogigen  Nischentür  ge- 
malte Kreuzpartikelmonstranz,  bekrönt  von  der  Halbfigur  des  Schmerzensmannes.  Daneben  zwei  kleine 
Leuchterengel,  oben  am  Gesims  vier  sitzende  Putten  mit  den  Leidenswerkzeugen  und  über  vergoldetei 
Kartusche  kleines  Kruzifix;  alle  Holz,  polychromiert  und  vergoldet.    Gut,  um  1734. 

Rechter         4.    Rechter   Seiten  altar   (Fig.  122).    Im    Aufbau    ganz    entsprechend    wie    der   linke,    von    Georg 
Seitenaltar.        Doppler,  1734. 

Flg.  122.  Gemälde:  Altarbild:  Die  hl.  Anna  mit  der  kleinen  hl.  Maria,  dahinter  Joachim.  Oben  ein  Putto  mii 
einer  Rose  und  ein  Cherubsköpfchen.  Sehr  gute  Arbeit,  signiert:  J.  Zanusi  Pinss.  Sal.  1734.  —  Auf- 
satzbild, oval:  Der  hl.  Josef  (Halbfigur)  mit  dem  Christkinde.  Gut,  ebenfalls  von  Jacob  Zanusi,  1734 

Skulpturen:  Holz,  polychromiert.  Vier  sitzende  Putti  am  Aufsatze,  die  zwei  größeren  mit  Palmzweig  unc 
Lilie.    Gut,  von  Leopold  Ehegassner  in  Reichenhall,  1736  (s.  S.  122). 

Kanzel.  Kanzel  (Fig.  123):  Am  Pilaster  an  der  Südseite  des  Langhauses  zwischen  den  beiden  Oratorienbalkonen 
Fig  123.  Holz,  rot  und  grün  marmoriert,  mit  reichen  vergoldeten  Ornamenten,  Reliefs  und  Figuren.  Dreiseitig« 
geschwungene  Brüstung,  mit  drei  vergoldeten  Reliefs  zwischen  Vertikal voluten:  a)  Der  gute  Sämant 
und  der  Teufel,  der  Unkraut  zwischen  seinen  Weizen  sät.  —  /;)  Ein  thronender  Papst  (Petrus)  mit  Kelc 
und  dreifachem  Kreuz  und  die  vier  Kirchenväter.  In  der  Mitte  ein  aufgeschlagenes  Buch  mit  Spruch,  un 
geben  von  den  vier  Evangelistensymbolen.  —  c)  Der  Prophet  Jeremias  auf  einem  mit  Totengerippe 
besäten  Felde.  Oben  Auge  Gottes  und  vier  blasende  Köpfchen.  -  Am  Ablaufe  vergoldete  Bandwerk-  uw 
Gitterwerkornamente,  unten  vier  polychromierte  Cherubsköpfchen.  An  der  Brüstung  Arm  mit  Kruzifn 
An  der  Tür  vergoldetes  Relief,  der  gute  Hirt,  zwischen  zwei  Lisenenpaaren  mit  veigoldetem  Behänge 
Am  geschwungenen  Schalldeckel  unten  die  Taube  in  der  Glorie.    Am  Gesims  vergoldetes  Behänge,  dr< 


Qroßgmain 


133 


Spruchkartuschen.  Bedachung  mit  vier  Voiutensparren;  darauf  vier  Putten  mit  Harfe,  Gesetzestafeln, 
Rauchfaß  und  Schiffchen,  Kreuz  mit  der  ehernen  Schlange.  Zu  oberst  über  zwei  Ciierubsköpfchen  ver- 
goldete Weltkugel  mit  dem  von  zwei  Putten  gehaltenen  Kreuze. 

Sehr  gute  Arbeit,  vom  Jahre  1737.  Die  Tischlerarbeit  von  Joh.  Georg  Langmayr  in  Waging,  die 
Skulpturen  von  Johann  Georg  Hitzl  in  Salzburg;  die  alte  Fassung  war  von  P.  P.  Perwanger. 
Die  Kanzel  kostete  570  fl. 


Fig.  123    üroßgmain,  Pfarrkirche.    Kanzel  von 
Sliulpturen  von  J.  G.  Hitzl  (S.  132) 


1737. 


Orgel:    Dreiteiliges   Gehäuse,    mit   vier   Pilastern    und   durchbrochenen   vergoldeten    geschnitzten   Ver-  Orgel, 

zierungen,  rundem  Zifferblatt  und  Cherubskopf.    Um  1850. 

Beichtstühle:     Zwei    Beichtstühle,  braunes   Holz,   mit   einfacher   Bandwerkintarsia    und    applizierten      Beichtstühle, 
vergoldeten    Bandwerkornamenten,  einem  Fruchtbüschel  und  zwei  Blumenbüscheln.    Oben  modern  über- 
malte Bilder  (Petrus  und  Magdalena)  sowie  vier  vergoldete  Flammenurnen.    Um  1735. 

Tauf  stein:  Gelblicher  Marmor.  Quadratische  Plinthe,  prismatischer  Fuß,  polygonales  Becken;  einfacher        Taufstein. 
Holzdeckel.    Um  1738. 

Opferstöcke:  Zwei  Opferstöcke  aus  rötlichem  Marmor.    Von  Josef  Doppler,  1794.  Opferstöcke. 


134 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Kirchen-         Kirchenbänke:    Eichenholz.   Mittelzeile  mit  neun  breiten,  zwei  Seitenzeilen  mit  je  sieben  schmäleren 
bänke.  Bänken.    Die  Seitenwangen   mit  buschigen  Akanthusranken  schön  geschnitzt.    Von  Hans  Edtfelder, 

1708. 

Holz-  Holzskulpturen:  1.  An  der  Nordwand  des  Langhauses  die  überlebensgroße  Statue  des  hl.  Johann 

Skulpturen.       von  Nepomuk,  dem  ein  Engel  das  Kruzifix  hält.  Unten  ein  stehender  Putto  mit  Palmzweig  und  Sternen- 
kranz.   An  der  Konsole  vorn  vergoldetes  Relief,  der  Brückensturz.    Gut,  um  1735. 

2.  Großes  Kruzifix,  vom  Triumphbogen  herabhängend.  An  den  vier  kleeblattförmigen  Kreuzesenden  je 
ein  Cherubskopf.    Gut,  um  1735. 

Die  übrigen  meist  in  der  Sakristei. 

3.  Kieuzigungsgruppe,  79  cm  hoch,  alt  gefaßt.  Runder  Fuß,  kurzer  Griff,  darauf  Kugel  mit  dem  Kruzifix 
und  zwei  seitlichen  Ranken  als  Konsolen  für  die  Figuren  der  hl.  Maria  und  des  hl.  Johannes.  Gut, 
von  Georg  Pamer,  1672. 

4.  Vier  Heiligenstatuetten  für  den  Hochaltar,  auf  prismatischen  Basen  mit  je  einem  Cherubskopf  und 
Seitenvoluten:  Petrus  und  Paulus,  Jakobus  Maior  und  Rochus.    Gut,  zweite  Hälfte  des  XVII.  Jhs. 

5.  Statue  eines  Heiligen  mit  einem  Buch,  alt  gefaßt,  XVII.  Jh. 

6.  Zwei  Büsten,  Johannes  der  Evangelist  und  Johannes  der  Täufer,  auf  niedrigen  Postamenten  mit  einer 
von  Ranken  umrahmten  verglasten  Reliquienöffnung,  versilbert.    Ende  des  XVII.  Jhs. 

7.  Vier  Heiligenstatuetten,  33  cm  hoch,  die  Heiligen  Josef  mit  dem  Kind,  Antonius  mit  dem  Kinde, 
Barbara  und  Katharina,  versilbert.  Sie  stehen  auf  ursprünglicli  nicht  zugehörigen  älteren  prismatischen, 
mit  Seitenvoluten  und  gerippten  Leisten  versehenen  silberbronzierten  Holzpostamenten  aus  der  Mitte  des 
XVII.  Jhs.  Als  Untersätze  dienen  Postamente,  die  an  der  Nordseite  mit  versilbertem  Messingblech  ver- 
kleidet sind,  das  reich  mit  getriebenen  Rocail'.en  verziert  ist.  Die  Statuetten  und  diese  jüngeren  Postamente 
stammen  aus  der  Mitte  des  XVIll.  Jhs. 

8.  Kleine  Kreuzigungsgruppe  mit  Maria  und  Johannes.    Mitte  des  XVIII.  Jhs.  (Sakristei). 

9.  Statue  der  Immakulata  auf  Erdkugel,  Schlange  und  Halbmond.    XVIII.  Jh.  (Sakristei). 

10.  Vier  Leuchterengel.  Dreifüßige  versilberte  Postamente  mit  Akanthusranken;  darauf  je  ein  stehender 
Engel  mit  einem  gewundenen  Hörn  als  Leuchter  in  den  Händen.    Um  1700  (Sakristei) 

11.  Zwei  kleine  Leuchterengel,  versilbert.    Mitte  des  XVIII.  Jhs. 

12.  Zwei  kleine  anbetende  Engel.    XVIll.  Jh. 


13.  Prozessionskruzifix,  mit  Kartusche  und  vier  Cherubsköpfchen.    XVII.  Jh. 

14.  Kleines  Tragkruzifix.    Anfang  des  XVIII.  Jhs. 

15.  Standkruzifix  mit  dreifüßigem  Rankenpostament.  Den  Schalt  umarmt  ein  sitzender  Engel.  An  den 
Balkenenden  vier  Cherubsköpfe.    Neu  versilbert.    Anfang  des  XVIII.  Jhs.  (rechter  Seitenallar). 

16.  Hohes  Standkruzifix  auf  dreifüßigem,  mit  Akanthusranken  und  Gitterwerk  verzieitem  Postamente,  ver- 
goldet.   Um  1730. 

17.  Standkruzifix,  65  cm  hoch.    Gut,  XVIII.  Jh. 

18.  Sitzende  Madonna  mit  dem  Kind,  Holz,  polychromiert,  mit  Naturhaar  ausgestattet  und  mit  Samtkleid 
bekleidet,  in  einem  großen  verglasten  Holzgehäuse,  das  mit  vergoldeten  Ornamenten  geschmückt  ist. 
Mitte  des  XVIII.  Jhs.  (Chor). 


Qemäidc.       Gemälde: 

I.  Große  Tafelbilder  vom  alten  gotischen  Flügelaltar: 

Vier  große  rechteckige  Tafeln,  153  X  99  cm,  mit  Szenen  aus  dem  Leben  der  hl.  Maria. 

Tafell.  1.   (Tafel  I).    Darbringung   Christi    im    Tempel.     Auf  der  Stufe  eines  Altars  kniet  links  vorne 

Maria  (in  weißem  Kopftuche,  rotem  Untergewande,  blaugrünem  Obergewande)  und  reicht  mit  beiden 
Händen  auf  einem  Linnen  das  nackte  Jesuskind  dem  weißbärtigen  Simeon  (blaßviolettes  Untergewand, 

Fig.  124.  roter  Mantel  mit  Kapuze)  (Fig.  124).  Rechts  hinter  diesem  steht  der  glattrasierte  Hohepriester  mit  auf 
der  Brust  gekreuzten  Händen,  in  dunkelblauem  Gewände  und  braunem  Mantel,  mit  einer  turbanartig 
von  einem  gelben  Tuch  umwundenen,  infelähnlichen  Kopfbedeckung.  Hinter  diesem  ein  bartloser  Diakon 
mit  violetter  Mütze,  in  langer  Alba  mit  gelbem  Humerale.  Links  der  graubärtige  hl.  Josef  mit  gebeugten 
Knien,  mit  den  Armen  auf  die  Mensa  gestützt,  zwei  Tauben  in  den  Händen  haltend  (ziegelrotes  Unter- 
gewand, blaßroter  Mantel).  Dahinter  zwei  Frauen  in  dunklen  Gewändern,  mit  weißen  Kopftüchern.  Auf 
der  Mensa  sind  die  rosafarbig  umrahmten  schwarzen  Gesetzestafeln  aufgestellt,  welche  in  Goldschrift 
die  Inschriit  tragen : 

Dy  X  Gepot:  Ich  gelaub  /(n)  ame{m)  Got.  —  NU  eytl  swer  pey  got.  —  Heylig  di  feyrtag.  —  Eer  vater 
lind  m!ie/:{cr).  -  Mit  sey  ein  tötter.  —  NU  sey  ein  vnkeusch{er).  —  NU  sey  ein  Tieb.  —  NU  sey  falscher 
lit^S-  —  Deines  nägsten  weit  nit  beger.  —  NU  seines  gut  und  er.  — 


TAFEL  I     MEISTER  VON  GROSSGMAIN,  DARBRINGUNG  CHRISTI 

IM  TEMPEL  (S.  134) 


TAFEL  II     MEISTER  VON  GROSSGMAIN,  CHRISTUS  ALS  KNABE 

IM  TEMPEL  (S.  135) 


Großgmain 


135 


Dece{m)  p(iec)epta:  Ununi  crede  deu(m).    —    Nee  vane  jiira  p{Qi)  ip{su)m.    —   Sabata  sanctifices.  — 
Habeas  in  hono{r)e  p{&xQ)nt{€)s.    —  Non  s/s  occisor.  für  mechusQ)  testis  iniq{uus).  alterius  nuptam  nee 
rem  cupias  alienam.  1499. 
Die  Inschrift  ist  modern  nachgemalt. 

Rüci<seite:  Sechs  aufgeleimte  Holzleisten.  Links  steht  eine  Frau  in  dunkelbraunem  Gewände,  mit 
weißem  Kopftuche.  Vor  ihr  erkennt  man  die  Reste  einer  dunkelgewandeten  größeren  Figur.  Oben  eine 
Burg,  rechts  Bäume.    Vielleicht  war  die  Heimsuchung  dargestellt  (Fig.  125,  126). 


Fig.  125,  126, 


Fig.  124    Meister  von  Großgmain,  Detail  aus  der  Darbringung  im  Tempel,  1499  (S.  134) 


2.  (Tafel  II).  Christus  als  Knabe  im  Tempel,  unter  den  Schriftgelehrten.  Im  Hintergrunde  sitzt 
in  der  Mitte  unter  einer  flachbogigen  Arkade  auf  einem  Lehnstuhle  der  jugendliche  Jesus,  mit  den 
Fingern  die  Gebärde  des  Zählens  machend  (Fig.  127).  Vorne  sitzen  auf  einer  niedrigen  Bank  drei  Schrift- 
gelehrte; der  linke  hört  ruhig  zu,  der  mittlere  dreht  sich  voll  Zorn  um  und  hält  sich  das  Ohr  zu,  der 
zur  Rechten  disputiert  mit  einem  vor  ihm  stehenden  Pharisäer,  der  ein  offenes  Buch  im  Arme  hält.  Zwei 
andere  stehen  links,  im  Gespräche  auf  den  Knaben  deutend.  Ein  Greis,  auf  seinen  Stock  gestützt, 
kommt,  von  einem  Jünglinge  gefolgt,  links  zur  Tür  herein.  Durch  die  gegenüberliegende  Arkade  treten 
Maria  und  Josef  ein.  Ganz  vorn  am  getäfelten  Marmorboden  liegt  ein  offenes  Buch.  Goldgrund  mit 
eingeschnittenem  Muster.  Zwei  Säulchen  mit  gotischen  Basen  bilden  den  Seitenabschluß.  —  Die  Rück- 
seite ist  leer. 


Tafel  II. 
Fig.  127. 


136 


Qerichtsbezirk  Salzburg 


Tafel  111.  3.  (Tafel  III)-  Pfingstfest.  In  der  Mitte  sitzt  mit  gefalteten  Händen  und  niedergeschlagenem  Blicke 
die  lil.  Maria.  Im  Halbkreise  um  sie  herum  sitzen  die  Apostel  und  Jünger,  im  ganzen  20  Männer,  alle 
mit  gefalteten  Händen  betend,  mit  Ausnahme  des  jungen  Mannes  links  vorn,  der  beide  Hände  gekreuzt 
über  den  Rücken  eines  geschlossenen  Buches  gelegt  hat.  Ober  Maria  schwebt  die  Taube.  Marmor- 
fußboden.   In  der  Mitte  Brüstung.     Oben  Goldgrund  mit  eingeschnittenen  Mustern. 

Rüqkseite:  Reste  einer  Darstellung  der  Beschneidung  Christi.,  Oben  das  Rippengewölbe  einer 
Fig.  128.         gotischen  Hallenkirche.    Vier  aufgeleimte  Holzleisten  (Fig.  128). 


Fig.  125     Qroßgniain,  Rückseite  des  Bildes  Darbringung  im  Tempel  (S.  135 


Tafel  IV. 


Fig.  129. 


4.  (Tafel  IV).  Tod  Maria.  Der  Mutter  Gottes,  die  mit  schlaff  herabsinkenden  Armen  vor  iiirem  Bet- 
pulte kniet,  nur  aufrechterhalten  vom  hl.  Johannes,  erteilt  der  hl.  Petrus  den  letzten  Segen;  in  der  linken 
Hand  hält  er  das  Buch,  aus  dem  er  die  Sterbegetjete  eben  verlesen  hat.  Im  Hintergrunde  stehen  neun 
Apostel,  mit  Gebärden  der  Trauer.  Der  Alte  links  wischt  sich  die  Tränen  aus  den  Augen,  der  mit  dem 
prächtigen  Greisenkopf  in  der  Mitte  hält  in  den  Händen  die  Sterbekerze  (Fig.  129).  Ein  Jüngling,  rechts 
taucht  seine  Finger  in  ein  Näpfchen  mit  Weihwasser.  Den  rechten  Teil  des  Bildes  nimmt  das  perspek- 
tivisch vom  Fußende  gesehene,  von  einem  Baldachin  überdachte  große  Bett  ein.  Ein  Apostel  rechts 
schlägt  den  Vorhang  zurück.  Im  Vordergrunde  eine  Truhe,  auf  der  ein  Wasserglas  und  drei  Zinngeräte 
stehen,  ein  Teller  mit  zwei  Äpfeln,  eine  Kanne  und  ein  Leuchter;  darunter  sieht  man  zwei  Pantoffel. 
(Der  mit  grünen  Vögeln  gemusterte  Goldbrokatbehang  des  Lesepultes  ist  moderne  Ergänzung.) 


TAFEL  III     MEISTER  VON  GROSSGMAIN,  PFINGSTFEST  (S.  136) 


TAFEL  IV    MEISTER  VON  GROSSGMAIN,  TOD  MARIA  (S.  136) 


TAFEL  V    GROSSGMAIN,  CHRISTUS  UND  DIE  HL.  MARIA 
MIT  DEM  KINDE  (S.  137) 


Qroßgniain 


137 


Rückseite:   Reste  einer  Anbetung  der  Könige.    Links  die  thronende  Madonna  mit  dem  Kinde 
(Fig.  130),  Reste  von  vier  Köpfen.    Rechts  Ausblick  auf  eine  Burg.    Das  reizende  Madonnenköpfchen  ist 
von  besonderer  Zartheit  (Fig.  131). 
Zwei  schmale  hohe  Tafeln,  262  x  55  cm,  teilweise  übermalt. 

5.  Christus,  bartlos,  mit  langem,  schwarzem,  bis  auf  die  Schultern  wallendem  Haare,  stehend,  in 
hellgrauem,  einfach  herabfallendem  Gewände,  mit  dem  vom  Kreuze  bekrönten  Weltapfel  in  der  rechten 
Hand.   Boden  grün,  Grund  rot,  oben  zwei  goldene  gotische  Kleeblattbogen  (Tafel  V)'). 


Fig.  130. 
Fig.  131. 


Tafel  V. 


Fig.  126    Großgmain,  Rückseite  des  Bildes  Darbringung  im  Tempel,  Detail  (S.  135) 


i6.  Die  hl.  Maria,  mit  dem  nackten  Jesusknäblein  am  rechten  Arme,  stehend.  Die  Gottesmutter  hat 
langes  blondes  Lockenhaar  und  trägt  über  dem  hellgelben  Untergewande  einen  blaßvioletten  langen 
.faltigen  Mantel,  aus  dem  unten  die  Spitze  eines  schmal  beschuhten  Fußes  hervorschaut.  Grund  wie  bei  5 
(Tafel  V,  Fig.  132). 

Diese  sechs  Tafelbilder  gehörten    ursprünglich   zu   einem    großen   gotischen  Flügelaltar,  jedenfalls   zum 

jHochaltar  der  unter  Erzbischof  Leonhard  von  Keutschach  (1495—1519)  neu  erbauten  Gmainer  Wallfahrts- 

.kirche  selbst.   Die  beiden  langen  Tafeln  —  Christus  und  Maria  —  schmückten  entweder  die  Rückwand, 

i')  Auf  der  Rückseite  eingeschnittenes  Goldrankenmuster.  Ausgespart  ein  1-70  m  langes  Spitzoval,  außen  gelb,  innen  weiß,  dar- 
unter noch  40  cm  weiße  Fläche  (für  eine  vorgesteUte  Statue  samt  Postament). 

XI  18 


Fig.  132. 


138 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


oder  dienten  als  Seitenabschlüsse.  Die  vier  (auch  auf  den  Rückseiten  bemalten)  Tafeln  aus  dem  Marien- 
leben waren  die  Flügel.  Zwei  weitere  Stücke  derselben  Reihe,  die  Siohart  noch  1845  gesehen  hatte, 
fehlen  seit  langem;  man  hat  daraus  auf  einen  Doppelflügelaltar  mit  zusammen  acht  Tafeln  geschlossen. 
Als  plastische  Hauptgruppe  des  Mittelschreines  ist  die  Krönung  Maria  anzusehen,  die  jetzt  am  Aufsatze 
des  Hochaltars  von  1739  angebracht  ist.  Das  Gnadenbild  —  die  aus  Steinguß  hergestellte  Marien- 
statue —  stand  nicht  auf  diesem  Altar,  sondern  auf  einem  eigenen  Choraltar  hinter  dem  Hochaltar 
(s.  oben  die  Notizen  zu  1626  und  1739,  S.  119,  122). 


Fig.  127    Meister  von  Qroßgmain.     Der  Christusknabe  im  Tempel,  Detail  (S.  135) 


Die  vier  Marienbilder  sind  „zweifellos  das  Beste,  was  sich  an  spätgotischer  Malerei  im  Lande  erhalten 
hat".  Mit  dem  Schwaben  Barthel  Zeitbio m,  dem  sie  lange  Zeit  zugeschrieben  wurden,  haben  sie 
gar  nichts  zu  tun  (vgl.  über  die  Genesis  dieses  Irrtums  Stiassny,  S.  64).  Daß  sie  bayrisch-salzburgisch 
sind,  geht  schon  aus  dem  bayrischen  Dialekt  des  Dekaloges  hervor. 
Eduard  von  Enoerth  hat  zuerst  die  Gmainer  Bilder  in  Verbindung  gebracht  mit  vier  großen  Altarflügeln 
der  Wiener  Galerie,  die  mit  R.  F.  signiert  und  1490  und  1491  datiert  sind  (Beschr.  Verz.  III,  Nr.  1500 
bis  1503).    Daß  die  Wiener  und  die  Gmainer  Tafeln  vom  gleichen  Meister  sind,  hat  dann  (1903)  Robert 


Großgmain 


139 


Stiassny  (Altsalzburger  Tafelbilder)  zu  begründen  gesucht  und  den  R.  F.  mit  Rueland  Frueauf  d.  Ä. 
identifiziert,  der  in  Salzburg  und  Passau  von  1470 — 1503  nachweisbar  ist,  Dieser  Bestimmung  ist  zuletzt 
(1908)  Robert  Fischer  (Die  altdeutsche  Malerei  in  Salzburg)  nach  einigen  Bedenken  gefolgt. 
Die  Unterschiede  zwischen  den  Wiener  Bildern  von  1491  und  den  Großgmainern  sind  jedoch  so  groß, 
daß  ich  ihre  Zuweisung  an  denselben  Meister  nicht  für  berechtigt  halten  kann.  Es  sind  offenbar  zwei 
in  ihren  künstlerischen  Absichten  ganz  verschiedene  Charaktere.  Da  aber  anderseits  gewisse  äußerliche 
Übereinstimmungen  nicht  zu  leugnen  sind,  so  sehe  ich  in  dem  jedenfalls  salzburgischen  Meister  von 


Fig.  128    Großgmain,  Beschneidung  Cliristi.  Riicltseite  des  Pfingstfestcs  (S.  136) 

I  Großgmain  einen  künstlerisch  höher  stehenden,  jüngeren  Schüler  oder  Werkstattgenossen  des  Rueland 

■  Frueauf  d.  Ä.  (näheres  s.  Kunsthist.  Übersicht). 

{  Wieder   eine   andere   Individualität   ist   der  Maler   der  Rückseiten  der  Tafeln,   eine   Geselle,   der   neben 

seinem   Meister   durchaus   seine   Selbständigkeit   behauptet,  namentlich    in    dem    Stück   Landschaft    und 

Architektur,  das  wir  noch  sehen,  ganz  auf  der  Höhe  seiner  Zeit  steht. 

I  7.  Großes,  spitzbogiggeschlossenes  Votivbild  auf  Holz,  die  Ostwand  der  Vorhalle  einnehmend.  Oben 
I  Wappen  des  Erzbischofs  von  Salzburg,  Leonhard  von  Keutschach  (1495—1519).  Darunter  die  Inschrift 
'  in  gotischer  Minuskel:  Allen  und  yeden  menschen  gegenwärtigen  und  künftigen  die  dise  geschrifft  lesen 

18* 


140 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


hören  oder  sehen  ist  khundt  und  wissen  als  man  zalt  nach  christi  geburde  Jiinffzehenhiindert  und  im 
dreyzehendem  jar,  der  zeyt  des  hochwirdigisten  fiirsten  und  herren  herren  Leonharden  Ertzbischoven  zu 
Saltzburg  und  legat  des  stuls  zu  Rom,  unsers  genedigislen  herren,  ist  durch  den  erwirdigen  unsern  gene- 
digen  herrn  herrn  Oswalden  Brobst  des  gotzhaus  sand  Zen  und  ersamen  herren  Martein  Schrembß 
Pfarrer  und  derzeyt  Zechbröbsten  zu  yeren  fürstlichen  gnaden  suppliciert  schriftlich  und  mündlich  cm- 
sigklich  und  mit  hohem  vleiß  der  hochgelobten  junckfrawen  Marie  unser  patron  und  himelfürstin,  Ja 
auch  allen  himlischen  heren  zu  lob  und  ere  die  hochwirdig  und  wunderlich  würckung  der  zaychen  so 
die  muter  gotz  nun  vil  jar  alda  auß  sunder  gnad  und  yeren  verdienen,  auch  müterlich  lieb,  so  sie  zu 
menigklichen,  krancken  und  bedürfftigen  gehabt  und  noch  hat,  gewürcht  oder  gethan,  offenlich  würden, 
anzaigt.  Damit  söllich  mercklich  zaichen  an  tag  khäme,  zu  Urkunden  verschaffen,  Also  haben  ir  gnad 
mit  gueten  willen  betracht,  got  dem  almächtigen,  seiner  muter  Marie  zu  eien  und  irer  gnaden  damit 


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Fig.  129    Meister  von  Großgmain.    Tod  Maria,  Detail  (S.  136) 


dankper  ze  sein  und  deß  zum  beschehen  guetlicli  vetwilligt  und  ze  thun  verschafft.  Darauf  den  ge- 
schwornen  Notar}  Maister  Jörgen  Waltenperg  des  löblichen  Consistorj  des  hochwirdigen  siifft  Saltzburg 
die  zeugen  der  enden  gelaytt  zu  examinieren,  zu  verhören  und  ze  fragen  verordnet,  der  dan  vil  gehört 
und  gefragt  sein  worden  auch  anzaigt  und  mit  warhayt  gesagt  haben,  wie  ir  hernach  werd  vitiden  und 
lesen.  Solche  ir  sag  ordenlich  durch  ine  mit  rechten  formen  und  maß  aufgeschrieben  und  also  irer  ff.  g. 
rätten  fürgestellt,  daß  also  beschehen  und  den  loblichen  und  hochgelerte  rätten  zu  verlesen  fürgepracht 
die  solch  handlanch  auch  angenomen  und  darauff  verschafft  und  bevolhen  solch  zaichen  oder  dergleychen 
anzeschreiben  zu  ingrossieren  und  das  alles  annzäygen.  Auch  von  wegen  des  ainfeltigen  menschen  dem 
solchs  mer  dann  anders  ze  hertsen  geet  an  die  kirchen  wie  hie  hernach  und  an  anderen  enden  ze  malen 
bevelch  und  gemalt  aller  maß  und  formen  wie  anzaigt  ist,  alles  treulich  und  an  gevar.  Got  dem  al- 
mechtigen,  seiner  werden  muter  Marie  sey  lob  und  ere  und  dem  hochwirdigisten  fiirsten  danckh  und 
allen  denen  die  darzu  geübt  sein  gewest  die  ewig  saligkayt  Amen. 

Darunter  in  zwei  Reihen  zehn  einfach  gemalte  verblaßte  Bilder  mit  erklärendem  Texte: 

1.  Ein  Mann  stürzt  aus  einem  Segelboot  ins  Meer.  Hanns  schnell  hat  sich  her  verlübt  mit  einem  leben- 

iigen  opfer  in  einem  schiffpruch  zu  Venedig,  von  stund  an  ist  er  erledigt  worden. 


Qroßgmain 


141 


2.  Vier  Frauen  bemühen  sich  um  ein  neugeborenes  Kind.  Ein  kiiid  von  einer  iodten  muter  gebracht,  ist 
zur  tauff  kommen,  alspald  der  vater  sich  her  verlübt  hat  mit  einem  lebentigen  opfer. 

3.  Ein  Knabe  liegt  nackt  im  Bette;  daneben  stehen  ein  Arzt  und  zwei  Frauen.  Ein  knab  hat  zween 
brach  gehabt,  kain  artzt  hat  im  gehelffen  mögen,  die  muter  hat  in  her  verlübt  und  er  ist  über  nacht 
gesundt  worden. 

4.  Zwei  Männer  heben  ein  auf  einen  Knaben  gefallenes  Tor  auf;  links  die  betende  Mutter.  Ein  groß 
und  schwär  stadl  thor  ist  auff  ein  kind  gefallen,  die  muter  hat  das  kind  her  verlübt  mit  einem  opfer 
und  ist  von  stund  an  gesund  worden. 


Fig.  130    Großgmain,  Rest  einer  Anbetung  der  Könige  (Rückseite  des  Bildes 

Tod  Maria)  (S.  137) 

5.  Links  klagende  Mutter,  am  Boden  ein  Kind  neben  der  umgestürzten  Wiege,  rechts  ein  Schwein.  Ein 
saw  hat  einem  kind  das  heupl  gar  erpissen  und  zerrissen  und  es  ward  her  versprochen  mit  einem  leben- 
tigen opfer  und  ward  gesundt. 

6.  Vorne  eine  betende  Frau,  hinten  ein  erhenktes  Mädchen,  rechts  ein  Mann  mit  einer  Hacke.  Ein 
Mägdlein  hat  sich  erhenkt  m  einer  zerrissnen  pfaid,  die  da  hängte  für  ein  handtuch,  die  muetter  er- 
schrocken verlobt  das  kind  mit  einem  lebentigen  Opfer  hieher  und  ward  wider  lebendig. 

7.  Ein  Mann  stürzt  mit  seinem  Wagen  in  einen  Fluß;  iin  Hintergrunde  die  Kirche  Groß-Gmain.  Ein 
Mann  ist  über  ein  stainwand  9  klafter  höh  abgefallen  mit  roß  und  wagen  in  ein  wasser  6  klafter  dieff, 
mitten  im  fall  hat  er  sich  hieher  versprochen  und  ist  gnädiglich  erledigt  worden. 


142 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


8.  Eine  Frau  hält  ein  bewußtloses  Kind  in  den  Armen;  durch  ein  Fenster  erblickt  man  die  Kirche  Groß- 
Gmain.  Ein  kind  wäre  ertrunken  in  einem  Bad,  da  das  die  mutier  vernani  mit  betriebtem  Herzen  hat 
sie  das  Itind  herverlobt  mit  einem  lebendigen  opfer  und  ward  wider  lebendig. 

9.  Ein  Mann  zieht  einen  zweiten  aus  einer  Schleuse.  Im  Hintergrunde  die  Kirche.  Ein  ehrbarer  Burger 
zu  Reichenhall  wäre  über  ein  waßerdurchlaß  abgefallen,  in  solchem  Fall  verlobt  er  sich  zu  U.  L.  F.  auf 
der  Gmain  mit  einem  lebendigen  Opfer  und  wirdt  erlöst. 


Fig.  131    Qroßgtnain,' Madonna  (Detail).    Rückseite  des  Bildes  Tod  Maria  (S.  137) 


10.  Eine  Frau  zieht  ein  Kind  aus  einem  über  einem  Feuer  hängenden  Kessel.  Rechts:  Ein  Mann  hebt 
ein  Kind  aus  einem  Schmiedefeuer.  Ein  kind  war  in  ein  siedhaißes  waßer,  hernach  gar  in  ein  jeur  ge- 
fallen, die  muetter  verlobt  sich  sambt  dem  kind  mit  einem  opfer  alher  und  befände  sich  frisch  und  gesund. 

Drei  Inschriften  vermelden  Restaurierungen  in  den  Jahren  1595,  1687,  1778.  Die  übermalten  Bilder  haben 
keinen  künstlerischen,  jedoch  für  die  Kirche  einen  besonderen  historischen  Wert.  Von  Interesse  für  die 
Baugescliichte  sind  die  Ansichten  der  Wallfahrtskirche  selbst  (im  S.  nur  die  Vorhalle,  keine  Sakristei; 
über  dem  Turme  hoher  Pyramidenhelm). 

8.  Als  Pendant  an  der  Wand  gegenüber  eine  zweite,  spitzbogig  geschlossene,  aus  mehreren  Brettern  zu- 
sammengesetzte Holztafel  mit  geringen  Malereien  (XVII.  Jh.).  Oben  Gott -Vater  und  die  Mutter  Gottes 
von  Großgmain,  darunter  17  Szenen  mit  Darstellungen  von  wunderbaren  Heilungen  und  Errettungen  von 


Qroßgmain 


143 


Personen,  die  sich  in  der  Not  der  Mutter  Gottes  von  Großgmain  verlobten.  Aucti  .diese  Bilder  sind 
künstlerisch  geringwertig.  Von  Interesse  sind  die  Ansichten  der  Kirche:  Im  S.  steht  östlich  in  einer  Ent- 
fernung neben-  der  gotischen  Torvorhalle  bereits  eine  einstöckige  Sakristei,  mit  ersterer  durch  einen 
niedrigen  Zwischenbau  verbunden. 


Fig.  132    Meister  von  Großgmain.    Die  hl.  Jungfrau  mit  dem  Kinde,  Detail  (S.  137) 

I 

Unter   diesen    älteren    Bildern    sind    noch    zwei    Reihen  von  ganz  verwitterten  jüngeren  angebracht,  elf 
}    Szenen,  die  alle  das  mit  dem  dreieckig  fallenden  Stoffkleide  verhüMte  Gnadenbild  zeigen  (XVllI.  Jh.). 
I    9.  Holz,  halbkreisförmig;  in  der  Turmhalle.  Kreuzigung  mit  Maria  und  Johannes.  Beiderseits  die  Propheten 

Jeremias  und  Oseas  mit  Schrifttafeln.    Am  Kreuze  die  Inschrift:  Anno  1609.  Renoviert  anno  1696. 

II.  Die  folgenden  Gemälde  alle  in  der  Sakristei  (meist  Öl  auf  Leinwand). 

10.  105  X  79.    Halbfiguren.    Ecce-Homo.    Christus  zwischen  einem  Pharisäer  und  einem  geharnischten 
Schergen.    Mittelgut,  Ende  des  XVII.  Jhs. 


144 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Fig.  133. 


Monstranzen. 
Fig.  134. 


Ziborium. 


Kelche. 

Fig.  135. 


11.  51  X  36.    Holz.    Kreuzigung,  mit  Maria  und  Johannes.    Mittelgut,  XVIII.  Jh. 

12.  60  X  42.  Halbfigur.  Der  hl.  Chorherr  Petrus  Forerius  mit  einem  Kruzifix  in  der  Hand.  Oben  ein 
Cherubskopf  und  ein  Putto  mit  einem  brennenden  Herzen  in  der  Hand.  Gut,  Art  des  Zanusi.  Schön 
geschnitzter  Rol<okorahnien  in  Weiß  und  Gold;  1738  (s.  S.  122). 

13.  136  X  75.  Zwei  zusammengehörige  Bilder,  Joachim  und  Anna,  stehend,  betend;  oben  schweben 
Cherubsköpfchen.    Gute  Salzburger  Arbeiten,  Mitte  des  XVUI.  Jhs. 

14.  136  X  75.  Der  hl.  Josef,  auf  der  Weltkugel  stehend,  mit  Lilie  und  Zimmermannswerkzeugen.  Mitte 
des  XVIII.  Jhs. 

15.  208  X  110.  Zwei  große  Altarbilder,  rundbogig.  a)  Links  sitzt  die  hl.  Anna,  die  dem  auf  dem  Schöße 
der  hl.  Maria  stehenden  Jesukinde  einen  Apfel  reicht.  Oben  schweben  vier  Putten,  b)  Der  hl.  Sebastian, 
an  einen  Baumstamm  gefesselt.    Neben  ihm  knien  zwei 

Putten,  zwei  andere  schweben  oben  (Fig.  133). 
Beide  gute  Bilder,  von  gleicher  Hand,  erste  Hälfte  des 
XIX.  Jhs.    Sie  waren  jedenfalls  dazu  bestimmt,  die  Seiten- 
altarbilder von  Zanusi  zu  ersetzen. 

Monstranzen:  1.  Große  Monstranz  (Fig.  134).  Silber, 
vergoldet.  Prächtige  getriebene  Arbeit.  Am  ovalen,  acht- 
fach ausgebuchten  Fuße  zwischen  schrägen  S-Voluten 
vier  aufgeschraubte  silberne  ovale  Medaillons  mit  den 
hochgetriebenen  Figuren  der  sitzenden  Evangelisten  mit 
ihren  Symbolen,  von  blumenumwundenem  Bandwerk  um- 
rahmt. Achtseitiger  Knauf  mit  graviertem  Bandwerk.  Um 
das  Gehäuse  herzförmiger  Rahmen  mit  kurzem  Strahlen- 
besatz. Dahinter  breiter  durchbrochener  silberner  Rahmen 
mit  getriebenen  Akanthusranken  und  vier  applizierten 
vergoldeten  getriebenen  Relieffiguren:  Oben  Taube  und 
Gott-Vater,  an  den  Seiten  zwei  kniende  Engel  mit  Weih- 
rauchfässern, unten  die  thronende  Mutter  Gottes  mit  dem 
Jesukinde.  Oben  Bandwerk  und  Baldachin.  Großer  ver- 
goldeter Strahlenkranz  mit  Kreuz.  Zahlreiche  große  un- 
echte bunte  Steine  in  achtseitiger  Silberfassung.  —  Marken 

(viermal):  Augsburger  Beschau.    Meisterzeichen:   „g  in 

Dreipaß  (R^  519).  Vorzügliche  Arbeit  des  Johann 
Friedrich  Bräuer  in  Augsburg,  vom  Anfange  des 
XVIII.  Jhs.,  1726  erworben  (s.  S.  121). 

2.  Klassizistische  Form,  Kupfer,  vergoldet.  Fuß  oval, 
dreimal  abgestuft,  verziert  in  getriebener  Arbeit  mit  Blatt- 
und  Lorbeergirlanden  und  von  Bändern  umwundenen 
Blumen.  Dreifach  geteilter  Knauf  mit  vasenförmigem 
Mittelstück.  Lunula  besetzt  mit  silbernen  Ranken  und 
roten  Steinen.  Um  das  Gehäuse  doppelter  getriebener, 
durchbrochener  Rahmen  aus  Blattranken,  innen  vergoldet, 
außen  versilbert,  mit  unechten  Steinen  besetzt.  Dahinter 
vergoldeter  Strahlenkranz  mit  Kreuz.    Um  1800. 

Ziborium:  Silber,  vergoldet.  Runder  Fuß  mit  ge- 
triebenem Bandwerk  und  Blumen.  Runder  Knauf.  Cuppa- 
korb mit  getriebenem  Bandwerk,  Blumen  und  Ähren. 
—  Marken:  Augsburger  Beschau.  Undeutliches  Meister- 
zeichen. Schöne  Augsburger  Arbeit  vom  Anfange  des 
XVIII.  Jhs. 

Kelche:  Silber,  vergoldet.  1.  Großer  Prachtkelch  (Fig.  135).  Prächtig  verziert  mit  getriebenen  Orna- 
menten und  Figuren  sowie  sechs  gemalten  Emailmedaillons,  besetzt  mit  Halbedelsteinen.  Am  sechspaß- 
förmigen  Fuße  drei  auf  Wolken  sitzende  Putten,  die  auf  den  Köpfen  Körbe  mit  Trauben  tragen.  Da- 
zwischen je  eine  Kartusche  mit  Bandwerk,  zwei  Ährenbüscheln  und  einem  Lorbeerrahmen  um  ein  ovales 
aufgeschraubtes  Emailmedaillon:  Verspottung  Christi  —  Christus  stürzt  unter  dem  Kieuze  —  Kreuzigung, 
mit  Maria,  Johannes  und  Maria  Magdalena.  Am  Griff  unten  flachgetriebenes  Bandwerk  und  Behänge.  -— 
Knaui:  An  der  Basis  durchbrochener  Bandwerkring,  besetzt  mit  drei  kleinen  Muscheln  und  drei  appli- 
zierten silbergefaßten  Rauten.  Darüber  Mittelstück  mit  drei  glatten  Kartuschen,  zwischen  denen  drei  in 
Hochrelief  getriebene  Putten  stehen,  deren  Arme  in   den  volutenförmigen,  mit  je  einem  Halbedelsteine 


Fig.  133 
Qroßgmain.    Der  hl.  Sebastian,  um  1830  (S.  144) 


Oroßgmain 


145 


besetzteil  Oberteilen  der  Kartuschen  stecken.  —  Cuppakorb  ähnlich  verziert  wie  der  Fuß.  Drei  Email- 
medaillons: Abendmahl  —  Geißelung  Christi  —  Christus  am  Ölberge.    Dazwischen  je  ein  auf  Wolken 

schwebender  Putto  mit  Leidenswerkzeugen  (Kreuz,  Stab  mit  Schwamm,  Nägel  und  Hammer). 
[M)    Oben  über  einem  Wellenbande  durchbrochener  Bandwerkfries  mit  kleinen  Muscheln.  —  Marken: 

Unbekanntes  Beschauzeichen.    Meisterzeichen:  AR  in  breitovalem  Felde.    Ausgezeichnete  Arbeit 

um  1720.    Vom  gleichen  Meister  ist  ein  Kelch  in  Siezenheim. 

2.  (Fig.  136  a,  137  a).  Reich  verziert  in  getriebener  Arbeit. 
Sechspaßfuß  mit  drei  von  zierlichem  Bandwerk  um- 
rahmten Paaren  von  Cherubsköpfchen,  drei  ovalen  Me- 
daillons mit  je  zwei  Figuren:  Maria  und  Josef,  oben 
Auge    Gottes    —  Maria  Verkündigung  —   Maria    Heim- 


Fig.  136«, 
137a. 


Fig.  131    Großginain,  Monstranz 
von  J.  F.  Bräuer  in  Augsburg,  um  1726  (S.  144) 


Fig.  135    Oroßgmain,  Prachtkclchi, 
um  1720  (S.  144) 


.suchung.  Unter  den  Medaillons  Blumengirlanden.  Knauf  mit  Rocaillen.  Massiver  Cuppakorb,  ähnlich 
'wie  der  Fuß  verziert.  Reliefmedaillons:  Maria  Tempelgang  —  JV\ariä  Himmelfahrt.  —  Unten  das  Jesu- 
kind in  Windeln,  von  Cherubsköpfchen  auf  Wolken  getragen,  ober  ihm  ein  Engel  mit  dem  strahlenden 
iMonogramm  Jesu.    Ein  breiter  Perlstab  und  ein  Zinkenkranz  bildet  den  Abschluß.   —   Marken:    Augs- 

I  T 

burger  Beschau.    Meisterzeichen:  pg  in  Dreipaß  (R^  519).  Sehr  schöne  Arbeit  des  Johann  Friedrich 
Bräuer  in  Augsburg,  um  1726,  Knauf  um  1750.    Der  Kelch  wurde  1726  erworben  (s.  S.  121). 

3.  (Fig.  136  c,  137  d).    Rokokoform.    Der  geschwungen-runde,  einmal  abgestufte,  dreifach  gebuckelte  Fuß, 

der  dreiseitige  Knauf  und  der  massive  Cuppakorb  sind  reich  verziert  mit  getriebenen  unsymmetrischen 

Rocaillen.    Am  Fuß  und  Cuppakorb  je  drei  Rocaillenkartuschen  mit  einer  Rose  in  der  Mitte.  —  Marken: 

XI  19 


Fig.  136c, 
137Ö. 


146 


Oerichtsbezirk  Salzburg 


Augsburger  Beschau  mit  O  (1759-1761;  R-  200).    Meisterzeichen:  ITH  in  Breitoval  (R^  265).    Schöne 
Arbeit  des  Josef  Tobias  Herzebick  in  Augsburg,  1 760. 

Fig.  136&.  4.  (Fig.  136/?).  Reiche  Rokokoform,  mit  sechs  Emailmedaillons.  Prächtig  verziert  mit  getriebenen  Rocaillen. 
Geschwungen-runder  Fuß  mit  kräitiger  Abstufung.  In  drei  Rocaillenkartuschen  je  ein  fein  gemaltes  Email- 
medaiilon,  umrahmt  von  durchbrochenen  silbernen  Ranken  und  zehn  roten  Steinen:  Ecce-Homo  —  Ver- 
spottung und  Dornenkrönung  —  Kreuzigung.  Vasenförmiger  dreiseitiger  Rocaillenknauf.  Am  massiven 
Cuppakorb  in  Rocaillenumrahmung  drei  wie  oben  gefaßte  Emailmedailions:  Chiistus  am  Ölberge,  vom 
Engel  getröstet  —  Abendmahl  —  Geißelung  Christi.  Diese  sechs  Szenen  sind  sehr  gut  und  fein  gemalt.  — 

Marken:  Augsburger  Beschauzeichen  mit  Q  (1763—1765;  R^  204).  Meisterzeichen:  J^  in  Dreipaß  (R^  553). 

Sehr  schöne  Arbeit  des  Georg  Ignaz  Bauer  in  Augsburg,  um  1764;  1765  erworben  (s.  S.  123). 

5.  Schmuckloser  glatter  Kelch.  --  Marken:  Am  Fuße  ganz  klein  SN.  An  der  Patene:  Rosette  in  Fünfeck, 
A  K  in  Rechteck.    XIX.  Jh. 


Fig.  136    Oroßgmain,  Kelche. 
a  Von  J.  Fr.  Bräuer  in  Augsburg,  1726    b  Von  G.  J.  Bauer  in  Augsburg,  1764.  c  Von  J.  T.  Herzebick,  1760  (S.  145,  146) 


Kreuzpartikel-  Kreuzpartikel  monstranz:  Silber,  zum  Teil  vergoldet,  getrieben.  Am '  ovalen  Fuße  Bandwerk- 
monstranz. Ornamente,  zwei  Cherubsköpfe,  zwei  Rosenbuschen.  Runder  Knauf  mit  Bandwerk.  Schein:  Großes  Kreuz 
mit  ovalem  Mittelteile  (darin  unter  Glas  der  hl.  Kreuzpartikel)  und  trapezförmigen  Armen,  verziert  mit 
graviertem  Bandwerk.  Vergoldeter  Strahlenkranz.  Zwischen  den  Kreuzarmen  appliziert  silbernes  Band- 
werk. Unten  ein  Cherubskopf,  oben  auf  Wolke  die  Halbfigur  Christi  als  Schmerzensmann.  Rückwärts  am 
Gehäuse  eingraviert  ein  Kreuz  und  die  Initialen  M.  G.  Alte  Marken  fehlen.  Mittelmäßige  Arbeit.  Um  1735. 

Opferkänn-       Opferkännchen  samt  Platte:  1.  Silber.  Schön  verziert  mit  getriebenem  Bandwerk  auf  gepunztem 
chen U.Platte.     Grund  und  Gitterwerk.  In  der  Mitte  der  Tasse  in  zwei  Perlkreisen  die  gravierten  Monogramme  Jesu  und 

Maria.  —   Marken:    Augsburger   Beschau.    Meisterzeichen:  p  g    in   Dreipaß  (R^  519).    Gute   Arbeit   des 

Johann  Friedrich  Bräuer  in  Augsburg,  um  1725.    Sie  wurden  1725  erworben  (s.  S.  121). 

2.   Silber,   vergoldet.    Schön   verziert   mit  getriebenen    Rocaillen.    Rokokoform.  —  Marken:   Augsburger 

Beschau    mit  K   (1751—1753;   R^  194).    Meisterzeichen:  ^j^^  in  Herzfeld   (R-'  539).    Schöne  Augsburger 


Großgmain 


147 


Arbeit,  um  1752,  von  Franz  Christoph  Mäderl  (gest.  1765)  (oder  Friedrich  Conrad  Mitt- 
nacht [gest.  1788J)  (Fig.  138). 

3.  Silber.  Verziert  mit  getriebenen  Rocaillen.  An  der  Tasse  in  zwei  Kreisen  die  gepunzten  Monogramme 
Jesu  und  Maria.    Alte  Marken  fehlen.    Mittelmäßig,  Mitte  des  XVlIl.  Jhs. 

Rauchfaß  und  Schiffchen:  1.  Silber.  Beide  schön  verziert  mit  getriebenen  großen  Blüten  und 
Blumen.  Am  Rauchfasse  drei  Cherubsköpfchen.  —  Marken:  Salzburger  Beschau.  Meisterzeichen:  P  M 
in  Queroval.    Schöne  Arbeit  des  Paul  Mayr  in  Salzburg  (Bürger  seit  1636),  um   1660  (Fig.  139). 

2.  Messing,  versilbert.  Verziert  mit  getriebenen  Rocaillen,  Gitterwerk  und  Blumen.  1756  gekauft  (s.  S.  123). 

Taufschüssel:  Kupfer,  innen  verzinnt.  Am  Boden  in  primitiver  getriebener  Arbeit  die  Figur  des 
lil.  Cliristophorus  mit  dem  Jesukind  auf  den  Schultern,  im  Kreis  umrahmt  von  getiiebener  Wellenranke 
und  unleserlicher  Inschrift.    Am  Rande  eingepunzte  Rosetten;  XVI.  Jh. 

Bittgangskreuz:  Silber.  Am  Fuße  getriebene  Rosen.  Kruzifixus  und  Rosetten  vergoldet.  —  Maike 
ausgebrochen.    Mittelmäßig,  Mitte  des  XIX.  Jhs. 


Fig.  138. 


Rauchfaß 

u.  Schiffchen. 

Fig.  139. 

Taufschüssel. 


Biltgangs- 
kreuz. 


Fig.  137    Großgmain,  Kelche,     a  Von  J.  F.  Bräuer  in  Augsburg,  1726. 
b  Von  J.  T.  Herzebick  in  Augsburg,  1760  (S.  145,  146) 


Gürtlerarbeiten:  1.  (Fig.  140).  Vier  große  Reliquiare  zum  Aufstellen  am  Hochaltare,  1'30  w  hoch, 
Holzgehäuse,  vorne  verkleidet  mit  reich  getriebenen  Rahmen  aus  versilbertem  Messingblech  in  Form 
einer  mit  fünf  vergoldeten  Trauben  und  drei  vergoldeten  Rosen  besetzten  großen  Rocaillenkartusche  mit 
zwei  verglasten  Öffnungen.  Unten  in  reicher  Flitterrahmung  die  Reliquien  und  je  ein  ovales  Wachs- 
medaillon; oben  auf  einem  mit  versilbertem  Messingblech  maskierten  Rocaillenpostament  die  versilberte 
Holzstatuette  je  eines  stehenden  Heiligen,  umgeben  von  vergoldetem  Strahlenkranze:  die  hl.  Bischöfe 
Augustinus  und  Nikolaus,  die  hl.  Mönche  Franciscus  und  Felix  (?).  —  Statuetten  und  Rahmen  gute 
Arbeiten  aus  der  Mitte  des  XVIII.  Jhs. 

2.  Reliquiar:  Messing,  vergoldet  und  versilbert,  mit  getriebenen  Rocaillen  und  unechten  Steinen  verziert. 
In  Form  einer  kleinen  Rokokomonstranz.    Mittelmäßig,  Mitte  des  XVIII.  Jhs. 

3.  Zwei  kniende  Leuchterengel.  46  cm  hoch,  in  getriebenem  Flachrelief  aus  versilbertem  Messingblech. 
Um  1700. 

4.  Tragkreuz,  zum  Aufstecken  auf  eine  Holzstange,  85  cm  hoch.  Messing,  vergoldet,  mit  applizierten 
getriebenen  versilberten  Rocaillen  und  dem  Auge  Gottes  im  Strahlenkranze.    Mitte  des  XVIII.  Jhs. 

5.  Altarkruzifix:  Holzkern,  verkleidet  mit  getriebenem  versilbertem  Messingblech,  77  cm  hoch.  Auf  dem 
breiten  Rocaillenpostament  stehen  an  den  Seiten  Maria  und  Johannes.    Mitte  des  XVIII.  Jhs. 

19* 


Gürtler- 
arbeiten. 
Fig.  140. 


148 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


6.  Kleines  Standkruzifix,  42  cm  hoch,  Messingblech,  versilbert,  auf  Holzkern.  Die  Figur  des  Gekreuzigten 
und  die  Inschriftenkartusche  darüber  sind  vergoldet.  Am  Postamente  getriebene  Rocaillen.  Mitte  des 
XVIII.  Jhs. 

7.  Vier  Schmucktafeln  für  den  Hochaltar,  105  cm  hoch.  Reich  geschnitzte,  alt  versilberte  Rocaillenrahmen 
um  flache  rundbogige  Nischen  mit  den  Reliefhalbfiguren  einer  hl.  Nonne  (Scholastika)  und  dreier  hl. 
Mönche  aus  getriebenem  versilbertem  Messingblech.    Mitte  des  XVIII.  Jhs. 

8.  Reliquiar,  in  Form  einer  kleinen  Monstranz,  31  cm^hoc\\,  Messing,  versilbert  und  vergoldet.  Erste 
Hälfte  des  XIX.  Jhs. 


Fig.  138    Großgmain,  Opferkännclien  samt  Platte  von  F.  C.  Mädcrl  in  Augsburg,  1752  (S.  147) 


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Fig.  139    Großgmain,  Rauchfaß  und  Schiffciien  von  Paul  Mayr  in  Salzburg,  um  1660  (S.  147)   ^ 


Kanontafeln.      Kanontafeln:  Garnitur  mit  schönen  Rokokorahmen  aus  getriebenem  versilbertem  Messingblech.  Gut, 
um  1750. 

Leuchter.        Leuchter:   1.  Großer  dreiseitiger  Holzleuchter,  mit  drei  Volutenfüßen  und  geschnitzten  Ornamenten, 
bratin  gestrichen.    Mitte  des  XVII.  Jhs.    (Beim  Hochaltar.) 

2.  Vier  geschnitzte  Leuchter,  dreifüßig.    Holz,  versilbert.    Am  Postament  und  am  Knauf  je  ein  Cherubs- 
kopf.   Um  1700.    (Rechter  Seitenaltar.) 

3.  Sechs  geschnitzte  versilberte  Holzleuchter,  dreifüßig.    Am  Postament  und  am  Knauf  je  drei  Cherubs- 
köpfe.   Um  1700.    (Hochaltar.) 


Großgmain 


149 


4.  Vier  geschnitzte  versilberte  Holzleuchter,  dreifüßig,  mit  Akanthuswerk.  Am  Postamente  vorne  je  drei 
Cherubsköpie,  am  Knauf  einer.    Anfang  des  XVIII.  Jhs.    (Linker  Seitenaltar.) 

5.  Sechs  geschnitzte  Holzleuchter,  versilbert,  dreifüßig,  am  Postamente  vorne  fünf  Cherubsköpfe.  Anfang 
des  XVIII.  Jhs. 

6.  Acht  dreifüßige  Holzleuchter,  weiß,  mit  vergoldetem  Bandwerk.    Um  1730.    (Sakristei.) 

7.  Vier  Leuchter,  Messing,  versilbert,  mit  getriebenem  Bandwerk,  um  1730. 

8.  Acht  große  Leuchter,  78  cm  hoch,  dreifüßig,  von  reich  profilierter  Form,  aus  versilbertem  Messingblech, 
reich  verziert  mit  getriebenen  Rocaillen.  Schöne  Arbeit  vom  Gürtler  AndreasMertzin  Reichenhall,  1779. 

Vasen:    1.   Vier    zweihenklige   Blumenvasen,    Holz,    versilbert,    mit    drei    vergoldeten   Cherubsköpfen.  Vasen. 

Von  Andreas  Österreich,  1713   (s.  S.  120). 

2.  Zwei  breite  und  zwei  kleine  Vasen,  Holz,  versilbert,  mit  ver- 
goldetem Bandwerke.    Um  1735. 

3.  Sechs  zweihenklige  Ziervasen.  Holzkern,  vorn  verkleidet  mit 
versilbertem  Messingblech,  mit  getriebenen  Rocaillen.  Von 
A.  Mertz,  1778  (s.  S.  123). 

P 1  u  V  i  a  1  e :  Mittelstück  roter,  Hauptteil  weißer  Goldbrokat.  Zweite         Pluviale. 
Hälfte  des  XVIII.  Jhs. 

Dalmatika:   Weiße  Seide  mit  gestickten  Rosen,   Kornblumen        Dalmatika. 
und  grünen  Zweigen.    XVIII.  Jh. 

Kasein:  1.  Prachtkasel.  Weiße  Seide,  reich  gestickt  mit  schweren  Kasein, 

goldenen  Ranken,  Band-  und  Gitterwerk.  Auf  der  Stola  in  Gold 
gestickt  die  Initialen  FGP  und  die  Jahreszahl  1786.  Sehr  schöne 
Arbeit. 

2.  Mittelstück  weiße  Seide  mit  gewebten  roten  Rosen  und  gelben 
Blättern.  Seitenteile  rote  Seide  mit  großen  gewebten  silbernen 
Blattranken.    XVIII.  Jh. 

3.  Weiße  Seide,  mit  gestickten  hellrosafarbigen  Rosen,  blaßgrünen 
Stengeln  und  blauen  Kornblumen.    Schöne  Arbeit.    XVIII.  Jh. 

4.  Mittelstück  weißer  Goldbrokat,  mit  grünen  Ranken  und  fleisch- 
farbenen Blumen.  Seitenteile  rot  mit  gewebten  goldenen  Blumen. 
XVIII.  Jh. 

5.  Mittelstück  roter  Samt,  Seitenteile  rosafarbiger  Brokat  mit  groß- 
blumigem Muster.    XVIII.  Jh. 

6.  Mittelstück  weiCe  Seide  mit  gewebten  großen  goldenen  Blättern, 
roten  und  violetten  Rosen,  grünen  Zweigen.  Seitenteile  wie  bei  3. 
XVIII.  Jh. 

7.  Miltelstück  roter  Samt,  Seitenteile  orangefarbener  Goldbrokat 
mit  großblumigem  Muster.    XVIII.  Jh. 

Varia:    1.  Altes  Tabernakel   des   Hochaltars.     Holz,   vergoldet.  Varia. 

Rundbogige  Tür,  von  Rankenwerk  umrahmt,  oben  Muschel.  Da- 
neben auf  Postamenten  zwei  vorgestellte  gedrehte,  von  Reben 
umwundene  Säulen  mit  Kompositkapitälen.  An  den  Ecken  kanne- 
lierte Pilaster  mit  Konsolen  für  Statuetten.  Gebälk  mit  (späterem) 
kleinem  Giebelaufsatz.  1675  von  Hans  Georg  Stadler  in 
Reichenhall  angefertigt  (s.  S.  119)  (Sakristei). 
2.  Traglaternen.    Zwei   große   mit   gewundenen  Stäben    und  je  sechs  alt  polychromierten  Evangelisten- 

tatuetten  aus  Ho!z.    Oben  die  Statuette  des  hl.  Sebastian  (die  zweite  fehlt).  Um  1720  (Sakristei). 

i.  Sechs  einfachere  Traglaternen.    XVIII.  Jh. 

4.  Zwei  Garnituren  von  Kerzentragstangen.    XVIII.  Jh. 

5.  Rahmen  um  kleine  rundbogige  Nische,  Holz,  vergoldet.  Reiches  geschnitztes  Rankenwerk,  oben  rundes 
Medaillon  mit  dem  gut  gemalten  Brustbilde  der  hl.  Maria.    Zweite  Hälfte  des  XVII.  Jhs.  (Sakristei). 

6.  Vier  kleine  Reliquientafeln,  Holz,  neu  (grau)  gestrichen.  In  jedem  unten  ein  oblonges,  oben  ein  größeres 
rechteckiges  Feld,  darin  unter  Glas  in  Goldflitterfassung  Reliquien.  An  den  Seiten  und  oben  geschwungene 
Verzierungen.    XVII.  Jh.  (Seitenaltäre). 

7.  Zwei  Reliquiare  in  geschwungenen,  gut  geschnitzten,  altvergoldeten  Holzrahmen.    Um  1750. 

8.  Vier  Aufsatztafeln  für  den  Hochaltar,  105  cm  hoch,  Holz,  versilbert,  in  Form  von  reich  geschnitzten 
Rocaillenkartuschen  auf  Basen  mit  zwei  Volutenfüßen.  Im  Gehäuse  unter  Glas  verschiedene  Devotionalien. 
Mitte  des  XVIII.  Jhs. 

9.  Zwei  geschnitzte  Rocaillenpostamente,  Holz,  vergoldet  und  versilbert,  mit  den  Monogrammen  Jesu 
und  Maria.    Mitte  des  XVIII.  Jhs. 


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Fig.  140    Großgmain,  Reliquiar 
aus  getriebenem  Messing,  um  1750  (S.  147) 


150 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


10.  Postament  mit  zwei  Cherubsliöpfchen,  Holz,  polychromiert,  XVlll.  Jii. 

11.  Standkruzifix:  Auf  prismatischem  Postamente  hohes  Kreuz,  beide  aus  schwarz  lackiertem  Holze. 
Daran  die  gut  modellierte,  35  cm  hohe  Figur  des  Gekreuzigten  aus  Zinn.  Oben  Inschriftschild.  Am 
Postamente  die  modern  aufgemalte  Jahreszahl  1611.    Gute  Arbeit. 

12.  Standkruzifix,  70  cm  hoch,  mit  einfachem  Postamente.  Holz,  schwarz  lackiert,  der  Gekreuzigte  aus 
Zinn.    XVII.  Jh. 

13.  Zwei  kleine  Reliquiare,  Holz,  schwarz  lackiert,  in  Form  eines  kleinen  Altärchens,  46  cm  hoch.  Die 
ursprünglichen  applizierten  Verzierungen  (wohl  aus  getriebenem  Silber)  fehlen.  Dritte  Hälfte  des  XVII.  Jhs. 

14.  Vier  Kirchenfahnen  mit  übermalten  doppelseitigen  Fahnenblättern  und  Messingkreuzen,  a)  Inmia- 
kulata   —   St.  Florian.    Um    1730.    —   b)  Madonna  über  Skapulierbruderschaft  und   über  Kranken.    Von 


Fig.  141    Oroßgmain,  Marmorbrunnen  mit  doppelseitiger  Marienstatue 
von  J.  Schwaiger,  1693  (S.  152) 


Franz  X.  König,    1759   (s.  Gesch.)    —    c)  Krönung  Maria  —  Maria  mit  ihren  Eltern.    Um  1735. 

d)  Hl.  Familie  —  St.  Barbara:  modern. 

15.  Sakristeischrank,  Nußbaum  mit  geschnitzten  Füllungen.    Um  1674. 

Grabsteine.  Grabsteine:  Rote  Marmorplatten  (wenn  nicht  anders  angegeben).  In  der  offenen  Turmhalle  sind  an 
der  Ostwand  sechs  Grabsteine  aufgestellt.  1.  Sehr  großer  Stein.  In  den  zwei  unteren  Dritteln  in  Relief 
großes  Wappen  der  Nußdorfer  (springendes  Einhorn)  mit  zwei  kleinen  unkenntlichen  Ahnenwappen. 
Oben  fünfzeilige,  sehr  stark  abgetretene  Inschrift  in  gotischer  Minuskel. 

2.  Kleiner  Stein.  Unten  in  Relief  zwei  in  die  Allianz  gestellte  Wappen.  Oben  siebenzeilige  Inschrift  in 
gotischer  Minuskel:  Hie  begraben  Junkhf{r)aw  Brigita  des  Edlh  Vessten  Hanns{&n)  vd{n)  Sonderndorf  ze 
Unn  (?)  derzeit  pfleger  zu  Reichenhall  eetiche  Tochter.  1519. 

3.  Unten  Relief:  Flachbogige  Nische  mit  Muschelabschluß,  flankiert  von  zwei  Pilastern,  in  den  Zwickeln 
zwei  Cherubsköpfchen;  darin  zwei  Wappenschilde.  Oben  neunzeilige  Inschrift:  Anno  domini  1583  Am 
Heyligen  Aufartag  Ist  in  Gott  seligklichen  Verschiden  der  Edle  Hochgelert  und  Vest  Rochus  Freymon 
beder  Rechtn  Doctor  Frst.  Bayr.  Rath  und  in  die  20  Jar  gewester  Bergtesgadischer  Cantzler. 


Großgmain 


151 


4.  In  der  unteren  Hälfte  in  Hochrelief  reich  skulpiertes  Wappen,  flankiert  von  zwei  Cherubsköpfen,  dar- 
unter Totenkopf.  Oben  in  skulpierter  Umrahmung  mit  vier  Eckmasken  neunzeilige  Inschrift.  Andre  Hau 
zu  Ohenihausen.  gestorben  25.  November  1612.    Gute  Arbeit. 

5.  Kleine  oblonge  Inschriftenplatte.  Gedenkstein  für  Georg  Kambier  auf  der  Schwaig  (gest.  1597),  seine 
Frau  Margareta  (gest.  1606)  und  deren  Kinder,  im  Jahre  1607  errichtet  von  ihrem  Sohn  Meister  Hans 
Kambier,  Schneider  und  Bürger  in  Salzburg. 

6.  Kleiner  Obelisk  aus  hellem  Marmor.    Sebastian  Mundigler,  1822. 

Glocken:  1.  Zweitgrößte  Glocke.  Glatt,  oben  Umschrift  in  gotischer  Minuskel:  omnes  sancti  dei  orate 
pro  nobis  yhesus  maria  —  ha  ans  Reycher  1501 . 


Glocken. 


Fig.  142    üroßginain,  Marmorbninnen  mit  doppelseitiger  Marienstatuc 
von  J.  Schwaiger,  1693  (S.  152) 


2.  GroCe  Glocke.  Oben  Fries,  unten  Inschrift:  [Gott]  .  .  .  zu  ehren  pin  ich  geflossen  Carl  Wolfgang  Gug 
[goss  mich]  in  Salzburg  anno  1761.    Maria  Krönung  —  Mutter  Gottes  von  Gmain. 

3.  Gotische  Glocke.    Glatt.    Oben  Inschrift  in  gotischer  Minuskel:  Jesus  nazarenus  rex  iudaeorum  1511. 

4.  Gegossen  von  Oberascher,  Salzburg,  1832. 

5.  Modern. 

Im  Friedhofe  mehrere  gute  schmiedeeiserne  Kreuze  des  XVIII.  Jhs. 

Kapelle:  Im  Südwesteck  des  Friedhofes.  Einfacher,  kleiner,  rechteckiger,  weiß  gefärbelter  Bau;  im  O. 
rundbogige  Öffnung  mit  gutem  schmiedeeisernem  Gilter  des  XVII.  Jhs.;  Brüstung  und  Kniebank  aus 
rotem  Marmor.  Vorspringendes  Pyramidenschindeldach.  Innen  gratiges  Kreuzgewölbe.  Einfacher  Holz- 
altar mit  Aufsatzbild:  Öl  auf  Leinwand.  Links  drei  blau  gekleidete  Mitglieder  der  Skapulierbruderschaft; 
rechts  arme  Seelen  im  Fegefeuer.  Oben  die  auf  Wolken  thronende  Madonna  mit  dem  Kinde,  die  dem 
hl.  Simon  Stock  ein  Skapulier  reicht.  Links  ein  Putto  mit  einem  Skapulier.  Geschnitzter  Rocaillenrahmen 
(in  Weiß  und  Gold).  Um  1755.  —  Kruzifix  und  vier  Holzleuchter,  um  1700.  Sechs  Soldatengedenk- 
kreuze  aus  Holz,  mit  gut  gemalten  Blechbildchen  (1846,  1849,  1856,  1857). 


Kapelle. 


152 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Brunnen.  Brunnen  (Fig.  141,  142):  Am  Platze  hart  neben  der  südlichen  Friedhofmauer.  Heller  Untersberger 
Fig.  141,  142.  Marmor.  Auf  zwei  Stufen  sechseckige  Brunneneinfassung,  verziert  mit  skulpierten  dicken  Fruchtgehängen. 
Darauf  einfaches  schmiedeeisernes  Gitter.  In  der  Mitte  auf  prismatischem,  jederseits  mit  einem  gut 
skulpierten  Cherubskopfe  verziertem  Postament  die  merkwürdigerweise  nach  zwei  Seiten  hin  ausgebildete, 
auf  der  Mondsichel  stehende  Statue  der  Immakulata  (mit  zwei  Gesichtern).  Auf  der  Westseite  empor- 
blickend, mit  auf  der  Brust  gekreuzten  Händen,  auf  der  Ostseite  niederblickend,  mit  beiden  Händen  ihre 
Brüste  haltend,  aus  denen  ursprünglich  zwei  Wasserstrahlen  herniederflossen,  mit  Beziehung  auf  das 
Wunder  des  hl.  Bernhard.  Ein  Blechkranz  verdeckt  jetzt  diese  Darstellung.  Der  Brunnen  wurde  zuerst 
1646  vom  Steinmetzen  Martin  Pfenninger  um  250  fl.  hergestellt  (s.  S.  119).  1693  wurde  er  durch  den 
Ste'nmetzen  Andreas  Doppler  in  Viehhausen  verschönert  und  erhielt  die  von  dem  Reichenhaller 
Bildhauer  Johann  Schwaiger  gemeißelte  doppelseitige  Marienstatue  (s.  S.  120). 

Wegkruzifix.      Wegkruzifix:  Am  Wege  von  Gmain  zur  Plainburg,  mit  drei  Cherubsköpfen.  Holz,  neu  gefaßt.  XVIII.  Jh. 


\ 


Fig.  143    Ruine  Piain,  Grundriß  1  :  800  (S.  153) 


Ruine  Piain 

Archivalien:  SRA  (Hfk.  Glanegg  1577  J). 

Literatur:    HObner,   Flachland    134.   —    Pillwein,   Salzachkreis   360.   —   Süss,  Jahresb.  d.  Mus.  1853,  83.  —  Richter,  Unter- 
suchungen, passim,  bes.  686.  —  Otto  Piper,  Österr.  Burgen,  V  (1907)  121  f. 

Die  Plainburg  ist  die  Stammburg  der  Grafen  von  Plaien  oder  Piaigen,  die  um  1100  auftauchen  und 
1260  ausstarben.  Um  1140  wird  ein  Hof  Reut  iuxta  Plagien  castrum  genannt  (Hauthaler,  U.-B.  1,  354). 
Noch  am  1.  Mai  1250  versprachen  die  Brüder  Otto  und  Konrad  dem  Erzbischof  Philipp,  daß  mindestens 
einer  von    ihnen,  außer  wenn   ein   Kampf  die  Anwesenheit  beider   erfordere,  beständig  auf  Playn,  also 


Ruine  Piain 


153 


in  der  Nähe  des  Erzbischofs,  anwesend  sei  (Juvavia  405).  Durch  den  Ausgleich  mit  Bayern  im  Erhartinger 
Vertrage  1275  und  durch  Verzicht  der  Plainischen  Verwandten  fiel  Schloß  und  Gericht  an  das  Erzstift,  das 
dort  Burggrafen  oder  Pfleger  einsetzte.  Am  28.  April  1576  wurde  mit  Sebastian  Möracker,  Zimmer- 
meister, ein  Geding  gemacht:    Er  soll 

das  jetzt  stehunt  alt  Tachwerk  alles  abtragen,  desgleichen  auch  die  alten  POden  und  Holzwerch  alles  herausbrächen. 

Er  soll  auch  das  neue  Tachwerch  alles  umb  3  Schuech  höher,  als  es  im  Modell  verfasst  ist,  machen  und  dasselb  mit 

»einem  guten  Überzimmer  aufbauen  und  drey  Rinnen,  darein  das  Wasser  von  allen  Dächern  allenthalben  /Hessen  thuet, 
der  Notdurft  nach  an  die  Statt  richten,  auch  alsdann  von  denselben  Rinnen  das  Wasser  durch  andere  Rinnen  in  ain 
Wasserstuben  oder  Zistern  führen,  mer  soll  er  auf  angeregte  Überzimmer  ain  neues  Schardach  von  Lerchenschinll  auf- 
dOgken,  er  soll  auch  einen  Ausgang  auf  vermelts  Tach  und  unter  dem  Tach  ain  Zug,  damit  man  alle  Notdurft  auf- 
ziehen kann,  machen  und  nachdem  auf  diesen  (großen)  Stock  zway  Türmt,  wie  sy  in  Modell  verfasst  sein,  kommen, 
so  soll  er  gleichfalls  dieselben  mit  Zimmer-  und  Tachwerk  versehen. 


Fig.  144    Ruine  Piain,  Haupttor  (S.  154) 


In  das  Gebäude  kommen  19  Tiirstöcl<e,  16  große  Fenster,  A^;.^  hoch,  3'  weit,  36  kleine  Fenster  3'  5  Zoll  hoch,  2^j.^  weit, 
2  kleine  Fensterin  in  die  Verhör-  und  Gesindstube  dardurch  das  Essen  geraicht  müess  werden.  Für  die  Thflrstöck 
15  glatte  Thürn  und  für  die  Fenster  52  Palgkhen.  Da  die  Zistern  nicht  .gehäbig'  ist,  soll  er  eine  Wasserstube  machen 
12'  lang  8'  weit  und  5'  tief. 

Für  diese  Arbeiten  bekam  er  das  Material  beigestellt  und  370  fl.  und  10  fl.  Leykauf. 
Außerdem  waren  bei  diesem  Bau  noch  beschäftigt:  G  eorg  H  altensinn,  Hofschlosser,  Carl  Pamber, 
•Hofhafner,  Peter  Schalmoser,  Bürger  und  Steinmetz  (400  fl.),  Philipp  Weinmair,  Bürger  und 
Glaser  (40 fl.).  1594  wurde  das  Gericht  mit  dem  in  Staufenegg  vereinigt  und  die  Burg  seither  nicht  mehr  er- 
jhalten.  Erst  Erzbischof  Max  Gandolph  ließ  —  wie  die  Inschrift  über  dem  Tor  besagt  —  im  Jahre  1674  die 
Jhalbverfallene  Feste  wieder  bewohnbar  machen.  Im  Laufe  des  XVIII.  Jhs.  überließ  man  sie  endgültig  dem 
jVerfalle.  Die  Ruine  war  im  XiX.  Jh.  einige  Zeit  Privateigentum  des  Königs  Ludwig  I.  von  Bayern. 
Die  Capella  in  castro  Piajen  wurde  1144  von  Papst  Lucius  II.  dem  Stifte  St.  Zeno,  in  dessen  Pfarre  sie 
lag,  bestätigt  (Mon.  Boic.  3,  530).  Über  ihre  Schicksale  sind  wir  nicht  unterrichtet.  Eine  Glocke  kam 
11809  nach  Grödig  (s.  dort). 

XI  20 


154 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Besdireibung.     Beschreibung  (Fig.  143 — 145):    Die  Burgruine  liegt  auf  einem  mäßig  hohen,  aber  die  Umgebung 
Fig.143— 145.     vollkommen  beherrschenden,  nach  allen  Seiten  hin  gleichmäßig  abfallenden,  jetzt  ganz  bewaldeten  Hügel, 
IV2  ^w  östlich  von  Großgmain  (635  m  Seehöhe). 

Der  jetzige  Fußweg  führt  an  der  Ostseite  der  Burganlage  am  alten  Eingang  vorbei  durch  eine  Bresche 
der  Mauer  direkt  in  den  äußeren  Burghof. 

Der  alte  Eingang  lag  im  NO.  der  ganzen  Anlage.  Hier  stehen  noch  die  drei  aus  Bruchsteinen  errichteten 
Breitpfeiler,  auf  denen  die  hölzerne  Zufahrtsbrücke  auflag.  Das  Tor  ist  fast  ganz  zusammengestürzt.  Von 
der  Toranlage  steht  noch  das  kurze  Stück  Nordmauer  und  die  Ostmauer.  An  einem  Mauerabsatz  im 
Innern  der  Ostmauer  erkennt  man,  daß  die  Einfahrt  überwölbt  war,  wohl  mit  einem  flachbogigen  Tonnen- 
gewölbe. Unten  in  der  Ostmauer  eine  Schießluke  mit  breit  abgeschrägter  Laibung,  oben  drei  Tramlöcher 
für  den  am  Gewölbe  auflagernden  Holzboden  des  Obergeschosses. 


Fig.  145    Ruine  Piain,  Inneres  der  Haiiptburg  (S.  154) 


Fisj.  114. 


Unmittelbar  rechts  (westlich)  neben  dem  Tor  erhebt  sich  zu  beträchtlicher  Höhe  ein  sehr  fest  aus  Quadern 
und  Bruchsteinen  erbauter  Torturm,  von  dessen  Nordostecke  sich  1910  ein  beträchtliches  Stück  gelöst 
hat.     Der  noch  gut  erhaltene  Eingang  liegt  an  der  Südseite,  in  Stockliöhe  über  dem  Boden.     Im  W.  ist 
jetzt  eine  große  Öffnung  eingebrochen.    Im  O.  ist  oben   noch  eine  Schießscharte  erhalten.     Das  Innere 
(4:4-5  m)  ist  zur  Hälfte  von  den  Trümmern  der  eingestürzten  oberen  Mauerteile  angefüllt. 
An  den   Berchfrit  schloß  sich  im  W.  die  Ringmauer  an,  die  dann  nach  SW.  umbog  und  zur  Hauptburg 
führte.    Im  letzteren  Teile  steht  sie  noch  in  beträchtlicher  Höhe. 
Eine  zweite,  weniger  hoch  erhaltene  lange  Mauer  zieht  sich  vom  Tore  in  südwestlicher  Richtung  bogen- 
förmig und   ansteigend    zu    der   höher   gelegenen   Hauptburg  hin.    Diese  Ringmauern  umschlossen  nach 
außen  hin   den  relativ  sehr  großen  äußern  Burghof,  der  nicht  eben  ist,  sondern  gegen  die  Hauptburg 
zu  nach  Südwesten  ziemlich  stark  ansteigt.    Von  den  wahrscheinlich  hölzernen  Wirtschaftsgebäuden,  die 
jedenfalls  ursprünglich  hier  standen,  ist  nichts  mehr  zu  sehen. 
Die  Hauptburg  steht  auf  dem  Gipfel  des  Hügels.  Sie  hat  die  Form  eines  unregelmäßigen  Sechseckes 
und  wird  von  einer  hohen  Bruchsteinmauer  umschlossen,  die  gut  erhalten  ist.     An  der  schmalen  Nord- 
ostseite sieht  man  ein  vermauertes  flachbogiges  Fenster  mit  Ziegelsturz  und  darüber  ein  altes  vermauerte 
ruiidbogiges  Fenster  in  Steinrahmung  mit  abgeschrägter  Laibung.   Die  dem  äußeren  Burghof  zugekehrt 
lange,  gerade  Hauptfront  erstreckt  sich  von  SW.  nach  NO.  Ungefähr  in  ihrer  Mitte  liegt  das  alte  Haupt 
tor  (Fig.  144),  ein  großes  gotisches  Spitzbogenportal  in  profilierter  Sandsteinumrahmung.    Darüber  is 
oben  das  Marmorwappen   des  Erzbischofs  Max  Gandolph  Grafen  von  Kuenburg  eingemauert  und  unte 
diesem  eine  dunkel  verwitterte  Marmortafel  mit  der  Kapitalinschrift:    Munimentum  hoc  tractu  temporii 


Guggental 


155 


consiimptum  /  habilitati  restituU  /  Max.  Gand.  ex  comiti.  de  /  Kuenburg  ar.  Sal.  S.  S.  ap.  L  Äö  MDCLXXIV. 
Daneben  links  oben  zwei  ausgebrochene  Öffnungen  und  zwei  intakte  schmale  Schießscharten  in  Sand- 
steinrahmung.  Rechts  vom  Tor  fünf  später  ausgebrochene  Öffnungen. 

Die  beiden  langen  Mauern  im  N.  und  SW.  bilden  zugleich  die  äußeren  Umfassungsmauern.  Auch  sie 
sind  von  mehreren,  später  vergrößerten  Öffnungen  und  Schießscharten  durchbrochen  (Fig.  145).  Von  den 
Gebäuden,  die  diese  umfangreichen  Mauern  umschlossen,  ist  nichts  stehen  geblieben  mit  Ausnahme  eines 
langen,  schmalen,  rechteckigen  Gebäudes,  dessen  Fundamente  im  N.  des  Hofes  zu  erkennen  sind;  nur 
die  Südwestmauer  steht  noch  in  größerer  Höhe,  sie  ist  von  zwei  großen  Öffnungen  durchbrochen  und 
hat  ein  von  Quadern  eingefaßtes  Eck.  Im  Innern  war  dieses  Gebäude  (wie  man  an  der  hohen  Nordmauer 
sieht)  in  drei  Geschosse  geteilt.  Im  Nordwesteck,  wo  wohl  ursprünglich  ein  Turm  war,  ist  jetzt  ein 
hölzerner  Aussichtsturm  eingebaut,  der  einen  sehr  schönen  Blick  auf  Großgmain  und  die  Umgebung 
bietet  (Fig.  113).  Gleich  rechts  vom  Tore  liegt  ein  in  den  Fels  gehauener  tiefer  (jetzt  wasserloser) 
Brunnen  in  runder  Einfassung. 

Das  Niveau  des  nordöstlichen  schmäleren  Teiles  der  Hauptburg  liegt  um   einige  Meter   höher   als   der 
innere  Burghof.    Die  Fundamente  des  Gebäudes,   das    hier  stand   (wohl  der  Palas),  liegen  unter  einer 
dichten    Humusschichte.     Die   ganze  Ruine    ist   mit  Bäumen    und  Gesträuch   bewachsen,    auch   auf    den 
Mauern  selbst  haben  zahlreiche  kleine  Bäumchen  Wurzel  gefaßt. 
Als  die  stattlichste  Burgruine  unseres  Bezirkes  verdient  Piain  unsere  besondere  Beachtung. 


Fig.  145. 


Guggental,  Rotte 


Archivalien:  SRA  (Hoflc.  Neuhaus  passini). 

Literatur:  Hübner,  Stadt  1,  563.  —  Piu.wein,  Salzachkreis  377. 

NOO  (6.  Juni)  verkauf t  Hans  der  Pfaffenswanter  von  Pä/iel  an  Heinr'.ch  von  Gitkken- 
tal  seinen  Zehent  zu  Qukkental  im  Gerichte  Heuberg  (SCHMID,  Urk.-Regesten  der 
Alien  Kapelle  in  Regensbiirg.  1911,  S.  98  und  516).  1589  besitzt  das  Gut  G.  .Mar- 
gareta  Schiltl  oder  Brieferin,  geb.  Fran/nriann,  ,M.  Georg  Scribas,  Hofgerichtsse/iretärs 
Hausfrau'  (SRA  Hofk.  Salzb.  I5S9  M-).  Erzbischof  Paris  Lodron  brachte  es  an 
sich  und  widmete  es  zu  der  1633  von  ihm  gegründeten  Primogenitur  für  die  Lo- 
dronische  Familie.  Wenige  Jahre  später  kaufte  er  es  aber  von  dieser  wieder  zu- 
rück und  übergab  am  24.  Dezember  1642  ,das  Gut  und  Hof  Guggenthal  und  Mühl 
im  Graben  daselbst  .  .  .  nit  weniger  das  neugebaute  Herrenhaus"  dem  Rischof 
Johann  Christof  von  Chiemsee  und  seinen  Nachfolgern  gegen  mehrere  Bedingungen 
(v.  JAKSCH  in  Archiv  für  vat.  Gesch.  von  Kärnten  XIX  173).  Zur  Bequemlich- 
keit für  die  gräfl.  Familie  wurde  1633  ein  .Forstenweg"  angelegt,  der  ausschließlich 
nur  von  dieser  befahreu  werden  durfte.  1682  erhielt  die  Frlaubnis  zur  Benutzung 
auch  Franz  Carl  Polito,  hf.  Truchseß  und  bestellter  Hauptmann  (vermählt  mit 
M.  Ursula  Katharina  v.  Grimming),  der  1670  (1.  Juli)  Gut  und  Hof  Guggental 
samt  der  Mühle  im  Graben,  einen  Waldort,  das  neugebaute  Herrenhaus  und  alles 
Zugehör  von  Bischof  Johann  Franz  von  Chiemsee  zu  Erbrecht  gekauft  hatte  (Orig.- 
Urk.  SRA),  jedoch  gegen  Unterhaltung  des  Weges  (Hofk.  Neuhaus  1696  N.). 

Nebenkirche  zum  hl.  Kreuz. 

Moderne  Kirche,  in  gotischem  Stile  1862—1864  durch  Georg  WeickI 
in  Salzburg  erbaut.  Die  Einrichtung  stammt  aus  der  gleichen  Zeit 
(pseudogotisch).  Alt  ist  außer  einem  auf  Holz  gemaltem  Madonnen- 
bilde (Kopie  des  XVlll.  Jhs.  nach  einer  älteren  Vorlage)  nur  die 

Kanzel  (Fig.  146):  Roter,  weiß  geäderter  Marmor.  Auf  siebenseitigem 
Postament  eine  gedrehte  Säule  mit  gewundenen  Kannelüren  und  ein- 
fachem Hohlkehlkapitäl;  darauf  die  gleichfalls  siebenseitige  Brüstung 
mit  vier   freistehenden    Seiten.    —   Am   vorderen    Felde   eingemeißelt 

die  Jahreszahl   1512.     Die  Kanzel  stammt  aus  dem  alten  Salzburger  Dom,   von   wo  sie  um    1600 

nach  Wals  und  von  dort  1862  nach  Guggental  kam. 

Ehemaliger  Hof  Guggental  (jetzt  Volksschule):  An  der  neuen  Straße  unterhalb  des  Brauhauses 
und  der  Kirche.  Anheimelndes  einstöckiges  Gebäude  mit  umlaufendem  Gurtgesimse  zwischen  den 
beiden  Geschossen,  breitem  Hohlkehlgesimse  und  hohem  Schindelzeltdache.  Über  der  rundbogigen 
Osttür  eingemauerte,  von  einer  Intel  bekrönte  Marmorkartusche  mit  dem  Wappen  des  Bischofs 
von  Chiemsee,  Franz  Vigil  Grafen  Spaur  (1644—1670). 

20* 


1  ly.  146     Guggental,  Nebenkirche. 

.Marmorkanzel  von  1512  aus  dem  Salz 

burger  Dom  (S.  155) 


Neben- 
kirche. 


Kanzel. 
Fig.  146. 


Ehemaliger 
Hof  Guggen- 
tal. 


156 


Qerichtsbezirk  Salzburg 


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Fig.  147    Hallwang,  Gesamtansicht  von  Südwesten  (S.  158) 

Hallwang,  Dorf 

Archivalien:  Dekanatsarchiv  Bergheim.  —  Pfarrarchiv  (Kirchenrechniingen  1594 ff.). 

Literatur:  Wänzler,  Intelligenzblatt  1808.  —  PiuwEiN,  Salzachkreis  383.  —  Dürlinger,  Handbuch  23. 

Ms.:  Auo.  WiNKLHOFER  (geb.  zu  Hallwang  1772).  Alteste  Nachrichten  von  Halming,  2  Bde.  -  Die  Reise  nnch  Hallwang  nächst 
Salzburg.  Für  die  Freunde  der  schönen  und  erhabenen  Natur  beschrieben  von  Lorenz  Braunwieser,  Akademiker  (geb.  zu 
Strass  bei  Hallwang  am  20.  Jänner  1804)  im  Jahre  1826.  143  S.  —  üeschichte  der  Vikariatskirche  Hallwang  und  ihrer 
Nebenkirchen  von  Josef  Dürlinger  (Vikar  zu  Hallwang  1848  —  1857),  3  Bde.  mit  zusammen  570  S.,  alle  im  Pfarrarchiv. 

.Locus  Haldinwanc"  kommt  zum  ersten  Male  in  einer  Tradition  aus  der  Zeit  Erzhischof  Hartwigs  (991—1023)  vor.  Im 
zweiten  Jahrzehnt  des  XII.  Jhs.  erscheint  Adelbert  de  Haldenwanch  als  Hochstiftsministeriale  (HAUTHALER,  U.-B.  1, 
198.  320  und  598),  der  unzweifelhaft,  wie  DÜRLINGER  und  ZILLNER  (Llide  21,  30)  meinen,  mit  Adalbero  von  Dietraming 
(s.  oben)  identisch  ist.  Auch  später  —  1297  und  1307  —  finden  wir  Hallwanger  in  Urkunden  (Mon.  Boic.  3,  181  und 
Nov.  Chronicon  312).  Noch  1460  wird  die  Burg  H.,  die  nach  WINKLHOEER  „auf  der  hohen  Grube  ober  dem  Dorf' 
stand,  genannt.  In  diesem  Jahre  nämlich  wird  .Margareta  N.  Weinziurlin  vom  Schloss  Halbmwang"  auf  Fürbitte  des 
hl.  Vital  geheilt  (Miracula  s.  Vitalis). 
1334  verkaufen  Rager  und  Heinrich  von  Radeck  die  Burg  Radeck  und  das  Landgericht Malbenwanch"  etc.  an  Erzbischof 
Friedrich  III.  um  1025  Pfund  Pfennige  (RICHTER,  Untersuchungen  709).  Die  Grenzen  des  Gerichtes  dürften  sich  mit 
denen  der  heutigen  Pfarre  decken.    Seit  1508  war  die  Schranne  H.  dem  Pfleggerichte  Neuhaus  einverleibt. 

Pfarrkirche.     Pfarrkirche  zum  hl.  Martin. 

Aus  dem  Kirchenpatron  hat  Dürlinger  wohl  mit  Recht  auf  eine  Gründung  der  Kirche  durch  das  Edel- 
geschlecht  der  Hallwanger  geschlossen;  er  setzt  deren  Erbauung  nicht  vor  1200  an.  Urkundlich  erscheint 
die  Kirche  zum  ersten  Male  1430,  am  21.  01<tober,  da  der  Pfarrer  von  Bergheim  eine  Gottesdienstordnung 
für  die  excurrendo  zu  versehenden  Kirchen  Anthering  und  Halbmbaiig  festsetzt,  die  in  der  erzbischöf- 
lichen Bestätigung  schon  als  von  altersher  {ab  aittiquö)  herkömmlich  bezeichnet  wird  (Ldkde  13,  102  ff. 
Nr.  142  f.).  Eine  Glocke  von  1481  kam  1910  ins  Museum  nach  Salzburg.  Die  Diözesanvisitation  von 
1613  berichtet: 


I 


Hallwang  157 

Sacramentiim  asservatiir  in  tabernaciilo  ligneo  mitro  dextero  affixo,  qiiod  cum  Ugnetim  sit,  fache  possit  transportari 
aiit  certe  sedilia,  quo  dicto  tabernaciilo  contigiia  sunt  omnino  avellenda.  Primum  altare  in  hon.  s.  Ulrici  qnod  cum 
breve  sit  et  ipsi  muro  anteriori  admovendum  et  utrimque  ad  duos  palmites  erit  protrahendum.  Alterum  in  cornu 
sinistro  in  hon.  s.  Martini  (\),  sed  non  consecratum.  Coemeterium  consecratum  quidem  est,  sed  pomerium  magis  refert 
quam  locum  sacium. 

1617:  dem  Goldschnned  amb  ein  silbernen  Becher  zu  den  Communicanten  4  fl.  1  ;i  4  v^.  1620:  dem 
Mais f er  Christof  Gottsreiter,  Maurermeister  der  geniainen  Stadt  Salzburg,  nacher  Hallwang 
citiert,  um  Augenschein  einzunemben,  was  gestalten  das  Gotshaus  allda  mecht  erweitert  werden,  ist  im 
Beisein  des  Pfarrers,  besagten  Meisters,  beeder  Zechbröbsten  und  des  Mesners  verzehrt  worden  I  fl. 
32  kr.  1625:  für  ein  neues  Ciborium,  so  ganz  verguldt,  wigt  23  Lot  38  fl.  6  ß.  1643:  Kaspar  Ain- 
horn,  Goldschmied  in  Salzburg,  gibt  gegen  einen  alten  silbernen  Kelch  einen  neuen,  demselben  für  eine 
Monstranze  96  fl.  1649:  Turmreparatur  und  Anbringung  von  drei  Sonnenuhren.  1677:  Dem  Uiirmacher 
Johann  Sauter  für  das  Werk  120  fl.,  dem  Maler  Pereth  in  Salzburg  für  2  Uhrblätter  11  fl.  samt 
den  l<ieinen  Ausgaben  136  fl.  58  l<r. 

1686  maciite  sich  eine  bedeutende  Eaufäliigkeit  der  Hauptmauern  geltend.  Man  demolierte  das  Haupt- 
scliiff  und  baute  an  die  Stelle  der  Mauern  drei  Pfeiler  für  das  Gewölbe.  Leiter  der  Arbeiten  war  der 
hochfürstliche  Baumeister  Kaspar  Zuccalli  von  Adlholzen,  der  eben  damals  in  Salzburg  die  Kajetaner- 
kirche  baute.    Er  bekam  kcntraktgemäß  für  den  Bau  in  Akkord  5000  fl.    Der  Grundstein  wurde  im  Juli 

1687  durch  den  Domheirn  Freiherrn  von  Leiblfing  gelegt  (SRA  Kapitelprotokoll  12.  Juli).  Im  ganzen 
belief  sich  der  Bau  auf  6O0O  fl.  Eingeweiht  wurde  die  Kirche  am  20.  Juli  1694  durch  den  Bischof  von 
Chiemsee,  Siegmund  Ignaz  Grafen  Wolkenstein.  Der  Meister  des  1692  aufgestellten  Hochaltars,  der 
einen  auf  einem  Schimmel  reitenden  geschnitzten  hl.  Martin  enthielt,  war  —  wie  gelegentlich  in  den 
Akten  über  den  Hochaltar  in  St.  Gilgen  erwähnt  wird  —  Meinrad  Guggenbichler  von  Mondsee. 

Die  Seitenaltäre,  die  bisher  keine  Altarsteine  gehabt  hatten,  erhielten  nun  solche:  Für  den  Unserer-Lieben- 
Frau-Altar  von  Joachim  Albrecht  Freiherrn  von  Leiblfing,  Domherrn,  und  für  den  St.-Kajetan-Altar  von 
dem  Domkap. -Maurermeister  Sebastian  Stumpfegger.  1713/14:  für  die  neuen  Seitenaltäre  dem  Tischler 
Wind b ichler  72  fl ,  dem  Bildhauer  Frieß  42  fl.  und  dem  Maler  Mölkh  122,  zusammen  236  fl. 
1715:  Franz  Gärtner,  Glockengießer  in  Salzburg,  für  eine  Glocke  823  fl.  8  kr  2  -d).  —  1722:  für 
eine  silberne  Ampel  beigesteuert  10  fl.  —  1723:  dem  hf.  Capelldiener  für  seine  Bemühung  wegen  des 
neuen  gdgst  verehrten  Kelchs  34  kr.  —  1724:  Der  Helene  Silbherin{?)  vor  Machung  eines  neuen  Creuzs 
zur  Monstranze  8  fl  15  kr.  —  1739  erforderte  die  Einziehung  von  Schließen  349  fl.  34'/.,  kr.  —  1754: 
Turmreparatur  208  fl.  —  1763  wurde  statt  des  alt  baufälligen  und  allerdings  schadhaften  Kirchenthurms 
(—:  Turmhelmes)  ein  ganz  neuer  zierlicher  und  dauerhafter  nach  dem  Riß  des  hf.  Bauverwalters  Wolf- 
nang  H  agenauer  mit  einem  Aufwände  von  1746  fl.  14  kr.  gebaut.  —  1758:  neuer  Kelch  einge- 
tauscht. —  1763:  Josef  Freiherr  von  Rehlingen,  Pfleger  in  Neumarkt,  schenkt  einen  Kreuzpartikel  in 
einem  Monstränzchen.  —  1787  wurde  das  Kirchengewölbe  abgetragen  und  durch  ein  hölzernes  ersetzt, 
wobei  auch  die  das  Licht  benehmenden  Pfeiler  entbehrlich  und  beseitigt  wurden,  was  zusammen  1349  fl. 
kostete.  —  1791:  für  neue  Kirchenstühle  212  fl.  —  1802  wurde  von  der  St.-Johann-Kirche  auf  dem  Im- 
berge  eine  Orgel  gekauft,  die  1842  durch  eine  neue  von  Louis  Moser,  Orgelbauer,  ersetzt  wurde  (866  fl).  — 
1805  ließ  Gertraud  Millthaler,  Bauerstochter,  den  schon  ziemlich  alten  und  an  manchen  Orten  ruinierten 

•  Seitenaltar  Unserer  Lieben  Frau  ausbessern  und  renovieren.  —  1849  wurde  mit  einem  Kostenaufwande 
von  300  fl.  der  Hochaltar  renoviert.  —  1858  ging  eine  gründliche  Renovation  vor  sich.    Es  wurden  neu 

1  gemacht:  ein  Aufsatz  zum  Hochaltare  200  fl.,  eine  neue  Kanzel  250  fl.,  Chorstühle  und  ein  Speisegitter. 

[Bildhauer  Scheidl  und  der  Tischler  erhielt  992  fl.,  der  Maler  und  Vergolder  1727  fl.  (darunter  54  fl. 
für  einen  neuen  Kreuzweg),  Sebastian  Stief  für  drei  neue  Altarbilder  180  fl. 

Charakteristik:  Barocke  Saalkirche  mit  einspringendem  (im  Kerne  gotischen)  Chor  und  Westtunn.        Ctiarakte- 
Die  1687 — 1694  von  Kaspar  Zuccali  dreischiffig  erweiterte  (ursprünglich  gotische)  Kirche  wurde  1787  "^*''^- 

durch  Beseitigung  der  Mittelschiffpfeiler  in  eine  einschiffige  verwandelt  und  erhielt  damals  ein  einheit- 


11 


158 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


liches  hölzernes  Sclialge wölbe.    Der  aus  dem  XV.  Jh.  stammende  gotische  Turm  erhielt  1763  (nach  einem 
Fig.147— 150.     Plane  von  Wolfgang  Hagenauer)  einen  neuen  Zwiebelhelm  (Fig.  147 — 150). 

Lage.  Lage:  An  der  Ostseite  des  auf  einem  Höhenrücken  gelegenen  Dorfes,  vom  Friedhof  umgeben,  von  dem 

sich  ein  schöner  Blick  auf  die  Salzburger  Berge  bietet. 


Äußeres. 
Fig.  147,  148. 


Langhaus. 


Chor. 


Äußeres  (Fig.  147,  148): 

Verputzter  Bruchsteinbau,  gelb  gefärbelt,  mit  weißen  Einfassungen.  Turm  aus  Konglomerat  erbaut,  ver- 
putzt, grau  gefärbelt,  mit  weißer  Quadrierung. 

Langhaus:  Einfacher  Sockel,  profilierte  Verputzgesimse.  Im  W.  Dreieckgiebelfront  mit  vorgebautem 
Turm,  im  S.  vier,  im  N.  drei  hohe  Rundbogenfenster  und  Tür  mit  rundbogigem  Blendtenster.  Im  O. 
glatte  Giebelfront  mit  vorgebautem  Chor,  im  S.  Sakristei  und  daneben  breite,  schindelgedeckte  Stütz- 
mauer. 

Chor:  Einfacher  Sockel.  Drei  hohe  Rundbogenfenster,  im  O.  ein  ebensolches  Blendfenster.  Profiliertes 
Abschlußgesims.    Gemeinsames,  nach  O.  abgewalmtes  Schindelsatteldach. 


Fig.  148     Hallwang,  P/'arrkirche,  Äußeres  von  Südosten  (S.  158) 


Turm.  Turm:  Gotischer  quadratischer  Hauptteil,  durch  Kaffgesimse  in  drei  Geschosse  abgeteilt.  Im  W.  gotische 

Tür  in  Steinrahmung  mit  flachem  Kleeblattbogen  und  dicken,  in  den  oberen  Ecken  versciinittetien  Rund- 
stäben. Im  N.  zwei,  im  S.  drei  Schmalluken.  Achtseitiges  Glockengeschoß  mit  vier  einmal  abgestuften 
Strebepfeilern  an  den  Schrägseiten.  Drei  spitzbogige  und  im  W.  ein  kleineres  rechteckiges  Schallfenster; 
zwei  hölzerne  Zifferblätter.  Achtseitiger  Schindelzwiebelhelm  (von  1763)  mit  Laterne,  vergoldetem  Blech- 
knauf und  Kreuz.    Am  Helm  die  Jahreszahl  1849  (Neueindeckung). 

Anbauten.  Anbauten:  1.  Totenkammer  im  S.  des  Turmes.  Im  W.  Tür  und  breites  flachbogiges  Fenster  mit 
Eisengitter,  daneben  rotmarmorne  Weihwassermuschel.  Im  S.  kleine  Tür,  darüber  Luke.  Zinkblech- 
satteldach. 

2.  Sakristei  im  S.  des  Chores,  zweigeschossig,  Konglomeratsockel,  Hohlkehlgesims.  Im  S.  übereinander 
zwei  vergitterte  Fenster.  Im  O.  kleine  Tür  in  Steinrahmung,  auf  fünf  rotmarmornen  Stufen;  links  oben 
vergittertes  Fenster.  —  Schindeldach. 

Umfriedungs-     Umfriedungsmauer:  Weiß  verputzte  Bruchsteinmauer,  im  N.  mit  Steinplattenbelag,  an  den  übrigen 

mauer.  Seiten  mit  Schindelbelag.    Im  O.,  N.,  W.  je  ein  offener  Ausgang  zwischen  zwei  mit  Schindelpyraniiden 

abgedeckten  prismatischen  Pfeilern. 


Hallwang 


159 


Inneres  (Fig.  149,  150): 

Geräumig  und  heil.    Modern  ausgemalt.    Alter  Fußboden  aus  roten  Marmorplatten. 

Langhaus:  Mäßig  hoch.  Flachbogiges  Tonnengewölbe  (Holz  mit  Stucküberzug),  vier  Felder  mit  je 
zwei  flachbogigen  Stichkappen,  drei  Quergurten  auf  sehr  flachen  Pilastern  mit  stark  ausladenden  Ge- 
simsen. Die  Tür  im  N.  in  flachbogiger  Nische.  Im  W.  unter  und  auf  der  Empore  je  eine  rundbogige 
Tür  mit  abgeschrägten  Kanten.  Die  rundbogigen  Fenster  haben  abgeschrägte  Laibung.  Im  westlichsten 
Gewölbefelde  übereinander  zwei  hölzerne  Westemporen  mit  flachen  Böden  und  geraden  Brüstungen.  Die 
untere  ruht  auf  zwei,  die  obere  kleinere  (mit  der  Orgel)  auf  vier  Holzsäulen.  Im  O.  Triumphbogen,  von 
zwei  Pilastern  flankiert. 

Chor:  Stark  einspringend,  Gewölbe  gleichhoch.  Boden  um  eine  Stufe  erhöht.  Sechs  Pilaster  wie  im 
Langhause.  Rundbogiges  Tonnengewölbe  mit  zwei  Quergurten  und  zwei  rundbogigen  Stichkappen,  halb- 
rundes Abschlußgewölbe  mit  drei  flachbogigen  Stichkappen  und  zwei  Radialgurten.  Im  S.  gotische 
Sakristeitür  in  Steinrahmung  mit  flachem  Kleeblattbogen  und  dicken,  in  den  Ecken  verschnittenen 
Rundstäben.  Darüber  oblonges  Fenster  mit  Eisengitter.  Rechts  oben  rechteckige  gotische  Kanzel- 
tür in  Steinrahmung,  mit  dicken,  in  den  Ecken  verschnittenen  Rundstäben.  Im  O.  hinter  dem  Altar 
Nische  für  den  Beichtstuhl.    Geschnitzte,  rot  und  gelb  maimorierte  Balustrade,  1858. 


Inneres. 
Fig.  149,  150. 

Langhaus. 


Chor. 


Fig.  149    Hallwang,  Pfarritirche,  Grundriß  1  :  200  (S.  159) 

Turm:   Im  Untergeschosse  gotisches  Kreuziippengewölbe;  beiderseits  gekehlte,  in  die  Wand  einschnei-  Turm. 

dende  Rippen,  runder  Schlußstein  mit  Schild.  Das  Kleeblattbogenportal  im  W.  steht  in  flachbogiger 
Nische.  Im  O.  rundbogige  Tür  zur  Kirche  mit  einfachem  Eisengitter.  Zwei  Weihwassermuscheln  aus 
gelbem  Marmor  mit  Monogramm  Jesu,  XVIII.  Jh. 

Anbauten:  1.  Totenkammer.    Flache  Decke.  Anbauten. 

2.  Sakristei.    Flachgedeckt,  ebenso  das  durch  eine  Holzstiege  zugängliche  Oratorium  darüber. 


Einrichtung:  Einrichtung. 

Altäre:  1.  Hochaltar  (Fig.  151).    Freistehend.    Einfache  Mensa  (Holz,  polychromiert)  auf  zwei  Holz-  Altäre, 

stufen.    Schönes  Tabernakel  (Holz,  vergoldet)  mit  zwei  Säulenpaaren;   gutes  Standkruzifix.    Oben  Lamm        Hochaltar. 
Gottes,  zwei  kleine  Leuchterengel  (Holz,  polychromiert)  und  kleine  Kopie  der  Plainer  Madonna  in  ver-         Fig.  151. 
goldetem  Rahmen  mit  Strahlenkranz.  —  Aufbau:  Holz,  gelb  marmoriert,  mit  roten  Gesimsen.  —  Predella: 
An  den  Seiten  prismatische  Säulenpostamente;    in  vier  Feldern  vergoldete  Fruchtgehänge.    Seitlich  zwei 
Statuenkonsolen    mit   vergoldeten   Voluten.    —    Hauptteil    mit  Altarbild    (darüber   vergoldete  Laubwerk- 
kartusche), zwei  Säulen,  verkröpften  Gebälkstücken.    —    Aufsatz  mit  Bild,  konkaven  Seitenflächen,  zwei 


160 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Seitenaltäre. 


Giebelansätze,  in  der  Mitte  Kreuz  (1858  neu  gemacht).    Daneben  zwei  Statuen.  —  Auf  der  Rückseite  des 

Aufbaues  die  Jahreszahl  1763. 

Der  alte  Aufbau  scheint  1849  und  1858  stari<  verändert  worden  zu  sein. 

Gemälde:    Altarbild.    Der  hl.  Martin  teilt  seinen  Mantel  iriit  dem  Bettier.    Mittelmäßig,  bezeichnet:  Joh. 

Entjeldcr  in  Schwaz  1849.  —  Aufsatzbild:  Die  hl.  Dreifaltigkeit,  gut,  von  Seb.  Stief,  1858. 

Statuen:  Holz,  polychromiert.    St.  Rupert  und  St.  Ulrich,  am  Aufsatze  der  hl.  Anton  von  Padua  und  die 

hl.  Margareta.    Gut,  1763. 

2  und  3.  Zwei  Sei  ten  a  1  täre,  ganz  gleich  im  Aufbau.  1713/14  errichtet,  im  XIX.  Jh.  überarbeitet. 
Holz,  gelb  und  rot  marmoriert.  Hinter  der  einfachen  Mensa  Wandaufbau.  Predella  mit  zwei  vor- 
springenden Postamenten.  Hauptteil  mit  rundbogigem  Bilde,  flankiert  von  zwei  Pilastern  und  zwei  vor- 
springenden Säulen  mit  vergoldeten  Basen  und  Rompositkapitälen.  Verkröpftes  Gebälk  mit  vergoldeter 
Inschriftenkartusche.  Aufsatz:  Gemälde,  flankiert  von  zwei  Säulchen,  daneben  zwei  Statuen.  Veikröpites 
Gebälk,  flachbogige  Giebelansätze  mit  zwei  Putti,  in  der  Mitte  eine  Statuette  auf  Postament.  —  Vor  der 
Predella  je  ein  ganz  vergoldetes  Tabernakel,  um   1763. 


Fig.  150    Hallwang,  Pfarrkirche,  Inneres  (S.  159) 


Linker 
Seitenaltar. 


Rechter 
Seitenaltar. 


Kanzel. 

Orgel. 

Taufsteiii. 

Weihwasser- 
btjckcii. 


Linker  Seitenaltar:  Gemälde:  Altarbild  (Mutter  Gottes),  modern  (von  S.  Stief,  1860).  —  Aufsatz- 
bild:  Der  hl.  Sebastian  und  der  hl.  Florian. 

Statuen:   Alle  Holz,  polychromiert.  Am  Aufsatze  Joachim  und  Anna,  oben  Christus  und  zwei  Putti.   Von 
Simon  Frieß,  1714. 

Rechter  Seitenaltar:  Gemälde:  Altarbild  (Herz  Jesu),  modern  (von  J.  Gold,  1879).  —  Aufsatz- 
bild:  Der  hl.  Leonhard  und  der  hl.  Ägidius;   gut,  um  1714. 

Statuen:   Alle    Holz,   polychromiert.    Am    Aufsatze  St.  Virgil  und  St.  Rupert,    oben    zwei  Putti    und    der 
hl.  Karl  Borromäus.    Von  Simon  Frieß,  1714. 

Kanzel:  Holz,  marmoriert.    Modern  (1858). 

Orgel:  Gehäuse  mit  vergoldeten  Schnitzereien  (1842). 

Tauf  stein:  Modern  (1858). 

Weih  Wasserbecken:    Roter  gefleckter  Marmor.    Achteckiges   Wandbecken    mit   stumpfem   Ablaufe. 
Vorne  Wappen  der  Familie  Pratzl  (ein  Baumast).    XV.  Jh.    Daneben  ein  alter  eiserner  Opferstock. 


Hallwang 


161 


Skulpturen:  Holz,  polychromiert.  1.  In  der  Sakristei  die  guten  Statuetten  der  hl.  Bischöfe  Martin  und 
Rupert  auf  geschnitzten  Postamenten.    Anfang  des  XVIII.  Jhs. 

2.  Zwei  sitzende  Leuchterputten;  gut,  Anfang  des  XVIII.  Jhs.  (Sakristei). 

3.  Tabernakelaufsatz,  Auge  Gottes,  mit  Rocaillenranken,  ganz  vergoldet;  um  1750  (Sakristei). 

4.  Statue  des  auferstandenen  Heilandes,  alt  polychromiert;  gut,  Anfang  des  XVIII.  Jhs. 

5.  Zwei  kniende  Leuchterengel  auf  Tragstangen,  die  in  ihrem  oberen  Teile  von  Reben  umrankt  sind;  um  1700. 

6.  Prozessionskruzifix;  sehr  gut,  erste  Hälfte  des  XVIII.  Jhs. 

7.  In  der  Totenkammer  altarartiger  Wandaufbau  mit  Figuren:  Der  Gekreuzigte,  Johannes  und  Maria,  die 
Ecclesia,  ein  Engel  mit  einer  geretteten  Seele,  drei  Putten,  St.  Florian  und  St.  Leonhard,  die  armen 
Seelen  im  Fegefeuer.    Darüber  ein  Baldachin;  um  1760. 


Skulpturen. 


Fig.  151    Hallwang,  Pfarrkirche,  Hochaltar  (S.  162) 


8.  Im  Pfarrhause  vier  alt  versilberte  Statuetten  auf  geschnitzten  Postamenten  mit  Bandwerk,  St.  Joachim 
'  und  Anna,  Jakobus  der  Ältere  und  ein  Apostel  mit  Buch.    Gute  Arbeiten,  um  1720. 

9.  Ebenda.    Statuette  des  hl.  Rochus  mit  einem  Hunde.    Anfang  des  XVIII.  Jhs. 

i  Monstranz:  Kupfer,  vergoldet  und  versilbert.  Am  Fuße  reiche  getriebene  Rokokoornamente.  Am 
I  Knauf  drei  Cherubsköpfe.  Schein  mit  Gitter-  und  Rankenwerk,  den  Relieffiguren  Gott-Vaters,  von  vier 
j  Engeln  und  Putto  mit  dem  Schweißtuch;  Strahlenkranz,  Kreuz.    Glasflüsse.    Um  1750. 

!  Ziborium:  Silber,  vergoldet,  ganz  glatt.  —  Marken:  Salzburger  Beschauzeichen  (S  in  Oval).    Meister- 


Monstranz. 


Ziborium. 


zeichen : 


HC 


.      in  Schild.    Arbeit  des  Hans  Caspar  Ainhorn   in  Salzburg  (Bürger  seit   1635).    Wohl 
identisch  mit  dem  1643  gelieferten  Kelch  (s.  S.  157). 

XI  21 


162 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Kelclie. 


Wetterkreuz. 


Kreuzpartikel- 
monstranz. 

Vortrags- 
kreuz. 


Leuchter. 


Varia. 


Grabsteine. 


Glocken. 


Kelche:  1.  Silber,  vergoldet.  Sechspaßfuß  mit  getriebenen  Rosen,  Akanthusranken  und  Ornamenten. 
Am  Knauf  drei  Ovalknöpfe  zwischen  Blattwerk,  unten  ausladender  Blumenkranz,  Cuppasilberkorb,  durch- 
brochen und  getrieben,  mit  Ornamenten,  Blumen  und  den  Leidenswerkzeugen.  —  Marken:  Augs- 
burger Beschauzeichen  (R^  146).  Meisterniarke:  G  H  in  breitovalem  Felde.  Schönes  Stück,  Ende  des 
XVII.  Jhs. 

2.  Zum  Teil  vergoldet.  Getriebener  Sechspaßfuß  mit  Akanthusranken,  Früchten  und  drei  ovalen  Medaillons 
(Kreuz,  Herz  und  Schriftband  INRI).  Am  Knauf  drei  getriebene  Cherubsköpfe.  Durchbrochener  Cuppa- 
korb mit  getriebenen  Blumenranken  und  drei  Medaillons  mit  den  Leidenswerkzeugen.  —  Marken: 
Augsburger  Beschau  (R-  165).  Meistermarke:  Minuskel- m  (ähnlich  wie  R-'  4855).  Schönes  Stück, 
um  1700. 

3.  Zum  Teil  vergoldet.  Sechspaßfuß  init  getriebenen  Bandornamenten  und  drei  Cherubsköpfen,  am  runden 
Knauf  drei  glatte  Ovalschilde  zwischen  Blattwerk.    Durchbrochener  Cuppakorb  mit  Bandornamenten  und 

drei  Cherubsköpfen.  —  Marken:  Augsburger  Beschau  (R^  169).  Meistermarke:  „„  in  Dreipaß  (R^  519). 

Schönes  Stück  von  Johann  Friedrich  Bräuer  in  Augsburg  (Meister  1705 — 1753).  Um  1723  (s.  S.  157). 

Wetterkreuz:  Messing,  vergoldet.  Am  Fuße  vier  getriebene  Rocaillen.  Die  in  Dreipässen  endigenden 
Kreuzbalken  sind  vorne  mit  vergoldeten,  rückwärts  mit  versilberten  applizierten  Rocaillenornamenten 
verziert.    Versilberter  Kruzifixus.    Gute  Arbeit,  um  1760. 

Kreuzpartikelmonstranz:  Messing,  vergoldet,  mit  getriebenen  Rokokoornamenten.  1763  geschenkt 
(s.  S.  157). 

Vortragkreuz:  Auf  einer  Holzstange,  Messing,  vergoldet  und  versilbert.  Kugeliger  Knauf,  oben  mit 
Perlkranz,  dreipaßförmige  Balkenenden.  Daran  vorne  drei  runde  Medaillons  mit  den  getriebenen  Relief- 
figuren der  vier  Evangelisten.  Sehr  gut  getriebener  Kruzifixus.  Auf  der  Rückseite  appliziert  vier  fein- 
getriebene vergoldete  Flachreliefs,  oben  Gott-Vater,  an  den  Seiten  Löwe,  Gemsbock  und  Hirsch,  unten 
Moses,  der  auf  die  eherne  Schlange  hinweist.  Glasflüsse.  Interessantes  Stück  aus  dem  Ende  des 
XVI.  Jhs. 

Leuchter:  1.  Vier  dreifüßige,  alt  versilberte  Holzleuchter  mit  Volutenfüßen.    XVII.  Jh. 

2.  Vier  dreifüßige  Holzleuchter,  schön  geschnitzt,  mit  Laubwerk,  silberbronziert.    Um  1700. 

3.  Zwei  kleine  vergoldete  Holzleuchter  mit  je  drei  Cherubsköpfen.    Um  1700. 

4.  Sechs  Zinnleuchter,  dreifüßig,  Empireform.    Erste  Hälfte  des  XIX.  Jhs. 


Varia:    Drei  Kirchenfahnen    mit   übermalten   Bildern    und    guten   Messingkreuzen. 
Traglaternen.    XVIII.  Jh. 


XVIII.  Jh. 


Zwei 


Grabsteine:  1.  1480.  Unter  der  Mauer  der  Totenkammer  am  Boden,  halb  verdeckt.  Rote  Marmor- 
platte mit  gotischer  Minuskelinschrift:  Hie  /igt  begrabn  Ruep(tv\)  Prätzl  phleger  ze  Radekke  .  .  der 
gestorben  ist  (anno  dni)  mcccclxxx  an  so(nd) .... 

2.  Im  Chor  am  Boden  kleine  Marmorplatte.    Johann  Georg  Bauer,  erster  Vikar,  1790. 

3.  Im  O.  des  Langhauses,  außen.  Gelbe  Marmorplatte  mit  Standkruzifix.  Anton  Köllersperger,  Maurer- 
meister in  der  Gnigl,  1765 — 1823. 

Glocken:  Drei  Glocken  von  Oberascher,  1899.  —  Eine  kleine  gotische  Glocke  von  1481  mit  der 
Minuskelinschrift:  anno  dorn,  mcccclxxxi  iar  +  o  rex  glorie  veni  cum  /»(ace)  wurde  1911  dem  Museum 
in  Salzburg  überlassen.  Von  den  beiden  anderen,  1899  eingeschmolzenen  Glocken  stammte  die  mildere 
von  1601,  die  große  von  1715  (Dürlinoer  S.  27). 


Pfarrhof. 


Beschreibung. 


P  f  a  r  r  h  o  f . 

Mit  Urkunde  vom  15.  Oktober  1787  wurde  in  Hallwang  ein  Vikariat  errichtet.  Das  Konsistorium  befahl 
am  15.  April  1788  den  Bau  eines  Vikariatshauses,  nachdem  Erzbischof  Hieronymus  den  von  Wolf  gang 
Hagenauer  verfaßten  Riß  genehmigt  hatte.  Die  Materialien  wurden  vom  eingeworfenen  Kirchengewölbe 
und  dem  demolierten  Dieberinger  Kirchlein  (s.  daselbst)  genommen.  Baukosten  3400  fl.  23  kr.  Das 
Vikariat  wurde  1858  zur  Pfarre  erhoben.  .  r 


Besciireibung: 

blechdach. 


Einfacher    Bau,    rechteckig,    einstöckig,    mit    breitem    Hohlkehlgesimse    und    Zink- 


Gasthaus.        Gasthaus    Wintersteller:     Großes    einstöckiges    Bauernhaus    mit    achtfenstriger    Westfront,    ab- 
gekappten Giebeln,  weit  vorspringendem  Schindelsatteldach,  daran  vorn  die  Jahreszahl  1792. 


TAFEL  VI     HELLBRUNN,  ( 


*^ 


-»■^^c.^-._.. 


~-4 


l   VSfftbrun.    I 


pE.    STICH  UM  1630  (S.  163) 


I 


Fig.  152    Hellbrunn,  Gesamtansicht  von  Nordosten  (S.  196) 


Schloß  Hellbrunn 


Archivalien:  SRA  (Hofbesoldiingsrechnungen.  —  Hfk.  ülanegg  passim.  —  Hfk.-Relat.  1760  f.  982.  —  Hfk.-Protok.  1770  f.  290,  456, 
512;  1772  f.  514  und  Rdat.  i.  416.  —  Hofbauamt  1791  D). 

Handschriftliches:  [Johann  Stainhauser],  Hellebruiin.  Beschreibung  des  hf.  überaus  fiertröflichen  Lustsorth  Hellebrunn  genannt... 
beschrieben  worden  im  Jahr  des  Herrn  MDCXIX,  Papier,  38  Bl.,  im  Museum  Salzburg  und  Wien,  Staatsarchiv. 

Literatur:  Hübner,  Stadt  520—542.  —  B.  Seitner,  Beschreibung  des  k.  k.  Lustschlosses  Hellbrunn,  dessen  Anlagen  und  JVlerk- 
würdigkeitcn.  Mit  16  lithogr.  Ansichten.  Salzburg  1836.  —  Pillwein,  Salzachkreis  354—357.  —  [Schallhammer  A.  R.  v.]. 
Die  kais.  Lustschlösser  Hellbrunn  und  KIeßheim.  Salzburg  1856.  —  Dürlinoer,  Handbuch  90.  —  Bilder  aus  Salzburg  in 
Zeitschrift  für  bildende  Kunst.  Oktober  1889.  —  [Marie  Schupfer],  Das  kalserliclie  Lustschloß  Hellbrunn  bei  Salzburg. 
Salzburg  1894.  —  Dr.  Hans  Wid.mann,  Unterhaltungsbeilage  der  Linzer  Tagespost  Nr.  25,  1903  —  Dr.  Franz  Martin, 
Hellbrunn  in  der  „Wiener  Zeitung"  1909  Nr.  233.  —  A[lexander]  H[eilmeyer],  Alte  Gartenplastik,  und  Ludwig  Straniak, 
Wasserwerke  und  Wasserspiele  im  Heilbrunner  Lustgarten  in  .Die  Plastik'  1  6,  1911  (G.  Callway,  München).  —  Maria 
Luise  Gothein,  Geschichte  der  Gartenkunst,  Jena  1914,  IL  Band,  S.  104—107. 

Alte  Ansichten  und  Pläne:  1.  Hintergrund  im  Porträt  des  Erzbischofs  Mar.x  Sittich  in  Hellbrunn,  1618  (Fig.  153).  —  2.  Anonymer 
Stich  um  1630,  Plattengröße  86  X  40  cm,  im  k.  k.  Regierungsarchiv  in  Salzburg  (Tafel  VI).  —  3.  Stich  von  Merian,  um 
1640,  36X28  cm  (Fig.  154).  — 4.  Stich  von  Melchior  Küsell,  1679.-5.  Stiche  von  M.  Diesel,  um  1730.  —  6.  Die  Garten- 
prospekt von  Hellbrunn,  gezeichnet  und  .  .  .  überreichet  dem  .  .  .  Herrn  Leopoldo  Ertzbischoffen  zu  Saltzburg  .  .  . 
von  dero  .  .  .  Garteninspectore  u.  Camerdiener  Franc.  Anton  Danreiter.  20  Stiche  von  C.  Rembshard  nach  Zeichnungen 
Danreiters,  um  1735.  (Die  Originalzeichnungen  Danreiters  im  Salzburger  Museum.)  (Fig.  155,  157—159.)  —  7.  Große 
Grundrißzeichnung  der  Gesamtanlage  mit  Legende,  von  Stefan  Müllner,  1776  (Salzburg,  k.  k.  Regierungsarchiv).  —  8.  Zwei 
übereinstimmende  Grundrißzeichnungen,  1805  im  kurfürstl.  Mappierzimmer  gezeichnet  von  Alois  Wegscheider  und  Anton 
Geisler  (k.  k.  Regierungsarchiv)  (Fig.  156).  —  9.  Kolorierte  Radierungen  von  F.  Naumann  (Hempel)  und  Louis  Waliee, 
Anfang  des  XIX.  Jhs.  —  10.  Stich  von  J.  Fischbach  (C.  Huber),  um  1850. 

In  dem  quellenreichen  Gebiete,  wo  die  Salzachau  zurücktritt  und  zu  Füßen  des  jäh  ansteigenden 
Konglomeratberges  der  Boden  gefestet  ist,  haben  die  Erzbischöfe  schon  früh  einen  Tiergarten  angelegt. 
Die  Zeit  ist  unbekannt,  doch  wird  schon  1421  eine  Peunt  pey  dem  Tirgarten  und  1479  ein  Neubruch 
prope  Tiergarten  et  fontem  genannt  (Or.  in  St.  Peter  und  SRA,  Urbar  Nr.  4  f.  58).  Davon  hieß  auch  der 
Berg,  dessen  früherer,  wohl  romanischer  Name  uns  verloren  ist,  der  „Tiergartenberg".  Eine  Chronik  des 
XVI.  Jhs.  schreibt  von  Erzbischof  Ernst  (1540  bis   1554):  Im  Thiergartten,  ain  halbe  Meli  ob  Salzburg 

21* 


Fig.  153. 
Tafel  VI. 
Fig.  154. 


Fig.  155, 
157-159. 

Fig.  156. 


164 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


zunegst  bey  dem  Meyer  und  Lusthäusl  daseWsthiii  hat  er  aiii  schöne  Behausung  jür  ainen  Gammer  und 
Häetter  des  Gartten  erpaul.  Stainhausf.r  sagt,  daß  zuvor  allda  nichts  anders  als  der  Perg  mit  einer  engen 
und  nit  so  hochen  Maurn  umbfangen  war,  darinnen  allain  zwen  Weyer  mit  Forchen  und  Salbmling,  auch 
etliche  Stuck  Dändl,  deren  ein  Jäger  in  einem  schlechten  Heisl  wohnundt,  gewardet,  sich  befunden. 

Das  ist  die  Vorzeit  Hellbrunns.  Seine  Zeit  kam  erst  mit  der  sinnenfrohen  Renaissance,  als  den  Fürsten 
die  Mauern  der  Städte  zu  eng  wurden  und  Lustschlösser  in  schönen  Punkten  der  Umgebung  entstanden. 


Fig.  153    Hellbrunn,  älteste  Ansicht,  1618  (S.  163) 


Waren  die  Erzbischöfe  des  Mittelalters,  wenn  sie  nicht  in  Blühnbach  oder  am  Hintersee  oder  anderswo 
dem  Waidwerk  oblagen,  ihrer  Stadt  und  ihrem  Bischofshof  auf  die  Hohensalzburg  entronnen,  an  deren 
Südhang  ein  Garten  mit  edlen  italienischen  Gewächsen  entstand,  so  hatte  schon  Johann  Jakob  von  Kuen- 
Belasy  (1560—1586)  in  Rif  sich  einen  schönen  Sommersitz  mit  Fischweihern  und  Wasserwerken  geschaffen. 
Wolf  Dietrich  hatte  sich  und  den  Seinigen  in  Altenau  hart  vor  dem  Tore  der  Stadt  einen  prächtigen 
Sommersitz  erbaut,  den  er  selbst  in  vorgerückten  Jahren  einen  „schweigenden  Hafen"  genannt  hat.  Auch 


Schloß  Hellbrunn 


165 


F\j.  154     Hellbrunn  aus  der  Vogelschau,  Stich  von  Merlan,  um  1640  (S.  163) 


166 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


sein  nicht  minder  prachtliebender  Nachfolger  Marx  Sittich  Graf  von  Holienems  (1612 — 1619)  wollte  einen 
derartigen  Landsitz  nicht  missen.  Altenau  gab  er  zwar  den  Namen  „Mirabell",  aber  damit  war  wenig 
getan;  die  Erinnerung  an  seinen  Vorgänger  war  darin  so  stark,  daß  die  Freude  nicht  aufkommen 
konnte  und  gerade  jene  Gedanken  nicht  verscheucht  wurden,  denen  er  entfliehen  wollte.  So  schritt  er 
denn  schon  im  15.  Monate  seiner  Regierung  (1613)  zum  Bau  eines  Lustschlosses  im  Tiergarten, 
das  er  Hellbrunn  benannte.  1615  war  das  Ganze  vollendet.  Es  ist  überaus  beklagenswert,  daß 
wir  über  die  gesamten  Bauten  Wolf  Dietrichs,  Marx  Sittichs  und  Paris  Lodrons  so  gut  wie  gar  nichts 
wissen.    Die  Akten  fehlen   und  waren  wohl  schon  vor  der  Säkularisation  nicht  mehr  vorhanden.    Johann 


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Fig.  155    Hellbrunn,  Gesamtanlage.     Stich  von  F.  A.  üanreiter,  um  1735  (S.  163) 

Stainhauser,  der  schon  in  seinem  „Leben  und  Wandel  Wolf  Dietrichs"  ein  geradezu  beschämend  geringes 
Verständnis  für  Kunst  an  den  Tag  legt  und  auch  nicht  einen  Künstler  nannte,  sinkt  in  seinen  sieben 
Bände  umfassenden  „Denkwürdigkeiten  der  Regierung  Mark  Sittichs"  ganz  auf  das  Niveau  eines  Zech- 
propstes herab,  der  nur  Kirchenfeste  und  Predigten  und,  wenn  es  gut  geht,  einen  Faschingsscherz  be- 
schreibt, aber  nicht  einmal  den  Baumeister  des  Domes  nennt.  Er  hat  uns  auch  die  älteste  Beschreibung 
Hellbrunns  hinterlassen,  auf  die  wir  noch  zurückkommen  werden;  er  nennt  auch  darin  nicht  einen 
Namen  von  jenen  Künstlern,  die  all  das  Schöne  geschaffen. 

Es  ist  sicher,  daß  als  Architekt  des  Schlosses  wie  auch  der  ganzen  Gartenanlage  Santino  Solari  zu 
betrachten  ist,  der  seit  Herbst  1612  als  Baumeister  am  Salzburger  Hof  ist,  und  von  dem  es  auf  seinem 


i 


Schloß  Hellbrunn 


167 


Bild  in  der  Domschatzkammer  heißt:  .  .  .  statuariiis  idem  et  archltectus  .  .,  qiii  et  palatia  hortosqiie 
piincipis  marmore  gypsoqiie  animavit  (Kunsttopographie  IX,  27).  Das  Vorbild  Hellbrunns  dürfte  wohl  im 
Gebiete  des  Comersees  zu  suchen  sein.  Vor  allem  sind  es  die  zahlreichen  Skulpturen  in  den  verschie- 
denen Grotten  und  im  Parke,  die  unsere  Aufmerksamkeit  erregen.  Sie  dürften,  da  sie  ohne  Zweifel  an 
Ort  und  Stelle  gearbeitet  wurden,  von  Solari  selbst  und  von  jenen  beiden  Bildhauern  stammen,  die 
wir  in  den  Jahren  1614 — 1617  mit  dem  verhältnismäßig  hohen  Lohne  von  40  fl.  (gleich  Solari)  am  Hofe 


■.rni  -yL^/ufy^^    jf/a/Zr 


Fig.  156    Hellbrunn,  Grundriß  vom  Jahre  1805  (Salzburg,  Regierungsarchiv)  (S.  163) 


linden:  Hieronymo  Preosto  und  Bernardo  Zanini.  In  der  zweiten  Hälfte  1616  und  1617  kommt 
I  auch  mit  dem  bescheidenen  Gehalte  von  20  fl.  ein  Fr.  Gioachino  Briinmaister  vor.    Er  scheint  irgend 
I  einem   Orden    angehört   zu    haben.    In    der   Hofmalerei  werden    1613   Hans  Hofher  (17  fl  2  ß  20  ^), 
\  Michael  Jacob  (13  fl)  und  ein  Malerjungl  (3  fl  2  ß)  genannt,  1614  aber  begegnet  als  Hofmaler  Nicolo 
\Pellegrino   (49  fl),  bis   seit    1616  Don  Arsenio  Masgatti  (recte  Mascagni)   (50  fl)   nachzu- 
weisen ist.  Ihm  sind  auch  die  Wandmalereien  des  Saales  und  Oktogons  zuzuweisen.  Schwieriger  ist  deren 
r  Deutung.    Da   sie   demnach   in  die  letzten  Jahre  Mark  Sittichs  fallen,  gewinnt  die  Vermutung  an  Wahr- 
scheinlichkeit, daß  der  Maler  seine  Porträte  dem  Kreise  der  jung  angetrauten  Gemahlin  des  Neffen  und 
Günstlings  Marx  Sittichs,  Jakob  Hannibal  Grafen  von  Hohenems,  Maria  Sidonia  Herzogin  von  Teschen- 


168  Gerichtsbezirk  Salzburg 

Sagan  entnommen  habe.  Da  Sidonia  schon  am  13.  März  1619  starb,  so  wäien  die  Malereien  in  die  Jahre 
1616 — 1619  zu  setzen.  (An  Salome  von  Altenau  zu  denken  ist  für  jeden,  der  Marx  Sittichs  Verhältnis  zu 
Wolf  Dietrich  kennt,  ausgeschlossen.  Eher  möglich  wäre  die  alte  Tradition,  wonach  hier  die  Geliebte  des 
Erzbischofs  Ursula  Katharina  von  Mabon,  geborene  Block  aus  Brabant,  dargestellt  wäre  [s.  Emsburg].) 

In  der  Folgezeit  war  nun  das  neuerbaute  Hellbrunn  der  Schauplatz  zahlreicher  Festlichkeiten  und 
Belustigungen. 

Stainhauser  erzählt  in  seinen  Denkwürdigkeiten  der  Regierung  Marx  Sittichs  1618  f.  281: 

Den  12.  Juli  [1618],  auf  welchen  fallen  thuet  das  Fest  der  hl.  Jungfrau  Margareth.  ist  nachmittag;  in  dem  lif.  I.ustorth 
Hellprunn  ein  ansehnliches  Gejagt  gehalten  worden,  in  welchem  ein  Beer,  ein  Stier  und  ein  böses  Pferdt  aufgeführt 
und  aneinandergehetzt  worden;  da  der  Stier  dem  Beern  etliche  guete  Stoß  geben,  den  auf  die  Hörner  genommen  und 
in  die  Hoch  geschützt,  doch  hat  sich  das  Pferdt  vor  ihnen  zum  hosten  mit  Schlagen  gewehrt.  Letztlich  ist  der  Stier 
durch  die  Jäger  mit  Spiessen  erlegt  worden. 

Der  erste  fürstliche  Gast,  der  Hellbrunn  besuchte,  dürfte  Erzherzog  Maximilian  von  Österreich,  Hoch- 
und  Deutschmeister  und  Statthalter  von  Tirol,  gewesen  sein,  der  Ende  August  1615  in  Salzburg  weilte. 
Es  gibt  zum  Nachdenken,  daß  zu  gleicher  Zeit  —  am  29.  August  —  die  hf.  Paiimaisterei-Mitverwohnien 
Santin  Sollari,  Paumeister  und  Jacob  Berger,  Pauschreiber,  an  alle  Pfleger  und  Gerichtsverwaiinlen 
des  Erzstiftes  den  Befehl  erlassen,  dass  aus  hf.  unsers  gdgsten  Fürsten  und  Herrn  Bevelch  yedweder 
seiner  Verwaltung  unverzogenlich  alle  Maurer,  da  was  Nutz  anzutreffen,  auf  kommenden  Montag  früe 
Uhrzeit  in  den  fürstl.  Thiergarten  verordnen,  wa  aber  soliche  nicht  guetwillig,  mit  Ernst  triingentlich 
verschaffen,  damit  in  die  24  gewislich  erscheinen,  doch  allzeit  umb  die  Bezahlung  (SRA  Alte  Bauakten 
V  II  1).  Aus  dem  Gerichte  Raschenberg  kamen  sechs,  aus  Tetlham-Halmberg  vier  Leute.  Die  Eile  und 
das  sonderbare  Zusammentreffen  mit  dem  Besuche  des  Erzherzogs  läßt  also  die  Vermutung  als  wohl- 
begründet erscheinen,  daß  es  sich  hier  um  den  Bau  des  „Monatschlößchens"  oder  „Waldems" 
handelt,  das  der  Sage  nach  einer  Laune  Marx  Sittichs,  einen  Herzog  (von  Bayern?)  oder  Herzogin  zu 
überraschen,  entsprungen  sein  soll.  Damit  stimmt,  daß  wir  bei  diesem  Besuche  talsächlich  von  einer 
Rückreise  des  Erzherzogs  auf  der  gleichen  Route  vernehmen.  So  fänden  also  doch  die  landläufige  Sage 
und  der  Name  —  mit  einer  gewissen  Korrektur  —  ihre  Erklärung. 
Nach  Hübner  wurden  am  31.  August  1617  vor  dem  Kurfürsten  von  Köln,  Ferdinand,  dem  bayrischen 
Herzog  Albrecht  und  dessen  Gemahlin  Mathilde,  die  von  einer  Gemsjagd  in  Berchtesgaden  kamen,  im 
steinernen  Theater  Pastorelle  aufgeführt. 

Beim  Tode  des  Erzbischofs  (1619)  war  der  Bau  Hellbrunns  so  gut  wie  beendet;  das  beweist  die  aus 
dem  Jahre  1619  stammende  Beschreibung  Stainhausers;  wir  lassen  sie  nur  so  weit  folgen,  als  sie  uns 
die  Bestimmung  oder  die  Deutung  einzelner  Räumlichkeiten  nennt  und  heute  verschwundene  Objekte 
beschreibt. 

Stainhauser  erzählt,  daß  der  Erzbischof  von  Freisaal  aus  einen  schnurgeraden  praiden  VC'eeg  zum  Reiten  und  zum  l'aren 
mehrertails  zu  paiden  Seiten  mit  Alber-  und  anderen  Fruchtpaumen  lustig  besözt  haben  machen  und  zuritsten  lassen. 
Er  beschreibt  ferner  das  Portal  am  Ende  der  Allee:  Zu  ermelten  Porten  rechten  Seiten  ist  das  T  r  a  b  a  nt  e  n  z  i  m  m  e  r, 
daran  die  Wagenhütten  stosset,  von  dannen  aus  ein  lange  schnurgeradte  gepflasterte  weite  Gassen  bis  zum  Hof  des 
Palasts  sich  erströckt,  auf  welcher  Gassen  rechten  Seiten  hinauf  gögen  dem  Platz,  die  S  ta  1 1 u  ng  zu  den  Dumelpferdteit, 
nachmals  der  Brunnen  mit  einem  Mascharagesicht,  daran  der  Reitstall  sambt  der  S  a  1 1  k  a  m  e  r,  zur  lingen  Hand 
und  Eingang  der  Porten  erstlich  das  Thorzimer,  nachmals  in  der  langen  Gassen  abwert s  der  Carbiner  Pferd 
Stallung,  darnach  auch  ain  Prun  gegen  dem  abgedachten  über,  mit  einem  Mascharagesicht,  daran  die  Fuerross- 
stallung,  ferner  die  Heu-  und  Zimerhüten,  die  Pumerantschenstuben,  der  hf.  Leibstall,  an  welche  des  Herrn  Hof- 
capelanns  und  der  Officier  Zimmer  stosset.  —  Kapelle.  Auf  selbiger  Seiten  der  Cappellen  sein  neun  Zimmer,  weicht 
von  den  Camerherrn  bewohnet  werden,  gögenüber  ist  der  Herren  Tafelstuben,  auch  daran  neun  andere  dergleicheti 
Zimmer,  darinnen  die  hf.  Truchsessen  und  Officiere  einlosiert  werden.  —  Brunnen  unter  der  Stiege,  Freitreppe,  Wappei 
und  Inschrift,  Portal. 

Im  Eintridt  des  Pallasts  ist  der  Vorsall,  alda  die  hf.  Leibquardia  der  Carbiner,  wan  Ir  hf.  Gn.  droben  sein,  db 
Wacht  halten;  auf  der  rechten  Hundt  geht  man  in  ein  Vorzimmer  mit  schönen  Spaniern  und  gemalenen  Tafeli 
geziert,  daran  stosset  ein   überlengtes  Schlafzimmer   mit   dergleichen  Spalliern    und  drey  großen   von   Olfarbei 


Schloß  Hellbrunn  169 

gemalerten  Landschaften  formirt,  von  demselben  ein  Camer  hinein  mit  einem  Camin:  gegenüber  ein  anders  mit  gleichen 
Spaniern  behengtes  Schlafzimmer,  auf  der  linggen  Seilten  an  der  Stiegen  ein  Vorzimer,  daran  ain  Schlaf- 
c  a  m  e  r,  hinein  pass  ein  überlengtes  Zimmer  mit  Spaltirn  und  vier  großen  von  Ölfarben  gemallnen  Landschaften 
formirt,  alda  auch  ein  Camin,  daran  abermals  ain  S  c  h  l  a  f  z  i  m  e  r,  die  Thürgerüst  aller  diser  Zimer  sein  von  weißen 
Undersperger  Stainen. 

Darnach  geht  man  über  ain  lange  pralle  Stiegen  von  34  roth  marmelstainenen  Staffeln,  erstlich  in  ein  Vorzimmer 
mit  roth  vergulden  Lader  tapeziert  und  drey  von  Ölfarben  künstlich  gemalenen  Taffein  geziert,  von  diesem  hinein  in 
die  Anticamera,  darinen  ein  zierlich  schöner  Ofen,  plau  und  verguldes  Löder,  in  deme  des  Erzstifts  und  Ir.  hf.  Gn. 
Wappen  mustert,  auch  ain  natürliches  Conterfet  eines  großen  Wildschweins,  1618  am  Haunsberg  erlegt.  Von  dannen 
hinein  der  Camerdiener  Zimer  mit  gleichen  Formenten.  Von  der  Antecamera  in  Irer  hf.  Gn.  Leib  z  immer 
zu  gehen  erzaigt  sich  erstlich  ein  V  o  r  s  ä  l  e  l,  darinnen  ein  zierlicher  Ofen,  überaus  schöne  Tapezereyen  von  vergulden 
Löder  mit  Rosen  und  Bildern,  vier  Quatri  oder  Stuck  von  Ölfarben  künstlich  gemalen.  Bilder  eines  Steinbockes  von 
1617,  Sonnenblume,  zwai  verwunderliche  große,  auch  alda  gewachsene  Weinplöter,  ein  1617  in  Tittmoning  gefangener 
Hausen,  ein  1616  von  Erzherzog  Leopold  verehrter  Fisch,  der  einem  Stiert  gleichet,  Hecht,  bei  der  Rheinbrücke  in  Konstanz 
gefangen.  Voigt  weiter  f.  hf.  Gn.  Schlafzimmer,  darinen  ein  wolgezierte  Pöthstatt  mit  gelb  mosierten  atlassenen 
Fürhängen  und  dergleichen  Himmel,  dabei  ein  zierliches  verfasstes  Altärl  mit  Lapis  Lazuli,  darinen  das  Vösperbild, 
welches  baiderseits  2  Engel  halten,  sehr  künstlich  von  Wax  possiert,  oben  darauf  ein  künstlich  gemalenes  Täfl,  darin 
U.  L.  Frau.  Die  Camer  ist  mit  Tapezerey  von  blau  vergulden  Löder  behangen,  darinen  auch  6  schöne  Quadri  von  Öll- 
farben:  die  Föstung,  Pallast  und  andere  darumb  ligunde  Gegent  der  Grafschaft  Hochenembs  conterfeydet :  von  dannen 
kombt  man  in  den  schönen  von  blau,  roth  und  weißen  spallierten,  märmelstainen  gepfasterten  Saal,  allerseits  künstlich 
in  die  Perspectif  und  sonst  von  großen  Pildern  gemallen  und  verguldet,  wie  auch  12  Kaiser  von  Golt  gemalen,  über  sich 
in  dem  Luft  allerlay  Vögel,  und  noch  in  den  vierOgeden  Bilder  von  Kupfer  gemalen,  auch  Ir  hf.  Gn.  Wappen  mit  disen 
Worten:  Numen  vel  dissita  iungit.  Darunder  ein  künstlich  einwerts  auf  die  Mauer  gemalene  Thür,  also  natürlich  als 
wan  es  ein  rechte  Thür  und  Eingang  in  ein  anderes  Zimer  were.  Aus  Jetzt  beschribnen  Saal  kombt  man  in  ein  a  c  h  t- 
eggetes  überkochtes  Zimer:  zu  oberist  sieht  man  ein  achteggets  Thiernlein  mit  Fenstern,  gleich  herunden  im 
Gewilk  erzaigen  sich  acht  von  Ölfarben  gemalene  Frauenpilder  und  darunder  des  hochlöbl.  Erzstifts  und  Irer  hf.  Gn. 
Wappen,  viermal  abgetaut,  pösser  herab  4  Vögl  Conterfet  als  ein  Adler,  Fasan,  Prambhen,  und  ein  Umbvogel,  her- 
under  in  den  vier  Theilen  lebensgroß  gemalene  Frauen  und  Mansbilder,  thails  Musicanten,  darbey  zu  baiden  Thalien  6, 
das  macht  In  allem  24  Säulen  mit  güldenen  Knäblein  und  Laubwerch  geziert.  Inmittels  der  vier  Thail  sein  schöne 
Gepeu  in  die  Perspectif  gemalen,  mit  etlichen  Weiblein.  Mitten  im  Zimer  steht  ein  überlengte  steinerne  Tischtafel  mit 
allerley  schönen  gefärbten  Stainen  in  weiß  Alabaster  künstlich  eingelegt,  deren  Gestöll  von  schwarz  ebenen  Holz.  — 
Von  dannen  geht  man  widerumb  zurück  in  Ir  hf.  Gn.  Schlafcamer  und  aus  derselben  in  ein  anderes  Zimer 
gegen  dem  Brunnwerk  hinaus,  so  von  grien  und  vergulden  Löder  mit  rodem  Frieswerch  tapeziert,  darinen  5  Quadri 
und  3  Conterfeth  von  Ölfarben,  aus  dlsem  kombt  man  in  ein  anders  Zimer  mit  vergulden  Löder  auf  blauen  Boden 
und  Frieswerch  von  Mannsköpfen  und  Vögeln,  7  Quadri  von  Ölfarben  künstlich  gemalen.  von  welchem  Zimer  aus  Ir 
hf.  Gn.  durch  ein  gehalmen  Seh  n  eggen  in  den  Saal  hinauf  gehen  können,  welcher  so  lang  als  das  ganz  Palatium, 
alda  man  auch  vornen  und  hindten  durch  doppelte  große  Fenster  In  die  h'ache  und  Fern  aussehen  kan.  Diser  Saal 
ist  mit  6  großen  von  Ölfarben  gemalenen  Landschaft  und  54  allerley  großer  Herren  und  Frauen  Conterfethen  geziert. 
Von  dannen  durch  obbemelten  Schneggen,  welcher  über  die  90  weiß  stainene  Stapffein  hat,  kombt  man  zu  änderest 
des  Palatii  zu  der  G  rotta  N  eptuni,  auch  in  den  fürstl.  Mundt-  und  Herrenkeller,  auch  in  die  M  u  ndtkuc  he  l. 

Es  folgt  die  Beschreibung  der  einzelnen  Grotten,  Teatrien  und  Brünen.  Neptungrotte  —  den  Ausdruck  Oermaul  kennt 
Stainhauser  noch  nicht,  er  nennt  es  ein  Mascharagesicht.  —  Dardurch  geht  man  in  ein  andere  G  rotta,  darinnen 
auf  allen  Seiten  viel  groß  und  klaine  Spiegel  artlich  versözt  zu  sechen,  welche  sonst  obenüber  von  Bildern  künstlich 
gemalen  und  verguldet.  Von  dannen  kombt  man  durch  zwo  Porten  in  ein  G  r  o  1 1  a,  welche  allenthalben  mit  Tuffstein 
und  Perlmutter,  auch  Meerschneggen  versözt  und  sonderlich  obenüber  also  künstlich  gebaut,  dass  es  scheint  als  wan 
die  Tuffstein  herabfallen  wollten.  Inmitten  der  Grotta  geht  ein  Drachen  herfär  aus  einem  Felsen.  Darbey  lässt  sich 
auch  ein  Guggu  hören  und  zween  Vögl  mit  ihren  natürlichen  Stimmen.  In  dieser  Grotta  sein  auch  allerlei .  .  Tier,  als 
Drachen,  Affen.  Steinbock  samt  einer  schön  auf  die  Mauer  gemalten  Landschaft  zu  sehen. 

Von  der  Grotta  Keptunl  gegenüber  auf  der  andern  Seiten  geht  man  in  ein  anderes  Gewölb  von  allerlay  Farben  ein- 
gelegter Stuccatorarbeith,  Opera  mosaica  genannt  in  die  R  u  i  n  e  n  g  r  o  1 1  e. 

Rechts  hinauf  vom  Palast  das  Theatrum,  darbey  auf  paiden  Seiten  zwo.  das  were  vier  .  .  .  Statua,  nemblich  in 
der  Mitten  zween  Armeinanischer  König  in  der  Miten  ein  römischer  Kaiser,  und  auf  der  Seiten  zway  Weibspilder, 
der  obgedachten  Königen  Gemahlin (!),  ober  des  Kaisers  Statua  stehet  Roma  Victri.x  und  4  Pyramides.  .  .  .  eine 
lange  Tafel,  darinnen  ein  aufgehundes  Wasser  zum  darein  setzunden  Wein  khiellen  .  .  .  zu  oberist  des  Vis  c  hw  ey  e  r 
steht  die  Statua  Fluvii.  —  Orpheusgrotte.  .  .  .  zu  seinen  Fiessen  llgt  ein  künstlich  ausgehauenes  Weibspild,  als 
wan  es  schlaffen  thete.  —  Ein  wenig  von  diser  Grotta  aufwerts  erzaigt  sich  ein  halbrundes  Platzet  mit  einem  hohen 
XI  22 


170 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


grienen  Gländer,  daran  Weinröben  gefunden,  in  der  Miten  steht  ein  stainene  S ta  tu  a  eines  Narren,  auf  den 
Seiten  seindt  zween  andere  knieende  Narren  mit  aufgerissenen  Meilern,  heraußen  auch  zween  weißsteinene  Hundt, 
unden  bass  ein  von  Stain  ausgehauener  Knab  mit  einem  Pallester  auf  die  mittlere  Statua  zihlendt,  herunden  ist  ein 
ander  stainener  Hundt  und  darbey  ein  überlengter  Weyer,  in  dessen  Mitel  ein  stainene  Statua  einer  Wasser- 
göttin zu  sechen,  aus  disen  Weyer  .  .  .  ist  ein  Wassergang  in  einen  andern  IHeineren  viereggeten  Weyer,  zu  paiden 
Seiten  stainene  T ri to  ne s. 

Von  dannen  siht  man  ein  einfallendes  Wasser,  alda  5  aufsteigende  Wasserquellen,  in  Mitten  desselben  ein  aufgehunder 
halber  Wasserspiegel,  darbey  ein  claines  duich  das  Wasser  treibundes  Hammerwerch.  zu  Endt  der  Weyer  auf  einem 
stalnen  hochen  Postament,  davor  beyderseits  Sitzstatten,  steht  die  Statua  B  acc  hi.  zu  oberst  zween  von  Staln 
gehauene  Hundt  und  d rey  Py ramides. 
Der  B  rune  n  Alte  mb  s  .  .  .  gegenüber  der  Neptungrotte  .  .  .  da  erstlich  ein  Schildkrot  umblaufend  und  Wasser  von 
sich  gebend  zusehen,  darneben  baiderseits  6  stainene  Schüßeln  mit  aufgehunden  Wasser,  in  dem  viereggeten  Weyer 
darbey  erheben  sich  2  Weyer  oder  Schroffen,  in  dem  ainen  erzaigt  sich  zu  oberist  ein  Sirena  oder  Mörfräulein, 
weliches  umblaufend  von  den  Bristen  Wasser  ausgibt,  in  dem  andern  Felsen  gegenüber  ist  ein  T  hrito  n,  welcher  auch 


Fig.  157    Hellbrunn,  Brunnen  Altembs,  Stich  von  Danreiter,  um  1735  (S.  163) 


umbgehund  auf  einer  Muschel  blasund  einen  andern  sonderbaren  Thon  von  sich  gibt  und  hören  lasset;  in  Mitte  des 
Weyers  stehen  2  ringunde  weiß  märmelstainene  T  rito  ne  s,  Wasser  aus  ihren  Meillern  ausgießundt.  Zu  Endt  merbesagten 
Weyers  stehen  2  große  stainene  Löwen,  aus  denen  ebnermaßen  Wasser  laufet,  darzwischen  erhübt  sich  ein  auf- 
gehundes  Wasser,  welches  ein  mössingene  Kugel  darein  geworfen  in  der  Höche  aufhalten  thuet.  pöser  hinauf  siht  man 
ein  durch  7  Staffel  künstliches  abfallendes  Wasser,  darbey  2  Stainpöck  von  weißen  Marmel  Ir  hf.  Gn.  Wappen 
haltend,  alda  auch  ein  Weyerl,  darinen  8  aus  dem  Boden  heraus  quellunde  Fluß,  ferner  siht  man  ain  paiderseits  zierlich 
erpautes  Tlieatrum  und  darbey  die  4  Jahreszeiten  durch  soviel  klainer  herumb  stehunde  Bilder  und  Statuas 
repraesentirt.  zu  obrist  die  Inschrift:  Quos  hie  usw.  (s.  S.  236).  Ob  dieser  Scfirlft  steht  ein  weiß  märmelsteinerne 
Statua  des  P  er  sei  in  der  ain  Handt  ein  Säbl  und  in  der  andern  der  Medusae  abgeschlagenes  Haubt  haldunt, 
umb  disen  Prunen  stehn  1  4   s  c  hö  ne   groß  e   P  ä  me  r  ä  n  t  s  c  he  n. 

ürotta  der  Veneris. 

Gleich  nach  disem  herrlichen  Brunnen  kombt  man  zu  diser  Grotta,  darinen  die  Göttin  d  e  r  Lieb,  Venus,  stehundt, 
die  aus  einem  Walfisch,  darauf  sie  mit  Füßen  tritt,  Wasser  ausgibt.  Nebenbei  ist  ein  Hafner,  in  seiner  Werkstatt  .  „  auj 
der  rcciiten  Seiten  der  Grotten  ein  Meerwunder,  welches  Perseus  zu  Erledigung  der  an  den  Felsen  angebundenen  AndrO 
iiieda  umbringt,  gegenüber  die  Fama,  auf  einer  Bosaun  blasund,  darbet  eine  Eule,  ir  natürliche  Stimme  gebend,  weichet 
alles  das  Wasser  treibt.    Vorn  heraus  ein  stainenes  Theatrum  mit  drei  Pyramides;   darin  ein  rundiertes  Wasserwerd^ 


Schloß  Hellbrunn 


171 


In  Mittel  ein  erhöhter  Wasserspiegel,  der  Ablauf  des  Wassers  geschieht  Ober  vier  Staffel   oder  Sealini.    Nebenbei  eine 

Mühle,  gegenüber  ein  Schleifer,  heriinden  baß  zwo  Schiltkrotten  und  zween  Schneggen,  welche  zwölf  Wasser  ausgeben. 

Gleich  darauf  auf  einem  erhöhten  Postament  steht  ain  weiß  märmelsteinene  S  t  at  u  a  der  Göttin  Diana  .  .  .  in  der 

Hundt  ein  Pogen  haltund. 

Herab  gegen  die  Mauer  .  .  .  ein  Wildschwein  mit  ihren  Jungen,  aller  Gestalt  und  Gtöße  wie  das  .  .  .  am  Haunsperg 

gefangene. 

Die  G  ro  1 1  a  des  Drachens. 
Gleich   hernach  kombt  man  zu  einer  offenen,  mit  Tuffstein  ausgesözten  Grotten,  darin  ein  Wasser  von  sich  gebender 
Drach  erscheint,  hierunden  bass  ist  ein  durch  das  aufspringende  Wasser  artlich  formiertes  Glas  zu  sehen. 

Brunn  der  Bu  ry  d  ic  e. 
Der  ist  mit  einem   Theatro  umbfangen.  inmittel  dessen  steht  ein  Frauenbild  der  Eurydice  .  ...  an  dem  einen  Fuß  eine 
Schlange  und  ein  Körbt  mit  Blumen  in  der  Hand  haltend  (Virgil  4to  Georgicorum).  Hervorne  .  .  .  ein  eingeschlossen  von 
sich  selbst  aufwallundes  und  durch  vier  scalini  ablaufundes  Wasser. 


Fig.  158    Hellbruiin,  Belvedere,  Stich  von  Danreiter,  um  1735  (S.  163) 


Die  G  ro  tta  des  Stainpocks. 
Mer  ein  klaine  Grotta,  darinnen  ein  Stainpock,  Wasser  von  sich  gebend,  herab  bass  die  Göttin  Pallas  mit  Schilt 
und  Lanzen. 

Die  Grotta  d  e  11'  l  d  o  l  o  oder  Abgotts. 
Erstermelter  gegenüber  kombt  man  zu  einer  grossen,  mit  vier  Türnlein  aufgefürten  Grotten  delV  Idolo  oder  zum  Abgott, 
so  darinnen  stehundt,  also  genannt,  von  Tufstain  ausgesözt,  zu  unterist  darin  ein  starcker  Schwall  von  sich  selbst  auf- 
gehundes  Wasser  über  sich  steigundt.  Aus  welicher  Grotta,  wan  man  in  die  zu  bayden  Seiten  erbautte  LustgewOlber 
komben  wil,  in  bayderseits  Andröttung  der  Staffel  soll  einer  durch  das  entgegenspringunde  Spriezwerch  paß  benözt 
werden.  Vorbemelte  Lustgäng  sein  von  schönen  Gemäll,  Tuffstain  und  von  allerlay  far\>en  eingelegten  Lasurwerch 
überaus  schön  und  wol  geziert.  Inmitten  derselben  ein  weißstainener  Apollo,  wie  er  den  M  a  rsy  a  m  Satyrum 
schindten  thuet.  Heraußen  ist  ein  Weyer,  wie  ein  Kleblat  formiert,  bey  jedem  derselben  ein  stainener  Triton  sich  befindet, 
deren  der  Obrist  aus  dem  Mundt  Wasser  von  sich  gibt. 

Der  Brunn  Mercurii. 
Weiter  kombt  man  zu  einem  Brunnwerck,  darbey  ein  Postament,  auf  welchem  Mercurius  .  .  .  stehet,  herunden  ein  ein- 
gefasstes  Wasser,  mer  sechs  Frosch,  die  Wasser  von  sich  spriezen,  in  der  Mitten  erscheint  ein   aufspringendes  Wasser, 
welches  durch  5  scaline  herabfallt,  allda  vier  Nattern,  so  kreizweiß  gegeneinen  der  Wasser  ausspriezen. 

22* 


172  Qericlitsbezirk  Salzburg 

Der  Brunn  Di anae. 

An  obbemelten  stosset  ein  anderes  Brunnwerch,  alda  auf  einem  erhöhten  Postament  eine  Göttin  .  .  .,  welche  einen  Vogel 
in  der  Hand  haltund  und  D  iana  m  andeuten  soll,  davor  ist  ein  eingefasstes  Wasser,  darvon  fünf  Wasser  aufspringen. 

Ein  anderer  Brunn. 

Alda  eine  .  .  .  sitzunde  Wassergöttin,  die  .  .  .  A  m  p  h  it  r  i  t  e,  aller  Wassergöttinnen  Muetter  sein  soll,  aus  welchen  Brunnen 
das  Wasser  von  dem  ersten  Stafel  herabfallund,  auf  den  andern  gleich  so  hoch  steiget.  Herunden  erscheinet  auch  ein 
hochaufsteigendes  Wasser,  daneben  vier  niedere  sich  erzaigen. 

Der  Brunnen  N  e  p  t  u  n  i. 

Bey  disem  steht  der  Wassergott  Neptunus,  unter  dessen  Fiiessen  ein  rundierter  Wasserschwal,  durch  einen  Walfisch 
herausspringund,  im  Brunnen  sein  zway  aufsteigunde  Wasser,  welche  durch  ein  stainene  Maschara  und  artlich  rundierten 
Schmal  herauslauft. 

•  B  r  u  n  n  s  t  u  b  e  n. 

Gleich  nach  erstbemelten  Brunnen  kombt  man  zu  einer  achtöggeten,  zierlich  aufgemauerten,  mit  5  Landschaften  von 
gemalenen  Vischweyern  (darzwischen  herunden  vier  weiß  märmelstainene  Bank  sein)  gezierten  Brunnstuben,  welche 
oben  geöffnet,  darin  Speißsälbmling  enthalten  werden,  allda  in  einer  Nischia  auf  einen  stainen  Postament  ain  Wasser- 
göttin, einen  Buschen  Mosskolben  in  Menden  haltund,  steht. 
Von  obbemelter  Brunnstuben  geht  man  zu  einem  schön  aufgemauerten  achteggeten  Lusthaus,  welches  mit  einem 
zierlichen  Dach  bedeckt,  inwendig  hipsch  gemalen  ist,  alda  gleichfals  auf  einem  stainen  Postament  ein  weiß 
märmelsteinernes  Weibspilt  die  Göttin  Flo  r  a  m  zusechen.  In  dieses  Orth  nach  innen  gegebnem  Zeichen  oder  Klopfen 
versamblen  sich  die  schöne  große  Speisförchen,  deren  ein  merkliche  Anzal  in  dem  Weyer  darbey  eingesözt  sein,  dass 
man  dieselbigen,  wann  es  regnet,  unter  dem  lach,  wovern  aber  schön  Wetter,  auf  dem  Gang  heraus  mit  höchstem  Lust 
abspeisen  kann. 

Durch  die  negste  Porten  und  den  Thiergarten  zu  dem  LustschlOssl  Belv  edere  .  .  .  Ain  guete  Viertl-Stundt  von  dem 
Palast  Hclleprunn  in  dem  Thiergarten,  welcher  mit  einer  absonderlichen  kochen  Mauer  sambt  dem  darin  stehunden 
schönen  und  ganz  gelegsamen  Berg  ein  sehr  große  Weiten  umbfangen,  erzaigt  sich  der  zwar  claine,  doch  überaus 
lustige  Palast  Belvedere,  also  genant  von  dem  herrlichen  schönen  Aussechen,  auf  den  schif reichen  Fluß  die 
Salzach,  auf  einer  Hoch  erpaut,  wann  man  aber  über  die  Stiegen  hinauf  kombt,  ist  im  Eingang  der  Porten  der  Keller, 
die  Silbercamer,  das  Speisgewölb  und  die  Kuechen;  darnach  geht  man  über  ein  abgesetzte  märmelsteinerne  Stiegen, 
dergleichen  auf  der  andern  Seiten  auch  aine  ist,  in  ein  Vorheisl,  dardurch  man  in  das  fierstliche  Zimer  geht,  weliclies 
mit  allerley  schönen  Landtafeln,  Conterfehten  und  Stätten  gezieret,  da  ein  Pergola  oder  Gang,  darauf  man  auf-  und 
abwerts  sehr  weit  aussechen  kan,  auf  Anif,  Rif.  Hallein,  Sant  Martensperg  (verschrieben  statt  Dürrenberg  [?])  dreymeil- 
wegs,  gegenüber  auf  das  Schloß  Golnstain  und  abwerts  die  ganze  Gegent  auf  Salzburg,  das  frstl.  Haubtschloss  und 
noch  weiter.  An  dises  Zimer  stosset  hf.  Gnaden  Schlafcamer,  welche  gleicliermaßen  mit  Landschaften,  Conter- 
fethen  und  einem  stattlichen  Böth  formiert  ist. 

Von  dem  Belvedere  herab  kombt  man  zu  den  scheuen  andechtigen  C  a  pe  lle  n  und  Eremitoriis.  Erstlich 
bey  dem  Eingang  hat  es  alenthalben  ein  gute  Weiten  herumb,  von  einem  Orth  zu  dem  andern,  zierlich  zuegerichte 
Gang,  auch  von  allerlay  Stauden  schön  gemachte  Bögen  und  in  den  Eggen  bei  den  aufgerichten  Creizen  und  sonst 
underwegen  bey  den  Durchgengen  gehalte  Sitzstatten  mit  clainen  Pämblein  und  Staudach  also  accomodirt,  dos  es 
ainer  lustigen  Wildnus  und  ainsidlischen  Orth  allerdings  gleichet.  Erstlich  zwar  kombt  man  zu  der  fiernembsten  und 
Haubtcapellen,  welche  alle  gemauert,  ein  rechte  Clausur  und  verschlossen  ist,  zu  S.  Francisco  genant,  wie  dan  der 
darinen  stehunde  und  wohlgezierte  Altar,  in  dessen  Mitl  die  Piltnus  besagten  Heiligen  Francisci  gemalen,  solches 
anzaigt.  Neben  der  Capellen  ist  auf  der  ainen  Seiten  ain  Wohnzellen  oder  Zimerl,  auf  der  andern  ein  Schlafcamerl; 
in  dieser  Capellen  kan  man  Möß  lesen  und  wird  darinnen  oft  celebriert,  wie  dan  auch  ein  Gloggen  darbey  zur  Möss 
zu  leiten,  zu  welicher  wie  gleichfahls  zu  den  andern  sechs  gemauerten  hernach  beschribnen  Capellen  haben  damals 
regierende  päbstlich  Heiligkeit  Paulus  V.  ein  genadenreichen  Ablass  ertailt,  vermig  des  bey  diser  S.  Francisci  hangunden 
lateinischen  Breve:  Paulus  papa  V.  Omnibus  Christi  fidelibus  qui  eremitorium  s.  Francisci  et  sex  capellas  prope  dictum 
existentes  loci  de  Hellebrunn  nuncupati  Salisb.  dioc.  singulis  diebus  festis  de  praecepto  ac  consuetudine  ac  singulis 
sextis  feriis  et  sabbatiis  cuiuslibet  hebdomatis  visitaverint  et  ibi  pro  Christianorum  principum  concordia,  haeresum 
cxtirpatione  ac  sanctae  matris  ecclesiae  exaltatione  pias  ad  Deum  preces  effuderint,  quo  die  praedictorum  id  egerini, 
tres  annos  et  totidem  quadragenas  de  iniunctis  eis  seu  alias  quomodolibet  debitis  poenitentiis  in  forma  ecclesiae  con- 
i:ueta  relaxat.  Datae  Romae  apud  s.  Mariam  Majorem  sub  annulo  piscatoris  die  21.  Martii  anno  1618  pontificatus 
sui  anno  decimo  quarto.  S.  Cardinalis  S.  Susannae. 
Bey  obbeschribner  Clausur  S.  Francisci  ist  ein  grosser  hineingefiegter  und  in  die  Salzach  ausrinnender  Fluß  oder 
Pach,  lauiers  Prunenwasser,  fischreich  von  Asch  und  Ferchen,  darinen  ein  Insl  mit  Wasser  umbgeben,  in  Mitl  deren 
das  K'l  nigl ha  US,  welche  darinnen  ein  große  Anzahl  sein  und  ausziechen.     Von  S.  Francisco  aus  kombt  man  aber- 

\: 


Schloß  Hellbrunn  173 

mal  durch  einen  zierlich  gemachten  Gang  zu  dem  ersten  aufgerichten  Greiz,  daran  ein  Kölich  mit  diser  Schrift: 
Pater  si  fieri  potest,  transeat  a  me  calix  iste.  Darbey  die  erste  gemauerte  C  ap  eilen.  Das  Mitistuck  ain  Cappellen 
im  Altar  ist  Christus  der  Herr  am  Ölberg  bittund.  Darnach  kombt  man  zu  dem  Eremito  rio  des  hl.  Pauli, 
ersten  Ainsidls,  da  er  in  ainer  stainern  Höll,  Mansgröß,  in  Gestalt  eines  rechten  Eremiten  andechtig  sitzt  und  ihme 
der  Rah  ein  Prot  bringt,  darbey  in  ainer  Da  fei  die  lateinische  Fersus  zu  lesen: 

Tempore  quo  Decii  servebat  Suva  tyrannis 

^Christicolas  diris  pressit  acerba  malis 
Territus  his  fugiens  Thebaide  Paulus  eremum 

Intrat  et  a  corvo  pabula  grata  capit. 
Das  ist  zu  deitsch: 

Als  Decius  verfolget  hart  Sein  Speis  war  vierzig  Jahr  allain 

Die  Christen,  Paulus  fliehen  wart  Von  Tadtlen  bis  auf  sechzig  Jahr 

Aus  der  Landschaft  Thebaida  Ein  Rab  ihm  teglich  bringen  war 

In  einen  großen  Wald  und  wohnet  da      Ein  halbes  Prot;  kniend  im  Gebet 
Hoch  auf  einem  Perg  im  Hollenstain      Er  seinen  Geist  aufgeben  thet. 
Alda  ist  auch  ein  schön  fliessendes  Wasser,  und  umb  den  hl.  Paulum  allerlay  Vögel. 

Zu  negst  darbey  steht  ain  hilzene  Cap eilen  und  Altar,  dessen  Mitistuck,  wie  Judas  Christum  den  Herrn  küsset  und 
ihn  die  Juden  gefangen  haben:  bey  obbesagtem  S.Pauli  Eremitorio  ist  mer  ain  Greiz,  daran  zwo  Hendt  mit  diser 
Schrift:  Circumveniamus  iustum,  quia  est  contrarius  operibus  nostris.  Nicht  weit  darvon  steht  ein  anderes  Greiz 
mit  den  30  Silberling  und  volgunder  Schrift:  Cum  gladiis  et  fustibus  exirunt  tamquam  ad  latrones.  Über  ein  Stiegt 
aufwerts  kombt  man  zu  einem  gemaurten  Eremitorio,  da  in  einer  Grotta  ain  Eremit  ligundt  liset,  darbey  ein  Dafel  hangund: 

Exuit  Arnulphus  mitram  clerumque  Metensem 

Deserit  et  missit  Omnibus  antra  subit 

Fungitur  hie  Christo  cunctis  dat  verba  sautis 

Inque  crucis  signo  plurima  mira  facit. 
Das  ist  zu  deitsch: 

Arnulfus  hat  den  Bischofshuet  Im  Christenglauben  viel  erbauth. 

Die  Clerisey  und  alles  Guet  Dan  viel  von  ihm  han  gehört 

Zu  Meton  hinterlassen  gar  Lehrhaffte  und  heilsame  Wort 

Und  in  ein  Höllein  zochen  war.  Viel  Wunderzaichen  er  bedacht 

Da  er  sich  Christum  ganz  vertraut  Durch  das  Greiz  Christi  hat  verbracht. 

Von  dannen  abwerts  steht  mehr  ein  Greiz,  darauf  der  Hann  und  Judaskopf,  darunder  geschrieben:  Amicus  meus 
osculi  me  tradit  signo.  Darbey  die  ander  Gapellen  gemauert  ist  und  der  Altar  darinnen  das  Mitistuck  die  Abnemung 
Christi  vom  Greiz  sambt  einem  darbey  stehunden  Eremitorio,  darinnen  ein  betunder  Ainsidl  und  dise  Schrift: 

Rex  Daniae  patrem  matrem  sponsamque  Sebaldus 

Deserit  et  peregre  sie  ut  Alexius  abit 

Seque  aliud  pluviis  radicibus  herbis 

Pro  regno  gaudens  se  reperisse  Deum. 
Das  ist  zu  deitsch: 

Sebaldus  König  in  Dennenmark  Bey  Niermwerg  einen  Wald  bekombte 

Hat  Christum  eingebildet  so  stark  Der  in  bedunket  sein  bequemb 

Dass  er  verlassen  den  Vater  sein  Deswegen  plibe  er  in  dem 

Die  Mueter  und  sein  Braut  allain  Gott  darinnen  dienend  Tag  und  Nacht 

Und  fleucht  in  ferne  frembde  Land  Mit  Beten,  Fasten,  in  Andacht. 

Darbey   der  Bruedern    Antonii   Q  u  int  i,   welcher  ein  Italianer  alda  ein  eremitisches  Loben  fieret,  Wohnung  oder 

Zellen,  nemblich  ein  claines  Stibl,  Kamerl  und  Küchel  zu  sechen,  der  wardt  von  Hof  aus  underhalten.    Ein  zim- 

liclies  Weg  aufwerts  ist  abermalen  ein   aufgerichtes  Greiz  zu  sechen,  daran  Christi  Haubt  mit  verbundenen  Augen 

und  zween  Judasköpfen,  darunter  dise  Schrift:   Dabit  persecutientibus  se  masillam  replebitur  opprobriis.     Von  dannen 

paß  aufwerts  kombt  man  zu  einem  anderen  Greiz  mit  dem  Rock  des  Herrn:    Vide  domine  et  considera,  quoniam  facta 

sum  vilis.     Über  etliche  Staffel  weiter  über  sich  erzaigt  sich  ein  gemauertes  E r e  m  it  o  r  iu  m,  darinnen  einer  auf  den 

Knien  betunder  und  durch  ein  Loch  als  ein  Fenster  in  die  nechst  daran  stossende  Capellen  sechunder  Ainsidl.  darbey 

ein  Tafel  mit  Carminibus :  ,         ....  o     ^     ^     • 

Imperu  victus  rex  Suata  Copius  armis 

Sambri  ad  radices  exuit  arma  vigi 

Mutavit  regnum  sed  vir  non  perdidit  illud 

Ecce  sibi  ecce  feris  imperat  ecce  potis. 


174  Oerichtsbezirk  Salzburg 

Das  ist  zu  deitsch: 

Suata  Copius  überwunden  Ihm  da  ein  Wildnus  auserkies 

Von  Reich  nit  wollte  sein  gebunden  Da  er  andechtig  dienet  Gott 

Kein  König  auch  nit  sein  genennt  Befalch  sich  dem  in  seiner  Noth 

Sein  Herz  deswegen  anders  wendt  War  froh,  dass  er  hat  zu  den  Stunden 

Die  Waffen  am  Perg  Sambri  ließ  Für  sein  Reich  Jesum  Christum  funden. 

Neben  im  ligt  ein  artlich  formierter  Beer  und  Low,  anzudeiten,  dass  diesem  königlichen  Eremiten  seiner  Heiligkeit  wögen 
alle  wilde  Thier  sein  gehorsam  gewesen.  In  deren  an  dises  Eremitorium  stossendt  gemauerter  dritten  Capellen  steht 
ein  Altar,  darinnen  die  Gaißlung  Christi  des  Herrn  gemalen.  Gleich  darvor  steht  ain  Greiz  mit  der  Gaißl  und  Kötten, 
darbey  geschrieben:  Sine  causa  flagellis  caeciderunt  me. 

Über  ain  Stiegen  von  zwölf  stainen  Staffeln  geht  man  weiter  aufwerts  zu  der  vierten  gemauerten  Capellen, 
vor  deren  heraussen  ein  Vorschopf  die  Figur  im  Altar  ist  Christus  am  Greiz,  darbey  Maria  und  Johannes,  auch  Maria 
Magdalena,  das  Kreuz  umbschließend.  Ausser  besagten  Capellen  steht  ein  Greiz  mit  2  eisernen  Handschuechen  und 
der  Dörnencron,  darbey:  Plectentes  coronam  de  spinis  posuerunt  super  caput  eius.  Über  ein  stainen  Stiegen  abwerts 
kombt  man  zu  einem  Paumb,  an  dem  die  Saul  der  Gaislung,  das  Rohr  der  Grönung  und  ein  Windliecht  zu  sechen. 
Gleich  darbey  steht  ain  Greiz,  darauf  das  Handpöck,  Schisset.  Hamer  und  Zang  mit  diser  Schrift:  Innocens  sum  de 
sanguine  iusti  huius.  Ferner  etlich  Staffeln  abwerts  ist  in  ainem  Felsen  ein  knieender  Ainsidl  darbey  ein  Grotta,  in 
deren  auch  ein  bettunder  Eremit  zu  sechen.  Über  18  hillizene  Staffel  aufwärts  kombt  man  zu  einem  Greiz,  daran  das 
Schweißtuech  Christi,  ihm  von  der  Veronica  dargereicht,  darunter  also  geschrieben:  Attendite  et  videte  si  est  dolor 
sicut  dolor  meus.  Gleich  gegenüber  steht  ein  anders  Greiz,  daran  3  Wllrffel,  darunder:  Et  super  vestem  meam  mise- 
runt  sortem.  Darbey  die  finfte  gemauerte  Capellen  mit  einem  hilzen  Vorschopf,  des  darinnen  stehunden  Altars  Mittel- 
stuck ist  die  Auferstehung  Christi,  darhinder  sihet  man  ein  allenthalben  von  zierlichen  Landschaften,  Wildnussen  und 
und  mehrlay  Ainsidlern  schön  gemallenes  Eremitorium  auf  den  fürüberrinnunden  Pach  hinaus  respondierundt,  alda 
man  umb  die  Gapellen  auf  einem  gepflasterten  und  bedeckten  Gang  gehen  kann.  Abwerts  pass  ist  ein  Greiz,  daran 
die  Leiter  mit  volgunder  Schrift:  Videbunt  in  quem  transfixerunt.  Darundter  im  Wasser  steht  ein  schöne  hoche  rot 
marmelstainerne  Marterseil. 

Nachmals  kombt  man  zum  Greiz  mit  dem  Sper  und  Schwammen,  darunter  also  geschriben:  Et  terribilibus  oculis  plaga 
percitientes  aceto  potabant  me.  Nicht  weit  darvon  steht  ein  anders  Greiz,  daran  die  verwunde  Hendt,  Fieß  und  Herz 
Christi  mit  der  Schrift  zu  sechen:  Insurrexerunt  in  me  viri  absque  misericordia.  Darbey  steht  die  sechst  und  löste 
Gapellen,  in  deren  Altar  die  siben  Schmerzen  U.  L.  Frau  gemallen.  Zunegst  darbey  ist  ein  Eremitorium  und  auf  der 
Erden  ein  ganzer  wilder  Ainsidl  kriechundt,  darbey  ein  Tafel 

Demone  quam  salvit  castivox  aute  puellam 

Hanc  violans  mactat  mox  Joannis  amor 
In  specubus  tandem  solvens  pro  crimine  panes 

Est  venatori  serpere  visus  humi. 

Das  ist  zu  deitsch: 

Johann  Gerin  thet  einsam  leben  Am  Jungfrau  thet  lieb  gewinnen 

Und  all  sein  Thun  war  Gott  ergeben  Die  der  vor  hett  zu  Gott  bekehrt 

Das  kundt  der  Teifel  leiden  nicht  Hernach  aber  greilich  ermördt 

Derhalben  listigen  Weis  anrieht  Erwöckts  doch  wieder  von  dem  Todt 

Dass  er  nach  des  Fleisches  Lust  und  Sinnen  Auf  strenge  Bueß  und  Bitt  zu  Gott. 

Von  disem  Ainsidl  Joannes  thuet  ausfierlich  Meldung  die  zu  Manchen  teitsch  gedruckt  Historia  montis  Serrati  in 
Hispania.    Und  damit  enden  sich  also  die  Gapellen  und  Eremitoria. 

Der  Thi ergarten  hat  ein  verwunderliche  große  Weiten  und  ist  alles  mit  einer  hochen  Mauer,  damit  das  Witt  nit 
ausspringen  mag,  umbfangen.  Darinnen  befinden  sich  das  Rotwildpräts  und  der  Döntl  der  Zeit  über  100  Stuck,  auch 
ein  Staingaiß,  welche  alle  sowol  auf  dem  darinen  stehunden  hierzu  ganz  beqiiemben  Berg  und  Wäldlein  als  herunden 
auf  der  Ebne  schöne  lustige  Gestreißl,  ihr  guete  Waid  und  Unterkamen  haben:  neben  einem  groß  hilzernen  Haus  und 
anderen  erhaischunden  Gelegenhaiten  darzue  ist  ein  aigner  Jäger  bestell,  der  darauf  sein  Obacht  hat  und  des  Gewilts 
pflegt,  welcher  alda  sein  aigne  Behausung  hat.  Das  Wildt  und  die  Döntl  sein  fast  heimisch,  dass  sie  die  Leut  nit 
sonderlich  scheichen  (denn  sie  werden  gejagt)  welche  ein  herrliche  Lust  zu  sechen  ist.  Wan  Potentaten  und  Fürsten- 
persohnen  den  Thiergarten  und  Hellebrunn  zu  besichtigen  hinaufkommen,  pflegen  denselben  Ir  hf.  Gnaden  zu  sondern 
Ehren  und  Belustigung  ein  Gejagt  anzustellen  und  zuverwilligen,  dass  sie  etliche  Stuck  schießen  und  föllen  mögen.  Es 
haben  zwar  Ir  hf.  Gn.  darinnen  auch  vor  disem  einen  großen  Stainpock  gehabt,  welcher  jedoch  als  droben  vermeldet, 
weil  er  die  Hiiz  nit  erleiden  mögen,  in  wenig  Tagen  todt  blieben.  In  gleichen  haben  sie  ein  zimliche  Anzall  Gämsen 
hineinthuen  lassen,  welche  aber  das  Orth  auch  nit  erdulten  wollen. 


Schloß  Hellbrunn 


175 


Theatriitn  des  Bergs.  Auf  lezt  vermeltem  Perg  des  Thiergartens  ist  in  Sonderhait  auch  wol  zu  besichtigen  das 
in  den  Fölsen  ausgehauene  und  artlich  accomodierte  schön  und  große  Theatrum,  welches  mit  sondern  Fleiß  und 
Kunst  also  durchbrochen  und  zu  Agierung  der  Pastoralen  zuegerichtet,  dass  die  Personen  überall  aus  den  Fölsen 
artlich  herfllrkomen,  darob  sich  die  Auditores  und  Zuehörer  n'it  wenig  verwundern,  wie  dan  Ir  hf.  Gn.  etlichmal  und 
sonderlich  in  Gegenwertigkeit  fürstlicher  Personen  solche  Pastoral  haben  agirn  lassen,  welche  neben  der  Ver- 
wunderung einem  herrlichen  Lust  empfangen  und  dises  Werk  sonderlich  hoch  gelobt  haben. 

W  aide  mb  s.  Wenn  man  von  jetzt  beschribnen  Theatro  den  Berg  hinauf  gegen  Hellbrunn  werts  herabkombt.  erzaigt 
sich  gleich  zu  Endt,  doch  auf  der  tiöche  des  Bergs  ein  zierlich  schön  erpautes  Palatium  W  aldemb  s,  genannt 
von  seinem  abgelegnen  Sitz  gegen  dem  Wald  zue,  darvon  man  alles  Geben  und  Gelegenheit  des  ganzen  Hellbrunns, 
auch  sonst  weit  und  breit  aussechen  kann.  Der  Eingang  dessen  ist  vom  Wald,  hat  ein  gepflastertes  Vorhöfel,  auf  der 
Rechten  desselben  geht  man  in  der  Edlknaben  und  Camerdienerdiernitz  und  die  Silbercamer,  gegenüber  auf  der  linggen 
Handt  in  die  Kuechl  und  GOrgaden,  dannen  hinein  ist  das  Vorhaus,  dardurch  man  in  den  Keller  hinab  kombt,  darnach 
in  das  Tafelzimcr,  so  zu   beiden  Seiten  Cämer  hat.     Über  ein  abgesözte  Stiegen  von  22  weißstainen  Staffeln  erzaigt 


Fig.  159    Hellbrunn,  Lustgarten  am  großen  Weiher  mit  Vedute  auf  Goldenstein, 
Stich  von  Danreiter,  um  1735  (S.  163) 


sich  ein  Vorhaus  und  hinein  Ir  hf.  Gn.  Zimer  und  Schlafcamer  sambt  einer  Nebencamer,  gegenüber  ein  andere  Camer 
und  von  dem  Zimer  hinaus  ist  ein  schöne  Pergola  zum  Aussechen.  Über  ein  andere  von  24  weißstainen  Staffeln  ab- 
gesözte Stiegen  kombt  man  erstlich  in  ein  Vorhaus,  darinnen  vier  ausgesözte  Fenster  gegen  dem  Wald,  weiter  hinein 
ist  der  überlengte  schöne  Saal,  darinnen  von  Landschaften  künstlich  von  Ölfarben  gemalen,  allerlay  Conterfeth  und 
Stött  zu  Sechen,  von  diesem  Saal  hinaus  geht  man  in  Ir  hf.  Gn.  Studivolo  oder  Schreibstübl. 

Vogelhaus.  An  den  stattlichen  Pallast  Hellebrun  stosset  auch  das  grosse  Vogelhaus,  darinnen  derzeit  allain 
Turteltauben  und  allerlay  andere  klaine  Vögel  enthalten  werden.  Darbey  ist  des  G  ä  rtle  rs  Behausung.  Kit 
weit  davon  steht  ein  schön  örlenswäldlein.  darinnen  zween  Süz,  alda  halten  sich  zween  Kränich  auf,  deren  ainer,  wan 
man  ime  vorpfeift,  artlich  danzen  und  lustige  Spring  thuet.  Es  ist  auch  im  großen  Hof  des  Palasts  bey  dem  Berg  ain 
Stainadler  zu  sechen.  Mer  von  bemeltem  Vogelhaus  hindan  ist  ein  Pach,  darinnen  19  Tärggische,  8  Indianische  und 
zwo  viergefliglete  Anten  umbschwimben.  Alda  sein  auch  in  die  Tausent  Schildkröten  und  ein  großer  Umbvogel  oder 
Löffelgans.    Mer  sein  alda  drey  Storchen,  8  Wildänden  und  zween  große  Schwannen. 

Fasannengarten.  Der  ist  mit  einer  hochen  weiten  Mauer  umbfangen,  darinnen  über  die  Hundert  Stuck  Fasanen 
und  drey  Stainhuener  ihr  Underkomen  haben.  In  der  Mitten  desselben  steht  auf  einem  weiß  märmelstainen  Postament 
von  dergleichen  Stain  ausgehauen  die  Jäger-  und  waidtmanische  Göttin  Diana  mit  ihrem  Schweinspieß  und  bey 
sich  habundten  Hund.    Darbey  steht  auch  das  Fasanenhaus,  darinnen  die  Fasanen  Winterszeiten  enthalten  werden 


176  Gerichtsbezirk  Salzburg 

haben  herander  ir  aigne  Stuben,  ober  derselben  hat  der  Fasanenwarter  sein  Losament.  Zu  oberist  aber  ist  das  Taubenhaus. 
Darbey  auch  an  zwayen  Orten  der  alten  und  jungen  Meerfäckel  Heisl  oder  Stättlein,  darein  ein  grosse  Anzahl  alda  ist. 
Beschreibung  der  Lust-  und  andern  Gärten  und  Vischweyer. 

Erstlich  von  dem  Palast  Hellebrunn  ausgehundt  kombl  man  in  ein  schönen  grossen  Paumgarten  mit  allen  gueten 
und  herrlichen  Fruchtpaumen  erfillet,  daran  stossen  zway  Gärtlein  von  Türggischen  Erdtpören,  darinnen  zween  grosse 
von  weissen  Marmelstain  gehauene  Py  ramides  stehn.  Volgen  zween  gegen  einander  überstehende  zierlich 
gemachte  Irrgärten.  Gegen  dem  ainen  aber  der  Rosengarten.  Weiter  hinfür  sein  vier  große  Thail  oder  Stuck 
von  allerley  schönen  und  vil  frembden  Blumenwerch,  auch  andern  Gewächs  erfüllet;  die  werden  mit  einem  großen 
Weyer,  darinen  allerlay  sonderlich  aber  ganz  rote  Visch,  Nerfling  genant,  sich  enthalten,  umbgeben. 
Umb  solichen  und  hernach  stehunden  Lustgarten  ist  aussen  herumb  ein  schöne  hoche  Mauer  aufgeführt,  die  allent- 
halben mit  gueten  und  fruchtbaren  Weinreben  besötzt,  in  deren  zierliche  Bilder  gemalen,  darinnen  ist  auch  eingeschlossen 
der  Ka  rpfe  nw  ey  e  r.  Darbey  zway  clainere  als  die  obberrierten  und  gegenüber  auch  zway  dergleichen  Gartenstuck 
von  allerley  schönen  und  auslendischen  setzamen  Bluemenwerk.  Gewächs  und  mehrerley  wällischen  Fruchtpaumen 
verziert  zu  sechen. 

In  Mitten  des  großen  Weyers  kombt  man  durch  eine  zierliche  von  Holz  gemachte  und  rot  angestrichene  Stiegen,  der- 
gleichen auch  aine  gegenüber  ist,  in  ain  schönen  vierfach  abgetauten  Lustgarten  mit  allerley  selzamen  Bluemenwerch 
und  wellischen  Fruchtpamen  erfilt,  in  den  Innern  vier  Dryangeln  sieht  man  erstlich  einen  von  Buechspaumb  gemachten 
römischen  Adler,  nachmals  Irer  hf.  Gn.  dritens  eines  hw.  Thuembcapitls  Wappen  und  im  vierten  ein  Sunuhr.  Ferner 
steigt  man  auf  einer  zweimal  abgesetzten  stainen  Stiegen  von  29  Staffeln,  dergleichen  es  gegenüber  auch  eine  hat 
(und  man  in  den  Absetzen  umb  und  umb  gehen  kan)  zu  einem  schönen  Lusthaus  hinauf,  alda  man  in  die  Gärten  und 
Weyer  schön  Übersechen  kan.  Herunden  pas  im  Absatz  von  den  Stiegen  hinumb  kombt  man  zu  zwo  stainen 
AI  t  ha  n  e  n  mit  weiß  märmelstainen  Stollen  geziert,  ander  der  zwo  Grotten,  in  denen  zwen  stainene  Zwergen  aus 
einer  Muschel  Wasser  in  ein  weiß  märmelstainen  Schallen  von  sich  gebundt.  Darbey  auch  zwo  dergleichen  Sitzpenk 
für  die  Rastunden  zu  finden. 

Ausserhalb  des  Lustgartens  an  die  Mauer  stosset  der  Kuchelgarten.  So  hat  es  auch  hinter  der  Camerherrn 
Tafelzimer  zway  Feigenheiser,  darinnen  schöne  grosse  und  fruchtbare  Feigenpaum  zu  sechen.  Schließlich  ist 
ebenmessig  in  disem  fstl.  Lustorth  Hellebrunn  hinder  dem  Thumelstall  auch  ein  Thumbelplatz,  alda  man  die 
Pferdt  bereithen  und  abrichten  kann,  alda  auch  die  Schieß  hätte  n  zum  Armbrost,  und  die  Ringlrennstatt 
ist,  also  dass  diser  fstl.  Lustorth  Helleprunn  mit  allen  desselben  jetzt  beschriebenen  Gelegenheiten  ein  soliche  Weiten  in 
sich  begreifet,  dass  einer  zu  Fueß,  wan  er  außerhalb  der  Mauer  denselben  umbspazieren  wil,  ein  guete  lange  Stundt 
genug  zu  thun  hat. 

Nach   dem  Tode   des   Erzbischofs   Marx  Sittich  (9.  Oktober  1619)  dekretierte  das  sedevakantregierende 

Domkapitel :   Sovil  die  Paumeisterel  anbelangt,  solle  derselben  das  Gebeu  in  Hellprunn  außer  der  Grotta 

(wahrscheinlich    die    sog.    Götzengrotte   mit   der   Gruppe    des   Apollo    und    Marsyas)   so  noch   vollendet 

werden  solle,  einzustellen  anbevolhen  werden.  (Protokoll  f.  131.) 

1628  sah  das  Lustschloß  abermals  illustre  Gäste.    Am  8.  Juni  führte  Erzbischof  Paris  Graf  Lodron  (1619 

bis    1653)   den   mit  5  Pagen  und  9  Kammerdienern  10  Tage  lang  in  Salzburg  anwesenden  Großherzog 

Ferdinand   II.   von  Toskana   sowie   die  Prinzen  Johann  Karl   und   de  Venosa   nach  Hellbrunn  {Fontana 

chiara,  deutsch  Albrun). 

Die  Berichterstatterin  der  Reise,  Margherita  Costa  (fstoria  del  viaggio  d'Alemagna  del  .  .  duca  di  Toscana 

Ferdinando  secundo.  Venezia  1628  pag.  269 ff.)  schildert  den  Lustort  und  die  Feierlichkeiten  dortselbst 

wie  folgt: 

Villa  e  un  chiuso  che  gira  intorno  a  sei  miglia  compresovi  il  bosco  degl'  animali  salvatichi  e  pianura  tutta,  eccettuamente  un 
monte,  che  vista  per  tutto  isolato,  da  ogni  banda  vestito  d'alberi  con  belli  viali.  Per  il  quäle  sino  alla  sominitä  ä  si  puö 
andare  in  carozza.  Giunti  in  detto  luogo  s'andö  a  piedi  a  vedere  una  parte  del  monte,  dove  sono  diversi  tabernacoli, 
distanti  l'uno  dall'altro  un  tirar  di  mano  in  forma  di  tanti  romitorii  e  nella  maggior  parte  di  essi  erano  figure  al  naturale  di 
terra  cotta,  vestiti  da  romiti,  che  facevano  diversi  esercitii  spirituali  e  rendeva  in  somma  tutto  il  luogo  gran  devozione 
rnassime,  che  di  quando  in  quando  si  trovavano  affisi  ä  pedali  de  gl'aberi  diversi  misterii  di  passione  con  motti  sacri 
e  spesso  ä  canto  alli  detti  romitorii  si  trovavano  fontione  con  peschiere  .  .  .  .  e  nello  scendere  il  monte  e  per  la  pianura  si 
veddero  molti  branchi  di  daini  e  di  cervi. 

Ilpalazzo.c.e  molto  vago  e  depinto  in  gran  parte  dentro  nelle  volte  con  scacchi  anche  indorati.  —  Hier  wurde  Tafel 
gehalten.  —  In  seggiole  tutte  eguali  ed  al  solito  in  argenteria  dorata.  II  S(ua)  A(ltezza)  si  lavö  solo  il  primo  conforme 
all'  altru  volte  se  bene  invitö  l'arcivescovo  a  lavarsi.  Hierauf  wurde  der  Berg  besichtigt:  e  vi  si  trovö  una  cosa  inaspettata, 
cioe  vicino  alla  sommitä  del  monte  un  anfiteatro  fatto  dalla  natura  dentro  al  sasso  e  ridotto   poi  dall'  arte  in  forma  di 


Schloß  Hellbrunn  177 

scena  capace,  che  vi  potrebbono  Stare  4000  persone.  Vi  s'  entrava  per  una  buca  come  di  caverna  ed  il  lume  veniva  dalla 
parte  di  sopra  cioe  da  una  grand'  apertura  fatta  pur  nel  sasso  che  rispondeva  nella  sommitä  del  monte.  In  diesem  steinernen 
Theater  hatte  nun  der  Erzbiscliof  eine  Vorstellung  vorbereitet:  „Magdalena,  die  Sünderin".  Magdalena,  in  lüsternen  Kleidern, 
erscheint,  der  Teufel  lauert  auf  sie,  aber  der  Schutzengel  hält  ihn  ab,  ed  intanto  uscendo  fuora  un  romito  la  converti  ed 
ella  spogliandosi  gl'  ornamenti  e  scapigliata  cacciö  via  gl'  anioretti  e  1'  angelo  messoseli  piü  d'apresso  fece  del  tutto  allontanare 
il  diavolo,  che  si  rimasto  solo  in  scena  e  raccoglier  le  spoglie  fu  da  Plotono,  che  usci  fuora  attorniato  da  gran  quantitä 
d'  altri  diavoli,  condennato  a  piü  gran  supplicii  per  l'essor  comesso  inhavere  lasciata  convertire  Madalena  e  quivi  fii  incate- 
nato  .  .  non  li  valendo  ragioni  che  adduceva  in  sua  scusa  ed  una  schiera  d'  angeli,  che  comparse  resonando  e  cantando  per 
l'uUegrezza  di  tal  conversione  dette  fine  alla  rapprensentazione.  —  Sua  A.  volse  vcdere  dentro  la  scena,  e  si  trovorno  altre 
stanzette  cavate  nel  sasso  per  commoditä  della  scena  con  una  riuscita  dell'  altra  parte  del  monte  fatta  ä  forza  di  scarbello  per 
servizio  della  scena. 

Si  calö  poi  il  monte  da  quella  parte,  dov'  e  situato  un  p  a  1  a  z  e  1 1  o,  il  quäle  finisce  d'  adornare  il  monte  e  si  venne  al 
piano  nel  domestico  ä  vedere  le  peschieri,  1'  uccelliere,  le  fonti,  i  viali  coperti,  i  labirinti,  i  spartimenti  de  semplici,  li  scherzi 
deir  acque  e  altre  delizie,  che  in  gran  quantitä  vi  erano  e  potrebbe  certo  la  detta  villa  comparire  con  qualsivoglia  p  i  ü 
deliziosa  d'  Italia.  Avanti  di  partire  .  .  fece  1'  arcivescovo  una  sinfonia  e  musica  in  campagna  di  130  tra  voci  e  istru- 
menti;  oltreche  anche  a  desinare  s'  hebbe  la  musica.  Mit  Wagen  kehrte  die  Gesellschaft  in  die  Stadt  zurück,  ma  prima  si 
eran  fatte  caccie  e  pesche  nella  medesima  villa. 

Aus  den  Jahren  1647 — 1652  liegen  Nachrichten  über  Reparaturen   und  kleinere  Erneuerungen  der  zahl- 
reichen, auf  Holz  oder  Blech  gemalten  Figürchen  der  mechanischen  Wasserspiele  vor: 

Auszigl  betreffend  in  daß  hochfrl.  Lustorth  Helleprun  waß  die  Mallerey  betrifft  thuet  den  27.  Aprilis  1647. 
Erstlich  37  Bliiemen  mit  Ollfarben  gefasst  und  gemalt  thuet  aine  in  die  ander  2  kr.  thuen  zusammen    .    .    1  fl.  14  kr. 

Mer  27  Graßbuschen  mit  öllfarben  gemalt,  thuet  aine  in  die  ander  2  kr.  zusammen —    .    54    . 

Mer  ein  grossen  Satyren  zu  der  kleinen  Grotta  gehörig 1    ,    25    . 

Mer  ein  Narren  unter  das  Wasser  gehörig /,    —    , 

Mer  ein  Khugl   darauf  die  himmlische  Zaichen  gehören,  gemalt   thuet —    ,40    , 

Summa 5  fl.    3  kr. 

Joannes  Oberlender.  Maller  alhier. 

Verzaichnus  waß  in  den  hochfürstl.  Lustorth  Hellbrunn  ich  undterschribner  für  Arbeith 

gemacht  hab  alß  volgt.   (1650.) 

Erstlichen  48  Pluemben  ganz  verneuert  für  eine  2  kr.  thuet 1  fl.  36  kr. 

mehr  für  21  Graßpüscher  1  St.  2  kr —  .  42  . 

mehr  grosse  Schartell  oder  lange  Graßbleder  deren  fünffe  thuet  für  ains  5  kr.  in  allem —  .  25  , 

für  den  Haffner —  .  16  , 

für  den  Schleiffer _  „  16  . 

für  den  Müllner —  .  16  , 

für  das  Waßerkherbl _  .  50  . 

für  die  zween  weisse  Löwen —  ,  32  , 

für  die  zwo  schwarze  gemarmoUerte  Khuglen —  .  20  , 

für  den  Acteum  sambt  den  6  Hunden 1  ,  24  . 

für  zwo  Schildkhrotter —  ^  js  , 

Mehr  für  4  Nattern  die  Wasser  geben /^_, 

für  die  Andten —  „  18  „ 

für  den  Walfisch —  ^  js  _ 

für  die  zween  Schneggen  so  Wasser  geben —  „  12  „ 

für  die  grosse  Khugl  undter  das  Wasser  gehörig —  „  40  . 

für  den  grossen  Mohrnkhopf  der  auch  undter  das  Wasser  gehört —  .  30  . 

für  den  Narren  auf  dem  aichen  Pretl  daselbsthin  gehörig /  ,  —  , 

für  den  Otter  mit  dem  Visch —  „  12  . 

aber  für  ain  Vögel  auf  die  Khugl —  .  8  „ 

für  zway  Wasserkhügl,  das  aine  verguldt  das  andere  versilbert —  ,  12  „ 

mehr  zu  den  drey  Narren  ain  Pallester  gemahlt _  „  /5  ^ 

für  ain  grosse  Tafel  zu  St.  Francisce,  darauf  ain  lateinische  grosse   Schrifft  gemacht   St.  Johann   von 

Gerin  Leben  betr.  darfür 2  „  —  , 

Summa  aller  dieser  Posten  .   .    .    .  13  fl.  41  kr. 
Johannes  Überlender  Maller  alhir. 
XI  23 


i'o  Gerichtsbezirk  Salzburg 

Verzaichntis  was  ich  Entsbenandter  in  den  lif.  Hellprun  gemacht  hab,  als  wie  hernach  volgt: 

Erstachen  für  den  Gardtner  zu  den  geflachten  Mönern  Oter-Ptindtwerg  auf  Regollpapier  7  Fisierung  wie  auch  pey  dem 

Ertpörperg  zu  der  Coppen  thuet 2  fl.  —  kr 

Mer  ein  groses  Pret,  so  undter  das  Waser  geliört,  pey  den  siben  Prinen  ganz  übermalt   thuet 2  fl.  30  kr 

Mer  aus  dem  Huechenweier  ein  grose  Grundtferchen  auf  26  Pfnndt  schwer,  von  Öilfarben  iihunderfedt  und 

die  Schrift  darzue  geschriben   thuet 2  fl.  30  kr 

1652,  den  2.  O/i^ober.  Johannes  Überlendter 

Maller  alhier. 
Als  nemlich  in  der  Prunstuben,  wo  die  Saibling  seindt,  5  große  Landtschaften,  die  vohler  Bildter  seindt,  von  Fischereiei, 
ain  Stugk  IPj.^  hoch,  braidt  7  Schuech,  solche  groß  vohnnedten  seindt  gewest,  habe  solche  ganz  ibermahlen  miessei. 

und  nach  der  Nodturft  vehrferdtigdt,  tueth  fihr  aine  5  fl.  30  kr.  zusammen 27  fl.  30  kr 

Anno  1652,  den  9.  Oktober.  Johannes  Überlendter 

Mahler  allhie. 

Verzaichnuß  waß  ich  Endtsbenanter  im  hochfrl.  Helleprun  alhie  gearbeit  hab  alß  volgt.  (1652.) 

Erstachen  einen  neuen  Acteum  gemacht   auf  16  Zoll  hoch   darfür 4  fl.  30  kr 

Darzue  6  Hundt   3  ligent  3  sizent   darfür 6  ,    — 

ainen  Otter  im  Maull  einen  Visch 2  .   20 

In  die  Grotten  einen  grossen  Kopf  sambt  einer  Hundt   darfür 4  „    — 

2  par  Fürfieß  zu  denen  Piltern  an  den  PUramus   darfür i  ,    — 

Zu  den  geflochtnen  Piltern  3  neue  Degen  gemacht  für  ainen  40  kr. 2  .    — 

Mer  1  Schwert   1  Zepter   1  pr  50  kr 1  „    40 

Mer  1  Degen    das  Gefäß  von  Eisen 1  „    20 

In  die  Ainsidlerey  für  den  Ainsidl  Pauluß  1  neues  par  Fueß   darfür I  .    40 

3  parr  Hendt  außpessert   9  Finger  daran  gemacht   darfür —  ,36 

3  Stainene  Platl   für  ains  10  kr —  ,    30 

Summa 27  fl.    6  kr 

Jakob  Geroldt 
Bilthauer  alhir. 

Im  Jahre  1660  brannten  die  dem  Schlosse  an  der  Ostseite  vorgelagerten  Baulichkeiten  ab,  die  abei 
alsbald  wieder  aufgebaut  wurden.  Am  23.  Jänner  1663  ergeht  der  Befehl:  Zu  Hellpmnn  bey  dem 
widerumb  neu  aufgepauten  Wohnungen  und  Einsetz  solle  I.  hf.  Gnaden  Wappen  ob  der  Porten  oder  Tai 
zwischen  des  Gärtners  Bewohnung  und  s.  v.  Rossstallung  gegen  der  Straßen  heraus  und  hinein  gegef 
dem  Garten  zwischen  der  neuen  Einsetz  und  besagter  Stallung  die  Schrift  affigirt  werden.  Dai 
Wappen  trägt  die  Jahreszahl  1660. 

Gabriel  Bucelinus  stellt  in  seiner  1662  erschienenen  Germania  topo-,  chrono-,  stematographica  Sacra  e 
profana  (II.  p.  68)  Hellbrunn  folgendes  —  noch  heute  gültige  —  Zeugnis  aus:  „Horti,  piscinae,  aede: 
principis  loco  Hellprunn  suspensos  atque  attonitos  omnes  quotquot  primum  intuentur,  retinent,  uti  e 
arces  eorumdem  hortorum  Belvedere  et  Waldemps  nee  non  eremitoria  faliendo  tempori  structa,  quae  noi 
oculos  solum  afficiant  sed  animum  pelliciant  ad  solitudinis  amorem  verum  etiam  qui  numquam  eius 
modi  cogitationem  in  omni  vita  admisere." 

1663  kam  Kaiser  Leopold  1.  nach  Salzburg  und  am  Nachmittag  des  23.  September  besuchte  er  (aller 
dings  bei  ungünstiger  Witterung)  Hellbrunn,  peramoenuni  et  sumptuosuni  palatium  ac  viridariuni  (Petrui 
Lambecius,  Commentariorum  usw.   Vindob.  1665  pag.  665  ff.). 

Über  die  Sonnenuhr  unterrichtet  uns  folgende  Quittung: 

Auf  Anbefelhen  Ihr  Gd:  Herrn  Dückher  Pflegern  zu  Helprun    hab  ich  Endsbenanter  in  den  hochfürstl.  Lustorth  Hi 
brun  die  Sonen  Uhr  gemalt  und  Ihr  hochfürstl.  Gd.  Wappen  wie  auch  auf  jeder  Seiten  ein  Figur  gemalt   tuet 
altes }6 , 

Anno  1668.  Marthin  Wisenauer 

Den  5.  Dezember  ist  mir  Undterschribenem  Maller, 

dises  Außzigl  bezalt  worden  mit     .    .  15  fl. 


Schloß  Hellbrunn  179 

Co.  Galeazzo  Gualdo  Priorato  rühmt  in  seiner  1668  erschienenen  Relazione  dell' arcivescovato 
e  principato  di  Saltzburc  etc.  (Colonia)  ebenfalls  Hellbrunn,  insbesondere: 

. .  .  teatro  naturale  nel  sasso  vivo  con  la  scena  e  stanze  incavate  nel  medesimo  sasso  per  i  coniici,  ove  gia  si  soleva 
be  n  spesso  recitare  comedie  et  farvi  altre  rappresentazioni.  Piu  ad  alto  nel  medesimo  monte  alle  parte  rivoltaverso 
Salzburg  giace  un  p  a  IIa  z  zlno  con  dentro  di  quello  tulte  e  commoditä  e  puö  chiamarsi  Belvedere,  poi  che  la  vista 
e  mirabile  scoprendosi  da  ogni  parte  bellissime  collinette,  monti  pianure  tempestate  de  casamenti  e  giardini  e  da  qnesto 
pallazzino  si  mira  tutta  la  pianta  del  palazzo  e  giardino  d'Helbrun  nel  quäle  poi  si  cala.  In  questo  giardino  e  mera- 
viglioso  il  vedersi  la  quantitä  di  fontane  che  visono  e  le  peschiere  ripiene  de  trutte  e  de  salmoncini.  Visono  diverse 
grotte,  che  con  bellissimi  giocchi  d'  acqua  e  con  statue  celebri  particolamente  una  rappresentante  Orfeo  di 
grandissima  stima.  Rende  poi  stitpore  una  stanza  tranfigurata  tutta  in  ruine  naturali  cosi  ben  architettate,  che  ogn' 
uno  quäl  vi  entra  inhoridisce  e  sospetta  d'  esser  in  gravissimo  pericolo.  In  detto  giardino  sono  ucc  eliere  con 
dentro  ogni  genere  de  volatili.  Vi  si  vedono  plante  di  melangoli  e  limoni  bellissime,  cosa  rara  in  quel  paese  di  clima 
contrario  ä  detti  frutti.  Vi  sono  viali,  Spaliere  d'  ogni  sorte  de  frondi  e  vaghissime  prospettive.  Dali'  altra  parte 
dal  palazzo  sono  cortili  pieni  di  fagia  n  i.  cottornici  et  altri  piü  stimati  ucelli  con  i  loro  repostigli  per  ritirarsi 
ä  riposo  la  notte  et  in  occasione  de  mali  tempi  vi  e  in  oltre  un  altro  cortile  proveduto  d'  anitre,  d'  ocche  d'  India 
e  de  Turchia  et  d'  ogni  sorte  di  polli  e  per  tutto  scorre  limpadimente  /'  acqua:  si  vede  infinito  numero  di  conigli  e  de 
lapini  con  le  loro  grotte  et  in  somma  non  vi  manca  cosa  alcuna  opporiuna  ad'  una  casa  reale  di  campagna  .  .  . 
/l  palazzo  edi  forma  moderna :  vi  sono  motte  stanze  et  alcune  sale  riguardevoli  et  in  somma  una  ressidenza  cosi 
copiosa  di  tutte  le  deutle  humane,  che  si  possono  desiderare.  Si  vedono  neue  sale  di  questo  palazzo  molti  quadri  di 
pitture  fatte  da  pittori  d'  Italia  e  frä  i  altre  cose  dilettevoli  e  curiose  s'  ammirano  pesciccelli  et  animali  di 
stravagante  forma,  che  si  sono  presi  ö  nel  fiume  ö  ne  boschi  con  V  inscrittione  sotto  ad  ogn'  uno  dell'  anno  mese 
e  giorno,  che  si  presero. 

Der  größte  Panegyriker  aber,  den  Hellbrunn  je  gefunden,  ist  Gisberti,  der  die  Reise  des  Kurfürsten 
Ferdinand  Maria  von  Bayern  nach  Salzburg  im  Jahre  1670  beschrieben  hat  (II  viaggio  dell'  AA.  SS.  EE. 
di  Baviera  a  Salzburgo  in  giornate  divise  e  All'  Altezza  Real  di  Savoia  in  lettere  di  Ravaglio  descritto. 
Monaco  1670).  Da  eine  Übersetzung  unmöglich  das  Original  erreichen  kann,  geben  wir  auch  diese 
Beschreibung  im  Urtext. 

Am  26.  August  schreibt  Gisberti: 

Oh  che  ben  retiro,  oh  che  vaghe  delitie,  oh  che  paradisetto  terrestre  ho  sortito  di  osservar  hoggi  mal  fuor  di  Salzburgo 
un  hora  servendo  i  miei  Serenissimi  padroni,  che  se  n'  andär  ä  goderlo.  Egli  e  Hellbiunn,  luogo  veramente  degno  di 
questo  nome.  avendo  all'  intorno  V  acque  piü  del  vetro  chiare,  piü  del  cristallo  limpide  e  piü  de  medesimi  cieli  traspa- 
renti  e  diafne.  lo  non  credo  che  la  natura,  per  quanto  sudi,  possa  in  onde  piü  lucide  liquefare  i  suoi  monti.  Ristrette  intra 
rive  di  marmo  le  calme  formano  si  bei  specchi  alla  vista,  che  nel  seno  profondo  si  distinguono  i  pesci  da  i  pesci  ed  altrove 
dair  arene  le  arene.  A  quanti  ufficii  eile  servano,  a  quanti  impegni  vengano  costrette  daW  arte  se  V  imagini  V.  A.  R. 
alla  sola  consideratione,  che  sono  state  l'  amore  d'  un  principe,  il  diletto  d'  un  grandissimo  ingegno.  Marco  Sittico  arci- 
vescovo  di  famosa  memoria,  inamorato  in  questo  colle,  che  con  cento  ruscelli  piagneva  su'  l  verde  seno  d'  una  vasta  pia- 
nura  l'  incolta  felicitä  d'  un  sito  che  meritava  d'  essere  il  desiderio  d'  un  mondo,  chiamb  da  straniere  contrade.  Ingegneri 
e  vendicando  il  torto  continuato  fino  al  suo  tempo  dalla  inavertenza  de'  trasandati,  lasciö  alle  recreationi  de'  posleri 
una  perpetua  delitia  dell'  animo:  e  cosi  ad  eterno  ricordo  del  suo  nobile  divertimento  la  redentione  di  que'  perduti 
diporti  in  un  gran  sasso  scolpita.    Es  folgt  die  Inschrift:  Quos  hie  amoenos  usw. 

E  di  vero,  se  si  guardan  le  mura,  puo  dirsi,  che  quivi  sia  la  fortezza  del  passatempo :  se  a'  teatri  lo  spettacolo  del 
piacere,  se  finalmente  alle  fonti  il  vago  tripudio  dell'  acque.  Aon  m'  arrischio  ä  descrivere  a  minuto  i  portenti  di 
questo  giardino,  impero  che  nella  varietä  mi  confondo,  nella  raritä  mi  ammutisco.  II  dirle,  che  fatto  un  lago  tra 
marmi,  si  pesca  col  filo,  si  preda  col  ferro,  e  si  discerne  quanti  e  quai  pesci  vengono  all'  esca,  quanti  e  quai  dell' 
acuto  tridente  alle  punte:  lo  scriverle  che  sotto  cieli  di  sasso  s'  addensa  l'  acqua  in  rugiade;  s'  alluma  e  si  colora  in 
iridi,  si  cribra  e  si  discioglie  in  pioggia,  si  rapprende  e  si  sgranella  in  grandini,  che  si  squarcia  in  nembi,  che  si 
diffonde  in  diluvii,  che  cade  in  zampilli.  che  ascende  in  goccie,  che  gira  tra  spruzzaglie  e  stille,  or  filandosi  in  tende, 
or  tessendosi  in  tele,  sempre  vaga  e  sempre  varia  fora  troppo  vile  il  racconto,  troppo  vulgär  l  'apparato.  II  narrar, 
che  si  dilata  in  quadrate  lastre  di  vetro  e  che  cuopre,  senza  nasconder,  le  imagini,  che  si  forma  in  lante'rne  e  che 
serra  senza  spegnere  il  lume:  che  ascende  in  bicchieri  di  puro  cristallo,  i  quali  continuamente  si  sfanno  facendos 
e  successivamente  coli'  unirsi  si  rompono,  che  riversciandosi  in  orbe,  compone  un  mondo  sotto  i  piedi  d'  Amore,  tanto 
piü  durevole  quanto  piü  labile;  da  cui  la  mortalitä  moralitä  ricavando,  impara,  che  indefesso  perire  e  il  nostro  essere, 
un  essere  incessante  il  nostro  perire,  precipitio  la  vita,  esistenza  la  distruttione  medesima.  V  ostentar,  che  capricciosa 
da  cento  statoe  se  n'  esce  ö  sia  dal  labbro  di  chi  la  vomita  senza  fastidio,  ö  dalle  trombe  di  chi  la  soffia,  ö  da  stru- 

23* 


180  Gerichtsbezirk  Salzburg 

menti  dt  chi  la  balza,  ö  dall'  armi  di  chi  la  vibra,  che  garrula  singhiozzando  imita  il  canto  degli  uccellini  emula  ogni 

suono,  mente  ogni  passo:  e  poco. 

Che  finge   il   nuoto   dell'  anitre,  il  moto  de'  draghi,  il  corso  di  bestie,  il  guizzo  de'  pesci,  il  volo  d'alati,  il  girar  dl 

ruote,  il  lavorar  d'artefici,  il  rimbombar  d'oricalchi,  V  aprir  delle  fauci,  il  voglier  de'  lumi,  e  lutte  le  stravaganze  possi- 

bili;  non  basta. 

Che  insidiosa  da  mille  bände  recondite  sorge  e  sontmerge;  insulta  et  assalta.  assedia  et  insidia,  ö  sotto  scagni  sedendo 

ö  sopra  il  suolo,  in  andando  ö  a  piedestalli,  appoggiandosi  6  ad  un'  nicchio  fermandosi,  ö  che  so  io,  non  e  credibile. 

Pur  con  mio  stupore,  la  vidi  pio  vere  in  iina  nube,  spirare  da  una  sampogna.  nascere  da  vermini,  scrisciarsi  con  serpi, 

circondarmi,  quäl  turbine,  imprigionar  tra  le  sue  grade  il  curioso,  invogllere  nelle  sue  retl  l'  incauto. 

Ancor  io  ne  venni  deluso  e  ne  ringratio  la  fraude;  poiche  non  senza  godimento  m'  offese.     Una    testa    di  pietra,   che 

aprivasi  all'  onde,  e  tni  mostrava  con  beffe  la  lingua  e  per  ischerno  stravoglieva  e  stralunava  le  lud  m'  incanto,  cosi 

bene,  che  pol  se  ne  rise  di  mia  disgratia.    Volli  fuggire  e  tutte  si  serrar  d'  acqua  le  parte,  correre,  ed  ogni  passo,  era 

la  zampa  del  Pegaso;  fermarmi,   ed    orgni   dlmora    il   incommodo  dell'  insulto;   cosi  che  atlo  schizzo  di  tante  canne 

insolenti  mi  diedi  per  vinto,  e  cessi  ben  bagnato  allo  stratagema  dcl  fönte,  anzi  de  fonti,  essendo  un  labirinto  d'acque 

il  giardino,  un  giuoco  delle  Naiadi,  quel  teatro  di  fiori.  quell'  anfiteatro   di  loggie  quel  campidoglio  di  statoe,  quel 

museo  delle  Gratie,  quell'  ente  di  ragione  visibile  trä  le  delitie. 

Un'  ultra  bei  motivo  sarebbe  alla  penna  se  potesse  far  de  pennello  e  dipingere  a  V.  A.  R.  una  stanza,  quivi  fabbricala 

in  forma  diruvinosa  anticaglla,  dove  atteriscono  le  volle  rose  e  cadenti,  le  cornici  rotte  e  scomesse,  inchinate 

le  parleti,  aperti  gli  archi,  precipitosi  gli  usci  e  tutto  all'  intorno  finta    una    vecchia    reliquia    del   tempo,    all'  ultimo 

scompaginarsi  ridotta,  ma  non  avendo  ne  pur  ombra,  non  che  per  rappresentarla  colori  cedo  all'  imaginatione  il  mio 

carico,   e   solo    attesto   esser'  ella    una   bella    ruina,  un  gratioso  spavento  et  una  delle  bugie  piü  strane,  che  sappia 

Inventar  i  architetto. 

Non  parle  dell'  horto  fatto  la  selva  de'  fagiani,  non  d'  un  monte  reso  abitation  de'  conigli,  non  de'  canali,  colmi  di 

testuggini,  non    delle   rive  popolate   dall'  anitre   d'  India  e  Turche;   non  dell'  aquile,  che  domestiche  stanno  sotto  le 

plante  non  de'  cigni,  che  muti  navigan  vive  navicelle,  quell'  onde,  non  de  rivi,  che  fingono  un'  inestricabile  Meandro 

alle  trote,  non  finalmente  de  palagio  edificato  in  un  mese  sü  le  cime  del  colle,  imperoche  a  tanta   copia  di  cose  corto 

sarebbe  un'  anno,  stretto  un  volume. 

Ein  dal  parco  d'  Hellbrunn  datierter  Brief  vom  31.  August  lautet: 

Qui  dove  l'  arcivescovo  ha  fatto  a  i  principi  dl  Baviera  li  26.  del  cadente  pescar  salmoncini  e  trotte,  li  28.  cacciar 
capri  e  camozze,  e  l'  uno  e  l'  altro  giorno  goder  musicl  e  suoni  qui  lieto  e  coniento  vi)  divertendo  Io  sguardo  ed  alla 
mono  le  ricreationi  dell'  occhio  confido.  Qui  veggo  da  lungo  muro  sterminato  parco  rinchluso,  nel  mezo  gravidO' 
d'  un  teatro  un  gran  monte  scoperto,  sü  le  cime  carico  di  grandezza  e  di  fasto  bei  palagio  inalzato,  all'  Intorno  folto 
di  faggi  un  bosco,  al  basso  rlcchi  di  pesce  i  canali,  sopra  le  rlve  piene  di  commoditä  le  loggie  e  i  casini,  ad  alte 
abbelllto  di  Tempil  e  di  celle  l'  eremltagglo  e  copioso  dapertutto  di  passatempi  il  delitioso  recinto.  Oh  bella  solitudlnet 
popolata  da  soll  diporti.  Oh  degna  di  soll  re  avventurosa  foresta!  Signore.  tra  queste  selve  piü  che  in  un  labirinto 
mi  perdo.  Non  ho  a  tante  cose  parole.  Truovo  dlstillata  in  quest'  acque  Venetia,  Roma  tra  queste  fabbriche  in  un 
compendio  ridotta,  ed  io  sü  queste  carte  in  un  ristretto  d'  umiliatione  confuso. 

Und  ein  Jahr  später,  als  Gisberti  einen  Salzburger  Bischofskatalog  in  Versen  dem  Erzbischof  Max 
Gandolph  widmete  (La  cronologia  degli  abbati  vescovi  et  arcivescovi  di  Salzburgo  .  .  .  Encomio  1671) 
gedenkt  er  bei  der  Stanze  auf  Paris  abermals  Hellbrunns: 

Ne  parli  Hellbrunn,  tra  l  cui  giardini  e  fonti 

Fin  de'  Latinl  montl. 

Le  delitie  süperbe  il  senso  obbliä 

A  le  venture  etä  sacrati  1  marmi 

Con  eternati  carml 

Del  Sittico  valor  narrino  i  vanti 

E  dal  Lodron  prendan  la  voce  i  canti. 

1673  hören  wir  von  einem  (Mari  o  n  e  tte  n-)Theater  im  Schlosse.  Am  7.  März  schreibt  Baron  Ludwig 
Franz  Rehlingen   an  den  Gerichtsschreiber  von  Glanegg,  der  zugleich  stets  auch  Lastor tsinspector  war: 

Aus  gdgstem  Befehl  Ihrer  hf.  Gn.  wolle  der  Herr  Fünsueisern  diss  Herrn  Peter  Hilfertingkh.  das  in  selbigem  Palast 
stehende  klaine  Theatrum  sambt  aller  Zuegehör  und  Verenderungen  zaigen  und  nach  Genuegen  besichtigen  lassen, 
Folgends  auch  dahin  bedacht  sein,  wie  angeregtes  Theatrum  auf  vermess  ergehenden  Befelch  zerlegt  und  verwarlieh 
anhero  gebracht  werden  möge. 


Schloß  Hellbrunn  181 

Örtlichkeiten  und  Gegenstände  erfahren  wir  aus  nachstehenden  Verzeichnissen: 

Inventarium 
was  ao  1673  dem  Andreen  Khöllerer  Hofwirth  im  Helprun.  zu  dessen    Verandtwordtung  an  Hoj  und  mein  Pflegers 

Mobilien  anverthraut  wordten. 

Hof  Mobilien 

Ain  Taft   darauf  der  Salzastromb  zwischen  Salzburg  und  Hallen,  zwey  auf  einer  Tafl   abcontrafete  Pluemen,  zwey 

Rebenpletter  auf  ainer  Tafl,  drey  Seulstiel  von  gülden  Leder;    ain  grientiechens  Tafltuecli  so  alt  (AB  wahr  vorher  zu 

Waldembs),  sechs  rot  angestrichen  Scabel. 

Pflegers  Mobilien 

Vier  H.  Erzbischoffen  Contrafei  alß  Georg.  Wolf  Dietrich,  Marx  Sittich  und  Paridis,  ain  Tafl  der  Frieling  und  aine 
der  Summer,  ain  Täfl  Capuciner  Generalis  Contrafet.  Johann  Paul  Waßner 

Nicht    uninteressant    ist    das   Gesuch    des   hf.  Brunnmeisters   Karl   Wentzeisen   an    den    Erzbischof,   um 

Mehrung  seiner  monatlichen  Besoldung  von  10  fl.,  worin  er  ausführt: 

.  .  .  wie  nunmehr  aber  die  Arbeiten  bey  gedachter  Wasserkhunst  vill  schwerer,  weder  selbige  vor  disem  gewest  seind, 
gestalten  seidt  deren  Erhebung  man  weiters  nichts  newes  gemacht:  sondern  nur  das  alte  her  und  her  reparirt  hat, 
hingegen  anjezo  die  Notwendigkheit  erfordert,  das  alle  pleyene  Wasserröhren  mflessen  ybergossen  und  von  neuem 
gelegt  werden,  zudeme  das  auch  in  anderwegen  eines  nach  dem  andern  zu  Grundt  gehen  und  die  Wideraufrichtung 
erfordern  thuet,  wie  ich  dan  Gott  Lob  berait  einen  gueten  Anfang  bey  der  khlainen  und  grossen  Grota  gemacht  hab 
und  zwar  alles  auf  neue  Manier  und  mit  Duff  versezt,  massen  Euer  hochfürstl.  Gn.  etc.  etc.  ain  und  anders  Selbsten 
mit  Augen  gesehen,  und  Gott  sey  die  Ehr,  daran  ein  gdigistes  Wollgefallen  getragen:  und  das  Werckh  zu  continuiren, 
mir  gdigist  anbevohlen,  weilen  vormallen  die  Berg  und  anders  nur  von  grober  Mauererarbeit  gewest  seind,  und  werde, 
mitls  göttlichen  Beystandts,  noch  solche  Werkh  vor  Augen  stöllen,  woran  verhoffent  yeder  ein  gefallen  tragen  würdet, 
dieweilen  dann  diese  beruembte  Wasserkhunst  mein  l  ie  b  e  r  E  n  d  l  {^=  Ahn)  weilandWenzeisen  sei. 
erstens  erfunden  und  aufgericht  und  solche  von  obvermeldt  meinem  auch  lieben  Vattern  seel.  ilber  30  und 
nunmehr  auch  von  mir  schon  in  das  16.  Jahr  gefihrt  und  conserviert  worden. 

Ein  Verzaichnus,  was  im  hf.  Lustorth  Hellprun  dermahlen  ganz  nothwendig  zu  reparieren  were,  von  1689 

nennt  uns  mehrere  Örtlichkeiten,  als 

Tendlstahl,  Thier-  und  neuer  Fasanengarten,  Hofkuchl,  Garttners  Wohnung,  Sommerhaus  by  dem  großen  Ferchenweyer, 
Saibling  Prunstuben,  Luxenhaus.  In  der  Capellen  Sacristey  ainen  neuen  Fueßpoden  zu  legen,  Pomerantzengang  im 
Garten,  Stock  mit  eicherne  Säulen.  Sternweyer,  Karpfenweyer.  zwey  hllzene  Stiegen,  worüber  man  zu  dem  Erdbierperg 
(=  Erdbeerberg)  gehen  mueß.  entweder  von  Höh  zu  rep.  oder  selbige  von  Mauer-Stain  mit  einem  über  den  Canal 
gesprengten  Pogen  erpauen. 

Ein  Bericht  der  hf.  Hofbaumeisterei  vom  13.  Februar  1708  laulet: 

Demnach  Ihre  hf.  Gn.  bereits  vor  2  Jahren  anbevolchen  haben,  dass  der  Weyer  umb  den  Erdtpörperg  am  hf.  Lustorth 
Heibrunn  um  fortan  festen  Bestand  zu  haben,  mit  Quälern  von  Naglstain  auszusetzen,  also  ist  man  dem  nachkommen 
und  fast  die  Hälfte  verfertigt. 

1710  hören  wir  von  der  St.  Francisci-Capellen  in  der  Ainsidlerey  im  Rehgarten  und  gleichzeitig,  daß 
der  Altachbach  so  verwachsen  ist,  dass  man  mit  dem  Zillel  zu  denen  darin  vorhandenen  Antenkobln, 
weniger  wann  I.  hf.  Gn.  mit  Fischen  und  sonsten  etwo  ein  Recreation  gdgst  vornemen  wolten,  der  Not- 
durft nach  nit  mehr  hindurch  fahren  kann. 

Ein  gutes  Bild  gibt  die  Beschreibung  Hellbrunns  in  Keyßlers  Neuesten  Reisen  (I.  48)  aus  dem  Jahre 
1729,  insbesondere  vom  Tiergarten: 

Die  Gebäude  sind  nicht  sonderlich,  der  Garten  aber  sehr  angenehm,  gleichsam  in  einer  Wildnis  angelegt; 
und  weil  hier  eine  Menge  Quellen  entspringen,  so  findet  man  allenthalben  die  schönsten  Wasserwerke, 
Teiche  und  Bassins,  in  deren  hellem  Wasser  die  Forellen  und  Saiblinge  herum  schwimmen,  und  mit 
Lebern  von  Kälbern,  Ochsen  etc.  gefüttert  werden.  Diese  Wasser  treiben  längst  dem  Garten  allerley 
kleine  Figuren  von  Mühlen,  Scheerschleifern,  Töpfern  etc.  und  mag  man  bey  den  Grotten  noch  so  wohl 
auf  seiner  Hut  seyn,  so  wird  man  doch  den  Vexierwassern  nicht  entgehen.  Unter  andern  schönen 
Grotten  ist  ein  einfallendes  altes  Gewölbe  von  Backsteinen  sehr  künstlich  vorgestellet.  Über  einer  Quelle 
liegt  die  Statue  eines  Monstri,  das  einem  wilden  Mann  nicht  unähnlich  sehen  würde,  wenn  es  nicht  einen 
Hahnenkamm  und  Adlersfüße  hätte. 


182  Gericlitsbezirk  Salzburg 

In  der  hiesigen  Menagerie  sieht  man  Kraniche,  einen  Nimmersatt,  der  nichts  anders  ist  als  eine  große 
Seegans,  so  am  Schlünde  einen  großen  Sack  hat,  worinnen  sie  viele  Nahrung  sammeln  und  behalten 
kann;  Steinadler,  Luchsen  und  zween  Biber  oder  Kastore,  so  itzt  ein  Junges  (deren  sie  selten  über  drey 
bringen)  hatten.  Sie  leben  am  Wasser  und  werden  mit  Rinden  der  Bäume  und  mit  schlechten  Fischen 
gefüttert.  Der  Kaninchenberg  ist  mit  einem  tiefen  Wassergraben  umgeben,  wodurch  diese  Tiere  verhindert 
werden,  über  ihre  Grenzen  sich  auszubreiten. 

Die  vollständige  Einrichtung  zu  damaliger  Zeit  bietet  uns  ein  Inventar  von  1733*). 

In  dem.  Lust-Ort h  Hellbrun: 
Ihro  hochfürstl.  Genaden  etc.  etc.  Schlaff- ZiMer. 

Vier  Stuckh  SpalUer  von  verguldten  Lader  mit  des  Marco  Sittico  etc.  Wappen. 

Ain  griener  alt  ziemblich  zerrissener  Damasque  Tafet  yber  einen  Tisch  oben  auf  mit  Löder. 

Zwey  Fenster  Vorhang  von  grienem  Taffet. 

Ain  khleines  Vorhengl. 

Ain  deto. 

Ain  Lainsessl  von  grtlenen  geblümten  Sammeth. 

Ain  grtlen  sammetenes  Khüssen. 

Ain  Laibstuell  und  kupferer  KhOsel. 

Ain  Tisch  mit  einem  türkischen  Tebich. 

Ain  alte  spannische  Wandt  von  grünem  Taffet. 

Ain  gemahlene  alte  Taffl,  worauf  ein  Wasserhiersch  jagt. 

Ain  khupfcrer  Kössl  in  der  Retirada. 

Ain  zünners  Nacht-Gschirr. 

Ihrer  hochfürstl.  Gnaden  etc.  etc.  Audienz-Zimmer. 

Sieben  Stukh  vergoldt  SpalUer  mit  Marci  Sittici  etc.  etc.  Wappen. 

Ain  griener  Sammeth  yber  ain  Tisch. 

Ain  Yberlög  yber  einen  Tisch  von  Schlessinger  Sammeth. 

Ain  Yberlög  von  grüenem  Damasque  sambt  dem  Löder  yber  ainem  Pöttschragen. 

Ain  Pöttstatt  woryber  ain  Tebich  von  blauen  Tuech  und  Fleckhl  gestickhten  Frieß. 

Zwey  Portieren  von  grienen  Taffet. 

Zwey  dergleichen  Fenster  Vorhang. 

Ain  Sessl  von  grien  geblumbten  Sammeth  mit  einem  rott  taffetenen  Khüssen. 

Ain  Khüssen  von  grüenem  Sammeth. 

Zway  Feyer  Rosst  mit  grossen  mössingen  Zierathen,  dan  der  Camin-Zeug,  aller  mit  mössingen  Khnöpfen. 

Zwey  rott  sammetene  Sessl  und  Khüsser  mit  Marci  Sittici  Wappen. 

Ain  Mahlerey  ober  dem  Camin  des  LazarJ  Erweckhung. 

Ain  anders  solch  khleines  Frauen  Bildt.    (Diese  beiden  fehlen  1699.) 

Cammer  Haitzer  Zimmer. 

Fünf  Stuckh  Spallieren  von  vergoldten  Löder. 

Ain  alte  Yberlög  yber  einen  Cassten  von  rotten  Tuech  sambt  einem  Löder.  i 

Zwey  Lain  Sessl  von  rotten  Tuech,  mit  gelb  seydenen  Fransen. 

Ain  Cafherstuell  mit  rothen  Yberzug  khupferen  Khössl. 

Zwey  Lainsessl  von  goldenen  Löder  mit  Marci  Sittici  Wappen. 

Zwey  Landschafften  ober  denen  Thüeren. 

Fünff  abcopierte  Fisch. 

Ain  stainers  Pröttspill. 

Ain  Crucifix  von  Holtz. 

Ain  Tischt  mit  einem  alt  rott  tiechenen  Töbich. 

Ain  oblong  auf  weissen  Grundt  gemahlen  blaue  Lilien  und  eine  rothe  Bluem. 

Ain  blau-aichene  Yberlög  mit  Flekhl  Arbeith. 


\ 


')  Auch    aus   dem   Jahre    1699   ist   ein   Inventar  der  Spaliere  und  anderer  Mobilien  vorhanden,  das  im  allgemeinen  dieselben 
Gegenstände  enthält.    Vorliegendes   ist   ausführlicher  und  wurde  deshalb  hier  abgedruckt.    Nur  größere  Abweichungen  werden 

vern-.crkt. 


Schloß  Hellbrunn  183 

Das  erste  Zimmer. 
Neun  Stiickh  vergoldt  loderne  Spallier. 

Fünff  Lain-Sessl  von  dergleichen  Leder  mit  Marci  Sitici  Wappen. 

Ain  TaflbOtt-Schragen  mit  einer  grüenen  Yberlög  und  Löder. 

Ain  Taffl-Deckh  von  Trüb-Sammeth. 

Vier  Siuckh  Mahlerey  von  allerhandt  Thieren. 

Zway  Stuckh  von  Fischen. 

Ain  Schwain-Hatz. 

Ain  Bluemben-Stuckh. 

Ain  Landschafft  mit  Vögl. 

Ain  Stuckh  mit  einer  Sonnenbluemb. 

Ain  abgemahlen  von  Hamburg  gebrachtes  khleine  Rössl. 

Ain  gemahlen  Taffl  ober  der  Thier  worauf  ein  Biber. 

Ain  Tisch  mit  einer  alten  gruenen  Töbich. 

Das  änderte  Zimmer. 

Söchs  Stuckh  blau  und  vergoldte  Löder  Spallier. 

Zwey  Camin-Rosst  mit  mössingen  Knöpfen,  dann  die  Zuegehörr,  mit  mössingen  Handthöben,  die  Zang  aber  mit  einer  hölzern. 

Ain  Stuckh  Malerey  von  underschidlichen  Thieren. 

Ain  Stuckh  ober  der  Thier.  Hollen  Embs  vorstöllendt. 

Ain  Landtscliafft  mit  einem  Einsidler. 

Ain  doppeltes  Sässl  von  braun  Holz  und  schwarz  eingelögt. 

Drey  blau  iiechene  alte  Yberlögen  mit  einem  von  underschidlichen  färbigen  Tuech  eingelegten  Frieß. 

Söchs  löderne  Lain-Sessl  von  Marco  Siitico  etc.  etc. 

Zwey  gemahlene  Taften    auf  denen  ain  achtfießiges  Pferdt  sambt  ainem  Pollackh  dan  ain  Rehbockh  und  ain  Gämbs. 

Im  Saall  oder  dritten  Zimmer. 
Drey  turkhische  lange  Taffl-Teppich. 

Ain  deto  khleiner. 

Ain  sehr  alte  grien  Domasquene  Yberlög  mit  einem  Löder  yber  ainen  Tisch  gehörig. 

Fünffundzwainzig  löderne  Sessl. 

Ain  Löder  yber  den  Schenkh  Tisch  sambt  einem  rothen  Tuech. 

Ain  Tischt  mit  ainem  grienen  Tuech. 

Im  Cabineth. 
Alda  befindet  sich  dermahlen:  Nichts. 

Im  viertten  Zimmer. 

Sieben  Stuckh  grien  und  vergoldt  löderne  Spallier. 

Ain  gemainer  Tisch. 

Fünffzöhen  grosse  und  khleine  Mahlereyen  mit  underschidlichen  Vögten. 

Ain  Pöttstadt-Schragen  sambt  dem  lödernen  Yberzug. 

Ain  Landtscliafft. 

Ain  lödeier  khleiner  Sessl. 

Ain  alt  spanische  Wandt. 

Ain  Schwein  Stuckh. 

Im  filnfften  Zimmer^). 

Ain  Yberlög  auf  einen  Cassten  von  aussenher  gestickt. 

Zwey  blau  gestickhte  Potiren  mit  dem  Graf  Thunischen  Wappen. 

Ain  Stuckh  Mahlerey  von  Wildt-Schweinen. 

Ain  Landtscliafft  worauf  der  Jonas  entworffen. 

Ain  andere  mit  einer  Schlacht. 

Ain  Stach!  Schwein. 

Ain  Stain  Adler. 

Ain  Schwarze  Andten. 

Ain  Wildt-Scliwein. 

In  dem  Vorhatiß. 

Ain  Schwein  und  Ain  Hirsch  und 

Ain  Straussen-Jagdt.  Zwey  Wildtschwein-Stuckh. 

Fünff  Stuckh  von  Vögten.  Ain  weisser  Rehbockh. 

')  1699  ist  hier:    Officier-Stueben  und  Gardarobba.    Das  übrige  fehlt  jedoch. 


184 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Im  Obern  großen  Poden  underm  Tach 
ist  dermahlen  Nichts. 

In  dem  fierundern  Stoc/tli  in  Zimmer  und  Quarderobba. 

Zwey  Siäckh  lange  Mahlereyen  von  Tliier-  und  Cen-  aucli  solche  Polster. 

iauren  Gefecht.  Siben  nidere  Pötl-Stadl. 

Filnff  Strosöckh.  Etliche  alte  Tisch  und  Tafflen. 

Im  henindern  Vorhauß. 

Ain  rott-marmorstainener  Tisch  mit  scliwarze  Fließ.  Ain  alte  Vösstung. 

Ain  Bildt  die  Statt  Praag. 
Zwey  alte  Landschafften. 


Ain  Stückhl  mit  Speissen. 


Vor  dißmahlen  Nichts. 


Im  Bell-veder. 

1699 ;  Hin  Tisch-Debig  von  grienem  Tuech,  so  im  facies  herumb  gestickt. 
Ein  Türkischer  Tebig. 
Drey  Stiehl  ohne  Lain. 
Ein  Orin-Korb  mit  grien  Fueß  überzogen  sambt  Glas. 


Aniezto  Nichts. 


Waldt-Embs. 
1699  :  Ein  Türkischer  Debig. 

Vier  Lainsäsel  von  vergolden  Leder. 

Zwey  Stiehl  ohne  Lain. 

Ein  grien  tiechene  Yberleg,  so  ganz  unbrauchbar. 


Ain  Silber  vergoldter  Khölch 

Ain  Pathen 

Söchs  Palla 

Fünff  Purificatoria 

Ain  Chorr-Rockh 

Zwey  Albmen 

Fünff  Gürttlen 

Söchs  Humeralia 

Vier  Handtiecher 

Vier  Corporallen 

Zwey  Au  flögen 

Zwey  Altar  Tüecher 

ZOhen  KOlch  Tiechl 

Acht  Corporall  Taschen 

Zway  weise 

Zwey  rotte 

Ain  grüenes 

Zway  blau  und 

Ain  Schwarz  Mössgewandt  sambt  Stollen  und 

Zwey  Pareth 

Zwey  geferbte  und 

Ain  schwarz  Anlependium 

Ain  blauer  Crucifix  Mantl 

Söchs  Altar  Khüss 

Vier  Missalia 

Zwey  Ritualia 

Ain  Evangely  Buech 

Ain  zünncrne  Oblath-Pixen 

Ain  zünnerner  Weichbrun-Khössl 

Ain  Weichwadl  mit  einem  zinnernen  Still 

Ain  mössinges  Rauch  Vaaß 


Hoff-Cappellen  in  Hellbrun. 

Khürchen  Ornat: 

Ain  mössinges  Rauch  Schifl 
Ain  zünnernes  Gießböckh  sambt  der  Aichl 
Vier  zünnerne  Opfer  Kändl 
Ain  solches  Blatt l 
Acht  zünnerne  Altar  Leuchter 
Acht  zünnerne  Püschkriegl 
Zwey  hölzerne  PUsch-Khrieg 
Zöhen  Püsch 
Vier  Mössingene  und 
vier  hölzere  Altar  Leichter 
Ain  eißener  Leichter 
Zwey  Stuell 
Ain  Knüee  Panckh 

Ain  Lainsessl  mit  rotten  Tuech  yberzogen 
Ain  getruckht  leiners  Tuech  zum  Altardeckhen 
Ain  gräen  und 
Ain  rottes  Staffl  Tuech 

Acht  Passiones  Christi  auf  Khupfer  gemahlene  Täferl 
Manipulln  Ain  Wandt  KhlOkhl 

Ain  Liecht  Kopper 
Zway  Altar  Crucifix, 
Zwey  alt  gemahlene  Täferl  in  Holz 
Ain  Parttwisch, 
Zwey  lange  Handtiecher 
Drey  Altar  Täferl,  als  zum  Canon,  Joannis  Evangelium 

und  Lavabo 
Ain  Tuscht 
Ain  Kölch-Läffl 
Ain  anderer  Sacristei  Casten 
Ain  gross  gemahlene  yberhöchte  Sancti  Joannis  Nepo- 

muceni  Tafl. 


Schloß  Hellbrunn  185 

Im  Moiiath  Februar  1736 
ist  dahin  neu  gemacht  worden 

1  Albm  und  Humeral  von  Warnsdorffer  I.einwath,  die  Albm  mit  braithen  Spizen  besezt. 

Im  Maij 

1  A'eu  Roit  tiechenes  Canzl  Tuech. 

Im  Septb. 

2  Altar  Tiecher  von  Warnsdorffer  Leinwath  mit  braitten  Spizen. 

2  deto  mit  Hauß  Leinwath  mit  Spizen. 

Im  Octoher 

2  neue  Albmen  von  härbener  Leinwath  mit  Spieen  sambt  üüertlen  und  Numeralien. 

■   1734  wurde  eine  Kapelle  im  Eremitorio  abgebrochen  und  die  Steine  davon  zum  Bau  eines  Jägerhauses 
!  in  Rif  verwendet  (Hfk.  Glanegg  1734  F). 

Am    17.  Jänner    1748  wurde  von    der  hochfürstlichen  Obristjägermeisterei  folgendes  Attest  ausgefertigt: 
,  Wasmassen  anno  1531  in  dem  hf.  Erzstift  Salzburg  unter  Regierung  s.  hf.  Eminenz  Kardinal  und  Erz- 
bischof Matthäi   Lang  am   Haunsberg,   Pfleggericht   Laufen,  auf  einer  Jagd  ein  Forstteufel  oder 
\  Monstrum,  welches  gelb  von  Farbe  und  sich  von  niemand  ansehen  lassen   wollend,  allen  Winkeln 
\  zueilte,  einen  Hannenkamm  auf  dem  Haubte,  ein  Menschenangesicht  mit  Bart,  Adlerfüße,  schier  Löwen- 
I  tatzen  und  einen  Hundschweif  hatte,  auch  weder  durch  Liebkosen  noch  mit  Gewalt  einige  Speise  oder 
Trank  annehmend,  bald  vom  Hunger  starb,  gefangen  worden  sei.  Ein  solches  hat  man  von  hier  unten- 
stehendem hf.  Amte  aus,  obschon  dissfalls  keine  schriftliche  Documente,  allermassen  vor  217  Jahren  die 
Jägerei  hierlands  so  regulär  annoch  nit  gefilrstet,  sondern  dergleichen  gefangene  merkwürdige  Thiere  nur 
abzuschildern  und  mit  Inschriften  zu  versehen,  gleichwie  mehrere  dergleichen  vorhandene  an  die  Hand 
geben,  üblich  war,  fündig  sein  wollen;  um  so  viel  glaubbarer  zu  attestieren  nicht  den  mindesten  Anstand 
I  nehmen  sollen  als  schon  beilich  vor  130  Jahren  S.  hf.  Gnaden  Erzb.  Marx  Sitticus  das  uralt  vorhandene 
ast  vermoderte  samt  der  Aufschrift  auf  Holz  gemalene  Bild  schon  vorhin  im  hf.  Lustort  Hellbrunn, 
hernach   aber  S.  hf.  Gn.  Erzb.  Johann   Ernst  als  ein   sonderbarer  Liebhaber  der  Jägerei  zwei  diesem 
gleiche  in  Marmor  ausgehauen  mit  Inschriften  versehene  Statuen  verfertigen  eine  hievon  alda  im  Garten 
unter  einer  mit  Spritzwerk  und  Wasserkunst  versehenen  Grotte  liegend,  die  andere  aber  in  dem  hf.  Lust- 
orte Kiessheim  ohne  diesfalls  genommene  Bedenken  als  ein  hierlands  alle  Zeit  glaubwürdig  befunden 
allbekantes  Wunderthier  jedmänniglich   haben   vor  Augen   stellen   lassen  wollen.    Actum  Salzburg  den 
17.  Januari   1748.    S.  hf.  Gn.  Erzbischofen   zu  Salzburg  etc  verordneten  Obristjägermeisteramt  allda. 
Franz  Josef  Graf  Kuenburg,  Oberstjägermeister  (vgl.  Hübner  Stadt  1,  537  und  Schallhamer  14). 
1741  berichtete  Franz  Anton  Danreiter,  hochfürstlicher  Garteninspektor,  daß  die  sogen.  Schmitten,  worinnen 
die  Villen  kleinen  sich  bewegenden  Figuren  zu  finden,  ungangbar  ist  und  stimmt  bei  derselben  Gelegenheit 
dasselbe  Lied  an,  das  wir  schon  1681  von  Wentzeisen  vernommen:  Über  dieses  Alles  hat  doch  der  hf. 
Garten  zu  Hellbrunn   ein   nicht   wenige  Connexion   mit  der  Oeconomie  dasigen  Orths,   und  ist  zu 
beförchten,  dass,  so  ein  Stuck  nach  dem  andern  eingehen  sollte,  der  Zufluß  deren  dahin  zur  Recreation 
,  sich  begebenden  In-  und  Ausländern  sich  auch  nach  und  nach  ebenfahls  verlieren  würdte. 
Aber    erst    sieben    Jahre    danach    kam    es    zur    endgültigen    Neuschaffung    der    Schmiedgrotte.     1748 
wurden   bei   der   sogenannten  „Schmiedgrotte"    (7'   lang,   8'    hoch)    umfassende  Reparaturen    notwendig. 
;  Bei   dieser  Gelegenheit   erbot  sich  Lorenz  Rosenegger,  Raitter  am  Dürrnberg,  die  Grotte  nach  folgender 
Beschreibung  vom  12.  Juli  neuzugestalten. 

Beschreibung 

was  bey  dem  .  .  .  Lustohrt  Helbrun  in  Beysein  deß  .  .  .  Herrn  AV  A':  Cleeber   lioctifürstl.  Salzburg:  Bau  Directoris  etc. 

wie   auch   deß  .  .  .  Herrn   Johann   Jacoben    Kendler  hochfürstl.  Salzburg,   löbl:  Pflöggerichts-Schreibern  daselbst  auch 

H"  Hofprunmaisters   vor  ernanntes  Helbrun   wegen   der  ruinierten    in    dessen    Kunst-   und   Lustgartten   befindtlichen 

S  c  h  m  i  d  t  e  n,  umb  neue  Reparirung  verabredeter  in  Augenschein  genommen  worden. 

Als  erstl.  ist  diese  Sclimiten  wegen  verfaulten  Grundt,  allwo  das  Röderwerch   sich   befindet,   eines   neuen,   und   zwar 

tauerhaffteren,  dan  dem  alten,  nembl:  von  puren  aichernen  Holz  und  ohnentpOrl:  Grundts  auch  ganzer  Stelagi,  sambt 

XI  24        ■ 


186  Qerichtsbezirk  Salzburg 

neuen  Wasser-  oder  Tribl-Rädl  mit  der  Geleger  und  Zugehör   :  wan  änderst  eine  thaueren  solte  daran  gehoffet  werden 

und  herzustöllen  benöttiget. 

2do  die  Schmitten  Selbsten,  umb  auch  die  neue  Stelage   zu   bevestigen,   genzlich   abgetragen,   die   Figuren    sambt   den 

Gepeu  was  ein  u.  anders  brauchbar,  renovirt,  die  Bewergungen    neu   eingericht,  u.  noch  das  Übrige  darzue   behörig 

gemacht  werden  solle. 

3Uo  das  völlig  ruinierte  Uhrwerch  durchgehents  abgetragen,    an   dessen   Stath   ein   ganz    neues   bequemblicheres,    umb 

doch  die  Maschinen    oder  Figuren    desto   leichter  zu  bewögen,  vermögentes  Uhr  oder  Tribwerch,  so  nun  das  fiaubt- 

oder  Kunstwerch  der  ganzen  Maschinerie  hineinzumachen  unentpörlich  beschechen  derffte,  wan  änderst  eine  Ehr  daran 

liget  gemacht  werden  solle. 

4'o  wan  doch  unmaßgeblich  welches  zwar  schon  verabrödeter  Massen  Selbsten  nicht  leichtl.  umbhin  gehen  konte  ;/  iedoch 

wan  ein  solches  mit  hechsten  Widerwillen  gescheiten  mieste  ,;  vor  die  zu  denen  noch  alt,  u.  ohnbrauclibaren,  ein  und 

andere  neue  Figuren    welcfie  in  underschidllch  nach  dero  selbsteignen    Belleben    anzuschaffenten    Handtierungen   oder 

Professionen   bestunden,    sambt   darzuegehörigen  Wohnungen  wegen  mehreren  Lust  oder  Kunst  zu  beobachten,  alldie- 

weillen  ein  so  grosses  Gepäu  ein  pur  lehres  nichts  anvor  representirte  .,  auf  das  Neue  aber  Jeder  menigl.  ain  satsames 

Contento  verursachen  würde. 

5to  zumahlen,  wie  schon  vorgemeldet,  in  jenen  nicht  vorzuschreiben,  doch  desto  herrlicher  allweillen  ein  dergleichen 

Lust-    u.    Kunstolirt   der   weiten    curiosen    Welt    zur   Genlege    bekhant,    nicht   uneben    stehen  würde,  wan  ein  Orgl- 

Werckh  alß  welches  das  Hörn  In  der  hochen  Vestung  Salzburg  oder  einen  Echo  u.  dergleichen  zu  Belieben  stehenten 

StLen  so  alles  durch  das  Haubtwasser  oder  Trlb-Rädl  mit  den  dazue  benöttigten  Werck,  allwo  das  Wasser  ohne  deme 

durch  die  bleyerne  Röhrn,  damit  ein  solches  alles  sambt  der  ganzen  Machino  bewegt  werden  muß,  vorstöllen  wurde. 

Waß  der  darzue  belauffenten  meinen  UnItOsten  und  Verdienen  betreffent,  alß  wolle  ein  solches  meiner  fürstl.  Genaden 

und  gnädigisten  Gebietter  unden  Herrn  Herrn  etc.  etc.  hechstangebornen  Milde  u.  Clemenz  dero  selbsteigner  in  dergleichen 

statsamben  anvor  bewusten  heclisten  Scienz  und  Erfahrenheit  submisisslme  anheimbgestöllet  haben. 

Beschreibung 
die  ruinöse  Schmittengrotta    in    hochfrl.  Salzburg:  Lorenz  Rosenegger 

Lust-  und  Kunstgarten  Hellbrunn  betrfd.  Promptus  Raitter  in  Thürnperg. 

den  12.  July  äö  1748. 

Die  Aufsicht  über  die  Arbeit  wurde  dem  Hofkammerrat  und  Baudirektor  Johann  Ernst  von  Keutschach 
und  dem  Kammerdiener  und  Lustgarteninspektor  Fianz  Anton  Danreiter  übertragen.  Am  26.  Oktober 
wurde  nun  folgender  Uiicostens-Contract  und  Überschlag,  Die  Schmidt-Grotta  in  Hellbrunn  betr.  ab- 
geschlossen, indem  sich  Rosenegger  verbindlich  gemacht,  ain  Hörn  mit  Echo  in  zwai  Werck  und  2  Windt- 
laden  oder  Pälgen   10  Stiken  spülend,  mit  Einschluß  aller  hierzue  benöthigter  Materialien,  ausser  des 

Holz,  mit  welchen  selbst  nit  versehen  wäre  zu  verferttigen  umb 50  fl  —  kr 

Weiter  machet  sich  Rosenegger  anheuschig  100  neue  Figuren,  so  alle  wohl  postirt  u.  in  Agilitet  gesezt 
seind,   in   ermelte  Grotta  zu  bringen,  wofür  er  sambt  Faßen  und  darzue  erforderlichen  Pichsen  auch 

Drahtwerch  mit  Einschluß  der  alten  noch  brauchbaren  einzurichten  protendirt 100  fl  —  kr 

Vor  der  in  der  Grata  ins  Prospekt  herumb führende  Gepäu,  Walz  und  Triebwerch,  sambt  Tassen  und 
anderer  Zuegehörde,  auch  aller  Bemiehungen  item  aigner  Verkostung  vor  sich  und  seinem  Gsöll,  iedoch 
ohne  Quartier,  Pöth,  Liecht  und  Beheizung,  so  ihme  von  Helbrun  aus  aparte  zuezustöllen  wäre,  zu- 
sammen           150  fl  —  kr 

Nach  heijl:  3:  König  alß  vollendter  Generalbschau  beim  Pergwerch  im  Thürnperg  verspricht  Rosenegger 
im  Helbrun  sich  zu  stallen,  dem  Werckh  den  Anfang  zu  machen,  ii.  [:geliebts  Gott:]  in  medio  Junij: 
solcher  zu  Ende  zu  bringen,  worbei  Rosenegger  gebetten,  zur  Bestreittung  der  Unkosten  nach  angefan- ' 
gener  Arbeith  monathl.  ä  Conto  Angelt  etwas  erfolgen  zu  lassen. 
Außer  disen  müssen  2  Zimmerleith  14  Tag  gehalten  werden,  das  Geleger  von  aichenen  Holz  zu  ver- 

förttigen,  deren  Wocherlohn  betragt 3  fl  44  kr 

Das  zum  Geleger  und  anderen  Werckh  benöttigte  Holz  würdet  beiy.  angeschlagen  ...  13  fl  —  kr 
Was  aber  auf  Verförttigung  aines  kupfern  Radis,  so  in  Diametro  3  Schuech  seyn:  wordurch  das  ganze 
Werckh  getrieben  werden  mueß,  item  2  Messing  ainziihlige  Wechsl  dann  3  par  solche  Hilsen  an  Un- 
kosten crlaiiffen  würdet,  khan  man  ohne  Beyziechung  und  Vernemmung  des  Kupferschmidts  und  Gloggen- 
gießers  dermahl  in  kheinen  verlässlichen  Überschlag  bringen.  Weiters  40:  Schuech  ainzählig  bleyerne 
Rohr,  xü'ordurch  das  Wasser  auf  ersagtes  Radt  gekittet  würd,  erforderten,  ieder  Schuech  zu  5'ls  Pf  ge- 


Schloß  Hellbrunn  187 

rechnet,  220  Pf.;  wan  aber  ain  neuer  Modi,  so  ainzählig,  hey  der  Hoffpaumeisterey  nit  vorhandten,  u. 
derjenige,  dessen  gegossener  Schuech  5'ls  Pf.  wögt,  bißanhero  von  gemainer  Statt  Paumaisterey  entlehnet 
worden,  ohnmaßgebigist  beygeschafft  wurde,  worzue  9  fl  Unkosten  erforderlich,  khonte  die  Helffte  Bley 

in  Erspahrung  khomen  und  wären  nur  820  fl.  nothwendig,  wofür 15  fl  —  kr 

Gießerlohn  vom  Pf:  6  ^     3  fl  —  ^, 

Ain  hierzue  benöttigte  Wasserbehaltnus  oder  Reserva  von  aichenen  Holz  der  Länge  nach  6  und  in  der 

Braitte  3  Schuech  eingeschlossen  der  Zimmer arbaith,  Kitt  und  Nögl 6  fl  40  kr 

Summe  ausser  des  Kupferschmidts  u.  Gloggenguessers  Verdiensts 

343  fl.  24  kr. 
Am  10.  Dezember  ratifizierte  Erzbischof  Andreas  Jakob  Graf  Dietrichstein  diesen  Kontralit.  Im  Jänner 
1750  aber  wandte  sich  Rosenegger,  Promptus-Raitter  und  Kunstarbeither  in  Thürnberg  dermahlen  im 
Lustorth  Helbrun,  mit  der  Bitte  an  den  Erzbischof,  es  möchten  ihm,  da  die  paktierte  Summe  von  350  fi. 
'  bereits  für  die  Arbeit  aufgegangen,  das  Werk  aber  noch  ungefähr  vier  Monate  beanspruchen  würde, 
I  wöchentlich  10  fl.  Lohn  ausgeworfen  werden  bis  zur  Vollendung  dieses  kunstreichen  Werkes,  da  ohnedem 
vor  meine  Persohn  nicht  mehr  dann  wöchentlich  mit  Kost  und  Lohn  sambt  Beyschaffung  meines  Werk- 
zeugs 2  fl  kommet,  welches  in  Betracht  meiner  Miehe  und  wegen  speculirent  viller  schlaflosen  Nacht 
,  nicht  zu  vill  sein  solle,  besonders  da  ich  vill  aus  Saxen,  Wienn,  Venedig  und  anderen  Orthen  aigents 
umb  einige  Kunstwerk  hieher  geraiste  Leuth  habe  zu  ihren  gresten  Widerwillen  mit  lehren  Hendten  ab- 
speisen miessen.  Ich  verlange  hiedurch  keinen  Gwin,  sondern  nur  dem  hf.  Lustorth  einen  Welt  berueffenen 
Namen,  mir  aber  eine  Ehre  zu  erwerben.  Die  Ursache  dieser  Überschreitung  war  der  Umstand,  daß  der 
Kontrakt  nur  ein  neues  Werk  in  die  alte  Schmiedgrotte  vorsah,  während  mittlerweile  durch  Danreiter 
eine  ganz  neue  größere  Grotte  (IS'/-/  lang.  20'  breit)  errichtet  worden  war.  Rosenegger  arbeitete  mit 
zwei  Gesellen.  Am  28.  April  1750  bewilligte  Erzbischof  das  Wochengeld  von  10  fl.  Bis  Ende  Juni 
1750  waren  auf  die  Besoldung  Roseneggers  und  seiner  zwei  Gesellen  549  fl.  40  kr.,  auf  Bildhauerarbeit 
144  fl  24  kr.  und  auf  Drechsler-  und  andere  Arbeit  19  fl.  34  kr.,  zusammen  also  713  fl.  38  kr.  auf- 
gegangen. Die  Bildhauer  waren  Bartlmä  Pfäll  in  Nonntal  (85  Figuren),  Josef  Georg  Frieß 
(18  Figuren),  Johann  Georg  Roß  in  Hallein  (5  Figuren)  und  Josef  Strasser,  Bildhauergeselle 
(49  Figuren).  Die  Drechslerarbeiten  machte  Johann  Ulrich  Rettensteine r.  Bis  Mai  1751  war  die 
Summe  schon  auf  1035  fl.  18  kr.  aufgelaufen.  Am  1.  September  1752  endlich  war  dem  Erzbischof  die 
Geduld  ausgegangen  und  er  befahl,  dem  Rosenegger  so  lange  kein  Geld  mehr  zu  verabfolgen,  bis  nicht 
das  Werk  tatsächlich  vollendet  wäre.  Gleichzeitig  wurde  Rosenegger  auf  Hohensalzburg  in  Verhalt 
genommen,  wo  ein  Korporal  auf  ihn,  damit  er  nicht  entflüeche,  obachtsambes  Aug  zu  halten  und  bis 
gänzlicher  Verförttigung  des  Werks  alle  hilfliche  Hand  zu  bieten,  unter  Tag  ihm  kein  Getränk  zu  lassen 
und  ihm  auf  der  Seite  zu  bleiben  hatte,  um  auf  die  Arbeit  fleißig  Achtung  zu  geben.  Aber  schon  am 
gleichen  Tage  wurde  er  gegen  eine  Erklärung  wieder  entlassen,  ihm  aber  zur  Aufsicht  und  zu  baldigen 
Ende  Betreibung  der  Korporal  als  Aufsicht  mitgegeben.  Am  28.  Oktober  1752  war  das  Werk  endlich 
vollendet.  Im  Juni  1753  stimmten  der  Hofkapellmeister  Johann  Ernst  Eberlin  und  Hoforgelbauer 
iEgedacher  das  Orgelwerk.  Gleichzeitig  wurden  auch  folgende  Beschreibungen  des  „Mechanischen 
Theaters",  wie  es  fortab  genannt  wurde,  verfaßt. 

Explikation  oder  Erklerung  der  neuerpauten  und  verfertigten  Kunsigrotta  in  dem  hochfilrstl.  Salzburg.  Lust  Orth 
Hellbrunn,  so  vorweisset  eine  hoc/ifärstl.  Hoffmarch,  alß  erstl.  in  dessen  Mitte  die  lioclifürstl.  auf  Romanisch  erbaute 
Residenz,  zu  beyden  Seilten  das  Pau  und  Preywesen,  Ringsherumb  verschiedene  Handtierungen  und  Professionisten  in 
Ihren  Werckstätten  auch  letztl.  mit  einem  künstl.  Orgl-  oder  Hornwerckh  sambt  Echo  und  Concert.    Alles  durch  Wasser 

betrieben. 

Figuren  Residenz: 

bewegt,     unbewegt.  Hochfürstl.  Wappen 

2  Stuken  mit  Lavetten. 

2  Grenadier  so  auf  und  abspatzieren, 

2  1  Hercoles  sambt  Hydra. 

24* 


10 

47 

53 

7 

50 

20 

113 

74 

3 

66 

J  Gerichtsbezirk  Salzburg 

Figuren 
bewegl.     unbewegt. 

4  Im  ersten  Umbgang  2  Cavattier  und  2  Dantes. 

8  Römische  Kayser  auf  der  ersten  Gallery. 

4  1  Pantaton   1  Harlequin    1  Docto   1  Scaramuzo. 

3  Auf  d.  2ten  Gallery   2  Cavattier   1  Dame. 

10  Kaysert.  Brust  Bilder  in  denen  Kitschen. 

6  Vasis  auf  denen  Patustraten. 

2  Trag  Mändt  unter  den  forderen  Trompetergang. 

2  Figuren  in  Nitschen   vorstellend  die  erste  Archite/tturam,  die  zweite  Musicam. 
6  Delphinen  in  den  Thurn. 

3  Fortuna  auf  der  Welt  Kugel. 
3  Trompeter  auf  die  3  Gang. 
2  Wächter  bey  der  Klolten. 

Summa  der  würckl.  bewegl.  und  unbewegt.  Figuren. 

Rechter  Handt. 

Liniter  Handt. 

Summa  Summarum  der  bewegl.  und  unbewegt  Figuren.    Eine  und  andere  Stuc/t  so  auch  ein  jedes 

vor  eine  Figur  gerechnet  wirdt. 
Schilder  Rechter  Handt. 
Linker  Handt  als  unten  zu  sehen  ist. 

113  143  Summa  Summarum. 

Rechter  Handt 

I  bohrender  Zimmermann 

4  Stekenschlager 

1  Vorsinger 

2  Baumschneider 
1  Zimmermeister 
1  Tagwercker  so  umb  die  Arbeit  fragt 
1  Tagwercker  mit  dem  Rennseyl 
4  Zimmerleuth  sambt  Brust  Zeug  Klim  und  Seyl 
1  Wagner  mit  der  Schmidtsaulen  und  gemachten  Redern 

3  im  Kauffladen  1  Kauffmann  mit  unterscliiedtl.  Waaren    I  Bagot  Mändt   1  hangender  Drach.  ^ 

6  im  ersten  Umbgang  5  Tagwercker  welche  zu  tragen  verschiedtl:  Paumaterialien  1  Zimmerman  SO 

mit  seinem  Werckzeug  auf  die  Arbeit  geht. 
8  Tagwerker  im  zweyten  Umbgang.  welche  zutragen  verschiedtl.  Paumaterialien. 

4  Maurer  im  S'en  Stockh  mit  Ziegl  Maltertrug  und  Geristen, 

8  Auf  dem  Dach  7  Zimmerleuth    1  Pollier   so  trinkt. 

1  11  Barbierer   1  sitzt  und  läßt  sich  barbieren 

1  Schildt  mit  unterschiedtl.  ausgeliengien  Barbier  Schüsseln. 
3  Schmidt  nebst  Zugehör  und  Schildt. 

3  1  Zangießer  mit  den  Drehe  Radt   1  Gesell  mit  der  Gießkandl   l  Radttreiberin  und  unterschiedU. 

Zünngeschirr. 

1  1  Drexler  sambt  Drehbank  und  Zugehör.  *■ 

2  1  Mahler  sambt  Potre    3  Farbenrelber  u.  7  Landschafften. 
53                 7           Summa  der  würckl.  bewegl.  und  unbewegt.  Figuren. 

3  Schilder  so  auch  ein  Jedes  vor  eine  Figur  gerechnet  wirdt.  '^ 


Auf  dem  Boden 
neben  der  Residenz. 


( 


Linker  Handt 
Auf  dem  Boden  neben  der  Residenz. 

1  Wandt  Wascher  nebst  1  Faß  und  Wannen. 

2  Binder  und  ein  Faß. 
5  1  Metzger   so  den  Ochsen  schlägt,  1  Ochs   so  niederfalt  und  wieder  aufsteht   1  Metzger  so 

Messer  wetzt   1  Metzger  so  das  Lämpl  absticht   1  Lämpl  auf  den  Schrägen  so  die  4  FUß  um 
Kopf  bewegt. 


Schloß  Hellbrunn 


189 


Figuren 
bewegt,     unbewegt. 
1 


11 


3 

4 
4 

3 
2 


5(1 


1 
9 


20 
66 


Reyffensclmeider  mit  der  Reyf  Ban/i. 

1  Pälir  1  Pälirentreiber  so  den  Pätiren  an  der  Kelten  liat  1  attes  Weib  so  mit  ilim  tanzt  und 
2  blasende  Pälirentreiber. 

Im  Keller  12  Bierfässer   23  Kändl  und  Krug  und  5  Laternen. 

Im  Wirtshauß  1  Wirdt  1  Kellner  1  Pauer  mit  der  Raditrugen  und  altem  Weib  4  Gäste  und  1  Schildt. 

Im  Preyhauß  I  Maischer  2  Aufkhieler  1  so  Bier  füllt  1  Maischpoding  1  Pierkhiel  8  Fässer  4  Amper. 

Auf  der  Maltz  Thennen  2  welche  Hauffen  arbeiten,  1  Maltz  Trager  und  6  MaltzUauffen. 

In  der  Fleischbanck  1  Schildt  1  Ausgezogenes  Lämpl  2  Ausgezogene  Ochsen  2  Hammel  1  Schweins- 
Kopf  1  Mulde  mit  Warst  1  Brett  mit  Bratwärst. 

Bekhin  sambt  Lehn  Labt  Semmeln  Strützen  Wecken  5  Mehlsäck. 

Im   Umbgang  1   Judt   auf  den  Schwein    1  Altes  Weib   1  Pilrger   mit   der  Wiegen  auf  den  Puckl 

1  Kind  darinnen  und  1  darauf  1  Kleiner  Pilrger  1  so  Taback  raucht  1  Schneider  auf  der  Gaiß 

2  Gitzl  auf  den  Buckel  und  Werck  Zeug  1  Wagner  so  das  Radt  umbkehrt. 
Im  Caffehauß  oben  3  Gäste  und  unten  2  Spaniolen. 

1  Meister  Schuster  so  zuschneidt  2  Gesellen  und  1  Schildt. 

1  Schneider  Meister  so  zuschneidt  2  Gesellen  und  1  Schildt. 

1   Riemer  Meister   1  Gesell   so  Leder  stecken  sambt  Rist  Banck  2  Gesellen  sambt  Riemer  Rössl 

und  Schildt. 
1  Weißgerber  Meister  2  Gesellen  so  Haut  schaben  und  2  Werck  Bänck. 
1  Bildthauer  so  ein  hillzernes  Bild  ausarbeit  sambt  Schrägen,  1  Gesell  so  im  Stein  arbeitet,  sambt 

Brustbildt  Schrägen  und  Werkstatt  mit  unterschiedl.  academischen  Stuck. 
Summa  der  wtlrckl.  bewegt,  und  unbewegt.  Figuren. 
Stuck  so  auch  ein  jedes  vor  eine  Figur  gerechnet  wirdt  alß  1  Fass  und  Wannen  hey  dem  Wandt 

Wascher  1  Faß  bey  den  Binder  40  Stuck  im  Keller  14  Stuck  im  Preyhauß  6  auf  der  Maltz- 

thennen  und  4  Schildter  machen  zusammen  66  Stuck  oder  66  unbewegt.  Figuren. 


Specification 
derer  in  dem  neuen  Mechanischen  Kunstwerckh  in  Hellbrun  theills  riehrent  theills  unbeweglichen  Figuren 

und  anderen  Sachen. 


Erstlich 
2  Orgl   Werckh    auf  einer   Walzen    durch    das   Wasser 
4  Stück  spillent. 

Figuren 
In  Kaufmans  Laden 

1  Kaufmann    mit    verschiedentlichen 

Wahren. 
1  Pagothen  Mändl  daselbst. 
1  hangender  Track. 


Unbewegt. 


Im  ersten  Umbgang 
5  Tagwercker 

1  Zimmermann. 

Im  ersten  Stockh. 

8  umbgehende   Tagwercker  verschidentliclie   Pau   Mate- 
rialia  tragent. 

Im  änderten  deto. 
4  arbeithende  Maurer  auf  dem  Gerist  sambt  Zieglen. 

Auf  dem  Tach. 
8  derley  Zimmer  Leith. 

Herunten  auf  dem  Poden. 

1  Zimmergsöll  mit  einem  Keuger  porrent 
4  Steckhenschlager 


1  Vorsänger 

2  mit  einer  Zugsag  schneidende  Zimmergsöllen 
I  Zimmermeister 

1  Tagwercker 

1  deto  beym  Aufzug  sambt  Globen  und  Saill 

4  Zugleith  sambt  dem  Brust  Zug. 

•'   In  der  Barbier  Stuben. 
1  Gsöll 


Unbeweglich 


I     1  Persolin  auf  den  Barbier  Siz 
I     /  Schild. 

In  der  Schmidten 


4  Schmidt-Knecht 

1  Wagner  sambt  Schild. 

Oben  auf  der  Schlosserey 
3  Naglschmid 
1  Schlosser 
1  Schild,  unbeweglich. 

In  dem  änderten  Gaden. 
1  Träxler  sambt  Trapanckh  Werckzeug  und  Schild. 

In  der  Zinngüesser  Werckstad. 
1  Trapanckh  und  verschidenes  Zingeschier. 


190 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Mahler  Werckhstath. 

1  Mahler  bey  einen  Porträte  item  7  Landschäfftler 
1  Farbreiber. 

Auf  der  herentheren  Seithen. 

12  Pier  Vaß 
5  Ämpper 
Unbewegt.         23  Kandln  et  Krüeg 
5  Plechene  Latern 
1  Schild 
1  Würth 
1  Kellner 

1  Paar  ain    altes    Weib    in    einer  Rädl 
Truhen  fiehrent 

2  Bindtergsölln  an  einen  Vaß  Raiff  an- 
treibent 

1  Raijf Schneider 
1  Wandt  Wascher. 


An  Figuren 
8  Pier  Vaß 


Im  Preuhauß 
Nichts 

Auf  den  Malz-Thenn 
Nihil 


1  Schneider,  so  auf  dem  Gaißpockh  reittet  mit  Werck- 

zeug  und  2  Kizl  in  der  Putten  versechen 
1  Wagner  mit  umbtreibenden  Rad. 

Weißgerber  Werckhstad. 

1  Maister    \ 

1  Gsöll        i    ^^'^^''  "^^^^Ssent 


1  Schild. 


l  Maister     \ 


Riemer  Werckhstad. 


so  Lader  röckhen 


1  Gsöll        I 

'2  Riemergsöllen  sambt  Riemer  Rössl 

1  Schild. 

Bild -Hauer  Werckhstad 

l  beym  Schrägen  in  Holz  arbeithender  Bildhauer 

l  anderer  deto  in  Stain   arbeithent   mit   Schrägen    und 

Brustbild 
Underschidlich  zurBildhauerey  gehörige  Academie-Stuckh. 

Schneider  Werckhstad 

1  Schild  mit  einem  Gaißpockh 

2  Näende  Schneidergsöllen 

1  Maister  auf  einen  Tisch  zuschneident. 


In  den  Fleisch  Bahckh 


\ 


ausgezogen 


Unbew. 


1  Schild 

1  Lämppel 

2  Oxen  / 
2  Schweinen  Schuncken 
1  deto  Köpft 

1  Muelter  mit  Wurst  und  Punzen 

1  BrOd  mit  Brad  Wärst 

1  Mezger  so  ein  Lämppl  abstichet 

1  Lämppl  den  Kopf  und  Füess  bewegent 

1  Metzger,  welcher  den  Oxen  schlagt 

1  Ox  der  niderfahlet  und  aufstehet 

1  Fleischhackher  Messer  wezent. 


Beym  Pern-Tam 
1  Per 
1  Pern-Treiber  disen  in  der  Ketten  fiehrent 

1  altes  Weib    mit  dem  Fern  tanzent 

2  blasende  Pern  Treiber. 


Im  Pöckhen-Laden 

I  Pöckhin    mit    Lenlaib,    Sembl,    Struzen, 
Röggelen  und  Mehlsäckh 


unbewegt. 


Umb  den  Pöckh  Laden  gehen  herumb 

1  Jud  auf  einem  Schwein  reittent 
1  altes  Weib 

1  Bürger  Pauer  sambt  Wiegen  und 

2  Kindern 

!  Tobackh  rauchender  Paur 


Schuester  Werckhstad 
1  Schild 

1  Maister  Arbeith  herrichtent 

1  Schuech  machender  Knecht 

1  deto  welcher  wixet. 

Caffae  Hauß 
Nichts. 

Residenz 

2  Schildwach  haltende  Grenadier 
2  Methollene  Stuckhl  auf  Laveten 
I  Hochfürstl.  Wappen 

1  Hercules  mit  Hydra 
8  Rom.  Kaiser 

10  solche  Brust  Bilder 
Unbewegt.  6  Bases 

2  Gang  tragende  Männer 
2  Figuren   Architekturam   et    Musicam 

vorstellent 
6  Delphin  über  ein  methallene  Gloggen 
I  Fortuna  zu  obrist  auf  der  Residenz 
ohne   der  Schild   an    anderer   Cleinigh- 

ketten:  128  Figuren.  r 

Bereits  geschnizet  aber  annoch  uneingerichtet 
seynt  nachvolgende  Figuren  vorhanden: 

Zu  der  Residenz  gehörig  in  dem  Umbgang  in  besagter 

Residenz 

2  Frauenzimmer  t 

2  Ca  valiers. 


Schloß  Hellbrunn  191 

Herausser  der  Residenz  Lederer  Werckhstad. 


2  Knecht  in  denen  Wonnen. 


l  Scapier 

1  do  do 

1  Scharmiizo 

1  Bantilon  Auf  die  claine  Altana 


I  Hund 

1  Exercitien  Meister. 


2  spännische  Figuren. 

Auf  die  erste  Altana  j^  ^.^  Schmidten 

3  Cavalier 

1  Frauen  Zimmer.  1  Ploß  palgen  ziehen 

l  Schmid  Maister 
In  Thrompether  Gang  1  Pferdt  im  Nothstall 

3  i  hrompether.  1  Reit  Knecht. 

In  Uhr  Thurn 

Auf  dem  Poden 

2  So  die  Uhr  anschlagen.  j  j^„gf.  ^ 

IWildschiez     1     ^"'"ff"''- 
Im  Keller 

I  Wartin 

4  Spiller  ;„  ^,-^  Zilnngüesser  Werckhstad. 
4  Gast 


10  arbeithende  Knecht. 


Im  Preuhaus  ^  GsOll  bei  der  Güeßpanckh. 

1  Weibsperson  das  Rad  treibent 


1  Maister. 


1  Türckh  ■^"'"  Kaufmannsgewölb 

I  Pöllackh  I  Paar  mit  dem  Schmalz  Kibl. 

3  Göst  57  Stuckh  uneinge richte r  Figuren. 

Hochfürstl :  Salzburg:  Lustorths  Verwaltung  Hellbrunn 

den  28.  Septb.  1752. 

Johann  Jakob  Kendler. 

Die  nächsten  Jahre  bringen  abermals  Reparaturen.  1758  werden  die  Bleiröhren  der  Forstteiiflgrota  aus- 
gebessert und  die  Röhren  des  Regenbogens  in  der  großen  Grota  umgegossen.  1759  waren  in  der  Ab- 
gottsgrotta  und  Salblingstuben  an  den  Seitenwänden  daselbst,  die  mit  klein  und  größeren  ver- 
schiedenlich  färbigen  Pflästerln  eingelegt  sind,  viele  tausend  große  und  kleine  Feldln  wegen  der  vermut- 
lichen Felchtigkeit  wirklichen  abgestanden. 

Die  Wiederherstellung  erforderte  ziemlich  viel  Auslagen: 

Benedict  Zopf,  Stockkathorer  123  fl,  Martin  Dreyer,  Hof-  und  bgl.  Hafner  für  22000  groß  und 
kleine  gelb,  weiß,  blau  und  meergrüne  glasierte  viereckige  Steint,  das  Tausend  zu  5  fl  .  .  .  .  110  fl 
Josef  Miller,  Hofvergolder  und  Maler  für  Neumalung  der  5  Stück  Malereien  in  der  Forelngrottn , 
welche  alle  ruinirt  und  nicht  mehr  richtig  waren,  ä  18  fl  zus.  90  fl. 

•1760  wird  befunden,  dass  die  Ruckmauer  der  sogen.  Silbergrota  sich  hindanbegeben  und  ville  Spacatur 
gemacht,  auch  schon  vor  etwelcher  Zeit  des  Einfahls  halber  habe  müssen  gespreizet  werden,  welche  ver- 
muthlich  wegen  denen  villfalltig  alldorth  befindlichen  Prunflüssen  und  etwan  des  nicht  genugsam  ge- 
knackten Fundaments  herkommen  könne,  mithin  diese  unentbehrlich  abgetragen,  neue  Firsten  geschlagen, 
juf  selbe  ein  gut-  und  gewehrliches  Fundament  angelegt  und  also  erwehnte  Grota  in  guth  und  dauer- 
haften Standt  widerumb  hergerichtet  werden  müsse.  Der  Kostenvoranschlag  beläuft  sich  auf  287  II. 
iJ9  kr.  2   v^.    Den  Beginn  der  Arbeiten  setzte  Erzbischof  Siegmund  auf  das  Frühjahr  1761  an. 

Km  27.  März  1770  suchte  Leopold  Rosenegger,  des  gewesten  Oberbergraiters  aus  Hallein  Sohn,  an,  da 
'ir  von  einer  sicheren  Hand  vernommen  habe,  dass  F.  J.  Gn.  gnädigstes  Belieben  tragen  sollten,  das 
:>on  meinem  Vatter  sei.  in  Hellebrunn  errichtete  Werk  ausbuzen  und  reparieren  zu  lassen.  Wan  nun  ich 
iie  Model  meines  Vatters  noch  in  Händen  und  von  ihm  in  dieser  Kunst  profitiert  habe,  demnach  mit 


192  Gerichtsbezirk  Salzburg 

der  Gottes  Hilf  mich  an  dieses  Werk  getraue,  es  möge  ihm  die  Ausbesserung  übertragen  werden.  Das 
Pfleggericht  berichtete,  daß  die  Beschädigung  sich  nur  auf  die  Orgel  und  Pfeifen  beschränke,  weshalb 
dem  Hoforgelmacher  Rochus  Egedacher  die  Reparirung  des  Horns,  Auswexliing  der  Pfeifen  und  Stim- 
mung des  Leders  für  50  fl.  übertragen  wird.  1772  werden  die  zwei  von  Gips  gemachten  und  vor  der 
großen  Groten  im  Lustorth  Hellbrunn  stehenten  Hirschen,  die  wetterschlächtig  auch  dabei  die  Läuff  in 
manichem  abgebrochen  um  48  fl.  repariert. 

Im  April  1775  kam  der  jüngste  Sohn  der  Kaiserin  Maria  Theresia,  Erzherzog  Maximilian  (nachmals  Kur- 
fürst von  Köln),  zu  Erzbischof  Hieronymus  auf  Besuch.  Bei  dieser  Gelegenheit  wurde  auch  Hellbrunn 
besichtigt.  Daselbst  wurde  mit  der  Steinbockjagd  —  wir  entnehmen  diese  Schilderung  einem  gleich- 
zeitigen Briefe  des  Hofratspräsidenten  v.  Kleinmayern  —  der  Anfang  gemacht.  Der  Erzherzog  schoße  den 
schwersten  und  ältesten  Bock  zweimal  wund.  Er  verkletterte  sich  jedoch  mit  gelähmten  Füßen  in  eine 
Felsenhöhle,  so  dass  nur  der  Kopf  hervorragte,  und  dann  gab  ihm  Baron  von  Lehrbach  den  letzten 
Schuß  auf  die  Stirne,  worauf  er  von  der  Höhe  des  Felsens  wie  eine  schwere  Kugel  herabrollte  und 
gleichsam  vor  den  Füßen  des  Erzherzogs  und  Erzbischofs  sein  letztes  Compliment  machte.  Der  Erz- 
herzog war  ungemein  freudig  darüber  und  ich  muss  es  selbst  gestehen,  dass  ich  vielleicht  eine  so  artige 
und  compendiose  Jagd  von  seltenen  Thieren  nicht  mehr  sehen  werde.  Man  hatte  sie  bald  oben,  bald 
unten,  bald  stehend,  bald  flüchtig,  bald  steigend  und  kletternd  und  so  immer  in  dem  Gesicht;  und  dies 
alles  ohne  Lärm,  Geschrei  und  Treiber.  Nach  diesen  verfügte  man  sich  in  den  Garten  an  die  Weyer, 
woselbst  der  Erzherzog  etwelche  Stücke  von  größerer  Gattung  Forellen  und  Saiblingen  mit  der  Angel 
herauszog.  Von  dannen  gienge  es  in  das  Patheon  und  da  wurden  die  eingesperrten  Forellen  und  Saib- 
linge mit  langen  Gabeln  rechtschaffen  zusammengemezelt. 

1791  wurde  die  Mauer  beim  steinernen  Tische  teilweise  erneuert,  nachdem  schon  1788  der  Hofstukkateur 
Pflauder  einiges  ä  la  mosaique  um  123  fl.  gearbeitet  liatte.  Im  gleichen  Jahre  wurde  auch  das  zweite 
Belvedereschlößl  im  Heilbrunner  Hirschgarten  repariert  und  das  Monatschlößchen  einer  gründlichen  Re- 
novierung unterzogen.  Drei  Rohrböden  waren  eingefallen  und  Fenster,  Thüren,  Küche  und  Keller  be- 
fanden sich  in  einem  äußerst  elenden  Zustande.  Erzbischof  Hieronymus  beschloß,  es  neu  herstellen, 
ausmalen  und  zum  Teil  einrichten  zu  lassen,  was  auf  1288  fl.  veranschlagt  wurde.  Aus  den  Akten  er- 
fahren wir,  daß  früher  alle  Reparaturen  durch  den  hochfürstlichen  Oberstbaukommissär  Elias  von  Geyer 
hintersteilig  gemacht  worden  waren.  Louis  Grenier,  Ingenieurhauptmann  berichtet:  Seit  35  Jahren  ist 
keine  Hand  mehr  angelegt  worden.  Da  ich  vor  11,  10  und  noch  vor  9  Jahren  darauf  beharrte,  dass  die 
Ausbesserung  des  bekannten  Schlössls  nicht  länger  mehr  verschoben  werden  könnte,  erhielt  ich  von  Herrn 
V.  Geyer  zur  Antwort,  dass  alle  Reparationen  vergeblich  sey,  weil  obiges  Gebäude  ohnehin  gänzlich  ab- 
getragen werden  sollte,  und  Graf  Galler,  der  Referent  bei  der  Hofkammer,  äußerte  sich  über  Geyer  mit 
einem  vielsagenden:  De  mortuis  nil  nisi  bene.  Im  Juli  1791  waren  die  Arbeiten,  die  sich  auf  1626  fl. 
28  kr.  bezifferten,  vollendet  (Hofbauamt  1791  D). 

Am  10.  Mai  1807  wurden  auf  dem  Wasser  nach  Wien  alle  im  Hellenbrunn  vorräthige  seltene  Vögel  als 
Gold-  und  Silberfasanen,  ausländische  Anten  und  Hennen,  sogar  die  Schwanen  gebracht,  und  damit  in 
diesem  Lustort  nichts  mehr  seltenes  gefunden  würde,  so  wurden  die  3  vorräthigen  Biber  abgeschlagen 
und  das  Fleisch  verkauft.  Die  von  dem  Kurfürsten  von  Passau  hieher  gebrachten  und  um  Hellenbrunn 
ausgelassenen  weißen  Hirschen  erhielten  ebenfalls  die  Weisung,  so  bald  es  thunlich  sein  wird,  nach 
Wien  zu  migrieren.  (Tagebuch  des  Abtes  Dominikus  Hagenauer  von  St.  Peter  pag.  270.)  * 

Ein  Inventar  von  1825  zählt  folgende  Grotten  und  Wasserwerkgebäude  auf:  Das  Fischhaus  oder  die 
Salblingstube,  Neptungrotte,  Monstrumgrotte,  Grotte  der  Kleopatra,  Acteongrotte,  musaische  Grotte,  Grotte 
der  Diana,  Gebäude  der  Mechanik,  Steinbockgrotte,  Mohrenkopfgrotte,  Sternweihergrotte,  Grotte  zum 
Vogelsang;  die  Ruinen  und  Regenbögen  befinden  sich  zu  ebener  Erde  im  Lustschlosse  selbst.  Orpheus- 
grolle, Amphitheater  um  den  steinernen  Tisch,  Brunnhaus. 


Schloß  Hellbrunn 


193 


Beschreibung: 

Der  alte  Haupteingang  liegt  im  O.;  hier  endet  die  im  rechten  Winkel  von  Salzburg  aus  auf  die  Schloß- 
anlage führende,  aus  prächtigen  alten  Bäumen  bestehende  Heilbrunner  Allee,  während  eine  gleich  schöne 
Allee  in  gerader  Richtung  von  Glasenbach-Aigen  auf  das  Tor  hinführt. 

Der  Eingang  selbst  (Fig.  160)  wird  gebildet  von  zwei  hohen  rechteckigen  Mauerkulissen,  die  durch 
je  zwei  Pilaster  (mit  Sockeln  und  Kapitalen  aus  Konglomeratstein)  gegliedert  und  innen  von  Ortsteinen 
aus  Untersberger  Marmor  eingefaßt  sind.  Oben  Gebälk  mit  vorspringenden  Abschlußgesimsen,  daran  zwei 
Marmorwappen  des  Erzbischofs  Marcus  Sitticus;  oben  darauf  stehen  je  zwei  in  Kugeln  endigende  Marmor- 
obelisken auf  Konglomeratpostamenten.  Prächtiges  schmiedeeisernes  Rokokogitter,  im  Jahre  1888  aus 
Schönbrunn  hierher  überführt.  Zu  beiden  Seiten  des  Tores  je  ein  einfaches  niedriges  einstöckiges 
Gebäude,  das  rechte  unten  mit  vermauerten  Schlüsselschießscharten.  Beide  waren  ursprünglich  bloß 
eingeschossig    und    wurden    erst    im    XVlll.  Jh.   erhöht.     Das   Gebäude    zur   Rechten    diente    zuerst   als 


Beschreibung. 


Eingang. 
Fig.  160. 


Fig.  160    Hellbrunn,  Haupteingang  (S.  193) 


Wohnung  der  erzbischöflichen  Trabantenleibgarde,  seit  Erzbischof  Guidobald  als  solche  des  Gerichts- 
dieners; eine  Arrestzelle  ist  noch  erhalten;  im  SW.  schließt  sich  daran  ein  Stallgebäude.  Das  Gebäude 
zur  Linken  bewohnte  zuerst  der  Torwart,  am  Ende  des  XVIII.  Jhs.  Waldmeister  und  Zimmerpolierer, 
jetzt  der  Verwalter.  Das  im  O.  daran  anstoßende  eingeschossige  Gebäude  war  früher  Stall.  Durch  ein 
im  S.  des  Verwalterhauses  in  die  Mauer  gebrochenes,  von  zwei  einfachen  Konglomeratpfeilern  flankiertes 
Tor  mit  schmiedeeisernem  Rokokogitter  kommt  man  in  den  ehemaligen  Damhirschengarten.  Alle  bespro- 
chenen Gebäude  haben  Schindeldächer. 

Vom  Haupttore  führt  in  schnurgerader  Linie  auf  das  Schloß  zu  eine  lange  Straße,  zuerst  von  zwei 
mäßig  hohen  Mauern,  mit  Kugelakazien  zu  beiden  Seiten,  vor  dem  Schlosse  dann  von  zwei  langgestreckten 
eingeschossigen  Gebäuden  flankiert.  In  diesen  waren  1619  untergebracht:  Rechts  die  Stallung  für  die 
Tummelpferde,  ein  Brunnen  mit  einem  Mascheron,  Reitstall  und  Sattelkammer;  links  der  Stall  der 
Karabinerleibgarde,  wieder  ein  Brunnen,  die  Wagenpferdestallung,  Heu-  und  Zimmereihütte,  Pomeranzen- 
stube, der  hf.  Leibstall,  am  Ende  die  Zimmer  des  Hofkaplans  und  der  Offiziere. 

Wie   die  Veränderung   des  Bestandes   gegenüber   den  Ansichten  Fig.  153—154   zeigt,    ist   dieser  Trakt 

umgebaut,   und   zwar    1660.    Dies   besagt   eine   am  Südosttrakte  eingemauerte  weiße  Marmorplatte  mit 

dem  Reliefwappen  des   Erzbischofs  Guidobald  Grafen   von   Thun   (1654—1668)  und  der   Inschrift:  Hoc 

XI  25 


194 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


latus  haustum  fortuito  igne,  ut  datnno  doceret  sapere,  fortius  et  ampltus  pro  habitatione  et  hortensium 
hyematione  per  arcuata  opera  iiistauravit  Giüdobaldus  arch.  et  princeps  MDCLX. 
An  Stelle  zweier  bogenförmiger,  von  je  einem  Tore  durchbrochener  Mauern,  welche  wir  auf  den  ältesten 
Ansichten  Fig.  153 — 154  sehen,  stehen  am  Ende  der  Straße  zwei  einstöckige,  1692  erbaute  Gebäude, 
Fig.  ihl.  gegen  den  Hof  zu  halbrund  eingebogen  (Fig.  161).  In  dem  nördlichen  (Fig.  167a)  befand  sich  zuerst 
die  Wohnung  des  Pflegers,  dann  des  Gerichtsschreibers  (jetzt  die  des  Hofgärtners).  In  dem  südlichen  {b) 
war  die  des  Hofgärtners  (jetzt  die  des  Schloßwirtes). 

In  der  jetzigen  Hofgärtnerwohnung  befinden  sich  im  Erdgeschosse  zwei  durch  einen  Flachbogen  ver- 
bundene Zimmer  von  unregelmäßiger  Grundrißform  mit  schön  stukkierten  Decken:  In  dem  einen 
ein  ovales  Mittelfeld,  von  vier  Kartuschen  umgeben,  in  dem  anderen  ein  oblonges  Mittelfeld,  umrahmt 
von  buschigem  Blattwerk  und  zwei  Muscheln.  An  der  Laibung  des  Bogens  gekreuzte  Zweige  und  in 
der  Mitte  eine  ovale  Kartusche  mit  zwei  Cherubsköpfen  und  der  Jahreszahl  1692.  In  der  Küche  daneben 
ein  rotmarmorner  Brunnentrog  mit  der  Jahreszahl  1745. 


Fig.  161     Hellbruiiii,  Eckgebäude  im  Runddl  des  Hofes  (1692)  (S.  194) 


Schloßhof.  Der  im  NO.  abgerundete  geräumige  Schloßhof  wird  an  den  beiden  Langseiten  von  niedrigen  Gebäuden 
begrenzt,  in  denen  jetzt  die  Restauration  und  Dienstwohnungen  untergebracht  sind.  Ursprünglich  (1619) 
befanden  sich  in  dem  nordwestlichen  Flügel  (c)  außer  der  Kapelle  neun  Kammerherrenzimmer.  Der  Plan 
von  1776  (Regierungsarchiv)  nennt  westlich  von  der  Kapelle  das  Gasthaus,  östlich  das  Kanzleizimmer 
und  die  Wohnung  des  Pflegers  und  Oberschreibers.  Der  geradlinige  Teil  ist  noch  von  1613,  der  innen 
gebogene  Anbau  von  1692,  wie  eine  an  der  Außenseite  eingemauerte  Marmortafel  angibt  (vgl.  Fig.  153, 
154  mit  155). 

Kapelle.  Ungefähr  in  der  Mitte  des  Nordwesttraktes  ist  die  Kapelle  eingebaut,  die  sich  um  ein  Geschoß  über 
die  übrigen  Gebäude  erhebt.  Sie  hat  in  der  Mitte  eine  Tür  mit  gebrochenem  Giebel  und  Eisengitter, 
oben  ein  Doppelfenster  mit  Giebelverdachung  und  ist  durch  ein  vorspringendes  Gesims  und  einen  ge- 
schwungenen Giebel  darüber  abgeschlossen,  der  mit  einer  gemalten  Sonnenuhr  verziert  und  mit  zwe' 
steinernen  Kugeln  und  einem  Pinienzapfen  bekrönt  ist.  Die  Ecken  sind  mit  Kongloraeralquadein  aimieit. 
Unten  marmorne  Sitzbänke. 

Inneres.  Das  iieu  ausgemalte  Innere  der  rechteckigen,  halbrund  abgeschlossenen  Kapelle  ist  einfach 
gehalten,  kn  den  Wänden  Flachpilaster  mit  stukkierten  ionischen  Kapitalen,  darüber  ein  Gesims  mit 
Eierstab.  Über  der  in  flachbogiger  Nische  stehenden  Eingangstür  ein  rechteckiger,  wohl  für  eine 
Inschrift    bestimmter    Stuckrahmen,    darüber    Doppelfenster.     Rundbogiges    Tonnengewölbe,    über    der 


Schloß  Htllbrunn 


195 


halbrunden  Apsis  abgerundet.  In  der  Apsis  beiderseits  je  ein  Fenster.  Rechts  Tür  zur  kleinen  quadra- 
tischen kreuzgewölbten  Sakristei.    An  der  Kapellentür  altes  Schloß  und  Beschläge  (um  1615). 

Einfacher  Holzaltar  (geschwungene  Mensa  und  Tabernakel),  weiß  lackiert,  mit  vergoldeten  Zieraten; 
dahinter  großes  Holzkruzifix  mit  vergoldetem  Christus,  modern.  Neben  der  Tür  marmornes  Weihwasser- 
becken. 

Gemälde:  1.  Öl  auf  Holz.  Madonna  mit  dem  Kinde.  Maria  (Halbfigur)  wendet  den  ganz  im  Profil 
gestellten  Kopf  zu  dem  auf  ihrem  Schöße  sitzenden  nackten  Jesusknaben;  rechts  Ausblick  auf  eine  Land- 
schaft. Gutes,  leider  teilweise  stark  abgeriebenes  Bild,  italienisch  beeinflußt,  Ende  des  XVI.  Jhs.  — 
Reichgeschnitzter  vergoldeter  Rahmen,  erste  Hälfte  des  XVIII.  Jhs. 


Altar. 


Gemälde. 


1 

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4" 

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Fig.. 162    Helibrunn,  Schloßfront  gegen  Nordosten  (S.  196) 


2.  Öl  auf  Leinwand.  Verlobung  der  hl.  Katharina  mit  dem  Christkinde.  In  der  Mitte  die  sitzende  hl. 
Maria  mit  dem  Kinde,  dahinter  der  hl.  Josef,  rechts  die  kniende  hl.  Katharina,  links  zwei  Putti,  der 
vordere  mit  der  Krone.    Gute,  italienisch  beeinflußte  Arbeit  aus  der  ersten  Hälfte  des  XVII.  Jhs. 

In  dem  gegenüberliegenden  Flügeltrakte  im  SO.  (d)  waren  1619  die  Tafelstube  und  neun  Zimmer 
für  die  Truchsesse  und  Offiziere,  seit  Erzbischof  Guidobald  die  Wohnung  des  Mitterschreibers,  drei 
Küchen,  ein  Brunnen  und  die  Wohnung  des  Brunnenmeisters.  Der  Plan  von  1776  nennt:  Im  O.  das 
Glashaus,  in  der  Mitte  die  Hofküche,  im  W.  die  Brunnenmeisterwohnung;  jetzt  verschiedene  Wohnungen. 
Der  Kapelle  gegenüber  ein  ganz  gleich  gegliederter,  als  Glockenturm  dienender  Bau  mit  einer  Uhr 
im  Giebel. 

Zwei  rundbogige  Tore  im  N.  und  O.  führen  in  den  Garten,  zwei  Durchgänge  im  W.  und  S.  in  den 
vorderen  Schloßpark. 

25* 


Flügeltrakt. 


196 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Schloß- 
gebäude. 
Fig.  152, 
162-168. 


Schloßgebäude  (Fig.  152,  162—168). 

In  den  Jahren  1613 — 1615  wohl  nach  dem  Entwurf  des  Santino  Solari  erbaut.  In  der  Fassadierung  lehnt 
sich  das  Schloß  an   die  Residenzbauten  der  Erzbischöfe  Wolf  Dietrich  und  Marx  Sittich  in  Salzburg  an. 

Das  eigentliche  Schloßgebäude  ist  zweigeschossig  und  hat  im  Grundrisse  die  Form  eines  oblongen  Recht- 
eckes, an  dessen  Schmalseiten  turmartig  zwei  quadratische  Risalite  vorspringen.  Vor  der  Hauptfront  im 
NO.  befindet  sich  eine  Treppenanlage,  aus  der  südwestlichen  Langfront  tritt  ein  rechteckiger  Mittel- 
risalit vor.  Die  Außengliederung  ist  im  wesentlichen  eine  horizontale:  Sockel  mit  starkem  Rundstab  in 
der  Mitte,  unter  den  Fenstern  je  zwei  einfache  Bandgesimse,  alle  gleichwie  die  Fensterumrahmungen  aus 
Konglomerat  (Nagelfluh).  Als  Abschluß  profiliertes  Putzgesims,  darüber  vorkragendes  weiß  stukkiertes 
Hohlkehlgesims. 


Fig.  163    Hellbrunn,  Marmorrelief  in  der  Brunnengrotte 
unter  der  Hauptstiege,  um  1613  (S.  196) 

Hauptfront.       Hauptfront  im  NO.  (Fig.  162):  Zum  Hauptportal  führt  eine  marmorne  Doppelstiege  (mit  mar- 
Fig.  162.         mornen    Balustern    und    kugelbekrönten    Postamenten,    auf   Konglomeratunterbau).     Die   beiden    Stiegen 
münden  auf  eine  kleine  Altane,  von  der  aus  der  Hoftrompeter  zur  Tafel  zu  blasen  pflegte. 

Unterhalb  dieser  Altane  befindet  sich  ein  um  vier  Stufen  in  den  Boden  vertiefter,  nach  vorne  mit  einem 
flachbogigen  Tor  sich  öffnender  Brunnenraum  (Fig.  167,  1).  Er  ist  ringsum  mit  Konglomeratquadern 
verkleidet  und  mit  einer  aus  Quadern  bestehenden  flachbogigen  Tonne  gewölbt.  An  der  Rückwand  dieser 
Fig.  162.  mit  großen  Marmorplatten  gepflasterten  Brunnengrotte  ist  ein  großes  Marmorrelief  (Fig.  163)  auf- 
gcite'it,  darstellend  einen  knienden,  langbärtigen,  nackten  Mann  mit  einem  Rebenkranze  im  Haare,  der 
zwei  S'.einböcke  (Wappentiere  des  Erzbischofs  Marcus  Sitticus)  in  den  Armen  hält;  gute  Arbeit,  um  1613. 
Aus  de:!  Mäulern  der  beiden  Steinböcke  fließt  das  Wasser  in  ein  ovales  Marmorbecken.  Oberhalb  der 
Gruppe  ist  die  Wand  mit  Tuffstein  verkleidet. 


I 


Schloß  Hellbrimn 


197 


Beiderseits   der  Stiege    je   fünf   oblonge,  steingerahmte  vergitterte    Kellerfenster.    Im    ersten    Geschoß  in 

der  Mitte  Portal    aus  Konglomerat:  Rundbogige  Türöffnung  mit  zwei  einfachen  Kämpfersteinen    und 

einem  Schlußsteine,  flankiert  von  zwei  Rustikapilastern  mit  tiefen  Horizontalfugen,  einfachen  Basen  und 

profilierten  Gesimsen.  Darauf  Fries  aus  hellem  Untersberger  Marmor  mit  der  eingemeißelten  fünfzeiligen 

Kapitalinschrift:  ^  .  .  .  ,.,.     , 

^  Quae  circumspiciens  aedificata  certiis 

Marcus  Sitticus  ex  AUaembsiis  co/?z(itibus) 

ar<:A(iepiscopus)  5a//5^(urgensis)  ad  successorum  suiq{ue) 

animi  levamen  decimo  quinto  mense  fundavit 

I  atq{ue)  perfecit  anno  dni  A1DCXV  principatus  IUI. 

'  Über  dem  profilierten  verkröpften  Gesims  in  der  Mitte  das  schön  skulpierte  Marmorwappen  des 
;  Erbauers  Erzbischofs  Marcus  Sitticus,  Grafen  von  Hohenembs,  durch  zwei  marmorne  Fruchtschnüre  ver- 
!  bunden  mit  zwei  auf  profilierten  Postamenten  ruhenden  Marmorkugeln. 


Fig.  164 
Hellbrunn,  Ansicht  des  Schlosses  vom  großen  Weiher  im  Südosten  (S.  197) 


Beiderseits  des  Tores  im  Mittelteile  je  drei,  in  den  wenig  vorspringenden  Seitenteilen  je  zwei  Fenster  in 
Konglomeratrahmung  mit  profilierten  Sturzgesimsen.  Im  zweiten  Geschoß  in  der  Mitte  ein  Doppelfenster 
und  beiderseits  davon  je  fünf  Fenster  mit  profilierten  Dreiecksgiebelverdachungen. 

!ln  der  Mitte  über  dem  Abschlußgesims  ein  rechteckiges  Dachgeschoß  mit  flachbogigem  Giebel;  in  der 
i  Mitte  ein  Doppelfenster  und  darüber  zwischen  zwei  profilierten  Gesimsen  zwei  Mezzaninfenster   in  Kon- 
glomeratrahmung; an  den  Seiten  Marmorvoluten  mit  Vasen. 

Südostseite  (Fig.  164):  Rechts  unten  neben  dem  Durchgange  rechteckige  Kellertür,  darüber  im  ersten 
Geschosse  zwei  Fenster  mit  profilierten  Gesimsen,  im  zweiten  Geschoß  ein  Fenster  und  eine  Balkontür  mit 
Giebelverdachung.  In  dem  Winkel  ein  später  eingebauter  rechteckiger  Wendeltreppenaufgang;  darin  im  SO. 

!  unten  Tür,  darüber  ein  oblonges  und  oben  ein  größeres  Fenster;  profiliertes  Abschlußgesims,  Schindeldach. 

ilm  stark  vorspringenden  Eckrisalit  im  NO.  unten  eine  Tür  und  links  daneben  ein  vermauertes  Fenster,  im 
i-isten  Geschoß  ein  Doppelfenster  (eines  vermauert)  mit  profiliertem  Sturze,  darüber  ein  zweites  Doppel- 
fenster mit  Giebelverdachung  (rechte  Hälfte  beseitigt),  in  der  Mitte  Ovalnische  mit  der  Marmorbüste  eines 

'bärtigen  römischen  Kaisers. 


Südostseite. 
Fig.  164. 


198 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Nordwest- 
scite. 


In  der  Südostseite  des  Risalits  unten  ein  dreifaches  Kellerfenster  (die  zwei  seitlichen  vermauert),  im 
ersten  Geschoß  ein  dreifaches  grofJes  Fenster  (das  mittlere  in  der  unteren  Hälfte,  die  beiden  seitlichen 
ganz  vermauert)  mit  profiliertem  Sturzgesims.  Im  zweiten  Geschoß  ein  Holzbaliion  mit  schmiedeeiserner 
Balustrade,  rechteckige  Balkontür  mit  zwei  seitlichen  Fenstern  in  Steinrahmung  mit  profilierter  Giebel- 
verdachung,  die  in  der  Mitte  durch  eine  ovale  Nische  mit  der  Marmorbüste  eines  bartlosen  römischen 
Kaisers  unterbrochen  ist. 

Nordwestseite:  In  der  linken  Hälfte  unten  Tür  und  daneben  oblonges  Kellerfenster;  moderner 
Vorbau  mit  zwei  Holzsäulen.  Im  ersten  Geschosse  zwei  Fenster  mit  profiliertem  Sturze,  im  zweiten  zwei 


Flg.  165    Heiibrunn,  Nordwestrisalit  des  Schlosses  mit  Bacchusstatue  (S.  198) 


Fig  165.  mit  Giebelverdachung.  —  Im  vorspringenden  Risalit  (Fig.  165)  im  NO.  unten  Tür  mit  zwei  seitlichen, 
vermauerten,  oblongen  Fenstern,  im  ersten  Geschoß  ein  dreifaches  Fenster  mit  geradem  Sturze  (die  beiden 
seitlichen  ganz,  das  mittlere  zur  Hälfte  vermauert),  im  zweiten  ein  dreifaches  Fenster  mit  gebrochenem 
Giebel,  darin  in  der  Mitte  Marmorstatue  eines  bartlosen  römischen  Kaisers.  Links  daneben  noch  ein  recht- 
eckie^es  Fenster.  Reicher  gegliedert  ist  die  den  Weiheranlagen  zugekehrte  Nordwestseite  des  Risalites. 
Drc!!U(Jies  oblonges  Kellerfenster  (die  beiden  seitlichen  vermauert),  im  ersten  Geschosse  dreifaches  Fenster 
wie  im  NO.,  im  zweiten  Balkon  mit  Tür  und  zwei  Seitenfenstern,  Giebelverdachung  und  marmorner 
Kaiserbüste.  Der  flache  Holzboden  des  rechteckigen,  mit  schmiedeeiserner  Brüstung  versehenen  Balkons 


Schloß  Hellbrunn 


199 


wild  an  den  Seiten  getragen  von  zwei  marmornen  Atlanten,  die  statt  des  Unterleibes  zwei  in  ein- 
andergesclilungene,  in  eine  Maske  endigende  Schlangenscliwänze  haben,  in  der  Mitte  von  einer  großen 
Volutenkonsole  mit  einer  Maske,  ebenfalls  aus  Untersberger  Marmor. 

Südwestfassade  (Fig.  166):  Dem  Sternweilier  zugekeiirt.  In  der  Mitte  rechteckig  vorspringender 
Risalit;  darin  großes  Konglomeratportal  mit  Rustikagliederung;  neben  der  rundbogigen  Öffnung  zwei 
nach  unten  sich  verjüngende  halbrunde  Pflaster  mit  marmornen  Köpfen  und  Füßen  als  Kapitalen  und 
Basen;  gerades  Gebälk,  über  der  Blechverdachung  zwei  Marmorkugeln.  Darüber  breitovales  Fenster  in 
Verputzumrahmung;  im  zweiten  Geschosse  Doppelfenster  mit  gebrochenem  Giebel,  darüber  schön  skul- 
pieites  Marmorwappen  des  Erzbischofs  Marcus  Sitticus.  Darauf  als  drittes  Geschoß  Aufsatz  mit  Giebel 
von  gleicher  Gliederung  wie  bei  der  Hoffassade. 


Siidwest- 
fassade. 
Fi"  166. 


Fig.  166    Hellbrunn,  Südwestfassade  des  Schlosses  mit  Eingang  zur  Neptungrotte  (S.  199) 


M^ 


eben  dem  Portal  an  den  Ecken  zwei  Marmorkartuschen  mit  bronzenen  Hirschenköpfen,  aus  denen 
Wasserstrahlen  gespritzt  werden  können,  bezeichnet:  Hitzl  fc.  (Sie  wurden  im  XIX.  Jh.  als  Ersatz  der  früher 
lier  befindlichen  zwei  Stuckhirsche  von  1693  angebracht,  die  durch  Verwitterung  zugrunde  gegangen  waren; 
ranz  Hitzl  lebte  1791 — 1856.)  In  den  beiden  Seitenwänden  des  Risalits  im  ersten  Geschosse  je  ein  ver- 
schaltes Fenster  mit  geradem  Sturz,  im  zweiten  Geschosse  je  eines  mit  Giebelverdachung,  im  Aufsatze  je 
•in  einfaches  Fenster. 

^Mderseits  des  Mittelrisalits  in  allen  drei  Geschossen  je  vier  paarweise  zusammengerückte  Fenster  von  ent- 
prechender  Umrahmung  wie  auf  den  übrigen  Seiten.   In  den  vorspringenden  Eckrisaliten  in  allen  drei  Ge- 
chossen  je  drei  Fenster;  von  denen  im  Grotten-  und  1.  Geschosse  sind  die  beiden  seitlichen  vermauert.  Über 
lern  gebrochenen  Giebel  im  2.  Geschosse  in  Ovalnische  je  eine  Marmorbüste  eines  römischen  Kaisers. 
Jher  dem  Hauptgebäude  Schindelsatteldach,  über  den  Schmalseiten  abgewalmt,  mit  gemauerten  Rauch- 
innren   und  Dachfenstern.    Über  den  Eckbauten   Schindelpyramidendächer,  mit  prismatischen  hölzernen, 
plechgedeckten  Laternen  mit  Blitzableitern,  die  schon  1786  durch  den  salzburgischen  Professor  P.  Domi- 
likus  Beck  eingerichtet  worden  waren. 


200 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


go  yubx^ 


Fig.  167    Hellbrunn,  Grundriß  1  :  700  (S.  202) 


Schloß  Hellbrunn 


201 


XI 


(M 

o 

CM 


3 

Qf 


26 


202 


Qerichtsbezirk  Salzburg 


Inneres. 
Fig.  167,  168. 


Inneres  (Fig.  167,  168): 

Vom  Haupttore  kommt  man  in  ein  rechteckiges  Vor  haus  (wo  früher  die  Leibgarde  Wache  hielt),  mit 
einem  Marmorpflaster  und  einem  von  je  zwei  rundbogigen  Stichkappen  eingeschnittenen  flachbogigeii 
Tonnengewölbe  (Fig.  167,  2).  In  der  Rückwand  große  leere  rundbogige  Nische,  daneben  zwei  Türen,  die  zu 
zwei  Wendeltreppen  führen,  von  denen  man  auch  zu  den  Grotten  hinabkommen  kann.  Darüber  je  ein 
oblonges  Oberlichtfenster  (das  linke  vermauert)  und  darüber  je  ein  großes  Fenster  mit  Holzgitter.  Im 
NW.  eine  Heizöffnung  mit  Eisentür  und  eine  kleinere  Tür  zu  den  Parterrezimmern,  im  SO.  eine  größere 
zur  Aufgangsstiege  und  weiterhin  eine  zweite  Tür  zu  den  Parterrezimmern  im  südöstlichen  Flügel.  Alle 
Fenster  und  Türen  in  profilierter  Umrahmung  von  Untersberger  Marmor. 


Fig.  169    Hellbrunn.     Gemalte  japanische  Piipiertapeten  (S.  203) 


Im    südöstlichen  Teile    haben  Vorhalle    und  Küche    ein    von   rundbogigen  Stichkappen   eingeschnittenes 

Gewölbe,    die   drei   nebeneinander   liegenden  Zimmer  flache  Decken    und  das  Gemach  im  Eckrisalit  ein 

gratiges  Kreuzgewölbe. 

Rechts  von  der  Halle  liegen  vier  Räume:    1.  Vorzimmer  (3).     Gewölbe,  auf  jeder  Seite  zwei  rundbogige 

Stichkappen.  —  2.  Daneben  im  SW.  (4),  verbunden   durch  Tür  in  profilierter  Marmorrahmung,  ähnlicher 

Raum;   rundbogiges  Tonnengewölbe  mit  je  zwei  rundbogigen  Stichkappen.  —  3.  Der  durch  die  ganze 

Breite   gehende   Karabinersaal    mit   flacher   Holzdecke   (5).   —   4.   Im    Seitenrisalit   die    Küche   mit  vier- 

kappigem  Gewölbe  und  altem  Herde  (6). 

Eine  gerade  aufsteigende  Stiege  mit  34  Stufen   aus  rotem  Marmor   führt   in    den  Oberstock,    der   die 

Fürstenzimmer  enthält,  und  zwar  zunächst  in  ein  gewölbtes  Vorzimmer  (7)   mit  drei,  von  geraden 

St'u.'zgesimsen  überdachten  Portalen  aus  rotem  Adneter  Marmor. 

Neben  der  Stiege  ein  schönes  vergoldetes,  schmiedeeisernes  Gitter  zwischen  einem  halb  in  die  Wand 

eingemauertem  und  einem  freistehenden  prismatischen  Postament  aus  poliertem  gelbem  Marmor;  in  den 


Schloß  Hellbrunn 


203 


drei  ovalen  Seitenfeldern  des  letzteren  ist  zweimal  der  Steinbock,  einmal  der  Löwe  in  Relief  dargestellt. 
Gitter  und  Postamente  um  1615. 

Von  den  geräumigen  Zimmern  haben  sieben  dieselben,  über  einem  umlaufenden  Gesims  aufsteigenden 
Spiegelgewölbe  wie  der  Vorraum.  Die  Verbindungstüren  sind  fast  durchweg  in  rotem  Marmor  gefaßt  und 
mit  geradem  Sturzgesimse  versehen.  In  dem  Zimmer  der  Hofseite  neben  dem  Festsaal  (12)  ein  Kamin 
in  rechteckiger,  kräftig  profilierter  Umrahmung  aus  gelbrotem  Marmor,  mit  schön  gearbeiteter,  schmiede- 
eiserner, doppelflügeliger  Tür.     Im  gleichen  Zimmer  an  den  Wänden  japanische  Papiertapeten 


1-ig.  1/0    Hellbrunn.    Detail  aus  der  japanischen  Tapete  (S.  203) 


um  1720.  (Die  von  Stainhauser  erwähnten  blau-goldenen  Ledertapeten  sind  nirgends  mehr  vorhanden.) 
In  dem  im  SO.  angrenzenden  oblongen  Speisesaal  (13)  ein  Kachelofen  von  1608  (s.  unten)  und  zwei 
Hängelaternen  mit  verglastem  Messinggehäuse  (XVIII.  Jh.).  In  dem  Zimmer  südöstlich  davon  (14)  dieselbe 
japanische  Schablonentapete  wie  oben,  in  dem  größeren  Zimmer  neben  dem  Vorzimmer  (15)  sehr  wert- 
volle, mit  der  Hand  sehr  sorgfältig  gemalte  japanische  Papiertapeten  (angeblich  von  1720):  viel- 
ästige Bäumchen  mit  weißen,  roten  und  blauen  Blüten,  belebt  von  vielerlei  Vögeln  und  Schmetterlingen; 
vorzügliche  Arbeit  (Fig.  169,  170).  Im  selben  Zimmer  ein  Kamin  in  reich  profilierter  Umrahmung  aus 
rotem  Marmor,  mit  bemalter  Eisentür  und  eine  große  verglaste  Hängelaterne  mit  vergoldetem  Holzgehäuse 
(Ende  des  XVIII.  Jhs.).  Im  Zimmer  im  südöstlichen  Vorbau  (16)  an  den  Wänden  Leinwandspaliere  des 
XVllI.  Jhs.,  mit  braun  aufgedruckten  Blumenstreifen. 

26* 


Fig.  169,  170. 


204 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Festsaal. 
Fig.  171. 


Einen  besonderen  Schmuck  weisen  der  durch  die  ganze  Breite  des  Gebäudes  gehende  Festsaal  und  das 
anstoßende  achteckige  Zimmer  im  Nordwestrisalit  auf.    Beide  sind  an  den  Wänden  und  am  Gewölbe  voll-  _ 
ständig  bemalt.  | 

Der  Festsaal  (10)  (Fig.  171)  hat  einen  Fußboden  aus  gelblichen  und  roten  quadratischen  Marmor- 
platten und  ein  flachbogiges  Gewölbe.  Nach  Hübner  hatte  dieser  Saal  (1792)  „vergoldete  Ledertapeten 
auf  blauem  und  rotem  Grunde  und  viele  große  Gemälde,  darunter  12  Abbildungen  von  Kaisern  aus 
Gold".  1854  wurden  die  Tapeten  durch  Malerei  ersetzt  und  die  Wandgemälde  selbst  „restauriert",  d.  h. 
mit    Ölfarben    vielfach    übermalt.    Wände   und   Gewölbe    sind    durch    Architekturmalerei   gegliedert.    An 


Fig.  171    Hellbrunn,  Festsaal  (S.  204) 


den  Wänden  stehen  vor  Pilastern  auf  reichverzierten  Postamenten  zwölf  lorbeerbekränzte  römische  Kaiser 
im  Panzer  und  kurzen  Mantel,  mit  Schwert  und  Feldherrnstab.  An  den  Postamenten  die  kleinen  Inschriften: 
Julio  Cesare,  Augusto,  Tiberio,  Caligula,  Claudio,  Nerone,  Galba,  Othone,  Vltelllo,  Vespaslano,  Tito, 
Domlzlano.  In  der  Mitte  der  beiden  Schmalseiten  zwei  Trophäen,  wie  die  Kaiser  in  Goldbronze  und 
Braun  (größtenteils  neu  [1850])  gemalt.  Auf  den  gemalten  Gesimsen  darüber  16  Paare  von  (mit  Kupfer- 
bronze gemalten)  Putten,  die  je  eine  Fruchtschale  stützen.  Über  den  Fenstern  und  Türen  sechsmal  in 
Gold  vor  rotem  Grunde  die  Wappentiere  des  Erzstiftes  und  des  Erzbischofs  Marcus  Sitticus,  Löwe  und 
Sieinbock.  Ober  den  beiden  Türen  im  SO.  zwei  gemalte  Wappenschilde  mit  je  zwei  darüber  schwebenden 
rutleri.  Im  linken  das  normale  Wappen  des  Erzbischofs  Marcus  Sitticus,  im  rechten  ein  phantastisches 
Wappen:  Löwe  (Wappentier  des  Erzbistums  Salzburg)  und  Steinbock  (Wappentier  der  Grafen  von  Hohen- 
^Tübs)  in  inniger  Umarmung;    darüber  der  Wahlspruch:  Numen  vel  dlsslta  jungit. 


Schloß  Hellbriinn 


205 


Fig.  172    Hellbrunn.   Oktogon,  erstes  Wandfeld  (S.  211) 


206 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Fig.  173    Hellbrurin.   Oktogon,  zweites  Wandfeld  (S.  212) 


Schloß  Hellbrunn 


207 


Fig.  174    Hellbrunn.    Oktogon,  drittes  Wandfeld  (S.  212) 


m 


208 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Fig."  175    Hellbrunn.   Oktogon,  viertes  Wandfeld  (S.  212) 


Schloß  Hellbrunn 


209 


An  den  beiden  Langseiten  sind  zwei  perspektivische  Durctiblicke  gemalt.  Links  erblickt  man  durch 
eine  Säulenhalle,  eine  Pfeilerhalie  —  in  der  links  zwei  Frauen  mit  Früchten,  rechts  ein  Krieger  und 
eine  Frau  stehen  -  und  eine  von  zwei  Palästen  flankierte  Straße  die  Markuskirche  von  Venedig.  Rechts 
durch  eine  Säulenhalle  Durchblick  auf  einen  von  einstöckigen  Gebäuden  mit  hohen  Rundbogenarkaden 
umschlossenen  Platz.  Zwischen  den  Säulen  und  dem  Pfeiler  links  eine  ältere  Frau,  die  eine  jüngere,  von 
zwei  Mädchen  begleitete  Dame  begrüßt,  rechts  eine  vornehm  gekleidete  Dame  am  Arm  eines  blondlockigen 
jungen  Kriegers;  in  den  Mittelarkaden  links  ein  Mann,  rechts  ein  junger  Krieger  im  Gespräche  mit  einem 
1  Mädchen. 


Fig.  176    Hellbrunn.    Oktogon,  Detail  aus  dem  ersten  Wandfeld  (S.  211) 


Ober  dem  vorspringenden  Saalgesims  uingibt  das  Gewölbe  eine  gemalte  Balustrade.     Darauf  ein  Falke, 
I  zwei  Enten,  zwei  Papageien,  ein  Affe,  ein  Pfau,  ein  Reiher.  In  den  vier  Ecken  sitzen  auf  der  Balustrade  je  zwei 
'  kupferbronzene  nackte  Jünglinge,  die  einen  Fruchtkranz  tragen.    In  der  Mitte  der  Schmalseiten  im  SW. 
ein  Putto  mit  drei  Kränzen,  im  NO.  einer  mit  Apfel  und  Ährenbüschel.    Eine  gemalte  Säulenarchitektur 
I  durchschneidet  den  von  allerlei  Vögeln  belebten  blauen  Himmel.    In  den  Säulengaleiien  je  diei  Paare 
)  von  allegorischen  Frauen,  im  NW.  eine  Frau  mit  Palmzweig  und  Zügel,  daneben  eine  zweite  in  voller 
!  Rüstung;  zwei  aufwärts  blickende  Frauen,  die  eine  mit  Kelch,  die  andere  betend  (Glaube);  eine  Frau 
mit  zwei  Kindern  und  eine  zweite  mit  Öllampe  und  Hahn  (Häuslichkeit).  Im  SO.  eine  Frau  mit  Schwert 
und  Wage  (Gerechtigkeit),  eine  zweite,  die  einen  Pelikan  mit  seinen  Jungen  in   den   Armen  hält  (auf- 
opfernde Mutterliebe);  eine  Frau  mit  Helm  an  einer  Säule  (Stärke),  daneben  eine  mit  einer  Reitgerte  (?); 
eine  behelmte  Frau  mit  einem  von  einer  Schlange  umwundenen  Speer  und  einem  Spiegel  in  der  Hand 
(Wahrheit),  daneben  eine  zweite  mit  einem  Wanderstab.    In  dem  kreisrund  durchbrochenen,  von  einer 
XI  27 


210 


Qcriclitsbczirk  Salzburg 


Fig.  177  Hellbrunn.   Oktogon,   Details  aus  dein  zweiten  Wandield  (S.  212)  Fig.  178 


Fig.  179    Hellbrunn.    Oktogon,  Detail  aus  dem  zweiten  Wandfeld  (S.  212) 


Schloß  Hellbrunn 


211 


Balustrade  umgebenen  Mittelteile  schwebt,  in  perspektivischer  Verkürzung  gesehen,  eine  geflügelte  Frau 
mit  Palmzweig  und  Blumenkranz  in  den  Händen. 

Alle  Malereien  sind  —  besonders  in  den  großen  Flächen  —  vielfach  restauriert.  Relativ  am  besten  und 
unversehrtesten  sind  die  Figuren  in  dem  perspektivischen  Gemälde  der  Südostwand.  Bei  genauem  Zusehen 
erkennt  man  bald  die  Unterschiede  der  alten,  von  feinen  Rissen  durchzogenen,  in  einer  Art  Wachstechnik 
gemalten  Partien  und  der  modernen  glatten  Ölfarbenübermalungen. 

Auch  das  Oktogon  im  nordwestlichen  Vorbau  (11)  ist  vollständig  ausgemalt.  An  den  Laibungen 
der  vier  Tür-   und  Fensternischen  Arabesken    und  Putten    in  Gold    auf  rotem  Grunde,    1854  fast  ganz 


Oktogon. 


Fig.  180    Hellbrunn.   Oktogon,  Detail  aus  dem  dritten  Wandfeld  (S.  212) 


neu  gemalt.  In  den  acht  Ecken  je  zwei  Säulen  auf  gemeinsamen,  mit  Akanthusblattwerk  und  je  zwei 
Steinbockköpfen  verzierten,  oben  ausgebauchten  Postamenten,  mit  gewundenen  blauen  Schäften,  von 
goldenen  Reben  umrankt,  in  denen  Putten  herumklettern.  Bei  den  vier  nicht  durchbrochenen  Wand- 
abschnitten tragen  je  zwei  Säulen  init  zwei  perspektivisch  zurückgestellten  von  gleicher  Bildung  eine 
quadratische  Decke,  die  kreisrund  durchbrochen  ist.  Auf  dem  Rande  sitzt  je  ein  Vogel  (Fasan,  Adler, 
Pelikan,  Sperber).  Hinter  jeder  dieser  Säulenhallen  öffnet  sich  ein  perspektivischer  Durchblick  auf  eine 
langgestreckte  Galerie  mit  prismatischen  Pfeilern,  zwei  mit  flacher  Kassettendecke,  zwei  mit  Kreuzgewölben. 
Diese  Hallen  gehen  auf  einen  Hof  hinaus,  der  durch  einen  halbrunden  Arkadenbau  abgeschlossen  wird. 
Herren  und  Damen  im  Zeitkostüm  vom  Anfange  des  XVII.  Jhs.  wandeln  in  den  vier  Säulenhallen: 

1.  (Fig.  172).  Vorne  rechts  eine  blonde  junge  Dame  in  dekolletierter  Toilette  (rot,  mit  blauem  Oberkleide) 
mit  hohem  Leinenkragen,  Fächer  und  Taschentuch  in  den  Händen  (Fig.  176).    Hinter  ihr  eine  alte  Duenna 

27* 


Fig.  172. 
Fig.  176. 


212 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Fig.  173. 
Fig.  177. 


Fig.  178. 


mit  weißem  Kopftuch;  in  den  Arkaden  zwei  Dienerinnen  und  ein  Mann.  Ein  quergeiiender  tiefer  Sprung 
durclischneidet  leider  das  Bild. 

2.  (Fig.  173).  Rechts  eine  vornehm  gekleidete  Dame  mit  roter  Taille  und  faltigem  weißem  Rock,  Spitzenkrause, 
Perlendiadem  und  goldener  Halskette  (Fig.  177);  sie  überreicht  mit  liebenswürdigem  Lächeln  eine  rote 
Nelke  einem  Kavalier  (in  blau-weißem  Gewände,  mit  gelbem  Mantel  und  grüner  Schärpe),  der,  das  rote,, 
mit  zwei  weißen  Straußfedern  geschmückte  Barett  in  der  Linken  hallend,  ehrerbietig  auf  sie  zuschreitet 
(Fig.  178).  Die  Ähnlichkeit  mit  dem  Bildnisse  des  Erzbischofs  Marx  Sittich  (Fig.  185)  läßt  die  alte  Tradition 
als  begründet  erscheinen,  daß  hier  Marcus  Sitticus  als  junger  Edelmann  (Graf  von  Hohenembs)  dargestellt  ist. 


Fig.  181   Hellbrunn.  Oktogon,  Kuppelgemälde  (S.  213) 

Links  stehen  zwei  junge  Damen,  die  eine  in  rotem,  die  andere  in  blauem  Kostüm,  beide  mit  Perldiademen, 
Fig.  179.     goldenen  Halsketten  und  Mühlradkragen;    vielleicht  die  Töchter  der  Dame  oder  Hofdamen   (Fig.  179). 

Alle  Personen  unverkennbar  Porträts. 

Fig.  174.     3.  (Fig.  174).  Eine  schöne  junge  Tänzerin  (in  gelbem  Gewände,  mit  einer  roten  Straußfeder  im  sorgfältig  frisierten 

Fig.  180.     blonden  Haar)  (Fig.  180),  der  zwei  Jünglinge  aufspielen.    Links  ein  blonder  kräftig  gebauter  Bursch  (in 

rotem  Leibrock  mit  blau  gepufften  grünen  Hosen)  mit  einer  Laute,  rechts  ein  brünetter  feingliedriger 

schlanker  Jüngling  (mit  violettem  Rock  und  weißen,  rot  gepufften  Pumphosen),  auf  einer  Geige  spielend. 

Fig.  175.     4.  (Fig.  175).  Als  Pendant  zu  1  eine  junge  blonde  Dame  (mit  rotem  Leibchen,  blauem  Mieder,  weißem  Rock, 

hohem,  spitzenbesetztem  Kragen)  mit  Fächer  und  Taschentuch  in  den  Händen.  Hinter  ihr  eine  dunkelhaarige 

Dienerin*  in   grünem  Gewände,  mit  einem  Hündchen    in  den  Armen.    Die  dargestellte  Dame  ist  einei] 

glaubwürdigen  Tradition  zufolge  Frau  von  Mabon,  die  Freundin  des  Marcus  Sitticus. 


Schloß  Hellbrunn 


213 


Auf  den  Säulen  ein  reicli  mit  Gold  ornamentiertes  Gesims  (in  der  Mitte  je  ein  Steinbockkopf).  Der 
Tambour  darüber  hat  in  den  Ecken  goldornamentierte  violette  Pilaster;  die  grün  fondierten  Wandfelder 
dazwischen  sind  von  goldenen  Kartuschenrahmen  durchbrochen,  die  von  je  zwei  braun  gemalten  Satyrn 
gehalten  werden.  In  diesen  Öffnungen  stehen  vor  blauem  Himmel  abwechselnd  Löwe  und  Steinbock.  — 
Die  aus  acht  Kalottenstreifen  bestehende  Kuppel  weist  eine  phantastische  durchbrochene  Dekoration  auf. 
Acht  reich  gegliederte,  bizarr  profilierte  Sparren,  feurigrot  grundiert,  mit  goldenen  Einfassungen.  In  den 
Winkeln  je  eine  Vase.  In  den  acht  Öffnungen  vor  blauem  Himmel  auf  vergoldeten  Postamenten  acht 
allegorische  Figuren  schöner  Frauen  (Fig.  181,  182). 


Fig.  181,  182.- 


Fig.  182    Hellbrunn.    Oktogon,  Kuppelgemälde  (S.  213) 


1.  mit  Palmzweig  und  Rosenkranz, 

2.  mit  Füllhorn  (Früchte)  und  Krone, 

3.  rosenstreuend,  mit  Krone, 

4.  Gold  und  Geschmeide  streuend,  mit  reicher  Krone, 

5.  eine  licht  durchstrahlte,  nur  leicht  bekleidete  Frau,  mit  der  Sonne  in  der  Hand, 

6.  eine  sitzende  Frau,  die  Milch  aus  ihren  beiden  Brüsten  spritzt, 

7.  ein  Mädchen  in  kurzem  Rock,  mit  einer  Taube  in  der  Hand, 

8.  eine  sitzende  Frau,  mit  Stab  und  Hut  in  den  Händen. 

Oben  vereinigen  sich  die  acht  in   Steinbockköpfen  endigenden  Sparren  in  einem  achteckigen  Rahmen. 
Den  Boden  des  Oktogonpavillons  bildet  ein  zu  geometrischen  Kompartimenten  zusammengestelltes  Pflaster 
j    aus  roten,  blauen  und  weißen  Marmorplatten. 


214 


Qericlitsbezirk  Salzburg 


Kachelofen. 
Fig.  183,  184. 


Die  am  glatten  Auftrag  erkennbaren  Ölfarbenübermalungen  von  1854  erstrecken  sich  meist  nur  auf  groß- 
flächige Partien:  die  Gründe,  Architekturen,  Säulen,  das  Ornamentale.    Die  Figuren  sind,  besonders  in 
den  Köpfen,  fast  unberührt.  Man  erkennt  die  alten  Partien  an  den  feinen  Haarrissen  und  an  der  pastosen 
Pinselstrichstruktur.    Die  Qualität  der  Bilder  ist  eine 
vorzügliche. 

Als  Maler  gilt  der  Tradition  nach  Arsenio  Mas- 
cagni,  was  nach  einem  Vergleiche  mit  dem  Hoch- 
altarbilde des  Salzburger  Domes  als  sicher  gelten  kann. 
Interessant  ist  die  Technik:  Es  sind  keine  Fresken; 
auf  einen  sorgfältig  geglätteten  Stuckgrund  sind  in 
papierdünner  Schicht  die  jedenfalls  mit  Wachs  ver- 
setzten Farben  aufgetragen. 

Die  Dekoration  der  beiden  Räume  ist  eine  noch  renais- 
sancemäßige, ganz  aus  italienischem  Geiste  geborene. 
Säulenarchitekturen  mit  kunstvollen  perspektivischen 
Durchblicken,  im  Saal  römische  Imperatoren,  alle- 
gorische Frauen  als  Tugenden,  nackte  Jünglinge, 
denen  der  Sixtinadecke  nachempfunden.  Trägt  der 
Empfangssaal  ganz  den  Charakter  fürstlicher  Reprä- 
sentation, so  ist  das  Oktogon  ausschließlich  dem 
Kultus  der  schönen  Frau  gewidmet. 
Das  Ganze  ein  durchaus  einzigartiges  Denkmal  früh- 
barocker italienischer  Innendekoration  auf  reindeutschem 
Boden. 

Kachelofen  (Fig.  183,  184):  Im  Speisesaale  (Hof- 
seite) in  einer  tiefen  rundbogigen  Nische  der  Südwest- 
wand. Auf  einem  Eisengerüste  mit  sechs  Eisenstäben 
aufgebaut,  von  rechteckigem  Grundrisse.  Die  glasierten 
weißen  Kacheln  sind  mit  blauer  Zeichnung  dekoriert, 
die  Ornamente  und  Figuren  zum  Teil  gelb  und  grün 
koloriert.  An  den  Ecken  und  in  der  Mitte  der  beiden 
Seitenflächen  Pflaster  mit  vertieften,  ornamentierten 
Feldern;  am  Postamente  je  ein  Cherubskopf,  am  Kapital 
ein  Widderkopf,  beide  plastisch  gebildet  und  zum  Teil 
vergoldet.  An  den  Sockelfeldern  dazwischen  fünf  Dar- 
stellungen in  Vierpaßrahmen: 

1.  Oben  auf  Wolken  eine  posauneblasende  Frau  in 
einem  von  zwei  geflügelten  Löwen  gezogenen  Wagen. 
Unten  am  Meer  ein  untergehendes  Schiff  mit  er- 
trinkenden Menschen. 

2.  Oben  auf  Wolken  Venus,  vor  Jupiter  kniend.  Unten 
eine  schlafende  Frau. 

3.  Venus  auf  einem  von  zwei  Amoretten  gezogenen 
Wagen. 

4.  Venus  mit  Amor  auf  einem  von  zwei  Vögeln  gezogenen  Wagen,  auf  Wolken  über  einer  Stadt. 

5.  Ein  Mann  und  eine  Frau  betreten  eine  Herberge;  die  Wirtin  empfängt  sie.  (Beschädigt.) 

Au  den  beiden  Eckenpilastern  der  Vorderseite   das    Wappen    des    Erzbischofs   Marx   Sittich.    Zwischen 
den  Pilasterfeldern  fünf  seichte  Nischen  mit  Muschelabschlüssen.    Darin: 


Fig.  183 


Hellbrunn.   Kachelofen  von  Friedrich  StrobI, 
1608—1615  (S.  214) 


Schloß  Hellbrunn 


215 


1.  Der  hl.  Johannes  predigt  den  Juden  (beschädigt);  darunter  die  Jahreszahl  1608. 

2.  Ein  stehender  nackter  Jüngling  (der  Sonnengott),  darüber  die  Inschrift  SOL,  unten  die  beiden  Sonnen- 
rosse mit  dem  Wagen;  ein  Kriegsknecht  ersticht  einen  Knaben.  —  Am  Pilaster  dazwischen  oben  Bacchus, 
unten  Musikinstrumente. 


Fig.  184    Hcllbruim.    Kachelofen  von  1608—1615,  Detail,  Vorderseite  (S.  214) 


3.  (Vorderseite.)  Venus  und  Amor;  landschaftlicher  Hintergrund  mit  kosenden  Paaren  usw.    In  der  Um- 
rahmung Waffen  und  Musikinstrumente  (Fig.  184). 

4.  Namengebung  des  hl.  Johannes;  darunter  die  Jahreszahl  1608.  — -  Am  nächsten  Pilaster  Monogramm 
Jesu,  die  Initialen  des  Hafners  F.  St.  und  Jahreszahl  1608. 


216 


Qerichtsbezirk  Salzburg 


Gemälde. 
Fig.  185. 


5.  Johannes  predigt  vier  Pharisäern  (zum  Teil  alt  restauriert).  Neben  den  Konchen  in  zum  Teil  ver- 
goldetem Relief  je  zwei  Engel. 
Am  Fries  zwischen  den  Kapitalen  in  breitovalen,  von  zwei  Puttenhermen  flankierten  Feldern  verschiedene 
Jagdszenen  (Jäger  mit  Hunden,  Eberjagd,  Bärenjagd,  Reiter  mit  Falkonier,  Hirschhetze). 
Über  vorspringendem  Gesims  schmälerer  Oberteil  mit  profiliertem  Sockel  und  Abschlußgesims.  An  den 
abgefasten  Ecken  vorne  ein  Krieger  und  Perseus  mit  dem  Medusenhaupt.  In  den  ähnlich  wie  unten 
gebildeten  Nischen  ein  Krieger  zu  Roß,  Salome  emp- 
fängt vom  Henker  das  Haupt  des  hl.  Johannes  (oder 
Tomyris  mit  dem  Cyrushaupt?),  MARS  mit  Schwert 
und  Schild.  —  Gesprengter  rundbogiger  Abschluß- 
giebel mit  Flammenurne. 

Die  Figuren  und  Szenen  sind  zwar  —  wie  gewöhn- 
lich bei  diesen  Töpferarbeiten  —  recht  handwerk- 
mäßig gezeichnet.  Als  Ganzes  wirkt  der  Ofen  aber 
sehr  dekorativ  und  gehört  zu  den  besten  derartigen 
Stücken  in  unserem  Bezirke. 

Trotz  der  dreimal  vorkommenden  Jahreszahl  1608 
kann  die  endgültige  Fertigstellung  und  Zusammen- 
setzung wegen  des  aufgemalten  Wappens  des  Erz- 
bischofs Marx  Sittich  doch  erst  1612  (Regierungs- 
antritt) beziehungsweise  1613 — 1615  (Bau  von  Hell- 
brunii)  erfolgt  sein.  Die  Initialen  F.  St.  passen  auf 
den  im  Salzburger  Bürgerbuche  genannten  Hafner 
Friedrich  Strobl  den  Jungen,  Meister  seit  1601. 

Gemälde:  In  der  Regel  Öl  auf  Leinwand. 

1.  (Fig.  185).  221  X  127  r/n.  Porträt  des  Erzbischofs 
Marcus  Sitticus,  in  ganzer  Figur  stehend,  in  roter 
Mozette  und  Chorhemd.  Er  hält  ein  Bild,  das  den 
bis  zum  Hauptgesims  geführten  Dombau  darstellt;  am 
Rahmen  die  Jahreszahl  1618.  Hinter  dem  Erzbischof 
hängt  an  der  Wand,  deren  Tapete  alternierend  den 
Steinbock  und  den  Löwen  als  Muster  zeigt,  in  schwarzem 
Rahmen  ein  zweites  Bild,  welches  uns  Schloß  und  Park 
Hellbrunn,  Emslieb  und  die  Hohensalzburg  zeigt. 
Diese  älteste  Darstellung  von  Hellbrunn  (Fig.  153)  ist 
sehr  wichtig  zur  Kenntnis  dessen,  was  1618  schon  voll- 
endet war,  namentlich  in  bezug  auf  den  Park  und 
die  Grotten.    Das  Gemälde  ist  sehr  gut  erhalten. 

2.  Ansicht  des  Schlosses  und  Ortes  Hohenembs,  des  Heimatsortes  des  Erzbischofs  Marx  Sittich.  Anfang 
des  XVII.  Jhs.  (Nr.  112,  SW.). 

3.  Im  Erdgeschosse  drei  sehr  große  oblonge  dekorative  Gemälde,  Öl  auf  Leinwand,  in  alten  Rahmen 
mit  vergoldetem  Perlstab,  intakt  erhalten.   540  X  180  cm: 

a)  Wassergottheiten,  Tritonen  und  Nereiden,  in  lebhafter  Bewegung.  Links  ein  Mann  mit  Wasserroß, 
eine  Frau  mit  einem  Knaben,  ein  trunkener  Bacchant.  Drei  Greise,  darunter  ein  Faun  mit  dem  jungen 
Amor  auf  den  Schultern,  eine  Nereide  mit  zwei  Kindern,  eine  Gruppe  von  kämpfenden  Tritonen,  eine 
liegende  nackte  Frau  (Ariadne)  und  ein  Putto,  ein  greiser  Triton  und  ein  Jüngling. 

b)  Ein  phantastisches  Bild  von  vielen  miteinander  kämpfenden  Tieren:  Bären,  Hunde,  Löwen,  Hirsche, 
ein  Stier,  Greifen  und  Drachen,  eine  Sphinx. 


Fig.  185    Hellbrunn. 
Porträt  des  Erzbischofs  Marcus  Sitticus,  1618  (S.  216) 


Schloß  Hellbrunn 


217 


c)  Eine  Schar  von  Kentauren  gerät  beim  Frauenraub  in  wilden  Kampf  (Fig.  186).  Gut,  erste  Hälfte  des 
XVll.  Jhs. 

4.  Eberjagd.  Zwei  Edelleute  zu  Roß  stechen  mit  Degen  auf  den  von  Hunden  gehetzten  Eber  ein.  Ein 
Jagdknecht  durchbohrt  ihn  mit  dem  Jagdspeer.    Anfang  des  XVII.  Jhs.  (Nr.  111,  SW.). 

Eine  Serie  von  Ölbildern  auf  Leinwand  in  verschiedener  Größe,  alle  in  schwarzen  Rahmen  mit  vergoldeten 
Innenleisten.    Meist  Jagdbilder  und  Darstellungen  seltener  Tiere: 

5.  Ein  Hausen.  Anno  1616.  Diser  Gestallt  und  grosse  haben  ler  Fürstl.  Durchleicht.  Ertzhertzog  Leopollus 
lerer  hf.  Gnatten  Marx  Sittichen  Ertz-Blschoffen  zu  Saltzburg  einen  lebentlgen  Vlsch  verehrt  und  gen 
Hellprun  Iberanndtworden  lassen  (Nr.  154,  Stiege). 

6.  Holz.  Ein  riesiger  Hausen.  Anno  1617  den  6.  February  aln  halbe  Meli  bey  der  Statt  Tltmonlng  In 
der  Saltzach  ....  Ist  dlser  hierunden  abconterfeter  Vlsch  ebnermassen  und  grosse,  gefangen  und  .  .  Herrn 
Marx  Sittichen  Ertzblschouen  zu  Saltzburg .  .  zu  dero  lobt.  Hojfhaltung  gebracht .  .  worden.  Hat  gewOg. 
238  U.    Um  1617  (Nr.  145,  Vorzimmer). 


Fig.  186. 


Fig.  186    Hellbrunn.    Kentaurenkampf,  erste  Hälfte  des  XVll.  Jhs.  (S.  217) 


7.  Ein  Steinbock.  Den  25.  Juny  Ist  dlßer  ansehenllch  Stalnbock  In  gleicher  gestalt  und  form  alhero  gen 
;  Hellbrun  In  den  Dlergarten  Ihr  hf.  Gn.  Ertzblschouen  Marx  Sltlch  geantwort  worden,  nacher  den  31.  July 

well  er  die  Hltz  nicht  leiden  mögen,  Dott  bllben.    A5  1617  (Nr.  130,  Speisesaal). 

8.  Große  Sonnenblume,  von  vorne  und  hinten  gesehen.  Aller  große  und  gestalt  Ist  dlse  Bluemen  In  dem 
Für.  Saltzburgischen  New  erpawten  Lustgarten  zu  Hellprunn  gewachsen.  1618. 

9.  Ein  riesiger  Eber.  Ao  1618  den  5.  Nouember  Ist  aler  dlsser  gestalt  und  gröse  aln  Wildschwein  an 
dem  haunsperg  geschossen  worden  und  In  den  fürstlichen  Helbrun  Iberantwurt  worden,  halt  gewogen 
5  zenelzner  24  IIb.  (Nr.  57,  Speisesaal). 

'  10.  Ein  großer  brauner  Bär.  Anno  1629  den  17.  Octobrls  Ist  gegenwlerdlger  Bär  aller  Masse  und  Gestalt 

\  aln  Mein  von  Lauffen  am  Stlerel  genannt  mit  6  schuss  durch  einen  Jäger  gefeit  und  zu  der  hf.  Hoff- 
statt geantwurtet  worden  (Nr.  58,  Speisesaal). 
II.  Ein  Schwan.    Aö  1636  Im  Monat  Januarl  Ist  hie  contrafeth  Wüte  Schwan  durch    ein  Jegi^x)    bey 

'  Lifering  geschosen  und  In  hf.  Helprun  gellffert  word{en)  (Nr.  62,  Speisesaal). 

j  12.  Ein  Gemsbock.    Im  Hintergründe  Hasenjagd.    Anfang  des  XVII.  Jhs.  (Nr.  110,  Speisesaal). 

I  13.  Ein  Pelikan  und  ein  Hund.    XVII.  Jh.  (Nr.  63,  Speisesaal). 

14.  Ein  Huchen,  113  cm  lang.  Aller  massen  und  gestalt  Ist  dlser  Huchen,  so  28  u  gewegen,  und  In  der 
Saltza  gefangen  alher  In  hf.  Hellprun  gebracht  und  Im  laxweyer  eingesetzt  worden  am  23.  May  ao 
1633  (Nr.  148,  SW.). 

15.  Ein  Huchen,  109  cm  lang.  Der  Huchen  dlser  gestalt  und  gresse  hat  sich  alhle  Im  hf.  Hellprun  Im 
laxweyer  In  die  17  jar  lang  befundten;  hat  gewegen  25  Ü.    1633  (Nr.  147,  SW.). 

XI  28 


218  Gerichtsbezirk  Salzburg 

16.  Ein  Fisch,  1  m  lang.  Aller  mas,  gestalt  und  gres  ist  dise  hie  abconterfet  grundferchen  12  Jahr  lang 
In  dem  hf.  Hellbrun  im  Huochweier  gespeist  wordten.  Aö  1652  den  30.  Augusti  abgestanden  und  in 
die  hf.  Hofhaltung  gelifert  worden,  halt  gewogen  26  üb.  (Nr.  146,  SW.). 

17.  Hirsch.  Im  Hintergrunde  Anthering.  Den  5.  July  ano  1654  ist  diser  Hiersch  . .  zue  Anthering  im 
Schlagfeld  lebendtiger  gefangen  und  in  hf.  Thiergarten  zu  Hellprunn  gebracht  worden. 

18.  Ein  Kakadu.  Anno  1661  ist  diser  Schacatutsh  hieher  nacher  Salzburg  erkhauft  und  Ao  1669  (ein- 
gegangen?) (Nr.  135,  SW.). 

19.  Ein  Pferd.  Dises  Pferdt  hat  gehabt  ein  Burger  zu  Hambpurg  und  mit  sich  in  der  Gutschen  gefiehrt. 
Ist  13  Jahr  alt  worden  und  sodan  verreckht.   Anno  1667  (Nr.  133). 

20.  Renntier.  Dißem  Contrafet  gleich  sein  von  Ihrer  Khönigl.  May  auß  Schweden  4  Rentier  hiehero  ver- 
ehret, deren  aines  6  Jahr  lang  alhie  lebentig  behalten  worden,  so  anno  1668  Todt  gelegen. 

21.  Ein  Papagei.  .  .  .  ist  diser  indianischer  Raab  erkauft  und  in  der  hf.  Residenz  alda  1669  abgemalt 
worden  (Nr.  134,  SW.). 

22.  Ein  Wels,  158  cm  lang.  Den  Ersten  Juni]  Ao  1671  ist  bemelter  waller  gefangen  worden  ann  dem 
Tächenße(e)  in  ein  khlainen  Reischen,  hat  gewogen  39  pfuntt  (Nr.  153,  SW.). 

23.  Ein  Scliwan  und  ein  Storcli.    XVII.  Jh.  (Nr.  114). 

24.  Großes  Bild  mit  10  Stück  Wild,  vom  Ende  des  XVII.  Jhs.    (Nr.  143,  Stiegenraum): 

a)  Weißer  Zwölfender.  Den  28.  Junif  Ao  1690  ist  gegenwertiger  weiser  Hirsch  von  Ernst  Christoph 
Hietl,  Forstmaistern  außerhalb  Glanegg .  .  lebendig  gefangen,  auch  hieher  in  das  Lustorth  Hellbrunn 
geliefert  worden. 

b)  Weißer  Achtender.  Ao  1693  Den  18.  Juny  wurde  durch  Ernst  Christoph  Hietl,  Forstmaistern,  ein 
dergleichen  weißer  Hirsch  im  Tauchelpoden,  Gollinger  Gerichts  am  so  genanten  Sadelegg  auf  der  höche 
in  der  Scherffe  mit  Netzen  gefangen  und  zwey  Stundt  lang  bis  zum  Tauchelsteen  lebendig  gebracht,  alda 
er  vor  Hitze  verschmachtet. 

c)  Ein  schwarzer  Wolf,  1691  im  Pfleggerichte  Radtstatt  gefangen. 

d)  Ein  schwarz-weiß  gefleckter  Eber.  Dieses  geschäckete  Wildschwein  ist  in  dem  .  .  .  Pfleggericht  Lauffen 
durch  den  hf.  Forstmaister  Ernst  Christoph  Hietl  in  tiicher  eingericht  und  von  Ihro  Hochfürstl.  Gnaden 
in  denen  Zeug  mit  einem  Schweinsspeer  erstochen  worden  Ad  1694. 

e)  Ein  schwarz-weißer  Gemsbock,  Inschrift  übermalt. 

/)  Drei  weiße  Rehböcke.  Diese  weisse  Rech  Böckh  sind  aus  Böhmen  von  denen  Herrschaften  .  .  .  Maxi- 
milian Graffen  von  Thun  hieher  geschickt  und  in  .  .  Hellbrun  einige  Zeit  behalten  worden, 
g)  Zwei  weiße  Hasen. 

25.  Ein  türkischer  Diener  neben  einem  achtfüßigen  Rappen.  Dis  Pfertt  wie's  hie  gemalter  zue  sechen  ist  ad 
1673  in  der  Hochfürstl.  Salzburg.  Residenz  gewestt.    Um  1673  (Nr.  144,  Stiegenraum). 

26.  Ein  Geier.  Diser  alda  abcontrafethe  Stain  Adler  ist  Ao.  1667  im  Augusti  von  Regenspurg  hiehero 
und  alda  im  hf.  Lustorth  Hellprun  biß  auf  Ao.  1688  behalten  worden  (Nr.  61,  Speisesaal). 

27.  Eine  Trappe.  AÖ  1726  bey  kalten  Winter  sein  dergleichen  Trappen  in  dem  Saltzburg.  gebirg  gefangen 
worden  (Nr.  131,  SW.). 

28.  Vier  Bilder,  verschiedene  Vögel.  Ein  weißer  Reiher  (Nr.  132),  zwei  Fasanen  (Nr.  128),  ein  schwarzer 
Fasan  (Nr.  116),  ein  Fasan  und  eine  Wildente  (Nr.  118).    XVIII.  Jh.  (SW.). 

29.  Eine  Schleiereule.  Den  4ten  Jenner  1781  ist  dise  gatung  Nacht  Eilin  in  dem  rinweg  auf  dem  hf. 
Voglden  gefangt  worden  (Nr.  155,  SW.). 

30.  Eine  Trappe,  ein  Schneehuhn.    XVIII.  Jh.  (Nr.  115,  Vorzimmer). 

31.  Große  Landschaft  mit  Reiterkampf.    XVII.  Jh.  (Nr.  161). 

32.  Landschaft  mit  Meer,  Schiff  und  Walfisch.    XVII.  Jh.  (Nr.  160). 

33.  Landschaft  mit  Staffage.    Vorne  drei  Frauen  und   Schweinehirten.    XVII.  Jh.  (Nr.  149,  Stiegenraum). 

34.  Landschaft  mit  Ruinen.    XVII.  Jh.  (Nr.  129,  SW.). 

35.  Landschaft  mit  Wildenten.    XVIII.  Jh.  (Nr.  113,  SW.). 


Schloß  Hellbrunn 


219 


Grotten  im  Schloß. 

Im  Erdgeschosse  des  Haupttraktes  sind  an  der  Südseite  fünf  Grotten  untei  gebracht,  in  denen  auch  an 
den  heißesten  Tagen  die  angenehmste  Kühle  herrscht.  Sie  stammen  alle  aus  der  Erbauungszeit  (1613—1615). 
Steinhauser  (1619)  beschreibt  sie  schon  (vgl.  S.  169). 

1.  Neptungrotte:  In  der  Mitte,  höher  als  die  vier  anderen,  die  größte  und  am  reichsten  ausgestattete 
von  allen.    Rechteckig,  mit   einem  rundbogigen  Tonnengewölbe  gedeckt.    Durch  das  große  rundbogige 


Grotten 
im  Schloß. 


Neptungrotte. 


Fig.  187    Hellbrunn.   Neptungrotte,  Hauptwand  (S.  219) 

I  Portal  im  S.  (s.  S.  199)  strömt  Luft  und  Licht  in  den  prächtigen  Raum,  der  dank  der  soliden  Technik 
der  Inkrustation  seiner  Wände  trotz  der  enormen  Feuchtigkeit,  die  durch  den  im  Sommer  täglich  so  oft 
j  in  Funktion  gesetzten   „künstlichen  Regen"  und  die  Neptunsfontäne  selbst  erzeugt  wird,  sich  noch  in 
\  vorzüglichem  Erhaltungszustande  repräsentiert. 

(  Die  Wände  sind  ganz  mit  Marmor  und  Tuff  verkleidet.  An  der  dem  Eingange  gegenüberliegenden  Nord- 
'  ostwand  (Fig.  187)   eine  große  flachbogige  Tuffsteinnische,  rundbogig  abgeschlossen  mit  einer  großen 

28* 


Fig.  187. 


220 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


stukkierten  Muschel.  In  der  Nische  steht  die  überlebensgroße  Marmorstatue  des  nackten,  von  einem 
Manteltuch  umflatterten  Meergottes  Neptun,  der  die  Rechte  mit  dem  Dreizack  zum  Stoß  erhebt.  Dar- 
unter das  sogenannte  „Germaul",  eine  Blechmaske  mit  beweglichem  Unterkiefer  sowie  zwei  marmorne 
Meeresrosse  mit  Flossen -Vorderbeinen  und  Fisch-Hinterleibern;  aus  ihren  geöffneten  Mäulern  fließen  zwei 
Wasserstrahlen  in  ein  halbrund  vorspringendes  niedriges  Wasserbecken. 
Die  beiden  seitlichen  Wandflächen  sind  von  roten  Marmorstreifen  eingefaßt  und  auf  schwarz  gefärbeltem 
Grunde  mit  weißen  Marmorskulpturen  verziert:  In  der  Mitte  links  der  springende  Löwe,  rechts  der  sprin- 
gende Steinbock,  darüber  je  ein  Steinbockkopf,  der  ein  über  seine  Hörnerspitzen  gelegtes  Fruchtgewinde 
im  Maule  hält,  darunter  ein  Blätterkelch.    Oben  und  unten  je  eine  Blätterrosette. 


Fig.  188    Hellbrunii.   Neptungrotte,  Seitenwand  (S.  220) 


In  dem  rundbogigen  Bogenstreifen  über  dem  umlaufenden,  profilierten  Marmorkranzgesimse  zwei  Frucht- 
vasen, Fruchtgewinde  und  das  Wappen  des  Erzbischofs  Marx  Sittich,  alles  in  weißem  Marmor  auf 
schwarz  gefärbeltem  Grunde. 

Fig.  188.  Mit  dem  gleichen  Material  sind  die  beiden  Seitenwände  verziert  (Fig.  188).  Links  eine  Tür  in  weißer 
Marmorfassung,  darüber  in  rotem  Marmorrahmen  ein  Feld  mit  zwei  fast  ganz  vollplastisch  ausgeführten 
marmornen  Tritonenputten,  die  einen  kleinen  (ursprünglich)  wasserspeienden  Delphin  in  den  Händen 
halten.  Am  mittleren  Wandstreifen  im  Mittelfelde  Löwe  und  Steinbock  in  Umarmung  (Hochrelief  in 
weißem  Marmor).  Rechts  daneben  rundbogige  große  Nische  in  roter  Marmorumrahmung.  Darin  die  über- 
lebensgroße Marmorstatue  einer  lächelnden  Nymphe,  mit  einem  Muscheldiadem  im  Lockenhaar.  Sie  tritt 


Schloß  Hellbrunn 


221 


o 


3 


OD 


222 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


mit  dem  techten  Fuß  auf  den  Kopf  eines  Delphins  und  stützt  ilire  linke  Hand  auf  seinen  Schwanz.  Die 
rechte  Hand  erhebt  sie  zu  der  entblößten  Brust. 

Ganz  entsprechend  ist  die  Dekoration  der  Nordwestwand.  Auch  hier  steht  in  der  Nische  eine  Nympheii- 
statue,  ähnlich  bewegt  wie  ihr  Gegenüber.    In  der  erhobenen  linken  Hand  hält  sie  eine  Muschel. 
Die  dekorativen  Marmorfiguren  und  Zierate  und  die  drei  großen  Statuen  sind  vortrefflich  gearbeitet.  Sie 
sind  von  dem  gleichen  oberitalienischen  Meister,  wie  die  Gruppe  des  Apollo  und  Marsyas  (s.  S.  245), 
um  1613—1615. 

Die  Eingangswand  ist  mit  Tuff  verkleidet.    Ober  der  Tür  Fruchtgewinde  beiderseits  einer  verwitterten 
Kartusche  mit  Steinbock  und  Löwen  (weißer  Marmor). 

Das  rundbogige  Tonnengewölbe  ist  in  ein  rundes  Mittelfeld  und  14  Seitenfelder  zerlegt,  die  durch  Tuff- 
stalaktitenbänder getrennt  und  mit  Stukkaturwerk  und  kleinen  Muscheln  auf  grauem  Kieselmosaikgrunde 


Fig.  190    Hellbrunn.    Weihergruppe  "zwischen  „Theater"  und  Schloß  (S.  226) 


Grotte  links 

von  der 
Neptungrotte. 


verziert  sind.  Im  Mittelfeld  ein  verwittertes  Fresko  in  perspektivischer  Untersicht:  Ein  durch  eine  Balu- 
stradenöffnung zum  blauen  Himmel  emporschwebender  weiblicher  geflügelter  Genius,  mit  Blumen  in 
den  Händen. 

Beiderseits  der  Neptungrotte  je  zwei  niedrige  Grotten,  eingewölbt  von  flachbogigen  Tonnengewölben  mit 
je  zwei  rundbogigen  Stichkappen.  Im  SW.  je  zwei  oblonge  Fenster  in  tiefen  flachbogigen  Nischen,  deren 
Gewände  zum  Teil  mit  stark  verwitterten  ornamentalen  Stukkaturen  verziert  sind. 

2.  Grotte  links  von  der  Neptunsgrotte:  An  den  Fenstergewänden  seitlich  stukkierte  Akanthus- 
ranken,  oben  in  der  Mitte  eine  Maske,  beim  rechten  Fenster  mit  noch  gut  erhaltener  alter  bunter  Be- 
malung. In  den  mit  Tuffstein  verkleideten  Wänden  sind  unten  rechteckige  Felder  ausgespart,  die  mit 
halbzerstörten  farbigen  Stuckranken  verziert  sind.  Darüber  rundbogige  Bogenfelder  mit  besser  erhaltenen 
larMgen  Stuckranken  auf  schwarzem  Kieselmosaikgrunde.  Im  SO.  oben  zwei  Steinbockköpfe  mit  Festons 
und  Va:-en.  —  Am  Gewölbe  Reste  von  Malereien:  Durchbrochene  braunrote  Decke  mit  Musikputten  vor 
blauem  Himmelsgrunde. 


Schloß  Hellbrunn 


223 


3.  Ru  in  eiigro  tte:  Die  Grotte  im  Nordwesteck  ist  künstlich  mit  großem  Geschick  in  eine  Ruine  ver-      Ruinengrotte, 
wandelt.    Mauern    und  Gewölbe   sind   geborsten,   klaffende  Sprünge   lassen  jeden  Augenblick  den  Ein- 
sturz befürchten.    In  dem  Gewölbe,  von  dem  sich  der  Verputz  anscheinend  gelöst  hat,  ist  in  der  Mitte 

ein  gewaltiges  Loch,  durch  das  die  morschen  Bretter  einer  gebrochenen  Diele  hereinragen,  Ziegel 
drohen  herunterzufallen.  Durch  geschickte  Stuck-  und  Verputzarbeit  ist  die  Wirkung  eine  äußerst 
täuschende. 

4.  Die  Silber-  oder  Spiegelgrotte  rechts  von  der  Neptungrotte  hatte  sehr  schöne  Stukkaturen  Silber- oder 
an  den  Wänden,  die  jetzt  durch  die  Feuchtigkeit  stark  zerstört  sind.  Über  einem  Sockel  aus  rotem  Marmor-  Spiegelgrotte, 
stuck  zieht  sich  ringsum  ein  Wandstreifen  mit  reicher  Stuckdekoration:  Rechteckige  Felder,  von  Eierstäben 

und  Lorbeergirlanden  umrahmt,  gefüllt  mit  Rankenwerk  und  Steinbockköpfen.  Darüber  ein  stattlicher 
Fries  aus  gereihten  Maskenkartuschen  mit  runden  offenen  Mäulern.  Die  rundbogigen  Bogenfelder  im 
NW.  und  NO.  sind  jetzt  leer,  waren  aber  ursprünglich  mit  Spiegeln  verkleidet.  In  den  seitlichen  Fenster- 


feiP»*'' 


Fig.  191     Hellbrunn.   Frauenstatue  auf  der  Weiherinsel  (S.  226) 


laibungen  stukkierte  große  beblätterte  Spiralranken,  die  von  Steinbockköpfen  ausgehen;  ziemlich  gut 
erhalten.  An  den  Bogenfeldern  über  den  beiden  Fenstern  je  ein  Cherubskopf.  Die  drei  Türen  sind  von 
Flechtbändern  umrahmt.  Die  Stukkaturen  an  den  Wänden  waren  alle  farbig  (weiß,  gelb,  grün,  blauer  Grund). 
Am  Gewölbe  stark  zerstörte  Malereien:  In  der  Mitte  eine  kreisrunde,  von  vier  Mohren  gehaltene  Balu- 
strade, auf  der  vier  Frauen  mit  Notenblättern  in  den  Händen  sitzen.  In  den  beiden  nordöstlichen  Stich- 
kappenzwickeln erkennt  man  zwei  sitzende  musizierende  Frauen;  die  eine  bläst  auf  der  Flöte,  die  andere 
spielt  Cello.  Im  südöstlichen  Gewölbefelde  fliegende  Putten  mit  Notenblättern  in  den  Händen.  Alle 
Figuren  heben  sich  vom  blauen  Himmel  ab.  Durch  die  Gewölbemalereien  soll  also  auch  hier  —  wie 
oben  im  Oktogon  —  die  Illusion  hervorgebracht  werden,  als  erblicke  man  durch  das  durchbrochene  Ge- 
wölbe den  blauen  Himmel;  wohl  von  Mascagni. 

Die  rechteckigen  Gewände  der  beiden  flachbogigen  Türen  im  SO.  sind  in  Stuck  geometrisch  ornamentiert: 
Je  ein  rundes  Mittelfeld  und  vier  Zwickelfelder,  dunkelblau  gefärbt  und  von  gelben  Perlstäben  umrahmt. 
Die  glatten  Trennungsstreifen  gelb.  Blattwerkbordüre.  —  1761  wurde  die  Grotte  wegen  Einsturzgefahr 
neu  untermauert  und  mit  einem  Stützpfeiler  gesichert  (s.  S.  191). 


224 


Gerielitsbezirk  Salzburg 


Die  ehedem  sehr  prächtigen,  jetzt  unter  dem  Einfluß  der  großen  Feuchtigi<eit  halb  zerstörten  Stukka- 
turen zeigen  denselben  Charakter  wie  jene  in  der  von  Marx  Sittich  gestifteten  Kapelle  in  der  Franzis- 
kanerkirche in  Salzburg  (Kunsttopographie  Bd.  IX,  S.  101,  Fig.  132). 

Vogelsang-       5.  Vogelsanggrotte.  Der  südöstliche  Eckraum  ist  durch  Tuffverkleidung  in  eine  Grotte  verwandelt, 
grotte.  Vogelsanggrotte  genannt  wegen   der  künstlichen  Vogelstimmen,   die  mechanisch  zum  Ertönen  gebracht 

werden  können.  In  der  Mitte  der  Südostseite  ein  kleiner  Brunnen  in  Tuftassung:  Um  einen  Felsen  be- 
wegen sich  durch  Wasserkraft  kleine  Holzfiguren,  ein  Triton,  eine  Najade,  ein  Drache  und  ein  Delphin. 

In  den  Raum  hinter  der  Neptungrotte  münden  die  beiden  steinernen  Wendeltreppen.  Dieser  Raum  und  die 
übrigen  Erdgeschoßräume  sind  ungeschmückt  und  haben  Tonnengewölbe  mit  durchlaufenden  Stichkappen. 


Der  Park. 


Fig.  192    Helibrunn.    Das  „Theater"  (S.  226) 

Der  Park  mit  seinen  dekorativen  Architekturen   und  Skulpturen. 

Von  allgemein  kunstgeschichtlicher  Bedeutung  und  kulturhistorischem  Interesse  sind  die  Theatra,  Grotten 
und  Brunnen  im  Park  mit  ihren  Wasserkünsten  und  zahlreichen  Statuen,  überhaupt  die  ganze  kunst- 
mäßige Parkanlage,  die  1613  begonnen  und  1618  vollendet,  als  das  älteste  erhaltene  Beispiel  barocker, 
italienischer  Gartenarchitektur  und  Gartenplastik  auf  deutschem  Boden  angesprochen  werden  muß. 
Santino  Solari  war  es  wohl,  der  den  Plan  des  Parkes  entwarf,  auch  die  Statuen  wurden  teils  von 
ihm  selbst,  teils  von  Hieronymo  Preosto  und  Bernardo  Zanini  (1614—1617)  ausgeführt. 
Im  wesentlichen  ist  die  Originalanlage  von  1613  noch  heute  erhalten,  die  Skulpturen  und  Kleinarchitek- 
turen stammen  zum  größten  Teil  noch  aus  der  Erbauungszeit.  Später  dazugekommen  sind  nur  folgende: 
Dar  Weinkeller  (1659),  das  Monstrum  (um  1700),  der  sog.  Kleopatrabrunnen  (um  1700),  das  mechanische 
■Jhfcaicr  (1750)  und  die  beiden  Rosse. 

Auch  an  der  alten  Anlage  wurde  im  Laufe  der  verflossenen  drei  Jahrhunderte  manches  geändert,  so  vor 
aüem  das  rein  Gärtnerische  selbst.  Während  zuerst  teils  regelmäßig,  teils  unregelmäßig  gepflanzte  kleine 


Schloß  Hellbrunn 


225 


Bäumchen  überwiegen  und  nur  am  großen  Weiher  itunstvoll  ornamentierte  Boskette  und  zwei  Irrgärten 
sich  finden  (Fig.  153 — 154),  hat  sich  die  eigentliche  Gartenkunst  um  1735  schon  bedeutend  größere 
Flächen  erobeit,  wie  wir  aus  den  Stichen  des  F.  A.  Danreiter,  hf.  Garteninspektors,  sehen,  der  wohl 
diese  neuartigen  Gartenanlagen  meistens  selbst  entworfen  hatte.  Jedenfalls  wurde  der  ursprünglich  in 
italienischem  Charakter  gehaltene  Park  damals  —  der  von  Versailles  ausgehenden  Richtung  entsprechend  — 
in  französischem  Geschmacke  umgestaltet  (Fig.  155).  Doch  schon  zwei  Menschenalter  später  (um  1790) 
mußte  diese  kunstmäßige  Strenge  und  Symmetrie  zum  Teil  dem  neuen    „englischen  Gartenstil"  weichen 


Fig.  193    Hellbrunn.    Kaiserstatue  im  „Theater",  um   1613  (S.  226) 

und  ein  „Naturpark"  mit  gesucht  unregelmäßigen  Wegen  erstand  im  Norden  des  großen  Weihers  (Fig.  156). 
Den  Charakter,  den  die  gärtnerischen  Anlagen  damals  erhielten,  haben  sie  im  wesentlichen  noch  heute. 
Auch  an  den  alten  Grotten  und  Brunnen  wurde  im  XVIII.  und  XIX.  Jh.  einiges  verändert.  Die 
Statue  des  Narren,  die  auf  einem  Abhang  südwestlich  der  Orpheusgrotte  stand,  wurde  1901  vor  das  alte 
Fasanenhaus  gestellt  (Fig.  205),  drei  andere  Statuen  von  dort  sind  verschwunden.  Die  Statue  der  Diana 
mit  dem  Hunde  (Fig.  218)  ist  von  ihrem  ehemaligen  Standorte  in  der  JVlitte  des  Fasanengartens  um  1700 
in  die  ursprüngliche  Eurydikegrotte  gewandert  (Fig.  217),  die  Eurydikestatue  wieder  stellte  man  (um  1700) 
als  „Kleopatra"  in  einer  neuen  Grotte  auf,  die  man  an  Stelle  einer  Dianagrotte  von  1613  erbaut  hatte. 
Die  Dianastatue  dieser  alten  Grotte  steht  jetzt  am  ovalen  Weiher  bei  der  Orpheusgrotte  (Fig.  203),  ihr 
XI  29 


It 


226 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


gegenüber   die    Statue   einer  Wassergöttin,  die   ursprünglich   im   offenen   Oktogon   beim   großen    Weiher 

stand.  Der  Tempietto,  der  neben  diesem   war,  wurde    um   1790  abgebrochen   und  die  darin  befindliche 

Florastatue  (Fig.  234)  in  die  Nähe  des  Perseus  (Fig.  235)  gestellt,  der  ursprünglich   die  Bekrönung   des 

„Brunnen  Altembs"  gebildet  hatte  (Fig.  157).     Ganz  verschwunden  ist  ein  Amphitritebrunnen,  der  neben 

dem  Neptunbrunnen  (Fig.  226)  war.  Die  zahlreichen  Einsiedeleien  und  Eremitorien  im  Süden  des  großen 

Mauereinfanges  fielen  der  aufgeklärten  Zeit  am  Ende  des  XVIII.  Jhs.  (um  1780)  zum  Opfer,  das  reizende 

Schlößchen  „Belvedere",  das  noch  Hübner  (1792)  beschreibt  (Fig.  158),  ließ  man  im  Laufe  des  XIX.  Jhs. 

verfallen;  jetzt  ist  es  ganz  vom  Erdboden  verschwunden. 

Die  Gartenplastik  Hellbrunns   gehört  also  fast  ganz   der 

Erbauungszeit   (1613  — 1615)    an.     Charakteristisch   für   die   Zeit   ist 

die  Auswahl:    Die  antiken  Göttergestalten  des  heidnischen  Olymp  sind  es, 

mit    denen    der    erste    Kirchenfürst    Deutschlands   seinen    Park   bevölkerte. 

Alles  atmet  antike  Sinnenfreude,  heitere  Lebenslust.  Dem  Christentum  aber 

war  —  bezeichnenderweise   nur   in   der  Form    idyllischer  Einsiedeleien  — 

der  entlegenste  Winkel  des  großen  Parkes  angewiesen. 

Beschreibung.     Beschreibung:  Nordwestlich  vom  Schlosse  liegen,  beiderseits  von  Bäumen 

und  Gebüsch  eingerahmt,  in  einer  Achse  zwei  kleinere  rechteckige  Wasser- 
bassins   und    dazwischen    ein    größeres   elliptisches,   mit   Einfassungen   von 
Fig.  190.         Konglomeratquadern  (Fig.  190).  Sechs  Figuren  aus  grau  verwittertem  Unters- 

berger  Marmor  schmücken  diese  drei,  durch  Kanäle  verbundenen  Weiher.  Im 

ersten  zwei  kniende  Tritonen,  die  in  Muscheln  blasen,  aus  denen  Wasser 

fließt.  Im  ovalen  Weiher  in  der  Mitte  auf  einem  rechteckigen  Raseninselchen 

eine  sitzende  Frau  mit  einer  Muschel  in  der  erhobenen  Linken  {statiia 

einer  Wassergöttin);    ursprünglich  kamen  Wasserstrahlen  aus  ihren  Brüsten, 
Fig.  191.         (F'g-  191)-    Jnr  dritten  Bassin  an  den  Seiten  zwei  wasserspeiende  Tritonen 

welche  vornübergebeugt  beide  Hände  über  ihre  Köpfe  halten;  am  Ende  der 

rechteckigen  obeien  Ausbuchtung   als  Abschluß  ein  sitzender  Flußgott, 

einen  Kranz  im  lockigen  Haar,  mit  dem   rechten  Arm  auf  eine  Tafel  und 

eine  liegende  Urne  gestützt,  aus  deren  Öffnung  Quellwasser  in  den  Weiher 

fließt;    mit  der  linken  Hand   hält  er  den  Schwanz  eines  kleinen  Delphins, 

aus  dessen  Rachen  gleichfalls  Wasser  rieselt  (Fig.  190).    In  diesem  Weiher 

waren  ursprünglich  Huchen  gesetzt. 

Den  Abschluß  der  Weiheranlage  bildet  „das  Theatrum"  (Fig.  192),  eine 

konkave  Exedra  mit  zwei  Seitenflügeln,  zu  welchen  Galerien  hinführen.    Zum 
halbkreisförmigen  Podest  des  konkaven  Mittelteiles  führen  vier  Konglomerat- 
stufen.   Dahinter  erheben  sich  vier  Reihen  von  Sitzstufen.    Die  halbkreis- 
förmige Abschlußwand  ist  in  der  Mitte  von  einer  rundbogigen  Nische,  an  den  Seiten  von  zwei  Türen  durch- 
brochen und  mit  gelbem  Tuff  verkleidet.    Dieser  rahmt  große  quadratische  Felder  ein,  welche  ein  duich 
kleine  Flußkiesel  hergestelltes  ornamentales  Mosaik  (weiße  Ranken  auf  grauem  Grund)  aufweisen.    Über 
der  Mitte  ein  Giebelaufsatz  aus  Konglomerat,  mit  zwei  kurzen  Seitenlisenen  und  eingebogenen,  in  Kugeln 
endigenden  Wangen;  über  dem  Gesims  zwei  Giebelansätze.  Im  Mittelfelde  des  Giebels  vor  rot  gefärbeltem 
Grunde  das  schön  skulpierte  JVlarmorwappen  des  Erzbischofs  Marcus  Sitticus,  gehalten  von  einem  Löwen 
und    einem    Steinbock,    den  Wappentieren    des    Erzstiftes    und    des    Erbauers.    Auf    den  Giebelansätzen 
zwei  doppelhenklige  Marmorvasen  und  in  der  Mitte  die  Marmorstatue  einer  sitzenden  behelmten  Frau  (nach 
Hübner  die  siegreiche  Roma).    Auf  den  vorspringenden,  mit  gelb  gefälbeltem  Tuff  verkleideten  Eckpfeilern 
der  beiden  Seitenflügel  der  Exedra  stehen  vier  in  Kugeln  endigende  Pyramiden  aus  Konglomeratstein. 
Vier  große  Marmorstatuen  dienen  als  Schmuck  des  „Theaters":  In  der  rundbogigen  Mittelnische 
Fig.  193,  194.     das  überlebensgroße  Standbild  eines  jugendlichen  römischen  Kaisers  (Fig.  193,  194)  in  enganliegendem 


Das 
„Theater". 
Fig.  192. 


I'ig.  194  Hellbrunn.  Kaiserstatue 
vom  „Theater",   Detail  (S.  226) 


Schloß  Hellbrunn 


227 


Panzer,  die  rechte  Hand  mit  dem  Feldherrnstab  auf  den  Oberschenkel,  die  in  einen  Mantelzipfel  ver- 
grabene Linke  in  die  Hüfte  gestützt,  den  rechten  Fuß  vorgestellt,  den  mächtigen  Kopf  mit  leisem 
Lächein  leicht  zur  Sehe  geneigt. 

Auf  den  die  Sitzstufenreihen  beiderseits  abschließenden  Volutenwangen  (aus  Konglomerat)  die  auf  Lehn- 
stühlen thronenden  Statuen  zweier  Frauen  ohne  jegliches  Attribut,  nach  Stainhauser  die  Frauen  der 
Barbarenfürsten,  nach  Hübnf.r  Komödie  und  Tragödie.  Die  Frau  zur  Linken  (Fig.  195)  ist  über  dem 
Untergewande  mit  einem  engen  Miederleibchen,  einem  faltigen  Rock,  der  das  rechte  Bein  frei  läßt,  und 
einem  leicht  über  die  rechte  Schulter  gelegten  Mantel  bekleidet;  in  der  rechten  Hand  hält  sie  ein 
zusammengefaltetes  Tuch(?).  Man  beachte  die  Ähnlichkeit  des  Profils  mit  dem  der  schlafenden  Frau 
in  der  Orpheusgrotte.  —  Die  zur  Rechten  sitzende  Frau  (Fig.  196),  welche  die  rechte  Hand  mit  pathe- 
tischer Bewegung  auf  die  linke  Brustseite  hält,  ist  in  ein  faltiges  Gewand  und  einen  Mantel  gehüllt, 
der  auch   über  den  Kopf  gezogen   ist;  die  Nase  ist  ergänzt. 


Fig.  195. 


Fig.  196. 


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Fig.  195 


Hellbrunn.    Fraiienstatuen  am  „Theater"  (S.  227) 


Fig.  196 


In  der  rundbogigen  Nische  des  linken  Flügels  die  überlebensgroße  Marmorstatue  eines  bärtigen  Mannes 
in  antiker  Persertracht,  der  mit  der  linken  Hand  seinen  rechten  Unterarm  hält  (Fig.  197);  nach  Hühner 
der  Philosoph  Demokrit,  wahrscheinlicher  aber  ist,  daß  hier  ein  besiegter  Barbarenkönig  dargestellt  sein 
soll  (die  antiken  Vorbilder  zu  diesen  Figuren  waren  die  Statuen  besiegter  Partherfürsten). 
In  der  rechten  Nische  als  Pendant  die  Statue  eines  ganz  ähnlich  gekleideten  bärtigen  Perserkönigs,  der 
mit  der  rechten  Hand  seinen  Mantel  aufrafft  und  die  linke  aufs  Herz  legt  (Fig.  198);  nach  Hübner  der 
Philosoph  Heraklit. 

Alle  sechs  Statuen  sind  von  demselben  Meister,  den  wir  nach  seinem  markantesten  Werk  als  Meister  der 
Orpheusgruppe  bezeichnen  wollen  (um  1613). 

Die  beiden  seitlichen  Galerien  haben  auf  niedriger  Konglomeratmauer  Balustraden  mit  marmornen  Doppel- 
balustern und  Konglomeratpostamenten,  über  denen  auf  profilierten  Marmorbasen  Kugeln  aus  Konglomerat 
aufgestellt  sind.  Über  den  Ecken  der  beiden  Eingangsseiten  je  zwei  Konglomeratpyramiden  mit  Marmor- 
kugeln auf  den  Spitzen. 

29* 


Fig.  197. 


Fig.  198. 


228 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


(N 
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03 


M 

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Schloß  Hellbrunn 


229 


In  dem  rechteckigen  Räume  zwischen  den  beiden  Galerien  und  der  Exedra  steht,  von  zehn  Marmor- 
schemehi  umgeben,  ein  langer  rechteckiger  Marmortisch,  an  den  Ecken  mit  Voluten  und  darüber  Stein- 
bockköpfen verziert,  aus  denen  Wasser  in  Muschelschalen  am  Boden  fließt.  An  den  beiden  Seitenwänden 
Fruchtgirlanden  in  Relief,  an  der  vorderen  Schmalseite  Löwe  und  Steinbock,  mit  den  Vorderfüßen  inein- 
ander verschlungen,  in  der  Tischplatte  eine  rechteckige,  mit  Wasser  gefüllte  Vertiefung  zum  Kühlen  der 
Weine.  Aus  den  Handgrifföffnungen  der  Schemel  spritzt  auf  einen  Druck  am  Wasserwerk  das  Wasser 
nach  allen  Seiten. 


Fig.  199    Hellbrunn.    Orpheusgrotte,  um  1613  (S.  229) 


Orpheusgrotte  {grotta  Orphei)  (Fig.  199).  An  der  Südwestseite  des  rechteckigen  Weihers  vor  dem 
„Theater",  in  den  Abhang  hineingebaut.  Rechteckiger  Bau  aus  Konglomeratquadern,  mit  zwei  rechteckigen 

I  seitlichen  Vorsprüngen  im  hinteren  Teile.  Wandgliederung  (Konglomerat)  durch  Lisenen,  welche  oben 
und  in  der  Mitte  durch  ebenso  breite  Bänder  verbunden  sind.  Vorspringendes  Hohlkehlgesims.  — 
l""assade:  Rundbogige  Tür  in  einfacher  Umrahmung,  daneben  vertiefte  rechteckige  Felder,  darüber  pro- 
filiertes Gesims.  Über  den  Seitenlisenen  der  Tür  am  Gesims  zwei  Reliefkugeln  auf  niedrigen  Postamenten, 
dazwischen  ein  großer  marmorner  Steinbockkopf,  das  Wappentier  der  Grafen  von  Hohenembs.  Schindeldach; 

!  über  den  beiden  vorderen  Gebäudeecken  zwei  schlanke  Marmorpyramiden  mit  Kugeln  auf  den  Spitzen. 

I  Das  Innere  ist  durch  Tuffsteinverkleidung  zu  einer  Grotte  umgestaltet  (vorne  Tonnengewölbe,  rückwärts 

I  Stalaktitengewölbe  mit  drei  Tuffsteinsäulen).  Im  vorderen  Teile,  von  efeubewachsenem  Tuffstein  im  Halb- 


Orpheus- 

grotte. 

Fig.  199. 


230 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


rund  eingefaßt,  eine  kleine  niedrige  Quellengrotte  mit  einem  marmornen  „Meerbock";  das  Quellwasser  fließt 
über  eine  kleine  Steintreppe  in  den  nahen  Weiher.  Links  und  rechts  Marmorbänke.  Beiderseits  der 
Quellennische  führen  je  vier  Stufen  zu  einem  Podest  und  dann  abermals  zwei  Stufen  zu  dem  halbrund 
geschlossenen  rückwärtigen  Teil.  In  der  Mitte  des  Abschlusses  steht  auf  einem  halbkreisförmigen,  mit 
Tuffstein  verkleideten  Postamente  die  überlebensgroße  Statue  des  jugendschönen  Orpheus,  mit  Geige 


Fig.  200    Hellbrunn.   Gruppe  des  Orpheus  und  der  Eurydike,  um  1613  (S.  230) 


Fig.  200. 


Fig.  201. 


und  Bogen  in  den  Händen  (Fig.  200).  Er  trägt  eine  panzerartige  Tunika,  deren  halb  offener  Schlitz  auf 
der  Brust  durch  eine  zierliche  Bandschleife  zusammengehalten  wird.  Eine  Maske,  zwei  Löwen-  und  zwei 
Satyrköpfe  in  Profil  verzieren  die  halbrunden  Lappen  unterhalb  des  Gürtels,  Steinbockköpfe  bilden  den 
Abschluß  der  SandalenstiefeL  Der  schöne,  lockenumwallte  und  mit  einem  Lorbeerkranze  geschmückte 
Kopf  (Fig.  201)  ist  nach  links  aufwärts  gewendet.  Vorzüglich  charakterisiert  ist  der  Ausdruck  der  künst- 
lerischen Verzückung  des  Sängers  in  den  schwärmerisch  aufwärts  blickenden  Augen  und  dem  leicht  ge- 
öffneten Munde.  Sehr  gut  auch  das  ganze  Siandmotiv  und  die  Drapierung  des  Mantels,  der  in  edlem 
Schwung  um  die  linke  Schulter  und  das  rechte  Knie  gelegt  ist. 


Schloß  Hellbrunn 


231 


Vor  dem  Sänger  liegt  auf  schwellendem  Lager  die  schlafende  Eurydike,  mit  dem  rechten  Arm  unter 
dem  rosenbekränzten  Kopf,  die  linke  Hand  lässig  an  den  Gürtel  gelegt.  Die  schöne  Frau  ist  mit  einer 
zierlich  gefältelten,  vorne  über  den  Beinen  stark  gekürzten  Tunika  bekleidet.  Ein  sinnlicher  Zug  liegt 
in  dem  vollen  Gesichte  mit  der  zurückfliehenden  Stirn,  der  leicht  gebogenen  Nase,  dem  kleinen,  scharf 
profilierten,  lächelnden  Mund  und  dem  kleinen  runden  Kinn.  Zu  den  üppigen  Armen  und  Beinen  und 
dem  vollen  Hals  steht  in  pikantem  Gegensatze  der  kleine,  knospende  Busen.  Ein  um  den  Hals  hän- 
gendes Medaillon  mit  dem  Reliefporträt  eines  bärtigen  Erzbischofs  gibt  der  Überlieferung  recht,  die  als 
Urbild  der  schlafenden  Schönen  die  Frau  von  Mabon,  die  Geliebte  des  Erbauers  von  Hellbrunn  sieht. 


I-i^.  201     Hellbrunn.   Orpheus,  Detail  (S.  230) 


Interessant  ist  die  auf  das  Stoffliche  Rücksicht  nehmende  Behandlung  des  Marmors  bei  den  beiden 
Figuren.  Im  Gegensatze  zu  den  matten  Gewändern  sind  die  Fleischpartien  künstlich  geglättet,  die  Leder- 
streifen am  Panzer  künstlich  gerauht,  die  Haare  geriefelt. 

Neben  Orpheus  liegen  Löwe  und  Steinbock,  in  den  Nischen  des  Hintergrundes  sieben  andere  Tiere 
(Hase,  Bär,  Fuchs,  Luchs,  Gemse,  Wolf,  Affe),  die  mit  ihrer  geringeren  Qualität  die  Hand  eines  Gehilfen 
verraten. 

Der  Orpheus  und  die  Tiere  sind  aus  gelblichweißem,  die  Eurydike  aus  rötlichem  Untersberger  Marmor. 
Die  beiden  Figuren  stehen  an  künstlerischer  Qualität  allen  übrigen  in  Hellbrunn  voran.  Archivalisch  ist 
uns  der  Name  des  sicher  oberitalienischen  Meisters  nicht  überliefert  (vielleicht  sind  sie  von  Santino 
Solar i  selbst).  Zu  datieren  sind  sie  um  1613. 

Am  Abhang  oberhalb  des  mittleren  (ovalen)  Weihers  liegt  ein  kleiner,  von  einer  niedrigen  Konglomerat- 
mauer eingefaßter  Platz,  zu   dem   zwei  Wege  hinaufführen.     Hinter  der  konkaven  Brüstung  erhob  sich 


232 


Qerichtsbezirk  Salzburg 


ein  grüngestrichenes  Holzgeländer  mit  Weinreben.  In  der  Mitte  stand  eine  Narrenstatue  (die  erst  1901 
vor  das  Fasaiihaus  versetzt  wurde,  s.  Fig.  205),  an  den  Seiten  zwei  knieende  Narren  mit  aufgerissenen 
Mäulern  (noch  1792  von  Hübner  beschrieben,  jetzt  verschwunden),  heraußeii  auch  jene  zwei  Hunde,  die 
jetzt  vor  der  Venusgrotte  stehen.  Ein  tiefer  unten  stehender  Knabe,  der  mit  einer  Baiester  auf  den 
Narren  zielte,  war  schon  1792  zertrümmert  und  ist  jetzt  verschwunden.  Es  ist  bedauerlich,  daß  diese 
alte  Originalanlage  von  1619  aufgelassen  und  die  Figuren  zerstreut  wurden. 


Fig.  202     Hellbninn.   Statue  der  Moosgöttin,  um  1615  (S.  232) 


Fig.  203    Hellbrunn.    Statue  der  Diana  (S.  242) 


Fio-.  202, 


Fi".  203. 


Zu  beiden  Seiten  des  ovalen  mittleren  Weihers  stehen  am  Abhang  auf  hohen  prismatischen  Postamenten 
die  Statuen  zweier  Frauen  aus  hellem  Marmor. 
Die  Statue  im  O.  (gewöhnlich  Ceres  genannt)  hält  im  Arm  ein  Bündel  „Moßröhren"  (Schilfrohrkolben) 
(Fig.  202).  Sie  stand  ursprünglich  im  Oktogon,  der  sogenannten  Saiblingstube  (s.  S.  250),  von  wo  sie 
erst  1901  hieher  versetzt  wurde.     Stainhauser  nennt  sie  eine  Wassergöttin. 

Die  Statue  in  W.  (Fig.  203)  hat  ein  über  den  Beinen  aufgeknöpftes  geschlitztes  Gewand.  Ein  Speer- 
ansatz in  der  rechten,  ein  Falke  auf  der  linken  Hand,  ein  kleines  Hifthorn  und  ein  Strickbündel  am 
Gürtel  charakterisieren  sie  als  Dia  n  a,  die  Göttin  der  Jagd.  An  den  Seitenflächen  des  Postainentes  je 
ein  Löwenkopf  mit  einem  Blumenringe  im  Maule.   —   Diese  Statue  erwähnt  Stainhauser  als  Hauptfigur 


Schloß  Hellbninn 


233 


des  Dianabrunnens  (neben  dem  Merkurbrunnen).  Als  dieser  am  Ende  des  XVII.  Jhs.  zum  „Kleopatrabrunnen" 
umgebaut  wurde,  kam  sie  in  die  Nische  des  Fasanenhauses.  An  ihrer  jetzigen  Stelle  steht  sie  seit  1901. 
Auch  diese  beiden  Statuen  stammen  also  aus  der  Erbauungszeit  des  Schlosses  (1613—1615). 

An  der  südöstlichen  Seite  dieser  ganzen  Anlage  steht  vor  dem  Schloß  auf  hohem  Konglomeratpostament 
die  Marmorstatue  des  Weingottes  Bacchus,  eines  wohlgenährten  stämmigen  Jünglings  mit  einer  Schale 
und  einer  Traube  in  den  Händen  und  einem  Rebenkranz  im  Haar.  Ein  als  Stütze  dienender  Baumstumpf 
liefert  das  nötige  Feigenblatt.   Die  Figur  gehört  der  Werkstatt  des  Orpheusmeisters  an  (um  1613). 

Südlich  neben  der  Bacchusstatue  ein  Ruheplatz  aus  zwei  im  rechten  Winkel  aufeinanderstoßenden 
niedrigen  Konglomeratwänden,  auf  denen  kleine,  kugelbekrönte  Marm  orobelisken  stehen.  Dazwischen 
zwei  liegende  Jagdhunde  (Marmor).   Um  1613.   (Fig.  204.) 


Fig.  204. 


Fig.  204    Heilbrunn.   Ruhebanl<  (S.  233) 

Weinkeller:  Hinter  diesem  Plätzchen  im  SW.  ein  rechteckiges,  nach  NO.  zu  offenes,  gemauertes  Wüiniiellcr. 
Gebäude  mit  flacher  Holzdecke  und  Schindeldach.  Innen  an  der  Südwestseite  in  Konglomeratrahmung 
eine  Holztür  mit  altem  Eisenbeschläge,  von  vier  Eisengittern  (mit  den  Buchstaben  GD)  durchbrochen. 
Darüber  elliptische  Öffnung  und  das  Marmorwappen  des  Erzbischofs  Guidobald  Grafen  Thun  mit  der 
Inschrift:  Hortiim  absoliitiim  caetera  iiniim  calidius  desiderare  cellae  vinariae  aestivum  frigus  audivit 
et  adiuvit  Guidobaldus  anhiep(iscop)us  pr{mce)ps  ex  cow(itibus)  de  Thun  MOCLIX  (1659).  Der 
dahinter  in  den  Abhang  eingebaute  Keller  wurde  also  als  Weinkeller  im  Jahre  1659  vom  Erzbischof 
Guidobald  erbaut. 

Nordöstlich  neben  der  Drei -Weiher-Anlage  lag  der  alte  Fasan-  und  Gef  1  ügelgarten,  von  ersterer 
durch  eine  Mauer  geschieden,  von  der  heute  nur  mehr  ein  Stück  mit  einem  Tor,  gegenüber  der  Orpheus- 
grotte, steht.  Der  südöstliche  Teil  ist  jetzt  (nach  Abbruch  der  alten  kleinen  Gebäude  [vgl.  Fig.  153])  in  einen 
Restaurationsgarten  verwandelt.  Dagegen  blieb  der  nordwestliche  Abschluß  bestehen:  In  der  Mitte  das  kleine, 
an  der  Fassade  leicht  eingebogene,  einstöckige  Fasanen  haus  (Fig.  205).  Im  SO.  in  der  Mitte  eine  Fig.  205. 
hohe  (jetzt  leere)  rundbogige  Bildnische,  seitlich  zwei  Türen,  oben  drei  Fenster.  Über  den  beiden  Ecken 
Konglomeratpyramiden  mit  Marmorkugeln.    Schindeldach. 

XI  30 


234 


Qerichtsbezirk  Salzburg 


Das  Häuschen  hat  innen  eine  Kaminanlage  und  diente  als  Unterkunft  und  zur  Oberwinterung  seltenen 
Geflügels.  Die  Außenseiten  sind  durch  Ecklisenen  und  Gesimsbänder  gegliedert,  die  Fenster  zum  Teil 
vermauert.  Daneben  liegt  ein  einstöckiges  Häuschen,  ehemals  die  Wohnung  des  Fasanenwärters.  Die 
flankierenden  Mauern  biegen  beiderseits  im  Halbkreis  aus  und  sind  mit  je  vier  halbrunden  Nischen  ver- 
sehen. In  einer  derselben  (im  O.)  ein  durch  einen  vertikalen  Mauersprung  halbzerstörtes  Fresko,  die 
lebensgroße  Figur  des  Apollo  mit  der  Leier,  gelb  auf  rotbraunem  Grunde  (um  1613).  Der  südöstliche  Teil 
der  Mauer  ist  abgebrochen. 

Auf  einer  niedrigen  Basis  vor  dem  Häuschen  steht  die  überlebensgroße  Marmorstatue  eines  unter- 
setzten, derbgliedrigen,  nackten  Narren,  der  sein  plumpes  Gesicht  zu  einer  kläglichen  Fratze  verzieht; 


Sternweiher. 
Fig.  206,  207. 


Fig.  208. 


Fig.  205    Hellbruim.    Fasanenliaus  mit  Narrenstatuc,  um  1618  (S.  233) 

mit  der  rechten  Hand  greift  er  auf  seine  mützenartige  Kopfbedeckung,  mit  der  linken  an  den  Ast  eines 
Baumstumpfes,  der  die  Statue  stützt.  Um  die  Hüfte  hängt  ihm  eine  Felltasche.  Um  1613.  Diese  Statue 
stand  ursprünglich  (bis  1901)  oberhalb  des  ovalen  Weihers  (s.  oben). 

In  der  Mitte  des  Fasanengartens  stand  1619  die  Statue  der  Diana  mit  dem  Hunde  (Fig.  218). 

An  dem  östlich  daneben  liegenden  Teiche  liegt  ein  in  die  Mauer  eingebauter,  als  Wäscherei  dienender  gewölbter 
Raum  mit  zwei  von  einem  Mittelpfeiler  gestützten  Bogenöffnungen.  An  der  einen  Schmalseite  alter  Kamin. 
In  dem  Garten  östlich  davon  stand  1619  das  große  Vogelhaus  und  das  kleine  Gärtnerhaus. 

Sternweiher  (Brunnen  Altembs)  (Fig.  206,207),  am  Abhang  an  der  Südwestseite  des  Schlosses. 
Terrasse  mit  drei  Absätzen.  Den  oberen  Abschluß  der  Anlage  bildet  ein  aus  Konglomeratquadern  bestehender 
Grottenbau,  der  von  je  zwei  konkaven  Stützmauern  flankiert  wird.  —  Der  als  Rustika-Tor  behandelte  Mittel- 
bau hat  in  der  Mitte  eine  tiefe,  flachbogig  geschlossene  Grotte  mit  Sitzbänkeii  an  den  Seiten.  Im  Hinter- 
grunde in  flachbogiger  Umrahmung  aus  rotem  Marmor  eine  halbrund  ausgehöhlte  Nische  mit  einer  Statue 
(Fig.  208  N  Prismatisches  Postament  aus  rötlichem  Marmor,  mit  profilierter  Sockel-  und  Deckplatte;  im 
vorderen  Felde  in  Hochrelief  Löwe  und  Steinbock  (Wappentiere  des  Erzstiftes  Salzburg  und  des  Erzbischofs 
Marcus  Sitticus),  einander  umarmend.  Darauf  die  überlebensgroße  weiße  Marmorstatue  eines  schlanken  fein- 


Schloß  Hellbrtinn 


235 


Fig.  206    Hellbrunn.  Sternweiher  mit  dem  Brunnen  Altetnbs  (S.  234) 


Fig.  207    Hellbrunn.   Sternweiher  mit  Brunnen  Altembs,  Mittelgrotte  (S.  234) 


30* 


236 


Qerichtsbezirk  Salzburg 


gliedrigen  Jünglings  in  Helm  mit  Federbusch  und  römischem  Panzer,  mit  einem  auf  der  linken  Schulter 
geknoteten,  rückwärts  steif  herabfallenden  Mantel.  Er  greift  mit  der  rechten  Hand  an  eine  oben  abge- 
Fig.  209.  brochene  Säule,  auf  die  auch  die  linke  hinzuweisen  scheint,  wenigstens  hält  sie  kein  Attribut  (Fig.  209j. 
Die  Deutung  ist  unklar.  Tüchtige  Arbeit  um  1613,  vom  Meister  der  Orpheusgruppe. 
Am  Gewölbe  geometrische  Figuren,  von  Tuffstalaktiten  gebildet,  auf  einem  Mosaikgrunde  von  grauen 
Flußkieseln.    In  der  Mitte  stukkierte  Blätterrosette  mit  blecherner  Traube. 


Fig.  203     Hellbrunn.    Brunnen  Altembs,  Statue  eines  Helden,  um  1613  (S.  234) 

Über  dem  Gesims  außen  eine  massive  Konglotneratbalustrade  mit  eingemauerten  Marmorbalustern  und 
vorspringenden  Postamenten.  Im  Mittelfeld  ein  marmornes  Fruchtgehänge.  Auf  dem  Gesims  dieser  Attika 
stehen  außen  je  zwei  Marmorvasen,  in  der  Mitte  ein  Aufsatz,  flankiert  von  zwei  in  Voluten  endigenden 
Steinbockköpfen  und  überdacht  von  einem  Gesims,  auf  dem  jetzt  über  einem  Postament  eine  Marmorvase 
steht.  In  diesen  Giebelaufsatz  ist  eine  Tafel  aus  weißem  Marmor  mit  der  eingemeißelten  Kapitalinschrift 
eingelassen:  Quos  hie  amoenos  colles,  herhosa  prata,  nitidas  vides  aquas,  Marcus  Sitticus  arch{\&^i- 
sco)p!is  Salisb{uTgtns\s)  et  princeps  neglecta  naturae  dona  non  absque  conimiseratione  admirans  moenibus 
ciiixit,  theatris  ornavit,  e  paludoso  limo  tot  varios  fontes  collegit,  dilectae  posteritati  dicavit  MDCXIII. 
Ursprünglich  (s.  Fig.  157)  und  noch  am  Ende  des  XVIII.  Jhs.  (Hübner)  war  der  Bau  von  der  Kolossal- 
statue des  Perseus  gekrönt,  die  jetzt  im  Ziergarten  steht  (Fig.  235). 


Schloß  Hellbrunn 


237 


An  den  beiden  bogenförmigen  Flügelwänden,  welche  den  Platz  vor  der  Grotte  im  Halbrund  abschließen, 
sind  wie  in  der  Grotte  unten  steinerne  Sitzbänke  angebracht;  oben  sind  sie  mit  mächtig  geschwungenen 
Voluten  abgeschlossen.  Im  rechten  Winkel  daran  setzen  beiderseits  zwei  längere  und  niedrigere,  gleich- 
falls konkav  geschweifte  Konglomeratquadei mauern  an. 

An  den  beiden  Mauerecken  und  -enden  stehen  auf  hohen  Konglomeratpostamenten  vier  lebensgroße 
Marmorstatuen,  Personifikationen  der  vier  Jahreszeiten:  1.  Frühling;  eine  Jungfrau  mit  einem 
Blumenkranz  im  langen,  rückwärts  in  den  Gürtel  gesteckten  Lockenhaar,  einem  langen  knittrigen, 
über    dem    rechten   Schenkel    unmotiviert  in   die   Höhe    geschobenen  Untergewand  und   einem  auf  der 


Fig.  209    Hellbrunn.    Brunnen  Altembs,  Statue  eines  Helden, 
Detail  (S.  234) 

Seite  geschlitzten  kurzen  Obergewand,  in  dessen  hochgenommenem  vorderem  Teile  sie  Blumen  hält.  Der 
Brustschlitz  ist  durch  eine  Schleife  zusammengehalten  (dasselbe  Motiv  wie  bei  der  Orpheusgruppe);  die 
Gürtelschnalle  ist  mit  einem  Steinbockkopf  verziert. 

2.  Sommer  (Fig.  210).  Schlanke  Frau  mit  einem  dicken  Fruchtkranz  am  Kopf,  in  hochgeschürztem  Ge- 
wände, mit  Sandalenstiefeln.  In  der  erhobenen  rechten  Hand  hält  sie  eine  Sichel,  mit  der  linken  entnimmt 
sie  einem  auf  einem  niedrigen  Felsenblocke  stehenden,  mit  Früchten  gefüllten  Körbchen  einige  Früchte. 
Der  in  Profil  geradezu  klassisch  fein  durchgebildete  Kopf  besteht  aus  feinerem  Marmor,  ist  in  den  Rumpf 
eingesetzt  und  rückwärts  durch  eine  mit  Blei  vergossene  Eisenspange  mit  diesem  verbunden. 


Fig.  210. 


238 


Oericlitsbozirk  Salzburg 


Fig.  211.  3.  Herbst  (Fig.  211).  Ein  junger  kraftstrotzender  Mann  von  massigem  Gliederbau,  in  schöner  Kontra- 
poststellung, das  linke  Bein  auf  ein  Fäßchen,  die  linke  Hand  auf  einen  Baumstumpf  aufstemmend,  den 
mit  Trauben  und  Weinlaub  bekränzten  sinnlich-derben  Kopf  zu  einem  Traubeiibündel  emporwendend,  das 
er  in  der  erhobenen  Rechten  hält.  Ein  dicker  Kranz  von  Trauben  und  Weinblättern  umgibt  seine  Hüfte. 
4.  Winter.  Ein  bärtiger  alter  Mann,  nur  mit  einem  über  die  linke  Schulter  gelegten,  auf  der  Brust  links 
vorn  geknoteten,  rückwärts  bis  zum  Boden  auffallenden  Mantel  bekleidet,  hält  die  rechte  Hand  wärmend 
über  eine  Feuerschale,  die  auf  einem  prismatischen  Postamente  steht. 


Fig.  210    Hellbninn.    Der  Sommer, 


Fig.  211     Hellbrunn.    Der  Herbst, 


Statuen  am  Brunnen  Altembs  (S.  237,  233) 


Alle  vier  Figuren  stammen  aus  der  Werkstätte  des  Meisters  der  Orpheusgruppe  (um  1613),  sind  nach 
seinen  Entwürfen  gefertigt  und  wohl  von  iiim  selbst  überarbeitet.  Als  sicher  eigenhändige  Arbeit  ist  der 
feine  Kopf  der  Sommergöttin  anzusprechen.  Am  wenigsten  günstig  wirkt  der  „Winter".  Der  vortrefflich 
komponierte  „Herbst"  übertrifft  qualitativ  bei  weitem  den  nordwestlich  vor  dem  Schlosse  stehenden, 
im  Motiv  ähnlichen  Bacchus. 

Die  beschriebene  Architektur  dient  als  Hintergrund  der  wichtigsten  Quellenanlage  des  Parkes.  In  dem 
Halbrund  vor  der  Grotte  liegt  ein  seichtes,  mit  Marmor  gefaßtes  Bassin  in  Form  eines  halben  Sternes 
mit  sieben  Zacken.    Aus  jeder  dieser  Spitzen  sprudelt  eine  Quelle.    Aus  diesem  Becken,  nach  dem  das 


Schloß  Hellbrunn 


239 


Ganze  der  „Sternweiher"  heißt,  fällt  das  kristallklare  Wasser  über  eine  Stufe  in  ein  rechteckiges  Bassin  und 
von  diesem  durch  eine  schmale  Öffnung  über  eine  Marmorplatte  und  eine  von  Konglomeratblöcken  ein- 
gefaßte Marmortreppe  von  fünf  Stufen  in  einen  noch  größeren  quadratischen,  mit  Konglomerat  gefaßten  Weiher. 
Beiderseits  der  oberen  Verbindungsöffnung  zwei  marmorne,  liegende,  lebensgroße  Steinböcke,  die  mit  den 
Vorderfüßen  das  Wappen  des  Erzbischofs  Marcus  Sitticus  halten  (Fig.  212).  Über  den  beiden  mit  steinernen 


Fig.  212. 


Fig.  212    Hellbrunn.   Partie  vom  Sternweiher,  um  1613  (S.  239) 


Sitzbänken  versehenen  Seiten  der  oberen  Ausnehmung  des  untersten  Weihers,  zu  der  neben  der  Kaskade 
kleine  Treppen  mit  sechs  Konglomeratstufen  hinabführen,  halten  zwei  lebensgroße  liegende  Marmorlöwen 
Wacht,  aus  deren  Rachen  Wasserstrahlen  fließen. 

In  der  Mitte  des  unteren  Weihers  eine  Marmorgruppe  zweier  miteinander  ringender  Tritonen,  welche 
Wasser  aus  ihren  Mäulern  spritzen.  Davor  drei  kleine  Springbrunnen,  von  denen  der  mittlere  einen  Ball 
in  die  Höhe  schleudert. 

Beiderseits  von  dem  Tritonenpaar  waren  ehemals  zwei  Sleinhügelchen,  auf  deren  einem  eine  umlaufende  Sirene  aus  den 
Urlisten  Wasser  spritzte,  und  auf  dem  andern  ein  ebenfalls  umlaufender  Triton,  der  auf  einer  Muschel  blasend,  einen  sonder- 
baren Laut  von  sich  gab  (Hübnf.r  1  530). 


240 


Qerichtsbezirk  Salzburg 


Vorne  neben  den  beiden  dreistufigen  roten  Marmortreppen  je  drei  kleine  Marmorschalen  mit  Spring- 
brunnen. Dazwischen  lief  ursprünglich  eine  Schildkröte  umher,  welche  Wasser  spie  (Hübner  I  530). 
Zu  beiden  Seiten  des  unteren  Weihers  sind  aus  Konglomeratblöcken  zwei  Hügel  aufgebaut;  in  dem 
Innern  des  südöstlichen  sind  die  Pumpwerke  angebracht.  Auf  dem  einen  steht  oben  ein  Böcklein,  der 
andere  ist  von  allerlei  Tieren  bevölkert  (zwei  Steinböcken,  einem  Dachs,  einem  Hasen);  oben  steht 
wieder  ein  kleiner  Steinbock,  unten  sitzt  ein  großer  Hund.  Alle  aus  Marmor.  Um  1613.  Die  Tiere 
standen  früher  meist  in  der  Vogelsanggrotte,  der  Hund  gehörte  vielleicht  zur  Dianastatue  Fig.  202. 
An  der  Südostseite  des  Schlosses  ist  längs  eines  schmalen,  mit  Konglomerat  gefaßten  Kanals  eine  Reihe 
von  Brunnen,  Grotten  und  Statuen  angebracht: 


fig.  213    Hellbrunn.    Brunnen  der  Venus,  um  1613  (S.  24U) 


Venusgrottc. 
Fig.  213. 


V\<r.  214. 


1.  Links  vier  kleine  Tuffgrotten  mit  mechanischen  Spielwerken,  kleinen  beweglichen  Holzfiguren:  Scheren- 
schleifer, Apollo  schindet  den  Marsyas,  ein  Müller,  Perseus  befreit  die  Andromeda,  ein  Hafner. 

2.  Vennsgroite  (GrottaVeneris)  (Fig.  213).  Gegenüber  ein  kleiner  Grottenbau  aus  Konglomerat- 
quadern. Rundbogige  Tür,  darüber  Pyramide  zwischen  zwei  Hörnern;  zwei  schräg  abfallende  Seitenmauern, 
in  Postamente  endigend,  auf  denen  Pyramiden  stehen.  —  Im  Innern  ist  die  kleine  Grotte  ganz  mit  Tuff- 
Tropfstein  verkleidet.  An  den  Seiten  zwei  marmorne  Sitzbänke,  hinten  rundbogige  Nische  mit  der 
lebensgroßen  Marmorstatue  der  Göttin  Venus,  mit  kunstvoller  hoher  Frisur,  in  antikem  Gewände 
(Fig.  214);  sie  legt  die  linke  Hand  auf  die  Brust,  ihre  rechte  Hand  ruht  auf  dem  aufgerichteten  Schwanz, 
ihr  rechter  Fuß  auf  dem  Kopf  eines  Delphins,  aus  dessen  Maul  ein  kunstvoller  Wassersturz  (in  Form 
einer  Glasglocke)  über  einen  Blumenstrauß  quillt.  Sehr  gute  Arbeit,  um  1613,  vom  Meister  der  Orpheus- 
gruppe. —  Vor  der  Grotte  kleines  elliptisches  Bassin  mit  kleiner  Amorfigur  und  kleiner  Kanal,  darin 
zwei  blecherne  Schildkröten,  deren  Mäuler  durch  einen  glasröhrenartigen  Wasserstrahl  verbunden  sind. 
Vor    der    aus    Konglomeratbruchsteinen   bestehenden   niedrigen    Umfassungsmauer   halten    zwei  liegendei 


Schloß  Hellbrunn 


241 


Doggen  aus  Marmor  Wache.  Diese  Hunde  stammen  von  dem  Platze  des  Narren,  oberhalb  der  Orpheus- 
grotte (s.  oben). 

3.  Dianastatue  {Statua  Dianae).  Auf  hohem  prismatischem  Konglomeratpostament  mit  vorspringender 
Deckplatte  die  lebensgroße  Statue  einer  Göttin  in  reichgefaltetem  Gewände,  dessen  Zipfel  sie  mit  der  rechten 
Hand  hochnimmt,  während  die  leicht  emporgehobene  Linke  ehemals  einen  Bogen  hielt  (Fig.  215).  Der 
Halbmond  im   reichgelockten  Haar   kennzeichnet   die  Dargestellte   als   Diana.   —  Die   gut   gearbeitete 

Marmorstatue    stammt    wohl    aus    der    Erbauungszeit    des 
Schlosses  (sie  wird  von  Stainhauser  beschrieben  und  kommt 


Fig.  214     Hellbrurn.  Statue  der  Venus, 
um  1613  (S.  240) 


Fig.  215    Helibrunn.  Statue  der  Diana, 
um  1613  (S.  241) 


schon  auf  der  Ansicht  von  1618  vor),  weicht  aber  in  ihrem  Stil,  namentlich  der  viel  reicheren  und  fort- 
geschritteneren Gewandbehandlung  beträchtlich  von  den  übrigen  Hauptfiguren  ab.  Sie  ist  der  Endpunkt 
der  Vedute  durch  die  Allee  vom  Ziergarten  mit  den  beiden  springenden  Pferden  her. 
4.  Ein  Seitenweg  führt  rechts  zu  einem  mitten  ins  dämmerige  Grün  des  hier  urwüchsigen  Parkes 
hineingestellten  lebensgroßen  Wildschweines  mit  zwei  Jungen,  aus  Marmor;  um  1618.  Es  hat 
die  Gestalt  und  Größe  wie  das  1618  am  Haunsperg  geschossene  (s.  S.  217.  Nr.  9).  Stainhauser  erwähnt 
|es  bereits  1619. 

,5.  Stein  bockgrotte  (Fig.  216).     Kleiner  flachgiebeliger  Bau  mit  flachbogiger  Nische,  ganz  mit  Tuff- 
stein verkleidet.    Im  Hintergrunde  eine  Höhle,  in  der  ein  wasserspeiender  marmorner  „Meerbock"   liegt, 
XI  31 


Dianastatue. 


Fig.  215. 


Steinbock- 
grotte. 
Fig.  216. 


i 


242 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Diana- 
brunnen. 
Fig.  217. 


mit  Steinbockkopf,  Vorderflossen  und  Delphinsdiwanz.  Das  Wasser  fließt  durch  einen  Kanal  ab,  dessen 
schief  abfallender  Boden  mit  Marmorplatten  gepflastert  ist,  in  die  zwei  Kanäle  in  Form  von  Ketten 
eingemeißelt  sind.    Daneben  zwei  steinerne  Sitzbäiike. 

Nach  Stainhauser  schloß  sich  an  das  Wildschwein  die  ürotta  des  Trachens,  deren  Beschreibung  (und  Dar- 
stellung auf  den  Ansichten  Fig.  153 — 154)  der  vorstehenden  Grotte  entspricht.  Wenn  man  Bedenken  trägt, 
die  jetzige  Grottenfigur  als  „Drachen"  zu  bezeichnen,  so  muß  man  annehmen,  daß  sie  aus  der  abgebro- 
chenen Steinbockgrotte  hierher  übertragen  und  die  ursprüngliche  Drachenfigur  beseitigt  wurde. 

6.  Dianabrunnen  (Fig.  217).  Kleiner  Bau  aus  Konglomeratquadern.  In  der  Rückmauer  hohe  rundbogige, 
übergiebelte  Nischenöffnung.  Die  beiden  rechtwinklig  anschließenden  Seitenmauern  sind  S-förmig  ge- 
schwungen und  endigen  vorne  in  prismatische  Postamente  mit  Kugeln.  Innen  marmorne  Sitzbänke  um 
das  kleine  rechteckige  Wasserbassin  herum.  --  Die  rundbogig  ausgehöhlte  tiefe  Nische  ist  mit  Tuffstein 
verkleidet,  oben  in  Form  einer  Muschel;  an  den  Seiten  geometrische  Kompartimente,  in  den  oberen  vier 


I 


Fig.  216    Hellbrunn.    Steinbockgrotte,  um  1613  (S.  241) 


Feldern  je  eine  stukkierte  Türschließe.  —  In  der  Nische  auf  niedrigem  würfelförmigem  Konglomeratsockel 
Fig.  218.  die  lebensgroße  Marmorstatue  der  Diana  (Fig.  218).  Die  schlanke  Göttin  trägt  eine  Tunika  mit  kurzen 
Ärmeln,  auf  dem  Haupt  einen  Helm  mit  einem  fantastischen  Aufsatz  von  Federn  und  Tüchern.  Um  Brust 
und  Hüfte  schlingt  sich  eine  hinten  geknotete  Schärpe.  In  der  rechten  Hand  hält  sie  einen  Holzspeer, 
die  linke  legt  sie  auf  den  Kopf  eines  neben  ihr  sitzenden  Hundes.  —  Sehr  gute  Arbeit,  um  1613,  wie 
der  junge  Krieger  in  der  Sternweihergrotte,  mit  dem  sie  am  meisten  übereinstimmt,  vom  Meister  der 
Orpheusgruppe. 

Stainhauser  beschreibt  nach  der  Drachengrotte  den  Brunn  der  Eurydice,  welcher  mit  dem  jetzigen  Diana- 
brunnen identisch  sein  muß.  In  dem  kleinen  Theatro  befand  sich  zu  seiner  Zeit  (1619)  die  Statue  der 
Eurydike,  die  seit  dem  Ende  des  XVII.  Jhs.  in  dem  Brunnenwerk  neben  dem  Merkur  steht  (Fig.  224).  Die 
jetzt  hier  stehende  Dianastatue  mit  dem  Hunde  stand  ursprünglich  (s.  S.  175,  ferner  Fig.  153 — 154)  auf 
einem  hohen  Postament  in  der  Mitte  des  ehemaligen  Fasanengartens  (jetzt  Restaurationsgarten)  nördlich 
vom  Schlosse. 

Diese  Umwechslung  der  Statuen  fand  —  wie  ich  aus  verschiedenen  Gründen  schließe  —  am  Ende  des 
XVII.  Jhs.  statt,  als  man  zum  Bau  der  sogenannten  „Kleopatragruppe"  die  Eurydikestatue  brauchte 
(vgl.  die  Bemerkungen  zum  jetzigen  Eurydikebrunnen  S.  248), 


Schloß  Hellbrunn 


243 


Die  von  Stainhausrr  vor  der  Athenestatue  erwähnte  Grotta  des  Stainpocks  besteht  nicht  mehr.  Gegenüber 
dem  mechanischen  Theater  (s.  unten)  befindet  sich  eine  kleine  Zuschauerterrasse  mit  einer  Marmor- 
sitzbank (s.  S.  251). 

7.  Minervastatue  {üöttin  Pallas)  (Fig.  219).  Hohes  achtseitiges  Konglomeratpostament  mit  profilierter 
quadratischer  Deckplatte.  Darauf  die  lebensgroße  Marmorstatue  der  Göttin  in  langem  Gewände  mit  Helm, 
Speer  und  Ägis.  —  Gute  Arbeit,  um  1613,  aus  der  Werkstätte  des  Meisters  der  Orpheusgruppe.  —  Vor  der 
Statue  marmorne  Bank,  Ruckenwand  aus  Konglomerat,  oben  im  Giebel  großer  marmorner  Steinbockkopf. 

8.  Mydasgrotte  {Grotta  dell'  Idolo  oder  Abgottsgrotte).  Nordöstlich  von  dem  schmalen 
Kanal,  gegenüber  der  Minervastatue.  Quadratisches  niedriges  Gebäude  mit  vier  Eckrisaliten.  Bruchstein 
und  Ziegel,   verputzt  und  gelb   gefärbelt.    Außengliederung   durch  vertiefte   rechteckige   Felder.    In    den 


Minerva- 

statue. 

Fig.  219. 


Mydasgrotte. 


I'"ig.  217     Hellbrunn.    Brunnen  der  Diana,  um   1613  (S.  242) 

:  I 

\  Eckrisaliten  je  zwei  rot  gefärbelte  leere  Statuennischen,  im  W.  und  O.  in  der  Mitte  je  eine  ebensolche 
(i  Nische,  daneben  beiderseits  unten  ein  rechteckiges,  oben  ein  querovales  Fenster.  Im  S.  in  der  Mitte 
jl  vorgelagert  eine  aus  Konglomeratblöcken  zusammengesetzte  Grottenwand  mit  Tür;  in  zwei  seitlichen 
■'  Nischen   die  marmornen  Halbfiguren  eines  Mannes   und  einer  Frau   mit  dem  Wappen   des   Erzbischofs 

Marcus  Sitticus;  sie  dienten  als  Wasserspeier;  geringe  Arbeiten,  um  1613.  —  Im  N.  rechteckiger  Vorbau, 
I  darin  steingerahmte  Eingangstür  mit  profiliertem  Sturzgesims,  darüber  querovales  Fenster,  geschwungener 

Giebel   mit  einem  querovalen  Fenster   und   drei    Steinkugeln.     Pyramidenschindeldächer   über  den    vier 

Kckrisaliten,  über  dem  Gebäude  abgewalmtes  Schindelsatteldach. 


Inneres: 

I  Beim  Eingang  eine  viereckige,  ganz  mit  Tuffstein  verkleidete  Grotte.  In  der  Mitte  am  Boden  als  Posta- 

,'ment  eines  Springbrunnens  ein  Felsen  mit  Schlange,  Kröte  und  Schildkröte.  Der  Wasserstrahl  trägt  eine 

Blechkrone  empor.    Durch  zwei  Türöffnungen  gelangt  man  in  einen   in   Hufeisenform   um  diese  Grotte 

3p 


Inneres. 


244 


Qericlitsbezirk  Salzburg 


herumgeführten  bedeutenden  höheren  Gang,  der  eine  sehr  elegante  und  beachtenswerte  Wanddekoration 
aufweist:  Größere  und  ideinere  rechteckige  Felder  mit  geometrisch-perspektivischen  Wiirfelmustern  aus 
kleinen  weißen,  gelben  und  blauen,  auch  grünen  Fayenceplättchen,  umrahmt  von  Stuckbändern  mit  Eierstab- 
muster. Diese  in  unseren  Gegenden  sehr  seltene  Dekorationsart  hat  eine  Parallele  nur  in  jener  der 
Grabkapelle  des  Erzbischofs  Wolf  Dietrich  im  St.  Sebastiansfriedhof  in  Salzburg,  einem  Werke  des  Elia 
Castell  0. 


hig.  218     Hellbiuiin.    Statue  der  Diana, 
um  1613  (S.  242) 


Fig.  219    Hellbrimn.   Statue  der  Minerva, 
um  1613  (S.  243) 


Die  übrigen  Wandflächen  sind  mit  Tuffstein  verkleidet.  An  den  Schmalseiten  und  diesen  gegenüber  vier 
rundbogige  (leere)  Nischen  mit  großen  stukkierten  Muscheln  als  Abschlüssen,  darüber  ein  stukkierter 
Steinbockkopf;  als  Umrahmung  ein  Eierstab  aus  Stuck,  rot  und  gelb  bemalt.  Über  und  unter  den  ovalen 
Oberlichtfenstern  Festons  aus  Tüchern  und  Früchten  (Stuck).  Eine  ähnliche  Dekoration  mit  verwittertem 
Widderkopf  über  den  marmornen  Türstöcken.  (Hier  allein  sind  noch  die  originalen  Fayenceplättchen  von 
1619  erhalten.) 

In  der  Mitte  der  Nordwand  große  flachbogige  Nische,  umrahmt  von  rot  und  gelb  gefärbelten  Komparti- 
inenten,  die  von  stukkierten  Eierstabgesimsen  eingefaßt  sind.  Unten  ist  ein  Haufen  von  Konglomerat- 
trünimern  als  Felsengrund  aufgebaut.  In  der'Nische  die  Gruppe  der  Seh  in  düng  desMarsyas,  zwei 


Schloß  Hellbrunn 


245 


Überlebensgroße  Statuen  aus  hellgelbem  Untersberger  Marmor  (Fig.  220).  Links  Apollo  (in  kurzer  Tunika, 
Mantel,  Stiefeln),  der  mit  der  rechten  Hand  das  Messer  hebt,  mit  der  linken  den  Marsyas  beim  Arme 
packt.  Rechts  der  Satyr  Marsyas,  mit  Stricken  und  einem  Riemen  an  einen  Baumstamm  gefesselt.  In  der 
herabhängenden  rechten  Hand  hält  er  die  Syrinx. 

Die  Gruppe  ist  das  Werk  eines  italienischen  Bildhauers,  von  der  gleichen  Hand  wie  der  Poseidon  in 
der  mittleren  Schloßgrotte,  um  1619. 


Fig.  220. 


Fig.  220     Hellbruiin.    Mannorgruppe,  Apollo  und  Marsyas,  um  1619  (S.  245) 

Die  flache  Decke  des  Umgangs  ist  in  Felder  geteilt,  die  mit  Tuffsteinbändern  umrahmt  sind.  Dazwischen  graues 
Kieselmosaik.  Die  illusionistischen  Malereien  (fliegende  Vögel  vor  blauem  Himmel)  sind  modern  erneuert. 
Die  Stuck-  und  Fayencedekoration  haben  durch  die  Feuchtigkeit  und  die  Salpetersalze  stark  gelitten. 
Die  Dekoration  der  Grotte  geht  auf  die  Erbauungszeit  zurück.  Sie  war  jedoch  schon  im  XVlIl.  Jh.  durch 
die  Feuchtigkeit  so  beschädigt,  daß  man  1759  zu  einer  umfassenden  Restaurierung  schritt.  Die  glasierten 
Plättchen  wurden  fast  alle  vom  Hafner  Martin  Dreyer  neu  gemacht  (22.000  Stück),  ebenso  die 
Stukkaturen  durch  Benedikt  Zopf.  Im  Jahre  1894  wurden  die  unteren  Felder  nochmals  erneuert.  Alt 
sind  nur  die  Partien  über  den  beiden  Eingängen. 


246 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Merl<ur- 
brunnen. 
Fig.  221. 


Östlich  von  der  Mydasgrotte  befand  sich  1619  ein  kleiner  kleeblattförmiger  Weiher  mit  drei  Tritonen- 
figuren  (siehe  Fig.  153 — 154),  der  aber  schon  auf  Danreiters  Stich  (um  1735)  zugeschüttet  erscheint,  um 
einem  großen  Blumenboskett  Platz  zu  machen  (s.  Fig.  155). 

9.  Me  rku  r  br  u  n  n  e  n  {Brunn  MercurU)  (Fig.  221).  Kleeblattförmiges  Quellenbassin  in  Steinfassung,  von 
Sitzbänken  aus  Konglomerat  umgeben.  Das  Wasser  fließt  über  einen  schmalen,  von  Konglomeratblöcken 

flankierten  Kanal  ab. 

Gegenüber  am  Abhänge,  von  Gebüsch 
umgeben,  auf  hohem  prismatischem  Kon- 
glomeratpostamente    die     überlebensgroße 


-**-.^  -' 


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:*  :  ;3E^, 


Fig.  221     Hc'llbriinn.    Merkurbrunnen,  um  1613  (S.  246) 


Fig.  222     Merkurstatue,  um  1613  (S.  246) 


Fig.  222. 


Brunnen 

der  Eurydike. 

Fig.  223. 


Marmorstatue  des  Merkur.  Der  wohlgebaute  jugendkräftige  Götterbote  (Fig.  222)  steht  emporschauend 
flugbereit  da.  Die  Last  des  Körpers  ruht  auf  dem  rechten  Bein,  das  linke  ist  bereits  leicht  erhoben. 
Mit  der  linken  Hand  hält  der  Jüngling,  zugleich  damit  das  Gesicht  beschattend,  den  einen  Zipfel  des 
Mantels  hoch  empor,  der  leicht  um  die  Hüfte  geschlungen  hinten  in  schwerem  Faltenwurf  herabfällt. 
Die  rechte  Hand,  welche  den  (aus  Eisen  hergestellten)  Schlangenstab  hält,  ist  in  die  rechte  Hüfte 
gestemmt,  dem  Mantel  hier  Halt  verleihend.  Die  Flügel  an  den  Füßen  und  der  geflügelte  Helm  kenn- 
zeichnen den  Götterboten.  —  Sehr  gute  Arbeit,  uin  1613,  am  nächsten  dem  „Herbst"  beim  Sternweiher 
verwandt. 

10.  Brunnen  der  Eurydike,  ursprünglich  Brunn  Dianae  (Fig.  223).  Nordöstlich  neben  dem 
Merkurbrunnen.   Kleines  herzförmiges  Quellenbecken,   aus   dem    über  vier   Stufen    das  Wasser   in  einen 


Schloß  Hellbrunn 


247 


kurzeil  Kanal  abfließt,  der  in  den  langen  Kanal  mündet;  an  den  vier  Ecken  des  Kanals  niedrige  prisma- 
tische Postamente  aus  Konglomerat.  Auf  drei  Seiten  ist  der  kleine  Platz  von  hohen  Konglomeratmauern 
umschlossen.  Rückwand:  In  der  Mitte  hohe,  rot  gefärbelte  Rundbogennische  in  Konglomeratsteinrahmung, 
flankieit  von  zwei  Konglomeratlisenen  mit  einfachen  Gesimsen.  In  den  aus  Konglomeratbruchsteinen 
aufgeführten  Seitenflächen  daneben  oben  je  ein  querovales  Fenster,  unten  je  eine  rot  gefärbelte  Rund- 
bogennische in  einer  Umrahmung  von  Konglomeratwerkstücken.  In  jeder  der  beiden  Nischen  ein  mit  dem 
Schwanz  aufgerichteter  Maimoidelphin,  aus  dessen  Nasenlöchern  Wasser  in  eine  marmorne  Muschelschale 
fließt.     In  den  Ecken  aneinanderstoßend  zwei  Konglomeratpilaster. 

Die  beiden  konkav  gebogenen  Seitenwände  bestehen  je  aus  einem  schmalen  rechteckigen  Konglomerat- 
bruchsteinmauerstück, das  vorne  durch  einen  Pilaster  abgeschlossen  wird,  und  zwei  großen  Volutenwangen 


Fig.  223    Hellbrunn.    Brunnen  der  Eurydike  (S.  246) 


aus  Werkstücken  von  Konglomerat;  unter  den  letzteren  je  eine  bogenförmige  marmorne  Sitzbank.  Neben 
den  beiden  kurzen  Zugangswegen  je  zwei  niedrige  Postamente  aus  Konglomerat.  Auf  den  beiden  vorderen 
stehen  aufgerichtet  zwei  kleine  Marmorlöwen,  die  in  den  Vorderpranken  zwei  glatte  Kartuschen  (wohl 
ursprünglich  mit  Wappen  bemalt)  halten. 

Den  oberen  Abschluß  der  (außen  verputzten)  architektonischen  Rückwand  bilden  rohe  Steintrümmer,  auf 
denen  Gebüsch  und  Gras  wächst.    Dahinter  Schindelbedeckung. 

In  der  Mitte  der  Hauptnische  der  Rückwand  steht  auf  einem  in  eine  Muschelschale  hineingestellten  pris- 
matischen Postament  die  lebensgroße  Marmorstatue  der  Eurydike  (Fig.  224).  Die  Gattin  des 
Orpheus  trägt  ein  langärmeliges,  an  den  Handgelenken  durch  Bänder  geschlossenes  Untergewand  und 
ein  gegürtetes,  faltenreiches  Obergewand  mit  kurzen  Ärmeln.  Auf  dem  schön  frisierten  Haar  liegt  ein 
eigentümlicher  Kopfschmuck,  ein  von  einer  Doppelvolute  ausgehendes,  rückwärts  herabfallendes  Schleier- 
tuch.   In  der  rechten  Hand  hält  sie  an  die  Brust  gedrückt  ein  geflochtenes  Körbchen,  in  der  gesenkten 


Fig.  224. 


248 


Qerichtsbezirk  Salzburg 


linken  ein  paar  Blumen.  Ihr  nackter  linker  Fuß  tritt  auf  die  sich  emporringelnde  Schlange,  die  ihr  den 
tödlichen  Biß  versetzt  (Kopf  abgebrochen).  Das  nach  rechts  aufwärts  gewendete  schöne  Gesicht  ist 
schmerzvoll  verzogen.  —  Postament  und  Statue  aus  Marmor.  —  Sehr  gute  Arbeit  des  Meisters  der 
Orpheusgruppe,  um  1613. 

Diese  Grotte,  die  unserer  Untersuchung  ein  interessantes  Problem  stellte,  fällt  aus  der  Reihe  der  übrigen 
heraus.  Ihr  ganzer,  mehr  aufs  Ruinenhafte  berechneter  Charakter  entspricht  nicht  dem  Anfang  des  XVH.  Jhs. 
In  der  Tat  hatte  sie  früher  —  wie  wir  auf  den   alten  Ansichten   Fig.  153—154  erkennen  —  ein  anderes 


Fig.  224    Hellbrunn.    Statue  der  Eurydike,  um  1613  (S.  247) 


Aussehen.  Auch  die  Eurydikestatue  stand  nicht  ursprünglich  hier,  denn  nach  Stainhauser  stieß  unmittelbar 
an  den  Merkurbrunnen  der  „Brunn  Dlanae" ,  in  welchem  auf  einem  Postament  die  Göttin  Diana  mit  einem 
Vogel  in  der  Hand  stand.  Man  sieht  diese  Dianastatue  auch  auf  dem  Bilde  von  1618  (Fig.  153),  die 
ganze  Grotte  auf  Fig.  154  und  Taf.  VI.  Es  ist  dies  zweifellos  jene,  die  jetzt  am  ovalen  Weiher  steht  (Fig.  203). 
Auf  dem  Stich  Danreiters  (um  1735)  sehen  wir  schon  die  vorstehende  Grotte  als  Grotte  der  Cleopatra 
in  ihrer  heutigen  Gestalt,  mit  der  Eurydikestatue,  die  man  (wegen  der  Schlange)  fälschlich  für  eine 
Kleopatra  hielt.  Diese  Eurydikestatue  aber  ist  alt  (1613)  und  stand  in  der  jetzigen  Dianagrotte  (s.  oben 
S.  242).  Ihr  mußte  also  —  zwischen  1619  und  1740  —  die  ursprüngliche  Dianastatue  (Fig.  203)  weichen. 
Gleichzeitig  mit  dieser  Umstellung  baute  man  an  Stelle    der   ehemaligen   architektonischen    Umrahmung 


Schloß  Hellbrunn 


249 


die  jetzige.  Ich  glaube,  daß  diese  Veränderung  unter  Erzbischof  Johann  Ernst  Grafen  Thun  (1 687-- 1709) 
geschah.  Ich  bin  auch  zu  dem  Schlüsse  gekommen,  daß  die  beiden  springenden  Rosse  (Wappentiere 
der  Familie  Thun)  (Fig.  232,  233)  ursprünglich  auf  den  beiden  äußeren  Postamenten  der  Grotte  standen, 
die  Löwen  mit  den  Wappen  aber  (Wappentiere  des  Erzstiftes)  auf  den  inneren  (s.  unten  S.  252) '). 

11.  Forstteufel  (Fig.  225).  Südöstlich  neben  dem  Eurydiketheater.  Vom  Kanalweg  führt  ein  von  niedrigen 

Konglomeratbruchsteinmauern  eingefaßter  Weg  zu  einem  in  gleicher  Weise  eingefriedeten  kleinen  Platz. 

In  der  Abschlußmauer  kleine  Höhle,  darin  auf  rechteckigem  Postament  die  Marmorfigur  eines  kauernden 
jMischwesens  mit  einem  bärtigen  Mannskopf,  Hahnenkamm,  löwenartigen  Vorderfüßen,  Hinterfüßen  mit 
IVogelklauen  und  einem  buschigen  Schwanz.  Am  Sockel  die  fünfzeiiige  Inschrift:  Anno  1531  ist  ein  so 
\gestaUes  Monstrum,  so  man  einen  Forstteuffl  genennet,  unter  Regierung  Cardinal  und  Ertzbischoffens 
\zu  Salzburg  Matthaei  Lang  in  Haunsperg  auf  einer  Jagt  gefangen  worden;  es  war  gelb  von  färb,  gantz 
\wildt  und  wolle  die  Leuth  nit  ansehen,  sondern  verbarg  sich  in  die  winckel,  trueg  einen  Hannenkhamb 
\auf  dem  haubt,  hatte  ein  Menschenangesicht  mit  Bart,  Adlerfuesß,  schier  Lewendatzen  und  einen  Hundß- 

schwaiff,  starb  bald  Hungers,  man  mechte  Ihm  vil  so  lieblich  lockhen  oder  sovil  gewalts  anthuen  daß 
•  es  esßen  oder  trinckhen  weite.  —  Die  Figur  stammt  nicht  aus  der  Erbauungszeit  des  Schlosses,  sondern 
{wurde  erst  unter  Erzbischof  Johann  Ernst  (um  1700)  angefertigt  (s.  S.  185). 


Forstteufel. 
Fig.  225. 


Fig.  22.5     Hellbriinn.    D.t  Forstteiifel,  um   1700  (S.  249) 

12.  Neptunsbrunnen  (Brunn  Neptuni).  Südöstlich  davon,  am  Wege.  Wasserbecken,  hinten  im  Halb- 
rund von  einer  höheren,  vorne  im  Rechteck  von  einer  niedrigeren  Mauer  aus  Konglomeratblöcken  eingefaßt. 
.  In  der  Mitte  eine  marmorne  Muschelschale,  aus  der  das  Quellwasser  emporsprudelt.  Dahinter  die  lebensgroße 
t  Marmorstalue  des  auf  einem  Delphin  sitzenden  Neptun  (Fig.  226).  Sein  abgebogener  rechter  Fuß  ist  in  ein 
!  Manteltuch  verstrickt,  das  über  seinen  Schoß  und  den  linken  Oberschenkel  hinweggeführt  ist.   Der  linke 
I  Fuß  ruht  auf  dem  Maul  des  Delphins.    Die  gesenkte  linke  Hand,  welche  das  andere  Mantelende  hält, 
I  stützt  sich  auf  den  Delphinrücken,  die  auf  den  linken  Oberschenkel  gelegte  rechte  Hand  hält  einen  höl- 
I  zernen  Dreizack.    Durch  zwei  Öffnungen  fließt  das  Wasser  ab.     Dazwischen  an  einem  Felsstücke    eine 
groteske  Marmormaske,  aus  deren  Maul  Wasser  fließt.  —  Statue  und  Maske  um  1613.    Felsumrahniung 
um   1700. 


Neptuns- 
brunnen. 


Fig  226. 


')  Noch  erhöht  wird  die  Konfusion  durch  Hubner  (1792).  Dieser  nennt  unsere  Grotte  „das  Theater  der  Venus  Idalia  mit  einer 
Taube  in  der  Hand".  Kein  Zweifel,  er  meint  die  Dianastatue  Fig.  203,  die  man  also  damals  wieder  an  ihren  richtigen  Platz  gestellt 
hatte.  Doch  bald  wurde  sie  wieder  durch  die  Eurydike  verdrängt,  wie  ich  meine,  im  Jahre  1822,  welche  Jahreszahl  nebst  den 
Monogrammen  5  in  T  und  AS  am  Oewandsaume  der  Statue  eingemeißelt  ist. 

XI  32 


250 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Rechts  nebeil  dem  Neptunsbriinnen  befand  sich  nach  Stainhauser  (1619)  ein  Brunnen  mit  der  (sitzenden) 
Statue  der  Amphitrite.    Diese  ist  jetzt  verschollen. 

Oktogon.  13.  Oktogon  (Bnmiistuben).  Östlich  davon,  am  Wege.  Achtecliiges,  am  Abhang  erbautes  dachloses  Ge- 
bäude, verputzt,  gelb  und  weiß  gefärbelt.  Außengliederung  durch  vertiefte  Felder.  In  der  Nordseite  (am 
Wege)  rechteckige  Tür  in  Nagelfluhquadernrahmung,  mit  profiliertem,  konkavem  Sturzgesims  in  rund- 
bogiger  Nische.  —  In  dem  oben  offenen  Innern  ein  achtseitiges  Bassin.  In  den  Wänden  abwechselnd 
rechteckige  vertiefte  Felder  und  drei  rundbogige  Nischen.    Um  1613. 


Fig.  226    Hellbrunn.    Statue  des  Neptun,  um  1613  (S.  249) 

In  dieser  Brunnenstube  wurden  nach  Stainhausek  Saiblinge  gehalten,  an  den  Wänden  waren  Landschaften 
mit  verschiedenen  Fischereien  gemalt  (noch  1792  sichtbar).  In  einer  Nische  stand  bis  vor  wenigen  Jahren 
auf  einem  Steinpostament  die  Statue  einer  Wassergöttin  mit  einem  Buschen  Moosrohr  (Schilf)  in  den 
Händen.  Diese  Statue  steht  jetzt  im  NW.  des  Schlosses  neben  dem  ovalen  Weiher  (Fig.  202). 
Unweit  davon,  an  der  Längsseite  des  angrenzenden  Weihers,  stand  ursprünglich  (1619)  ein  achteckiges 
Lustliaus,  mit  einem  Dache  gedeckt,  innen  schön  ausgemalt  (s.  Fig.  153,  Taf.  VI).  Darin  stand  auf 
einem  Postament  die  Statue  der  Göttin  Flora,  die  jetzt  am  großen  Weiher  neben  dem  Perseus  steht 
(Fig.  234).  Hier  versammelten  sich  auf  ein  Klopfen  hin  in  einem  Bassin  die  großen  Forellen  des  Weihers. 
Zu  HüBNRK.s  Zeiten  (um  1790)  wurde  dieses  Häuschen  leider  abgebrochen. 


Schloß  Hellbrunn 


251 


Östlich  neben  dem  Oktogon  liegt  ein  großer  rechteckiger,  an  den  beiden  Schmalseiten  halbrund  aus- 
gebuchteter Weiher.  Darin  die  Marmorstatuen  zweier  Tritonen,  welche  die  linke  Hand  in  die  Hüfte 
stemmen  und  mit  der  rechten  Muschelhörner  am  Munde  halten.    Um  1613. 

14.  D  a  s  mechanische  Theater.  An  dem  schmalen  Kanal,  gegenüber  der  Steinbock-  und  Dianagrotte. 
Rauh  verputzter  und  gelb  gefärbelter  Bau  mit  Blechdach.  Im  N.  dreiseitiger  Abschluß,  im  S.  große  Schauwand: 
Die  große  rundbogige  Nischenöffnung  wird  flankiert  von  je  zwei  horizontal  gefugten  Pilastern  aus  rötlichem 
Marmor;  darauf  gerades  Gebälk.  Geschwungener  Volutengiebel  mit  Marmoreinfassung.  Auf  den  Seiten- 
voluten eine  lachende  und  eine  traurige  Faunbüste  (Marmor).  Über  dem  geschwungenen  Mittelgesims 
eine  große  Vase.  Im  Giebelfeld  oben  das  große  Marmorwappen  des  Erzbischofs  Andreas  Jakob  Grafen 
Dietrichstein    mit    Kardinalshut   und  Quasten   aus  Metall.    Darunter  Marmorkartusche  mit  der  Inschrift: 


Mechanisches 
Theater. 


Fig.  227     Hellbrunn.    Mechanisches  Theater  (S.  251) 


"  Urbis  mechanismi  vahos  lahores  per  ludicram  histrioniam  exhibent  fictitü  homuli  artis  et  ingenii  con- 
gressu  elaborati,  dubium  an  ars  sit  supra  naturam,  vel  natura  supra  artem,  marmorea  haec  structura 
rcsolvet,  quam  advenis  in  admirationem,  iuventuti  ad  delicium  et  novum  horti  ornamentum  hydraulico 
organificio  in  hanc  formam  erigi  fecit  Andreas  Jacobus  archiep:  et  princ:  Salisb:  ex  com:  de  Dietrich- 
stein etc.  etc.  ut  dilecta  posteritatis  videat  monumentum  MDCCL  (1750). 

I  In  der  großen  rundbogigen  Nische  befindet  sich  das  1748  bis  1752  von  Lorenz  Rosenegger, 
Bergarbeiter  in  Dürrnberg,  angefertigte  „Mechanische  Theater",  das  Leben  und  Treiben  in  einer  Hof- 
niark  darstellend,  eine  große  Holzarchitektur  mit  zahlreichen  Holzfiguren,  die  sich  auf  einen  Griff 
am  Hebel  des  komplizierten  Uhrwerks  alle  zu  bewegen  anfangen  (Fig.  227).  Dazu  ertönen  die  Klänge 
einer  gleichfalls  mechanischen  Orgel.  Die  Holzfiguren  sind  geschnitzt  von  Bartelmä  Pfäll  in 
;  Nonntal  (85  Figuren),  Josef  Georg  Frieß  in  Salzburg  (18  Figuren),  Josef  Strasser  (49  Figuren) 
i  und  Johann  Georg  Ross  in  Hallein  (49  Figuren).  Vgl.  das  Archivalische  und  die  alten  Beschrei- 
bungen  S.  186  f. 

32» 


Fig.  227. 


252 


Qerichtsbezirk  Salzburg 


Lustgarten. 
Fig.  228  f. 


Der  Lustgarten  mit  der  großen  Weiheranlage  (Fig.  228 f.). 

Östlich  vom  Schlosse  liegt  ein  großer  sonniger  rechteckiger  Ziergarten,  auf  drei  Seiten  von  Alleen 
umgeben.  Die  glattgeschorenen  Rasenflächen  sind  durch  Blumenboskette  geziert.  An  seinem  westlichen 
Ende  stehen  auf  prismatischen  Postamenten  zwei  hohe  kugelbekrönte,  marmorne  Obelisken  mit  vier 
Kugeln  als  Füßen  (um  1613),  dazwischen  unter  den  Bäumen  ein  Marmortisch. 
Zwei  große  Weiher,  an  den  Langseiten  des  Ziergartens  durch  schmale  Kanäle  verbunden,  umschließen 
ein  großes  rechteckiges  Blumenparterre.  An  dessen  Ecken  stehen  vier  Marmorstatuen:  Auf  prisma- 
tischem Postament  je  ein  bärtiger  Zwerg  oder  ein  Putto,  in  ein  Muschelhorn  blasend.  Die  unreg-elmäßigen 
Sockelplatten  dieser  vier  mittelmäßigen  Figuren  passen    nicht  zu   den  Postamenten.     Ihre   Form  deutet 


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Fig.  228     Hellbrunn.    Lustgarten  (S.  2.52) 


vielmehr  darauf  hin,  daß  sie  ursprünglich  als  Eckfiguren  auf  einer  in  stumpfem  Winkel  gebrochenen  Ba- 
lustrade standen^).  Auf  den  ältesten  Ansichten  (Fig.  153 — 155)  sehen  wir  die  Figuren  an  dieser  Stelle  nicht, 
erst  auf  den  Stichen  Diesels  und  Danreiters  (Fig.  156)  nebst  vier  anderen  Figuren,  die  jetzt  nicht  mehr  vor- 
handen sind.  Ich  glaube,  daß  sie  von  dem  Pavillon  stammen,  der  sich  inmitten  der  Insel  erhob  (s.  unten). 
Am  halbrund  ausgebuchteten  oberen  Teil  des  westlichen  Weihers  stehen  auf  prismatischen  Konglomerat- 
postamenten die  Marmorfiguren  zweier  kleiner  sich  aufbäumender  Rosse  (Einhorne,  denen  die  Hörner 
Fig.228-233.     fehlen);    gute,  sehr  dekorative  Arbeiten  (Fig.  228—233). 

Diese  beiden  Rosse  werden  weder  von  Stainhauser  noch  von  Hübner  erwähnt,  noch  sind  sie  auf  den  alten 
Ansichten  oder  Plänen  verzeichnet.  Nun  haben  die  Sockelplatten  dieser  beiden  Figuren  eine  eigentüm- 
liche Form  —  die  von  Rhomben  — ,  die  zu  den  jetzigen  quadratischen  Postamenten  nicht  passen.  Ich 
glaube  aus  diesem  Momente  schließen  zu  können,  daß  die  Rosse   ursprünglich  auf  den  beiden  äußerer 

')  Das  beweisen  auch  an  zwei  Postamenten  die  angesetzten  Halbbaluster. 


Schloß  Hellbrunn 


253 


Postamenten  der  Eurydikegrotte  (Fig.  223)  standen,  auf  die  sie  genau  passen.  Dort  sind  sie  auch  gegen- 
ständlich erklärlich  als  Wappentiere  des  Erzbischofs  Johann  Ernst  Grafen  Thun.  Sie  gehören  also  dem 
Ende  des  XVII.  Jhs.  an.  Man  hat  sie  von  der  Grotte  (wahrscheinlich  als  zu  groß)  schon  vor  1740  ent- 
fernt, sie  dürften  dann  irgendwo  in  ein  Depot  gestellt  worden  sein,  bis  man  sie  im  XIX.  Jh.  hier  auf- 
stellte, wo  sie  ganz  vortrefflich  wirken. 

Ursprünglich  (vgl.  Stainhausers  Beschreibung  u.  Fig.  153 — 154)  war  dieser  Lustgarten  von  einer  eigenen  Mauer  umfangen,  die 
mit  Weinreben  besetzt  und  mit  zierlichen  Bildern  geschmückt  war.  Dort,  wo  jetzt  das  im  XIX.  Jh.  gepflanzte  Kasianienwäldchen 
steht  (beim  Marmortisch),  war  1619  ein  Obstgarten,  östlich  davon  zwei  Erdbeergärtlein.  Da,  wo  jetzt  vor  den  beiden  Rossen  die 
zwei  Rosenparterre  sind,  waren  zwei  Irrgärten,  daneben  im  S.  ein  Rosengärtlein,  weiterhin  vier  Beete  mit  seltenen  Blumen.  Die 
Insel  inmitten  des  großen  Hauptweihers,  war  mit  allerlei  Blumen  und  südlichen  Obstbäumen  bepflanzt.    Invier  Dreiecken  sah  man 


Fig.  229    Hellbrunn.  Partie  aus  dem  Lustgarten  mit  dem  Obelisken,  den  beiden  Rossen  und  dem  Monatsschlößchen  (S.  252) 


hier  —  aus  Buchs  gepflanzt  —  einen  römischen  Adler,  das  Wappen  des  Erzstiftes  und  des  Erzbischofs  Marx  Sittich  sowie  das 
des  Domkapitels  und  eine  Sonnenuhr.    In  der  Mitte  der  Insel  erhob  sich  ein  ziemlich  hoher  Hügel,  durch  zwei  Stiegen  mit  je 
29  Stufen  zugänglich.     Darauf  stand  ein  Lusthaus  mit  zwei  steinernen  Altanen,  darunter  zwei  Grotten  mit  je  zwei  Zwergstatuen, 
die  aus  einer  Muschel  Wasser  ausspritzten  (s.  oben). 
In  dem  Gartenzwickel  nördlich  vom  Lustgarten    war   eine  offene   Reitschule,    ein    Armbrustschießplatz    und   eine  Ringelrennstatt. 

Nördlich  vom  Ziergarten  liegt  ein  um  1790  unter  dem  Erzbischof  Hieronymus  Grafen  Colloredo  „anstatt 
eines  sehr  mageren  Obstgartens"  angelegter  englischer  Garten,  in  den  auch  der  nördliche  Weiher 
und  der  angrenzende  Teil  des  alten  Lustgartens  (nach  Abbruch  der  diesen  umfangenden  Mauer)  ein- 
bezogen wurde.  In  diesem  dreieckigen  „Naturgarten"  steht  jetzt  eine  hohe,  oben  abgebrochene  Marmor- 
säule (sie  stammt  vom  ehemaligen  Ringelplatz  beim  Monatsschlößchen,  vgl.  S.  259). 
In  diesem  englischen  Garten  stehen  jetzt  an  der  Allee  neben  dem  großen  Weiher  zwei  Statuen: 
1.  Auf  schön  profiliertem,  prismatischem  Marmorpostament  die  überlebensgroße  Marmorstatue  der  Flora 
in   kurzärmeligem,  über  den  Beinen  emporgeschobenem    Gewände,  im  Haare  ein  Diadem    mit  Blumen- 


254 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


girlaiiden,  in  den  Händen  ein  großes  FüUiiorn  mit  Blumen.  -  -  Gute  Arbeit,  um  1613,  vom  Meister  der 
Fig.  234.        Orpheusgruppe  (Fig.  234).    Die  Statue  stand  ursprünglich  in  dem  um  1790  abgebrochenen  Tempietto  am 
Weiher  südlich  vom  großen  Ziergarten  (s.  oben). 

Beim  Weiterschreiten  links  über  dem  Weiher  malerischer  Durchblick  zur  Hohensalzburg. 

Fig.  235,  236.  2.  Auf  niedrigem  Konglomeratpostamente  die  überlebensgroße  Marmorstatue  des  P  e  r  s  e  u  s  (Fig.  235,  236). 
Der  prächtig  modellierte  Held  steht  in  stolz-ernster  Siegerstellung  mit  dem  rechten  Fuß  auf  dem  Rumpfe 
der  Medusa.  Die  gesenkte  Rechte  ruht  lässig  am  Griffe  des  gewaltigen  Schwertes,  mit  der  Linken  streckt 
er  triumphierend  das  Haupt  der  erschlagenen  Feindin  empor.  Ein  Tuch  schlingt  sich  vom  Knöchel  der 
linken  Hand  über  den  Rücken  und  bedeckt  vorne  die  Scham.  An  der  linken  Hüfte  hängt  die  mächtige 
Scheide  an  einem  quer  über  die  Brust  gehenden  Bande,  in  das  hinten  der  Mantel  eingekle;Timt  ist,  dessen 


Fig.  230    Hellbrunn.   Partie  aus  dem  Lustgarten  beim  großen  Weitier.  Im  Hintergrunde  der  Untersberg  (S.  252) 

steil  herabfallendes  Ende  der  Statue  als  Stütze  dient.  Von  besonderer  Schönheit  ist  der  lockenumrahmte 
trotzig-ernste  Kopf. 

Die  Statue  ist  die  imposanteste  im  Parke,  ein  vortreffliches  Werk  des  Meisters  der  Orpheusgruppe, 
um  1613.  Sie  bildete  ursprünglich  die  Bekrönung  des  „Brunnens  Altembs"  gegenüber  der  Südwestfront 
des  Schlosses  (s.  Fig.  157)  und  wurde  im  XIX.  Jh.  wahrscheinlich  aus  Sicherheitsgründen  —  sie  ist  in 
der  Tat  für  den  Giebel  zu  gewichtig  —  von  dort  entfernt  und  hier  aufgestellt. 

Vom  Wege  vor  dem  Perseus  prächtiger  Blick  gegen  Südwesten,  mit  dem  großen  Weiher  und  dem  Zier- 
garten im  Vordergrunde  und  dem  Untersberg  im  Hintergrunde  (Fig.  230). 

Am  Ostende  des  Ziergartens  mündet  in  der  Mitte  zwischen  hohen  Lebensbäumen  eine  schattige  Allee 
von  riesigen  Fichten;  als  Abschluß  vorne  zwei  mächtige  Ahornbäume.  Am  Ende  dieser  Allee  erblickte 
man  früher,  als  die  Bäume  noch  nicht  so  hoch  waren,  das  am  jenseitigen  Ufer  gelegene  Schloß  Golden- 
stein (jetzt  Kloster,  s.  S.  52  f.).  Die  ganze  Allee  ist  auf  diese  Vedute  hin  angelegt  (die  Umfassungsmauer 


Schloß  Hcllbrunn 


255 


ist  an  der  betreffenden  Stelle  erniedrigt).  Mit  Rücksicht  auf  diesen  Blick  war  schon  1613  die  kurze  Allee 
westlich  des  Weihers  angelegt  worden,  an  derem  Ende  die  Venusstatue  (Fig.  215)  aufgestellt  wurde.  Auf  dem 
Stiche  Danreiters  (Fig.  159)  sehen  wir  nun  diese  Vedute  auch  östlich  vom  Lustgarten  durch  die  Fichtenallee 
bis  zur  Salzach  fortgesetzt  und  am  jenseitigen  Ufer  bis  zum  Schlosse  Goldenstein  weitergeführt  (vgl.  auch 
den  Plan  von  1776  im  k.  k.  Regierungsarchiv).  Die  Allee  scheint  also  um  1730  gepflanzt  worden  zu  sein. 
Im  östlichen  Teile  des  Schloßterrains  liegt  der  sehr  große  ehemalige  Tiergarten,  nach  außen  durch 
hohe  Mauern  abgeschlossen.    Hier  wurden  Damhirsche  und  Rehe  gehegt. 

Südöstlich  vom  Ziergarten  erhebt  sich  ein  langgestreckter,  aus  Konglomerat  bestehender,  ganz  mit  Laub- 
bäumen und  Fichten  bewachsener  Hügel,  der  sogenannte  Wäldern sberg.  An  seiner  Nordwestseite  lugt 
ein  Schlößchen  aus  dem  Grün,  das 


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Fig.  231     Hellbninn.    Großer  Weiher  mit  den  beiden  Rossen.    Im  Hintergrunde  der  Untersberg  (S.  252) 

Monatsschlössel,  von  seinem  Erbauer  Marcus  Sitticus  von  Hohenems  Waldems  genannt  (Fig.  237—239). 
Den  Namen  Monatsschlössel  erhielt  es  von  der  Sage,  „daß  es,  um  den  Wunsch  eines  durchreisenden 
bayrischen  Herzogs  zu  befriedigen  und  ihn  bei  seiner  Rückkehr  mit  dessen  Ausführung  zu  überraschen, 
vom  Erzbischof  in  einem  Monat  erbauet  wurde'-  (Hübner  I  539).  Diese  Sage  erfährt  aus  den  ArchivaJien 
ihre  historische  Richtigstellung  dahin,  daß  der  fürstliche  Gast  Erzherzog  Maximilian  von  Österreich  war, 
der  Hellbrunn  1615  besuchte.  Leiter  des  Baues  war  Santino  Solari  (vgl.  S.  168). 
Vom  Ziergarten  führt  ein  mit  hölzernen  Stufen  versehener  Weg  hinan.  Noch  unterhalb  des  Schlößchens 
liegt  ein  kleines  Plateau  mit  einem  runden  Marmortisch  und  drei  Marmorbänken;  von  hier  aus  hübscher 
Blick  auf  Hellbrunn  und  die  Hohensalzburg.  Im  letzten  Stück  des  Weges  eine  Treppe  mit  Konglomeratstufen. 
Das  villenartige  Schlößchen  ist  im  Grundrisse  rechteckig,  aus  Bruchsteinen  und  Ziegeln  erbaut,  verputzt 
und  gelb  gefärbelt.  Die  Außengliederung  entspricht  der  des  Schlosses  Hellbrunn.  Die  rechteckigen  Fenster 
stehen  in  einfacher,  an  den  beiden  oberen  Ecken  im  Quadrat  austretender  Umrahmung  und  haben  profilierte 
Sturzgesimse;  auch  die  charakteristischen  doppelten  Bandgesimse  unter  den  Fenstern  finden  sich  hier  wieder. 


Monats- 
schlössel. 
Fig.  237-239. 


256 


Qericlitsbezirk  Salzburg 


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Schloß  Hellbrunn 


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33 


258 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Eingangs- 
front. 
Fig.  238. 


Eingan  gsf  r  0  11 1  im  SO.  (Fig.  238):  Zwischen  zwei  niedrigen  reclitecl<igen  Anbauten  in  der  kurzen 
Verbindungsmauer  das  Eingangstor,  in  Konglomeratrahmung,  mit  flachem  Kleeblattbogen  und  Dreiecks- 
giebel aus  Konglomerat;  in  der  Mauer  daneben  je  ein  vertieftes  rechteckiges  Feld. 
Die  beiden  eingeschossigen  Anbauten  haben  gegen  den  kleinen  Hof  zu  je  eine  Tür  und  zwei  quadratische 
Fenster  (die  im  SO.  vermauert).  Im  südwestlichen  Anbau  außen  im  SW.  zwei  rechteckige  Fenster  in 
Konglomeratrahmung,  im  SO.  ähnliches  vermauertes  Fenster.  —  Im  nordöstlichen  Anbau  im  SO.  ein  ver- 
gittertes Fenster  in  Konglomeratrahmung,  im  NO.  ein  kleines  Fenster. 

In  der  Schloßfront  zwischen  den  beiden  Anbauten  Tür  mit  profiliertem  Sturze,  daneben  je  ein  kleines 
vergittertes  Fenster.  Im  I.  Stock  in  der  Mitte  ein  Doppelfenster  mit  Sturzgesims  und  Dreiecksgiebel,  der 


Fig.  237^Hellbrunn.    Die  beiden  Rosse  und  das  Monatssctilössel  (S.  25-4) 


in  der  Mitte  durch  das  Marmorwappen  des  Erzbischofs  Marcus  Sitticus  unterbrochen  ist;  daneben  je  ein 
Fenster  mit  profiliertem  Sturz.  Im  II.  Stock  in  der  Mitte  vier  gekuppelte  Rundbogenfenster,  an  den  Seiten 
je  ein  Fenster  wie  unten. 

Nordostseite:  Im  Erdgeschosse  links  ein  quadratisches  Fenster,  in  den  zwei  Stockwerken  je  drei  Fenster 
in  einfacher  Umrahmung,  mit  profiliertem  Sturz;  die  beiden  mittleren  sind  vermauert. 
Nordwestfront:  In  dem  hier  infolge  des  abfallenden  Terrains  höher  liegenden  Erdgeschoß  in  der  Mitte 
ein  Doppelfenster,  daneben  zwei  Blendnischen;  in  den  nur  wenig  vorspringenden  Seitenrisaliten  je  ein 
kleincG  Fenster.  In  den  beiden  Stockwerken  in  der  Mitte  übereinander  zwei  Balkons  mit  je  einer  recht- 
eckigen, von  zwei  großen  Steinkonsolen  getragenen  Bodenplatte  aus  rotem  Marmor  und  schmiedeeisernem 
Geländer  (Spirahiiotive).  Der  Balkon  im  I.  Stock  hat  eine  große  rundbogige  Tür,  daneben  zwei  leere 
rundbogigc  Slaiuennischen,  der  des  II.  Stockes  eine  rechteckige  Tür  mit  Dreiecksgiebel,  der  in  der  Mitte 
durch  ein  großes  Marmorwappen  des  Erbauers  unterbrochen  ist.  In  den  beiden  Seitenrisaliten  überein- 
ander je  zwei  Fenster  mit  profiliertem  Sturze;  über  dem  Dachgesinise  sind  oberhalb  der  Risalite  zwei 


Schloß  Hellbrunn 


259 


geschwungene  Ziergiebel  aufgesetzt;  sie  enthalten  je  ein  Fenster  und  sind  mit  je  drei  marmornen  Pyra- 
miden bekrönt. 

Südwestseite:  Im  Erdgeschosse  drei  kleine  Fenster,  in  den  beiden  Stockwerken  je  drei  Fenster  wie  im  NO. 
Über  dem  profilierten  Abschlußgesimse  weit  ausladendes  Hohlkehlgesims.    Schindelsatteldach,  nach  SW. 
und  NO.  abgewalmt,  mit  einem  gemauerten  Rauchfang. 
Über  den  beiden  Anbauten  niedrige  Blechdächer  mit  je  einem  großen  Rauchfang. 

Das  Innere  des  Schlößchens  (Fig. 239)  ist  ganz  einfach  und  schmucklos,  alle  Räume  haben  glatte  flache 
Decken.  Durch  die  Eingangstür  kommt  man  in  einen  rechteckigen  Flur,  von  dem  aus  links  eine  Stiege 
(mit  roten  Marmorstufen)  in  die  beiden  Stockwerke  führt,  daneben  eine  Tür  zur  Kellerstiege,  in  der 
Mitte  Tür  zu  einem  Zimmer  mit  neuerem  Kachelofen;  links  davon  ein  dreifensteriges  Zimmer,  rechts 
eine  einfensterige  Kammer. 


Inneres. 
Fig.  239. 


Fig.  238    Hellbrunn.    Monatsschlössel,  Hofseite  (S.  258) 

Im  I.  Stock  ein  entsprechender  Vorraum  mit  Doppelfenster  im  SO.  und  zwei  Türen  im  NW.  und  NO.  In 
der  Mitte  ein  größeres  Zimmer  mit  Balkon  und  einem  Kamin  in  profilierter  Umrahmung  von  rötlichem 
Marmor,  durch  zwei  Türen  verbunden  mit  zwei  kleinen  zweifensterigen  Zimmern  an  den  Seiten.  Aus 
dem  zur  Rechten  kommt  man  in  ein  drittes  zweifensteriges  Zimmerchen,  das  wieder  mit  dem  Flur  in  Ver- 
bindung steht. 

Die  Einteilung  des  II.  Stockes  weicht  insofern  ab,  als  die  drei  nebeneinander  liegenden  Zimmer  zu  einem 
einzigen    rechteckigen   Saal  zusammengezogen  sind;   er  ist  modern   tapeziert.    Vom  Balkon  aus  schöne 
Aussicht  auf  Hellbrunn,  den  Flachgau,  Hohenstaufen,  Mönchsberg,  Hohensalzburg  und  Kapuzinerberg. 
Die  beiden  kleinen  Flügelbauten  im  Hofe  dienten  als  Küche  und  Dienerwohnung. 
\'on  der  Spitze  des  Hügels  östlich  oberhalb  des  Monatsschlösseis  schöner  Blick  gegen  Salzburg. 
Nach  dem  alten  Plane  (Taf.  VI)  lag  südöstlich  hinter  dem  Schlößchen  ein  „Renn-  und  Ringelplatz"  mit 
zwei  Steinsäulen;  davon  ist  jetzt  auf  dem  talartig  sich  verbreiternden  Platze  zirka  150  Schritte  vom  Schlöß- 
chen nichts  mehr  zu  sehen.    Eine  der  Säulen  steht  jetzt  im  englischen  Garten  (s.  S.  253). 

33* 


260 


Oerichtsbezirk  Salzburg 


Durch  den  lauscliigeii  schönen  Buchenwald  kommt  man  weiterhin  zum  steinernen  Theater,  an  der  Nord- 
ostseite des  Waldemsberges  gelegen.  Mit  künstlicher  Nachhilfe  —  der  Platz  diente  jedenfalls  als  Stein- 
bruch für  den  Schloßbau  —  wurde  hier  von  Marcus  Sitticus  aus  einer  riesigen  Felshöhle  ein  imposantes 
Fig.  240.  Felsentheater  geschaffen  (Fig.  240),  das  als  das  älteste  erhaltene  Freilichttheater  auf  deutschem  Boden 
besondere  Beachtung  verdient. 

In  die  Felswand  ist  eine  mächtige  Nische  eingebrochen,  welche  den  Bühnenraum  bildet.  Als  Szenerie 
dient  ein  Felsengeklüft  mit  Höhlen  und  drei  Eingängen.  Der  überhängende  Fels  links  ist  durch  eine 
feste  Stützmauer  gesichert,  der  zur  Rechten  ist  senkrecht  abgeschnitten.  Die  Bühne  selbst  ist  um  1  m 
über  dem  geräumigen,  unter  freiem  Hinmiel  liegenden  Zuschauerraum  erhöht.  Hinter  der  halbkreisförmigen, 
aus  dem  Felsen  gehauenen  Hintergrundszenerie  läuft  ein  geräumiger  Umgang,  der  sich  rückwärts  zu 
einer  tiefen  und  breiten  rechteckigen  Höhle  erweitert.  Ein  Gang  führt  von  hier  auf  einen  geräumigen, 
allseits  von  hohen,  künstlich  abgemeißelten  Felswänden  umschlossenen  Platz,  in  den  von  oben  her  eine 


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Fig.  239    Hellbninn.    Monatsschlössel,  Grundriß  1  :  200  (S.  259) 


steinerne  Zugangsstiege  einmündet.  Im  Bühnenraume  verraten  verschiedene  eingemeißelte  Tramlöcher 
das  ehemalige  Vorhandensein  hölzerner  Gerüste  für  Kulissen  und  Vorhang.  Rechts  vom  Bühnenraum  istj 
eine  tiefe  Einbuchtung  des  Felsens,  in  der  —  nach  den  Tramlöchern  zu  schließen  —  früher  hölzerne 
Logen  eingebaut  waren. 

Dem  Theater  vorgelagert  ist  ein  riesiges  Felsentor,  auf  dem  oben   mehrere  große  alte    Bäume  Wurzel 
Fig.  241.     gefaßt  haben  (Fig.  241). 

Das  Ganze  bietet  einen  interessanten  malerischen  Anblick.  Auch  an  den  heißesten  Tagen  herrscht  hier 
feuchte  Kühle. 

Von  der  an  der  Südseite  des  Berges  liegenden  „Watzmannaussicht"  prächtiger  Blick  auf  Anif,  Grödig, 
Hallein,  Tennengebirge,  Paß  Lueg,  Hohen  Göll,  Watzmann  und  Untersberg  (Fig.  12,  17). 

Am  südöstlichen  Ende  des  großen  Parkes  lag  an  der  Mauer  auf  einer  mäßigen  Bodenerhebung  das  gleich- 
falls von  Erzbiscliof  Marcus  Sitticus  erbaute  Schlößchen  Belvedere  (Fig.  158).  Man  findet  mit  Hilfe 
des  alten  Planes  (Taf.  VI)  zwar  im  Terrain  noch  die  Stelle,  wo  es  lag,  doch  ist  der  Platz  so  verwachsen,  daß 
man  nicht  einmal  mehr  Mauerreste  zu  erkennen  vermag.    Die  ehemalige  schöne  Aussicht  ist  ringsum 


Schloß  Hellbrunn 


261 


durch  Iiolie  Bäume  vollkomnieu  verdeckt.  Hübner,  zu  dessen  Zeiten  (1792)  das  Gebäude  noch  stand, 
beschreibt  es  also: 

Schlößchen  Belvedere,  von  den  vorzüglich  reizenden  Aussichten  so  genannt,  die  ninn  von  da  aus  über  den  ganzen  Salzachstrom 
hinab,  aufwärts  weit  hinter  Hallein  und  nacli  allen  Seiten  hat.  Das  Schloß  steht  auf  einem  Hügel,  dessen  Abhang  mit  Quadern 
vorwärts  gerade  aufgemauert  und  zu  einem  ebenen  Vorgrunde  erhöht  ist.  Man  steigt  über  eine  steinerne  Treppe  von  18  Stufen 
hinauf  und  kommt  dann  auf  einen  ebenen,  mit  Sande  bestreuten  Raum,  in  dessen  Hintergrunde  das  kleine  Schloß  erbaut  ist,  zu 


Fig.  240    Hellbrunn.    Steinernes  Theater  (S.  260) 


dem  man  beiderseits  über  zwei  Treppenabsätze  von  12  und  8  steinernen  Stufen  emporklimmt.  Der  Mittelteil  des  Schlößchens 
springt  einige  Schritte  hervor;  hat  oben  an  der  Treppe  nach  den  Seiten  zwei  Türen,  durch  welche  man  in  das  Innere  des  Schlöß- 
chens kommt.  Zwischen  den  Treppen  zur  ebenen  Erde  führt  ein  Tor  in  der  Mitte  in  die  Küche,  den  Keller  und  einige  niedere 
Behältnisse.  Der  Vorsprung  hat  nur  ein  Fenster  und  über  demselben  das  Wappen  des  Erbauers.  Auf  beiden  Flügeln  des  Schlöß- 
chens ist  ebenfalls  nur  1  Fenster  und  2  auf  jeder  Seite. 

Das  Schlößchen  hat  nur  einen  kleinen  Saal,  der  ehedem  mit  Landschaften  und  Abbildungen  von  Städten  und  Menschen  geziert 
war,  und  gegen  die  Salzach  ein  Balkonfenster  mit  einem  Balkon. 


262 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


In  dem   südlich  davon  liegenden  Teile  des  Parkes  lagen  acht  größere  und  kleinere  Einsiedeleien, 

die  am  Ende  des  XVIII.  Jhs.  aufgelassen  wurden  und  seither  vollkommen  verschwunden  sind. 

Der  ganze  große  Park  ist  von  einer  langen  verputzten,  gelb  gefärbelten  und  mit  Schindeln  abgedeckten 

Mauer  umfangen.    Im  SW.  bei  der  Haltestelle  der  Trambahn  rundbogiges  Tor,  daneben  eingemauert  das 

Marmorwappen  des  Erzbischofs  Marcus  Sitticus  mit  der  Jahreszahl  MDCXII.    Ein  ähnliches  Wappen  an 

der  Nordwestecke. 

An  der  Westseite  der  Mauer  das  einstöckige  Häuschen  des  ehemaligen  Steinbockwärters  mit  vorgebautem 

sechsseitigem  Turm.   Beide  mit  Schindeldächern.   Am  Turm  eingemauert  große  rechteckige  Marmorplatte 

mit  Reliefwappen  des  Erzbischofs  Marcus  Sitticus,  in  Kartusche  mit  Cherubskopf,  darüber  der  Kardinalshut, 

darunter  die  Jahreszahl  MDCXII. 


Fig.  241 
Heilbrunn.   Felsentor  vor  dem  steinernen  Theater  (S.  260 


Hinterwinkl.  —  Itzling.  —  Kalham 


263 


Flg.  242    Kirchberg.   Filialkirche,  Ansicht  von  Süden  (S.  264) 

Hinterwinkl,  Rotte 

Wegkapelle:  Beim  Aigiier  Fager.  Üblicher  Typus  mit  vorspringendem  Dach.  Im  fiachbogig  gewölbtem      Wegkapcllc 
inneiiraume  geringe  Holzstatue  der  Madonna.    XVIII.  Jh.  —  Daneben  geringes  Holzkruzifix;  XVIII.  Jh. 

Itzling,  Dorf 

Moderne   Pfarrkirche,    1903   erbaut  (Nachahmung   einer   romanischen   Basilika).    Vier  geschnitzte 
Leuchter  und  drei  Kanontafeln,  um  1790. 

Die  Sammlung  Baron  Schwarz  im  Stadel hof  wird  im  Anhang  beschrieben. 

Die  Bildstöcke  am  Plainweg  und  die  Plainbrücke  sind  unter  Maria-Piain   (s.  S.  378)  beschrieben. 


Kalham,  Weiler 

Literatur:  Hübner,  Flachland,  162.  —  Pillwein,  Salzachkreis  373   —  Richter,  Untersuchungen  704 ff. 

BiirgruineKalham. 

Dns  Ministerialengeschleclit  von  Challieiman,  Chalaheimen,  Chaleheim,  Kalhaim  u.  a.  begegnet  häufig  in  Urkunden  und 
Traditionen  des  XII.  und  XIII.  Jlis.  (HAUTHALER.  U.-B.  1,  966  und  MEILLER,  RAS  379).  1245  (22.  Februar)  belefinte  Erz- 
luschof  Eberhard  IL  neuerdings  Ulrich  von  Kaiheim  u.  a.  mit  einer  Gült  „in  curia  Challieim"  (MEILLER,  a.  a.  O.  295  Nr. 
~>H2).  Sie  besaßen  auch  das  Gericht  und  scheinen  unter  den  Ministerialen,  die,  im  Zwisciienreich  emporgekommen,  dem 
i-.rzbischof  Friedrich  II.  viel  zu  schaffen  machten,  eine  Art  Führerrolle  ausgeübt  zu  haben.  Ende  Juli  1275  belagerte  der 
l'rzbischof  die  Burg  (Staatsarchiv  Wien.  Kod.  340  [bl.  106]  f.  104)  und  zerstörte  sie:  ,castrum  Chalheim  a  venerabili 
i'riderico  archiepiscopo  propter  enormitates  innumeras  ibi  commissas  funditus  destruiiur" ;  Mon.  Germ.  SS.  IX).  Sie 
iz'iirde  aber  doch  wieder  aufgebaut,  erst  1299  (3.  Juni)  gibt  Heinrich  von  Chalheim  dem  Erzbischof  den  Burgstall  und  das 
Gericht  zu  K.  auf,  jedoch  1326  finden  wir  Konrad  von  K  wieder  im  Besitze  desselben.  Erst  1333  (29.  April)  verkauft  er 
..von  großer  gült  und  anderer  Notdurft  sein  Gericht  ze  Chalheim  mit  samt  dem  purchstal.  da  daz  haus  ze  Chal/ieim 
rlwan  auflag'  an  Erzbischof  Friedrich  III.  Die  Burg  ist  längst  in  Ruinen  gefallen,  die  Stelle,  wo  sie  stand,  ist  im  Walde 
kaum  mehr  erkennbar. 


Burgruine. 


264 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Filial- 
l<irclic. 


Kirchberg,  Einschiebt 

Archivalien:  Pfarrarcliiv  Eugendorf. 

Literatur:  Pillwein,  Salzachkreis  373.  —  Dürlinger,  Handbuch  41. 

Filialkirche  zum  hl.  Georg 

1390  stiftet  Pfarrer  Ulrich  von  Seekirchen  mit  einem  Gut  auf  dem  Kirchperg  dem  lieben  Herrn  St.  Görgen 
eine  Wochenmesse.  Die  Diözesanvisitation  von  1614  erwähnt  aui3er  dem  Hochaltar  noch  einen  auf  der 
rechten  Seite  zu  Ehren  des  hl.  Laurentius.    Aus  den  Kirchenrechnungen: 

1641:  Dem  Tischler  zu  Seekirchen  wegen  der  Tafeln  zu  der  Parkirchen  4  fl.  Dem  Maler  ist  wegen  St. 
Georgen  Figuren  auf  besagten  Tafeln  bezahlt  worden  30  fl.  —  1666:  Reparierung  des  Kirchen podens, 
Parkirchen  und  Kirchenstände.  ~  1698/99:  Neuer  Dachstuhl  und  Erbauung  des  Turmes.  —  1702:  Für  2 
neue  von  Wax  possierte  und  eingefasste  Altärl  6  fl.  —  1704:  Zwei  neue  Fenster  ausgebrochen,  zwei  alte 


Chai.iklc- 
risiik. 

l-ig.242-245. 


Fig.  243    Kirchberg.    Filialkirche,  Ansiclit  von  Südosten  (S.  265) 

zugemacht.  —  1706  und  1707:  Meinrad  G uggenb ichler,  Bildhauer  zu  Mondsee,  wegen  des  ver- 
förtigten  neuen  Altars  58  fl.  Wegen  Fassung  des  von  Holz  geschnützten  Bildnus  St.  Georgii,  welches 
in  den  Schacher  zu  der  Aich  gestellt  worden  3  fl.  ~  1708:  Matthias  Fiesbauer,  Schlosser  in  See- 
kirchen, für  das  Gitter  zu  Aich  6  fl.  27  kr.  —  1714:  Georg  Alt  mann,  Zimmermeister  für  Machung 
der  Kirchenständ  22  fl.  —  1762  werden  der  baufällige  Turm,  auch  die  Dachung  repariert,  eine  neue 
Kirchentür  ausgebrochen  und  neue  Kirchenstühle  beigeschafft  für  232  fl.  —  1795:  Neue  Glocke.  —  1851 
wird  die  größere  Glocke  neu  gegossen.  —  1893:  Neue  Glocke.  —  1905  kam  der  Kreuzweg  von  Plain- 
feld  (gemalt  von  Josef  Schauer  in  Seekirchen,  1805)  hierher. 

Am  Fronleichnamstage,  den  23.  Juni  1911,  schlug  der  Blitz  in  den  Turm  ein,  wobei  der  barocke  Zwiebel- 
helm und  die  Glocken  dem  Brande  zum  Opfer  fielen. 

Läge:  Auf  einem  isolierten  Hügel  neben  einem  Bauernhofe  gelegen,  weithin  sichtbar.  Der  malerische 
.'\r.blick  des  Kirchleins  wird  nur  durch  die  moderne  hellgraue  Zinkblechdachung  beeinträchtigt  (Fig.  242). 

Charakteristik:  Einschiffiges  gotisches  Kirchlein  mit  netzgewölbtem  einspringendem  Chore,  flach- 
gedecktem  Schiffe  (mit  hölzerner  Westempore  von  1640),  gemauertem  Dachreiter  im  W.  vom  Jahre  1699 
(Helm  von  1911)  und  gotischer  Sakristei  (Fig.  242—245). 


Kirchberg 


265 


Das  Langhaus,  dessen  flache  Decke  1699  erneuert  wurde,  ist  älter  (XIII. — XIV.  Jh.)  als  der  spätgotische, 
dem  XV.  Jh.  angehörige  Chor  samt  Sakristei. 

Äußeres  (Fig.  242,  243):  Äußeres. 

Bruchstein,  verputzt,  gelb  gefärbelt.  Fig.  242,  243. 

Langhaus:  W.  Dreiecksgiebelfront  mit  aufgesetztem  Turme.  Rundbogige,  einfach  beschlagene  alte  Lnnglmus. 
Tür  mit  abgeschrägter  Laibung.  Daneben  eingemauerter,  eiserner  Opferstock  und  Weihwassermuschel. 
Hölzerner  Vorbau.  —  S.  Links  oben  kleines  Fenster,,  in  der  Mitte  unlen  ein  gleiches,  darüber  ein 
gotisches  Spitzbogenfenster  mit  breit  gekehlter  Laibung;  rechts  oben  ein  größeres  gotisches  Spitzbo'j;en- 
fenster  von  gleicher  Form,  schräg  darunter  eine  flachbogige  Tür  in  Holzrahmung  mit  Schindelvordach 
(1762  ausgebrochen).  —  N.  Links  oben  rundbogiges  Fenster,  rechts  unten  kleines  oblonges  Fenster.  — 
Steiles  modernes  Zinkblechsatteldach. 

Chor:  Einspringend,  etwas  höher,  dreiseitig  abgeschlossen.    Einfacher  Sockel,  gotisches  steinernes  Ab-  Ciior. 

schlußgesims  mit  Rundstab  und  breiter  Hohlkehle.  Im  S.  und  N.  je  ein  rundbogiges  Fenster  (1704  aus- 
gebrochen), im  SO.  eingemauertes  Relief  (s.  unten),  im  O.  vermauertes  gotisches  Spitzbogenfenster  mit 
tief  gekehlter  Steinlaibnng;  im  NO.  vermauertes  gotisches  Fenster  mit  abgeschrägter  spitzbogiger  Laibung 
und  Kleeblattbogen  i  beide  wurden  1704  zugemauert).  Modernes  Zinkblechsatteldach,  über  dem  Abschluß 
abgewalmt. 


Fig.  244    Kircliberg.    Filiallurclic,  Grundriß  I  :  200  (S.  265) 


Turm:  Gemaueiter  Dachreiter  über  dem  Westgiebel.  Quadratisches  Untergeschoß,  achtseitiges  Ober- 
geschoß mit  drei  flachbogigen  Schallfenstern  im  N.,  O.  und  S.  und  einer  großen  Schlüsselschicßscharte 
im  W.  Der  alte  Schindelzwiebelhelm  brannte  1911,  da  er  keinen  Blitzableiter  hatte,  durch  Blitzschlag 
ab  und  wurde  durch  einen  achtseitigen  pyramidenförmigen  Helm  mit  Zinkblechdachung  ersetzt. 

Sakristei:  Im  S.  des  Chores,  eingeschossig.  Niedriger  Sockel.  Im  S.  und  O.  je  ein  kleines  Fenster. 
Im  S.  steinernes  gotisches  Hohlkehlgesims.    Schindelpultdach. 

Inneres  (Fig.  244,  245): 

Gelb  gefärbelt.  Decke  weiß.  Fußboden  aus  Ziegelplatten. 

Langhaus:  Über  Hohlkehle  flache  Stuckdecke.  Im  O.  gotischer  spitzbogiger  Triumphbogen  mit  profilierter 
Steinlaibung  mit  einem  breiten  Rundstab  in  der  Mitte.  Im  W.  der  rechteckig  vorspringende  Unterbau 
des  Turmes,  von  rundbogigem  Eingange  durchbrochen.    Oben  rechteckige  Öffnung. 

Im  W.  eingebaut  alte  hölzerne  Westempore  mit  flachem,  unten  einfach  kassettiertem  Boden  und 
gerader  Brüstung.  Diese  ist  mit  sechs  rechteckigen  Gemälden  (Öl  auf  Holz)  geschmückt:  a)  Der  hl.  Georg 
gefangen  vor  dem  Kaiser.  Legende:  Zur  Zeit  des  Kaisers  Diocietian  —  St.  Georg  der  christlich  Ritters- 
man  —  Thet  vil  wunder  mit  großer  Macht  —  Wurd  darumh  dem  Kaiser  gefangen  bracht.  —  /;)  St.  Georg 
wird  mit  Keulen  geschlagen.  Legende:  Der  Hieß  mit  anderen  vilen  plagen  —  In  grausam  hart  mit 
Kolben  schlagen  —  Versuecht  Ihn  mitt  Feinen  allerhandt  —  Muest  doch  darmit  warden  zueschandt.  — 

XI  34 


Turm. 


Sakristei. 


Inneres. 
Fig.  244,  245. 

Langliaus. 


Wcsteiiipore. 


266 


Gericlitsbezirk  Salzburg 


c)  St.  Georg  wird  vor  dem  Kaiser  zur  Hinrichtung  geführt.  Legende:  Der  Kaiser  khilndt  diß  erdulden 
nicht  —  Schafft  daß  man  St.  Georg  bald  hlnricht  —  Da  war  sein  Glaub  erst  recht  problertt  —  Als 
man  Ihm  zue  dem  Rad  ausfüehrt.  —  d)  Links  die  Kaiserin  mit  zwei  Frauen,  rechts  St.  Georg  am  Rade, 
von  Engeln  getröstet.  Legende:  Khain  pein,  khain  marter  war  also  groß  —  M;*  im  khündt  geben  den 
Herzstoß  —  Bllb  allzeit  beständig  gesund  wolgemuett  —  Sieh  was  der  Glaub  zue  Christo  Thuett.  — 
e)  Links  der  thronende  Kaiser,  rechts  St.  Georg  kniend,  vor  zusammenfallenden  Götzenbildern.  Legende: 
Alß  ihn  der  Khaiser  bezwingen  wolt,  —  Daß  er  den  Abgöttern  opfern  sott,  —  Ruefft  er  zue  Gott  in 
Himmel  auff  —  Die  Götzenbilder  füellen  zue  Hauff.  —  f)  Enthauptung  des  hl.  Georg  und  der 
Kaiserin.  Legende:  Zu  letzt  alß  dise  Rütterthat  —  Gott  zue  vollenden  geff allen  halt  -  Wurdt  er 
enthaupt,  erlangt  den  Lohn  —  Sampt  der  Khayserin  die  Martter  Crohn.  —  Qualitativ  geringe,  aber 
interessante  Arbeiten,  datiert  1640. 


Fig.  245    Kirchberg.    Filialkirche,  Inneres  (S.  265) 


Clior. 


Sakristei. 


Chor:  Einspringend,  gleichhoch,  Boden  um  eine  Stufe  erhöht.  Spätgotisches  Netzgewöibe  mit 
breit  gekehlten  Rippen,  drei  runden  Schlußsteinen.  In  den  sieben  Wandfeldern  sind  spitzbogige  Gurt- 
bogen eingeblendet,  denen  in  den  vier  Ecken  und  in  der  Mitte  der  beiden  Langseiten  mit  halbachteckigen 
Sockeln  versehene  halbrunde  Säulen  vorgelagert  sind,  in  welche  die  Rippen  einschneiden;  die  beiden 
Halbsäulen  im  Chorrechteck  haben  einfache  Riiigkapitäle.  Im  S.  gotische  Sakristeitür  in  spitzbogiger 
Steinlaibung,  profiliert  durch  einen  Rundstab  zwischen  zwei  Hohlkehlen.  Am  Boden  unter  dem  Triumph- 
bogen eine  große  quadratische  Marmorplatte. 


Sakristei:  Gratiges  Kreuzgewölbe 
bogigen  Nischen. 


mit  vier  spitzbogigen  Stichkappen.    Die  beiden  Fenster  in   flach- 


liii'.richtuug. 

Altarü. 
Hochaltar. 
Fig.  24fi 


Einrichtung: 

A. Itäre:  1.  Hochaltar  (Fig.  246).  Auf  zwei  Holzstufen  gemauerte  Mensa  mit  roter  Marmorplatte.  — 
Aufbau:  Holz,  schwarz  gestrichen,  mit  vergoldeten  geschnitzten  Verzierungen.  Predella  mit  vergoldetem 
Fruchtgehänge,  an  den  Seiten  zwei  prismatische  Säulenpostamente  mit  schön  skulpierten,  alt  polychro- 
mierten  Cherubsköpfen.  Daneben  je  eine  ausladende  Statuenkonsole  mit  vergoldeter  Akanthusranke.  Im 
Hauptteil  in  der  Mitte  rundbogige  Nische  mit  der  alt  polychromierten  Holzstatue  des  auf  einem  Schimmel 
reitenden  hl.  Georg,  der  mit  dem  Speer  den  Drachen  durchbohrt;  dahinter  auf  Felsen  die  kleine  Figur 
der  knienden  gekrönten  Königstochter.  Oben  ein  Cherubskopf.  —  Daneben  zwei  vorgestellte  gewundene 


Kirchberg 


267 


00 

CS 


00 


o 


:^ 


34» 


268 


Oerichtsbezirk  Salzburg 


I--ig.  217. 


Stitenaltar^ 
Fig.  248. 


Kanzel. 


Fig.  248    Kircliberg.    Filialkirche,  Seitenaltar  (1691) 
mit  zwei  gotischen  Statuen  (S.  268) 


kleine  .  Statue    des    hl.  Laurentius.    —    Statt    des 

Statuette  der  hl.  Maria  mit  dem  Kinde. 

Auf  dem  Predellafelde  die  Inschrift:   Gott  dem  Allmcchtigen  zu 

Ehrn    dan    aller    Christglaubigen    Seelen    zu   Trost    hat    Georg 

Knutzinger  zu  Knutzing  und  Magtalena  sein  Hausfrau  dis  altärl 

setzen  lassen.    Im  Jahr  1691.  ~  Die  beiden  Statuen  sind   noch 

spätgotisch,  um  1500. 

Kanzel:    Einfache    buntmarmorierte    Holzbrüstung;    Arm    mit 
Kruzifix.    XVII.  Jh. 


Säulen,  von  vergoldetem  Weinlaub  umwunden,  mit 
vergoldeten  Kompositkapitälen;  am  Fries  des  Gebälk- 
stückes darüber  je  ein  kleiner  Cherubskopf.  An  den 
Seiten  auf  Konsolen  links  die  Statue  des  hl.  Sigis- 
mund  (eines  Jünglings  im  Panzer,  mit  Fürstenhut 
und  Hermelinmantel,  mit  Pfeilen  und  einer  rot-weißen 
Fahne  in  den  Händen),  rechts  die  Statue  des  hl.  Flo- 
rian (Fig.  247).  Über  den  Statuen  hornartige  Bal- 
dachinvorsprünge mit  vergoldeten  Ranken.  Verkröpf- 
tes  Gebälk.  —  Flachbogige  Giebelansätze  mit  ver- 
goldeten Ranken,  darauf  je  ein  sitzender  Putto  mit 
einem  Palmzweig.  In  der  Mitte  in  einem  vergoldeten 
Lorbeerrahmen,  umgeben  von  weißen  Wolken,  drei 
Cherubsköpfchen  und  Strahlenkranz,  ein  ovales  Auf- 
satzbild (Öl  auf  Leinwand),  der  hl.  Laurentius,  in 
ganzer  Figur  stehend,  mit  Palmzweig  und  Rost;  im 
Hintergrunde  die  Marter  des  Heiligen.     Gute  Arbeit. 

Der  interessante,  besonders  durch  seine  intakte  Ori- 
ginalfassung sehr  seltene  und  wichtige  Altar  ist  eine 
sehr  gute  Arbeit  des  Bildhauers  Meinrad  Guggen- 
bichler  aus  Mondsee  vom  Jahre  1707. 

Kleines  Rokokotabernakel,  Holz,  rotbraun  marmoriert, 

mit  vergoldetem  Gitterwerk.    Um  1740. 

Neben  dem  Hochaltare  ein  eiserner  Opferstock. 

2.  Seitenaltar  (Fig.  248):  An  der  östlichen  Lang- 
hauswand links.  Gemauerte  Mensa  mit  roter  Marmor- 
platte. ^  Wandaufbau :  Holz,  schwarz  gestrichen,  mit 
vergoldeten  Verzierungen.  Über  der  Predella  ganz 
übermaltes  Marienbild,  umgeben  von  zwei  Engeln 
mit  Schrifttafeln  und  vier  Putten  mit  Porträts  von 
Heiligen;  flankierend  zwei  Säulen  mit  vergoldeten 
korinthischen  Kapitalen;  daneben  vergoldetes  Blatt- 
werk. Gerades  Gesims  mit  Kartusche  und  flach- 
bogigen  Gie- 
belansätzen. 
Darauf  die 
Tabernakels 


Kirchenbanke.     Einfache  Kirchenbänke  von  1762. 

Skulpturen.       Skulpturen:    1.  Am  Triumphbogen  Kruzifix,    Holz,  polychro- 
miert;  XVL  Jh. 

2.  Außen  an  der  Südostwand  des  Chores.    Eingemauerte  recht- 
eckige Granitplatte,  oblong,  mit  detn  in  Hochrelief  gearbeiteten 
Brustbild  einer  bartlosen  Person  en  face,  mit  einer  runden  Mütze. 
li,^.  2  11).         XV.  .Ili.(?).    Wahrscheinlich  Grabmalfigur  (Fig.  249). 

iHiii.ii.K  Cieinäide:  Öl  auf  Leinwand.  1.  Dreifaltigkeit,  Kruzifix,  Mon- 
stranz, Imniakiilata,  umgeben  von  Engeln  und  sieben  Heiligen; 
unten  die  armen  Seelen  im  Fegefeuer.  Mittelmäßig,  datiert  1721. 

2.  Die  hl.  Familie;  beschädigt,  schwach,  XVIII.  Jh. 

3.  Maria-Hilf,  XVIII.  Jh. 


Fig.  249 
Kirchberg.    Filialkirche,  Steinrelief  (S.  268) 


Koppl  269 

4.  Zahlreiche  Votivbilder   des   XVIII.  Jlis.,  auf   denen    interessanterweise  St.  Georg   als  Viehpatron    dar- 
gestellt ist. 

5.  Ecce  honio  und  schmerzhafte  Mutter  Gottes,  gering,  XVllI.  Jh. 
Moderner  Öldruck-Kreuzweg. 

Leuchter:  1.  Am  Hochaltare  vier  schön  geschnitzte  Holzleuchter,  alt  versilbert,  um   1707.  Leuchter. 

2.  Am  Seitenaltare  zwei  schön  geschnitzte  Rokokoleuchter,  Holz,  alt  vergoldet,  Mitte  des  XVIll.  Jhs. 

Reliquiar:    Messing,   zum    Teil   versilbert,    in  Form   einer   kleinen    Monstranz,    mit   getriebenen  Ver-        Rdiquiar. 
zierungen.    Datiert:  /.  H.  —  E.  H.  1744. 


r 


Koppl,  Weiler 


Arcliiviilien;  Pfarrarcliiv  (Kirclienrecliniingcn  seit  1623  mit  Lücken).  —  Konsistorialarcliiv. 

Literatur:  HiJBNER,  Flachland  1,  168.  —  WiNKLHOFER,  Intelligenzblatt  1808,  564.  —  PiLi.WErN,  Salzachkreis  385.  —   Dürlinger, 
Handbuch  50.  —  Richter,  Untersuchungen  714. 

In  Boschenstein,  unweit  der  Kirche  K-,  ist  nacii  den  Angaben  WINKLHOFERS  ein  Scliloß  gestanden,  das  den  im  XII.  und 
XIH.  Jli.  nachweisbaren  Herren  von  Nockstein  gehörte.  I3I3  schon  hatten  die  Bischöfe  von  Chietnsee  dort  ihren  Ricliter 
sitzen,  ohne  daß  wir  den  I'rwerbstitel  dieser  Hofmark  —  von  den  Bischöfen  prätendierten  Landgerichtes  —  wüßten.  1807 
wurde  dieses  Gericht  mit  Keuhaus  vereinigt. 

Pfarrkirche  zum  hl.  Jakob.  Pfarrkirche. 

Die  Kirche  zu  Koppl  erscheint  zum  ersten  Male  im  Jahie  1514,  und  zwar  als  Filiale  von  Seekirchen.  Am 
Chorgewölbe  fand  man  die  Jahreszahl  1511,  am  Sakramenthäuschen  steht  1518.  1592  ließ  sich  hier  ein 
Expositus  nieder,  der  seit  1611  als  förmlicher  Vikar  vorkommt.  1859  wurde  Koppl  zur  Ffarre  erhoben. 
Ein  Inventar  von  1607  führt  u.  a.  auf: 

///;  hocilwürdigen  Sacramentliausl  ain  niössinge  Khapsen,  darinnen  ain  clains  vergotts  Capsl  zum  liw.  Sacrament,  dar- 
über ein  rothtaffenter  Peytl.  Auf  dem  vordem  Altar  zwen  alt  eisern  Leichter.  Sechs  alt  W'andlslangen.  Abermals 
auf  den  zwayen  nidern  Altären  S.  Sebastian  und  etliche  andere  Pilder,  auch  auf  jeden  Altar  ain  weißleinern  Altartuech 
mit  geferbten  Franzen,  so  schlecht  sein.     Ain  schwarze  SchreiblafI  auf  der  Canzl. 

Die  Diözesanvisitation  von  1614  fand  das  Sakrament  in  tabernaculo  lapideo  muro  affixo  fenestra  duplici 
»et  cancellis  etiam  ferreis  iniinito  a  cornu  dextero  sowie   drei  Altäre;  der  zweite  war  der  hl.  Margareta 
geweiht,  qiiod  versus  muriini  rediicatur  et  ampliatur  ac  deinde  cathedra  concionatoria  parva  miiiidctar, 
ubi  nunc  pars  imaginis  predicti  altaris  est,  muro  affigatui.    Der  dritte  war  der  hl.  Kreuzaltar. 

Schon  1682  besorgte  man,  daß  der  obere  getäffeite  Poden  sinken,  herabfallen  und  großes  Unglück  ver- 
ursachen werde.  Am  16.  Juni  1690  nun,  da  gleich  die  Kirchmenig  wegen  der  Wettergottsdienst  ver- 
samblet  wäre,  hat  besagter  Poden  merklich  zu  sinken  und  zu  krachen  angefangen;  der  völlige  Einfall 
hat  mit  alsbald  gesetzten  Spreizen  bekumerlich  verhuettet  werden  können;  auf  erfolgten  Fall  wären 
die  2  Seitenaltare,  wovon  der  aine  noch  schön  und  sauber  ist,  völlig  ruiniert,  auch  die  Kirchmenig  nit 
mehr  zum  hl.  Gottesdienst  bey  so  vor  Augen  scheinendem  Ruin  erschienen,  wie  sie  sich  dann  verwichenen 
Sonntag  beraits  um  ein  merkliches  verringert  hat,  nit  weniger  die  ad  Interim  gesetzten  Spreizen  die 
schwere  Last  nit  lang  werden  aushalten' können.    Ein   Überschlag  zur  Reparatur  belief  sich  auf  332  fl. 

1691 :  Dem  Hofzinngiefier  wegen  6  gemachter  Altarleuchter  über  altes  Zinn  12  fl  30  kr. 

1716:  Den  1.  Oktober  wegen  des  ruinösen  Kirchengwölbs  und  Tachung  durch  geistl.  und  weltl.  Obrig- 
keit mit  Zueziehung  des  Maurer-  und  Zimmermeisters  den  Augenschein  vorgekehrt,  hat  man  aus- 
gelegt 4  fl.  48  kr.  Da  der  Maller  sambt  einem  üsöllen  und  der  Tischler  wegen  des  Hochaltars 
den  Augenschein  und  Masserey  eingenommen,  ist  mit  Einschluss  des  Kutschers  und  Pferd  auf 
Zehrung  und  anderes  ergangen  3  fl. 

1717  beginnt  die  Gwölbung  des  Chorpogens,  auch  wird  ein  Fenster  auf  der  Emporkirche  ausgebrochen; 
die  Kosten  belaufen  sich  auf  602  fl.  16  kr. 


270  Qerichtsbezirk  Salzburg 

Lorenz  Wi  n  dbicli  1  er,  Tischler  in  Salzburg,  erhält  für  verschiedene  Arbeiten  10  fl.  1721,  1723 
und  1724  sucht  die  Gemeinde  um  Aufrichtung  eines  neuen  Hochaltars  für  zirka  700  fl.  an,  wird 
aber  abgewiesen.  Erst  als  der  Dechant  von  Köstendorf  den  alten  Altar  als  ser  schlecht  und  ganz 
pauföllig  beschreibt  und  die  Guttäter  die  ganzen  Kosten  mit  Ausnahme  der  Fassung  auf  sich 
nehmen,  wird  1726  das  Gesuch  bewilligt.  Josef  Andre  Eis!,  ansessiger  bgl.  Mahler  zu  Neu- 
markt, für  die  Fassung  sambt  die  Blöder  darein  zu  malen  385  fl.  Wenn  aber  statt  gutem  Gold  Tinctur 
genommen  wird,  welches  auch  gleichfalls  seinen  Bestand  hat,  so  käme  der  Hochaltar  auf  270  fl. 
Das  Konsistorium  entschied  sich  für  gutes  Gold.  Der  gleichen  Zeit  gehört  aucii  der  Überschlag 
Eisls  für  einen  Seiten  altar  auf  200  fl.  an. 

Alles  was  in  dem  Riss  von  Bildhauerarbeit  als  4  Statuen,  auch  alles  Laubwerch  sambt  der  ganzen 
Tischlerarbelth  ingleichen  für  Fassung,  was  die  Visier  weiset,  was  gelb  angezeigt,  alles  von  guttem 
Gold  zu  vergulden,  das  übrige  lasirn  und  die  Architectur  glanzmärbl  zu  fassen,  ist  für  alle  Un- 
khosten als  Dischler,  Bilthauer  und  Mahler  mit  Einschluss  der  zway  darzuegehörigen  Blödern 
.  200  fl. 
1731:  Ein  ziervergolte  Monstranzen  von  getriebener  Arbeit  mit  Figuren  in  13  Löt.  Augsburger  Prob- 
selber  holt  94  Loth  ä  1  fl.  35  kr.,  zus.  148  fl.  50  kr.,  darangeben  ein  alte  Monstranzen  in  12  lot. 
Salzburger  Prob  G wicht  55  Lot  ä  1  fl.  6 kr.,  zusammen  60  fl.  Herrn  Ferdinand  Sigmund 
Amende  hat  hiezu  in  seinem  Todbött  verehrt  dem  Gottshaus  1  Dugaten  per  4  fl.  15  kr.,  seind 
also  darauf  bezalt  worden  85  fl.  35  kr. 

1733:  Umb  ain  Crucifix  und  Arm  auf  die  Canzl  4  fl.  Auf  die  Canzl  ein  Thür  und  auf  das  Oratorium 
ein  Aufsatz  mit  Fenster  u.  Teppich  und  Leinwand  1  fl  20  kr. 

1741:  Andrä  Zachenhuber,   wegen  Gießung  einer  Glocke  zu  812  it  388  fl  44  kr. 

1768:  Für  Renovierung  des  Gemahls  im  hl.  Grab,  worauf  der  Leichnamb  Christi  55  kr. 

1771:  Für  ein  Paar  neue  Opferkändl  samt  Tazen  1  fl.  50  kr. 

1787:  Nikolaus  Ort,  bgl.  Hofgürtler,  für  Versilberung  und  der  6  Altarleuchter  und  2  Hängeleuchter, 
dann  einer  Oellampen  28  fl. 

1796:  Johann  Pentele,  Hof-  und  bgl.  Großuhrmacher  für  die  neue  Uhr  150  fl. 

1808:  Der  Vikar  Augustin  Winkelhofer  erkauft  das  alte  Tabernakel,  das  ehedem  in  der  Schwarzen  Bruder- 
schaftskirche im  Kai  stand  und  nach  deren  Sperrung  an  die  Domkirche  abgegeben  worden  war, 
um  50  fl.,  in  Hoffnung,  es  werde  die  Summe  durch  Guttäter  aufgebracht  werden.  Infolge  des 
Krieges  aber  wurden  nur  25  fl.  gesammelt.  Die  Domkustodie  gab  das  Tabernakel,  das  neu  sicher 
1000  Taler  gekostet  hat,  nicht  billiger  her. 

Am  23.  Juli  1816  brannte  die  Kirche  durch  Blitzschlag  ab;  die  Altäre  verbrannten,  wohl  aber  wurden  die 
Geräte  gerettet.  In  den  folgenden  Jahren  wurde  die  Kirche  wieder  aufgebaut,  eine  große  Anzahl  Kirchcu- 
paramente  kam  von  der  Staatsgüterinspektion  (meist  Meßkleider),  ein  Kruzifix  von  Elfenbein  auf  schwarzem 
Postament  aus  der  Residenz,  eine  Glocke  von  den  Theatinern.  Das  Hochaltarbild  malte  1820  „Kunst- 
mahler  Hornöck,"  1835  restaurierte  es,  „da  es  von  bedeutendem  Kunstwert  ist,"  Kunstmaler  Martin 
Pitzer. 

(.liKiniKie-        Charakteristik:  Einschiffige  kleine  Landkirche,  mit  einspringendem,  dreiseitig  geschlossenem  Chor 
'■'^''•"  und  Nordturni.    Die  Mauern  gehören   noch  dem  spätgotischen  Baue  (um  1511)  an,  die  Gewölbe  wurden 

iy.2:>ii~  25-'      nach  dem  Brande  von  1816  erneuert,  wobei  auch  die  Chormauern  erhöht  wurden  (Fig.  250— 252). 

i'iRi'-  Latic:    Das   malerische   Kirchlein,  das   besonders  von    N.  her,  mit  den  Bergen   im   Hintergrund,  einen 

hübschen  Anblick  bietet,  steht,  von  der  Friedhofsmauer  umgürtet,  auf  einem  Hügel  im  N.  einiger  tiefer 
gelegener  Höfe. 


Koppl 


271 


Äußeres  (Fig.  250): 


Bruchstein,  verputzt  und  gelb  gefärbeit. 


Langhaus:  W.  Dreiecksgiebelfront,  mit  Schindeln  verkleidet.  Vor  der  rechteckigen  Tür  hölzerner 
Vorbau,  darüber  ein  rundbogiges  Fenster.  -  S.  Niedrige  glatte  Wand  mit  steinernem  gotischem  Hohl- 
kehlgesims. Links  vor  der  rundbogigen  Tür  Anbau  1;  rechts  zwei  vergitterte  rundbogige  Fenster  mit 
marmornen  Fensterbänken.  —  N.  Zwei  Fenster  wie  im  S. 

Chor:  Einspringend,  höher  als  das  Langhaus.  Im  S.  und  SO.  je  ein  Fenster  wie  im  Langhause.  Über 
den  Fenstern  umlaufendes  steinernes  gotisches  Hohlkehlgesims.  Im  N.  sind  Turm  und  Sakristei  an- 
gebaut. —  Über  Langhaus  und  Chor  gemeinsames,  nach  O.  abgewalmtes  Schindelsatteldach. 

Turm:  Im  N.  des  Chores.  Quadratischer  ungegliederter  Hauptteil;  im  O.  kleine  Luke,  im  N.  unten 
übereinander  zwei  kleine  Fenster,  Westseite  ganz  mit  Schindeln  verkleidet.  Niedriges  achtseitiges  Glocken- 


Äußeres. 
Fig.  250. 

Langhaus. 


Chor. 


Turm. 


Fig.  250    Koppl.    Pfarrkirche,  Ansicht  von  Norden  (S.  27i) 

geschoß  mit  vier  rundbogigen  Schallfenstern;  die  drei  Westseiten  sind  mit  Schindeln  verkleidet.  An  der 
Nordseitc  die  Jahreszahl  1881.  Über  Hohlkehigesims  achtseitiger  pyramidenförmiger  Schindelhelm  mit 
vergoldetem  Knauf  und  Kreuz. 

Anbauten:    1.  Im  S.   des  Langhauses,  niedriger,  im  O.  abgerundet.  —  W.  Ganz  nrit  Schindeln  ver-        Anbauten. 
kleidet.  —  S.   Links  rundbogige  Fenster,  rechts  flachbogige  Tür.  —  Schindelpultdach,  nach  O.  und  W. 
zu  abgewalmt. 

2.  Sakristei  im  N.  des  Chores.  Einstöckig,  niedriger  als  der  Chor.  Im  O.  links  Tür,  rechts  übereinander 
zwei  Fenster;  im  N.  übereinander  zwei  Fenster.    Schindeldach. 

Fri  e  d  ho  f  m  a  u  er:  Bruchstein,  verputzt,  mit  Schindeln  abgedeckt.    Im  W.  und  O.  je  eine  kleinere,  im        Friedhof- 
SW.  eine  größere  Öffnung  mit  zwei  kugelbekrönten  Pfeilern.  mauer. 


Inneres  (Fig.  251,  252): 

Moderne  einfache  Ausmalung.    Alter  Fußboden  aus  roten  Marmorplatten. 

Langhaus:  Einschiffig.  Rundbogige  Längstonne.  Im  S.  flachbogige  Tür  in  rechteckiger  Nische,  im 
W.  rundbogige  Tür  in  flachbogiger  Nische.  Hölzerne,  stucküberzogene  Westempore  mit  flachem, 
von  vier  Hoizpfeilern  gestütztem  Boden  und  gerader  Brüstung.    Im  O.  rundbogiger  Triumphbogen. 


Inneres. 
Fig.  251,  252. 

Langhaus. 


272 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Chor.  Chor:   Schmäler,  niedriger,  Boden   um    eine  Stufe    höher.    Rundbogiges,  im  O.  abgerundetes  Tonnen- 

gewölbe mit  sieben  rundbogigen   Stichkappen.    Unter  den  Gewölbezwickein  einfache  Konsolengesimse. 
Im  N.  Sakristeitür,  oben  kleine  flachbogige  Kanzeltür.     Einfache  Holzbalustrade. 

Turm.  Turm:  Unten  flach,  darüber  Tonnengewölbe. 

Anbauten.        Anbauten:    1.  Im  S.  des  Langhauses,   durch  eine  Quermauer  (mit  vergitterter  rundbogiger  Öffnung) 
geteilt  in  zwei  flachgedeckte  Räume,  im  W.  Beinkammer,  im  O.  Vorhalle  vor  der  rundbogigen  Kirchentür; 
im  O.  hinter  rundbogiger  Türöffnung  halbrunde  Nische  mit  der  Stalue  des  Schmerzensmannes. 
2.  Sakristei  in  beiden  Geschossen  flach  gedeckt. 

Einrichtung.  Einrichtung: 

Altäre.  Altäre:  Drei  Altäre,  Holz,  gelb  und  rot  marmoriert,  mit  vergoldeten  geschnitzten  Zieraten,  Altarbildern 

(Öl  auf  Leinwand)  und  Holzstatuen  (polychromiert  und  vergoldet). 

Hochahar.  1.  Hochaltar:  Fieistehend.  Auf  zwei  Stufen  einfache  Mensa.  Ganz  vergoldetes  Holz-Tabernakel  mit 
zwei  Säulchen  beiderseits  der  Türnische;  vor  dieser  Kruzifix;  auf  der  von  Blumen  umwundenen  Kuppel 
Monogramm  Jesu  in  der  Glorie.    -  Aufbau:  Über  der  Predella  rundbogiges  Altarbild,  flankiert  von  zwei 


Fig.  251     Koppl.    Pfarrlurche,  üriindrili  1  :  200  (S.  271) 


StiitciialUire. 


Linker 
ieilriu\li:ir. 


Piiastern  und  zwei  seit  ich  vorgestellten  Säulen.  Verkröpftes  Gebälk,  über  der  Mitte  Baldachin  und  flach- 
bogiges  Gesims.  Aufsatz  mit  flachbogigem  Gesims.  Über  den  Säulen  zwei  vergoldete  Flammenurnen. 
Aufbau  und  Tabernakel  um  1820. 

Altarbild:  Die  Immakulata,  von  Cherubsköpfchen  umgeben;  oben  die  Taube.  Gutes  Bild.  Bezeichnet: 
Franz  Xaver  Hornöck  von  Salzburg,  1820.  —  Aufsatzbild:  Christus  und  Gott-Vater,  mit  der  Krone  in 
den  Händen.    Von  demselben,  1820. 

Statuen:  Beiderseits  des  Altarbildes  auf  Konsolen  die  Apostel  Andreas  und  Thomas.  Am  Aufsatze  zwei 
anbetende  Engel,  oben  die  Statuette  Christi  als  guter  Hirt.    Mittelgute  Arbeiten  vom  Jahre  1726. 

Zwei  Seitenaltäre,  im  Aufbau  einander  gleich,  um  1820.  Auf  einer  Stufe  rechteckige  Kastenmensa 
mit  Kreuz.  Wandaufbau:  Niedrige  Predella  mit  seitlichen  Postamenten;  veikröpftes  Gesims.  Im  Hauptteil 
Altarbild,  flankiert  von  je  einem  Pilaster  und  einer  Säule,  alle  mit  vergoldeten  Kompositkapitälen.  Giebel- 
aufsatz mit  eckigen  Seitenvoluten,  rundbogig  verdacht;  an  den  Seilen  zwei  Vasen,  oben  zwei  Kugeln  und 
Kreuz;  vergoldete  Blattgehänge. 

'2,  Linker  S  e  i  t  e  n  a  1 1  a  r.  Altarbild:  Kreuzigung.  Links  unter  dem  schräg  stehenden  Kreuze  stehen 
Maria  und  Johannes,  rechts  kniet  Magdalena.  Mittelmäßig,  um  1820.  Am  Aufsatz  moderner  Öldruck,  Christus. 
Statuen:  St.  Johann  von  Nepomuk  und  St.  Leonhard,  mittelmäßig.  Am  Giebel  ein  Cherubsköpfchen. 
Um  1726. 


Kopp] 


273 


3.  Rechter  Seitenaltar.    Altarbild:   Die    hl.   Familie.    Oben    Gott-Vater   und    die  Taube.    Schwach,         Rechter 
Mitte  des  XIX.  Jhs.  —  Aufsatzbild:  Moderner  Öldruck,  Maria.  Seitenaltar. 

Statuen:  St.  Florian  und  St.  Georg,  mittelmäßig;  am  Giebel  ein  Cherubsköpfchen.    Um  1726. 

Kanzel:   An    der   Nordseite    des   Triumphbogens.    Holz,    polychromiert,   achtseitig.    An    der   Brüstung  Kanzel, 

zwischen    Rundbogen    die    Reli^ffiguren    Christi    und    der    Evangelisten.     Am    Schalldeckel    unten    die 
Taube.    Pseudoronianisch,  Mitte  des  XIX.  Jhs.  —  Am  Baldachin  oben  die  Statuette  des  hl.  Michael;  gut, 
ij    um  1820. 

Orgel:  Am  Holzgehäuse  geschnitzte  vergoldete  Rankenverzierungen.    Um  1820.  Orgel. 

Sakramentsh ansehen  (Fig.  253):  In  die  Mensa  der  Beinkammer  ist  das  alte  gotische  Sakraments-      Sakraments- 
häuschen  (aus  rotem  Marmor)  eingemauert.   Rechteckig,  oben  mit  Zinnen  abgeschlossen.    Nische  in  pro-        liänschen. 
filierter  Kielbogenumrahmung.    Oben  eingemeißelt  die  Jahreszahl  1518  und  die  Buchstaben  A.  M.  Fig.  253. 


Fig.  252    Koppl.    Pfarrkirche,  Inneres  (S.  271) 


^    Skulpturen:  Holz,  polychromiert.  1.  Im  Langhause  großes  Kruzifix.  Mittelmäßig,  Anfang  des  XVIII.  Jhs. 

1    2.  In  der  Vorhalle  lebensgroße  Statue  Christi  als  Schmerzensmann.    XVIII.  Jh. 

i    3.  In  der  Beinkammer  Kruzifix  über  den  Seelen  im  Fegefeuer.    XVIII.  Jh. 

!    4.  Bekleidete  Holzpuppe  der  Madonna  in  verglastem  Gehäuse.    Ende  des  XVIII.  Jhs. 

I    5.  Zwei  Leuchterengel.    XVIII.  Jh. 

I    6.  Statuette  des  Auferstandenen.    XVIII.  Jh.  (Sakristei). 

7.  Prozessionskruzifix.    XVllI.  Jh. 

8.  Vortragkreuz.  Christusfigur  aus  Elfenbein;  gute  Arbeit,  XVIII.  Jh.  (stammt  aus  der  Residenz  in  Salz- 
burg). 

9.  Kopf  der  Madonna  (auf  Glas  gemalt)  in  hübschem  kleinem  Holzrahmen  von  der  Form  einer  Altar- 
wand, flankiert  von  zwei  gewundenen  Säulen-  und  Akanthusranken,  Gesims  mit  geflammtem  Hobel. 
Aufsatzgiebel  mit  Pergamentminiatur  (Schweißtuch).  Intakte  alte  Fassung:  Blau  lasiert,  vergoldete  Ranken 
und  Gesimse.    Ende  des  XVII.  Jhs. 


Skulpturen. 


Gemälde:  14  kleine  Kreuzwegbilder.    Um  1850. 
XI 


Gemälde. 


35 


274 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Monstranz.       Monstranz   (Fig.  254):    Silber,   vergoldet.     Ovaler   Fuß,   reich    getrieben    mit   Kartuschen,   vier   Oval- 
Fig.  254.         medailloi;s  mit   den   Figuren    der    Evangelisten,   von   Trauben   umgeben.     Am    Knaufe  Rosen.    Um  das 
Gehäuse    kleiner    Strahlenkranzrahmen    mit    bunten    Glasflüssen,    dahinter    ein    breiter    durchbrochener 
Rahmen  mit  Ranken   und  den  getriebenen  Figuren  Gott-Vaters  auf  Wolken,  zweier  Engel  mit  Rauch- 
fässern, der  Madonna  und  von  vier  Putten;  oben  vor  dem  Kreuze  die  Taube.  Vergoldeter  Strahlenkranz. 

Als  Lunulaträger  dient  ein  Cherubskopf.  —  Marken:  Augsburger  Beschall  (R^  175).  Meisterzeichen:  j,.g 

in  Dreipaß  (R^  522).  Gute  Arbeit  des  Johann  David  Salier  in  Augsburg  (gest.  1724),  vom  Anfange 
des  XVIII.  Jhs.    Die  Monstranz  wurde  1731  gekauft  (s.  S.  270). 

Ziborium.        Ziborium  (Fig.  255):  Silber,  vergoldet.  Runder  Fuß,  getrieben  mit  Kornblumen  und  buschigen  Akanthus- 
l'ig.  255.         ranken  sowie  drei  Cherubsköpfchen.  Am  Knaufe  drei  Cherubsköpfe.  Durchbrochener  Cuppakorb,  ähnlich 


wie  der  Fuß  getrieben.  —  Marken:  Salzburger  Beschau  (S  in  Oval).    Meisterzeichen: 


H  I 


in  Dreipaß. 


Sehr  gute  Arbeit  des  Hans  Jakob  Scheibsradt  in  Salzburg  (Bürger  seit  1653),  um  1670.   Jüngere 
Krone,  Kupfer,  vergoldet. 


Ivelclic. 


OiifcitassL'. 

.\iniKl. 
lA'iiohlcr. 

\':i.--oii. 
Vaiin. 


Flg.  253 
Kopp],  Pfarrl<irclie.    Sakramentsliäuschen  von  1518  (S.  273) 

Kelche:  Silber,  vergoldet.  1.  Am  Fuße  getriebene  Bandwerkkartuschen  mit  Rosen.  Am  Knaufe  drei 
ovale  Kartuschen.  Durchbrochener  silberner  Cuppakorb  mit  getriebenem  Bandwerk  und  Rosen.  —  Marken: 

Augsburger  Beschau  mit  C  (1737—1739;  R^  182).  Meisterzeichen:  j.^g  in  Dieipaß  (R-'  545).  Gute  Arbeit 

des  Johann  Jakob  Schoap  (oder  Jos.  Ignaz  Saler)  in  Augsburg,  um  1738.  Eine  der  ältesten 
Arbeiten  dieses  Meisters. 

2.  Messing,  vergoldet,  mit  getriebenen  Ornamenten  und  je  drei  Porzellan-Email-Miniaturen  an  Fuß  und 
Cuppa  (Fußwaschung,  Frauen  am  Grabe,  Noli  me  längere;  Ölberg,  Gefangennahme,  Kreuzigung).  Mitte 
des  XIX.  Jhs._ 

Opfertasse:  1.  Zinn,  gemodelt,  XVIll.  Jh.,  Salzburger  Marke.  —  2.  Messing,  versilbert,  XVIII.  Jh. 

Ampel:  Messing,  versilbert,  getrieben  und  durchbrochen.    XVIII.  Jh. 

Leuchter:  1.  Sechs  große  und  drei  kleine,  Messing,  versilbert,  mit  getriebenen  Rocaillen,  um  1750.  — 
2.  Zwei  dreifüßige  Zinnleuchter.    XVIII.  Jh. 

Vasen:  Vier  zweihenkelige  Vasen,  Messing,  versilbert,  mit  getriebenen  Rocaillen,  um  1750. 

Varia:  Zwei  alte  Kirchenfahnen  und  zwei  Traglaternen.   XVIII.  Jh. 


Koppl 


275 


Grabsteine:  1.  Im  Langhause  drei  abgetretene  Grabplatten  des  XVIII.  Jhs. 

2.  Außen  im  Süden  des  Langliauses.  Rote  Marmorplatte.  Unten  ein  Reliefwappen.  Darüber  die 
zehnzeilige  Inschrift:  Alhie  ligt  begraben  der  Ehrenvesst  und  ivol  Vorneni  Herr  Ruprecht  Mony 
22  Jahr  Hohfiirstl.  Saltzburg.  Verweser  in  der  Ebenau;  gest.  1656. 

Turmuhr:  Von  Johann  Bentele  in  Salzburg,  1796. 

Glocken:  1 .  Gegossen  von  F.  X.  Gugg  zu  Salzburg, 
1820.  2.  Gegossen  von  F.  Oberascher  in  Salzburg, 
1852.  3.  Gegossen  von  F.  X.  Gugg  zu  Salzburg,  1831. 


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Grabsteine. 


Tiininilir. 
ülocken. 


Fig.  254    Koppl,  Pfarrltirehe.    Monstranz 
von  Joli.  David  Salier  in  Augsburg,  um  1724  (S.  274) 


Fig.  255    Koppl,  Pfarrkirche.    Ziborium 
von  H.  J.  Scheibsradt  in  Salzburg,  um  1670  (S.  274) 


Pfarrhof:  Gemälde:  1.  Die  Apostel  Jakob  d.  Ä.  und  Andreas.    Unten  Kirche  und  Pfarrhof  Koppl.  Gut, 
Ende  des  XVIII.  Jhs.  —  2.  Kreuzigung.    Um   1750.  —  3.  Porträt  eines  Geistlichen.    Gut,  um  1780. 

In  der  Schule:  Wachs-Christkind  auf  gestickter  Tafel  in  geschnitztem  Rocaillenrahmen.    Um  1760. 
Schnurnkapelle  zu  Unserer  Lieben  Frau. 

Das  bischöflich  Cliiemseesche  Urbar  von  1577  erwähnt   die  „Wintschntirntafeni" ,   1628   die  „Tafern    von    derWintschntirir. 

Über  die  Entstehung  dieser  Kapelle,  die  ihrer  Bauart  nach  um   1620  zu  setzen  sein  wird,  fehlen  alle 
Nachrichten.    Die  Koppler  Kirchenrechnung  von    1710   bemerkt:  Die  Capellen   an  der  Windschnur  hat 

35* 


Pfarrhof. 


Kapelle. 


276 


Qericlitsbezirk  Salzburg 


Lage. 

Busclireibiing. 


Äußeres. 


Inneres. 


nichts  ertragen,  weilten  darbey  das  Gwölb  eingefallen  und  also  widerumb  zu  erheben  ist.  —  1711:  AuJ 
Erbauung  der  Capelln  auf  der  Windschnurn,  item  Zinimerleut,  Schmid,  Schlosser,  Glaser,  Baumaterialien, 
laden  u.  d.  ist  ausgelegt  worden  389  fl  51  kr.    1734  wurde  die  Kapelle  eingeweiht. 

Lage:  An  der  Straße  Salzburg — St.  Gilgen,  Va  ^^^  südlich  von  Koppl,  beim  Gasthause  zur  Schnurn. 
Beschreibung:    Rechteckiger  Quadernbau    aus   dem  Anfange    des  XVll.  Jhs.,   1711  wiederhergestellt. 
Gute  Stukkaturen  an  der  Decke  und  Stuckaltar,  um  1711.   Die  Kapeile  ist  im  ganzen  Bezirke  die  einzige 
Vertreterin  dieses  interessanten  Typus. 

Äußeres:  Rechteckiger  Bau  aus  Konglomeratquadern;  der  weiße  Verputz  ist  fast  ganz  abgefallen.  Pro- 
filierte Stuckfensterumrahmungen.  Einfacher  Steinsockel.  Im  N.  rechteckige  Tür  in  profih'erler  Umrahmung 
aus  rotem  Marmor.  Darüber  leerer  querovaler  Rahmen;  an  den  Seiten  zwei  rechteckige  Fenster.  Im  O. 
rundbogige  Blendnische,  im  S.  zwei  Fenster  und  Blendnische,  Westseite  ganz  mit  Schindeln  verkleidet. 
Über  hölzernem  Hohlkehlgesims  Schindelzeltdach. 

Inneres:  Alter  Fußboden  aus  roten  Marmorplatten.  Über  Flachpilastern  reich  profiliertes  Gesims.  Das 
Spiegelgewölbe  reich  verziert  mit  hübschen  Stukkaturen,  um  1711:  Geschwungenes  Mittelfeld  und 
vier  Seitenfelder,  dazwischen  Akanthusranken  und  natürliche  Zweige,  Kartuschen,  drei  Putti;  der  westliche 
Teil  der  Decke  ist  durch  eingedrungene  Feuchtigkeit  beschädigt.    Gute  Arbeit. 


Altar. 


Gemälde. 

Hulz- 

statuuULU 

ü'.v.l  -iLUL-'i.'ter. 


Fig.  256     Landschaft  zwischen  Koppl  und  Plainfeld,  mit  Oaisberg  und  Nockstein 

Altar:  Gemauerte  Mensa  mit  einfach  (mit  Blumen)  bemaltem  Holzantependium.    Altarwand  aus  Stuck. 

Recliteckiges  Gemälde,  flankiert  von  zwei  Säulen,  die  von  Zweigen  umrankt  sind,  mit  Volulenkapitälen. 

Neben  dem  Rahmen  drei  Putten.    Flachbogiger  Giebelaufsatz  mit  Seitenvoluten  und  zwei  Putten. 

Gemälde:  .Altarbild.  Maria  Himmelfahrt,  beschädigt. 

Aufsatzbild:  Christus  und  Gott -Vater  mit  der  Krone  in  den  Händen,  oben  die  Taube. 

Der  ganze  Altar  um  1711. 

Gemälde:  1.  Die  hl.  Familie  und  ein  Engel,  gut.  —  2.  St.  Sebastian.  —  3.  Zwölf  Szenen  aus  dem  Leben 
der  hl.  Notburga.  —  4.  Madonnen -Wallfahrtsbild.    XVlll.  Jh. 

II  olzstatuetten:  Polychromiert.  1.  Bischof  mit  Buch,  um  1500.  —  2.  St.  Johannes;  gut,  1.  Hälfte  des 
XVI.  Jhs.  —  3.  St.  Rupeit;  XVII.  Jh.  -  4.  St.  Notburga;  um  1750.  -  5.  Bekleidete  Mutter  Gottes  im 
Glaskasten.  XVIIl.  Jh.   —  Zwei  Holzleuchter;  um  1711. 

13  ild  Stöcke:  1.  ^j^km  nordöstlich  von  der  Kirche,  bei  der  Hofgruppe  Willischwand.  Üblicher  Typus, 
rechteckiger,  weiß  verputzter  Bruchsteinbau  mit  vorspringendem  Schindeldache.  Tiefe  Nische  mit  flach- 
bogiger Öffnung.  XVIII.  Jh.  —  Innen  Holzkruziiix,  mittelmäßig,  XVIII.  Jh.  —  2.  1  km  nördlich  von  der 
Schnurn,  ähnlich. 

In  Weißbach,  1  km  nordwestlich  von  Koppl,  eine  1875  erbaute  Kapelle  mit  ziemlich  großem  Turme. 


Lengfelden 


277 


Lengfelden,  Dorf 

Archivalien:  SRA  (Alte  Baiiakten  B  III  2). 

Literatur:  PiLLWEiN,  Salzaclikreis  366.  —  Dürlinqer,  Handbuch  16. 

930  übergab  der  Edle  Rachwin  dem  Erzbischof  Odalbert  10  herzogliche  Hufen  an  der  Salzach  zwischen  „Lenginveld"  und 
Puch  (bei  Hallein)  und  unter  Erzbischof  Tietmar  (1025—1041)  hatte  der  Priester  Pdigrim  „in  loco  Lenginuuelt  diclo"  ein 
Lehen  (HAUTHALER.  U.-B.  1.  148  und  212). 

Seit  dem  XVI.  Jh.  ist  dort  eine  Papiermühle  nachweisbar,  die  seit  1701  im  Besitze  der  Familie  Hoff  mann,  seit  1852  in  dem 
derer  von  Rauchenbichler  war.  Das  Alter  der  Kapelle  ist  unbekannt.  —  Seit  1898  befindet  sich  durt  das  Missionshaus 
, Maria  Sorg"  der  St.-Petrus-Claver-Sodalitdt  für  die  afrikanischen  Missionen. 

Kapelle  in  Maria  Sorg:  Im  Garten  hinter  dem  Missionsgebäude. 

Äußeres:  Rechteckiger  weiß  gefärbelter  Ziegelbau  mit  einspringendem  halbrundem  Abschluß.  Im  W. 
Tür,  im  S.  und  N.  je  zwei  Fenster.  Profiliertes  Kranzgesims.  Nach  O.  abgewalmtes  Schindelsatteldach. 
Im  W.  hölzerner  Türvorbau  mit  sechs  Holzsäulen.    Mitte  des  XVIII.  Jhs. 


Kapelle. 
Äußeres. 


I 


Fig.  257     Lengfelden,  Hufschmiede  (S.  277) 


Inneres:  Tonnengewölbe  mit  Stukkaturen  aus  der  Mitte  des  XVIII.  Jhs.,  in  der  Mitte  Kartusche  mit  hmcres. 
zwei  Putten  (mit  Lilie  und  Krone).  Über  der  Tür  Stuckkarluscheii  mit  verblaßtem  Wandgeniälde.  In  der 
gewölbten  Apside  in  stukkiertem  Kartuscheniahmen  diei  Ölgemälde,  die  hl.  Dreifaltigkeit,  der  hl.  Leonhaid 
und  der  hl.  Florian,  Mitte  des  XVIll.  Jhs.,  übermalt.  In  der  Mitte  der  Apsis  über  der  Mensa  großes  recht- 
eckiges Gemälde,  Öl  auf  Blech,  eine  sogenannte  Ähren-Madonna,  die  hl.  Maria  mit  gefalteten  Händen 
betend  stehend,  in  langem  blauem,  mit  goldenen  Ähren  geschmücktem  Gewände,  Kopie  des  XVIII.  Jhs. 
nach  einem  italienischen  Trecentobilde;  modein  übermalt. 

Zwei  Statuetten,  der    hl.  Josef  mit  dem  Kind   und  der  hl.  Johann  von  Nepomuk,  Holz,  polychromiert, 
mittelmäßig,  XVIII.  Jh. 

Haus  Nr.  6  (Fig.  257):  Hufschmiede.   Rechteckiger  einstöckiger  Giebelbau.  Vorne  Halle  mit  drei  rund-       Maus  Nr.  6. 
bogigen   Arkaden    auf  kurzen  Steinsäulen.    In  der  Westseite  eingemauert  kleine  rote  Marmorplatte  mit         v\g.  257. 
Wappen  der  Ursprunger  und  Inschrift:  Anno  1628  hab  ich  Florian  Ursprünge/'  Burger  und  gastg(e)t>  zu 
Salizb{urg)  dise  Schmit(e{x\)  erpaiitt.    Am  Anfange  des  XIX.  Jhs.  brannte  der  Oberstock  ab  und  wurde 
neu  aufgebaut. 

Brücke  (Fig.  258):    1614  zeigte  sich  die  Notwendigkeit,  die  baufällige  und  zerfaulte  aus  5  Joch  be-         Brücke. 
stehende  Brücke,  zu  niehrer  Sicherheit  und  Bestendigkeit  eine  neue  von  ganzen  Quadern  von  Grund        Fig.  258. 
in  die  Höhe  7'  und  Digke  7',  dann  die  übrige  Höhe  alls  in  die  7'  von  dergleichen  guten  Zeug  und 
großen  Steinen  in  die  6'  dick  zu  bauen.    Es  wurde  deshalb  wegen  Machung  eines  stainern  Joch  zu  der 
Lengfelder  Brücke  mit  San  t in  Sollario  hf.  Paumeister  ein  Kontrakt  geschlossen.    1730  wurde  die 


278 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


durch  große  Qüss  beschädigte  Pruggenmauer  mit  "zehn  Stück  Quadersteinen,  jeder  5'  lang,  repariert. 
Rundbogige,  aus  Nagelfluliquadern  gebaute  Brücke  über  die  Fischach.  An  den  Außenseiten  der  Brüstung 
eingemauert  Wappen  des  Eizbischofs  Paris  Lodron  und  Kapitalinschrift: 

archiepTs 

paris  ex  com. 

lodroni  f. 

MDCXXXV 
(Archiepiscopus  Paris  ex  comitibus  Lodroni  fecit  1635). 


Fig.  258    Lengfelden.   Paris-Lodron  Brücke,  1635  (S.  277) 


Filial- 
kirche. 


St.  Leonhard,  Rotte 

Archivalien;  Pfarrarcliiv  Grödig  (Inventar  von   1668  und  Akten  von  1848—1850).    —    Konsistorialarchiv  (Akten  und  Rechnungen 

1732—1739,  1745—1749). 
Literatur:  Hübner,  Flachland  296.  —  Pili.wein,  Salzaclikreis  357.   —   Dürlinger,  Handbucii  88.   —  Seb.  Wim.mer,  Hallein  und 

Umgebung  139. 
Alte  Ansichten:    1.  Am  Hochaltarbild  der  Kirche,  1692.   —  2.  Kolorierte  Radierung  von  Louis  Wallee,  um  1800.    —    3.  Aquarell 

um  1810  (Museum). 

Ort:  Siehe  Kirche. 

Fllialkirctie  zum  til.  Leonhard  in  Grafengaden. 

Indem  die  älteren  Historiker  die  Urkunde  des  Erzbischofs  Konrad  I.  von  1123  (Meiller,  RAS  10  Nr.  55), 
worin  er  dem  Domkapitel  ein  Salzbergwerk  zwischen  der  Salzach  und  der  „niederen  Alben",  „Tuval" 
genannt,  schenkte,  für  echt  annahmen,  setzten  sie  die  Gründung  dieser  Kirche  als  Gotteshaus  für  die 
Salzarbeiter  in  diese  Zeit.  Da  aber  das  Bergwerk  erst  im  letzten  Jahrzehnt  des  XII.  Jhs.  eröffnet  wurde 
(vgl.  Widmann,  Gesch.  Salzburgs  1,  288),  so  ist  auch  die  Gründung  von  St.  Leonhard.  falls  sie  überhaupt 
mit  dem  Bergbau  in  Zusammenhang  steht,  nicht  vor  dieser  Zeit  anzusetzen.  Sie  dürfte  vielmehr  eine 
Gründung  Berclitesgadens  sein,  das  ja  das  Gebiet  bis  Niederalm  —  ob  mit  Recht  oder  Unrecht,  ist  hier 
nicht  zu  erörtern  —  beanspruchte.  Zum  ersten  Male  wird  die  Kirche  1407  genannt,  wo  der  pfarrliche 
Gottesdienst   von    hier   nach   Schellenberg   verlegt    und    das  bisherige  Filialverhältnis  umgekehrt  wurde 


St.  Leonhard 


279 


(Köch-Sternfeld,  Gesch.  Berchtesgadens  2,  52).  Die  betreffende  Urkunde  konnten  wir  aber  nicht  einsehen. 
Von  einer  Inkorporation  der  Kirche  an  das  Domkapitel,  die  Dürunger  erwähnt,  ist  nichts  bekannt.  Im 
Jahre  1816,  als  Schellenberg  mit  Berchtesgaden  an  Bayern  fiel,  wurde  St.  Leonhard  als  Filiale  mit  Grödig 
verbunden,  ohne  jedoch  in  eine  Verbindung  mit  dem  Stifte  St.  Peter  zu  treten. 

1643/44  wurde  der  Kirchturm  St.  Leonhard  in  Gravengaden  von  Grundt  underfahren,  auch  bis  in  alle 
Hoch  linders  Überzimmer  aiifgefiert  und  erbaut.  Beteiligt  waren  Hans  Heiss,  ]V\aurermeister  in 
Berchtesgaden,  sowie  die  Salzburger  Christof  Gottsreiter  und  Martin  Pfenninger.  1662 
macht  Urban  Senggier,  Maurermeister  in  Schellenberg,  die  Empore.  1692  gelangt  der  Hochaltar 
zur  Perfection  und  gleichzeitig  wird  die  jetzige  Kanzel  durch  Christof  Tatz,  Tischler,  aufgestellt,  da 
die  alte  baufällig  war  und  fast  die  ganze  Kirche  verstellte. 


Flg.  259    St.  Leonliard  mit  dem  Untcrsbi;rg.  Ansicht  von  Nordosten  (S.  280) 


Den  Kirchenrechnungen  1732 — 1739  entnehmen  wir: 

1734:  Josef  Hoc hp ichler  wegen  eines  neuen  Creuz  zu  machen  4  fl.  53  kr.  —  Dem  Maler  von 
Hallein  wegen  des  Crucifix  am  Friedhof  zu  fassen  3  fl.  15  kr.  —  1737:  Herrn  Cassierer  zu  Berchtesgaden 
sind  wegen  der  silbernen  Leuchter  sambt  anderen  nach  Augsburg  zu  übermachen  bezahlt  worden 
465  fl.  —  Franz  Thaddäus  Lang,  Goldschmied  von  Augsburg,  empfangt  einen  alten  vergolten 
Kelch  24  Loth  schwer  27  fl.  12  kr.  —  1738:  Herrn  Cassierer  zu  Berchtesgaden  wegen  des  Goldschmieds 
zu  Augsburg  750  fl. 

1738  wird  durch  Peter  Wening,  Hofzimmermeister,  um  91  fl.  die  Turmkuppel  umgeändert.  1750  gießt 
Johann  Melchior  Immendorfer,  bürgerlicher  und  Landschafts-Stuck-  und  Glockengießer,  eine 
zerklüftete  Glocke  um  57  iL  um.  Am  24.  Mai  1770  schlug  der  Blitz  in  den  Turm  ein,  ohne  jedoch  zu 
zünden.  1832  reklamierte  die  Kirche  die  zum  silbernen  Kruzifix  gehörigen  sechs  silbernen  Leuchter  und 


280 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Büschkrüge,  die  in  Sciiellenberg  nur  aufbewahrt  wurden,  von  der  bayrischen  Regierung.  Es  scheint,  daß 
es  ohne  Erfolg  war,  da  gleichzeitig  sechs  Messingleuchter,  silberplattiert,  neu  gekauft  wurden  (SRA  Kreis- 
amt Z.  8620).  Von  Interesse  ist  die  Beschreibung  Pii.lweins  von  1839:  „Man  trifft  in  der  Kirche  um  und 
hinter  dem  Altar  Opfertafeln,  Hufeisen  in  Reihen,  einen  übergroßen  eisernen  Fuß,  Krücken,  Pferde  aus 
Wachs,  neben  der  Emporkirche  die  ganze  eiserne  Rüstung  eines  Ritters  an  der  Wand,  auf  der  Epistel- 
seite die  auffallend  kleine  Figur  eines  gepanzerten  Ritters  von  Guetrath  und  in  einer  Marmornische 
mitten  auf  dem  Boden  der  Sakristei  ein  versteinertes  Amons-Horn."  Von  alledem  ist  nichts  mehr  vor- 
handen. 1846—1850  wurde  durch  den  Steinmetzen  Josef  Haslauer  anstatt  des  alten  Hochaltars,  der 
gewundene  Säulen  wie  der  in  Maria  Piain  hatte,  ein  neuer,  desgleichen  zwei  neue  Seitenaltäre  um  die 


Fig.  260    St.  Lconhard.    Filialkirctie,  Ansicht  von  Südwesten  (S.  281) 


Uiarakte- 
rislik. 

I-ij<,259— 202. 


Gesamtkosten  von  3233  fl.  errichtet.  1850 — 1851  wurde  durch  Ludwig  Moser  eine  neue  Orgel  auf- 
gestellt (559  tl.),  1857  durch  Haslauer  ein  marmornes  Speisgitter,  das  von  der  Kirche  in  Kuchl  ge- 
kauft worden  war  (1780  von  Andrä  Straßgschwandtner  in  Adnet  gemacht),  errichtet  und  im 
Chor  ein  neues  Pflaster  gelegt.  1862  wurde  die  Kirche  neu  gepflastert  (das  Pflaster  stammte  aus  der 
abgetragenen  St.-Andrä-Kirche  in  Salzburg).  1905  wurde  der  Turm  gründlich  ausgebessert  und  die  Birne 
unter  dem  Kreuz  neu  gemacht. 

Charakteristik:  Gotische  Anlage  mit  einschiffigem  Langhause  (dreijochiges  Kreuzrippengewölbe) 
und  dreiseitig  geschlossenem,  etwas  höherem  und  schmälerem  Chore;  Westturm  (ganz  aus  Quadern) 
vom  Jahre   1644  (Helm  von  1738)  (Fig.  259—262). 

Die  Anlage  wirkt  zwar  im  Innern  einheitlich  gotisch,  doch  ist  das  Langhaus  im  Kerne  wohl  noch 
romanisch  (hochgelegene  Fenster,  kein  Sockel!)  und  gehört  dem  XIII.  Jh.  an.    Im  XV.  Jh.  dürfte  es  dann 


St.  Leonhard 


281 


eingewölbt  und  durch  den  neugebauten  Chor  (Sockel!)  erweitert  worden  sein.  1644  wurde  der  Turm, 
1678  die  Sakristei  neugebimt.    Im  XVII.  Jh.  (vor  1692)  wurden  auch  die  Langhausfenster  barockisiert. 

Lage:  Auf  einem  niedrigen  ummauerten  Hügel  neben  der  Straf3e  und  dem  Almfiuß  in  dem  aus  zer- 
streuten Häusern  bestehenden  Orte.  Vom  Friedhof  aus,  der  die  Kirche  umgibt,  schöner  Blick  auf  den 
Westabsturz  des  Untersberges  (Fig.  259). 


P 


Äußeres  (Fig.  259,  260): 

Konglomeratquadern-  und  Bruchsteinbau. 

Langhaus:  Verputzt  und  rosafarbig  gefärbelt,  glatte  Wände.  W.  Dreiecksgiebelschenkel  beiderseits  des 
Turmes.  Südlich  von  diesem  kleiner  Anbau  1,  oben  querovale  Dachbodenluke.  —  S.  In  der  Mitte  gotische 
Eingangstür  in  Steinrahmung,  in  den  oberen  Ecken  einspringendes  profiliertes  Gesims  (Rundstab  zwischen 
zwei  Hohlkehlen),  darüber  rechteckige  Ausnehmung.  Unten  links  vergittertes  Fenster  in  Marmorumrah- 
mung; oben  in  der  Mitte  querovales,  daneben  beiderseits  je  ein  großes  rechteckiges  Fenster  mit  mar- 
morner Sohlbank;  alle  drei  vergittert.  —  N.  Sakristei  (Anbau  2);  rechts  Stützpfeiler,  oben  zwei  rechteckige 
Fenster  wie  im  S.  —  An  den  beiden  Langseiten  schwach  vorkragendes  Konglomeratgesims. 


Lage. 
Fig.  259. 

Äußeres. 
Fig.  259,  260. 

Langhaus. 


Fig.  261     St.  Leonhard.    Filialkirche,  Grundriß  1  :  200  (S.  282) 


Chor:  Einspringend,  etwas  höher  als  das  Langhaus.  Rechteckig,  mit  dreiseitigem  Abschluß.  Umlaufender  Chor. 

Konglomeratsockel,    schmales    Konglomerathohlkehlgesims.    Fünf    hohe    gotische    Spitzbogenfenster   mit 
marmornen  Sohlbänken,  vergittert  und  mit  Drahtgeflecht  geschützt. 
Über  Langhaus  und  Chor  steiles,  nach  O.  abgewalmtes  Kupferblech-Satteldach. 

Turm:   Im  W.  des  Langhauses,   ganz  aus  unverputzten  rötlichen  Quadern  aufgeführt.    Vorspringender  Turm. 

Sockel,  drei  die  Geschosse  trennende  steinerne  Hohlkehlgesimse,  profiliertes  vorspringendes  Putzabschluß- 
gesims, über  den  vier  Zifferblättern  rundbogig  aufgebogen.  —  S.  Große  rundbogige  Tür  mit  abgeschrägter 
Kante.  Im  zweiten  Geschosse  Marmorwappen  des  Kurfürsten  von  Köln  und  Propstes  von  Berchtesgaden 
Ferdinand,  darüber  ein  Cherubskopf  mit  der  Kurfürstenkrone,  darunter  Kartusche  mit  der  Kapitalinschrift: 
Ferdinandus  archiepiscopus  et  elector  Coloniensis  pmepositus  Berchtersgadensis  1644;  darüber  schmale 
Luke.  Im  dritten  und  vierten  Geschosse  je  ein  rundbogiges  Fenster  mit  abgeschrägter  Laibung.  —  W. 
Luke  und  zwei  Fenster  wie  im  S.  —  N.  Wie  im  S.  (ohne  Wappen).  —  O.  Über  dem  Dachfirst  des  Lang- 
hauses gekürztes  rundbogiges  Schallfenster.  —  Schönprofilierter  Zwiebelhelm  (Kupferblech)  mit  Kugel 
und  Kreuz. 

Anbauten:   1.  Kleiner  Einbau  im  Winkel  südlich  vom  Turme.    Rauh  verputzte  Felder  zwischen  Eck-        Anbauten, 
"lisenen.    Vorne  flachbogige  Nische.    Nischenöffnung  in  voller  Breite  mit  profilierter  Sohlbank  aus  rotem 
•Marmor;  zur  Hälfte  durch  schmiedeeisernes  Gitter  abgeschlossen.    In  der  Nische  hölzerne  Ölberggruppe 
(s.  unten).  —  Blechpultdach. 

XI  36 


282 


Oerichtsbezirk  Salzburg 


Umfriedungs- 
mauer. 


2.  Sakristei  im  N.  des  Langhauses.  Gleichhbch  wie  dieses.  Vorspringender  Konglomeratsockel,  hölzernes 
Dachgesims.  —  W.  Oben  kleines  Fenster.  —  N.  Auf  einer  Stufe  kleine  rechteckige  Türöffnung  in  Marmor- 
rahniung  mit  eiserner,  einfach  beschlagener  Tür;  darin  eingraviert  die  Jahreszahl  1678  und  die  Buch- 
staben C.  G.  Darüber  kleines  vergittertes  Fenster  in  Marmorrahmung.  —  O.  Übereinander  zwei  vergitterte 
Fenster.  —  Halbes  Blechpyramidendach. 

Umfriedungsmauer:  Bruchstein,  zum  großen  Teil  neu  (1898)  mit  Zementplatten,  zum  kleinen  Teil 
alt  mit  großen  Steinplatten  abgedeckt.  Im  S.  ein  kleiner,  im  O.  ein  größerer  Eingang.  Im  SO.  führt 
eine  steinerne  Stiege  herauf.  Westlich  daneben  kleine  weißgefärbelte,  quadratische  Kapelle  mit 
Blechpyramidendach;  im  N.  rundbogige  Öffnung  mit  marmorner  Sohlbank.  Das  Innere  ist  mit  einem 
gratigen  Kreuzgewölbe  gedeckt.  Innen  kleines  Kruzifix  und  zwei  geschnitzte  Leuchter  (Holz),  erste 
Hälfte  des  XVIIl.  Jhs. 


Fig.  262    St.  Leonliard.   Filiall<irctie,  Inneres  (S.  282) 


Inneres.  Inneres  (Fig.  261,  262): 

Fig.  261,  262.     Einfach  ausgemalt. 

Langhaus.  Langhaus:  Drei  oblonge  gotische  Kreuzgewölbejoche  mit  beiderseits  gekehlten  Rippen  und  runden 
Schlußsteinen.  Die  Rippenbündel  ruhen  an  den  Langwänden  auf  je  zwei  starken  Halbsäulen  mit  einfachen 
Sockeln  und  Kapitalen,  in  den  beiden  Westecken  sind  sie  in  die  iVlusikempore  eingebaut,  in  den  Ost- 
ecken ist  ihr  Abschluß  durch  die  Altäre  verdeckt.  —  Im  W.  die  1662—1663  von  Urban  Senggier  in 
Schellenberg  gebaute  gemauerte  Musikempore,  unterwölbt  mit  sechs  gratigen  Kreuzgewölbejochen  (eines 
von  der  Stiege  durchbrochen),  mit  flachbogigen  Gurten,  in  der  Mitte  von  vier  toskanischen  Marmorsäulen 
gestützt.  In  die  Deckplatten  der  beiden  vorderen  Säulen  ist  das  Monogramm  Jesu  und  die  Jahreszahl 
1663  eingemeißelt.  Gerade  gemauerte  Brüstung.  Im  Südwestwinkel  eingebaut  gemauerter  Stiegenaufgang 
mit  18  Marmorstufen.  Unter  der  Empore  rundbogige  Tür  in  Steinrahmung  mit  schwerer  Holztür  und 
Eisengittcr  des  XVII.  Jhs.  Ober  der  Empore  flachbogige  Turmtür  auf  drei  Stufen.  -  Im  N.  Sakristeitür 
lind  darüber  ilachbogige  Oratoriumsöffnung  und  Kanzeltür.  —  Im  O.  in  voller  Höhe  spitzbogiger  Triumph- 
bogen mit  abgeschrägter  Laibung.  Schöne  Balustrade  aus  rotem  und  grauem  Marmor  von  Andreas 
Straßgschwandtner  in  Adnet,  1780.  Alter  Fußboden,  im  O.  aus  regelmäßigen  quadratischen 
gelben  und  roten  Marmorplatten,  im  W.  aus  unregelmäßigen  roten  Marmorplatten. 


St.  Leonhard 


283 


Chor:    Etwas   höher   als  das  Langhaus,  Boden  um  drei  Stufen  aus  rotem  Marmor  erhöht.    Gotisches  Chor. 

Abschlußgewölbe  mit  fünf  spitzbogigen  Stichkappen.  Die  beiderseits  gekehlten  Rippen  sind  nach  ihrem 
Zusammenschlüsse  schräg  abgeschnitten.  Runder  Schlußstein.  —  Die  vier  seitlichen  Spitzbogenfenster 
sind  mit  modernen  Maßwerken  und  ornamentalen  Glasmalereien  von  1862  (Brüder  Daree,  München)  ver- 
sehen. Das  Ostfenster  hinter  dem  Altar  hat  noch  die  barockisierte  rechteckige  Form  und  Butzenscheiben. 

Turm:   Das   als  Vorhalle   dienende   Untergeschoß  Turm. 

hat  im  S.,  O.  und  N.  je  eine  rundbogige  Tür  und 
ein  gratiges  Kreuzgewölbe.  Vor  der  Kirchentür 
schmiedeeisernes  Gitter,  um  1644.  Ovales  marmornes 
Weihwasserbecken. 

Anbauten:  1.  Ölberg.  Die  Nische  ist  innen  flach-        Anbauten, 
bogig  gewölbt. 

2.  Sakristei.  Erdgeschoß  flachgedeckt.  Im  W.  ein- 
gebauter Beichtstuhl  und  Marmorstiege  zum  tonnen- 
gewölbten Obergeschosse. 

Einrichtung:  Einrichtung. 

Altäre:   Alle  drei  aus  rotem  Marmor,    1850  von  Altäre. 

JosefHaslauer  hergestellt,  mit  alten  Altarbildern 
und  Statuen. 

1.  Hochaltar:  Freistehend.  Auf  zwei  roten  Mar-  Hochaltar. 
morstufen  sarkophagförmige  Mensa  mit  vergoldetem 
Kreuz.  Predella  mit  zwei  seitlichen  Säulenposta- 
menten. Im  Aufbau  beiderseits  des  großen  Altar- 
bildes je  ein  Pilaster  mit  vorgestellter  Säule,  beide 
mit  Kompositkapitälen,  darüber  Gebälk.  Niedriger  . 
Giebelaufsatz  mit  schrägen  Seitenvoluten.  Marmorne 
Spruchkartusche.    Oben  Kreuz. 

Altarbild  (Fig.  263):  Öl  auf  Leinwand.  Der  hl.  Leon-  Fig.  263. 
hard  als  Fürbitter  vor  Maria.  Oben  links  die  auf 
Wolken  thronende  Gottesmutter  mit  dem  nackten 
segnenden  Kind  auf  dem  Schöße.  Sie  weist  mit  der 
linken  Hand  nach  abwärts,  ihr  Fuß  ruht  auf  der 
von  zwei  Engeln  gehaltenen  Mondsichel.  Rechts 
von  ihr  kniet  der  hl.  Leonhard,  den  Blick  bittend 
emporgewendet,  mit  den  ausgestreckten  Händen  auf 
die  Hilfeflehenden  weisend.  Links  unten  Kranke, 
eine  Frau  mit  Krücke,  den  Arm  in  der  Schlinge, 
ein  von  einem  Knaben  geführter  blinder  Greis,  ein 
Besessener,  von  zwei  Männern  gehalten.  In  der 
Mitte  ein  Bauer  und  eine  Bäuerin,  für  ihr  Vieh 
bittend  (Pferd,  Rind,  zwei  Schafe).  Rechts  ein  Ge- 
fangener, flehend  die  Hände  ausstreckend,  eine 
Mutter  mit  ihrem  kranken  Säugling,  ein  Tauber 
mit  einem  Glöckchen.  Oben  eine  Schar  von  Putten 
und  Engeln,  rechts  drei  mit  den  Attributen  des 
Heiligen.  Im  Hintergrunde  Darstellung  der  Kirche 
St.  Leonhard  mit  einem  Pyramidenhelm  und  einem  Anbau  im  S.,  sonst  in  ihrer  heutigen  Gestalt.  Gute 
Arbeit  vom  Jahre  1692,  wohl  vom  Hofmaler  Johann  Wolf  Hofler'). 

Statuen:  Über  den  flachbogigen  Durchgängen  aus  rotem  Marmor  beiderseits  des  Altars  die  lebensgroßen 
polychromierten  Holzstatuen  des  hl.  Georg  als  Drachentöter  und  des  hl.  Martin,  der  seinen  Mantel  zer- 
schneidet, um  ihn  mit  dem  rechts  knienden  (viel  kleineren)  Bettler  zu  teilen.  Gute  Arbeiten,  um  1692.  — 
Am  Aufsatz  auf  vergoldeten  Wolken  zwei  Putti,  Holz,  polychromiert;  um  1692. 

Tabernakel:  Holz,  1902  neu  vergoldet,  oben  das  Lamm  auf  dem  Buche,  vor  dem  Türchen  Kruzifix, 
seitlich  zwei  Flammenurnen.    Um  1850. 


Fig.  263    St.  Leonhard.   Filialkirche, 
Hochaltarbild  von  J.  W.  Hofler,  1692  (S.  283) 


)  Ich  glaube  diese  drei  Bilder  dem  Hofmaler  Hof  1er  zuweisen  zu  können,  wegen  der  Stilverwandtscliaft  mit  dem  archivalisch 
sichergestellten  Altarbilde  in  Niederalm  (von  1690);  vgl.  dort.  Sonst  könnte  man  sie  auch  mit  J.  F.  P  e  r  e  t  in  Zusammenhang 
bringen. 

36* 


284 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Seitenaltäre. 


Fig.  264. 


Kanzel. 
Fig.  265. 


Orgel. 


Skulpturen. 


Gemälde. 


Monstranz. 


2.  Zwei  im  Aufbau  einander  gleiche  Seitenaltäre  aus  rotem  Marmor  vom  Jahre  1850.  Auf  roter 
Marmorstufe  sarkophagförmige  Mensa,  niedrige  Predella,  Altarbild,  flankiert  von  zwei  Pilastern  mit  Frontal- 
voluten als  Kapitalen,  darüber  Friesstück,  Gesims  und  flacher  Dreiecksgiebel  mit  Holzkreuz.  —  Ver- 
goldetes hölzernes  Tabernakel,  urh  1850. 

Altarbild  beim  linken  Seitenaltar:  Öl  auf  Leinwand.  Die  hl.  Familie.  Im  Halbkreise  sitzen  der 
hl.  Josef,  Maria  mit  dem  Kinde,  die  hl.  Anna  und  der  hl.  Joachim.  Die  Großmutter  gibt  dem  Kind  aus 
einem  Fruchtköibchen  einen  Apfel.  Oben  auf  Wolken  Golt-Valer  mit  der  Weltkugel,  darunter  die  Taube, 
darunter  vier  blumenstreuende  Putten  (Fig.  264). 

Altarbild  beim  rechten  Seite  naltar:  Öl  auf  Leinwand.  Beweinung  Christi.  Unter  dem  Kreuze  Maria 
mit  dem  Leichnam   Christi  im  Schöße.    Rechts  Johannes,  darunter  Magdalena,  das  Blut  von   der  Hand 
Christi  wischend.    Links  zwei  weinende  Putti.    Oben  zwei  trauernde  fliegende  Engel. 
Beide  Bilder  von  der  gleichen  Hand;    gute  Arbeiten 
vom    Ende    des    XVII.  Jhs.    (um    1692),    wohl    von 
Johann  Wolf  Hof  1er  (s.  Anm.  S.  284). 

Kanzel  (Fig.  265):  An  der  Nordwand.  Reich  ver- 
ziert. Halbrunde  Brüstung,  besetzt  mit  sechs  gewun- 
denen, laubumrankten,  auf  prismatischen  Postamenten 
stehenden  Säulchen  mitKompositkapitälen ;  dazwischen 
übergiebelte  Blendnischen  mit  den  auf  vergoldeten 
Blattwerkkonsolen  stehenden  guten  Statuetten  der 
Hl.  Hieronymus,  Ambrosius,  Gregor,  Augustinus  (nicht 
Leonhard!)  und  Bonaventura.  Darunter  Namenstäfel- 
chen. Über  den  Säulen  Fries  und  Gesims  mit  Eier- 
stab. —  Die  steinerne  Halbsäule  der  Wand  hat  eine 
vergoldete  Holzverkleidung,  kannelierten  Schaft  und 
Kompositkapitäl.  Daneben  je  eine  Tür  mit  flach- 
bogiger  Verdachung.  —  Schalldeckel  mit  vergoldetem 
Eierstab  und  Peltenreihe.  Am  Deckel. Kranzreif  mit 
aufstehenden  vergoldeten  Akanihuspalmetten. 
Die  ganze  Kanzel  ist  eine  für  die  Gegend  charakte- 
ristische und  seltene  Arbeit  vom  Jahre  1692  (s.  Gesch.). 

Orgel:  Verziert  mit  vergoldeten  geschnitzten  Ran- 
ken.   1850. 

Skulpturen:  Alle  Holz,  polychromiert.  1.  Großes 
Kruzifix  im  Innern,  über  der  Südtür.  Sehr  gut,  An- 
fang des  XVIIL  Jhs. 

2.  Kleines  Kruzifix  hinter  dem  Altar.    XVII.  Jh. 

3.  Ölberggruppe,  im  äußeren  Anbau.  Christus,  drei 
schlafende  Jünger,  Engel.    XVII.  Jh. 

4.  Großes  Kruzifix,  außen  im  S.  des  Langhauses, 
ganz  von  Grün  umwachsen.  Gut,  zweite  Hälfte  des 
XVII.  Jhs. 

5.  Tonstatuette  des  hl.  Leonhard,  in  vergitterter 
Nische  in  der  Laibung  der  südlichen  Turmtür.  Gut, 
XVIIL  Jh. 

6.  Große  Statue  der  hl.  Maria  Magdalena.  Mittel- 
mäßig, um  1700  (Sakristei). 

7.  Statue  des  hl.  Johann  von  Nepomuk.  Mitte  des 
XVIIL  Jhs.  (Sakristei).  , 

Gemälde:  Öl  auf  Leinwand.  1.  Brustbild  des  dornengekrönten  Heilands;  schwach.  Brustbild  der  Mutter 
Gottes;  gute  Arbeit.  Beide  in  gleichen,  mit  geschnitzten  und  vergoldeten  Rokokoornamenten  verzierten 
Rahmen.  Laut  aufgeklebtem  Zettel  gestiftet  von  Franz  Josef  Pettschnegg,  gewester  Veldivebl  am  Han- 
genden Stein  1736. 

2.  Liariü  Heimsuchung,  in  schön  geschnitztem  Rahmen.  Ende  des  XVIIL  Jhs.  Wahrscheinlich  altes  Altar- 
au^satzbild. 

3.  14  Kreuzwegbilder,  Öl  auf  Holz.    Ende  des  XVII.  Jhs. 

4.  y\n  der  Rückseite  des  Hochaltars  zahlreiche  Votivbilder  des  XVIIL  und  XIX.  Jhs. 

Monstranz:  Messing,  vergoldet  und  versilbert,  getrieben.  Am  Fuße  Rosen  und  Trauben.  Einfacher 
Schein  mit  Rebenrahnien,  Gott-Vater  und  zwei  Engeln.    Erste  Hälfte  des  XIX.  Jhs. 


Fig.  264    St.  Leonhard.   Filialkirche, 
linkes  Seitenaltarbild  von  J.  W.  Hofler,  um  1692  (S.  284) 


St.  Leonhard 


285 


ö 


Ziborium  (Fig.  266  a):  Silber,  zum  Teil  vergoldet.    Runder  Fui3  und  Deckel,  getrieben'  mit  buschigen 
Akanthusranken    und   je   drei   ovalen   Medaillons   mit   Leidenswerkzeugen.    Durchbrochener,   getriebener 
silberner   Cuppakorb   mit   buschigen   Akanthusranken    und    drei    arma  Christi  in  ovalen  Medaillons.  — 
Marken:   Augsburger   Beschau    (R^  158).     Meisterzeichen:    In    Breitoval   AL.    Gute   Augsburger   Arbeit. 
Wohl  das  im  Inventar  von   1668  vorkommende  ganz  neue  Ciborium  von  Silber,  vergoldt.  — •         _ 
Später   aufgesetzte   Krone   von    kugeliger   Form,   Silber,  vergoldet,  mit  getriebenen  silbernen     i^^k 
symmetrischen  Rocaillen  und  Gitterwerk.  —  Marken:  Salzburger  Beschau.  Meisterzeichen:  I  M  M     ^|i^||^ 
in  Breitoval.   Arbeit  des  Johann  Michael  Mayr  in  Salzburg  (Meister  seit  1750),  um  1750. 

Kelche:  Alle  Silber,  vergoldet.    1.  Abgestufter 
runder  Fuß,  sechsseitiger  kleiner  Knauf, 
glatte    Cuppa.   —   Marken:    ä)  Beschau- 
zeichen   fehlt,     b)  Undeutliche    Meister- 
marke: AR(?).    Um  1760. 

2.  Schöner  Rokokokelch.  Fuß,  Knauf  und  Cuppa- 
korb reich  verziert  mit  getriebenen  symmetri- 
schen Rocaillen.  —  Marke  wie  bei  1.  Um  1760 
(Fig.  266  b). 

3.  Großer  reich  gearbeiteter  Kelch.  Reich  verziert 
mit  gegossenem  Blattweikornament.  Am  Fuß  und 
am  Cuppakorb  je  drei  ovale  Porzellanminiaturen 
in  Silberfiligraiiumrahmung:  Ölberg,  Abendmahl, 
Christus  und  die  Jünger  zu  Emaus;  Geißelung, 
Dornenkrönung,  Kreuzigung.  —  Marken:  Rtsmer 
Hallein  1860  (Reitsamer). 

Kreuzpartikelmonstranz:  Kupfer,  ver- 
goldet, mit  getriebenen  Verzierungen.  Oberteil 
Mitte  des  XVIll.  Jhs.,  Fuß  Mitte  des  XIX.  Jhs. 

Reliquiar:  Kupfer,  vergoldet,  in  Form  einer 
kleinen  hübschen  Monstranz.  Übliche  Form,  mit 
reichen  getriebenen  unsymmetrischen  Rocaillen 
und  unechten  Steinen.    Um  1770. 

Kruzifix  (Fig.  267):  Großes  Altarkruzifix,  Sil- 
ber, mit  drei  geschwungenen  Füßen  und  rundem 
Knaufe,  reich  getrieben  mit  Bandwerkornamenten 
und  Gitterwerk.  Am  Kreuz  am  unteren  Schaft 
und  an  den  kleeblattförmigen  drei  oberen  Enden 
aufgelegte  getriebene  Bandwerkornamente.  — 
Marken:  Augsburger  Beschau  mit  I  (R^  192; 
1749—1751).  Meisterzeichen:  FCM  in  Rechteck 
(R-  536).  Sehr  schöne  Augsburger  Arbeit  vom 
Jahre  1750,  wohl  von  Franz  Christoph 
Mäderl  (Meister  seit  1729,  gest.  1765). 

Opferkän  neben  mit  Tasse:  Messing,  ver- 
silbert, mit  getriebenen  Ornamenten.  Mitte  des 
XVIII.  Jhs. 

Rauchfaß:  Messing,  versilbert,  mit  getriebenen 
Akanthusranken.    Zweite  Hälfte  des  XVII.  Jhs. 

We  ihra  uch  seh  i  f  f  che  n:  Messing,  versilb^t,  mit  getriebenen  Rocaillen.    Mitte  des  XVIll.  Jhs. 

.\mpel:  Messing,  versilbert,  mit  getriebenen  Ornamenten.    Mitte  des  XIX.  Jhs. 

Leuchter:  1.  Barock.  Zwei  große  dreifüßige  Leuchter,  reich  geschnitzt,  Holz,  versilbert.    Zweite  Hälfte 

des  XVII.  Jhs. 

L'.  Barock.  Zwei  kleine  geschnitzte  Leuchter,  Holz,  vergoldet.    Anfang  des  XVIII.  Jhs. 

5.  Empire,  dreifüßig.    Sechs  große  und  zwölf  kleine,  Holz,  geschnitzt  und  vergoldet.    Erste  Hälfte  des 

XIX.  Jhs. 

1.  Sechs  große  Empireleuchter,  dreifüßig,  Messingblech,  versilbert,  getrieben.    1832  gekauft. 

■  K  Acht  dreifüßige  Empireleuchter,  Zinn.    Erste  Hälfte  des  XIX.  Jhs. 

IMuviale:  Weißer  Seidenbrokat,  mit  gewebten  bunten  Blumen  und  goldenen  Ranken.  Erste  Hälfte  des 
XIX.  Jhs. 


Ziborium. 
Fig.  266  a. 


•ig.  265    St.  Leonhard.   Filialkirclie,  Kanzel  von  1692  (S.  284) 


Kelche. 


Fig.  266  b. 


Krcuzpartikcl- 
monslranz. 

Reliquiar. 


Kruzifix. 
Fig.  267. 


Opfer- 

kännchen  mit 

Tasse. 

Rauchfaß. 

Weihrauch- 
schiffchen. 

Ampel. 

Leuchter. 


Phivialc 


286 


Qerichtsbezirk  Salzburg 


Kasein.         Kasein:  1.  Goldbrokat  mit  buntseidenen  gewebten  Blumen. 

2.  Mittelteil  rot,  Seitenteile  weiße  Seide  mit  gewebten  bunten  Blumen. 

3.  Weiße  Seide  mit  großen  bunten  gewebten  Blumen. 

4.  Grüner  Moiree.  —  Alle  aus  der  ersten  Hälfte  und  Mitte  des  XIX.  Jhs. 

Varia.  Varia:  1.  Zwei  Reliquiare  in  rechteckigen  Rahmen  mit  je  vier  kleinen  Wachsmedaillons  und  den  Figuren 

der  Immakulata  und  des  hl.  Josef  aus  Wachs  in  reicher  Filigrandrahtumrahmung.    XVIll.  Jh.    (Sakristei). 

2.  Standkruzifix  über  dem  Sakristeitische,  Holz,  schwarz  lackiert, 
zum  Teil  silber-  und  goldbronziert.   Gut,  Mitte  des  XVII.  Jhs. 

3.  Kleines   Standkruzifix,    Holz,    mit   versilbertem    Kruzifixus. 
XVIII.  Jh.  (Sakristei). 

4.  Zwei  hölzerne  Sammeltafeln   und  eine  Opfertafel,  alle  drei 
mit  kleinen  Statuetten  des  hl.  Leonhard.    XVIII.  Jh. 

5.  Einfacher   weiß   lackierter  Schrank  (Oratorium).    Mitte  des 
XVII.  Jhs. 


a  h 

Fig.  266    St.  Leonhard,  Filialkirche,    a  Ziborium  von  A  L  in  Augs- 
burg, um  1665;  Krone  um  1750.    b  Kelch,  um  1760  (S.  285) 


Fig.  267    St.  Leonhard,  Filialkirche. 
Silberkruzifix  von  F.  C.  Mäderl  in  Augs- 
burg, 1750  (S.  285) 


nT.lv.-in'j.  Grabsteine:  Im  Fußboden  des  Langhauses  mehrere  stark  abgetretene  Grabsteine:  1.  Rote  vierzeilige 
Inschrift  in  gotischer  Minuskel:  Anno  dni  1509  die  xv  mensis  Juli  obiit  ieroni{mns)  graber  qii  ctr  lis 
in  grich  hie  sepM(ltus). 

2.  Daneben  rote  Marmorplatte.    Unten  Kelch.    Oben  fünfzeilige  Minuskelinschrift:  Hie  ligt  begraben  .  .  . 
der  gestorben  ist.  am  freitag  nach  pangracij  anno  dni  mcccccxiv. 

Weiters   fünf   abgetretene   Inschriften    in    gelben    Quadratplatten    des   Pflasters:    1.   Ganz   unleserlich.  —  | 
2.  Josephus  Alexins  Ignatius  Grimming  de  Nidernrain  obiit  die  21.  Februarij  Ab:  1730.  —  3.  M.  Franc.  1 
de  Grihiing  in  Nideni{r&[)n  nata  de  Staudach  in  Wislmch;  gest.  1739.  —  4.  Maria  Anna  Grimming .  .  .  - 
5.  Ganz  abgetreten. 


Schloß  Leopoldskron 


287 


Glocken:   1.  Maria  mit  dem  Kinde,  St.  Michael,  St.  Leonliard,  Puttenfries.    Durch  das  feier  bin  ich 
geflossen,  Hans  Rohrer  in  Linz  hat  mich  gössen  anno  1651. 

2.  Kreuzigung,  Beweinung  Christi,  Anbetung  des  Hirten,  Maria  mit  dem  Kinde.  --  Franz  HoUederer  in 
Salzburg,  1844. 

3.  Kruzifix,  St.  Franz,  Maria,  Johannes  Evangelista.  —  Franz  HoUederer  in  Salzburg,  1843. 


Glocken. 


Brunnen:  An  der  Straße  gegenüber  Zieglers  Gasthaus.  Rechteckiger  Röhrkasten  aus  rotem  Marmor; 
dahinter  achtseitiger  Pfeiler  aus  weißem  Marmor  mit  quadratischer  Deckplatte,  darauf  die  Marmorstatue 
eines  Putto  mit  einem  Ährenbündel  im  linken  Arm;  gute  Arbeit  aus  der  ersten  Hälfte  des  XVIII.  Jhs. 

Bildstock:  An  der  Straße,  beim  Gasthofe  Drachenloch.  Kapellenartiger,  gotisierender,  moderner  Bau. 
Innen  die  lebensgroße  Holzstatue  Christi  an  der  Geißelsäule,  XVIII.  Jh.  Zwei  getriebene  Leuchter,  Messing, 
versilbert,  Ende  des  XVIII.  Jhs. 


Brunnen. 


Bildstock. 


Fig.  268    Schloß  Leopoldskron  mit  dem  Hohen  Qöll  und  Untersberg.   Ansicht  von  der  Richterhöhe 

am  Mönchsberg  (S.  302) 


Schloß  Leopoldskron 

Archivalien:  SRA  (Alte  Bauakten  F  II  6;  Hofk.  Hofbauamt  17570).  —  Musealarchiv. 

Literatur:  Hübner,  Stadt  1,  427—439.  —  (Hormayr)  Archiv  f.  Geogr.,  Histor.,  Staats-  und  Kriegskunde  1822,  255.  —  Pill  wein, 
Salzachkreis  399.  —  Dürlinoer,  Handbuch  100.  —  Knorz  Justus,  Schloß  Leopoldskron  usw.  in  Ldkde  42  (1902) 
155—184.  —  J.  Forster,  Stucco-Dekorationen  aus  Schloß  Leopoldskron  usw.,  Berlin,  1897  (Tafelwerk). 

Alte  Ansichten:  Federzeichnung  von  G.  A.  Riedl,  1773  (Museum).  —  Kolorierte  Radierung  von  Louis  Wallee,  um  1800;  von 
Schneeweis,  umtl800.  —  Tuschzeichnung  von  0.  Pezolt,  1836  (Museum). 

An  der  Stelle,  wo  der  sog.  Radi-  oder  Niederleghof  auf  der  Riedenburg  mit  dem  hf.  Fischweiher  Kueh- 
weiher  stand,  wobei  (schon  1605)  eine  Fischhütte  war,  begann  Erzbischof  Leopold  Anton  Graf  Firmian 
im  Jahre   1736  den  Bau   des  Schlosses,  das  er  wohl  in  Anklang  an  das  der  Familie  gehörige  Schloß 


288  Qerichtsbezirk  Salzburg 

Cronmetz  in  Südtirol  Leopoldskron  nannte.  Am  12.  November  1736  errichtete  er  für  seine  Familie  ein 
Primogenitursfideikomniiß,  worin  er  das  Schloß  als  den  Hauptsitz  erklärte  und  als  Einkünfte  das  lange 
oder  wilde  Moos  südlich  von  Leopoldskron  bis  zum  Untersberg  und  auf  diesem  noch  etliche  Almen 
bestimmte.    Erzbischof  Sigmund  verlieh  dem  Sitze  auch  die  Hofmarksfreiheit. 

Als  Baumeister  des  Schlosses  gilt  der  in  den  mathematischen  Wissenschaften  hochgelehrte  P.  Bernard 
Stuart  aus  dem  Regensburger  Schottenkloster  St.  Jakob,  der  bei  Leopold,  welcher  ein  großer  Lieb- 
haber von  astronomischen  und  mathematischen  Gegenständen,  insbesonders  Sonnenuhren  war,  viel  galt 
und  auch  die  Torfkultur  in  Salzburg  neu  zu  heben  bemüht  war.  Akten  über  den  Bau  fehlen  fast  gänzlich; 
nur  zufällige  Nachrichten  finden  sich.  Manches  verdanken  wir  auch  dem  Akte,  der  den  Streit  Stuarts 
mit  dem  hf.  Unterbaumeister  Johann  Kleber  betrifft.  Dieser  stammte  aus  dem  Bregenzerwalde  und 
war  Stukkatorer;  er  war  seit  Juli  1730  in  Salzburg.  Seine  Verwendbarkeit  brachte  ihn  in  die  hf.  Hof- 
baumeisterei,  wo  er  am  2.  Februar  1739  Unterbaumeister  wurde.  Kleber,  der  sich  allmählich  zum  Faktotum 
Stuarts  herausgebildet  hatte,  warf  diesem  Übervorteilung  nicht  nur  seiner  Person  (Klebers),  sondern 
auch  der  Hofbaumeisterei  vor;  eine  Disziplinaruntersuchung  war  die  Folge;  gegen  Stuart  wurde  zwar 
nicht  eingeschritten,  aber  er  war  moralisch  verurteilt,  fiel  in  Ungnade  und  verließ  Salzburg,  während 
Kleber  in  Diensten  blieb,  bis  er  1757  Bergverwalter  in  Hallstatt  wurde:  So  viel  sei  zum  Verständnis  vor- 
ausgeschickt. 

Einige  Puncte,  so  sich  von  1736  Ins  1740  zwischen  Sr.  Hw.  Herrn  P.  Stuart,  Paudirector  und  mir  zu- 
getragen, als 

Nachdem  Herr  Friedrich  Koch  sei.  gew.  Pauverwalter  mit  Tod  abgangen,  habe  mit  größter  Begierde 
Gelegenheit  gesucht  durch  Bekantschaft  des  Herrn  P.  Stuart  mich  an  allhiesigen  hf.  Salzb.  Hof  wegen 
dem  Pauwesen  zu  engagiren,  indessen  ist  er  selbst  zum  Paudirector  gnädigst  ernennt  worden,  ich  aber 
bin  ihme  mit  unterschidlichen  Rissen,  Überschlägen  und  anderen  Pausachen  möglichst  an  die  Hand 
gegangen,  von  denen  nebst  andern  seynd  gewesen:  Riss  und  Modell  zur  hf.  Thumbanzl,  die  Abmess- 
und  in  Grundlegung  aller  hoch  Firmianischen  Grund  samt  dem  großen  Moos,  die  Riss  der  f  acta  da, 
T achwerk  und  Turn  in  Leo poldsc ron,  Grund-  und  Aufriss  für  Herrn  P.  P.  Benedictiner  zur 
Kirchen  und  Haus  in  Schwarzach  und  noch  vil  andere  Sachen,  für  welches  alles  nach  Contento  bin 
bezalt.  .  .  .  Machte  auch  die  Stuccadorarbeit  in  dem  Realstock  der  Leopoldscron  gegen 
die  Alben. 

Stuart,  der,  wie  gelegentlich  erwähnt  wird,  am  Jesuitensaalbau  in  Augsburg  beteiligt  war  und  Kleber 
seinen  gewesten  Bedienten,  Discipl  und  dienten  nennt,  suchte  sich  gegen  die  Anwürfe,  auf  die  wir  hier 
nicht  weiter  eingehen  können,  zu  rechtfertigen  und  den  Anteil  Klebers  an  diesen  Arbeiten-  herabzu- 
mindern und  für  sich  und  die  Hofbaumeisterei  in  Anspruch  zu  nehmen,  was  Kleber  veranlaßte,  anzu- 
geben, er  habe  überhaupt  niemals  Stuart  einen  Riss  machen  und  zeichnen  sehen  und  er  habe  für  das 
Missionshaus  im  Gebürg  ikonographisch  und  perspectivisch  aufzureissen  gleich  anfangs  täglich  1  fl. 
bezahlt,  nach  diesen  habe  vor  geometrische  Abreissung  der  Leopoldscrongründe  samt  dem  großen  Moos, 
dann  der  Facciata  und  Dombcanzl  widerumb  die  Bezahlung  wie  oben  erklärt. 

Aus  den  weiteren  Prozeßakten  erfahren  wir  auch,  daß  Johann  Georg  Braun,  Stuchodor  von  Wesso- 
brunn,  welcher  die  Stuchodorerzierrathen  an  denen  ersteren  zwei  Öfen  in  Leopoldscron  alleinig  ver- 
fertigt hat,  von  Joh.  Kleber  hiefür  34  fL  empfangen,  und  daß  Johann  Lindentaler,  Stochadorer 
in  Salzburg,  beim  Herrn  Hofhafner  7  Wochen  (für  Leopoldskron)  gearbeitet  hat. 

Am  26.  Mai  1744  erst  wurde  die  Kapelle  zu  Ehren  U.  L.  Frau,  der  Hl.  Rupert  und  Leopold  geweiht. 
In  diesem  Jahre  wurde  auch  die  Glocke  für  133  fl.  20  kr.  gegossen. 

Noch  am  22.  Oktober  desselben  Jahres  segnete  Leopold  Anton  in  Leopoldskron  das  Zeitliche. 
Leopoldskron  fiel  an  seinen  Neffen  Laktanz  Grafen  Firmian  (seit  1736  vermählt  mit  Ma.ximiliana  Gräfin 
Lodron)  und  ihm  verdankt  es  seine  Blüte.    Laktanz  war  ein  für  die  bildenden  Künste  überaus  begeisterter 
Maim,   der   sich   nicht   nur   eine   bedeutende  Gemälde    und  Kupferstichsammlung  anlegte,  sondern  auch 
selbst    malte    und    modellierte.    Er   starb    zu    Nogaredo    am    6.   März    1786.    Seine   Grabschrift    in    der 


Schloß  Leopoldskron  289 

St.  Rupertskapelle  zu  Villa  Lagarina  enthält  keine  Überhebung,  wenn  sie  von  ihm  sagt:  eruditus  laünis 
et  graecis  litteris  ac  liberalium  disciplinamm  scientissimus  praeclarus  etiam  delineandi  et  fingendi 
artifex,  denique  exemplar  antiquae  virtutis  et  religionis. 

Im  Artikel  10  seines  am  19.  Dezember  1775  aufgerichteten  Testamentes  hatte  Laktanz  verfügt:  Bestimme 
alle  meine  gute  und  theuere  in  der  Leopoldskron  bejindliche  Gemähide  besonders  die  Mallersamlung  zu 
einem  Familien-Fideicommiss,  also  dass  hierüber  besonders  Inventarium  errichtet,  solche  niemalen  zer- 
theilet,  am  mindesten  etwas  davon  veräußert  werde,  und  was  hierwider  beschieht,  ipso  facto  null  und 
nichtig  seyn  soll. 

Nach  Laktanzs'  Tode  übernahm  sein  damals  schon  51jähriger  Sohn  Leopold  Anton  das  Fideikommiß; 
sein  erstes  war,  daß  er  dem  Domkapitel  das  ganze  Besitztum  zum  Kaufe  anbot,  ohne  Erfolg  zu  haben. 
Leopold  hatte  wenig  Interesse  an  den  Sammlungen;  seine  Güte,  mit  der  er  Bilder  zum  Kopieren  verlieh, 
wurde  oft  mißbraucht.  Als  er  1828  starb,  fiel,  da  das  Fideikommiß  1812  aufgehoben  worden  war,  Leopolds- 
kron an  seinen  Schwiegersohn  Karl  Grafen  Wolkenstein-Trostburg;  nur  das,  was  Ritterlehen  war,  nämlich 
der  Weiher  und  das  „Moos-  oder  Lazarethölzl"  samt  dem  Moore  kam  an  Leopold  Grafen  Firmian,  Erz- 
bischof von  Wien,  der  Weiher  blieb  bis  heute  im  Besitze  der  Firmianschen  Familie.  Das  Schloß  ver- 
kaufte Graf  Wolkenstein  1837  um  30.000  fl.  an  Georg  Zierer,  Schießstättewirt  in  Salzburg,  der  es,  um  auf 
seine  Kosten  zu  kommen,  förmlich  plünderte,  die  Sammlungen  verschleuderte  und  was  auch  dabei  nicht 
wegging,  versteigerte.  Der  Normalpreis  für  ein  Bild  war  4  fl.  1845  erwarben  das  Schloß  um  45.000  fl. 
zwei  gewesene  Oberkellner  aus  Weinsberg  in  Württemberg,  die  es  in  ein  Hotel  umwandeln  wollten  und 
daselbst  Schlammbäder  errichteten;  im  großen  Saale  wurde  damals  protestantischer  Gottesdienst  gehalten. 
1848  kaufte  Zierer  das  Schloß  um  47.000  fl.  zurück,  um  es  3  Monate  später  an  Heinrich  Ritter  von 
Mertens  wieder  zu  verkaufen.  Dieser  ließ  wieder  anstatt  der  von  Zierer  herausgerissenen  neue  Parkett- 
böden legen.  1851  verkaufte  er  Leopoldskron  um  62.500  fl.  an  Exkönig  Ludwig  I.  von  Bayern,  der  sich 
dort  gerne  aufhielt.  1869  wurde  es  jedoch  —  nach  Ludwigs  Tode  —  an  den  Notar  Dr.  Julius  Schindler, 
bekannt  unter  dem  Dichternamen  Julius  von  der  Traun  (gest.  1885),  um  40.000  fl.  verkauft.  In  das  Erbe 
Schindlers  teilten  sich  sein  Sohn  Julius,  der  1890  seinen  Anteil  an  Bankier  kais.  Rat  Karl  Spängier 
abtrat,  und  die  Tochter,  vereh.  Schaffarik.  Ersterer  Anteil  kam  1895  an  Frau  Hyra.  Im  gleichen  Jahre 
erwarb  Baron  Rüdt-Colenberg  beide  Anteile  um  85.000  fl.  Seit  1904  ist  Herr  Regierungsrat  Paul  Wolf 
Besitzer. 
Das  Mairhaus  wurde  1763  an  Stelle  des  Radihofes  erbaut. 

Da  häufig  Gemälde  auftauchen,  die  aus  Leopoldskron  stammen  sollen,  geben  wir  hier  anhangsweise  als 
Ergänzung  zu  den  von  Hübner,  a.  a.  O.,  gebrachten  Verzeichnissen  ein  Inventar,  das  aus  dem  Anfange 
des  XIX.  Jhs.  (nach  1809)  stammt. 

C  a  t  a  I  o  g  alter  G  e  mäh  Ide  und  Zeichnungen,  welche  zur  Majorats- 
Herrschaft  Leopoldskron  gehörig. 

G  etnählde^) 

in    dem   Saale 

•'■/ — 2    Zwey  große  Familien  Gemähide  allegorischer  Vorstellung Rensi 

■3—6    die  vier  Jahres-Zeiten idem 

*7    das  Decitenstücli,  die  Vermählung  der  Atalanda Ebner 

Kapelle 

*<S  das  Altarblatt Ebner 

'"9—12  Vier  Evangelien  Stüctie Rensi 

■''13—16  Vier  Evangelisten idem 

'"17—19  Zwey  andere  Stticii,  nebst  dem  Decliensttlclt idem 

')  Die  mit  einem  Sterne  versehenen  sind  jetzt  noch  im  Schlosse  vorhanden. 

XI  37 


290  Gerichtsbezirk  Salzburg 

Dann  befinden  sich  in  verschiedenen  Zimmern  folgende  Gemähide. 

"20  Erzbischof  V.  Firmian  j:  Portrait :; Rensi 

21  David  der  König,  spielend  auf  der  Harfe Mola 

22  Eine  Feuers  Brunst Jean  Wildens 

23  Eine  Landschaft  mit  dem  Prospekt  einer  Stadt        Beych 

24  Portrait  des  Freyh.  zu  Firmian    Vaters  des  Erzbischofs  Firmian     

25  Portrait  der  Freyfrau  v.  Firmian   Mutter  des  Erzb.  Firmian  gebohr.  v.  Thun 

26  Petrus  und  Johannes  nach  dem  Evangello  wo  sie  Lahme  gesund  machen Calabrese 

27  Diogenes   der  Cynlker Salvator  Rosa 

2S  Ein  Evangelien  Stück,  wie  die  Frauen  den  Erlöser  beym  Grabe  vergebens  suchten Napolltano 

29  Ein  Evangelien  Stück    wo   der  Erlöser  zu  Petrus   sagt:  Komm  folge  mir  nach.  Ich  werde 

dich  zum  Menschenfischer  machen    etc idem 

30—31    Kirchen  Perspectiv- Prospect Neefs 

32  Amor  klagt  die  Psyche  an  j:  nach  Ovld  ./     Nach  Raphael 

33  Amors  Hochzelt  mit  der  Psyche  ,:  nach  Ovld ;/ nach  Raphael 

34  Familie  Christi nach  Raphael 

35  Himmelfahrt  Christi  ':  klein  ;/ nach  Raphael 

36  Himmelfahrt  Maria  ,;  klein  :j nach  Raphael 

37  Portrait  i :  klein  —  unbekannt :  j 

38  Ein  Kopfstück  j:  klein:/ 

39  Mutter  Gottes  j: klein:! Conca  Cavagll 

40  Der  hl.  Joseph   sterbend Guido  Renl 

41  Mutter  Gottes  mit  dem  Kinde,  Petrus  und  Paulus  j:eln  Nachtstück  :l     Gerhard  Hondhorst 

42  Christus  und  Johannes  als  Kinder Garzl 

43  Portrait  j:  unbekant :/ Tltlano 

44  Kopf  eines  Alten  ,:  auf  Holz  :] Giuseppe  d'Arplno 

45  Petrus  der  Apostel    :  Brustbild  :j Grasmayr 

46  Kreutz- Ab  nehmung  Christi Rubens 

47  Auferstehung  Christi 

48  Apollo  und  Mldas  j:  Götterg.  :j Rubens 

49  Hercules  und  Omphale Sollmena 

50  Ein  altes  Portrait  ::  unbekannt  :j 

51  Die  heil.  Magdalena  , .•  Sclzzo  ./     Rothmayr 

52  Die  berühmte  Galathee Nach  Raphael 

53  Hell.  Hleronlmus Rembrant 

54  Der  Heiland  und  Johannes  als  Kinder Troger 

55  Ein  Apostels  Kopf  mit  halb :  Flg: •  .    .    .  • Cigiiano 

56  Heil.  Magdalena  halb  Flg Idem 

57  Cruclfix  mit  dem  hell.  Franziskus Ebner 

58  Ein  Perspectlv-Stück Dolens 

59  Mutter  Gottes  mit  dem  saugenden  Kinde Schldone 

60  Flucht  In  Aegypten  j:groß:i Glordano  ;:Luka. 

61  Christus  mit  den  Jüngern  In  Emaus Plazetta 

62  Vesper-Bild Grasmayr 

63  Familie  Christi  auf  der  Flucht  In  Egypten     

64  Ein  Stück  mit  Jagdhunden Hondlus 

65—66    Zwei  Holländisch  :  Bauern  Stück Breenberg 

67  Eine  Dlestel Burgau 

68  Ein  Reitpferd  mit  einer  Landschaft Idem 

69  Toder  Fuchs  

70  Ein  Stück  toder  Vögel 

71  Hünner  mit  Ihren  Jungen Burgau 

72—73    Bauernstück   holländisch :  flamänd: Jordans 

74  Heil:  Johaii  der  Täufer  halb  Flg: Grasmayr 

75  Heil:  Hlroninius  halb  Flg: Idem 

76  Hell:  Sebastian  halb  Flg: 

77  Arch  Noe,  ein  Thlersiück  j:  groß  ••/    . 


Schloß  Leopoldskron  291 

78—79    Zwei  Perspectiv   ':  Niederländisch  :j Bles 

'■■80  Balthasar  König  von  Israel  an  der  Tafel,  ebenda  eine  unbekannte  Hand  sein  Urtheil  schrieb 

81  Der  hell:  Bartholomäus  geschunden 

82  Paulus   der  Eremit  j:  groß  halb:Flg:( Grasmayr 

83  Antonius   der  Eremit idem 

84  Mutter  Gottes  l:  ganze  Figur. -j Pesaro  j:  Simon:/ 

85  Christus  vom  Kreutze  herabgenommen,  nebst  seiner  gOttl:  Mutter  und  hell:  Johannes   .    .    .    Palma  Vecchlo 

86  Hell:  Hlronlmus 

87  Eine  Alte  mit  einem  Kinde  bey  der  Glut Sandrart 

88  Ein  Landschafichen 

89—90    Bataillen  ,:  klein:! Casa  Nova 

91—92    Itallänlsche  Bauern  Stück 

■'■93—96    4  Jahrszelten 

97  Christus  und  Thomas   halb:  Fig  :  Lebensgroß 

98  Die  Mutter  Gottes  mit  2  Jungfrauen  j:  auf  Holz  :/ Cranach 

99  Die  Mutter  Gottes  , ;  waschend  ;/ Carlo  Maratta 

100 — lOI    Landschaften  mit  Reisewägen  staflrt      Nlderländ  Schul 

102  Ein  toder  Haase 

103  Tode  Vögel 

104  Eine  Ente  mit  Ihren  Jungen 

105-106    Holländisch  Bauern  Stück 

107  Ein  Stück  mit  Jagd  Hunden 

108  Ein  Mops    :  en  Portrait:      Enzlnger 

109  Eine  Diesiel    oben  67 Burgau 

HO    Ein  Reitpferd  mit  einer  Landschaft    oben  68 idem 

111—112    Zwey  Superportalen  mit  Landschaften 

113—114    Zwey  Superportalen.    Diana  —  Pomona 

115    Auferstehung  Christi    :  Altarbl.  Sclzze  :' Rensl 

113—117    Ein  Alter  und  eine  Alte  ,:halb  Figur:' idem 

118—119    Christus  als  Lehrer  ■:  ein  Evangelien  Stück  ; Troger 

120—121    Hell.  Hlronlmus  und  Magdalena  /;  halb:  Flg  :j Plazetta 

122  Mutter  Gottes  mit  dem  Kinde Carracclsche  Schult 

123  Katharina  von  Slena Gallo  dello  Pazlzlo 

124  Hell.  Joseph  mit  dem  Kinde 

125  Ein  Mutter  Gottes  Bild Sollmena 

126  Ein  Ecce  Homo  Kopf Alt  deutsche  Schult 

127  Der  englische  Gruß    :  halb  Fig:  :j 

128  Maria  Himmelfahrt    :  groß  •■/  . 

129  Die  heilige  Familie Zanusl 

130  Hell.  Johannes  von  Nepomuk idem 

131  Die  unbefleckte  Empfängnis  Maria  mit  allegorischen  Bildern      Troger 

132  Die  hell.  Clara 

133  Saut  bey  der  Zauberin  von  Enthor 

134  Ein  Frucht  Stück  ;:groß:i 

135  Der  leidende  Jesus nach  Rembrant 

136—139    Blumen  Stücke  /;  klein  :j 

140—143    Winter  Jagden  j:  klein  .■/ Enzlnger 

144,   145    Italienische  Conversations  Stücke 

146  Ein  Alter  , ;  als  phllosophlrend  ;/ 

147  Eine  Frau  beym  Toilette   wo  ihr  ein  Trompetter  einen  Brief  überglebt 

148  Italienisches  Bauern  Stück 

149  Holländisches  Bauern  Stück  ::  auf  Holz:  j 

150  Der  hell.  Phlllppus  Nerius  ;:groß:l Conca  Cavagll 

151  Ein  Cruclflx Rothmayr 

152  Die  Gehurt  Christi Schlavonl 

153—156    Vier  Eremiten  ::  auf  Holz   klein  .-/ 

157-^172    16  Voglstäcke 

37* 


]76    Schweisstuech  nach  dem  Evangelium  j:  groß  auf  Leinwaih  gemahlen  . 


292  Gericlitsbezirk  Salzburg 

173-175    3  Superportalen,  als:  Samson  bei  der  Dalila.  —  Agar  mit  dem  Ismael  flüchtig,  wo 

ihnen  ein  Engel  eine  Brunnquelle  zeigt,  —  eine  Landschaft 

Unwissend  den  Mah- 
ler.doch  kommen  alle 
Kenner  tiberein  daß 
es  aus  der  welschen 
Schule  und  von  ei- 
nen der  berühmtesten 
Mahler  seye. 

177  Ceres  j:ein  Nachtstück:!     Gerhard  Hondhorst 

178  Der  berauschte  Silenus Rubens 

179  Jupiter  und  Callisto idem 

180  Christus,  da  er  dem  Petrus  die  Schlüssel  übergibt  !:  Alle  Fig.  Lebensgröße ./    .       Guido  Reni 

181  Christus  wie  er  Magdalen  erscheint     

182  Himmelfahrt  Maria  /;  Altarbl.  Scizze  ;/ Carrazische  Schult 

183  Ein  Knab   ':  halb  :  Fig.  :l Troger 

184  Ein  Weib  mit  einem  Kinde • Amorosi 

185—186    Johann  der  Täufer Garzi 

187  Der  heil:  Franziskus,  wie  er  die  Wundmahlen  empfängt 

188  Mutter  Gottes  mit  dem  heil:  Anton Piazetta 

189  Heil:  Katharina  j:  Skizze  ./     

190  Gregor  Taumaturgus  -^  Bischof,  wie  er  dem  Gewässer  sich  zu  theilen  gebiet Carloni 

191  Triumpf  der  Kirche  ::Skize:; Conca  Cavagli 

192  Heil.  Ursula 

193,  194    Zwei  Köpfe  \:  Studium  .-/ 

195  Ein  Kind  ::halb:Fig:j Amorosi 

196  Eurigenia  j:  Skizze:/     Rothmayr 

197  Heil.  Hironimus  j:  halb  Fig:  groß ;/  NB:  hat  General  Lecourb  genohmen Rovera 

198  Susana  überrascht  von  den  2  Alten     Rothmayr 

199  Charitas  Romana  , ;  klein  :/ 

200,  201    Zwei  Halbfiguren  \:  Studium  :\     

202  Ein  Kopf    :  Studium:] 

203-208    Je  ein  Kind  i:  halb  Fig:: Amorosi 

209  Familie  Christi  mit  den  heil.  Hyronimus,  Franziskus  und  Katharina  !:  groß ;/ Paulo  Veronese 

210  Die  Geißlung  Christi      Trevisani 

211  Ein  Kopf  ;.-  Studium  :j 

212  Ein  Mann  j:  Halb  Figur  :j 

213 — 216    4  Frauenzimmer  ,  .■  alle  g:  als  Element  :j 

217,  218    Zwei  Stücke  nach  Ovids  Metamorph. Caval.  Liberi 

219,  220    2  Superportalen  mit  2  Landschaften 

221  Marsias  geschunden  von  Apollo Rothmayr 

222  Der  sterbende  Abel Salvator  Rosa 

223  Der  heil  Veit Rothmayr 

224  Die  Mutter  Gottes  mit  dem  Kinde  nebst  einem  Engel  /.•  auf  Holz  .■/ Banfi 

(  Joh.  Bapt.  Galli 

225  Antonius  der  Eremit |  ^^^^^  .^  p^^.^.^ 

226  Mutter  Gottes  mit  schlafenden  Kinde  j:  halb  Figur:!     

nach  Albert  Dürrers 

227  Die  heil:  drey  Könige ,,  ,    ,, 

228  Die  Familie  Christi  j:groß:j nach  Rubens 

229  Heil:  Magdalena  j:  halb  Fig:/ 

230  Der  Erlöser  l:halb  Fig:/ Rothmayr    ' 

231  Die  Mutter  Gottes  f:  halb  Fig:j idem 

232  Heil.  Hieronimus  i:  halb  Fig:/ Rothmayr 

233  Heil.  .Magdalena  j:  halb  Figur:/ idem 

234,  235    Zwei  italienische  Bauern  Stücke 

236  Ein  Apostels  Kopf Grasmayr 


Schloß  Leopoldskron  293 

237  Maria  Himmelfahrt    .•  Hine  Altarblatt :  Skize  ;/ Römische  Schiill 

238  Der  Evangelist  Markus   ':  eine  Skize  :j eadem 

239—242    4  Pferdt  Stücke 

243  Petrus  und  Franziskus  j:  halb  Fig. Muziani 

244  Der  Heil:  Martin    Bischof  sterbend  /.•  eine  Altarblats  Skize  :j Zignaroti 

245  Johann  der  Täufer  ;:  oval ;; Mola 

246  Maria  Himmelfahrt  ':  Altarbl :  Skize  :j Chonca 

247—250    4  Pferd  Stück •    •    •    . 

251  Ein  Apostels  Kopf Grasmayr 

252  Katharina  bey  der  Mutter  Gottes  !:  eine  Altarblats  Skizze  :J Römische  Schall 

253  Maria  Himelfahrt    :  Altarbl:  Skize  :l eadem 

254  Der  alt  und  Junge  Tobias  ,':  bibl:  Gesch  :,' Bolognesische  Schult 

255  Charitas  Romana eadem 

256  Herodias   ':  Bibl:  Geschichte  .•/ Carlo  Loth 

257  Eine  Landschaft  . 

258,  259    Zwei  Conversations  Stücke 

260  Die  Geburt  Cliristi  ,:  Skize:, Römische  Schall 

261—264    4  Conversation  Stücke 

265,  266    2  Superportalen  als  Kinder  Stücke  die  allegorisch  die  Bild/iautr  und  Baukunst  vorstellen 

267  Curtius   der  Römer  stürzt  sich   um  die  Republik  zu  retten    in  einen  feurigen  Schlund  .    .        Nickhl 

268,  269    Landschaften    mit  Menschen  und  Vieh  stafiert  /.•  groß  .•       

270  Ceres  ,:  nach  Ovids  Metamorph  : ,     Coypel 

271  Pomona    :  nach  Ovlds  Metamorph  :l idem 

272  Diana  im  Baad 

273,  274    Aufnahme  der  Kunst  j:  allegorisch  :j 

275  Flora  die  Göttin    :  Skize:; 

276  Sisyphus  /.•  nach  der  Mitologie  :/ 

*277  Portrait  des  Lactanzius  Grafen  v.  Firmian  noch  in  seiner  Jugend  als  oberst  Jägermeister     .    Zanusi 

278  Eine  Köchin  in  der  Küche  abspülend 

279.  280    Zwei  Stück  mit  Fischen  i:  groß:' 

281,  282    Zwei  Frucht  Stück 

283  Eine  Köchin    :  Portrait  halb  Figur:      (NB:  hat  General  Lecourb  genohmen.) Lorenzoni 

284  Ein  Farbenreiber    .•  Portrait  halb  Figur  .•/ idem 

285  Ein  Küchenstück idem 

NB:  hat  General  Lecourb  genohmen 

286  Ein  Küchen  Stück 

287  Ein  ruhender  Hirtenknab 

288  Ein  Todenkopf    :  genähter  Arbeit  :j 

289  Ein  Harlequin  /;  von  Schmetterlingen  gemacht  .•/ . 

290 — 292    3  Superportalen  als  3  Landschaften 

293    Dldo,  Stifterin  und  Königin  Kartagos   verbrennt  sich 

294,   295    Zwei  Blumen  Stücke 

296    Ein  Landschäftchen 

297,  298    Geschossene  Vögel Enzinger 

299—303    Die  fünf  Sinne    (Jetzt  im  städtischen  Museum.) 

305,  306    Zwei  Rudera  Stack  I: groß  oval:! Pannini 

307  Ein  Thier  Stück   ':  groß  // Roos 

308  Ein  Hirtenstück Italienische  Schult 

309  Ein  Jagdstück 

310,  311    Zwei  Landschaften    mit  Menschen  und  Vieh  staffirt 

312  Ein  Haase  j:  Studium:! 

313  Ein  Fuchs   ':  Studium  ;/ 

314—316    Drei  Tier  Stücke  j:  groß  .•/ Roos 

317,   318    Zwei  Bataillen  ;:  groß  :• Bourguignon 

319,   320  dto.  Leander 

321,   322    Zwei  Hirtenstücke    ;  groß  ;      Italiänisch  Schult 

323—329    7  Rudera  Stück  /.•  groß  .•/ Viviani 


294  Qerichtsbezirk  Salzburg 

330  I  Riidera-Stilck  1:  groß  :/ Gisolfi 

331,  332    Zwei  Landschaften    mit  Menschen  und  Vieh  staffiert Momper 

333  Ein  Rudera  Stück Viviani 

334  Ein  Italidnisch  Baaernstück 

335  Eine  Landschaft  /;  klein  j: Salvator  Rosa 

336  Ein  Pferdstack     

337,  338    Zwei  Hirtenstacke  j:  genähter  Arbeit  :j 

339  Ein  Rudera  Stuck • Viviani 

340  Eine  Landschaft   mit  Menschen  und  Vieh  staffiert Momper 

341  Ein  Thierstack    :  klein  :j 

342  Ein  Pferdstack 

343  Kreutzigung  Christi  j:  eine  Albarblats  Skitze  :  groß  :j Rensi 

344  Christus  am  Oelberg    .■  Altarbl:  Skizze,  groß  :j idem 

345—348    Die  vier  Evangelisten  ,:  Halbfiguren  .•/ idem 

349  Charitas  Romana  /;  groß  .•/ 

350,  351     Venus,  Mercurius 

352  Dem  Jakob,  Patriarchen   zeigen  seine  Söhne  Josephs  blutiges  Kleid  :j:  groß  :j 

353  Heil.  Petrus  j:  halb  Eig.  :! 

354  Ein  Apostel  ;:  halb  Fig.  : 

355—357    Drey  Landschaften  ,.•  klein  :j 

355  Der  verlohrne  Sohn    nach  dem  Evangelium  /;  groß  .;' nach  Guercino 

359  Die  Mutter  Gottes  mit  dem  Kinde    ;  halb  Fig.  .■/     .       Bolognesische  Schult^ 

360  Johannes  in  der  Waste    ;  Skizze  ;, • Graßmayr  -' 

361  Heil.  Nikolaus    :  Skizze  ;/ idem  | 

362  Ein  Kinder  Stück Bergler  f 

363  Aufnahme  der  Kunst    .-  allegorisch  : ■ i 

364  Eine  Landschaft  j:  mittelmäßiger  Größe  ;/ Niederländ.  Schall     $ 

365  Heiliger  Alexius    .•  ganze  Figur  :      Troger  ^ 

365  Anbettung  des  göttlichen  Kindes  von  den  3  Königen  ,;  Skize  .-/      Graßmayr  *'; 

367  Flucht  der  heil:  Familie  nach  Egypfen  j:  Skizze  // idem  f 

368  Ein  Kinder  Stück     Bergler  i 

359  Aufnahme  der  Kunst  ':  allegorisch  .• 

310  Eine  Landschaft  /.■  mittelmässiger  Grösse  :,' Niederländ.  Schall     / 

371,  372    Zwei  Superportalen:    als  Moyses  gefunden    von   der  Tochter  Pharaos.   —   Agar  vom  F 

Abraham  entlassen ■ 

373  Judith  mit  dem  Haupt  des  Hollofernes Trevisani  ",;: 

374  Herodias  mit  dem  Haupt  des  heil  Johannes idem  , 

375  Petrus  von  Alcantara Troger 

376,  377        dto.  ,:  Skizzen  :,'      nach  Solimena 

378  Portrait  Kaisers  Karl  des  5^^" 

379  Portrait  eben  beneiitens  Frauen  Gemahlin 

380  Ein  junger  Graf  zu  Lodron  j:  Portrait  :j Zanusi 

381  Ein  Weib,  halb  Fig:  unbekant  ;:  Portrait  .•/ 

382,  383    Zwey  Seestacke 

*384  Sämmtl.  Familie  des  hochs  Hl.  Grafen  Lactanz  von  Firmian  /:  en  Portrait,  sehr  groß  ./      .    Rensi 

385  Vigil  Maria  Fürst  von  Firmian      idem 

386  Karl  Graf  von  Firmian    Gouverneur  in  Meyland idem 

387  Karl  Graf  von  Firmian    Gouverneur    .•  im  Toisont  :j Knoller 

*388  Gräfin  von  Firmian  gebohrne  Gräfin  zu  Lodron Rensi 

■389  Lactanz  Graf  und  Herr  zu  Firmian idem 

■390  Portrait  eines  Mannes  j:  unbekannt  .•/ 

'-'391  Portrait  eines  römischen  Kardinals 

S92  Portrait  Doctors  Martin  Luther 

393  Portrait  Luthers  Weib 

*394  Porlrait  Kaisers  Karl  des  6'en Hauzinger 

*395  Portrait  der  Kaiserin  ....       idem 

398—398    Portraits  unbekannter  Männer Rensi 


Schloß  Leopoldskron  295 

399  Portrait  eines  Weibes    :  unbekannt  ;/ idem 

400  Portrait  von  2  Köpfen    ;  Studium  ;/ 

*40I  Portrait  Leopolds  Gr:  v.  Firmian  Erzbischofen  zu  Salzburg Zanusi 

402  Portrait  einer  Fräuln  Gr:  v:  Firmian Rensi 

403  Portrait  eines  Manns    :  unbekant  ./ LactanzGraf Firmian 

404  Portrait  eines  Kammerdieners  bey  Lactanz  G.  Firmian idem 

405  Portrait    ;  klein     unbekant  : 

406  Portrait    :  alt    klein    achteckicht  ; 

407  rfo  Fraters  Leopold  Benedict  Gr.  v.  Firmian 

408  Portrait    :  alt    klein    achteckicht  ./ 

409,  410    Zwey  Superportalen  mit  2  Landschaften 

4U,  412    Ein  Jagdstück  ,;  sehr  klein  :,' 

4J3,  414    Zwey  Stück  Feder  Vieh  /;  klein  ; 

415,  416    Jagdliund  bey  einen  toden  Federwildbrüth Enzinger 

417,  418    Zwey  Stück  toder  Vögel 

419  Ein  Jagdhund  bey  einen  toden  Wildprät Enzinger 

420  Ein  Stück  von  Schafen  und  Ziegen Italiänisch  Schall 

421  Ein  Jagdhund  bey  einem  Haasen Enzinger 

422  Ein  Hirsch    :  allein  .• idem 

423  Ein  Jagdhund  bey  einem  toden  Fuchse 

424  Ein  Hirsch    :  allein  .•/ Enzinger 

425  Ein  Jagdhund  bey  einen  toden  Haasen 

426  Ein  Geißbock Roos 

427  Ein  Wildschwein  forciert  von  Hunden  und  gefangen    :  Lebens  Grösse  :     Zanusi 

428  Das  Paradies    :  groß  ;      Hamilton 

429,  430    Jagdhund  bey  einem  toden  Wildbret Enzinger 

431  Ein  Rehbock  ,:  allein  : idem 

432  Ein  toder  Fuchs    ;  Lebens  Grösse  ;, 

433  Ein  todes  Gems  nebst  2  Jagdhunden  ,;  Lebens  Größe  ;, Zanusi 

434  Ein  toder  Haase  ,';  Lebensgröße  .•/ 

435  Ein  toder  Rehbock Enzinger 

436  Ein  toder  Haas  mit  Federwild idem 

437  Ein  Hirsch,  der  2  Thieren  nachzieht idem 

438  2  Hirschen    die  miteinander  kämpfen idem 

439  Ein  ruhender  Hirsch  bey  einem  Thier,  das  ein  Kalb  säugt idem 

440  Ein  Hirsch    der  einem  Thiere  nachzieht idem 

441  Ein  toder  Hirsch  nebst  einem  ruhenden  Jäger idem 

442  Ein  zutod  forcierter  Hirsch  nebst  zwen  Jägern idem 

443  Eine  Wildschwein  Hatze idem 

444  Ein  Hirsch  alein , idem 

445,  448    Jagdstück  mit  einem  rulienden  Jäger idem 

447  Ein  toder  Hirsch  nebst  einen  ausruhenden  Jäger idem 

448  Eine  Bären  Hatze idem 

449,  450    Zwey  Superportalen  mit  zway  Landschaften 

451  Ein  grosse  Landschaft  mit  Fuhrwerk  ausstaffiert 

452  Eine  Landschaft  ,:  wintert,  klein  ./ • 

453  Eine  Landschaft  mit  eben  aufgehenden  Monde,  Leute  machen  ein  Feuer  auf 

454,  455    Bataillen    :  klein,  auf  Holz  :l 

456  Gebargicht  —  winterliclie  Gegend  mit  Schlittenfahrten  staffiert Sörz 

457,  458    Landschaften  mit  Wasser 

459 — 461    Drey  Landschafften    .•  winterlich  ./ 

462,  463    Landschaften  mit  Bauern  Hütten 

464 — 467     Vier  Landschaften  i:  bergicht,  klein  :j 

468,  469    Grössere  Landschaften    mit  Vieh  staffiert 

470  Eine  Landschaft  mit  gebürgichtem  Prospect 

471  Eine  Seegegend 

472  Eine  Landschaft  mit  viellen  Menschen  und  Vieh  staffiert 


296  Gerichtsbezirk  Salzburg 

473,  474    Zwei  Landschaften  mit  einem  Fliiße,  entfernten  Gebäuden.  Menschen  und  Vieh  '.:  groß  :      Poußin 

475  Eine  Landschaft  mit  Wasser,  Menschen  und  Pferden  stafirt 

476  Eine  Landschaft   sehr  bergicht   mit  Reiltenden     

477  Eine  Landschaft  mit  einer  Bauernhiitte  und  einer  entfernten  Kirche  staffirt  ,:  groß  :\  . 

478  Eine  Landschaft  mit  einer  Windmühle    .•  groß  :j     

479,  480    Zwei  Landschaften  in  der  Dämmerung    ;  groß  :j 

481,  482    Landschaften  mit  Gebäuden    ;  groß  ;/ 

483  Eine  Landschaft  mit  Vieh  und  entfernten  Gebäuden  ;:  groß  ;/ Poußin 

484  Eine  Landschaft  mit  einen  Fluß 'dem 

485,    486    Zwei  Landschaften  und  Jagdstücke  j:  groß  :j 

487—491    Fünf  Landschaften  mit  Gebäuden  ,;  klein  :j 

492  Landschaft  mit  Felsen  /;  klein  :j 

493  Landschaft  j:  waldicht  ./ 

494  Landschaft  mit  nahen  Gebirg 

495  Landschaft  /;  bergicht  ;/ 

496  Landschaft  mit  einer  Kirche,  wo  man  den  Kirchtag  feyert 

497  Landschaft  mit  einer  Bauernhütte 

498  Eine  Landschaft  mit  Rudera,  Menschen  und  Vieh  staffiert  ,.■  groß  ;/ 

499,  500    Landschaften  mit  Prospect  durch  Mitte  des  Waldes 

501  Landschaft  und  Seegegend    :  sehr  klein  .■/ 

502,  503    Landschaften  mit  einem  Fluß  und  Schiffen 

504—506    Drey  Landschaften    :  bergicht    klein  :j 

507  Landschaft  mit  einem  Dorf  staffiert 

508  Landschaft  mit  entfernten  Gebürgen 

509  Landschaft  mit  einer  Bauernhütte 

510—512    Drey  Landschaften  /;  Bergicht  .• 

513  Landschaft  j:  gebürgicht  :j 

514  Landschaft  mit  einem  Ufer,  wo  Schiffe  anlanden     

515 — 516    Zwey  Superportalen  mit  2  Landschaften 

*517  Eine  opfernde  Vcstal,  Gräfin  zu  Lodron  en  Portrait,  nun  Stiftsdame  zu  Hall 

518  Drey  Festalen  beym  Opfer 

519  Christus  am  Kreutz  j:  groß  .•/ Ebner 

520  Familie  Christi Rensi 

521  Ein  Frauenzimmer  im  Bette    .■  klein,  en  Miniature  :j 

522  Ein  Frauenbild  j:  alt    auf  Kupfer  ;/ 

523  Familie  Christi • 

524  Kaiser  Karl  6te  /.•  en  Portrait  :i 

525  Kaiserin  Elisabeth,  Karls  6ien  Gemahlin 

526,   527    Zwei  Holländische  Stücke Horemans 

528    Ein  Fruchtstück   ':  groß  :j •. 

529—534    6  Sacramente  auf  Atlas  /.•  groß  :/ Ponsin 

535—544    10  gemahlte  Akten 

545  Auferstehung  Christi  ,:  Skizze  .•/ Troger 

546  Geburt  Christi 

547  Die  Anbettung  des  Heylands  ^on  den  heil  3  Königen 

548  Kaiserin  Maria  Theresia    Franzens  des  /''"  Gemahlin  ,':  Portrait  .•/     

549  Die  Opferung  Maria  im  Tempel 

*550    Maximiliana  Gräfin  von  Firmian,  gebohrne  Gräfin  zu  Lodron  j:  Portrait  :j 

*551    Lactanz  Graf  und  Herr  zu  Firmian     

552  Todes  Reh  /.•  Lebens  Grösse    Studium  .•/ Zanusi 

553  Todes  Gems i^em 

554  Barbara  Gräfin  von  Firmian  jtzt  Gräfin  v.  Thun  ,:  Portrait  .•/ 

555,  556    Zwei  Portraits  j:  unbekannt  .•/ 

557  Kinder  mit  Blumen 

558  Eine  Thier-Hatze , 

559  Maria  Reinigung  im  Tempel 

560  Eine  Graf  in  zu  Lodron  j:  Portrait  ;/ Rensi 


Schloß  Leopoldskron 


297 


561    Ein  gemahlter  Akt 

*562    Joseph  Graf  von  Thun   Fürstbischof  von  Passau  /.■  Portrait  ;/ 

563,  564    Zwei  Portraits  !:  unbekannt  :.      

*565    Eine  Thier  Hatze     

566  Fortuna    Göttin    ':  Skizze  ;/ 

567  Erzengel  Michael  j:  Skizze  ;/     

568  Christliche  Kirche  ;:  allegorisch  ;      

569  Ein  Todenkopf ' 

570,  571     Zwei  Bataillen   ':  groß  ;/ 

Dann    befinden   sich   in    mehreren   Zimmern   548  verschiedene   Zeichnungen    und    kleinere   Portraits,   gezeichnet   von 
Laktanz  Graf  zu  Firmian. 


darinn  befinden  sich 

Abach  Joannes 
Albani  Francesco 
Alberti  Giuseppe 
Alberto  Dtirero 
Albrecht  Baltas.  Aug: 
A  Idegraf  Heinrich 
Allegri  detto  Corregio 
Altomonte  Bartol. 
Altomonte  Martino 
Amiconi 

Anderlini  Pietro 
Arigoni  Veneto 
d'Arpino  Cavagl.  Giuseppe 
Artemisia  Gentelesca 
Aurbach  Jos:  Gottfried 

von  Baien  Henricus 

Balestra  Antonio 

Bandinel  Baccio 

Barbieri  Gio.  Franc. 

Barocci  Federico 

Baroni  Gaspar  Ant. 

Basignano  Domenico 

Basili  Genero 

Bassano  Giacomo 

Batoni  Pompeus 

Besch  Franc.  Joach. 

Bellarite  liinocente 

Beilud 

Benoit 

van  der  Berf 

Bergler  Joseph 

Bergmüller  Joa.  Georg 

de  Bertolli  Daniel 

Bibiena  Aless.  Galt. 

Biblena  Ferd.  Galt. 

Bibiena  Francesco 
i  Bibiena  Gio.  Carlo 
\  Bibiena  Gio.  Maria 
,  Blanchare  Jaques 

von  Bles  Heinrich 

linnarota  Mich.  Angelo 
XI 


Mahler- Gallerte 
.304  Portraits  der  berühmtesten  Mahler  alt  und 
und  Nationen  als: 

Boneti  Veronese 
Borini  Anna 
Borini  Antonio 
Botani  Joseph 
Boulogne,  Louis  de 
Bourguignon 
Brentano  Simon 
Breugel  Petrus 
von  Bronchorst  Jean 
Brouwer  Adrianus 
Le  Brun  Charles 
Brusasorzi 

Calotus  Jacobus 
Cambruzzi  Giacomo 
Campi  Giulio 
Canaletto  Bernardo 
Canaletto  Gio.  Ant: 
Canziani  Gio.  Battista 
Caracci  Agostino 
Caracci  Anibale 
Caracci  Lodovico 
Cariera  Rosalba 
Cassana  Nicola 
Cignano  Carlo 
Clmaroli  Gio.  Batt. 
Comendri  Lorenzo 
Conca  Cavag:  Sebast. 
Conti  Cavag.  Fra. 
Copezky  Giovanus 
Corregio  vid:  Allegri 
Corti  Agostino 
da  Cortona  Pietro 
de  Coster  Adam 
Coypel  Anton 
de  Craier  Caspar 
Crespi  Cavaglier 
Cretti  Donato 
della  Croce  Jo.  Nep. 
della  Croce  Prosp:  Jo  Nep. 

Dancica  Pietro 
Dathan . 


neuer  Zeiten,  verschiedener  Schulten. 

von  Diepenbeke  Abrah. 

Domenichino 

Drogni  Lodovico 

Durach  Jo:  Bapt. 

Durero  Alberto  vid:  Alberto 

van  Dych 

Ebner  Franz  Anton 
Entigazola  Contessa 
Enzlnger  Anton 

Fabro  oder  Quinto  Messis 
Fava  Conte  Ercole  Pietro 
Ferrari  Francesco 
Ferretti  Gio.  Domenico 
Fe  sei  Christoph 
Firmian  Conte  Lactanz 
Filter 

Franc  Fr.  Frid: 
Frank  Franciscus 
Franceschini  Marc  Ant. 
Fnnch  Joseph 

Gabiano 

Gabun  Cavaglier 

Gambara  Lattantio 

van  der  Gest  Cornelia 

Gillo  Senese 

Giordano  Luca 

Giulio  Roman   detto  Giulio  Pippi: 

de  Goez  Baron 

Golzius 

Graff  An  tan 

Grasmayr  J:  G: 

Graziana  Ercole 

Guerfurt  Agostino 

Guglielmi 

Guido-Reni 

Hagenauer  Madam  Rosa 
Heinz  Joseph 
Handhorst  Ger. 

38 


298 


Oerichtsbezirk  Salzburg 


Handl  Massimiliano 

Hauzinger  Joseph 

Hespele 

Hofmann  Baronessa  Fellcita 

Holbein 

Horeb  Benjamin 

Hiigfort  Ignazio 

Hungklinger  Andreas 

Jordaens  Jaques 

Ismann  Venetiano 

Isolani  Conte  Alamano 

Fr.  Julianus  a.  S.  Bassil.  otd.  Cann: 

Kaufmann  Angelica 

Knoller  Martina 

Knoller  Chevalier  oder  Knoller 

Kranzinger  Joseph 

Kunstner 

Lampsonius  Dominicus 

Lazarini  Gregorio 

van  Leyden  Lucas 

Lelli  Ercole 

Leonl  Lodovico 

Liberi  Cavaglier  Pietro 

Lioni  Ottavio 

Litterini  Cattarina 

Lodi  Carlo 

Loidl  Königl:  Pohl:  C:  Mahler 

Longhi  Pietro 

Lorenzo  Fra 

Lot  Carlo 

Lutti  Cavaglier 

Manaigo  Sylvestro 

Maran  Antonio 

Maratta  Carlo 

de  Marees  Georgi 

P.  Masthuber 

Media  Ferdinando  Gran  Principe 

de  Meidens  Martina 

Mengs  Cavalier 

Mettenleiter  J.  Jacob 

Meuzzi  Vincenza 

Michael  Angela  vid.  Bonarata 

Mignard  Pierre 

Milanesi  Isabella 

Mingozzi 

Minozzi  Bernardo 

Maar  Carla 

Morilius  Barthal: 

'Auller  Christian 

Mü'ia    A'lnria  Anna 

Murrari 

MuHo  Bu'iog/iesc 

Nanelti 
iCazzari  Bartol: 


de  Neve  Francais 
Nocarina  Dyonisio 
Nogari  Giuseppe 
P.  Norbertus  a  Viena 
van  der  Nort  Adamus 

V.  Obersdorf  Gräfin 
Obstat 
Ongaro  üio: 
Onterberger  M:  Aug: 
Orient  Gioseppe 
Orlando  Stephano 
Orsani  Gioseppe 

Paglia  il  giavine 

Paglia  il  vechio 

Palelio 

Palma  Giacomo 

Panel  Paolo 

Parrocel 

Paulo  Veronese 

Payer  Caspar 

Pechio  Domenico 

Pessi  Prospero 

Piattoli  Gaetano 

Piattoli  Mar.  Anna 

Piazzeita  Gio.  Battista 

Pippi  Giulio   detto  Gio.  Rom: 

Pittoni  Gio.  Batlista 

Pachetti  Senese 

Poksberger  Ja. 

Polak  Marl.  Theoph. 

P:  Pazzi  Jesuit 

Prand  Christian 

Prandel 

Preusler  Gio.  Just. 

Prusaferra 

de  Pucci  Gio.  Ant. 

de  Purgan  F.  M.  S. 

Pustera  Paolo 

Quelinus  Erasmus 

Quinta  Messis   detto  il  Fabro 

Raphael  d'Urbino  Orig. 
Raphael  d  Urbino  Cap. 
Rembrand 
Rensi  Andrea 
Rensi  Ja.  Battista 
del  Ri  Gaspero 
Richter  David 
Ridinger  Ja.  Elias 
Riga  Monsieur 
Rizzi  Sebastiana 
Rongalli  Christoph 
Rassi  Antoni 
Rotmayr  Jo.  Bapt: 
Rattari  Pietro 


Rubens  Pietro  Paolo 
Rugendas  Georg  Phil. 

Sacchi  Andreas 

Saiter  Daniel 

Saluzzl  da  Firali 

de  Sandrat  Joachimus 

de  Sandrat  Susana 

Sansan  Giuseppe 

Santini  Lucretia 

Santino  Bolognese 

Scamann  Joseph 

Schaepf  F.  J. 

Schmid  Martin 

Schwarz  Christoph 

Screta  Carla 

Sewin  Claud.  Alb. 

Seybaldt 

Signorini  Bartol. 

Simonini  Francesco 

Siries  Violante  nee  Porroii 

Snelin.x  Gio: 

Sniders  Frances: 

Soderini  Mauro 

Soenfeld  Gio: 

dal  Sole  Anna  Marie 

dal  Sole  Gio.  Ginseppe 

Salimena  Francesco 

de  .StaWent  Adrianus 

Strasburger 

Strudl  Cavaglier 

Surmana  Anna 

Suttermanns  Justus 

Tasea  da  Viterbo 

Te.npesta  Cavaglier 

Teniers  David 

Testa  Pietro 

Tiepollo  Giovanni  Battista 

Tintoretta  Marietta 

Tintaretto 

Tischbein  J.  H. 

Titiano  Vecellio 

Torelli  Feiice 

Torelli  Lucia 

Trevisani 

Trivisan  Angialo 

Troger  Paolo 

del  Vaga  Pierino 
Vaini 

Van  Dych  Anton 
Varotti  Antonio 
Vasari  üiorg:  d'Aretsa 
Vassilaschi  Antonio 
Vello  Domenico 
Vicentini  Antonio 
Vittali  Candida 


Schloß  Leopoldskron 


299 


Vleiighels  Nicola 
Umstatt.  F.  G. 
Voltolini  Andrea 
de  Vos  (jiigüelmo 
de  Vos  Martino 

Wadersgotit  Friderico 
Waldmann  Michael 


Welskirchner 
Wlmpp  Johannes 
Winter 
Wolfart  Artus 

Zanchi  d'Este 
Zannonl 
Zanusl  Jacob 


Zanotti  Gio.  Pletro 
Zell  Gottfried 
Zeller  Anton 
Zeni  Joh.  Bapt 
Zlgnaroli  Francesco 
Zochi  Giuseppe 
Zucharell  Francesco 

2  Portraits  sind  unbekannt. 


Anhang 
derjenigen  Gemähide,  welche  dem  dermahligen  Besitzer  elgenthümlich  gehören  als 

1  Jakob  und  Esau  /.•  groß  ;/ Bergler 

2  Eine  Landschaft Saftleben 

3  Das  Paradies     Bergler 

4  Portrait    :  klein,  unbekannt  ;/ 

5  Portrait  eines  Ritters  j:  alt  deutscher  Tracht  :j , Sandrat 

6  Mutter  Gottes  ,:  Brustbild  :      Zlgnaroli 

7  dto.  Salwiati 

8,  9    Ein  Mannskopf  und  ein  Altweiber  Kopf    :  Studium  ;/ 

10  Portrait  eines  Frauenzimmers  alt  deutscher  Tracht   ':  unbek.  :j 

;/,  12    Pferdstück Hamilton 

13,  14    Zwei  holländische  Stück Cuigers 

15,  16    Landschaften  mit  Menschen  und  Pferden Burgau 

17  Mutter  Gottes    :  klein  ;/ Carlo  Maratta 

18  Ein  Mutter  Gottes  Bild    :  halb  Fig  :l Carlo  Dolce 

10  Salvator  Mundl  ,.•  ganze  Fig  : Bergler 

20  Christus  am  Kreutz  mit  Maria,  Johannes  und  Magdalena     Italiän.  Schult 

21  Ein  alter  holländischer  Bauer,  der  Tobak  raucht    :  Lebensgroß  ;/ Brouber 

22  Ein  Frucht  Stiick Dupuls 

23—25    Drei  halbe  Figuren  j:  Studium  ;/ 

26,  27    Ein  Alter  /.-  halb  Fig:  Portrait  und  Studium  :j Bergler 

28,  29    Ein  Mädchen  j:  halb  Fig:  Studium  ;      Bergler 

30,  31    Ein  Jud  und  eine  Jüdin    :  holländisches  Stück  ./ 

32  Venus  schlafend nach  Rubens 

33  Das  goldene  Vließ Bergler 

34  Der  Raub  des  Ganlmedes idem 

35,  36    Conversations  Stück  , :  auf  Kupfer  ;      Breenberg 

37  Ein  allegorisches  Stück,  Mahlerey  und  Sternkunde  vorstellend 

38  Danae  oder  der  goldene  Regen Glorgl 

39  Ein  Fisch  schwimmend  in  einem  Wasserschaf  anbey  eine  Henne  j:  Studium  ./ 

40  Portrait  eines  Soldaten  Salzb:  Milltairs Zeller 

41  Portrait  eines  Bauers idem 

42  Portrait  eines  Kapuziners  von  Salzburgischen  Conv Zeller 

43  Portrait  der  Mademoiselle  Amalie  Reischl idem 

44  Portrait  eines  Hirchen    ;  Halb  Figur  Lebens  Größe  :j 

45  Zween  Hunde   ':  Original  ; ' Rubens 

46  Ein  Stück  Thier  mit  einem  Kalb  in  der  Ruhe Enzinger 

47  Ein  Hirsch   der  einem  Thier  nachzieht idem 

48,  49    Jagdstück,  wo  mehrere  Jäger  zu  Pferd  sind Birke 

50  Ein  Jagdhund,  der  einen  Fasan  stehet 

51  Ein  Jagdhund,  der  bey  geschossenen  Federwildbret  liegt 

52—57    Sechs  Thierstück   ':  klein  ; Enzinger 

58  Ein  Jagdhund  bey  einem  geschossenen  Fuchs idem 

59  Ein  Jagdhund  ruhend  bey  einem  geschossenen  Fuchs idem 

60,  61    Zwei  Pferd-  und  Jagdstück  h  klein  :! Hamilton 

62  Ein  Hirsch  und  ein  Thier Enzinger 

38* 


300  Qerichtsbezirk  Salzburg 

63  Zween  Hirchen,  die  miteinander  kämpfen idem 

64  Ein  Mops idem 

65  Ein  Hirsch idem 

66  Zween  Hirschen  nebst  einem  Thier  und  Kalb •  .       idem 

67  Ein  Jagd  und  Thierstück  j:  groß  .■/ 

68,  69    Haase  sitzend 

70  Ein  Jagdhund  mit  toden   Vögeln ■ Hamilton 

71  Ein  Hirich  von  Hunden  verfolgt Ridinger 

72  Ein  Thier  von  Hunden  verfolgt idem 

73  Eine  Bären-Hatze Enzinger 

74  Eine  Wildschwein  Hatze idem 

75  Ein  Hirsch  von  Luchsen  gefangen idem 

76  Ein  Thier  von  Wölfen  gefangen idem 

77  Ein  Damhirsch  nebst  dem  Thiere idem 

78  Zween  Steinböcke idem 

79  Ein  Jagdhund   der  einen  Fasan  steht idem 

80  Zwey  Gemsen Enzinger 

81  Damhirsch  nebst  einem  Thier idem 

82  Ein  dänisches  Hündchen idem 

83  Ein  Thier  allein     idem 

84  Zween  Hirschen  bey  einem  ruhenden  Thier • idem 

85  Ein  Jagd  und  Thier  Stück  ,:  groß  .-; idem 

86  Ein  toder  Hirsch Enzinger 

87  Ein  Jagdhund  in  der  Nähe  eines  Fasans idem 

88  Ein  Hirsch  nebst  einem  ruhenden  Thier idem 

89  Ein  Hirsch   der  einem  Thier  nachzieht idem 

90  Ein  todes  Stück  Thier idem 

91  Ein  todes  Reh  j:  Lebens  Größe  :j 

92  Eine  Wildschwein  Hatze Wachslunder 

93  Eine  Tiger  Hatze idem 

94,   95    Jagdstück  mit  Jägern,  Jagdhunden,  toden  Wildbret  j:  groß  :j 

96,   97    Hirsch  mit  Hunden  forciert Enzinger 

98  Ein  Hirsch    der  einem  Thier  nachzieht 'dem 

99  Ein  Hirsch  nebst  einem  ruhenden  Thier     ....    • ■ idem 

100,  101    Zwei  Landschaften  mit  Bauernhütten  staffiert Schinagl 

102,  103    Zwei  Landschaft  und  Seegegend  mit  Gebäuden  und  schiffenden  staffiert Brand 

104,  105    Zwei  Kinder  Stück Caval.  Liberi 

(Städtisches  Museum  Salzburg,  Nr.  436.) 

Das  Verlassenschaftsinventar  enthält  außer  verschiedenem  Chinesischen,  Wiener  und  anderem  Porzellan. 
Hollitscher  Geschirr,  Englischen  und  ordinären  Zinn,  auch  eine  Reihe  von  Malereien,  die  Franz  Streicher, 
bgl.  Maler,  geschätzt  hat,  von  denen  aber  die  gnädige  Frau  Wittwe  bey  ihrem  Gewissen  betheuerte,  dass 
auch  diese  Gemähide  unter  die  vom  f  zum  Fideicommiss  bestimten  gehören,  so  dass  diese  ganze  Rubrik 
mit  Ausnahme  von  Nr.  24,  welche  nicht  in  Anspruch  genommen  wurde,  aus  dem  Verlassenschafts- 
inventar wieder  ausgeschieden  wurde.    Wir  geben  dieses  Verzeichnis  dennoch: 

//.    kr. 

1  Portrait  des  Bildhauers  Bergmosers 3 

2  Christus  am  Kreuz,  eine  Skizze  von  Altarblatt  im  Mirabell 45 

3  Die  Aufopferung  im  Tempel,  eine  Skizze 1    30 

4  Die  Himmelfahrt  Christi   von  Paul  Troger / 

5  Philippus  Nereus 30 

6  Kaiser  Franz  von  Rensi / 

7  Zxn'ey  Töchter  von  Zanusi 1 

8  Der  hl.  Petrus 45 

9  Iphigenia  ...       2 

10    Skize  eines  AUarblats,  vorstellend  die  triumphierende  Kirche 2    30 


Schloß  Leopoldskron  301 

//.     kr. 

11  Ein  kleines  Fraiienbild  mit  Jesukind    auf  Kupfer      •    .    1    30 

12  Ein  junger  altdeutscher  Portraitkopf  auf  Holz 30 

13  Ein  Portrait  von  Baron  Rott 12 

14  2  Portraits  von  Kaiser  Karl  VI.  und  der  Kaiserin  Elisabeth   zusammen .    .    2 

15  Portrait  Kaiser  Joseph  II. 3 

16  2  Stflcke  zween  Philosophen  vorstellend 2 

17  Die  Geburt  Christi 45 

18  Eine  Landschaft 30 

19  2  Götter  Stücke,  davon  eines  der  Merkur 1    30 

20  Supra  Portastücke  von  Zanusi.  davon  eines  vorstellet  den  Moyses  als  er  im  Pinsenkorbe  gefunden 
wurde,  das  zweite  die  Agar 4 

21  Ein  ruhendes  Kind 45 

22  Ein  geistliches  Historienstück 45 

23  Die  hl.  Theresia ;    30 

24  2  alte  Portrait  im  Zimmer  der  Mama 2  ß 

25  Die  Martirisierung  des  hl.  Bartholomä    auf  Holz /    30 

26  Ein  Frauenbild   von  Rothmayr,  item  Christus  der  Herr  zus 4 

27  Ein  Crucifix   von  Rothmayr ■  ....    2    30 

28  Eine  Skize  von  einem  Altarblat   vorstellend  einen  sterbenden  Heiligen   von  Signarolli /    30 

29  2  große  Fruchtstücke 2    30 

30  2  große  Stücke  von  Alexander  und  Darius 4 

31  Große  Skize  eines  Altarhlats   von  Paul  Troger   die  streitende  und  triumphierende  Kirche  vorstellend    4 

32  Skize  eines  Altarblats  Maria  Himmelfahrt / 

33  Ein  Landschaftsstück  mit  schwarzer  Rahme  und  goldgeschnitzter  Leiste / 

34  Ein  großes  Götterstllck    worauf  Apollo,  Silen  etc 1    30 

35  Ein  großes  Stück,  der  hl.  Veit  von  Rotmair 2 

36  Ein  großes  langlichtes  Stück,  vorstellend  einen  zu  Boden  gestürzten  Mannskörper 1    30 

37  Ein  Rehbock  im  Kleinen    von  Enzinger 1    30 

38  2  große  Stücke   eines  ein  geschossenes  Gams,  das  andere  einen  geschossenen  Rehbock  vorstellend 

von  Zanusi     .    .       5 

39  2    Blumen-Stücke / 

40  Ein  großes  Stück,  eine  gute  Kopie  von  der  Nacht  von  Sandrart  .    .  ■    ■    .       2    30 

41  Die  Verspottung  Christi •  .    .    .  15 

42  2  kleine  Skizen    vorstellend  die  Kirche  und  den  Salvator 30 

43  Eine  kleine  Skize   die  Mutter  Gottes  und  Jesukind ....  12 

44  Eine  große  länglicht  schmale  Skizze  von  einem  Plandfond  vorstellend  die  Seligmachung  und  Verdamung  2 

45  2  Compagnon  Bataillen  Stücke 3 

46  Portrait  eines  Malers 30 

47  Ein  Stück    der  Streit  der  Furien /    30 

48  Portrait  eines  welschen  Kardinals / 

49  Portrait  eines  Altdeutschen 15 

50  Die  hl.  Magdalena 12 

51  Skize  eine  Glorie  vorstellend / 

52  Ein  Apostelkopf 15 

53  Eine  große  Skize  von  Pladfond  in  der  Leopoldskron 1 

54  Auf  einem  Bilde  2  alte  Köpfe 24 

55  Die  hl.  Agatha  mit  entblößtem  Leib   v.  Rotmayr 1    30 

56  Ein  großes  Frauenstück  mit  Jesukind  und  noch  2  Frauenpersonen   von  Albrecht  Dürer   auf  Holz  .    .    3 

57  Ein  mittleres  Portrait  eines  Trinkenden  mit  einem  ganz  goldenen  Rahmel 12 

58  2  Baumschläge 30 

59  2  langlichte  Genius-Stücke 1 

60  Ein  Paulus-Kopf 12 

61  Der  hl.  Hieronymus  in  der  Busse,  ein  akadem.  Akt 45 

62  Ein  Landschaftsstuck  mit  Staffierung  von  Hornvieh 24 

63  Ein  Idealkopf 12 

Zusamen  91  fl.  45  kr.  2  ß. 


302 


Qerichtsbezirk  Salzburg 


Laktanzens  Bibliothek,  aus  143  teils  größeren,  teils  kleineren  auch  gar  kleinen  Werken,  dann  710 
Folio-,  Quart-,  Octav-  und  Duodezbänden  bestehend,  übernahm  um  den  Pauschalpreis  von  1000  fl. 
Dompropst  Vigil  Maria  Fürst  Firmian,  ebenso  um  500  fl.,  die  in  43  Theken  resp.  Bänden  gesammelten 
Kupferstiche;  auch  deren  Einverleibung  in  das  Fideikommiß  hatte  Laktanz,  wie  aus  der  Einholung 
der  hf.  Erlaubnis  hervorgeht,  ursprünglich  geplant,  im  Testament  aber  hat  er  es  dann  —  ob  aus 
Versehen  oder  absichtlich,  ist  unbekannt  —  nicht  erwähnt. 
Die  vielen  in  großen  gipsenen  Köpfen  und  anderen  derley  Figuren  bestehenden  römischen  antiquen 
Abgüsse  sind  nicht  spezifiziert  und  mit  30  fl.  angeschlagen.  Die  römischen  Münzen,  zusammen  38  Lo 
Silber  wiegend,  werden  versteigert. 

Aus  dem  Übrigen  sei  noch  hervorgehoben: 

/  ßcce  Homobild  mit  einem  ganz  goldenen  Ramel,  so  zwar  100  Dukaten  wiegt,  aber  die  gnädige  Frau  Witwe  if, 
Händen  hat,  und 

eine  kostbare  durc/i  Jemand  aus  der  gräflichen  Familie  v.  Firmian  einst  auf  dem  Turnier  als  ein  Siegpreis  erfochiem 
ungefähr  fingerlange  Perl,  so  einen  Wassermann  vorstellet.  Der  Werth  hlevon,  da  sie  hier  niemand  zu  schätzen  in 
Stande  ist,  bleibt  bis  auf  eine  zur  Versilberung  etwa  glücklich  sich  ergebende  Gelegenheit  noch  zur  7-eit  unbestimmt 


Fig.  269    Leopoldskron.   Ansicht  von  Süden  (S.  303) 


Lage. 


•■!:,'.  268  {f. 

Gharnkt''- 


Lage:  Das  Schloß,  das  als  der  größartigste  profane  Rokokobau  des  Landes  angesprochen  werden  darf, 
liegt  in  landschaftlich  bezaubernder  Umgebung  malerisch  am  Nordufer  eines  großen  langgestreckte5 
Weihers,  1  km  südlich  vom  Mönchsberg,  im  flachen  „Leopoldskroner  Moos".  Alleen  mit  großen  alt 
Bäumen  führen  zur  Stadt  (Fig.  268  ff.). 

Charakteristik:  Prächtiger  rechteckiger  Rokokopalast  mit  gegiebelten  dreifenstrigen  Mittelrisaliten 
an  den  beiden  Langseiten,  von  1736  bis  etwa  1740  erbaut  von  P.  Bernhard  Stuart  und  Johann 
!\  lebe  r,  mit  reichem  Stukkaturschmuck. 

Ansclieineud  war  ursprünglich  nur  der  gegiebelte  Mittelrisalit  dreistöckig,  der  jetzige  dritte  Stock  jedocl 
nur  mansaidiert  und  wurde  erst  am  Ende  des  XVIIl.  Jhs.  in  seiner  heutigen  Form  ausgebaut.  Leide 
geben  uns  keine  alten  Ansichten  über  den  ursprünglichen  Bestand  genaue  Auskunft.  Das  Bild  im  Fest 
saal  scheint  in  dieser  Hinsicht  wenig  genau. 


Schloß  Leopoldskron 


303 


Der  Hauptraum  ist  der  die  Mitte  einnehmende,  durcli  die  beiden  Stockwerke  durchgehende  prächtige 
Festsaal.  Reich  geschmückt  sind  auch  die  große  Kapelle  im  Erdgeschoß  und  das  vornehme  Stiegenhaus, 
die  geräumigen  Zimmer  haben  schön  stukkierte  Decken  und  große  Öfen. 

Die  ganz  vorzüglichen,  zum  großen  Teil  von  Johann  Kleber  herrührenden  Plafondstukkaturen 
sind  das  Beste,  was  das  Land  an  Werken  der  Stukko-Kunst  des  frühen  Rokoko  aufzuweisen  hat. 

Äußeres  (Fig.  269— 273): 

Nördliche  Langfront  (Fig.  270).  Gegen  den  Mönchsberg  zu  gewendet.  Horizontal  gegliedert  durch 
Parallelfugen  in  dem  oben  durch  ein  Traufgesims  abgeschlossenen  Erdgeschoß,  durch  ein  den  obersten 
Stock  abtrennendes  starkes  Gebälk  mit  glattem  Fries  und  vorkragendem  profiliertem  Gesims,  sowie  durch 
ein  weniger  vorspringendes  Abschlußgesims  mit  aufgesetzter  Attika   Die  Vertikale  wird  betont  durch  die 


Äußeres. 

Nördliche 
Langfront. 
Fig.  270. 


Fig.  270    Leopoldskron.    Nordfassade  (S.  303) 


Pilastergliederung  des  nur  wenig  vorspringenden,  dreifenstrigen  Mittelrisalits  und  durch  die  zwei  Flach- 
pilasterpaare,  welche  die  zweifenstrigen,  noch  schwächer  vortretenden  Seitenteile  in  den  beiden  Haupt- 
geschossen einfassen. 

Im  Erdgeschosse  in  der  Mitte  eine  rechteckige  Tür  zwischen  zwei  großen  Fenstern,  alle  drei  mit  halb- 
kreisförmigen Oberlichtfenstern;  die  Fenster  haben  schöne  schmiedeeiserne  Gitter  (um  1740),  das  über  der 
Tür  enthält  das  bekrönte  Wappenschild  des  Erbauers,  Erzbischofs  Leopold  Anton  Grafen  Firmian.  Diesen 
drei,  durch  gefugte  Breitpilaster  geschiedenen  Öffnungen  ist  eine  vorne  auf  vier  starken  quadratischen 
Pfeilern  ruhende  Altane  vorgebaut,  die  mit  einem  von  drei  rundbogigen  Stichkappenpaaren  eingeschnittenen 
Tonnengewölbe  unterwölbt  ist,  sich  nach  außen  mit  Rundbogen  öffnet  und  oben  über  profiliertem  Gesimse 
eine  Marmorbalustrude  trägt.  Daneben  im  Erdgeschosse  je  fünf  oblonge  Kellerfenster  und  darüber  große 
Parterrefenster  in  profilierten  Verputzumrahmungen  mit  Schlußstein,  mit  schönen  schmiedeeisernen  Gittern. 


304 


Gericlitsbezirk  Salzburg 


l'ig.  271.  Im  Mittelrisalit  über  der  Altane  (Fig.  271)  eine  durch  die  zwei  Hauptgeschosse  gehende  Ordnung  von 
vier  Flachpilastern  aus  rötlichem  Marmor  mit  stukkierten  Volutenkapitälen,  über  denen  sich  der  profilierte 
Architrav  und  der  glatte  Fries  verkröpfen.  Dazwischen  drei  rundbogige  Türen  in  Verputzumrahmung  mit 
reich  stukkierter  flachbogiger  Verdachung,  darüber  drei  wellenförmig  abgeschlossene  Oberlichtfenster  mit 
aufgebogener  marmorner  Sohlbank,  in  hübscher  stukkierter  Umrahmung. 


Fig.  271     Leopoldskron.   Mittelrisalit  der  Nordfassade  (S.  304) 


In  dem  von  zwei  Profilvoluten  flankierten  Giebelgeschosse  des  Mittelrisalits  ein  flachbogiges  und  zwei 
rechteckige  Fenster,  in  stukkierter  Umrahmung  mit  reichen  Verdachungen.  Das  höhere  Mittelfenster  wird 
Üankiert  durch  zwei  Pilaster  mit  stukkierten  Volutenkapitälen,  über  denen  ein  profiliertes,  seitlich  mit 
konkav  gebogenen  Schenkeln  sich  senkendes  Gesims  aufruht.  Kräftig  ausladendes  profiliertes  Abschluß- 
s,^csinis,  an  drn  Seiten  eingebogen,  in  der  Mitte  im  Halbkreis  aufgebogen.  Im  Bogenfeld  das  große  Stuck- 
wappen der  Grafen  Firmian  in  reichverzierter  Kartusche,  von  Blechkrone  bekrönt. 

Neben  dem  Mitteirisalit  beiderseits  je  fünf  Fenster.  Die  besonders  großen  im  I.  Stock  haben  profilierte 
Si)iilbänke    und    reich    stukkierte  Verdachungen,   deren  Formen    bei    den    beiden  Seitenrisaliten    variiert 


Schloß  Leopoldskron 


305 


sind.    Die  niedrigeren  Fenster  des  II.  Stockes  haben  einfachere  stukkierte  Umrahmungen  mit  Schlußstein. 
Die  Umrahmungen  der  quadratischen  Fenster  des  III.  Stockes  entsprechen  den  einfachen  des  Erdgeschosses. 


Fig.  272     Leopolilskrun.   Ansicht  von  Südosten  (S.  305) 


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Fig.  273    Leopoldskron.    Ansicht  von  Süden  (S.  308) 

Östliche  SchmaUront  (Fig.  272):  Gliederung,  Fensterformen  und  Umrahmungen  entsprechen 
denen  der  beiden  Seitenrisalite  im  N.  In  jedem  der  vier  Geschosse  vier  Fenster.  Im  Hauptteile  an  den 
Ecken  und  in  der  Mitte  je  eine  Lisene.    Entsprechende  Lisenen  im  III.  Stockwerke. 

XI  39 


Östliche 

Schmalfront 

Fig.  272. 


30G 


Gericlitsbezirk  Salzburg 


Fig.  274    Leopolciskron.   Grundriß  im  Erdgeschoß  1:300  (S.  308) 


Fig.  275    Leopoldskron.   Grundriß  im  I.  Stock  1 :  300  (S.  308) 


Schloß  Leopoldskron 


307 


JIIIHIilll 


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Fig.  276    Leopoldskron.  Querschnitt  1  ;  150  (S.  308) 


39» 


308 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Südl.  Lang-      Südliche  Langfront  (Fig.  273):  Gegen  den  Weiher  und  den  Untersberg  zu  gerichtet.  Die  Gliederung 
front.  Fig. 273.     jg^  genau  die  gleiche  wie  im  N. 

Westliclie 
Schmalfront. 


Westliche  Schmalfront:  Ebenso  gegliedert  wie  die  Ostseite. 


Inneres.  I  n  n  e  r  e  s  (Fig.  274  ff.) : 

Fig.  277.  Im  Erdgeschoß  in  der  Mitte  große  rechteckige  Halle  (Fig.  277)  mit  flachem,  von  je  drei  rundbogigen 
Stichkappen  eingeschnittenem  Spiegelgewölbe.  Im  O.  und  W.  in  der  Mitte  in  rundbogiger  Nische  je  ein 
Kamin  in  roter  Marmorumrahmung,  darüber  an  der  Wand  stukkierte  Rocaillen.  An  den  Seiten  daneben 
im  O.  zwei,  im  W.  eine  rechteckige  Tür  in  Umrahmung  von  poliertem  Untersberger  Marmor,  oben  Giebel 
mit  ovalem  Mittelstück,  Seitenvoluten  und  flachbogigem  Gesims.  An  der  Decke  vielfach  geschwungener 
stukkierter  Rahmen,  darin  oberhalb  der  beiden  Ampeln  stukkierte  Rocaillenornamente. 


Fig.  277    Leopoldskron,  Halle  (S.  308) 

Im  W.  führt  das  Portal  auf  der  Weiherseite  in  die  Kapelle,  eine  rundbogige  Öffnung  auf  der  Landseite 
zu  einem  kurzen  Gang,  dessen  von  rundbogigen  Stichkappen  eingeschnittenes  Tonnengewölbe  mit 
stukkierten  Band-  und  Gitterwerkornamenten  verziert  ist  (gelb  und  rosa  gefärbelt  auf  weißem  Grunde). 
Am  Ende  dieses  Ganges  im  S.  und  W.  je  eine  Tür  in  gleicher  Marmorumrahmung  wie  die  drei  in  der 
Halle.  Durch  die  westliche  kommt  man  in  drei  kleinere  Räume  und  in  die  große  Küche,  alle  eingewölbt 
mit  Tonnen  mit  durchlaufenden  rundbogigen  Stichkappen;  die  Küche  enthält  einen  großen  und  einen 
kleinen  Ofen,  beide  mit  der  alten  Kaminänlage,  außerdem  ein  großes  Waschbecken  aus  einem  Marmor- 
monolith. Die  zweite  Tür  im  S.  führt  zu  dem  tonnengewölbten  Kellergang  hinab,  die  zwei  rundbogigen 
Öffnungen  daneben  zum  Stiegenhaus. 

Durch  die  erste  Tür  im  O.  gelangt  man  zunächst  in  einen  flachgedeckten  Vorraum  und  weiterhin  in  vier 
Zimmer,  zwischen  denen  die  jetzige  kleine  Küche  liegt,  alle  mit  flachen  Decken. 


* 


Schloß  Lcopoldskroii 


309 


Kapelle: 

Im  Erdgeschoß,  im  südwestlichen  Teil  gelegen,  durch  eine  Marmortür  von  der  Halle  aus  zugänglich, 
durch  zwei  Geschosse. gehend,  im  Grundriß  rechteckig.  Im  O.  und  W.  je  eine  Tür,  im  S.  je  zwei  Fenster 
oben  und  unten.  An  den  Wänden  zwölf  vergoldete  Weihekreuze  in  stukkierten  Rahmen,  davor  schmiede- 
eiserne Wandleuchter.  An  der  Südwand  oben  balkonförmiges  eingebautes  Oratorium,  Holz,  weiß 
stukkiert,  mit  gelb  und  rosa  gefärbelten  reichen  Stuckornamenten;  der  flache  Boden  wird  in  der  Mitte 
von  zwei,  an  den  Seiten  von  je  einer  Konsole  getragen.  Ober  der  Brüstung  an  den  Seiten  zwei  in  drei 
Seiten  des  Achteckes  geschlossene  Logen,  in  der  Mitte  ein  rechteckiger  Logenaufbau  mit  je  drei  recht- 
eckigen   Öffnungen    und    geschnitzten,    gelb    bemalten    ornamentalen   Aufsätzen    (Forster.   Taf.  12).   — 


Kapüllc. 


Fig.  278    Leopoldskron.   Gewölbe  der  Kapelle  (S.  309) 

Spiegelgewölbe  (Fig.  278),  jederseils  von  zwei  rundbogigen  Stichkappen  eingeschnitten;  die  Zwickel 
ruhen  auf  Konsolengesimsen  mit  stukkiertem  Gitterwerkbehänge.  —  In  der  Mitte  ein  Decken- 
gemälde (s.  unten)  in  geschwungenem  Stuckrahmen.  Die  übrigen  Flächen  des  Gewölbes  sind  reich 
verziert  mit  blaßgelb  und  hellrosafarbig  getönten  Stuckornamenten  (Muschel-,  Band-  und  Gitterwerk)  auf 
weißem  Grunde.  In  vier  Kartuschen  sind  kirchliche  Geräte  dargestellt.  In  den  vier  Bogenfeldern  der  Wände 
im  W.,  N.  und  O.  sind  oben  in  stukkierten  Rahmen  vier  Ölbilder,  die  Evangelisten -(s.  unten)  angebracht. 
In  dem   aus  roten  und  gelben  Mar-  COR  Westlich  neben  der  Kapelle 

morplatten  bestehenden  Boden  ist  in  LEOPOLDI  FIRMIANI  liegt  die  niedrigere  kleine 

der  Mitte  eine  ovale  graue  Marmor-    ARCHIEPISCOP^USAUSB^^^  Sakristei;  flachbogiges  Ton- 

platte  eingelassen,  die  in  eingelegten  QUEM  AMAVERAT  nengewölbe  mit  zwei  durch 

Messingbuchstaben  die  Inschrift  trägt:  QUIESCIT.  laufenden  Stichkappen. 


Fig.  278. 


310 


Qerichtsbezirk  Salzburg 


Einrichtung. 

Altar. 
Fig.  279. 


Einrichtung: 

Altar  (Fig.  279):  An  der  Nordwand  in  der  Mitte.  Auf  zwei  Stufen  aus  hellem  Marmor  geschwungene 
Mensa  aus  rot  und  gelb  gesprenkeltem  Marmor,  mit  Eckvoluten.  Auf  der  aus  rötlichem  Marmor 
bestehenden  Leuchterbank  steht  in  der  Mitte  ein  kleines  Tabernakel  aus  grüngelbem,  grau  gesprenkeltem 
Marmor,  mit  rundbogigem  Türchen  und  drei  applizierten  Cherubsköpfchen  aus  vergoldetem  Holze;  auf 
der  Bedachung  vergoldeter  Weltapfel  mit  Kreuz. 


Fig.  279    Leopoldskron.   Altar  mit  Gemälde  von  F.  A.  Ebner,  17-10  (S.  310) 

Wandaufbau,  aus  sechs  verschiedenfarbigen  Marmorsorten  hergestellt:  Neben  der  Predella  (aus  rotem 
Marmor)  auf  schräg  auswärts  gestellten  Postamenten  zwei  Volutenkonsolen  mit  applizierten  Verzierungen 
(Holz,  vergoldet). 

Großes  Altarbild  in  profiliertem  Rahmen  aus  grauem  Marmor,  flankiert  von  zwei  schräg  gestellten 
Pilastern  (aus   rot,   gelb,   grau   gesprenkeltem  Marmor),    mit   vergoldeten    hölzernen    Kompositkapitälen. 


Schloß  Leopoldskron 


311 


Darauf  je  ein  Gebälkstück  mit  geschweiftem  Giebelansatz;  über  dem  Aitarbilde  rundbogiges  Gesims.  Als 
Aufsatz  große  plastische  Gruppe  (s.  unten). 

Skulpturen:  Alle  Holz,  ganz  vergoldet.  Vor  den  Pilastern  die  lebensgroßen  Statuen  zweier  bärtiger 
römischer  Krieger  in  Panzer,  Mantel,  Helm.  Links  St.  Donatus,  mit  Blitzbündel  und  Schwert;  rechts 
St.  Florian,  mit  Wassereimer  und  Lanze.  Über  dem  Altarbilde  Gott-Vater  mit  Zepter  und  Weltkugel,  auf 
Wolken  thronend,  umgeben  von  Cherubsköpfchen  und  Putten.  —  Sehr  gute  Arbeiten  vom  Jahre  1740. 
Altarbild:  Öl  auf  Leinwand,  zirka  350  X  200  cm.  Unter  einem  von  zwei  schwebenden  Putten  gehaltenen 
hellgrünen  Baldachin    thront   auf   einem    hohen  Postamente   zwischen   zwei  Säulen  die  hl.  Jungfrau  mit 


Fig.  280    Leopoldskron.   Christus  und  die  Samaritcrin 
am  Brunnen,  von  Rensi,  um  1740  (S.  311) 


dem  segnenden  Kinde  auf  dem  Schöße.  Hinter  ihr  zwei  Engel.  Vorne  links  steht  der  Gründer  Salzburgs, 
der  hl.  Rupert,  in  bischöflichem  Ornat,  mit  der  rechten  Hand  auf  die  Madonna  hinweisend.  Rechts  kniet 
auf  einer  Stufe  der  Namenspatron  des  Erbauers,  der  hl.  Babenbergermarkgraf  Leopold,  ein  graubärtiger 
Oreis  im  Harnisch,  mit  rotem  hermelinverbrämtem  Mantel.  Vor  ihm  liegt  die  blaue  Fahne  mit  den 
goldenen  Lerchen  von  Niederösterreich  und  darauf  die  Fürstenkrone.  Gutes  Bild,  signiert:  Franc: 
Anton:  Ebner  Salisburgensis  fecit  1740. 

Zum  Altar  gehören  vier  Ziervasen  und  sechs  reich  geschnitzte,  mit  Helm  und  Krone  geschmückte  Leuchter, 
Holz,  vergoldet,  um  1740;  drei  Kanontafeln  in  vergoldetem  klassizistischem  Rahmen,  Ende  des  XVIII.  Jhs. 

Gemälde:  Öl  auf  Leinwand.  Vier  zusammengehörige  Bilder,  220  X  145.  —  1.  Christus  und"  der  Haupt- 
,mann  von  Capernaum.  —  2.  Christus  heilt  einen  Stummen.  —  3.  Christus  heilt  einen  Blinden.  — 
4.  Christus  und    die  Samariterin  am  Brunnen  (Fig.  280). 


Gemälde. 


Fig.  280. 


312 


Gcriclitsbezirk  Salzburg 


Zwei  ebenso  große  Gegenstücke.   —  5.  Der  hl.  Johann  von  Nepomuk  wird  von  zwei  Schergen  von  der 

Brücke  herabgestürzt.   —  6.  Der  hl.  Petrus  von  Alcantara,   ein    bartloser  Franziskanermönch    mit   einem 

Kreuze  im  Arm,  auf  einer  Wolke  kniend,  von  einem  Engel  unterstützt. 

Alle    sechs    Bilder    in    gleichen    schwarzen    Holzrahmen    mit    vergoldeter   Innenleiste    und   vergoldeten 

Zieraten. 

Oben  in  den  Bogenfeldern  vier  Bilder  in  stukkierten  Rahmen,  die  Halbfiguren  der  Evangelisten:  7.  Lukas, 

8.  Matthäus,  9.  Markus,  10.  Johannes  (Förster,  Taf.  13,  14). 


1-::,  2S!. 


Fig.  281     Leopoldskron.    Kapelle,  Kruzifix  (S.  312) 

Alle  10  Bilder  tüchtige,  sehr  gut  erhaltene  Arbeiten,  um  1740,  von  Rensi  (Hobner  1,  438). 

11.  Deckenbild,  der  Glaube,  eine  auf  Wolken  thronende  Frau  mit  Kelch  und  Kreuz,  umgeben  von   drei 

Engeln,  Putten  und  Cherubsköpfchen.    Gute  Arbeit  um    1740,  nach   Hübner  I,  438  von  Franz  Anton 

Ebner,  nach  dem  Kataloge  (S.  289)  von  Rensi. 

Die  einfach  verzierten  Kirchenbänke  und  die  Sakristeischränke  sind  aus  ungestrichenem  Eichenholz  her- 

?:c^lellt.    .\uf   dem  Aufsatz   des   großen  Sakristeischrankes    sehr   gutes  Kruzifix,  Holz,^  geschnitzt  (Figut 

-2  cm    hocU),   um    1740   (Fig.  281).    —  In    der  Sakristei    kleines    rahmenloses  Gemälde,  47  X  35,   eine 

slohende  Heilige  (S.  Rrigitta?),  mit  einer  brennenden  Kerze  in  der  Hand.    Gute  Arbeit  um  1740,  in  dei 

Art  "des  Rensi. 


Schloß  Leopoldskrori 


313 


In  der  Kapelle  hängt  die  vom  Erzbischof  Leopold  Anton  Eleutherius  Freiherrn  von  Firmian  ausgestellte 
Urkunde,  wornach  die  Kapelle  im  Jahre  1744  am  26.  Mai  in  dem  von  ihm  ganz  neu  erbauten  Schlosse 
Leopoldskron  zu  Ehren  der  hl.  Maria  und  der  Hl.  Rupert  und  Leopold  geweiht  wurde. 

Das  Stiegentlaus,  das  durch  alle  vier  Geschosse  hindurchgeht,  ist  sehr  geräumig  angelegt  und  prächtig 
verziert.  Eine  bequeme  Treppe  mit  niedrigen  Stufen  aus  grauem  Kalkstein  führt  mit  neun  Absätzen  empor. 
In  der  Mitte  je  vier  quadratische  Pfeiler  mit  profilierten  Kapitälgesimsen,  mit  rosafarbigem  Kunstmarmor 
verkleidet,  durch  sehr  schön  gearbeitete  ansteigende  Balustraden  aus  gelblichem  Untersberger  Marmor  und 


Stiegenhaus. 


Fig.  282    Leopoldskron.   Gewölbestukko  im  Stiegenliause  (S.  313) 


oben  durch  ansteigende  Flachbogen  verbunden;  über  den  Treppen  ansteigende,  über  den  Absätzen  gerade 
Tonnengewölbe,  eingeschnitten  von  durchlaufenden  Stichkappen.  Gewölbe  und  Bogenlaibungen  sind  durch- 
aus reich  verziert  mit  stukkiertem,  blaßgelb  und  blaßrosa  gefärbtem  Gitter-  und  Bandwerk  (Forster, 
Taf.  21 — 25)  (Fig.  282).  An  den  Wänden,  den  Pfeilern  entsprechend  und  mit  ihnen  durch  abgeschrägte 
Bogengurten  verbunden,  Pilaster  aus  rosafarbigem  Kunstmarmor,  mit  profilierten  Kapitälgesimsen;  die  Sockel 
und  verbindenden  Gesimsestreifen  sind  aus  echtem  rötlichgelbem  Marmor.  Auf  dem  kurzen  Gang  im 
I.  Stockwerk  im  O.  und  W.  je  eine  große  Tür  in  profilierter  Umrahmung  aus  rot  und  gelb  gesprenkeltem 
Marmor;  über  dem  mit  Kunstmarmor  verkleidetem  Mittelpilaster  zwischen  den  beiden  Fenstern  stukkierte 
bekrönte  Kartusche  mit  den  Initialen  LC.  —  Am  Gang  im  II.  Stock  im  O.  und  W.  zwei  ganz  ähnliche 
XI  40 


Fig.  282. 


314 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Türen  wie  unten,  aber  aus  Kunstmarmor;  darüber  zwei  Wappenkartuschen  der  Firmian  (Holz,  vergoldet). 
Über  dem  Mittelpilaster  stukkierte  Kartusche  mit  den  Initialen  LA  (Leopold  Anton).  Im  dritten  Stock- 
werk sind  die  Mittelpfeiler  durch  Postamente  ersetzt.  Die  Wände  in  diesem  obersten  Teile  des  Stiegen- 
hauses sind  gegliedert  durch  ein  System  von  zwei  übereinanderstehenden  Pilastern  aus  Kunstmarmor, 
unten  breitere  Pilaster  mit  Kapitäigesimsen,  durch  ein  breites  Gesims  verbunden,  darüber  schmälere 
mit  stukkierten  ionischen  Kapitalen,  auf  denen  ein  vorkragendes  profiliertes  Hohlkehlgesims  (aus  rotem 
Kunstmarmor)  aufruht.  Die  spiegelgewöibte  flache  Decke  des  Stiegenhauses  ist  geschmückt  mit  einem 
geschwungenen  Rahmen  in  der  Mitte  und  stukkierten  Ornamenten  an  den  Seiten.  Die  beiden  Türen 
des  obersten  Absatzes  haben  Holzumrahrhung. 


Fig.  283    Lcopoldsicron.   Festsaai  (S.  314) 


Festsaal. 

Fig.  283. 


l-iv;.  284. 


Fic 


2iilaidc. 


Festsaal  (Fig.  283):  Der  prächtigste  Raum  des  Schlosses  ist  der  mit  besonderem  Prunk  ausgestattete 
große  Saal,  der  in  der  Mitte,  oberhalb  der  Halle  liegt  und  durch  zwei  Stockwerke  durchgeht.  Der  Boden 
ist  mit  quadratischen  roten  und  gelben  Marmorplatten  belegt.  Weiß,  Rosa  und  Gold  sind  die  den  farbigen 
Eindruck  der  Wandgliederung  bestimmenden  Farben.  Die  beiden  Langwände  einerseits  und  die  beiden 
Schmalwände  anderseits  sind  in  ganz  symmetrischer  Weise  gegliedert.  —  O.  und  W.  (Fig.  285):  In 
der  Mitte  je  ein  prachtvoll  gemeißelter  Kamin  aus  rot  und  gelb  gesprenkeltem  Marmor  mit  Seiten- 
voluten und  geschwungenem  Gesims.  Innen  verkleidet  mit  Delfter  Fayence-Kacheln;  trefflich  gearbeitete 
sciimiedeeiserne  Rückwand  mit  dem  Firmianwappen  (Fig.  284).  Darüber  in  vergoldetem  Stuck  Fächer 
mit  Krone  und  Gitterwerk,  flankiert  von  zwei  Voluten  aus  rosafarbigem  Marmorstuck.  Darüber  je  ein  sehr 
großes  Gemälde  (Öl  auf  Leinwand)  in  grau  marmoriertem  Stuckrahmen  mit  vergoldeten  Zieraten. 

Gemälde  im  W.  (Fig.  285):  Allegorie.  In  der  Mitte  sitzen  Laktanz  Freiherr  von  Firmian  und  seine 
Gemahlin  Maximiliana  geborne  Gräfin  Lodron.  Rechts  steht  ein  zweiter  Firmian,  in  Harnisch  und  Purpur- 
montel,  die  rechte  Hand  auf  ein  Rutenbündel  stützend.    Hinter  ihm  ein  Knabe  mit  einem  Hund.   Hinter 


Schloß  Leopoldskron 


315 


dem  Paare  ein  weiblicher  Genius,  links  Herkules  mit  dem  Löwen,  rechts  Pomona  mit  Fruchtkorb.  In 
der  Mitte  thront  auf  einer  Wolke  Minerva,  die  einen  Putto  lesen  lehrt.  Oben  Chronos  mit  der  Sense, 
ein  Jüngling  mit  einem  Rad  und  ein  Genius  mit  einem  Kranz  in  der  Hand.  Links  auf  der  Attika 
einer  Säulenhalle  zwei  blasende  Trompeter  und  eine  Dienerin.  Beide  Bilder  gute  Arbeiten  von  Rensi, 
um  1740. 

Gemälde  im  O.  (Fig.  286):  Erzbischof  Leopold  Graf  von  Firmian  überreicht  seinem  Neffen  Laktanz 
Freiherrn  von  Firmian  die  Fideikommißurkunde  von  Leopoldskron.  Ober  dem  in  der  Cappa  magna  der 
Legaten  thronenden  Erzbischof  schwebt  Minerva  herab,  mit  Schild  und  Ölzweig  in  den  Händen.  Neben 
dem  gepanzerten  Neffen  steht  Merkur  mit  dem  Schlangenstab.  Rechts  im  Vordergrund  zwei  Pagen  und 
eine  weiße  Dogge.   Im  Hintergrund  erblickt  man    Schloß  Leopoldskron,   in  anderer  Form  als  heute,  der 


Gemälde. 
Fig.  286. 


Fig.  284    Leopoldskron.   Marmorkamiti,  um  1740  (S.  314) 


dritte  Stock  fehlt,  auf  dem  roten  Ziegeldach  in  der  Mitte  ein  Türmchen.  Oben  schwebt  die  nackte 
Ruhmesgöttin,  mit  einer  Posaune  in  der  Hand,  unter  ihr  ein  Putto  mit  dem  Pallium. 

Neben  den  beiden  großen  Bildern  je  zwei  Pilaster  aus  rosafarbigem  Kunstmarmor,  mit  profilierten  Basen 
aus  echtem  gelb-braun-rot  gesprenkeltem  Marmor  und  einem  umlaufenden  Sockel  aus  rötlichgelbem 
Marmor;  die  Kompositkapitäle  sind  aus  vergoldetem  Stuck.  Je  zwei  gleiche  Pilaster  an  den  beiden 
Schmalseiten  im  N.  und  S.  zwischen  den  Fenstern.  Über  den  Pilastern  ruht  ein  umlaufendes  Gebälk 
aus  rosafarbigem  Kunstmarmor,  dessen  Abschlußgesims  über  den  beiden  Gemälden  zu  zwei  Voluten- 
giebeln sich  aufbiegt.  Die  Wandfelder  zu  beiden  Seiten  der  Bilder  sind  in  Stuck  verziert:  Unten  Symbole 
der  vier  Elemente  (Flammenurne,  Weihrauchvase,  Blumenvase,  Springbrunnenvase);  an  den  seitlichen 
Rahmenleisten  mit  Schleifen  angebunden  verschiedene  Geräte,  die  sich  auf  Beschäftigungen  mit  den 
vier  Elementen  beziehen;  oben  Giebel  mit  zwei  bärtigen  Masken;  weiß  auf  blaßrosafarbig  getontem 
Innengrund.  An  den  Seiten  unten  je  eine  Tür  in  rechteckiger  rosafarbiger  Marmorumrahmung.  Darüber 
in   ovalen  Rahmen    aus   grau    marmoriertem  Stuck,  von   vergoldetem    Band-   und   Gitterwerk   umgeben, 

40* 


316 


Qerichtsbezirk  Salzburg 


Ölbilder,  die  vier  Jalireszeiten  darstellend:  a)  Junges  blumenbekränztes  Mädchen  mit  drei  Putten,  h)  Frau 
mit  Sicliel  und  Garbenbündel;  zwei  Putten  mit  Früchten,  c)  Frau  und  Mädchen  bei  der  Weinlese. 
d)  Weintrinkender  Greis  und  wurstessender  Knabe,  in  einer  Stube  neben  einem  Kohlenbecken.  —  Alle 
vier  gute  Arbeiten  von  Rensi,  um  1740. 

An  den  beiden  Schmalseiten  ist  ober  den  unteren  drei  Fenstern  je  ein  Galeriegang  erbaut,  dessen 
unten  schön  stukkierter  Boden  auf  zwei  Volutenkonsolen  aus  rotem  Kunstmarmor  ruht;  schöne 
Balustraden  mit  schmiedeeisernen  Gittern  (Band-  und  Gitterwerk,  in  Schwarz  und  Gold).  In  der  Mitte 
die  Wappenschilde  der  Firmian  und  Lodron.  An  den  Enden  der  beiden  Galerien,  die  den  Ost-  und  West- 


Fig.  285    Lcopoldskron.   Festsaal,  Westwand  (S.  314) 


teil  des  II.  Stockwerkes  miteinander  verbinden,  je  eine  Tür  in  Umrahmung  aus  rosafarbigem  Kunstmarmor. 
An  den  zwölf  Pilastern  sind  unten  stukkierte  vergoldete  Kartuschen  mit  je  einem  Stern  appliziert,  an 
denen  zweiarmige  Wandleuchter  befestigt  sind,  aus  vergoldetem  Schmiedeeisen,  mit  Kristallglasbehänge. 

Das  flache  Spiegelgewölbe  hat  in  der  Mitte  ein  sehr  großes  Deckengemälde  in  grau 
ifr.  287.  marmoriertem  Stuckrahmen  mit  vergoldeten  Zieraten:  Die  Vermählung  der  Atalante  (Fig.  287).  Links 
sitzt  unter  einem  Baldachin  ein  greiser  Seher.  Vor  ihm  auf  einer  Estrade  Hippomenes  und  Atalante, 
Hand  in  Hand.  Die  junge  Braut  trägt  drei  goldene  Äpfel.  Der  kleine  Amor  neben  ihnen  weist  auf  die 
Siegespyramide  hin,  an  der  ein  Öl-  und  ein  Lorbeerzweig  befestigt  ist.  Oben  auf  Wolken  Venus  auf 
dem  Taubenwagen,  Hymen  mit  Blumenkranz  und  Fackel.  Ringsherum  Zi:schauer,  oben  Putten.  Mittel- 
mäßige Arbeit,  hait  in  den  l-'arben,  signiert:  Fr:  Ant:  Ebner  luv.  &  Piiix.  1744. 


Scilloß  Leopoldskron 


317 


Reiche  Stukkaturen  umgeben  das  Gemälde.  In  den  großen  vier  Eckkartuschen  sind  Architektur,  Musik, 
Astronomie  und  Malerei  dargestellt,  wohl  die  Lieblingskünste  des  Erbauers:  a)  Maurer  mit  Senkblei; 
Gerüste,  Winden,  Architekturstücke,  b)  Orpheus  mit  der  Lyra,  umgeben  von  Vögeln,  Pegasus,  Einhorn, 
Hirsch;   allerlei  Musikinstrumente,    c)  Ein  Mann  mit  einem  Fernrohr  einen  Stern  betrachtend,  umgeben 


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Fig.  286    Leopoldskron.   Festsaal,  Stiftungsbild  von  Rensi,  um  1740  (S.  315) 


von  astronomischen  Instrumenten,  d)  Ein  Maler  vor  einem  auf  einer  Staffelei  stehenden  Bilde,  neben 
ihm  ein  Knabe  beim  Farbenanreiben.  —  Die  vier  Kartuschen  in  der  Mitte  der  Seiten  repräsentieren  die 
vier  Erdteile;  sie  enthalten  je  einen  Schild,  umgeben  von  Emblemen  und  Tieren:  a)  Schild  mit  Sonne 
und  heraldischer  Lilie;  Fahnen,  Hengst,  Rind,  b)  Schild  mit  Mondsichel;  Speer,  Helm,  Köcher,  Bogen, 
Schild;  Kamel,  Krokodil,  c)  Schild  mit  Stern;  Köcher,  Fahnen;  Elefant,  Drache,  d)  Leerer  Schild; 
Speer,  Hörn;  Affe,  Löwe.  Über  jeder  dieser  Kartuschen  wieder  kriegerische  Embleme.  Dazwischen  Band- 
werkkonfigurationen und  Postamente  mit  Behänge  und  Frucht-  und  Blumenkörbclien  (Forsti:r,  TaL  1,  4—6). 


I.  stock. 


318 


Gerichtsbuzirk  Salzburg 


Diese  zum  Teil  figuralen  Stukkaturen  der  Decke  liefern  den  Beweis,  daß  der  sonst  im  Ornamentalen 
so  ausgezeichnete  Künstler  im  Figuralen,  bei  der  Darstellung  von  Mensch  und  Tier  nicht  so  Gutes  leistet. 
Zwei  prächtige  reiche  Glasluster  mit  Sternen,  Halbmonden  und  Kronen. 

I.  Stock. 

Östlich  vom  Festsaal  liegen  zwei  einfenstrige  Vorzimmer  und  vier  große  Zimmer  mit  zwei,  beziehungs- 
weise vier  Fenstern,  alle  mit  Türen  in  profilierter  Holzrahmung  und  starken  Stuckplafonds  über  pro- 
filiertem Gesims.  Die  beiden  zweifenstrigen  Zimmer  in  der  Mitte  haben  am  Plafond  geschwungene,  leere 


Fig.  287    Leopoldskron.    Festsaal,  Decke  mit  Gemälde  von  F.  A.  Ebner,  1744  (S.  316) 


Stuckrahmen  und  große,  rechteckige  Kachelöfen,  grün  glasiert,  mit  Bandwerk  ornamentiert  (um  1740). 
Reich  stukkiert  sind  die  Decken  der  beiden  Eckzimmer. 
Nordostzimmer:  In  den  Ecken  große  Kartuschen  mit  je  einem  Blumenkorb,  dazwischen  kleinere,  in  eine 
Vase  endigend  (Forster,  Taf.  8).  Grün  glasierter,  geschwungener  Kachelofen,  um  1740. 
Südostzimmer:  Die  Decke  ist  nach  dem  gleichen  System,  aber  mit  anderen  Einzelformen  prächtig 
I  i-'.  288.  stukkiert  (Forstcr,  Taf.  32)  (Fig.  288).  Runder,  weiß  glasierter  Kachelofen  mit  Lorbeer-  und  Rosengirlanden, 
von  einer  bekränzten  Flammenurne  bekrönt;  Ende  des  XVllI.  Jhs.  Er  steht  vor  einer  Nische,  die  mit 
vergoldeten  Stuckornamenten  verziert  ist,  um  1740. 
im  westlichen  Teile  des  1.  Stockes,  neben  Stiegenhaus  und  Kapelle,  liegen  zwei  Kabinette  und  zwei 
Eckzimmer  mit  scliön  stukkierten  Decken  über  profilierten  Gesimsen,  rechteckigen  Fenstern  und  Türen 
in  profilierter  Hoizrahmunu.    1.  Kabinett  im  N.,  vom  Stiegenhaus  aus  zugänglich.  Drei  Türen  im  W.,  0. 


Schloß  Leopoldskron 


319 


und  S.,  ein  Fenster  im  N.    Glatte  Decke.    Kamin  in  rechteckiger  Umrahmung  von  rötlichgeibem  Marmor 
mit  profiliertem  Sturzgesimse. 

j,   2.  Eckzimmer  im  NW.    Zwei  Türen  im  O.  und  S.,  je  zwei  Fenster  im  W.  und  N.    Der  Plafond  ist   bei 
'  freigelassenem  Mittelteil  reich  stukkiert,  in  gleicher  Art  wie  bei  den  beiden  Ostzimmern,  aber  mit  anderen 
Motiven.  In  den  Ecken  große  Kartuschen  mit  zwei  gegenständigen  Adlerköpfen  beiderseits  einer  Flammen- 
|i   urne  (Fig.  289).   In  der  Seitenmitte  je  eine  Kartusche  mit  gegittertem  Quastenbehänge  und  zwei  Fruchtkörb- 
chen.  Dazwischen  kleinere  gegitterte  Bandwerkstücke,  bekrönt  von  einem  Blumenkörbchen  (Forster,  Jaf.  9). 


Fig.  289. 


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Fig.  288    Leopoldskron.   SüdostzimmL-r  im  I.  Stock,  Eckstück  vom  Stiickplafond  (S.  318) 


Im  Südosteck  großer  Ka'chelofen,  modern  mit  blauer  Ölfarbe  gestrichen,  mit  vergoldeten  Ornamenten 
(Rocaillen,  Bandwerk,  Muschel).  Im-  Hauptteil  die  dekorativ  verwendeten  Bestandteile  des  Firmenwappens, 
flankiert  von  zwei  Urnen.  Als  Bekrönung  die  auf  dem  Kissen  liegende  Krone;  Mitte  des  XVIII.  Jhs. 
(Fig.  290).    Venezianischer  Glasluster. 

'  3.  Eckzimmer  im  SW.  Fenster  und  Türen  entsprechend  wie  in  2.  Die  Stukkaturen  der  Decke  haben  — 
bei  Beibehaltung  des  gleichen  Schmucksystems  —  wieder  andere  Formen.  In  den  Ecken  über  einem 
umgestürzten  Blattkorb  ein  kleiner  Doppelbogengiebel  mit  einer  Palmette  im  Zwickel,  darüber  Bandwerk 
mit  vier  hängenden  Blütenketten  (Fig.  291).  In  der  Seitenmitte  breite  Bandwerkkartusche,  als  Füllung  eine 
Quastenpalmette  und  darüber  Gitterwerk,  darüber  auf  einem  Quastenbehang  ein  Blumenstrauß.  Zwischen- 

i  stücke,  gebildet  aus  gegenständigen  Akanthusvoluten  in  schräger  S-Form,  bekrönt  von  einem   Blumen- 

j  korb.  Weiß,  mit  blaßgelben  Innengründen  (Forster,  Taf.  19). 

I  Großer  Kachelofen  genau  wie  im  benachbarten  Zimmer  (Fig.  290). 


Fig.  290. 


Fig.  291. 


320 


Gericlitsbczirk  Salzburg 


4.  Kabinett  im  S.,  entsprechend  wie  das  im  N.,  mit  dem  es  durch  einen  kleinen  Raum  verbunden 
ist.  In  einer  Nische  im  W.  großer,  mit  Bandwerk  verzierter  Kachelofen,  mit  grüner  Ölfarbe  modern 
gestrichen,  um  1740.  Aus  diesem  Kabinett  kommt  man  durch  die  Osttür  auf  das  Oratorium  der  Kapelle. 

11.  Stock.  II.  Stock. 

Vom  Stiegenhaus  gelangt  man  rechts  über  die  Nordgalerie  des  Festsaales  in  die  Gemächer  im  östlichen 
Teil  des  II.  Stockes. 

1.  Längliches  Vorzimmer  mit  drei  holzumrahmten  Türen  im  O.,  S.  und  W.  und  einem  Fenster  im  N. 
Über  profiliertem  Gesims  glatte  Decke.  Schöne  hohe  Stockuhr,  Holz  mit  eingelegtem  Bandwerk,  Gehäuse- 
umrahmung und  Aufsatz  vergoldet,  um  1740. 


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Fig.  289    Leopoldskron.    Nordwestzimmer  im  1.  Stock,  Eckstück  vom  Stuckpiafond  (S.  319) 

2.  Zimmer.  Je  eine  Tür  im  O.  und  W.,  zwei  Fenster  im  N.  Flachdecke  über  profiliertem  Stuck- 
gesimse.  Grün  glasierter  (übertünchter)  Kachelofen  ohne  Schmuck. 

3.  Eckzimmer   im  NO.    Je    zwei  Fenster   im  N.    und  O.,   je    eine  Tür   im  W.  und  S.    Über  profiliertem 
lig.  292.         Gesims  Flachdecke  mit  sehr  schönen  Stukkaturen  (Fig.  292).  In  den  Ecken  und  der  Mitte  jeder  Seite  je 

eine  Konfiguration  von  Band-  und  Gitterwerk,  naturalistischen  Blättern  und  Blüten,  die  zum  Teil  plastisch 
frei  vom  Grunde  sich  lösen;  weiß  mit  gelben  Innenfonds  auf  blaßblauem  Grunde  (Forster,  Taf. -30).  — 
Grün  glasierter  rechteckiger  Kachelofen  mit  Bandwerk,  von  einer  Flammenurne  bekrönt,  grau  über- 
strichen, um  1740. 

4.  Eckzimmer  im  SO.  Je  eine  Tür  im  N.  und  W.,  je  zwei  Fenster  im  O.  und  S.  Ähnlich  reiche  Stuck- 
decke wie  im  Nebenzimmer  (3);  weiß  auf  blaßgelbem  Grunde  (Forstf.r,  Taf.  31). 


Scliloß  Leopoldskron 


321 


Kachelofen  mit  Bandwerk  und  Urne,  ursprünglich  weiß  glasiert,  jetzt  hellgelb  gefärbelt,  mit  weißen 
Ornamenten,  um   1740. 

5.  Südzimmer.  Je  eine  Tür  im  O.  und  W.,  zwei  Fenster  im  S.  Über  profiliertem  Stuckgesimse  glatte 
Decke,  modern  bemalt.  —  Weiß  glasierter  runder  Kachelofen,  in  Flammenurne  endigend,  Ende  des 
XVIII.  Jhs.  (Fig.  293). 

6.  Vorzimmer  im  S.,  entsprechend  wie  1,  mit  dem  es  durch  einen  schmalen  Gang  verbunden  ist,  von 
dem  links  eine  Tür  zur  hölzernen,  durch  alle  drei  Geschosse  gehenden  Wendeltreppe,  rechts  eine  zweite 
zu  einem  Raum  führt,  welcher  die  Heizöffnungen  der  Kachelöfen  und  das  Klosett  enthält. 


Fig.  293. 


Fig.  290    Leopoldskron.    Ofen,  um  1750  (S.  319) 


Von  diesem  Vorzimmer  kommt  man  durch  eine  Tür  zur  Südgalerie  des  Festsales  und  über  diese  in 
die  Gemächer  im  Westteil  des  II.  Stockes. 

7.  Südzimmer.  Je  eine  Tür  im  O.  und  W.,  zwei  Fenster  im  S.  Glatter  Plafond  über  stukkiertem  Gesims. 
Geschwungener,  hellgrün  glasierter  Kachelofen  mit  zwei  Öffnungen,  in  Flammenurne  endigend 
(Fig.  294). 

8.  Südkabinett,  mit  glattem  Plafond  wie  oben.    Je  eine  Tür  im  O.,  N.  und  W.,  im  S.  ein  Fenster. 

9.  Südwesteckzimmer.  Je  eine  Tür  im  O.  und  N.,  je  zwei  Fenster  im  S.  und  W.  Über  profiliertem  Stuck- 
Vgesims  reich  stukkierte  Decke.    Die   großen    Konfigurationen    in    den  Ecken  und  Seitenmitten  sind  hier 

'durch  kleinere  verbunden.  Weiß  auf  blaßgelbem  Grunde  (Forster,  Taf.  10). 

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Fig.  294. 


322 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


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Fig.  291     Leopoldskron.    Südwestzimmer  im  1.  Stock,  Eckstück  vom  Stuckplafond  (S.  319) 


Fig.  292    Leopoldskron.   Nordostzimmer  im  II.  Stock,  Eckstück  vom  Stuckplafond  (S.  320) 


Scliloß  Lcopoldskron 


323 


10.  Nordwesteckzimmer.  Je  zwei  Fenster  im  W.  und  N.,  je  eine  Tür  im  S.  und  O.  Prächtig  stukkierter 
Plafond,  nach  demselben  System  verziert  wie  9,  aber  mit  anderen  Motiven.  Auf  den  Verbindungsstücken 
stehen  Weihrauchurnen  (Forster,  Taf.  18). 

Hellgrün  glasierter  Kachelofen,  sehr  hoch,  von  geschwungener  Form,  mit  zwei  Öffnungen,  mit  Band- 
werk verziert,  um  1740  (Fig.  295). 

11.  Kabinett.  Je  eine  Tür  im  O.,  W.  und  S.,  ein  Fenster  im  N.  Zwischen  diesem  und  dem  Kabinett  8 
liegt  ein  kleiner  Raum  mit  den  Heizöffnungen  der  beiden  Öfen  in  den  Zimmern  7  und  10. 

Vom  Kabinett  11   kommt  man  wieder  ins  Stiegenhaus. 


Fig.  295. 


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Fig.  293    Leopoldsl<ron.    Ofen, 
Ende  des  XVlll.  Jhs.  (S.  321) 


Fig.  294    Leopoldsl<ron.   Ofen, 
um  1740  (S.  321) 


Fig.  295    Leopoldslifon.   Ofen, 
um  1740  (S.  323) 


Im  III.  Stock  links  von  der  Treppe  (im  W.)  sechs  einfache  Zimmer  tnit  Flachdecken. 

Rechts  kommt  man  in  einen  Saal,  der  an  Bodenfläche  dem  darunter  liegenden  Festsaal  entspricht,  aber 
niedriger  ist.   Im  N.  und  S.  je  drei  große  Fenster.   Flache  Decke  mit  vier  Eckrosetten  und  zwei  großen 
Mittelrosetten    aus   Stuck,   Ende  des  XVIII.  Jhs.     In  diesem  Saal   befand  sich  die  große  „Malergalerie", 
.S7  Porträte. 

Zwei  Türen  im  O.  füliren  wieder  in  eine  Reilie  von  flachgedeckten  einfachen  Zimmern,  in  denen  zu 
Hübners  Zeiten  Sammlungen  ausgestopfter  Vögel  und  Tiere,  Gipsabgüsse  und  Handzeichnungen  des 
Grafen  Laktanz  Firmian  aufbewahrt  wurden. 

41* 


324 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


Gemälde. 
Porträts  in 
der  Halle. 


Gemälde: 


Porträts  in  der  Halle. 


Alle  oval,  Öl  auf  Leinwand,  in  schwarzen  Rahmen  mit  vergoldeten  Innenleisten. 

1.  82  X  58.  Brustbild.  Laktanz  Freiherr  von  Firmian,  der  Neffe  des  Erbauers,  mit  grauer  Allongeperücke, 
in  Brustpanzer,  dunkelblauem  Frack.  Gutes  Bild,  wohl  von  Ebner,  um  1740  (Alte  Nr.  353). 

2.  Pendant   dazu.    Seine   Gemahlin  Maximiliana,   geb.   Gräfin    Lodron,   in    dekolletiertem    dunkelblauem 
Kostüm.  Von  derselben  Hand  (Alte  Nr.  352). 

3.  83  X  58.  Halbfigur.    Offizier   mit  Zopfperücke,    im  Brustpanzer,  mit  weißem,  rotgefüttertem  Rock,  mit 
dem  Hut  unter  dem  linken  Arm.  Gutes  Bild,  um  1760. 


Fig.  296    Leopoldskron.    Porträt  der  Kaiserin  Elisabeth  (S.  326) 


4.  Pendant  dazu.  Junge  Dame  in  ausgeschnittenem  blauem,  mit  schwarzem  Pelz  verbrämtem  Kleide,  mit 
einer  schwarzen  Mütze  auf  dem  Kopf  und  einem  Briefe  in  der  rechten  Hand.  Von  derselben  Hand. 

5.  83  X  58.    Brustbild.    Offizier   mit  Zopfperücke,   roter  Weste    mit  Goldborten,  blauem  Rock  mit  roten 
Ärmelaufschlägen,  rotem  Mantel.  Gutes  Bild,  um  1760. 

6.  Pendant  dazu.   Dame  mit  gelber,  spitzenbesetzter  Corsage,  in  dunkelblauem  Kostüm,  mit  rotem,  gelb 
Seiüttertcm  Mantel.  Von  derselben  Hand. 

7.  83  X  ö9.  Brustbild.  Herr  mit  Zopfperücke,  gelber  Weste,  rotem  Rock  mit  schwarzem  Besatz,  silbernen 
Fangschnüreu.  Mittelmäßig,  um  1770. 

8.  Pendant.    Dame    in    weißem,    weit    dekolletiertem    Spitzenkleide,    mit    blauem    Mantel.     Von    der- 
selben Hand. 


Schloß  Leopoldskron 


325 


9.  Brustbild.    Herr  mit  grauer  Perücke,  rotem   goldgesticktem  Rock,  mit  einem  Ordenskreuz  an  blauem 
Bande.  Gutes  Bild,  um  1760. 

10.  Pendant.   Dame  in  blauem  Kostüm  mit  schwarzem  Spitzenüberwurf,  Spitzenhäubchen  mit  schwarzem 
Bande,  Perlenhalsband  und  Ohrringen.  Dieselbe  im  Saale  im  III.  Stock. 

11.  Brustbild.  Älterer  Herr  mit  Zopfperücke,  blauem  Rock  mit  Goldstickerei,  rotem  Mantel.  Mittelmäßig, 
um  1770. 

12.  Pendant.  Dame  in  pelzverbrämtem  rotem  Kleide,  mit  grünem  goldgesticktem  Mantel.  Schwach. 

13.  Brustbild.  Junger  Domherr,  mit  halblanger  weißer  Perücke,  in  graublauer  Rochette.  Gutes  Bild,  um  1760. 

14.  Brustbild.  Junger  Mann  mit  halblanger  Perücke,  in  weißem  Rock,  roter  Weste  mit  Goldborten,  rotem, 
blau  gefüttertem  Mantel.  Gutes  Bild,  von  derselben  Hand,  um  1760. 


Fig.  297    Leopoldskron.   Porträt  des  Erzbischofs  Leopold  Anton  Frh.  v.  Firmian, 
von  Zanusi,  um  1740  (S.  326) 


15.  Brustbild.  Älterer  Herr  mit  weißer  Zopfperücke,  im  Harnisch,  mit  rotem,  pelzverbrämtem  Mantel. 
Mittelgut,  um  1770. 

16.  Pendant.  Dame  in  rotem  ausgeschnittenem  Kostüm,  mit  schwarzem  Spitzenüberwurf.  Von  der- 
selben Hand. 

Porträts  im  Stiegenhaus. 

17.  122  X  93.  Kaiser  Karl  VI.,  in  Halbfigur,  mit  langer  grauer  Ällongeperücke,  im  Panzer,  Orden  des 
goldenen  Vlieses,  Purpurmantel,  mit  Zepter  und  Reichsapfel  in  den  Händen.  Rechts  die  deutsche  Kaiser- 
krone.   Gutes  österreichisches  Bild,  um  1730,  nach  dem  Katalog  (s.  S.  294)  von  Hauzinger. 


Porträts  im 
Stiegenliair. 


326 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


18.  Pendant  dazu,  in  gleichem  Rahmen.  Seine  Gemahlin,  Kaiserin  Elisabeth,  Halbfigur.  In  dekolletiertem 
Goldbrokatkleide,   mit   rot  gefüttertem  blauem  Mantel,  mit  dem  rechten  Arm  auf  einen  Polster  gestützt, 

Fig.  296.         auf  dem  eine  Krone  liegt.    Gutes  Bild  von  der  gleichen  Hand  (Fig.  296). 

19.  170  X  122.  Erzbischof  Leopold  Anton  Eleutherius  Freiherr  von  Firmian,  Kniestück.  In  einem 
Fauteuil   sitzend,   in    rotem  Kardinalstalar    mit   weißer   Pelzrochette.    Gutes   Bild,   um    1740,   wohl   von 

Fig.  297.         Z  a  n  u  s  i.    Schöner  gleichzeitiger  Rahmen  (Fig.  297). 

20.  107  X  84.  Halbfigur.  Sitzender  Herr,  mit  langer  grauer  Allongeperücke,  im  Brustpanzer,  mit 
violettem    goldgesticktem    Frack    und    rotem   Mantel.    Gutes   Salzburger   Bild,   Anfang    des   XVIII.   Jhs. 

21.  Pendant  dazu.  Des  obigen  Gemahlin.  Ältere  Dame  mit  grauer  Perücke,  in  dekolletiertem  rosafarbigem, 
weiß  gemustertem  Kostüm  mit  weiß  gefüttertem  blauem  Mantel.  In  der  linken  Hand  hält  sie  Narzissen, 
in  der  rechten  ein  Medaillon  mit  dem  Bildnisse  eines  bärtigen  Priesters  (Johann  von  Nepomuk?).  Gut, 
von  derselben  Hand. 

22.  83  X  61.  Halbfigur.  Älterer  glattrasierter  Herr  mit  Zopfperücke  in  dunkelblauem  Frack  mit  weißen 
Spitzen,  mit  einem  Stock  in  der  rechten  Hand.  Gutes  Salzburger  Bild.  Hinten  auf  der  Leinwand 
signiert:  Jo:  Durach  Fecit  1775. 


Fig.  298     Leopoldskron.    Hirsclilietze,  von  J.  F.  Kien,  1682  (S.  327) 

23.  86  X  69.  Halbfigur.  Ältere  Dame  mit  grauer  Perücke  in  dunkelviolettem  Kostüm  mit  Schneppen- 
taille,  mit  gelbem  Mantel.    Mittelgut,  um  1775. 

24.  12  X  95.  Kniestück.  Erzbischof  Leopold  Anton  Freiherr  von  Firmian  in  einem  Lehnstuhl  nach  rechts 
hin  sitzend,  in  Kardinalstalar,  mit  Pektoralkreuz  an  rotem  Bande,  mit  einem  Brief  in  der  Hand. 
Mittelgutes  Bild,  um  1740. 

25.  97  X  72.  Rückwärts  die  alte  Nummer  339.  Halbfigur.  Kardinal  mit  Adlernase,  mit  halblanger  grauer 
Perücke,  in  Spitzenchorhemd.  In  den  Händen  hält  er  das  rote  Birett  und  einen  Brief  mit  der  Anschrift: 
AI  Eccelso  et  Rev  111  Sig:  Monsig:  Leopoldo  de  Firmian  Arcivcscovo  et  Principe  Salisburgo. 
Der  Dargestellte  ist  jedoch  mit  dem  Adressaten  nicht  identisch.    Um  1743. 

26.  93  X  77.  Halbfigur.  Kaiser  Josef  IL,  in  gelber  Weste  mit  Goldtressen,  dunkelgrünem  Uniformrock 
mit  roten  Aufschlägen  und  goldenen  Fangschnüren.  Um  1780. 


''■  :i  i'iivraer.". 


Gemälde  in  den  Zimmern. 


-/.  IGl  X  'Jl.  Gesellschaftsszene.  In  einer  Säulenhalle  sitzen  an  einem  Tisch  vier  Lautenspieler.    Reciils 
in    Konversalion    vornehme    Herren    und    Damen,   zwei    davon    mit   Masken.    In    der   Mitte    ein    Knabe 

ein   trinkender  Landsknecht,   ein  Trabant   und    ein  Diener   mit    einem  Pferde. 

Im  Hintergrunde 


und    ein  Mädchen,   links 

Oben    schwebt    auf    einer  Wolke   Venus    mit    einem    Flammenherzen    in    der  Hand. 

Ausblick  auf  Landschaft.    Mittelmäßig,  um  1600  (II.  St.  SO.). 


' 


Schloß  Leopoldskron 


327 


28.  110  X  170.  Das  Gastmahl  des  Belsazar.  In  einer  langen  tonnengewölbten  Halle  sitzen  an  zwei 
Tafeln  zalilreiche  Gäste.  In  der  Mitte  ist  auf  Tisciien  der  Goldsciiatz  des  Tempels  aufgespeichert.  Links 
oben  erscheint  die  Hand  mit  dem  Spruch.  Mittelmäßiges  deutsciies  Bild  aus  der  Mitte  des  XVII.  Jhs. 
(II.  St.  S.). 

29.  86  X  137.  Hirschhetze  durcii  türkisciie  Reiter  (Nr.  128).  In  einem  Fhil3  in  der  Mitte  ein  von  den 
Hunden  angefallener  Hirsch.  Ein  Türke  zu  Pferd  ist  im  Begriff,  ihn  mit  dem  Speer  zu  durchbohren, 
auch  zwei  andere  stürmen  auf  ihn  ein,  ein  dritter  spannt  den  Bogen.  Links  ein  zweiter  Hirsch,  von 
einem  Reiter  verfolgt.    Bezeichnet:  J.  F.  Kien  fecit  Anno  1682  (II.  St.  N.)  (Fig.  298). 


Fig.  298. 


Fig.  299    Leopoldskron.   Porträt  dos  Jolianti  Fr;inz  Laktaiiz  Frli.  v.  Firinian, 
von  Jakob  Zanusi,  1736  (S,  329) 


30.  161  X  300.  Links  drei  berittene  Soldaten,  mit  zwei  Bauern  sprechend;  daneben  Treiber  mit  Maultier. 
Rechts  eine  Gruppe  von  Kavalleristen,  die  sich  vor  einer  Buschenschänke  stärken.  Schwaches  Bild, 
Erste  Hälfte  des  XVIII.  Jhs.  (II.  St.  N.). 

31.  62  X  43.  Der  hl.  Bischof  Ulrich,  in  Haibfigur,  auf  ein  Buch  hinweisend.  Vor  ihm  liegt  ein  aus- 
geweideter Fisch  mit  zwei  Schlüsseln.  Oben  Cherubsköpfe.  Gutes  Salzburger  Bild  vom  Anfang  des 
XVIII.  Jhs.  (II.  St.  S.). 

32.  63  X  44.  Ein  bärtiger  Mönch  mit  Stab,  Halbfigur.  Mittelmäßig,  Salzburgisch,  XVIII.  Jh.  (II.  St.  S.). 

33.  187  X  70.  Geringes  Maria-Hilf-Bild,  XVIII.  Jh.  (IL  St.  S.). 

34.  83  X  115.  Flucht  nach  Ägypten.  In  Mondlandschaft  die  hl.  Familie,  von  zwei  fackeltragenden 
Engeln  geleitet.     Anfang  des  XVIII.  Jhs.  (IL  St.  NO.). 


328 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


35.  82  X  115.  Taufe  Christi  im  Jordan.  Im  Hintergrunde  Burgruine  auf  einem  Felsen.  Von  derselben 
Hand  (H.  St.  SO.). 

36.  82  X  115.   Die  hl.  Familie  auf  der  Wanderschaft  nach  Jerusalem.    Von  derselben  Hand  (II.  St.  SO.). 

37.  83  X  115.  Anbetung  der  Hirten.  Links  unter  einer  römischen  Säulenruine  die  Madonna  anbetend 
vor  dem  Kinde  kniend,  von  Hirten  umgeben.  Rechts  Ausblick  auf  Landschaft  mit  Fluß  und  Brücke. 
Um  1740  (II.  St.  SW.). 

38.  Pendant  dazu.  Gang  nach  Emaus.  In  Landschaft  mit  römischer  Ruine  links  Jesus  mit  den  beiden 
Jüngern;  von  derselben  Hand  (ebenda). 


h'ig.  300    Leopoldsl^ron.   Maximiliana  Freiin  von  Firiiiian  als  Vestalin, 
von  Rensi,  um  1740  (S.  329) 


39.  44  X  59.  Bekehrung  des  hl.  Paulus  (Nr.  88).  In  der  Mitte  Saulus,  von  einem  Schimmel  zu  Boden 
geworfen,  von  einem  Knecht  unterstützt.  Ringsherum  Reiter  auf  wild  sich  bäumenden  Pferden.  Alter 
Rahmen.    Gutes  Bild,  erste  Hälfte  des  XVIII.  Jhs.   (II.  St.  SW.). 

40.  55  X  43.  Christus  und  die  Ehebrecherin  (Nr.  59);  in  gemaltem  Ovalrahmen.  Halbfiguren.  Alter 
Rahmen.  Gutes  Salzburger  Bild,  um  1740  (II.  St.  SW.). 

41.  94  >,  113.  In  Landschaft  Orpheus  mit  der  Harfe,  von  vielerlei  Tieren  umgeben.  Mittelmäßig,  um 
1740  (II.  St.  NW.). 

42.  Pendant  dazu.  Baumlandschaft  mit  Hirten,  Rindern  und  Schafherde.    Von   derselben  Hand    (ebenda). 

43.  76  X  129.  Landschaft.  An  einem  Fluß  vorne  eine  Frau  mit  einem  Knaben  und  zwei  Fischer.  Im 
Hintergründe  ein  Schloß  und  eine  Stadt,  vorne  rechts  ein  Haus.  Mittelmäßig,  um  1740  (II.  St.  NW.). 

44.  66  X  94.  Zwei  Pendants,  Landschaften  mit  Fluß.  Schwach,  XVIII.  Jh.  (II.  St.  NO.). 


Schloß  Leopoldskron 


329 


45,  46.  70  X  200.  Zwei  Supraporten.  Am  Rahmen  die  Nr.  235  und  236.  Drei  Putti  beim  Meißeln  eines 
Frauenkopfes,  ein  vierter  zeichnet.  Vier  Putti  beim  Vermessen  von  Architekturstücken.  Um  1740,  wohl 
von  Z  a  n  u  s  i  (!.  St.  N.). 

47.  115  X  90.  Porträt,  Kniestück.  Johann  Franz  Laktanz  Freiherr  von  Firmian,  hochfürstlicher 
Obersthof-  und  Jägermeister.  Ein  auf  einer  Steinbank  sitzender  junger  Mann  mit  langer  grauer  Allonge- 
perücke, in  goldgesticktem  rotem  Frack,  Goldbrokatweste  und  roten  Hosen,  mit  der  rechten  Hand  auf 
einen  Stock  gestützt,  mit  der  linken  mit  den  Locken  spielend.  Hinten  aufgeklebter  Zettel  mit  der 
kalligraphischen  Inschrift:  Joannes  Franciscus  Lactantius  L:  B:  De  Firmian,  Dnus  in  Cronmez,  Meggel 
Et  Leopoldskron,  Aug"" :  Caes:  Caroli  VI.  CaWierariiis  Aclualis,  Necnon  Cef'"'  Et  Rev"''  Archi-Episcopi, 
Et  S.  S.  J.  Principis  Salisburgns  Suppremus  Aulae  Et  Venat"'"  Praefectus  et  Episcop'  Tridcnt'"'  Mares- 
calliis  Haeraedis  Aetat:  Suae  Anno  XXIV.  J:  P:  K:   Gutes  Bild  von  Jakob  Zanusi  1736  (Fig.  299). 


Fi".  299, 


Fig.  301 
Leopoldskron.    Evangelist  Johannes,  um  1740  (S.  330) 


48.  Pendant  dazu.  Seine  Gemahlin  Maximiliana,  geb.  Gräfin  Lodron.  Junge  Frau  mit  weißer  Allonge- 
perücke, in  ausgeschnittenem,  spitzenbesetztem,  blauem  Kleide  mit  rot-weißem  Schal,  auf  einer  Steinbank 
sitzend.  Mit  dem  rechten  Arm  stützt  sie  sich  auf  das  Postament  einer  Steinvase,  mit  der  Linken  streichelt 
sie  ein  kleines  Hündchen.  Hinten  auf  der  Leinwand  aufgeklebter  Papierzettel  mit  der  Inschrift: 
Maximiliana  Ex  Com:  De  Lodron  Conjiix  Lactantii  L:  B:  De  Firmian  Aetat:  Suae  XXI.  Weniger  gut 
als  das  Bild  des  Gatten,  ebenfalls  von  Zanusi.    Teilweise  übermalt. 

49.  200  X  134,   oval.    Porträt,  Kniestück.    Junge  Dame,   als  Vestalin    gekleidet,   das    hl.  Feuer  nährend, 
I    Maximiliana   Freiin    von    Firmian,   geb.  Gräfin    Lodron,   Stiftsdame.    Gutes    Bild    von    Rensi,  um  1740 

(II.  St.  S.)  (Fig.  300). 
\    50.  50  X  40.  Pastell  auf  Pergament.  Porträt,  Brustbild.  Glattrasierter  älterer  Herr  mit  grauer  Zopfperücke, 
f;     in   blauem    Frack,    mit   dem    Orden    des    goldenen   Vlieses.     Gutes    Bild,    auf    der    Rückseite    signiert: 
;    Josephus  Kranzinger  Pinxit  Aö  1765  (II.  St.  S.). 


Fig.  300. 


XI 


42 


330 


Oericlitsbczirk  Salzburg 


Gemälde  im 
großen  Saal 
im   III.  Stock. 


Fig.  301. 


Gemälde  im  großen  Saal  im  III.  Stock. 

51.  170  X  122.  Nachtstück.  Eine  Frau  (Medea)  mit  einem  Blumenkranz  im  Haar,  in  einem  mit  Sternen 
besetzten  Gewände,  betrachtet  nachdenklich  ihre  zwei  schlafenden  Knaben,  die  von  einer  Laterne 
beleuchtet  werden.  Durch  die  Öffnung  der  Zauberhöhle  scheint  der  Mond  herein.  Mittelgutes  Bild,  auf 
der  Rückseite  der  Leinwand  signiert:  Philipp  Jakob  Niclihl  Pinxit  1743. 

52.  144  X  94.  Vier  große  Bilder  in  gemaltem  ovalem  Ausschnitt,  die  vier  Evangelisten,  in  Halbfiguren, 
mit  ihren  Symbolen.    Gute  Arbeiten,  neapolitanisch  beeinflußt,  um  1740  (Fig.  301). 


Fig.  302  Leopoldskron.    Ein  Bischof  aus  der  gfl.  Familie  Firmian,  um  1740  (S.  330) 


12.  302. 


53.  74  X  53  (alte  Nr.  70).    Brustbild.    Graubärtiger  betender  Greis  in    braunem  Gewände.    Mittelmäßig, 
XVIII.  Jh. 

54.  81  X  63.  Halbfigur.  Betender  graubärtiger  Mönch  mit  Stab.  Mittelmäßig,  XVIII.  Jh. 

55.  68  X  60.  Brustbild;  weinender  graubärtiger  Greis,  die  Hände  über  einen  Globus  faltend.  Gut,  XVIII.  Jh. 

56.  76  X  55.  Hl.  Maria  von  Wessobrunn,  mit  einem  Rosenkranz  im  Haar,  Brustbild.  XVIII.  Jh. 
Ö7,  SG  X  65.  Brustbild,  segnender  Papst.  Mitte  des  XVIII.  Jhs. 

n8.  13S  X  102.  Kniestück.  Bischof  mit  Firmian'scher  Familienähnlichkeit,  Leopold  Ernst  1739—1763 
3;$:l;o[  von  Seckau  oder  Vigil  Maria  1744—1753  Bischof  von  Lavant,  dann  1753—1788  Dompropst  von 
Salzburg,  mit  lialblanger  grauer  Allongeperücke,  in  violettem  Talar,  Chorhemd,  Hermeiinmozett,  in  einem 
Thronsessel.  Neben  ihm  ein  Sekretär,  der  ihm  einen  Brief  vorliest.  Gutes  Bild,  um  1750  (Fig.  302). 
59.  79  X  58,  in-  gemaltem  ovalem  Ausschnitt.  Brustbild.  Alter  Herr  mit  langer  weißer  Allongeperückc,  in 
schwarzem  Gewände,  mit  breitem  Spitzenjabot.  Gut,  Anfang  des  XVIII.  Jhs.  Wohl  der  Vater  des  Erzbischofs. 


Scilloß  Leopoldskron 


331 


60.  Pendant  dazu.  Alte  Dame,  in  blauem,  goldgesticktem  Kostüm,  mit  rotem  Mantel.  Anfang  des 
XVIII.  Jhs. 

61.  85  X  67.  Halbfigur.  Offizier  mit  halblanger  grauer  Allongeperücke,  in  Brustpanzer  mit  rotem  Frack, 
mit  dem  Hut  unter  dem  linken  Arm.  Gut,  erste  Hälfte  des  XVIII.  Jhs. 

62.  Pendant  dazu.  Dame  mit  grauer  Perücke  und  Häubchen,  in  rotbraunem  Kostüm  mit  schwarzem 
Spitzenüberwurf,  Perlenhalsband  und  -Ohrringen.   Von  derselben  Hand. 

63.  109  X  83.  Zwei  Kinder.  Ein  mit  einem  violetten  Hosenkleidchen  bekleideter  Knabe  gibt  seinem 
kleinen  Brüderchen,  das  im  Hemdchen  auf  einer  Dogge  sitzt,  einen  Apfel.  Am  Halsbande  des  Hundes 
die  Initialen  V.  F.  Inschrift  auf  der  Rückseite  der  Leinwand:  Carl  Graj  v.  Firmian  alt  5  Jahr  und 
Joseph  Graj  v.  Firmian  alt  1  Jahr.  Fr:  Thad:  H elbling  Inv:   et  Pinxit  Aö  1776.   Mittelgutes  Bild. 

64.  87  X  67.  Halbfigur.  Herr  mit  Zopfperücke  in  dunkelblauem  Rock  mit  geflochtenen  Goldborten,  mit 
einem  Ordenskreuze  an  rotem  Bande.  Wohl  ein  Graf  von  Firmian.  Um  1780. 

65.  Pendant  dazu.  Sitzende  Frau  mit  aufeinandergelegten  Händen,  in  dekolletiertem  rosafarbigem  Kleide 
mit  weißem  und  schwarzem  Spitzenbesatz.  Um  1780  (am  Rahmen  Zettel:  Nr.  5/8). 


Fig.  303    Leopoldskron.    Deckenmalerei  im  Inselpavillon  (S.  332) 


66.  84  X  67.  Brustbild.  Junger  Bischof,  mit  Zopfperücke,  in  schwarzer  Soutane  und  rotem  Mantel  mit 
einem  granatenbesetzten  Pektoralkreuz.  Gut,  um  1780. 

67.  84  X  67,  in  gemaltem  ovalem  Ausschnitt.  Halbfigur.  Junger  Bischof  (derselbe  wie  der  Vorige?),  mit 
Zopfperücke,  in  schwarzer  Soutane,  mit  Pektoralkreuz,  mit  einem  Buche  in  der  Hand.  Gut,  um  1780. 
Alter  Zettel  Nr.  6/3. 

68.  84  X  67.  Halbfigur.  Älterer  Geistlicher  mit  Zopfperücke,  in  schwarzer  Soutane,  Komturkreuz  des 
Stephansordens  an  rot-grünem  Bande  und  reichgefaßtem  Pektorale  an  der  Brust.  Gut,  um  1780.  Alter 
Zettel  Nr.  10/9. 

69.  80  X  61.  Brustbild.  Erzbischof  Hieronymus  Graf  Colloredo  (1772 — 1812),  in  roter  Cappa,  mit  großem 
Pektorale,  an  das  er  mit  der  rechten  Hand  greift.  Hinten  grüner  Vorhang.  Gut,  um  1775. 

70.  87  X  66.  Ganze  Figur.  Kleines  Kind,  im  Hemdchen,  auf  einem  roten  Polster  sitzend,  mit  einer 
Blumengirlande  in  der  Hand.    Ende  des  XVIII.  Jhs. 

71.  78  X  60.  Brustbild.  Herr  mit  weißer  Zopfperücke,  in  blauem,  pelzverbrämtem  Hausrock.  Ende 
des  XVIII.  Jhs. 

72.  Pendant  dazu.  Dame  mit  hochfrisierter  grauer  Perücke,  in  blauem,  mit  braunem  Pelze  verbrämtem 
Kostüm.    Von  derselben  Hand.    Ende  des  XVIII.  Jhs. 

73.  85  X  68,  in  gemaltem  Ovalausschnitt.  Brustbild.  Herr  mit  Zopfperücke,  in  violettem  Frack.  Um  1780. 

74.  81  X  59,  oval.  Brustbild.  Offizier  mit  Zopfperücke,  in  weiiBer  Uniform  mit  roten  Borten  am  Rock. 
Um  1780. 

42* 


332 


Gerichtsbezirk  Salzburg 


75.  Pendant  dazu.  Dame  mit  blauem  Halsliand,  in  blau-weißem  Kostüm.  Von  derselben  Hand. 

76.  82  X  68.    Halbfigur.    Ältere  Frau,    auf   einem    Sofa    sitzend,    mit   weißer   Spitzenhaube    in    violettem 
Gewände.    Ende  des  XVIII.  Jhs. 

77.  74  X  53.    Halbfigur.    Junge  hübsche  Dame,  an  einem  Tiscliclien  lehnend,  in  Empirekostüm,  in  aus- 
geschnittenem weißem  Kleide  mit  blauem  Überwurf.  Gut,  um  1810. 


Fig.  304   Leopoldskron.  Nepomukstatiie  von  J.  A.  Pfaffinger,  um  1736  (S.  333) 

Genre.  Genre. 

78.  49  X  39.  Schnitter.  Mittelmäßig,  XVIII.  Jh. 

79.  Pendant  dazu.  Lammscherer.  Von  derselben  Hand. 

80.  49  X  39.  Jüngling,  mit  einer  Laute  und  einem  Blumenkörbchen  in  den  Händen.  XVIII.  Jh. 

81.  Pendant  dazu:  Mädchen  vor  einem  Tische  mit  Früchten.  XVIII.  Jh. 

82.  49  X  39.    Zwei  Pendants,    ein  Fischverkäufer   und   ein  Koch  mit  Pastete  in  den  Händen.    XVIII.  Jh. 
Zwei  gleiche,  aber  größere  Bilder  sind  in  Schloß  Anif. 

83.  28  X  37.    Vier  unbedeutende  Bildchen,  ein  junges  höfisch  gekleidetes  Paar  darstellend,  wie  es  ver- 
schiedenen Beschäftigungen  zusieht  (Fischfang,  Vogelfang,  Jagd,  Feuerwerk).  Vielleicht  von  Laktanz  Firmian. 

84.  45  ;    124.  Landschaft  mit  römischer  Tempelruine  und  Steinbrüchen.  Gering,  XVIII.  Jh.  (III.  St.). 

85.  Pendant.  Flußlandschaft  mit  Burgen  und  Stadt.  Gering,  XVIII.  Jh. 

iMsolpaviilon.  Inselpavilloii:  Auf  einer  kleinen  Insel,  der  sog.  „Musikinsel",  südöstlich  vom  Schlosse  steht  inmitten 
von  Bäumen  ein  achtseitiger  hölzerner  Pavillon,  mit  vier  flachbogigen  Tür-  und  vier  rechteckigen  Fenster- 
öffnungen.   Achtseitiges  Schindelmansardendach.    Das  Innere    ist   vollständig   ausgemalt   nach  Art   einer 


Liefering  333 

Stuckdekoration:  In  den  Ecken  Pilaster,  ober  den  Türen  mythologische  Szenen,  Meer-  und  Flußgott- 
heiten. An  der  achtseitigen  Holzkuppel  unten  durchbrochene  geschwungene  Balustrade  mit  Rokoko- 
vasen über  den  Fenstern  und  Medaillons  über  den  Türen,  in  denen  Putten  bei  verschiedenen 
Beschäftigungen  dargestellt  sind  (Jagd,  Fischfang,  Gärtnerei,  Vogelstellerei).  Am  blauen  Himmel  darüber 
tummeln  sich  zahlreiche  Putti  mit  den  Vögeln.  Zwei  lassen  an  Bändern  Vögel  aufsteigen,  einer  hält 
auf  einer  Tragstange  eine  Eule,  einer  schießt  mit  dem  Bogen,  andere  halten  Falken,  geben  Takt  zur 
Musik,  tragen  einen  Blumenkorb,  einer  liegt  als  Mars  auf  einem  Fahnentuch,  ein  anderer  hält  einen 
großen  Sonnenschirm  (Fig.  303).  Gute  Arbeit,  um  1750.  Leider  wird  dieses  interessante  Denkmal  nicht  Fig.  303. 
mit  der  gebührenden  Sorgfalt  instand  gehalten. 

Statue   des    hl.   Johann    von    Nepomuk   (Fig.  304):    An    der   Wegkreuzung   beim    südöstlichen        Ncpomuk- 

Ende  des  Weihers.    Material:    Untersberger  Marmor.    Auf  einem   Steinplattenbelag  eine  im  Achteck  um  statue. 

das  Standbild  herumgeführte  Marmorbalustrade.  In  der  Mitte  des  Raumes  mannshohes  Postament,  dessen         Fig.  304. 

Grundriß    die  Form    eines  Achteckes    hat,   von    dem    vier   gegenständige  Seiten    stark   eingebogen  sind. 

Über  den  schmäleren  vier  anderen  Seiten  Frontalvoluten.  An  der  Frontseite  im  Relief  das  Wappen  des 

Erzbischofs  Leopold  Grafen  von  Firmian.    Über  vorspringendem  profiliertem  Gesimse  kürzerer  Oberteil, 

dessen  vier  schmälere  Seiten  von  Frontalvoluten  gebildet  sind,  während  die  breiteren  von  achtzackigen 

Sternen  durchbrochen  sind.    Darauf  die  überlebensgroße  Statue  des  hl.  Johann  von  Nepomuk,  der,  den 

Kopf    aufwärts    gewendet,    im    linken  Arm  Kruzifix    und  Palmzweig   hält,  die  rechte  Hand  auf  die  Brust 

legt.  —  Sehr  gute  Arbeit  um  1736,  wohl  von  Josef  Anton  Pfaffinge  r.    —  Um  das  Monuinent  im 

Dreieck  drei  riesige,  mit  dem  Denkmal  gleichzeitige  Kastanienbäume. 

Liefering,  Dorf 

Archivalien:  Konsistorialarcliiv.  —  Die  älteren  Kirchenrechnungen  verloren  (ab  1779  im  Konsistorialarchiv). 

Literatur:  HüBNER,  Stadt  489.  —  Pillwein,  Salzachkrcis  362.  —  Dürlinoer,  Handbuch  130. 

Dignoliis  gab  zu  Anfang  des  VIII.  Jhs.  3  Hüben   .in   loco  qiii  dicittir  Litieringa   (in  vico  .  .  Liiieringe)"  an  die  Salzburger 

Kirche  (HAUTHALER.  U.-R.  1.  9  und  37).     Siehe  auch  Schloß. 

Filialkirche  zu  den  Hl.  Petrus  und  Paulus.  Füiai- 

tcirclie. 
Ad  Liueringa  ecclesia  cum  territorio  verzeichnet  das  Arnonische  Güterverzeichnis  vom  Ende  des  VIII.  Jhs. 

(Hauthaler  a.  a.  O.  11).  Am  2.  Jänner  1469  verleiht  Kardinaldiakon  Theodorus  auf  Bitte  des  Laien  Rubert 
Kleshaimer  der  St.  Peterskirche  in  Lifring,  Filiale  von  Sietzenheim,  und  am  14.  Oktober  1475  der  Kardinal 
Julianus  Tit.  St.  Petri  ad  vincula  und  der  Kardinal  Theodor  auf  Bitte  des  Rubert  Gold  und  seiner  Frau 
Margareta  der  St.  Peter-  und  Pauls-Kirche  Ablässe  (Orr.).  Am  17.  August  1516  weihte  Bischof  Berthold 
Pürstinger  von  Chiemsee  die  Kirche  der  Hl.  Petrus  und  Paulus  in  Lüfiing  cum  tribus  altaribus:  aii- 
terius  in  hon.  ss.  Petri  et  Pauli  ac  aliorum  apostolorum,  alterum  in  dextro  latere  in  hon.  s.  Johannis 
evangeliste  et  Anne,  tertium  in  latere  sinistro  in  hon.  ss.  Rudberti,  Virgilii  et  Leonardi.  Ibidem  eodem 
die  cimiterium  est  consecratum. 

1671  werden  am  Turm-  und  Langhausgebäude  für  357  fl.  Reparaturen  vorgenommen  (SRA  Kapitel- 
protokoll F.  29  und  48).  1691  wird  der  Turm  erhöht,  was  aber  einen  langwierigen  Prozeß  des  Dom- 
kapitels mit  dem  Erzbischof  Johann  Ernst,  der  auf  der  Einholung  des  Ordinariatskonsenses  bestand,  bei 
der  römischen  Kurie  zur  Folge  hatte. 

Die  Kirchenrechnung  vermerkt  über  den  Bau:  1691:  Wegen  Erhechung  und  Verenderung  des  Kirchen- 
thurns,  dann  Erpauung  eines  anderen  Portals,  Todtengrujft  und  Glockenstuhls  2621  fl.  5  kr. 
Die  Kirchenrechnungen  1779ff.  enthalten  u.  a.:  1781:  Niclas  Orth,  Gürtler,  für  eine  Cron  auf  das 
Ciborium  von  Messing  und  getriebner  Arbeit  12  fl.  —  1790:  Matthäus  Moser,  Zimmermeister  zu 
Saldorf,  für  das  im  Freithof  aufgesetzte  neue  große  Kreuz  27  fl.  8  kr.  —  1791:  Franz  Rödl,  Tischler- 
meister zu  Salzburg,  für  die  3  neuen  Altäre  360  fl.  Franz  Streicher,  Maler,  für  3  neue  Altar- 
blätter 180  fl.  Dominicas  Plassisganig  in  Piding  für  Machung  der  Risse  zu  den  Altären  5  fl. 
1793  werden  zinnerne  Altadeuchter  angekauft  und  1795  wird  durch  Joh.  Oberascher  eine  Glocke 
umgegossen  (127  fl.).  1894  wurden  anstatt  der  alten  Altäre,  die  als  „Bretterwände"  bezeichnet  wurden, 
durch  den  Bildhauer  Pörnbacher  neue  im  pseudogotischen  Stil  aufgestellt. 


334 


GerichtsbeKirk  Salzburg 


Charakte- 
ristik. 

Fig.305— 308. 

Lage. 
Fig.  305,  306. 

Äußeres. 
Fig.  305,  306. 

Langhaus 
und  Chor. 


Charakteristik:  Einschiffige  spätgotische  Kirche  (1516  geweiht)  mit  schönem  Netzgewölbe  (Strebe- 
pfeiler innen  eingezogen).  Die  Langhausmauern  sind  vielleicht  noch  romanisch.  Gotischer  Westturm, 
mit  achtseitigem  barockem  Obergeschosse  von  1691.    Hübsche  Portalvorhalle  von  1691  (Fig.  305 — 308). 

Lage:  Erhöht  inmitten  des  Friedhofes  auf  stark  nach  NW.  ansteigendem  Terrain  im  W.  des  Ortes 
(Fig.  305,  306). 

Äußeres  (Fig.  305,  306) : 

Verputzter  und  weiß  gefärbelter  Bruchstein-  und  Ziegelbau. 

Langhaus  und  Chor:  Gleichbreit  und  -hoch.  W.  Dreiecksgiebelfront  mit  vorgebautem  Turm;  im  N. 
unten  gotische  rechteckige  Tür  in  Steinrahmung  mit  in  den  Ecken  verschnittenem  Rundstab  und  Hohl- 
kehle. —  S.  Links  Vorhalle  (Anbau  1),  in  der  Mitte  Kapellenanbau  (2).  Um  den  östlichen  Teil  des 
Langhauses  und  des  in  drei  Seiten  geschlossenen  Chores  läuft  ein  massiger  Konglomeratsockel,  oben 
mit  einer  Hohlkehle  abgeschlossen.    Im  S.  unter  der  Vorhalle  rundbogige  Tür  in  Sandsteinumrahmung 


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Fig.  305    i^iefering.    FiHalkirche,  Ansicht  von  Nordwesten  (S.  334) 


von  1691  (eiserner  Türring  von  1691);  ober  dem  Anbau  2  zwei  rundbogige  Fenster,  das  rechte  mit 
spitzbogiger  Laibung;  im  Chor  ein  rundbogiges  Fenster.  —  Im  SO.  und  NO.  je  ein  rundbogiges 
Fenster.  —  Im  N.  Anbau  3  (Sakristei)  und  4  (Leichenkammer);  über  der  letzt-eren  ein  rundbogiges 
Fenster  mit  spitzbogiger  Laibung.  —  Mit  Ausnahme  der  Westseite  umlaufendes  gotisches  steinernes 
Hohlkehlgesims.  Nach  O.  abgewalmtes  steiles  Satteldach,  im  S.  mit  Blech  und  Ziegeln,  über  dem  Ab- 
schlüsse und  im  N.  mit  Schindeln. 

Turm:  Im  S.  übereinander  ein  kleines  oblonges  Fenster  und  zwei  Luken,  im  W.  oben  kleines  Fenster. 
Zuoberst  vier  rundbogige  Schallfenster  mit  steinernen  Balustraden.  Kräftig  profiliertes  Abschlußgesims. 
Das  aufgesetzte  achteckige  Glockengeschoß  (von  1691)  hat  Eckpilaster,  vier  rundbogige  Schaufenster  mit 
Steinbalustraden,  vier  runde  blecherne  Zifferblätter,  profiliertes  y\bschlußgesims.  Achtseitige  Schindei- 
Isaube  mit  hölzerner,  blechgedeckter  Laterne,  vergoldetem  Knauf  und  Kreuz.  Am  Helm  die  Jahreszahlen 
1722,  1839,  1893. 

Anbauten:  1.  Hübsche  Türvorhalle  im  S.  (um  1691).  Quadratisch,  nach  S.  und  O.  mit  Flachbogen 
:-;eüf[net,  nach  W.  leider  später  vermauert.  Im  N.  rundbogige  Kirchentür  in  einfacher  Sandsteinumrahmung. 
Das  Gewölbe  (Kreuzgewölbe  mit  stukkierten,  von  einem  mit  Rosette  gezierten  Mittelkreis  ausgehenden 
Rippen)  wird  getragen  von  zwei  toskanischen  Säulen  aus  rotem  Marmor  mit  Würfelsockeln.  Über  profi- 
li&rtem  vorspringendem  Gesimse  Schindelsatteldach,  nach  S.  abgewalmt. 


Liefering 


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2.  Kapelle  im  S.  des  Langhauses.  Eingeschossig.  Im  W.  flachbogige  Tür,  daneben  eingemauert  acht- 
eckiges marmornes  Weihwasserbecken  mit  pyramidenstumpfförmigem  Ablauf  und  dem  in  gotischer  Mi- 
nuskel eingemeißelten  Namen:  Oswald  H.  Im  S.  flachbogiges  Fenster  und  eingemauerter  Grabstein 
(s.  unten).    Über  vorspringendem  Gesimse  Schindelwalmdach. 

3.  Sakristei  im  N.  des  Chores.  Eingeschossig.  Im  O.  Tür  in  Sandsteinrahmung  mit  quadratischem  Ober- 
lichtfenster, im  N.  kleines  Fenster.    Schindelwalmdach. 

4.  Totenkammer,  daneben,  modern. 

Fried  hofmauer:  Bruchstein,  weiß  verputzt,  abgedeckt  mit